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	<title>ZVABlog</title>
	
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	<description>das offizielle Blog des ZVAB rund um antiquarische und vergriffene Bücher - Literatur, Kolumnen, Lesetipps und Autoren-Nachrufe.</description>
	<lastBuildDate>Mon, 15 Mar 2010 11:42:52 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Eine Mischung aus Kant und Chaplin</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Mar 2010 10:58:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carsten Tergast</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zu gut zum Vergessen]]></category>
		<category><![CDATA[Anonymus]]></category>
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		<category><![CDATA[philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[
Anonymus ist ein immer wieder gerne benutztes Pseudonym, wenn der Verfasser eines Textes –  aus welchem Grund auch immer – nicht erkannt werden will. Dass einer das irgendwie langweilig findet, das W&#246;rtchen &#8220;anonym&#8221; einfach umdreht und dann als Mynona Literaturgeschichte schreibt, ist allerdings einzigartig.

So einzigartig, wie eben die ganze Pers&#246;nlichkeit und das literarische Schaffen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildlinks"><a href="http://www.zvab.com/displayBookImage.do?itemId=86321482&#038;b=1"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/mynona_brautbett.jpg" width="125" height="190" alt="" title="" /></a></div>
<p>Anonymus ist ein immer wieder gerne benutztes Pseudonym, wenn der Verfasser eines Textes –  aus welchem Grund auch immer – nicht erkannt werden will. Dass einer das irgendwie langweilig findet, das W&#246;rtchen &#8220;anonym&#8221; einfach umdreht und dann als <strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona">Mynona </a></strong>Literaturgeschichte schreibt, ist allerdings einzigartig.<br />
<span id="more-3752"></span><br />
So einzigartig, wie eben die ganze Pers&#246;nlichkeit und das literarische Schaffen Mynonas waren, der am 4. Mai 1871 als <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=samuel+friedlaender"><strong>Samuel Friedl&#228;nder</strong></a> (auch <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=salomo+friedlaender">Salomo Friedlaender</a>) in Posen geboren wurde. Im Anschluss an die beh&#252;tete Kindheit als Sohn einer Arztfamilie deutet zun&#228;chst nichts darauf hin, dass aus dem Jungen ein avantgardistischer Dichter werden k&#246;nnte. Der naheliegende Weg wird eingeschlagen, auf die Aufnahme eines allgemeinmedizinischen Studiums in M&#252;nchen folgt bald der doppelte Wechsel: von M&#252;nchen nach Berlin, von der Allgemeinmedizin zur Zahnheilkunde.</p>
<p>Wie man von dort zu spekulativer Philosophie, alter Geschichte und Arch&#228;ologie kommt, wird vermutlich Friedl&#228;nders Geheimnis bleiben. Die Philosophie jedenfalls packt ihn besonders, und 1902 promoviert er in Jena mit einer Arbeit &#252;ber <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=schopenhauer">Schopenhauers </a>Verh&#228;ltnis zu <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=immanuel+kant">Kants </a><em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kant&#038;title=kritik+reinen+vernunft">Kritik der reinen Vernunft</a></em>.</p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/gedenktafel.jpg" width="180" height="96" alt="" title="" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gedenktafel in der Berliner<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Johann-Georg-Stra&#223;e</small></div>
<p>Berlin wird schlie&#223;lich die Stadt, in der aus Samuel Friedl&#228;nder Mynona wird.<br />
Ab 1906 lebt er wieder dort und kn&#252;pft zahlreiche Kontakte zu Geistesgr&#246;&#223;en seiner Zeit, darunter so illustre Pers&#246;n- lichkeiten wie <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=alfred+kubin">Alfred Kubin</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=erich+muehsam">Erich M&#252;h- sam</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=else+lasker+schueler">Else Lasker-Sch&#252;ler</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=martin+buber">Martin Buber</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=georg+simmel">Georg Simmel</a> oder <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=herwarth+walden">Herwarth Walden</a>. Durch die Bekanntschaft mit <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=raoul+hausmann">Raoul Hausmann</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hannah+hoech">Hannah H&#246;ch</a> und anderen Vorreitern der Bewegung entwickelt er in seinem literarischen Schaffen deutliche dadaistische Tendenzen, mischt diese mit expressionistischen Ausdrucksformen und bringt eine Vielzahl an Grotesken hervor, die auf geniale Weise sein parallel entstehendes philosophisches Werk illustrieren.</p>
<p>Gerade diese Doppelexistenz ist es, die Mynona einzigartig macht, einzigartig in einer Zeit, die an individualistischen Tendenzen und bemerkenswerten K&#252;nstlern wahrhaftig nicht arm war. Er selbst ist sich dieser Tatsache sehr wohl bewusst und artikuliert sie in einem Brief an den Verleger Kurt Wolff mit den Worten: <em>„Ich behaupte k&#252;hnlich, da&#223; ich zur Zeit der einzige bin, der eine gewisse Synthese aus Kant und Clown (Chaplin) darstellt.“</em></p>
<p>Eine Mischung aus Immanuel Kant, dem S&#228;ulenheiligen der deutschen Philosophie, und Charlie Chaplin, der Ikone des clownesken Auftritts? Darauf muss man erstmal kommen, doch Friedl&#228;nder lag wohl richtig mit dieser Einsch&#228;tzung seiner Existenz. Wie unbek&#252;mmert und ansprechend er literarisches Schaffen mit philosophischer Theorie verbindet, zeigt der 1922 entstandene Roman <strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona&#038;title=graue+magie"><em>Graue Magie</em></a></strong>. In seine muntere Mixtur aus unterschiedlichsten literarischen Formen von der Groteske bis zum Krimi verpackt Mynona nicht nur spitzz&#252;ngige Darstellungen mancher Zeitgenossen wie <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=oswald+spengler">Oswald Spengler </a>oder dem Hellseher Hanussen, sondern integriert auch die philosophischen Theorien seines Lehrers <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ernst+marcus">Ernst Marcus</a> sowie Kantsche Ans&#228;tze.</p>
<p>&#220;ber 250 literarische Texte entstehen im Laufe der Zeit neben den philosophischen Abhandlungen, ein Teil davon erscheint in der von Friedl&#228;nder selbst herausgegebenen Zeitschrift<em> <strong>Der Einzige</strong></em>, die in Titel und Ausrichtung die Individualphilosophie aufgreift, die <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=max+stirner">Max Stirner</a> in seinem Hauptwerk <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=stirner&#038;title=einzige+eigentum">Der Einzige und sein Eigentum</a></em> formuliert hatte.</p>
<div class="bildlinks">
<div class="bildlinks"><a href="http://www.zvab.com/displayBookImage.do?itemId=98609902&#038;b=1"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/mynona_katechismus.jpg" width="119" height="170" alt="" title="" /></a></div>
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<p>Die Novelle <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona&#038;title=biblianthropen">Biblianthropen </a></strong></em>wird zwar 1933 noch mit einem von der Gesellschaft der Bibliophilen ausgelobten Preis bedacht, sorgt jedoch auch daf&#252;r, dass Friedl&#228;nder sich zur Flucht nach Paris gen&#246;tigt sieht. Denn der Druckereibesitzer hatte <em>„verschiedene Anst&#246;&#223;igkeiten“</em> des Textes zum Anlass genommen, Mynona mit Denunziation bei den neuen Herren(menschen) in Deutschland zu drohen.</p>
<p>Friedl&#228;nder &#252;bersteht die Naziherrschaft und den Krieg im Exil. Seine schriftstellerische Produktivit&#228;t allerdings l&#228;sst rapide nach, bereits 1935 erscheint in einem Pariser Verlag das zu Lebzeiten letzte belletristische Werk, die Sammlung <em><strong>Der lachende Hiob und andere Grotesken</strong></em>. Stattdessen widmet sich Friedl&#228;nder in dieser Zeit der Weiterentwicklung seiner philosophischen Theorie, die schlie&#223;lich im von ihm selbst als sein wichtigstes betrachteten Werk <em><strong>Das magische Ich</strong></em> (2001 posthum ver&#246;ffentlicht) ihren vollendeten Ausdruck findet.</p>
<p>Nur ein Jahr nach Kriegsende stirbt Samuel Friedl&#228;nder alias Mynona in Paris. Ihn zu lesen ist ein Vergn&#252;gen – allein das lohnt die Lekt&#252;re. Und wer sich die M&#252;he macht, dazu noch die philosophische Erkenntnis nachzuvollziehen, die das Werk durchzieht, wird doppelt belohnt von diesem einzigen Anonymus, der Mynona hei&#223;t.</p>
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<h3>Mynona im ZVAB (Auswahl):</h3>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona&#038;title=psychologie+lehre">Psychologie. Die Lehre von der Seele</a> (1907)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=friedlaender&#038;title=blaue+schleier">Durch blaue Schleier. Gedichte</a> (1908, unter dem Namen Salomo Friedl&#228;nder)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona&#038;title=nietzsche">Friedrich Nietzsche. Eine intellektuale Biographie</a> (1911)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona&#038;title=schwarz">Schwarz-Wei&#223;-Rot. Grotesken</a> (1916)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona&#038;title=bank+spoetter">Die Bank der Sp&#246;tter. Ein Unroman</a> (1919)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona&#038;title=schoepfer">Der Sch&#246;pfer. Phantasie </a>(1920)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona&#038;title=graue+magie">Graue Magie. Berliner Nachschl&#252;sselroman</a> (1922)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona&#038;title=remarque">Hat Erich Maria Remarque wirklich gelebt? Der Mann. Das Werk. Der Genius. 1000 Worte Remarque</a> (1929)<br />
Der lachende Hiob und andere Grotesken (1935)<br />
Das magische Ich. Elemente des kritischen Polarismus (2001 aus dem Nachlass)
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		<title>Zurück zum Papier: Ollos Welt 2035</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 12:10:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicola Bardola</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lies doch mal!]]></category>
		<category><![CDATA[Antje von Stemm]]></category>
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		<description><![CDATA[
E-Book hin oder her, in Ollos Welt spielt das gute alte Papier die handfeste und greifbare Hauptrolle. Ollo ist ein zehnj&#228;hriger Junge mit John-Lennon-Brille, ein Forscher und Vielschreiber, ein EMGAP (Erfinder modernster Ger&#228;tschaften aus Papier), der sich im Jahr 2035 allerhand pfiffige Gedanken macht: &#252;ber seine Schwestern Ariane 1 und Ariane 2, seinen rothaarigen Vater, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/ollo.jpg" width="120" height="120" alt="" title="" /></div>
<p>E-Book hin oder her, in <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=stemm+biermann&#038;title=ollos">Ollos Welt</a></strong></em> spielt das gute alte Papier die handfeste und greifbare Hauptrolle. Ollo ist ein zehnj&#228;hriger Junge mit John-Lennon-Brille, ein Forscher und Vielschreiber, ein EMGAP (Erfinder modernster Ger&#228;tschaften aus Papier), der sich im Jahr 2035 allerhand pfiffige Gedanken macht: &#252;ber seine Schwestern Ariane 1 und Ariane 2, seinen rothaarigen Vater, der ebenfalls Erfinder ist, und seine blauhaarige Mutter, die Chefdesignerin. Ollo setzt sich f&#252;r den Tierschutz ein, besch&#228;ftigt sich mit <em>„Schikanemanagern“</em> und <em>„Allesh&#246;rern“</em> und f&#252;hrt &#252;ber seine skurrilen Entdeckungen und bet&#246;renden Erfahrungen ein &#246;ffentliches, intergalaktisches Tagebuch. Ob Ollos erstes Date oder die Geschichte von der Schildkr&#246;te Lotus-Elsa, die in seinen Rucksack pinkelt – &#252;ber 52 Wochen hinweg wird alles mit Pr&#228;zision und Humor aufgezeichnet.<br />
<span id="more-3690"></span><br />
<em>„Spacekracher hei&#223;t die neueste Erfindung der Knabberindustrie. Die w&#252;rzigen Hefekracher bestehen fast zu 90% aus Fresspulver, und wer ihnen einmal verfallen ist, der muss die Dinger knuspern, bis es kracht.“</em></p>
<div class="bildlinks"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/S%201253_gr.jpg" width="180" height="132" alt="" title="" /><br /><small>Franziska Biermann</small></div>
<p>Spacekracher sind ein winziger Bestandteil in <em>Ollos Welt</em> und in seinem Tagebuch, einem gesamtk&#252;nstlerisch berauschenden Universum f&#252;r neugierige Leser. Das Besondere an <em>Ollos Welt</em> ist ihr Bastelcharakter. Die Leser k&#246;nnen den Text mit unz&#228;hligen Klebebildchen (zum Beispiel Love-Ring oder Lesezeichen mit Einh&#228;ngerfunktion) erg&#228;nzen und sich bei Bedarf weiteren Stoff besorgen, um ihn zu schneiden, zu lochen, zu knicken und zu kleben. Wo? Im Internet! Auf <a href="http://www.ollos-welt.de"><strong>www.ollos-welt.de</strong></a> findet das Buch aus Pappe und Papier seine virtuelle Fortsetzung, wobei sich diese umgehend wieder materialisieren l&#228;sst, indem erg&#228;nzende Seiten (auf Papier!) zu Hause ausgedruckt werden. (Einige Bastelb&#246;gen Sie auch hier im Anschluss an den Text!) <em>Ollos Welt</em> war 2003 eines der ersten B&#252;cher, die on- und offline fabelhaft funktionierten und bis heute nichts von ihrer Faszination verloren haben. Es geht hin und her in Ollos innovativer Welt zwischen Internet und Buchseiten.</p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/v.stemm09B.jpg" width="127" height="170" alt="" title="" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Antje von Stemm</small></div>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=franziska+biermann"><strong>Franziska Biermann</strong></a>, Jahrgang 1970, studierte an der Hamburger Fachhochschule f&#252;r Gestaltung. Zusammen mit <strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=antje+stemm">Antje von Stemm</a></strong>, ebenfalls Jahrgang 1970, gr&#252;ndete sie 2000 eine gemeinsame Firma mit dem Namen <em>Brillante T&#246;chter</em>. Ihre B&#252;cher haben ihnen zahlreiche Auszeichnungen eingebracht; einen &#220;berblick &#252;ber das Schaffen der Autorinnen bieten die Webseiten <a href="http://www.antjevonstemm.de">www.antjevonstemm.de</a> und <a href="http://www.franziskabiermann.de">www.franziskabiermann.de</a></p>
<p><strong>Bastelb&#246;gen „Schikanemanager“: <a href='http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2010/03/schikanemanager1.pdf'>Teil 1</a>, <a href='http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2010/03/schikanemanager2.pdf'>Teil 2</a>, <a href='http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2010/03/schikanemanager3.pdf'>Teil 3</a><br />
Bastelb&#246;gen „Allesh&#246;rer“: <a href='http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2010/03/alleshoerer1.pdf'>Teil 1</a>, <a href='http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2010/03/alleshoerer2.pdf'>Teil 2</a>, <a href='http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2010/03/alleshoerer3.pdf'>Teil 3</a></strong></p>
<div class="bildlinks" style="float: none !important; margin-bottom: 2em;"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/04KW_ollo.2.jpg" width="450" height="190" alt="" title="" /></div>
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<h3>Franziska Biermann und Antje von Stemm<br />
im ZVAB (Auswahl):</h3>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=stemm+biermann&#038;title=freundinnen">Zwei Freundinnen packen aus! </a>(2002)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=stemm+biermann&#038;title=ollos">Ollos Welt</a> (2003)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=biermann+kacirek&#038;title=zirkus">Zirkus</a> (zusammen mit Nils Kacirek und J&#246;rg Hochapfel, 2009)</p>
<p><strong>Franziska Biermann:</strong><br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=biermann&#038;title=fuchs+buecher">Herr Fuchs mag B&#252;cher!</a> (2001)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=biermann&#038;title=feodora">Feodora hat was vor!</a> (2007)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=biermann&#038;title=flieg+dich">Ich flieg auf Dich</a> (2007)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=biermann&#038;title=faule+kater">Der faule Kater Josef</a> (2008)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=biermann+aiken&#038;title=hund+dach">Adventskalenderbuch: Ein Hund bellt sich vom Dach</a> (zusammen mit Joan Aiken, 1999)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=biermann+flottwell&#038;title=wilma">Wilma w&#252;nscht sich was</a> (zusammen mit Polly Flottwell, 2006)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=am+weihnachtsbaume">Am Weihnachstbaume </a>(zusammen mit Susanne Hoppe und Nils Kacirek, 2007) </p>
<p><strong>Antje von Stemm:</strong><br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=antje+stemm&#038;title=unser+haus">Unser Haus</a> (2005)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=stemm&#038;title=extrembasteln">Extrembasteln mit Krimskramuri </a>(2006)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=stemm&#038;title=up+girls+pop">Die Pop-Up-Girls – Abenteuer im Papierland</a> (2009)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=stemm&#038;title=gruselgraus">Pop Up: Hotel Gruselgraus</a> (2009)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=stemm&#038;title=ungeheuer+gute">Pop Up: Ungeheuer Gute Nacht</a> (2009)
</div>
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		<title>Gewinnspiel ‚Mario und der Zauberer’</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 15:33:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ZVAB</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Buddenbrookhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Gewinnspiel]]></category>
		<category><![CDATA[Mario und der Zauberer]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Mann]]></category>

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		<description><![CDATA[
Gewinnspiel anl&#228;sslich der Ausstellung  ‚Mario und der Zauberer’
F&#252;r Liebhaber bibliophiler Ausgaben verlosen wir begleitend zur Ausstellung &#8216;Mario und der Zauberer&#8217; im Buddenbrookhaus L&#252;beck einen ganz besonderen Preis: Die Erstausgabe von ‚Mario und der Zauberer’ mit Illustrationen von Hans Meid und originalem Schuber, erschienen 1930 bei S. Fischer. Au&#223;erdem gibt es eine Jahreskarte f&#252;r das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildlinks"><a href="http://blog.zvab.com/wp-content/BildGewinn.jpg" class="thickbox"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/_BildGewinn.jpg" alt="" width="250" height="186" /></a></div>
<p><strong>Gewinnspiel anl&#228;sslich der Ausstellung  ‚Mario und der Zauberer’</strong></p>
<p>F&#252;r Liebhaber bibliophiler Ausgaben verlosen wir begleitend zur Ausstellung &#8216;Mario und der Zauberer&#8217; im Buddenbrookhaus L&#252;beck einen ganz besonderen Preis: Die <strong>Erstausgabe von ‚Mario und der Zauberer’</strong> mit Illustrationen von Hans Meid und originalem Schuber, erschienen 1930 bei S. Fischer. Au&#223;erdem gibt es eine Jahreskarte f&#252;r das Buddenbrookhaus und f&#252;nf Ausstellungskataloge zu gewinnen.</p>
<p>Beantworten Sie uns <strong>bis zum 20. Juni</strong> einfach folgende Frage und nehmen Sie &#252;ber unten stehendes Formular am Gewinnspiel teil:</p>
<p><em>&#8220;Welchen Beruf &#252;bt Mario in der Novelle &#8216;Mario und der Zauberer&#8217; aus?&#8221;</em></p>
<p><a id="tnb" href="#" onClick="window.open('http://www.zvab.com/pages/teilnahmebedingungen.jsp', 'TNB', 'width=500px,height=400px,scrollbars=yes,resizable=yes')">Teilnahmebedingungen</a></p>

		<p id="usermessage5a" class="info success" ></p>
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		<legend>Mario und der Zauberer Gewinnspiel</legend>
		<ol class="cf-ol">
			<li><label  for="cf5_field_2"><span>L&#246;sung</span></label><input  type="text" name="cf5_field_2" id="cf5_field_2" class="default fldrequired" value=""/><span class="reqtxt">&nbsp;(Pflichtfeld)</span></li>
			<li><label  for="cf5_field_3"><span>Name</span></label><input  type="text" name="cf5_field_3" id="cf5_field_3" class="default fldrequired" value="Name" onfocus="clearField(this)" onblur="setField(this)"/><span class="reqtxt">&nbsp;(Pflichtfeld)</span></li>
			<li><label  for="cf5_field_4"><span>E-Mail</span></label><input  type="text" name="cf5_field_4" id="cf5_field_4" class="default fldemail" value=""/><span class="emailreqtxt">&nbsp;(g&#252;ltige E-Mailadresse)</span></li>
			<li><label  for="cf5_field_5"><span>Adresse</span></label><textarea  cols="30" rows="8" name="cf5_field_5" id="cf5_field_5" class="default fldrequired"></textarea><span class="reqtxt">&nbsp;(Pflichtfeld)</span></li>
			<li><label  for="cforms_captcha5" class="seccap"><span>Pr&#252;fcode</span></label><input type="text" name="cforms_captcha5" id="cforms_captcha5" class="secinput default" value="" /><img id="cf_captcha_img5" class="captcha" src="http://blog.zvab.com/wp-content/plugins/contactforms/cforms-captcha.php?ts=5" alt=""/><a title="reset captcha image" href="javascript:reset_captcha('5')"><img class="captcha-reset" src="http://blog.zvab.com/wp-content/plugins/contactforms/images/spacer.gif" alt=""/></a></li>
		</ol>

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		<title>Italienisch für Machos</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 08:54:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaromir Konecny</dc:creator>
				<category><![CDATA[Altpapiergeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Ehe]]></category>
		<category><![CDATA[Italienisch]]></category>
		<category><![CDATA[Jaromir Konecny]]></category>
		<category><![CDATA[Macho]]></category>
		<category><![CDATA[Urlaub]]></category>

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		<description><![CDATA[
In einer Ehe kriegst du schnell raus, wer das Sagen hat. Vor allem, wenn du dreimal weniger als deine Frau verdienst. Fr&#252;her aber, Mann, fr&#252;her hatte ich vor Karin den wilden Burschen aus M&#228;hren gespielt, den Macho! Das Einzige an gesunder Ern&#228;hrung, das ich zu mir nahm, war Bier! Nix Broccoli! Ich futterte nur Leberk&#228;se [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts"><a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?title=Italienisch+f%FCr+B%FCffelmuffel"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/italienisch.jpg" width="118" height="180" alt="" title="" /></a></div>
<p>In einer Ehe kriegst du schnell raus, wer das Sagen hat. Vor allem, wenn du dreimal weniger als deine Frau verdienst. Fr&#252;her aber, Mann, fr&#252;her hatte ich vor Karin den wilden Burschen aus M&#228;hren gespielt, den Macho! Das Einzige an gesunder Ern&#228;hrung, das ich zu mir nahm, war Bier! Nix Broccoli! Ich futterte nur Leberk&#228;se und Wei&#223;w&#252;rste, bekleckerte mich mit Senf wo und wann auch immer ich wollte, und wenn mir danach war, auch mit Ketchup! Gepinkelt habe ich damals nur im Stehen! Die Spuren meines Mannesdaseins markierten die Welt! Wo sind nur diese herrlichen Zeiten meiner Selbstverwirklichung als Mann geblieben?<br />
<span id="more-3648"></span><br />
Wenn Kinder kommen, kannst du die dir von der Evolution zugewiesene Rolle vergessen! Erz&#228;hle mal deinem kleinen Sohn: „Ich kann dir nicht die Windeln wechseln, Pauli! Ich bin der Macho!“ Das Baby schreit trotzdem weiter! Au&#223;erdem verlierst du als Mann auch deine wichtigste und letzte Funktion in der Ehe: die Frau zu unterhalten. Daf&#252;r hat sich die Frau die Kinder angeschafft! Nur tragen kann Karin die Kinder nicht! Zehn Kilo unb&#228;ndige Masse in den Armen waren f&#252;r sie zu viel. Diese wichtige Funktion konnte nur ein gestandener Mann &#252;bernehmen. Mein Ansehen in der Familie stieg dadurch enorm. Unser Paul zum Beispiel schlief nur beim Tragen ein. Tag f&#252;r Tag f&#252;nf Stunden lang Paul in den Schlaf tragen! Nach vier Stunden erlahmte langsam Pauls Entdeckerdurst, er musste nicht mehr aus dem Fenster im Schlafzimmer gucken, gleich danach den Sch&#252;sselbund am Haken in der K&#252;che anfassen, um mich anschlie&#223;end wie einen Packesel ins Wohnzimmer zu treiben und schreien: „Pajme! Pajme!“ Ja, Pauli! Dort steht die die gro&#223;e Palme! Mamas Lieblingspflanze! Siehst du? Bl&#228;-tter! Die kannst du jetzt sch&#246;n rupfen, wenn Mama nicht da ist. Mama wird sich sicher freuen dr&#252;ber!“ Endlich! Paul legte sein K&#246;pfchen auf meine Schulter. Nach einer weiteren halben Stunde streichelte sein Atem mein Ohr im Takt eines Wiegenlieds. Jetzt ihn nur langsam und vorsichtig ins Bettchen legen, so… und… die zum Schlafen unnat&#252;rliche Liegelage im Bett riss Paul sofort aus dem Schlummer. Weitere zwei Stunden Laufen, von einem Zimmer ins andere, mit Paul in den Armen! Weil ich Paul so exzessiv getragen habe, wurde ich seine wichtigste Bezugperson. Er sagte, „Mama“, zu mir. </p>
<p>„Ich nicht Mama, Pauli!“, sagte ich. „Dort Mama! Siehst du? Mama liest, Papa tr&#228;gt!“<br />
„Mama tlagen!“, sagte Pauli. Irgendwie konnte ich ihm die Geschlechterrollen nicht klar machen. Die vollst&#228;ndige Kapitulation und die Selbstaufgabe als Mann belasteten mich aber zunehmend. Wie konnte ich wieder zu dem Macho werden, der ich fr&#252;her mal gewesen war? Und dann sah ich in der Glotze Eros Ramazotti! Sofort entschloss ich mich, heimlich italienisch zu lernen. Wenn ich bei unserem n&#228;chsten Urlaub in der Toskana mit dem Kellner in der Pizzeria auf Italienisch zu palavern anfange, wird Karin vor lauter Bewunderung vom Stuhl fallen und mich wieder als das wahrnehmen, was ich in meinem Wesen bin: Ein Mann, verdammt! Die St&#252;tze der Frau! Macho, aber lieb!</p>
<p>In drei Monaten hatte ich das ganze <em>Italienisch f&#252;r B&#252;ffelmuffel</em> durch. Mann! War ich stolz auf mich! Und dann kam endlich unser erstes Urlaubsabendessen in Principina. Karin staunte nicht schlecht, als ich f&#252;r uns auf Italienisch Pizza bestellte und mit dem Kellner ein paar frauenfeindliche Witze riss. Sah ich da einen Hauch von Bewunderung in ihren Augen? Nach dem Essen wollte Karin auf der Terrasse unserer Mietwohnung lesen. Ich ging mit den Jungs zum Strand. Wahnsinn! Nach Jahren als Schlappschwanz f&#252;hlte ich mich wieder wie ein Macho vor Gott!</p>
<p>„He, Adam! Hol mir ein Capuccino vom Kiosk! Subito presto!“ Paul stand auch von seiner Sandbaustelle auf! „N&#246;! Du gehst nicht mit, Pauli! Du kannst weiter buddeln! Aber nur in die Tiefe, damit du nicht verloren gehst. He, he, he!.. Wie? Du willst einen Schnuller? So ein gro&#223;er Mann von zwei Jahren? Warte, bis Adam zur&#252;ck ist, dann bekommst du etwas von dem Capuccinoschaum! Das beruhigt auch!“ Unweit von uns guckten zwei h&#252;bsche italienische Damen dem Sonnenuntergang zu. Paul warf seinen Gummiball direkt unter ihre Liegen. „Buona sera!“, sagte ich zu den Damen. „Mio ballo!“<br />
„Parlo tedesco!“, sagte eine der Damen.<br />
„Ach, Sie verstehen Deutsch?“<br />
„Ja, ich habe mal in Hamburg gearbeitet!“, sagte die Sch&#246;ne. Wie gef&#228;llt Ihnen der Urlaub bei uns?“<br />
Und da packte mich der Gr&#246;&#223;enwahn! „Ich bin nicht im Urlaub!“, sagte ich. „Ich schreibe hier eine Reportage!“<br />
„&#220;ber uns Italiener?“<br />
„&#220;ber die italienischen M&#228;nner!“, sagte ich. „In meiner Zeitung bringt man eine Serie &#252;ber die heutigen Geschlechterrollen. ‚Du bist doch auch so ein Macho, Jaromir!’, hat mein Chefredakteur gesagt. „Fahr nach Italien und schreibe etwas &#252;ber die italienischen M&#228;nner!“<br />
„Sind Sie wirklich ein Macho?“, fragte die Dame. „Ich dachte, die deutschen M&#228;nner k&#228;mpfen eher f&#252;r die Gleichberechtigung der Frau!“<br />
„Ich bin Tscheche!“, sagte ich.</p>
<p>„Setzen Sie sich doch zu uns!“, sagte sie. Mann, oh, Mann! Ich wusste es! Als Macho kannst du die Frauen immer beeindrucken! Ich warf einen Blick auf Paul. Nanu? Hoffentlich kein Stress in Anmarsch! An Paul vorbei lief eine Katze. Verdammt! Gott! Lass Paul die Katze nicht entdecken! Als Stadtkind hatte Paul eine irre Angst vor freilaufenden Katzen und Hunden. Aber da br&#252;llte Paul schon und lief zu mir. „Keine Angst, Pauli!“, rief ich. „Die Katze mag auch nur Milch!“ Aber Paul rannte, als ob ihn ein Rudel W&#246;lfe verfolgen w&#252;rde. „Mama!“, kreischte er. „Mama!“</p>
<p>Die zwei Signoras kriegten einen Lachanfall! „Mama?“, riefen sie und zeigten auf mich. „Mama! Macho! Hehehe!“ So endete meine glorreiche aber kurze Karriere als Macho. Doch wenn Paul mal gro&#223; ist, Mann, wenn Paul gro&#223; ist, lasse ich noch mal die Macho-Sau raus! Und bis dahin versuche ich, etwas mehr italienisch zu lernen.</p>
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		<title>Celine oder Welche Farbe hat das Leben</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Feb 2010 14:25:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>LesArtige</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ein Glück! Kinderbücher rezensiert von den LesArtigen]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Celine]]></category>
		<category><![CDATA[Chicago]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendbuch]]></category>
		<category><![CDATA[kinderbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Kiril]]></category>
		<category><![CDATA[lesen]]></category>
		<category><![CDATA[Südamerika]]></category>

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		<description><![CDATA[Was Jugendliche &#252;ber das Buch denken:
&#160;&#160;&#160;Kiril Dimova
Leseeindr&#252;cke von Kiril Dimova (13 Jahre)
Celine ist 16 Jahre alt und lebt mit ihrer Stiefmutter zusammen in Chicago. Ihre Mutter ist als Forscherin in S&#252;damerika unterwegs, und auch ihr Vater ist selten zu Hause und l&#228;sst Celine mit ihrer Stiefmutter allein, dich sich zwar um das M&#228;dchen k&#252;mmert, aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="color: green; font-size: 10pt;"><strong>Was Jugendliche &#252;ber das Buch denken:</strong></div>
<div class="bildrechts"><img width="140" height="193" title="Kiril Dimova" alt="Kiril Dimova" src="http://blog.zvab.com/wp-content/kiril.jpg" /><br />&nbsp;&nbsp;&nbsp;<small>Kiril Dimova</small></div>
<p><strong>Leseeindr&#252;cke von Kiril Dimova (13 Jahre)</strong><br />
Celine ist 16 Jahre alt und lebt mit ihrer Stiefmutter zusammen in Chicago. Ihre Mutter ist als Forscherin in S&#252;damerika unterwegs, und auch ihr Vater ist selten zu Hause und l&#228;sst Celine mit ihrer Stiefmutter allein, dich sich zwar um das M&#228;dchen k&#252;mmert, aber genug eigene Dinge im Kopf hat. Darum ist Celine oft allein. Sie malt sehr gern, liest einen Haufen schwieriger B&#252;cher, schaut viel Fern und macht sich &#252;ber die Sendungen lustig.<br />
<span id="more-3630"></span><br />
Eines Tages steht ein kleiner Junge vor ihrer T&#252;r, dessen Eltern gerade dabei sind sich zu trennen. Er ist sehr traurig und allein und klingelt daher immer &#246;fter bei Celine. Erst ist sie etwas genervt von ihm, doch schon bald freut sie sich, Jake zu sehen und mit ihm zusammen Fern zu sehen. Bald lernt sie auch seinen Vater kennen, der K&#252;nstler ist und Celine sehr beeindruckt. Sie verliebt sich kurz in ihn, ich denke vor allem, weil sie auch gern K&#252;nstlerin werden m&#246;chte, und er ein Vorbild f&#252;r sie ist. Doch das geht auch wieder vorbei, als sie merkt, dass sie sich nur eingebildet hat, dass er ihre Gef&#252;hle erwidert.</p>
<p>Mit hat an dem Buch gefallen, dass Celine und Jake sich deshalb kennen lernen, weil sie beide einsam sind. Und obwohl sie so verschieden alt sind, verstehen sie sich bald gut, denn  beide machen sich &#252;ber viele Dinge Gedanken und denken sich gern Geschichten aus. Das Buch ist aber eher etwas f&#252;r M&#228;dchen, weil die Hauptperson ja auch ein M&#228;dchen ist. Aber ich w&#252;rde es auf jeden Fall empfehlen, weil es auf der einen Seite ernst und manchmal etwas traurig ist, auf der anderen Seite aber auch oft komisch und verdreht. Celine ist ein sehr merkw&#252;rdiges M&#228;dchen und macht vieles anders, als man es erwarten w&#252;rde. Aber das macht sie auch sehr spannend. Man kann sich &#252;berlegen, was man selbst in ihrer Situation getan h&#228;tte.</p>
<div style="color: green; font-size: 10pt;"><strong>Was Erwachsene &#252;ber das Buch denken:</strong></div>
<p>Erwachsene k&#246;nnten nach der Lekt&#252;re dieses psychologisch und sprachlich au&#223;ergew&#246;hnlichen Buches einmal versuchen, sich mit den Augen der 16j&#228;hrigen Ich-Erz&#228;hlerin zu sehen. Dieser Selbstversuch w&#228;re kein Vergn&#252;gen. Celines scharfsinnig-genaue Beobachtungen, verbal ausgedr&#252;ckt in bissig-ironischen Formulierungen, sind schmerzhafte Rundumschl&#228;ge, auch gegen sich selbst. Sie resultieren aus sehr komplizierten Beziehungen u.a. zur fast gleichaltrigen Stiefmutter, dem sich entziehenden Vater und der in S&#252;damerika lebenden Mutter&#8230; Aber Celine denkt auch &#252;ber Literatur (Salingers Holden Caulfield), &#252;ber Malerei als ihrem Ausdrucksmittel und &#252;ber das geliebte ironisch kommentierte Fernsehen nach. Sie und Jake, der 6j&#228;hrige Nachbarjunge, der die Trennung der Eltern nicht verkraftet und zu dem Celine fast m&#252;tterliche Gef&#252;hle hegt, zappen sich durch die Kan&#228;le. Beide spannen Bilder und Wunsch-Geschichten zusammen, bestimmen ihre Fernseh-Welt, nicht nur konsumtiv, sondern kreativ. Die sich vertiefende Beziehung zu Jake erm&#246;glicht fast unmerklich auch Celine, eigenes Verlassenwordensein zu verarbeiten.</p>
<p>Claudia Rouvel</p>
<div class="dialog">
<div class="hd">
<div class="c"></div>
</div>
<div class="bd">
<div class="c">
<div class="s">
<div class="bildrechts"><a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=brock+cole&amp;title=celine+leben"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/celine.gif" width="65" height="115" alt="Brock Cole - Celine oder Welche Farbe hat das Leben" title="Brock Cole - Celine oder Welche Farbe hat das Leben" /></a></div>
<h3><em><a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=brock+cole&amp;title=celine+leben">Celine oder Welche Farbe hat das Leben</a></em></h3>
<p>von Brock Cole</p>
<p>Aus dem Englischen von Sybil Gr&#228;fin Sch&#246;nfeldt</p>
<p>Carl Hanser Verlag
</p></div>
</div>
</div>
<div class="ft">
<div class="c"></div>
</div>
</div>
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		<item>
		<title>Petr Alekseevic Kropotkin – Fürst und Anarchist</title>
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		<comments>http://blog.zvab.com/2010/02/19/petr-alekseevic-kropotkin-fuerst-und-anarchist/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 19 Feb 2010 12:13:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hanns-Martin Wietek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Russlands romantische Revolutionäre]]></category>
		<category><![CDATA[Adel]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander II.]]></category>
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		<description><![CDATA[
F&#252;rst und Anarchist, dieser Widerspruch klingt schon seltsam genug. Aber Pëtr Alekseevi&#269 Kropotkin war noch mehr. 
Er war – aus einem der &#228;ltesten Adelsge- schlechter Russlands stammend – Kammerpage seiner Majest&#228;t des Kaisers Alexander II., Offizier der Berittenen Amur-Kosaken in Sibirien, oro- und kartografischer Forscher in Sibirien und Finnland (dessen Erkenntnisse noch heute G&#252;ltigkeit besitzen) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Moderne%20Wissenschaft%20und%20Anarchismus.jpg" width="136" height="250" alt="" title="Kropotkin: Moderne Wissenschaft und Anarchismus" /></div>
<p><strong>F&#252;rst und Anarchist,</strong> dieser Widerspruch klingt schon seltsam genug. Aber <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin"><strong>Pëtr Alekseevi&#269 Kropotkin</strong> </a>war noch mehr. </p>
<p>Er war – aus einem der &#228;ltesten Adelsge- schlechter Russlands stammend – Kammerpage seiner Majest&#228;t des Kaisers Alexander II., Offizier der Berittenen Amur-Kosaken in Sibirien, oro- und kartografischer Forscher in Sibirien und Finnland (dessen Erkenntnisse noch heute G&#252;ltigkeit besitzen) und als Wissenschaftler Sekret&#228;r einer Sektion der Russischen Geo- grafischen Gesellschaft (deren Gesamtvorsitz<br />
er ablehnte, da er sich entschlossen hatte, gesellschaftlich t&#228;tig zu werden), er war Reformer, er war Gefangener in der Peter-Pauls-Festung, er war Revolution&#228;r, er war als Sozialist Theoretiker des Anarchismus und er war Schriftsteller.<span id="more-3625"></span></p>
<p>Als Kammerpage folgte er dem Kaiser ein Jahr lang auf Schritt und Tritt, um pers&#246;nliche Anordnungen entgegenzunehmen, und so lernte er das Leben bei Hofe aus allern&#228;chster N&#228;he kennen; als politischer Gefangener lebte er sp&#228;ter auf Befehl desselben Kaisers im ber&#252;chtigten Kerker der Peter-Pauls-Festung, in dem schon viele gro&#223;e M&#228;nner vor ihm gefoltert und hingerichtet worden oder einfach verfault waren – und viele noch folgen w&#252;rden. Nur durch eine waghalsige Flucht entging er ihrem Schicksal.<br />
Als Offizier der Amur-Kosaken arbeitete er zu Beginn der Regierungszeit Alexanders II. an Reformen, die dann doch nicht umgesetzt wurden, und machte teils abenteuerliche Expeditionen durch Sibirien und die Mandschurei – sp&#228;ter lernte er als Forscher die Einsamkeit des arktischen Winters in Sibirien, Schweden und Finnland kennen. Nach seiner Flucht aus dem Gef&#228;ngnis in den Westen wurde er zum gefeierten Sozialisten – und Gegner von Karl Marx –, lernte aber auch die franz&#246;sischen Gef&#228;ngnisse kennen. Nach der Februarrevolution 1917 wurde ihm, wenngleich Gegner Lenins, von den Massen in St. Petersburg ein triumphaler Empfang bereitet; sein Begr&#228;bnis am 8. Februar 1921 geriet gegen den Willen der Regierung zur letzten gro&#223;en Massenkundgebung von Regimegegnern in der damals neuen Sowjetunion: Ein Meer von schwarzen Fahnen, die Fahnen der Anarchisten, lie&#223;en die roten ganz einfach untergehen, nahezu hunderttausend Menschen folgten dem Sarg.</p>
<p><strong>»Anarchist«.</strong> Dieses Wort heute zu h&#246;ren, bereitet zumindest Unbehagen, bei manchem wird gar der Ruf nach Polizei und Staatsschutz laut (der auch mit Sicherheit sofort „auf der Matte st&#252;nde“). Aus Unwissen wird Anarchismus oft mit Terrorismus und Chaos gleichgesetzt, man denkt sofort an RAF, Stadtguerilla, Rote Brigaden und andere politische Terrororganisationen. Aber das Wort hat durch die Ereignisse in der &#246;ffentlichen Wahrnehmung einen unfreiwilligen Bedeutungswandel durchgemacht: Der Anarchismus war und ist nichts weniger und nichts mehr als eine Teilbewegung und -philosophie des Sozialismus; er wird auch libert&#228;rer Kommunismus genannt. Er propagiert, dass sich die Menschen freiwillig zu Vereinigungen und Genossenschaften zusammenschlie&#223;en und diese wiederum freiwillig miteinander kooperieren sollen, wobei die Leitung der einzelnen Gruppen absolut volksdemokratisch zu sein hat. Eine alles bestimmende b&#252;rokratische Regierung – sei sie kapitalistisch, sozialistisch oder kommunistisch – entf&#228;llt, denn jede Form der Regierung, wodurch auch immer sie sich legitimiert sieht, f&#252;hrt den Anarchisten zufolge automatisch zu einer Herrschaft (Diktatur) weniger &#252;ber alle. Der Mensch soll frei und selbstbestimmt leben und arbeiten, ohne in die Knechtschaft anderer zu geraten. Gewalt wird nach Kropotkins Verst&#228;ndnis von Anarchie abgelehnt – wohingegen der als Urtyp eines Anarchisten ber&#252;hmte russische Denker <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=Bakunin">Michail Aleksandrovi&#269 Bakunin </a>(*1814, †1876) als militanter Vertreter etwas anderer Meinung war.</p>
<div class="bildlinks"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Bakunin.jpg" width="139" height="190" alt="" title="" /><br /><small>Der Anarchist<br />
Michail Bakunin</small></div>
<p>Es ist hier nicht der Ort, ausf&#252;hrlich auf Gesellschaftsformen und -philosophien einzugehen, hier soll Kropotkin als Mensch und Schriftsteller im Vordergrund stehen. In Bezug auf den Schriftsteller muss allerdings gleich eine kleine Einschr&#228;nkung gemacht werden: Kropotkin war – wenn auch die Beschreibungen seiner Reisen, seiner „Abenteuer“ und Expeditionen durchaus spannend und mit gro&#223;em Gesp&#252;r f&#252;r die Natur und die Menschen geschrieben sind – kein Belletristiker und er wollte es auch nicht sein, er hat keine Erz&#228;hlungen oder gar Romane verfasst. Fiktives war ihm fremd; er war einerseits Naturwissenschaftler und wollte nichts als Fakten schildern und hat andererseits als Gesellschaftsphilosoph die Theorie des Anarchismus begr&#252;ndet.<br />
F&#252;r an russischer Geschichte und Literatur interessierte Leser sind seine beiden fast unpolitischen Werke von gro&#223;er Bedeutung. </p>
<p><strong><em>Ideale und Wirklichkeit in der russischen Literatur</em></strong><br />
Im Jahr 1901 trat das Bostoner Lowell Institute an den schon seit 1876 im Exil lebenden Kropotkin mit der Bitte heran, er m&#246;ge einen Gesamt&#252;berblick &#252;ber die russische Literatur schreiben. In den USA und in Westeuropa kannte man zwar einzelne Schriftsteller in manchmal recht mangelhaften &#220;bersetzungen – <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=turgenjew">Turgenjew </a>war beispielsweise schon sehr zeitig, praktisch zeitgleich mit dem Erscheinen des russischen Originals, sehr gut &#252;bersetzt worden, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lew+tolsoi">Tolstois </a>Krieg und Frieden war gerade in deutscher Sprache erschienen, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=fjodor+dostojewski">Dostojewski </a>kannte man zumindest in Ausz&#252;gen  – aber insgesamt war wenig von den russischen Schriftstellern und der russischen Literaturgeschichte bekannt.</p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Gustav%20Landauer.jpg" width="135" height="180" alt="" title="" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gustav Landauer</small></div>
<p>Kropotkin hatte sich zu diesem Zeitpunkt in England, wo er seit 1886 lebte, schon nicht nur als Natur- und Sozialwissenschaftler, sondern auch als Historiker einen Namen gemacht. F&#252;r die ber&#252;hmte <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=encyclopedia+britannica"><strong>Encyclopedia Britannica</strong></a></em> (Auflagen 10 und 11, erschienen 1902 und 1911) hatte er bis dahin schon 60 Artikel &#252;ber das europ&#228;ische und asiatische Russland geschrieben, und seit 1886 arbeitete er an seinem gro&#223;en Werk &#252;ber die Franz&#246;sische Revolution, das 1909 unter dem deutschen Titel <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=franz&#246;sische+revolution"><strong>Die Franz&#246;sische Revolution 1789–1793</strong></a></em> herauskam, &#252;bersetzt von dem nicht minder ber&#252;hmten deutschen Anarchisten, Pazifisten und Schriftsteller<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=gustav+landauer"> Gustav Landauer </a>(*1870, † 1919; Mitglied der M&#252;nchner R&#228;terepublik, von bayrischen Freikorpssoldaten in der Haft ermordet). Darin schildert Kropotkin die Franz&#246;sische Revolution aus der Sicht der Arbeiter, des einfachen Volkes, wohingegen die Historiker bis dato die Revolution stets aus der Sicht der herrschenden Klasse geschildert hatten – welch Wunder, geh&#246;rten sie doch selbst zu dieser –, was im &#220;brigen auch heute noch h&#228;ufig die Regel ist (es gibt eben nicht die eine objektive Sichtweise – jede Sichtweise ist subjektiv).</p>
<p>Kropotkin war also auch als Historiker eine anerkannte Pers&#246;nlichkeit. Aber nicht nur das: Schon in seiner Kindheit wurde gro&#223;er Wert auf eine literarische Erziehung gelegt und au&#223;erdem war er quasi Zeitzeuge des gro&#223;en Jahrhunderts der russischen Literatur; viele Schriftsteller kannte er pers&#246;nlich oder lebte zumindest in ihrem engen zeitlichen Umfeld. Und er kannte Russland und seine politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Hintergr&#252;nde.<br />
Durch das Zusammentreffen all dieser Umst&#228;nde wurde seine Literaturgeschichte <strong><em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=ideale+wirklichkeit+literatur">Ideale und Wirklichkeit in der russischen Literatur</a></em></strong> zu einem damals wie heute gro&#223;artigen Werk, auf das es sich immer lohnt zur&#252;ckzugreifen.</p>
<p>Nun zu Pëtr Alekseevi&#269 Kropotkins <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=memoiren+revolutionaers">Memoiren eines Revolution&#228;rs</a></strong></em> (im Original <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=memoirs">Memoirs of a revolutionist</a></em>, 1899;um 1900 von Max Pannwitz ins Deutsche &#252;bersetzt, in der russischen Werksausgabe von 1907 <em>Zapiski revolju&#269ionera</em>, zu deutsch: <em>Revolution&#228;re Aufzeichnungen</em>).<br />
Der deutsch schreibende d&#228;nische Literaturkritiker, Philosoph und Schriftsteller <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=georg+brandes">Georg Brandes</a> (*1842, †1927) schreibt in seinem Vorwort zur deutschen Ausgabe (also noch zu Kropotkins Lebzeiten) – und besser kann man Pëtr Kropotkin wahrscheinlich nicht charakterisieren:</p>
<blockquote><p>Kropotkin nennt sich selbst einen Revolution&#228;r. Selten ist unstreitig ein Revolution&#228;r so human gewesen und – seines Widerwillens gegen das B&#252;rgertum ungeachtet – so mild. Er war nie ein R&#228;cher, oft ein M&#228;rtyrer; er hat nie anderen, stets nur sich selbst Opfer auferlegt. Sein ganzes Leben hindurch hat er Opfer gebracht, doch solcherweise, dass man meinen sollte, sie w&#228;ren ihm gar nicht schwergefallen, so wenig Aufhebens macht er davon. Er ist bei all seiner Strenge so wenig rachs&#252;chtig, dass er jemand, den er am sch&#228;rfsten verurteilt, einen Gef&#228;ngnisarzt, dessen Namen er verschweigt, einzig mit den Worten brandmarkt: ›Je weniger man von ihm sagt, desto besser.‹ […]<br />
Er ist ein Revolution&#228;r ohne Pathos und ohne Embleme, der alles theatralische Zubeh&#246;r der Revolution verlacht. Er braucht den Vergleich mit keinem Freiheitsmanne dieses Jahrhunderts, welchen Landes auch immer, zu scheuen. Keiner besa&#223; h&#246;here Geistesgaben, keiner tat es ihm an Uneigenn&#252;tzigkeit zuvor.</p></blockquote>
<p><small>aus Peter Urbans Nachwort zu Pëtr Kropotkin: <em>Ideale und Wirklichkeit in der russischen Literatur</em> (Diogenes Verlag, 2003)</small></p>
<div class="bildlinks"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Memoiren2.jpg" width="128" height="200" alt="" title="Kropotkin: Memoiren eines Revolution&#228;rs" /></div>
<p>Die Memoiren Kropotkins sind in mehrfacher Hinsicht interessant und wichtig: Einmal nat&#252;rlich, weil wir seinen Lebensweg (zumindest bis 1890) kennen lernen; dar&#252;ber hinaus aber zeichnet er ein Bild des alten Moskauer Hochadels – also der Kreise, die schon lange (seit dem Herrschaftsbeginn der Romanows), schon vor dem Aufkommen des Petersburger Dienstadels unter Peter dem Gro&#223;en, „dazugeh&#246;rten“ (und zu dem auch Kropotkin geh&#246;rte) – ein Bild des Lebens bei Hofe mit seinen Intrigen und dem vorherrschenden Neid. Auch &#252;ber die Ausbildung junger Adeliger  ist vieles zu erfahren; und ganz wesentlich sind die Aufzeichnungen zu politischen Entwicklungen, Einflussnahmen und Entscheidungsvorg&#228;ngen. Zu guter Letzt sind Kropotkins Memoiren noch eine kleine Entwicklungsgeschichte des Sozialismus in Westeuropa. Dass er angesichts verschiedener Situationen auch politische Gedanken und Einstellungen &#228;u&#223;ert, ist zwangsl&#228;ufig, wenngleich nicht unbedingt f&#252;r jeden Leser interessant. Man sollte deswegen aber nicht vor dem Werk zur&#252;ckscheuen, denn das Wichtigste ist: Es ist interessant, in belletristischer Manier geschrieben; es ist keine trockene Aneinanderreihung von Daten und Fakten, sondern &#228;hnelt streckenweise einem autobiografischen Roman.</p>
<p>Eine ausf&#252;hrliche Biografie Kropotkins gibt es zumindest in deutscher Sprache meines Wissens nicht, ja selbst im Russischen muss man sich Daten und Fakten m&#252;hsam zusammensuchen – nach 1920 wurde er dort aus der Literaturgeschichte getilgt und seine Werke wurden (wie die Werke der meisten anarchistischen Schriftsteller) eingesammelt und vernichtet.<br />
Dabei w&#228;ren seine Gedanken gerade heute in Ost und West interessant, in einer Zeit, wo &#252;ber Ethik in der Politik und in der Gesellschaft hei&#223; diskutiert wird, in einer Zeit der Neufindung nach der Selbstvernichtung des real existierenden Sozialismus und des Kommunismus – die er vorausgesagt hat –, in einer Zeit, in der sich der Kapitalismus durch ungez&#252;gelte Gewinnmaximierung ohne jegliche soziale Komponente selbst diskreditiert hat und weiter diskreditiert, einer Zeit, in der neue Wege f&#252;r die Entwicklung in der „Dritten Welt“ gesucht und ausprobiert werden, in einer Zeit, in der es f&#252;r die ehemals kommunistischen Staaten g&#228;lte, mit der Erfahrung aus der Vergangenheit und im Angesicht einer sich selbst diskreditiert habenden Gesellschaftsform ehrliche neue Wege zu suchen, anstatt den angeblich siegreichen Gegenentwurf einfach zu &#252;bernehmen.<br />
Nicht hei&#223;t es, die Gedanken Kropotkins aus einer vergangenen Zeit eins zu eins zu &#252;bernehmen, aber sie w&#228;ren es wert, neu durchdacht zu werden.</p>
<p>Um ein wenig mehr &#252;ber die au&#223;erordentlich interessante Pers&#246;nlichkeit Pëtr Kropotkins zu erfahren, hier einige <strong>Stationen seines Lebenswegs</strong>:<br />
Am 27. November <sup>jul.</sup> / 9. Dezember <sup>greg.</sup> 1842 kam Pëtr Alekseevi&#269 Kropotkin im Alten Marschallviertel von Moskau zur Welt und verbrachte dort und auf dem Landsitz der Familie die ersten 15 Jahre seines Lebens. Seine Familie ist von ganz altem Hochadel und l&#228;sst sich bis in die Zeiten des war&#228;gischen F&#252;rsten Rurik (*um 830, †um 879), den die slawischen St&#228;mme gerufen hatten, um &#252;ber sie zu herrschen, zur&#252;ckverfolgen. In seinen Memoiren schreibt Kropotkin:</p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Kropotkin%20Wappen.jpg" width="166" height="180" alt="" title="" /></div>
<blockquote><p>Unser Vater war auf die Herkunft seiner Familie sehr stolz und wies mit gro&#223;em Selbstgef&#252;hl auf eine Pergamentrolle, die in seinem Studierzimmer an der Wand hing. Es prangte darauf unser Wappen – das Wappen des F&#252;rstentums Smolensk mit dem Hermelinmantel dar&#252;ber und der Monomachenkrone – und die vom heraldischen Amte beglau- bigte Erkl&#228;rung, dass unsere Familie von einem Enkel Rostislav Mstislavi&#269s des K&#252;hnen (eines alten, auf den Bl&#228;ttern der russischen Geschichte viel genannten Gro&#223;f&#252;rsten von Kiew) abstammte, und dass unsere Vorfahren Gro&#223;f&#252;rsten von Smolensk gewesen w&#228;ren.<br />
»Dreihundert Rubel hat mich dieses Pergament gekostet«, pflegte unser Vater dabei zu sagen. Wie die meisten seiner Zeitgenossen war er mit der russischen Geschichte wenig vertraut, weshalb er den Wert der Rolle mehr nach ihrem Preise als nach ihrer historischen Bedeutung bema&#223;.</p></blockquote>
<p>Als Kropotkin dreieinhalb Jahre alt war starb seine Mutter:</p>
<blockquote><p>So blieben wir, Aleksandr und ich, in dem kleinen Hause und in den H&#228;nden Frau Burmans und Uljanas. Die gute alte Deutsche, die heimatlos und v&#246;llig allein in der weiten Welt dastand, suchte uns nach ihrer Weise die Mutter zu ersetzen. Sie zog uns auf, so gut sie konnte, kaufte uns von Zeit zu Zeit eine Kleinigkeit als Spielzeug und stopfte uns mit Gew&#252;rzk&#252;chlein voll, so oft ein anderer alter Deutscher, der mit diesen Leckerbissen handelte und der wahrscheinlich ebenso heimatlos und verlassen wie Frau Burman selbst war, in unser Haus kam. Unsern Vater sahen wir selten, und im &#252;brigen gingen die beiden n&#228;chsten Jahre dahin, ohne einen dauernden Eindruck in meinem Ged&#228;chtnis zu hinterlassen.</p></blockquote>
<p>Zwei Jahre sp&#228;ter heiratete der Vater auf Befehl seines Vorgesetzten General Timofeev, Chef des sechsten Armeekorps und G&#252;nstlings von Nikolaus I., die Tochter eines Admirals der russischen Flotte im Schwarzen Meer. Auch sie k&#252;mmerte sich wenig um die Kinder, die von einem franz&#246;sischen Lehrer und einem russischen Studenten erzogen wurden.<br />
Bedeutsam wurde f&#252;r den kleinen Pëtr, als er acht Jahre alt war, ein Kost&#252;mfest des Adels anl&#228;sslich des 25. Jahrestages der Thronbesteigung von Nikolaus I., der aus diesem Anlass nach Moskau kam. Da der kleine Pëtr liebreizend anzuschauen war mit seinen Locken und einem persischen Kost&#252;m, wurde er zum Kaiser gerufen und verbrachte den Rest des Festes teils schlafend auf dem Scho&#223; der Frau des Thronerben und Nikolaus I. bestimmte ihn schon als Knabe f&#252;r den sp&#228;teren Eintritt ins Pagenkorps in Petersburg – eine Gunst, die er dem Moskauer Adel nur sehr selten zuteil werden lie&#223;. Damit war Pëtr Aleksandrovi&#269s Weg erst einmal vorgezeichnet.</p>
<p>1855, mitten w&#228;hrend des Krimkrieges, starb Nikolaus I, und da</p>
<blockquote><p>[ …] geschah es in Petersburg, dass Leute der gebildeten Klassen, die einander die Nachricht mitteilten, auf offener Stra&#223;e einander in die Arme fielen. Jeder f&#252;hlte, dass der Krieg und die schrecklichen Zust&#228;nde, die unter dem ›eisernen Despoten‹ geherrscht hatten, bald zu Ende seien. Man munkelte von Gift, besonders da der K&#246;rper des Zaren auffallend schnell der Aufl&#246;sung verfiel, aber die Kenntnis der wahren Ursache sickerte nach und nach durch: Nikolaus hatte eine &#252;berm&#228;&#223;ige Dosis eines st&#228;rkenden Arzneimittels genommen.</p></blockquote>
<p><strong>In diesen ersten f&#252;nf Kapiteln seiner Memoiren (»Die Kindheit«)</strong> malt Kropotkin ein beeindruckendes Bild des alten Moskau, des Alten Marschallviertels, des Lebens auf dem Landgut, der gesellschaftlichen Gepflogenheiten und auch der sozialen Situation zu Zeiten der Leibeigenschaft – nat&#252;rlich aus einer kindlichen Perspektive, nichtsdestotrotz aber die Ungerechtigkeiten erkennend. Es war ein unbeschwertes, sorgenfreies, kindliches Leben.</p>
<p><strong>In den n&#228;chsten sieben Kapiteln (»Das Pagenkorps«)</strong> schildert er die f&#252;nf Jahre in St. Petersburg (von 1857 bis 1862), die Zeit seiner milit&#228;rischen und naturwissenschaftlichen Ausbildung.<br />
Es war die Zeit des Umbruchs, als der liberale Alexander II. auf dem Thron folgte; die Aufhebung der Leibeigenschaft, die „Befreiung“, fand endlich statt. Da die Kadetten des Pagenkorps neben ihrer Ausbildung zum Offizier regelm&#228;&#223;ige Dienste bei Hofe, in allern&#228;chster N&#228;he zur oder gar bei der kaiserlichen Familie zu verrichten hatten, schaute Kropotkin zwangsl&#228;ufig hinter die Kulissen. Als Bester der obersten Klasse des Pagenkorps war er sogar ein Jahr lang der pers&#246;nliche Kammerpage des Kaisers. </p>
<blockquote><p>In der ersten Zeit meines kaiserlichen Dienstes als Kammerpage war ich von hoher Bewunderung Alexanders, des Sklavenbefreiers, erf&#252;llt. Die Einbildungskraft f&#252;hrt uns in jenem Lebensalter oft &#252;ber die Wirklichkeit hinaus, und ich w&#252;rde damals den Kaiser mit meinem Leibe gedeckt haben, h&#228;tte man in meiner Gegenwart ein Attentat auf den Zaren unternommen.</p></blockquote>
<p>Bald aber sah er die Rivalit&#228;ten der Interessenvertreter und auch, wie diese den Kaiser auf skrupellose Weise beeinflussten, und so begann der Glorienschein, den er Alexander II. anf&#228;nglich aufgesetzt hatte, nach und nach zu verblassen.<br />
Am Ende seiner Pagenzeit war Kropotkin klar, dass er nicht als Offizier in ein Garderegiment bei Hofe eintreten wolle.</p>
<div class="bildlinks"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/russische%20Gardeoffiziere%20in%20Paradeuniform%201882_2.JPG" width="180" height="135" alt="" title="Die Paradeuniform russischer Gardeoffiziere" /><br /><small>Russische Gardeoffiziere<br />
in Paradeuniform, 1882</small></div>
<blockquote><p>[….] Es war mein Traum, die Universit&#228;t zu besuchen, mich dem Studium zu weihen, ein Studentenleben zu f&#252;hren. Das bedeutete nat&#252;rlich einen v&#246;lligen Bruch mit meinem Vater, dessen Ehrgeiz ganz andere Ziele hatte, und ich h&#228;tte dann meinen Lebensunterhalt nur durch Stundengeben erwerben k&#246;nnen. Tausende von russischen Studenten leben so, und eine solche Existenz hatte f&#252;r mich ganz und gar nichts Schreckliches. Aber wie sollte ich &#252;ber die erste schwierigste Zeit hinwegkommen? [….]<br />
So wendeten sich meine Gedanken mehr und mehr Sibirien zu. Die Amurgegend war kurz vorher von Russland in Besitz genommen worden. Ich hatte alles &#252;ber jenen Mississippi des Ostens gelesen, &#252;ber die Gebirge, die er durchbricht, die subtropische Flora seines Nebenflusses, des Usuri, und meine Gedanken schweiften weiter – zu den tropischen Gegenden, die Humboldt geschildert hatte, und zu Ritters gro&#223;artigen Theorien, deren Lekt&#252;re mich entz&#252;ckte. Au&#223;erdem, sagte ich mir, bietet Sibirien ein ungeheures Arbeitsfeld zur praktischen Durchf&#252;hrung von gro&#223;en bereits beschlossenen oder noch zu erwartenden Reformen: Nur wenige sind dort an der Arbeit, und ich werde einen Wirkungskreis nach meinem Geschmacke finden. [….] So hatte ich nur noch das Regiment in der Amurgegend auszuw&#228;hlen. Der Usuri zog mich am meisten an, aber ach! am Usuri stand nur ein Regiment Kosaken-Infanterie. Ein Kosak ohne Pferd – das war f&#252;r den Knaben, der ich immer noch war, unertr&#228;glich, und ich entschloss mich f&#252;r die berittenen Amur-Kosaken. Dies schrieb ich zur gr&#246;&#223;ten Best&#252;rzung aller meiner Kameraden auf das Verzeichnis. »Es ist soweit«, sagten sie, w&#228;hrend mein Freund Daurov das Offiziersbuch zur Hand nahm und daraus zum Entsetzen aller Anwesenden vorlas: »Uniform, schwarz mit einfachem rotem Kragen ohne Borte; Pelzkappe aus Hundefell oder anderm Pelz; Beinkleid grau.«<br />
»Betrachte nur diese Uniform!« rief er aus. »Bitt&#8217; dich, die Kappe! Nun, du kannst eine aus Wolfs- oder B&#228;renpelz tragen; aber denk nur an das Beinkleid! Grau, wie beim Trainsoldaten!« Die Best&#252;rzung stieg nach dieser Schilderung der Uniform auf den Gipfel.</p></blockquote>
<p><strong>1862 kam Kropotkin nach Sibirien</strong>, wie er es gew&#252;nscht hatte. Es war f&#252;r ihn eine wichtige Zeit und er schreibt dar&#252;ber in den vier »Sibirien« betiteln Kapiteln:</p>
<blockquote><p>Die f&#252;nf Jahre, die ich in Sibirien zubrachte, bildeten f&#252;r mich eine wahre Schule des Lebens und des Charakters. Ich kam mit Leuten jeder Gattung in Ber&#252;hrung, den besten und den schlechtesten, mit den Spitzen der Gesellschaft wie mit den Tief stehenden, den Vagabunden und sogenannten unverbesserlichen Verbrechern. Es bot sich mir reiche Gelegenheit, das t&#228;gliche Leben der Bauern, ihre Lebensweise und Gewohnheiten, zu beobachten, und noch mehr Gelegenheit zu der Erkenntnis, wie wenig ihnen die Staatsregierung, auch wenn sie von den besten Absichten beseelt war, zu bieten vermochte. Dazu st&#228;hlten die ausgedehnten Reisen, auf denen ich mehr als achttausend Meilen im Wagen, im Dampfboot, im Kahn, zumeist aber zu Ro&#223; durchma&#223;, meine Gesundheit in wunderbarer Weise. Sie lehrten mich auch, wie wenig der Mensch wirklich n&#246;tig hat, sobald er aus dem Bannkreis der konventionellen Zivilisation hinaustritt. Mit wenigen Pfund Brot und wenigen Unzen Tee im Lederbeutel, einem Kessel und einem Beil am Sattelknopf und einem Filztuch unterm Sattel, das man am Lagerfeuer &#252;ber ein Bett von frisch geschnittenen Tannenzweigen breitet, f&#252;hlt man sich, auch mitten unter unbekannten dicht bewaldeten oder schneebedeckten Bergen wunderbar unabh&#228;ngig. Es lie&#223;e sich &#252;ber diesen Abschnitt meines Lebens ein ganzes Buch schreiben [….].</p></blockquote>
<p>Kropotkin wurde Adjutant (und auch Freund) eines liberal gesinnten Generals und Sekret&#228;r der Aussch&#252;sse f&#252;r die Reform des Gef&#228;ngnis- und gesamten Verbannungswesens und f&#252;r die Vorbereitung eines Systems der st&#228;dtischen Selbstverwaltung – Reformen, die von Alexander II. angeregt worden waren. In dieser Eigenschaft bereiste er weite Teile Sibiriens. 1863 erhob sich jedoch das von Russland besetzte Polen, der Aufstand wurde grausamst und blutig niedergeschlagen und zigtausend Polen wurden nach Sibirien verbannt. Die Politik Alexanders II. begann reaktion&#228;rer zu werden und Kropotkins Reformvorschl&#228;ge landeten allesamt in der Schublade. Im selben Jahr wurde er Attaché des Generalgouverneurs von Ostsibirien f&#252;r Kosakenangelegenheiten und bekam dadurch in den folgenden Jahren die Gelegenheit, geologische sowie oro- und kartografische Forschungsexpeditionen durch Sibirien und die Mandschurei und entlang des Amurs zu unternehmen. Was er im Pagenkorps bei der Ausbildung zum Offizier gelernt hatte, konnte er nun f&#252;r nichtkriegerische Zwecke gut gebrauchen. Seine Berichte wurden durch die Sibirische Geographische Gesellschaft ver&#246;ffentlicht und begr&#252;ndeten seinen Ruhm auf diesem Gebiet.</p>
<blockquote><p>Elftausend Polen, M&#228;nner und Frauen, hatte man nach dem Aufstande von 1863 allein nach Ostsibirien geschleppt. Es waren zumeist Studenten, K&#252;nstler, fr&#252;here Offiziere, Edelleute und besonders Handwerker aus der intelligenten und hoch entwickelten Arbeiterbev&#246;lkerung Warschaus und anderer polnischer St&#228;dte. Zum gro&#223;en Teil mussten sie schwere Arbeit verrichten, w&#228;hrend der Rest im ganzen Lande zerstreut in D&#246;rfern lebte, wo es keine Arbeit f&#252;r sie gab und sie nicht einmal genug verdienten, ihren Hunger zu stillen. </p></blockquote>
<p>Diese Verbannten waren keine dem Schicksal ergebenen Verbannten wie die meisten Russen. Ein Teil von ihnen erhob sich 1866 mit dem Ziel, &#252;ber die Berge und durch die Mongolei nach China zu fl&#252;chten. Dieser Aufstand wurde blutig niedergeschlagen, Beteiligte und Unbeteiligte grausam misshandelt und die Anf&#252;hrer erschossen.</p>
<blockquote><p>F&#252;r meinen Bruder und mich brachte dieser Aufruhr eine gro&#223;e Lehre. Wir erkannten klar, was die Zugeh&#246;rigkeit zum Heere bedeutete. [….] Wir beschlossen daher, die milit&#228;rische Laufbahn ohne weitere Verz&#246;gerung aufzugeben und nach Russland zur&#252;ckzukehren. Dies war keine so einfache Sache, zumal da Aleksandr in Sibirien geheiratet hatte; doch schlie&#223;lich waren alle Schwierigkeiten &#252;berwunden, und im Anfang des Jahres 1867 befanden wir uns auf dem Wege nach Petersburg.</p></blockquote>
<p><strong>In den folgenden f&#252;nf Jahren (1867–1872)</strong> konnte Pëtr Alekseevi&#269 endlich das tun, wovon er immer schon getr&#228;umt hatte: Er studierte Mathematik an der physisch-mathematischen Fakult&#228;t in St. Petersburg und konnte sich au&#223;erdem in Geografie weiterbilden. Gleichzeitig ver&#246;ffentlichte er weitere Ergebnisse seiner Forschungen in Sibirien und konnte im Auftrag der Geografischen Gesellschaft Forschungsreisen nach Schweden und Finnland zur Untersuchung der glazialen Ablagerungen unternehmen. W&#228;hrend er 1871 die Freuden des Forschens in Finnland genoss, erreichte ihn ein Telegramm der Geografischen Gesellschaft: <em>„Der Vorstand ersucht Sie, die Stellung des Sekret&#228;rs der Gesellschaft anzunehmen.“</em> Eigentlich hatte er damit sein Traumziel erreicht, aber er hatte w&#228;hrend der vergangenen Jahre in Petersburg viel gesehen und erlebt, das ihn nachdenklich gemacht hatte:</p>
<blockquote><p>Die Wissenschaft ist etwas Herrliches. Ich kannte und sch&#228;tzte ihre Freude vielleicht mehr als viele von meinen Kollegen. Auch jetzt stiegen neue und sch&#246;ne Theorien vor meinem geistigen Auge auf, w&#228;hrend ich auf die Seen und H&#252;gel Finnlands schaute. [….]<br />
Aber welches Anrecht hatte ich auf diese h&#246;heren Freuden, wenn ich um mich herum nur Elend sah und den Kampf um ein schimmeliges St&#252;ck Brot, wenn alles, was ich ausgab, um in jener erhabeneren geistigen Welt weilen zu k&#246;nnen, notwendigerweise denen vor dem Munde weggenommen werden musste, die den Weizen bauten und kein Brot f&#252;r ihre Kinder hatten? [….]<br />
Die Massen sind es, die des Wissens bed&#252;rfen, sie wollen lernen, sie k&#246;nnen auch lernen. [….] [S]ie sind bereit, ihr Wissen zu erweitern; biete es ihnen nur! Schaff ihnen nur die Mittel zur Mu&#223;e! In dieser Richtung und f&#252;r diese Leute muss ich t&#228;tig sein! Alle diese t&#246;nenden Redensarten von Wirken f&#252;r den Fortschritt der Menschheit, w&#228;hrend die Fortschrittsf&#246;rderer sich fern von denen halten, die sie angeblich vorw&#228;rts bringen, sind nichts als Sophismen, die nur das Bewusstsein eines peinigenden Widersinns beseitigen sollen. Und ich sandte an die Geographische Gesellschaft eine ablehnende Antwort.</p></blockquote>
<p>Kropotkin war entschlossen, mit den Narodniki „ins Volk“ zu gehen, um von der Basis her eine Umgestaltung der Gesellschaft zu erreichen.</p>
<p>Wie erw&#228;hnt hatte Kropotkin in der <strong>Petersburger Zeit</strong> viel gesehen und erlebt. In den sieben Kapiteln mit dem Titel »Petersburg / Erste Reise nach Westeuropa« beschreibt er die revolution&#228;ren Tendenzen und die reaktion&#228;ren Antworten darauf, die herrschende Korruption, die Reformbewegung in der russischen Jugend und den Untergang des einst so bedeutenden Alten Marschallviertels. Auch bringt er u.v.a. eine sehr durchdachte Charakteristik von Alexander II. zu Papier:</p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/443px-Zar_Alexander_II.jpg" width="141" height="190" alt="" title="Alexander II." /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zar Alexander II.</small></div>
<blockquote><p>Gewiss war Alexander kein gew&#246;hnlicher Mensch, aber es lebten zwei verschiedene v&#246;llig entwickelte, einander widerstrei- tende Naturen in ihm; und dieser innere Zwiespalt wurde um so klaffender, je &#228;lter er wurde. Jetzt von entz&#252;ckender Liebens- w&#252;rdigkeit entwickelte er im n&#228;chsten Augenblick eine emp&#246;rende Rohheit. Angesichts einer wirklichen Gefahr voll ruhigen besonnenen Mutes, zitterte er best&#228;ndig vor eingebildeten Gefahren. Sicher war er kein Feigling, er trat dem B&#228;ren Auge in Auge entgegen, und als das Tier einmal seiner ersten Kugel nicht erlag und der mit einer Lanze hinter ihm stehende Mann beim Vorw&#228;rtsst&#252;rzen von dem B&#228;ren niedergeschlagen wurde, kam ihm der Zar zu Hilfe und streckte die Bestie, ihr die Flinte fast auf die Schnauze setzend, nieder (wie ich von dem betreffenden Manne selbst geh&#246;rt habe). Dennoch verfolgten ihn sein Leben lang die Schreckbilder seiner eigenen Fantasie und seines unruhigen Gewissens. Gegen seine Freunde bewies er eine au&#223;erordentliche G&#252;te, aber Hand in Hand damit ging die furchtbare, kaltbl&#252;tige Grausamkeit, wie sie den Despoten des siebzehnten Jahrhunderts eigen war und wie sie Alexander bei der Unterdr&#252;ckung der polnischen Revolution und sp&#228;ter im Jahre 1880 bet&#228;tigte, als die aufr&#252;hrerische russische Jugend durch &#228;hnliche Ma&#223;regeln niedergeschmettert wurde – eine Grausamkeit, deren ihn niemand h&#228;tte f&#252;r f&#228;hig halten sollen. So f&#252;hrte er ein Doppelleben, und in der Periode, von der ich eben rede, unterzeichnete er mit l&#228;chelnder Miene die reaktion&#228;rsten Erlasse, die ihn nachmals zur Verzweiflung brachten. Gegen das Ende seines Lebens versch&#228;rfte sich noch, wie man bald sehen wird, der innere Kampf und nahm fast einen tragischen Charakter an.</p></blockquote>
<p>Um die sozialistischen Ideen besser kennen zu lernen, reiste Kropotkin zun&#228;chst noch in die Schweiz, in der sich damals viele Reformer und Revolution&#228;re aufhielten. Zuerst fuhr er nach Z&#252;rich, anschlie&#223;end nach Genf und zuletzt in ein kleines Dorf im Schweizer Jura. Besonders sein Aufenthalt im Schweizer Jura sollte f&#252;r ihn lebensver&#228;ndernd werden.</p>
<blockquote><p>Im n&#228;chsten Jahre, als der Winter kaum vor&#252;ber war, machte ich meine erste Reise nach Westeuropa. Beim &#220;berschreiten der russischen Grenze empfand ich, sogar noch in h&#246;herem Ma&#223;e, als ich erwartet hatte, was jeder Russe, wenn er sein Vaterland verl&#228;sst, empfindet. Solange der Zug auf russischem Boden durch die d&#252;nnbev&#246;lkerten nordwestlichen Provinzen f&#228;hrt, hat man den Eindruck, als k&#228;me man durch eine W&#252;ste. Wohl hundert Meilen weit ist das Land mit niedrigem Baumwuchs bedeckt, der kaum als Wald bezeichnet werden kann. Hier und da entdeckt das Auge ein in Schnee vergrabenes kleines, elendes Dorf oder eine unwegsame, kotige, enge und gewundene Dorfstra&#223;e. Aber alles, die Landschaft und was dazu geh&#246;rt, &#228;ndert sich mit einem Schlage, sobald der Zug ins Ausland gelangt, nach Preu&#223;en, mit seinen sauberen D&#246;rfern und H&#246;fen, seinen G&#228;rten und gepflasterten Stra&#223;en; und das Gef&#252;hl des Gegensatzes wird immer st&#228;rker, je weiter man in Deutschland eindringt. Sogar das tote Berlin kommt einem nach unsern russischen St&#228;dten belebt vor.</p></blockquote>
<p>In Z&#252;rich lernte er zun&#228;chst die russische Studentenkolonie kennen, konnte endlich die sozialistische Literatur studieren und trat sofort der Internationalen Arbeiterassoziation bei. Nach Genf fuhr er, um mit sozialistischen Arbeitern zu leben. Dort wurde er auch mit den Werken Bakunins bekannt. Die „gro&#223;en Reden“ der Sozialistenf&#252;hrer empfand er als falsch, verlogen und aufgeblasen; er wollte das Leben der „Bakunisten“ (das Wort Anarchist war zu dem Zeitpunkt noch ungebr&#228;uchlich) kennenlernen. Zu diesem Zweck fuhr er in den Schweizer Jura, in dem in mehreren D&#246;rfern Uhrmacher nach diesen Regeln lebten. R&#252;ckblickend schreibt Kropotkin &#252;ber seinen Aufenthalt: </p>
<blockquote><p>[U]nd als ich die Uhrmacher des Jura, nachdem ich etwa zw&#246;lf Tage unter ihnen geweilt hatte, verlie&#223;, standen meine sozialistischen Ansichten fest: <strong>Ich war ein Anarchist.</strong></p></blockquote>
<p>Vor seiner <strong>R&#252;ckkehr nach Russland</strong> deckte er sich reichlich mit sozialistischer, in Russland nat&#252;rlich verbotener Literatur ein, die er nur durch professionelle Schmuggler &#252;ber die Grenze bringen lassen konnte.<br />
Es gelang. </p>
<blockquote><p>Am n&#228;chsten Tage fuhr ich von Krakau ab; und auf der bestimmten russischen Station trat ein Gep&#228;cktr&#228;ger an meinen Wagen und sagte so laut, dass es der auf dem Bahnsteig auf- und abgehende Polizist h&#246;ren konnte, zu mir: »Hier ist der Koffer, den Eure Hoheit gestern hinterlassen haben«, und h&#228;ndigte mir mein wertvolles Paket ein.<br />
Ich freute mich so, es in H&#228;nden zu haben, dass ich nicht einmal in Warschau Halt machte, sondern meine Reise ohne Aufenthalt nach Petersburg fortsetzte, um meinem Bruder meine Siegesbeute zu zeigen. </p></blockquote>
<p><small>[Das Gro&#223;herzogtum Krakau geh&#246;rte seit 1846 zu &#214;sterreich und das &#252;brige Polen ausgenommen das Gro&#223;herzogtum Posen, das zu Preu&#223;en geh&#246;rte, war seit 1867 (Kongresspolen seit 1815) ein Gouvernement Russlands, somit war Warschau „russisch“; die Grenze zu „Russland“ verlief wenige Kilometer n&#246;rdlich von Krakau.]</small></p>
<div class="bildlinks"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Kropotkin.gif" width="131" height="200" alt="" title="" /><br /><small>Pëtr Kropotkin</small></div>
<p>Zur&#252;ck in Petersburg setzte Kropotkin offiziell seine wissenschaftliche Arbeit f&#252;r die Geografische Gesellschaft fort, suchte und fand aber sofort Kontakt zu den sozialistischen Gruppen im Untergrund. Er schloss sich dem Tschaikowski-Kreis an, einer Narodniki-Gruppe um Nikolai Tschaikowski, den Bruder des Komponisten Peter Tschaikowski; Nikolai wurde sp&#228;ter zwar mehrmals verhaftet, kam aber immer wieder frei, und k&#228;mpfte w&#228;hrend der Revolution auf der Seite der Wei&#223;en und Alliierten, weil ihm die Gewalt der Oktoberrevolution zuwider war. Auch war er zeitweilig Pr&#228;sident der Regierung von Nordrussland. Als ehemaliger K&#228;mpfer gegen den Zaren, der dann Kollaborateur der Alliierten wurde, wurde er in Stalins Werken mit bei&#223;endem Spott bedacht. Kropotkin agitierte in Petersburg insgeheim unter dem Decknamen Borodin und war offiziell ein anerkannter Geologe, so anerkannt, dass er im April 1874 als Vorsitzender der Sektion f&#252;r Physische Geografie vorgeschlagen wurde. Aber schon auf der Heimfahrt von der Sitzung ahnte er, dass man ihm auf der Spur war. Noch in der selben Nacht wurde er verhaftet und nach kurzem Verh&#246;r am n&#228;chsten Tag in eine Zelle der Peter-Pauls-Festung gebracht. Alexander II. gestatte ihm, in seiner Zelle seine Forschungsberichte fertig zu schreiben und Ende des Jahres kam sogar der Gro&#223;f&#252;rst Nikolaus, Alexanders II. Bruder, in seine Zelle, um ihn – ihn an seine hohe Stellung bei Hofe erinnernd – auszufragen (und ihm vielleicht zu helfen). Kropotkin blieb jedoch verschwiegen.</p>
<p>Mit der Zeit ging es ihm gesundheitlich immer schlechter. Im April 1876 waren die Voruntersuchungen beendet und er wurde ins Untersuchungsgef&#228;ngnis verlegt. Zu diesem Zeitpunkt war er jedoch schon so krank, dass man ihm keine zwei Monate mehr gab und seiner Schwester gelang es, die Obrigen davon zu &#252;berzeugen, ihn ins Petersburger Garnisonshospital zu verlegen. Wenn &#252;berhaupt, war das die einzige M&#246;glichkeit, Kropotkin zu befreien, und seine Freunde nahmen die Chance wahr. Nachdem Kropotkin wieder einigerma&#223;en gesundet war, konnte er im Rahmen einer gro&#223; angelegten Aktion und unter Mitwirkung vieler Freunde fliehen: Bei seinem t&#228;glichen Hofspaziergang rannte er an der Schildwache vorbei, sprang in eine wartende Kutsche und jagte auf einer von weiteren Freunden gesicherten Route davon.</p>
<blockquote><p>Kaum hatte ich aber ein paar Schritte getan, als die das Holz am andern Ende des Hofes aufschichtenden Bauern schrien: »Er l&#228;uft fort! Haltet ihn! Fangt ihn!« und mir am Tore den Weg verlegen wollten. Da flog ich, als g&#228;lte es mein Leben. An nichts anderes dachte ich mehr als schnell zu laufen – nicht einmal an das Loch, das die Karren am Tore ausgefahren hatten: »Renne! Renne, was du kannst!« t&#246;nte es in mir.<br />
Wie mir meine Freunde, die der Szene vom grauen H&#228;uschen zuschauten, sp&#228;ter erz&#228;hlten, lief die Schildwache samt den drei Soldaten, die auf den T&#252;rstufen sa&#223;en, hinter mir her. Die Wache war mir so nahe, dass sie sicher glaubte, sie k&#246;nnte mich fangen. Mehrmals stie&#223; sie mit dem Gewehr nach vorn, um mich mit dem Bajonett in den R&#252;cken zu stechen, und einen Augenblick dachten meine Freunde, sie h&#228;tten mich. Offenbar war mein Verfolger so &#252;berzeugt, auf diese Weise meiner habhaft werden zu k&#246;nnen, dass er nicht schoss. Aber ich behielt meinen Vorsprung, und am Tore musste er die Hoffnung, mich einzuholen, aufgeben. Sobald ich das Tor gl&#252;cklich hinter mir hatte, bemerkte ich zu meinem Schrecken, dass in dem Wagen ein Zivilist mit einer Milit&#228;rkappe sa&#223;, der sein Gesicht mir nicht zuwendete. Verkauft! war mein erster Gedanke. Meine Kameraden hatten geschrieben: »Bist du erst in der Stra&#223;e, so gib dich nicht verloren, es werden Freunde da sein, die dich im Falle der Not verteidigen«; ich wollte daher nicht in den Wagen springen, wenn sich ein Feind darin befand. Als ich aber dem Wagen n&#228;her war, sah ich, dass der Mann einen blonden Backenbart trug, der wie der eines guten Freundes von mir aussah. Er geh&#246;rte zwar unserm Kreise nicht an, aber wir waren pers&#246;nlich befreundet, und ich hatte mehr als einmal Gelegenheit gehabt, seinen k&#252;hnen Mut kennenzulernen und zu sehen, wie seine Kraft, wenn es not tat, auf einmal wahrhaft herkulisch wurde. Warum sollte er hier sein? Ist es m&#246;glich? dachte ich, und wollte schon seinen Namen rufen, als ich noch zur rechten Zeit an mich hielt und stattdessen, w&#228;hrend ich noch lief, in die H&#228;nde klatschte, um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Er wandte mir sein Gesicht zu, und nun wusste ich, wer es war. »Spring herein, rasch, rasch!«, schrie er mit schrecklicher Stimme und einen Revolver schussbereit in der Hand haltend, trieb er mich und den Kutscher mit heftigen Worten zur Eile an. »Fahre! Fahre schnell oder ich schie&#223;&#8217; dich nieder, Kerl«, rief er dem Kutscher zu. Das Pferd, ein sch&#246;ner erprobter Traber, den man zu diesem Zwecke erstanden hatte, setzte in vollem Galopp ein. »Haltet sie! greift sie!«, klang es gellend von zahlreichen Stimmen hinter uns, w&#228;hrend mein Freund mir inzwischen behilflich war, mich mit einem Zylinder und einem eleganten &#220;berrock zu bekleiden.
</p></blockquote>
<p>&#220;ber Finnland und Schweden fl&#252;chtete Kropotkin unter dem Decknamen Levašev nach England.</p>
<div class="bildrechts">
<img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Kropotkin%20um%201900.jpg" width="148" height="200" alt="" title="" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Pëtr Kropotkin um 1900</small></div>
<p><strong>In den f&#252;nf Jahren nach seiner Flucht, von 1876 bis 1881,</strong> lebte er haupts&#228;chlich in Frankreich und der Schweiz. Nach dem Tod Bakunins (1876), den er nie pers&#246;nlich getroffen hatte, war er das unerkl&#228;rte Haupt der anarchistischen Bewegung; er hielt agitatorische Vortr&#228;ge und verstand sich als Propagandist des Anarchismus. 1878 musste er aufgrund dieser Aktivit&#228;ten aus Frankreich in die Schweiz fliehen; dort wurde er 1881, nach der Ermordung Alexanders II., auf Druck der russischen Regierung ausgewiesen und ging &#252;ber London zur&#252;ck nach Frankreich. Frankreich aber h&#228;tte er besser meiden sollen, denn prompt wurden er und weitere Anarchisten 1882 – nach einem Bombenattentat, mit dem sie eigentlich nichts zu tun hatten – wegen Zugeh&#246;rigkeit zu einer internationalen Arbeiterassoziation verhaftet; Kropotkin wurde 1883 zur H&#246;chststrafe von f&#252;nf Jahren Haft verurteilt, was in ganz Europa f&#252;r Emp&#246;rung sorgte. Nach drei Jahren wurde er dann auch – gegen den Willen Alexanders III., der intervenierte – vorzeitig entlassen. Der ganze Prozess war eigentlich eine Farce, hier wollte der Staat ganz einfach seine Macht gegen&#252;ber den Sozialisten demonstrieren. Da Argumente und Fakten fehlten, kam es zu den l&#228;cherlichsten Szenen:</p>
<blockquote><p>Dieser Brief [Kropotkin erkl&#228;rt darin einem Arbeiter die Grammatik- und Interpunktionsregeln, hmw] wurde vom Ankl&#228;ger vor Gericht verlesen und verleitete ihn zu einem h&#246;chst pathetischen Kommentar. »Meine Herren, Sie haben diesen Brief geh&#246;rt«, begann er, zum Gerichtshof gewendet, seine Rede. »Sie haben ihn vernommen. Auf den ersten Blick scheint nichts Verf&#228;ngliches darin zu sein. Er erteilt einem Arbeiter Unterricht in der Grammatik&#8230; Aber« &#8230; und hier zitterte seine Stimme vor tiefer Erregung – »dies geschah nicht, um einem Arbeiter Kenntnisse beizubringen, die er sich in der Schule anzueignen wahrscheinlich aus Faulheit vers&#228;umt hatte. Es geschah nicht, um ihn in den Stand zu setzen, sein Brot ehrlich zu verdienen&#8230; Nein, meine Herren&#8230; er lehrte es ihn nur, um ihn mit Hass gegen unsere erhabenen und herrlichen Einrichtungen zu erf&#252;llen, um ihm nur um so besser das Gift des Anarchismus einzufl&#246;&#223;en, um ihn nur zu einem furchtbareren Feinde der Gesellschaft zu machen&#8230; Verflucht sei der Tag, an dem Kropotkin seinen Fu&#223; auf Frankreichs Boden gesetzt hat!« rief er mit wunderbarem Pathos.<br />
Wir mussten w&#228;hrend der ganzen Rede lachen wie Schuljungen, und die Richter warfen ihm Blicke zu, als wollten sie sagen, er tue in seiner Rolle des Guten zu viel. Er schien aber nichts zu merken und sprach, von seiner Beredsamkeit hingerissen, mit immer theatralischeren Bewegungen und T&#246;nen weiter. Wahrhaftig, er tat sein Bestes, sich eine Belohnung von der russischen Regierung zu verdienen.</p></blockquote>
<p><strong>In den letzten zehn Kapiteln</strong> seiner Memoiren eines Revolution&#228;rs schildert er die Zeit der Agitation, der Verhaftung und des Prozesses, die Zust&#228;nde im franz&#246;sischen Gef&#228;ngnis, seine Entlassung 1886 und seine endg&#252;ltige &#220;bersiedlung nach London. Das letzte Kapitel – es endet 1890 – ist eine R&#252;ckschau, Analyse und ein vorsichtiger Blick in die Zukunft des Sozialismus.</p>
<p><strong>In den nachfolgenden 30 Jahren in England (von 1876 bis 1917) </strong>kehrte er trotz seiner Beziehungen zur englischen Anarchisten- und Arbeiterbewegung nicht zur&#252;ck zur Agitation. Stattdessen widmete er sich ganz seiner Arbeit an Publikationen und Vortr&#228;gen zur Philosophie und Moral des Anarchismus und zur Soziologie; au&#223;erdem ver&#246;ffentlichte er mehrere popul&#228;re naturwissenschaftliche Arbeiten. Sein Leben entsprach dem eines Privatgelehrten.</p>
<div class="bildlinks"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Kropotkin_lecture.jpg" width="131" height="200" alt="" title="Einladung zu einem Kropotkin-Vortrag, um 1900" /></div>
<p>Noch w&#228;hrend seiner Haft hatte sein Freund <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=elisee+reclus">Élisée Reclus</a> 1885 die Worte eines Rebellen, eine Sammlung von mit Seele geschriebenen Gedanken und Artikeln Kropotkins herausgebracht. In der Zeitschrift <em>The Nineteenth Century</em> erschienen viele seiner Artikel, unter anderem auch <em>Mutual Aid Among Animals</em>, in Buchform sp&#228;ter unter dem deutschen Titel <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=gegenseitige+hilfe">Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt</a></strong></em> erschienen, eine Abrechnung mit <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=charles+darwin">Darwin</a>, in deren Verlauf Kropotkin zeigt, dass sich im Kampf ums &#220;berleben immer die Gruppen durchgesetzt haben, in denen Zusammenhalt und gegenseitige Hilfeleistungen zentral waren – ein wesentlicher Grundgedanke des Anarchismus. 1892 erschien die Textsammlung <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=eroberung+brotes">Die Eroberung des Brotes</a></strong></em>, in der er die Voraussetzungen f&#252;r eine anarchistische Gesellschaft an einigen Grundbed&#252;rfnissen f&#252;r die menschliche Existenz wie Lebensmittel, Wohnen, Kleidung, Arbeit usw. zu kl&#228;ren versucht, 1898 <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=landwirtschaft+industrie">Landwirtschaft, Industrie und Handwerk</a></strong></em>. In seinem Buch <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=moderne+wissenschaft+anarchismus">Moderne Wissenschaft und Anarchismus</a></strong></em> (1913 in deutscher Sprache erschienen; auch: Der Anarchismus) skizziert er die Geschichte der Naturwissenschaften und des anarchistischen Denkens in der Absicht, eine Legimitation des Anarchismus zu erreichen. 1896 bringt Kropotkin <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=historische+rolle+staates">Die historische Rolle des Staates</a></strong></em> und 1913 <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=moderne+staat">Der moderne Staat</a></strong></em> heraus, Werke, in denen er gesellschaftliche Einrichtungen naturwissenschaftlich untersucht, um daraus Schl&#252;sse f&#252;r seine Auffassung von Anarchismus zu ziehen. Nach seinem Tod erscheint noch das nicht mehr fertig gestellte Werk <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=ethik">Ethik</a></strong></em>. (Alle Ver&#246;ffentlichungen Kropotkins aufzulisten, ist hier nicht m&#246;glich, eine gute &#220;bersicht bietet <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=heinz+hug">Heinz Hug</a> in seiner Bibliographie <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hug&#038;title=peter+kropotkin">Peter Kropotkin 1842–1921</a>)<br />
Aus den Vortr&#228;gen, die Kropotkin auf ausgedehnten Vortragsreisen durch die USA 1897 und 1901 hielt, gingen das schon oben erw&#228;hnte <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=ideale+wirklichkeit">Ideale und Wirklichkeit in der russischen Literatur</a></strong></em> und die besprochenen <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=memoiren+revolutionaers">Memoiren eines Revolution&#228;rs </a></strong></em>hervor.</p>
<p>Als einen Bruch in seiner Biografie – &#228;hnlich wie <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=maxim+gorki">Gorkis </a>„S&#252;ndenfall“, als er sich zur Verniedlichung des GULAG hergab – muss man Kropotkins Entscheidung f&#252;r den Ersten Weltkrieg sehen. Er, der wie seine Freunde und Mitstreiter ein eingeschworener Antimilitarist war – schlie&#223;lich war der Antimilitarismus auch Grundlage der von ihm formulierten Theorie des Anarchismus –, war pl&#246;tzlich der Meinung, dass erst nach dem<em> „Endsieg &#252;ber den germanischen Militarismus“</em> der Anarchismus Verwirklichung finden k&#246;nnte. Damit stie&#223; er alle Anarchisten, insbesondere die russischen, vor den Kopf. Sehr schnell fand er sich allein und isoliert. </p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Kropotkin%20auf%20dem%20Totenbett.jpg" width="190" height="119" alt="" title="" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kropotkin auf dem Totenbett</small></div>
<p>Zwar wurde er bei seiner <strong>R&#252;ckkehr nach Petersburg im Jahr 1917 </strong>von Zigtausenden triumphal empfangen, bei Lenin und seinen Mitstreitern aber war diese Einstellung ein weiteres Malus, das zu seiner Theorie des Anarchismus, die ja einen Staat wie ihn die Bolschewiki wollten ablehnt, hinzukam. Lenin wollte, gerade um seinen Staat bilden zu k&#246;nnen, den Krieg so schnell wie m&#246;glich und ohne R&#252;cksicht auf Verluste beenden. Auch die Oktoberrevolution 1917 verurteilte Kropotkin, denn sie sollte zu einer Diktatur f&#252;hren; und eine Diktatur – egal wer &#252;ber wen – stand Kropotkins Vorstellungen von einem libert&#228;ren Kommunismus (Anarchismus) diametral gegen&#252;ber.</p>
<p>Aus Krankheitsgr&#252;nden konnte Kropotkin nicht in Petersburg bleiben und fand sich sehr schnell im kleinen Dorf Dmitrov nahe Moskau wieder. Hier waren ihm seine Abgeschieden- und Ausgeschlossenheit nahezu unertr&#228;glich. Zwar wetterte er &#228;hnlich wie Vladimir Korolenko in Briefen an Lenin gegen die unhaltbaren Exzesse der Revolution&#228;re und 1919 kam es sogar zu einem Treffen in Moskau, aber er war ein Rufer in der W&#252;ste, eine Persona non grata geworden. Dass er in den letzten Jahren an seinem Werk <em>Ethik </em>(1923 unter dem Titel <em>Ethik. Erster Band: Ursprung und Entwicklung der Sittlichkeit</em> im Berliner Verlag »Der Syndikalist« erschienen) arbeitete, war sicher die Folge dieser Ereignisse. </p>
<p><strong>Am 8. Februar 1921 starb Kropotkin</strong> an den Folgen einer Lungenentz&#252;ndung, nachdem er schon durch Nahrungsmangel geschw&#228;cht war.<br />
Die Konfrontation mit Lenin und seinen Revolution&#228;ren hatte dazu gef&#252;hrt, dass sein Ansehen auch bei den russischen Anarchisten in seinen letzten Lebensjahren wieder gestiegen war, und so kam es, dass bei seiner Beerdigung nahezu hunderttausend Menschen und ein Meer von schwarzen Fahnen dem Sarg folgten. Das Ansehen Kropotkins in der Bev&#246;lkerung war so gro&#223;, dass Lenin einigen Quellen zufolge sogar allen gefangenen Anarchisten f&#252;r den Tag der Beerdigung „Urlaub“ aus den Gef&#228;ngnissen geben musste.</p>
<div class="bildlinks">
<img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Kropotkin%20Begr%C3%A4bnis%202.jpg" width="200" height="134" alt="" title="" /><br /><small>Fahnenzug der Anarchisten anl&#228;sslich<br />
Kropotkins Beerdigung</small></div>
<p>Pëtr Alexeevi&#269 Kropotkin ist ohne Zweifel eine ganz gro&#223;e Pers&#246;nlichkeit aus und f&#252;r Russland und ein wichtiger Theoretiker des Sozialismus. Sein Konzept des Anarchismus ist ganz sicher nicht eins zu eins umsetzbar und schon gar nicht in die heutige Zeit &#252;bertragbar, es gilt jedoch, vielleicht mehr denn je, seine Vorstellungen von einer gerechten Welt neu zu durchdenken. Um dabei zu positiven Ergebnissen zu kommen, m&#252;ssen lieb gewordene oder einfach nur eingefahrene Verhaltensweisen hinterfragt werden – und das tut bekanntlich weh.</p>
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<h3>Literatur</h3>
<p>Die Zitate stammen, sofern nicht anders angegeben, aus:<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=memoiren+revolutionaers"><strong>Memoiren eines Revolution&#228;rs</strong></a> (Insel Verlag, 1969; autorisierte &#220;bersetzung von Max Pannwitz, um 1900)</p>
<p>Im Jahr 2002 sind die <em>Memoiren</em> im Unrast Verlag in 2 B&#228;nden von Heiner Becker und Nicolas Walter neu &#252;bersetzt herausgegeben worden. Die &#220;bersetzung ist ganz unwesentlich modernisiert; ausgezeichnet ist die Einleitung, die ein sehr gutes Bild von Kropotkin und seinen Memoiren zeichnet, und geradezu hervorragend und ausf&#252;hrlich sind die Fu&#223;noten zum Text, die ganz wesentlich zum Verst&#228;ndnis beitragen.</p>
<p><strong>Weitere Werke von <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin">Pëtr Alekseevi&#269 Kropotkin</a> (Auswahl):</strong></p>
<p><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=ideale+wirklichkeit">Ideale und Wirklichkeit in der russischen Literatur</a></strong> (Diogenes Verlag, 2003; herausgegeben und kommentiert von Peter Urban)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=gegenseitige+hilfe"><br />
<strong>Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt</strong></a> (Ullstein Verlag, 1975; englisches Original 1902: »Mutual Aid. A Faktor of Evolution«)</p>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=moderne+wissenschft+anarchismus"><strong>Moderne Wissenschaft und Anarchismus</strong></a> (1978)</p>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=anarchismus+ideal+ursprung"><strong>Der Anarchismus – Ursprung, Ideal und Philosophie</strong></a> (Trotzdem Verlagsgenossenschaft, 2002; Neu&#252;bersetzung aus dem Franz&#246;sischen von Heinz Hug)</p>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kropotkin&#038;title=eroberung+brotes"><strong>Die Eroberung des Brotes</strong></a> (Edition Anares und Trotzdem Verlag, 1999; franz&#246;sisches Original »La Conquête du Pain« 1892, deutsche Fassung 1919 im Verlag »Der Syndikalist«, neu herausgegeben von Heinz Hug)</p>
<p><strong>Der Staat und seine historische Rolle</strong>, neu herausgegeben im Unrast Verlag 2008. Es enth&#228;lt Kropotkins Schriften <em>Die historische Rolle des Staates</em> (1896) und <em>Der moderne Staat</em> (1913) mit einer sehr guten Einleitung von Teo Panther.</p>
<p>Ich danke dem Unrast Verlag f&#252;r seine wohlwollende Unterst&#252;tzung.</p>
<p><strong>Sekund&#228;rliteratur</strong></p>
<p>Alphons Thun: <strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=thun&#038;title=geschichte+revolutionaeren+bewegungen">Die Geschichte der revolution&#228;ren Bewegungen in Ru&#223;land</a></strong> (1883)</p>
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		<title>16. Antiquariats-Messe Zürich</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Feb 2010 13:18:11 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Antiquariatsmesse]]></category>
		<category><![CDATA[Zürich]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.zvab.com/?p=3543</guid>
		<description><![CDATA[
Die 16. Antiquariats-Messe Z&#252;rich findet vom
5. – 7. M&#228;rz 2010 im Vortragssaal des Kunsthauses in Z&#252;rich statt.
An dieser einzigen Antiquariats-Messe der Schweiz nehmen 35 Aussteller aus dem In- und Ausland teil.
Neben B&#252;chern werden auch Handschriften, Zeichnungen, Druckgraphiken, Plakate und Photographien gezeigt.

Die Z&#252;rcher Antiquariats-Messe hat sich in den vergangenen Jahren als wichtige Messe f&#252;r B&#252;cher, Graphiken [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildlinks"><a href="http://blog.zvab.com/wp-content/Antiquariatsmesse%20Z%C3%BCrich.jpg" class="thickbox"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/_Antiquariatsmesse%20Z%C3%BCrich.jpg" width="108" height="250" alt="16. Antiquariats-Messe Z&#252;rich, 5. - 7. M&#228;rz" title="16. Antiquariats-Messe Z&#252;rich, 5. - 7. M&#228;rz"  /></a></div>
<p>Die <strong>16. Antiquariats-Messe Z&#252;rich</strong> findet vom<br />
5. – 7. M&#228;rz 2010 im Vortragssaal des Kunsthauses in Z&#252;rich statt.</p>
<p>An dieser einzigen Antiquariats-Messe der Schweiz nehmen 35 Aussteller aus dem In- und Ausland teil.</p>
<p>Neben B&#252;chern werden auch Handschriften, Zeichnungen, Druckgraphiken, Plakate und Photographien gezeigt.<br />
<span id="more-3543"></span><br />
Die Z&#252;rcher Antiquariats-Messe hat sich in den vergangenen Jahren als wichtige Messe f&#252;r B&#252;cher, Graphiken und Autographen in der Schweiz etabliert.</p>
<p>Weitere Informationen finden Sie unter <a href="http://www.bookfair.ch" target="_blank">www.bookfair.ch</a></p>
<p><a href="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2010/02/Blog-Messe-1.jpg" class="thickbox"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2010/02/Blog-Messe-1t.jpg" width="85" height="112" alt="Antiquariat Eichenberger - Bille, Edmond. Une danse macabre. Lausanne, 1919. Bild: Der Tod tanzt &#252;ber der Menschenmenge" title="Antiquariat Eichenberger - Bille, Edmond. Une danse macabre. Lausanne, 1919. Bild: Der Tod tanzt &#252;ber der Menschenmenge" /></a>&nbsp;<a href="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2010/02/Blog-Messe-2.jpg" class="thickbox"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2010/02/Blog-Messe-2t.jpg" width="92" height="112" alt="Antiquariat Ruetz - Shakespeare, William. Die 40-b&#228;ndige Miniatur-Ausgabe. Glasgow, 1904" title="Antiquariat Ruetz - Shakespeare, William. Die 40-b&#228;ndige Miniatur-Ausgabe. Glasgow, 1904" /></a>&nbsp;<a href="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2010/02/Blog-Messe-3.jpg" class="thickbox"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2010/02/Blog-Messe-3t.jpg" width="133" height="112" alt="H&#246;hler &#038; Partner - Felixm&#252;ller, Londa und Conrad: ABC. Ein gesch&#252;tteltes, gekn&#252;tteltes Alphabet in Bildern und Versen. Dresden, 1925" title="H&#246;hler &#038; Partner - Felixm&#252;ller, Londa und Conrad: ABC. Ein gesch&#252;tteltes, gekn&#252;tteltes Alphabet in Bildern und Versen. Dresden, 1925" /></a>&nbsp;<a href="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2010/02/Blog-Messe-4.jpg" class="thickbox"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2010/02/Blog-Messe-4t.jpg" width="133" height="112" alt="Antiquariat Kaleidoskop - Tabernaemontanus: Neuw Kreuterbuch.Frankfurt, 1588-1591" title="Antiquariat Kaleidoskop - Tabernaemontanus: Neuw Kreuterbuch.Frankfurt, 1588-1591" /></a><br />
<em>Einige Angebote der diesj&#228;hrigen Antiquariats-Messe.</em></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Verschwunden, vergriffen, verliehen oder nicht mehr lieferbar? Erzählen Sie uns Ihre Büchergeschichte und gewinnen Sie Ihr gesuchtes Buch!</title>
		<link>http://feedproxy.google.com/~r/zvab/kCce/~3/h8j4DOx6DH8/</link>
		<comments>http://blog.zvab.com/2010/02/15/verschwunden-vergriffen-verliehen-oder-nicht-mehr-lieferbar-erzaehlen-sie-uns-ihre-buechergeschichte-und-gewinnen-sie-ihr-gesuchtes-buch/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 15 Feb 2010 12:12:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ZVAB</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[verliehen]]></category>
		<category><![CDATA[vVerschwunden]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerb]]></category>

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		<description><![CDATA[Lieblingsb&#252;cher verschwinden gern spurlos. Manche hat man enthusiastisch verliehen und sp&#228;ter nie zur&#252;ckbekommen. Andere stehen nur noch im Regal unserer unscharfen Erinnerung, wie Fragmente oft vorgelesener, gelegentlich illustrierter Erz&#228;hlungen. „Prinz Gr&#252;newald, wo ist Dein Stolz? Du bist ein Prinz und spaltest Holz“ – der Titel ist weg, das zerfledderte Exemplar verloren. Umz&#252;ge, Unordnung, Regalerweiterungen, Trennungen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lieblingsb&#252;cher verschwinden gern spurlos. Manche hat man enthusiastisch verliehen und sp&#228;ter nie zur&#252;ckbekommen. Andere stehen nur noch im Regal unserer unscharfen Erinnerung, wie Fragmente oft vorgelesener, gelegentlich illustrierter Erz&#228;hlungen. „Prinz Gr&#252;newald, wo ist Dein Stolz? Du bist ein Prinz und spaltest Holz“ – der Titel ist weg, das zerfledderte Exemplar verloren. Umz&#252;ge, Unordnung, Regalerweiterungen, Trennungen, eigene Kinder – der Verlust geh&#246;rt zum Leben des Bibliomanen. Dabei ist es einfach, verschwundenen B&#252;chern auf die Spur zu kommen. Wir helfen bei der Suche. Schicken Sie uns Ihre Geschichte eines verlorenen Lieblingsbuchs. Dem Verfasser der sch&#246;nsten und originellsten Kurzgeschichte schenkt ZVAB.com sein gesuchtes Buch. </p>
<p><strong>Umfang:</strong> 2400 Zeichen<br />
<strong>Einsendeschluss:</strong> 30. April 2010 an<br />
<strong><a href="mailto:verlorenesbuchgesucht@zvab.com">verlorenesbuchgesucht@zvab.com</a></strong></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Literarischer Valentinstag</title>
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		<comments>http://blog.zvab.com/2010/02/09/literarischer-valentinstag/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 09 Feb 2010 11:46:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ZVAB</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Lesetipps]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Liebespaare]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Valentinstag]]></category>

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		<description><![CDATA[&#160;&#160;&#160;Paolo und Francesca
Im Blog der Online-Partnerb&#246;rse be2 findet sich anl&#228;sslich des bevorstehenden Valentinstag eine sch&#246;ne Liste mit den ber&#252;hmtesten Liebespaaren der Literaturgeschichte. 
Wir w&#252;rden die Liste noch um Paolo und Francesca erg&#228;nzen, deren tragische Geschichte Dante in der G&#246;ttlichen Kom&#246;die erz&#228;hlt. 
Hier nun die Pl&#228;tze 1-5:

Romeo und Julia (Shakespeare)
Tristan und Isolde
Cathy und Heathcliff (Emily Brontë [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Paoloefrancesca.jpg" width="180" height="250" alt="" title="" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Paolo und Francesca</small></div>
<p>Im Blog der <strong><a href="http://www.be2.de/blog/valentinstag-literarisch-die-beruhmtesten-liebespaare-der-literaturgeschichte/">Online-Partnerb&#246;rse be2</a></strong> findet sich anl&#228;sslich des bevorstehenden Valentinstag eine sch&#246;ne Liste mit den ber&#252;hmtesten Liebespaaren der Literaturgeschichte. </p>
<p>Wir w&#252;rden die Liste noch um Paolo und Francesca erg&#228;nzen, deren tragische Geschichte Dante in der <em><a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=dante&#038;title=g%F6ttliche+kom%F6die">G&#246;ttlichen Kom&#246;die</a></em> erz&#228;hlt. </p>
<p>Hier nun die Pl&#228;tze 1-5:</p>
<ol>
<li><a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=shakespeare&#038;title=romeo+und+julia">Romeo und Julia (Shakespeare)</a></li>
<li><a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?title=tristan+und+isolde">Tristan und Isolde</a></li>
<li><a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=bronte&#038;title=sturmh%F6he">Cathy und Heathcliff (Emily Brontë &#8211; <em>Sturmh&#246;he</em>)</a></li>
<li><a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=schiller&#038;title=kabale+und+liebe">Ferdinand von Walter und Luise Miller (Friedrich Schiller &#8211; <em>Kabale und Liebe</em>)</a></li>
<li><a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=b%FCchner&#038;title=leonce+und+lena">Leonce und Lena (Georg B&#252;chner)</a></li>
</ol>
<p><a href="http://www.be2.de/blog/">Weiterlesen im be2 Blog.</a></p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Brücken und Löcher – Silence and pleasure</title>
		<link>http://feedproxy.google.com/~r/zvab/kCce/~3/LPgvcchZ-vU/</link>
		<comments>http://blog.zvab.com/2010/02/08/bruecken-und-loecher-silence-and-pleasure/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 11:50:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicola Bardola</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lies doch mal!]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Nicola Bardola]]></category>

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		<description><![CDATA[
Eineinhalb Jahre brauchte Louis Sachar, um L&#246;cher zu schreiben. Und in all der Zeit wusste niemand etwas davon, nicht einmal seine Frau und seine Tochter. Sachar glaubt, dass das Schweigen beim Schreiben hilft &#8211; wie bei allem, wozu man sich selbst motivieren muss. Je mehr man &#252;ber etwas rede, desto weniger nehme man in Angriff, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/holes.jpg" width="181" height="280" alt="Louis Sachran - Holes" title="Louis Sachar - Holes" /></div>
<p>Eineinhalb Jahre brauchte<strong> <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=louis+sachar">Louis Sachar</a></strong>, um <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=sachar&#038;title=loecher">L&#246;cher </a></strong></em>zu schreiben. Und in all der Zeit wusste niemand etwas davon, nicht einmal seine Frau und seine Tochter. Sachar glaubt, dass das Schweigen beim Schreiben hilft &#8211; wie bei allem, wozu man sich selbst motivieren muss. Je mehr man &#252;ber etwas rede, desto weniger nehme man in Angriff, so der Autor.</p>
<p>Wenn es also darum geht, seine F&#228;higkeiten zu forcieren, spricht Sachar wenig. Fast schon folgerichtig sind Bridge und Tennis seine wichtigsten und liebsten Hobbies. &#220;ber Bridge, das bekannteste Kartenspiel im englischsprachigen Raum, sagt man, es sei Schach mit Karten, nur komplizierter, und auch: <em>Bridge is silence and pleasure – Stille und Vergn&#252;gen.</em><br />
<span id="more-3461"></span><br />
Bridge &#8211; Br&#252;cke: Schweigend kann man sich besser konzentrieren und das Spiel zu viert genie&#223;en, bei dem man versucht, eine lautlose und unsichtbare Br&#252;cke zu seinem Partner zu bauen. Beim Tennis hingegen ist der Spieler auf sich allein gestellt und f&#252;hrt innere Monologe, um sich zu verbessern. Sachar selbst sagt, er spiele besser Bridge als Tennis und erz&#228;hlt, wie ihn einmal eine Lehrerin vom Platz fegte. Als die Lehrerin erfuhr, gegen wen sie gewonnen hatte, konnte sie es nicht erwarten, ihrer Klasse zu erz&#228;hlen, wie sie den Schriftsteller Louis Sachar beim Tennisspiel abgeschossen hatte.</p>
<p>Kein Wunder also, dass viele von Sachars Figuren schweigsame Typen sind. In Sachars erfolgreichstem Roman <em>L&#246;cher </em>ist es der schwarze Junge Zero, der meist den Mund h&#228;lt. Er ist offenbar der einzige im Strafcamp Green Lake, der gerne L&#246;cher in den ausgetrockneten See gr&#228;bt, ohne den Grund daf&#252;r zu kennen. <em>„Ich wei&#223;, dass mich alle f&#252;r dumm halten. Aber ich mag nun mal keine Fragen beantworten&#8221;</em>, sagt Zero zum Protagonisten des Romans, Stanley, der seinerseits nur ungern und langsam seine L&#246;cher gr&#228;bt und sich stattdessen lieber an seinem Ged&#228;chtnis abarbeitet.</p>
<p>L&#246;cher gibt es in diesem Roman so weit das Auge reicht. Auch inhaltlich klaffen zun&#228;chst L&#252;cken auf zwischen den vielen verschiedenen Geschichten, die jedoch alle miteinander in Verbindung stehen. Sachars gro&#223;e erz&#228;hlerische Kunst besteht darin, den Roman in Fragmenten aufzubauen und alle Puzzlest&#252;cke am Ende zu einem gro&#223;en Ganzen zusammenzusetzen, indem er seine Themen zum richtigen Zeitpunkt miteinander verkn&#252;pft. Einige L&#246;cher darf der Leser selbst f&#252;llen, worauf Sachar auf der viertletzten Seite hinweist.</p>
<p>In dieser Struktur liegt der andere Grund, warum Sacher &#252;ber seine komplexe, aber nicht komplizierte Geschichte lange schwieg und keinem Menschen etwas von seinem Projekt in statu nascendi erz&#228;hlte. Er h&#228;tte kaum jemanden f&#252;r sein narratives Konstrukt mit den vielen Tempiwechseln begeistern k&#246;nnen. In den letzten Jahrzehnten ist n&#228;mlich kein Kinderbuch erschienen, dessen Inhalt so schwer zusammenzufassen ist wie der von <em>L&#246;cher</em>. Selten hatten Literaturkritiker so viel M&#252;he, ein Buch anzupreisen. Die meisten lieben es, aber niemandem gelang es bislang &#252;berzeugend, die Gr&#252;nde f&#252;r seine Faszination und die Ursachen f&#252;r die Trance, in die der Leser durch diese Prosa versetzt wird &#8211; silence and pleasure -, zu vermitteln. Die <em>S&#252;ddeutsche Zeitung</em> jammerte:</p>
<blockquote><p>Wo und wann, um Himmels Willen, soll man beginnen, wenn man etwas &#252;ber Louis Sachars „L&#246;cher – Die Geheimnisse von Green Lake&#8221; erz&#228;hlen will? Die Geschichte bringt so viele Drunter- und Dr&#252;bergeschichten, so viele erheiternde, komische, melancholische, traurige und skurrile Bilder, dass es verdammt schwer f&#228;llt, sich f&#252;r einen Anfang zu entscheiden &#8230;</p></blockquote>
<p>Die geschilderte Problematik gilt auch f&#252;r die Werbetexte des Verlages. Auf dem Umschlag steht: </p>
<blockquote><p>Die ganz unglaubliche, zum Weinen komische Geschichte von Stanley, der endlich, endlich den Familienfluch der Yelnats’ bannt. Hundert Jahre gab es kein Entrinnen: Was immer ein Yelnats anfing, es ging schief. Die Gesch&#228;ftsidee von Stanleys Vater, gebrauchte Turnschuhe zu recyclen, war nur das letzte Glied einer langen Ungl&#252;ckskette. Und urpl&#246;tzlich winkt das Gl&#252;ck. Davor aber liegen: Die Geheimnisse von Green Lake.</p></blockquote>
<p>Doch das sagt wenig &#252;ber die eigentliche Geschichte und ihren Zauber aus.</p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/cover_loecher.jpg" width="120" height="180" alt="" title="Cover der deutschen Ausgabe" /></div>
<p>Der 15-j&#228;hrige Stanley Yelnats (r&#252;ckw&#228;rts lesen!) verwandelt sich im Lauf des Romans vom Pechvogel zum Gl&#252;ckskind. Zu Beginn wird er wegen eines Diebstahls verurteilt, den er nicht begangen hat. In Green Lake befindet sich eine Besserungsanstalt f&#252;r Jugendliche, in der Stanley seine Strafe absitzen bzw. abschaufeln soll: Bei 35 Grad im Schatten – den es in Green Lake kaum gibt (und einen See erst recht nicht) – muss er Tag f&#252;r Tag ein Loch buddeln, f&#252;nf Fu&#223; breit, f&#252;nf Fu&#223; tief. Das soll den Charakter bessern. W&#252;stensand, Klapperschlangen, Skorpione und die absolut t&#246;dlichen, gelb gefleckten Eidechsen rieseln und kriechen schauerlich durch diesen Roman. </p>
<p>Stanleys Ururgro&#223;vater war aus entt&#228;uschter Liebe und &#252;berhastet von Lettland in die USA ausgewandert. Weil er in seiner Heimat ein Versprechen nicht gehalten hatte, lastet seither ein Fluch auf den Yelnats: eine Banditin namens Kissin Kate Barlow, der Zwiebelverk&#228;ufer Sam oder stinkende Turnschuhe sind dessen Folgen. Kunstvoll verwebt Sachar Familiengeschichten und andere Erz&#228;hlmotive mit der trockenen, staubigen, vom gleichf&#246;rmigen Ger&#228;usch der Schaufeln begleiteten Gegenwart Stanleys, der als sch&#252;chterner Junge in Green Lake ankommt und allm&#228;hlich begreift, dass der Zeitpunkt gekommen ist, an dem die Schuld seiner Familie abgegolten ist. </p>
<p>Sachar versetzt die Leser mit seiner Erz&#228;hlung in einen Zustand der Verz&#252;ckung und h&#228;lt gleichzeitig eine Spannung aufrecht, die sonst nur in besten Krimis herrscht. Vielleicht liegt es an der Vielschichtigkeit, an den vielen Einzelheiten, die man beim Lesen im Auge behalten muss, an der Virtuosit&#228;t, mit der die Teilchen im Lauf des Romans ineinander gef&#252;gt werden, an der erz&#228;hlerischen Brillanz, mit der Zuf&#228;lle kombiniert und in Einklang gebracht werden. Bestimmt liegt es auch an dem jungen Antihelden Stanley, der mit intuitiver Intelligenz sein Leben und das Familienschicksal der Yelnats&#8217; von vielen Seiten her betrachtet und einiges durchmachen muss, bevor er dessen Geheimnis begreift.</p>
<div class="bildlinks"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/200px-Louis_Sachar.jpg" width="200" height="226" alt="Louis Sachar" title="Louis Sachar" /><br /><small>Louis Sachar<br />Foto: Matthew C. Wright</small></div>
<p>Louis Sachar wurde 1954 in East Meadow im Staat New York geboren. 1976 schloss er sein Studium der Wirtschaftswissenschaften am College der University of California ab. Danach arbeitete er in einem Warenhaus f&#252;r Pullover und begann nebenher sein erstes Buch zu schreiben. Als er nach einem Jahr entlassen wurde, studierte er bis 1980 am Hastings College in San Francisco noch Jura. Kurz nach dem Abschluss seines Zweitstudiums wurde Sachars erstes Buch <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=sachar&#038;title=sideways+wayside+school">Sideways Stories From Wayside School</a></em> (nicht ins Deutsche &#252;bertragen) ver&#246;ffentlicht. Als seine B&#252;cher anfingen, sich gut zu verkaufen, h&#246;rte er auf, als Jurist zu arbeiten. 1985 heiratete er seine Frau Carla, zwei Jahre sp&#228;ter wurde seine Tochter Sherre geboren.</p>
<p>Sachar m&#246;chte immer wissen, wer die Lieblingsautoren seiner Lieblingsautoren sind und gibt deshalb seine eigenen gerne bekannt: E.L. Doctorow, J.D. Salinger, Kurt Vonnegut, Kazuro Ishiguro, Flannery O’Connor, Rex Stout, Katherine Paterson und E.B. White. Diese Mischung verdeutlicht vielleicht, wie es zu diesem einzigartigen und inzwischen auch <a href="http://www.youtube.com/watch?v=R2nZM6y2TdU" target="_blank">verfilmten Werk <em>L&#246;cher</em></a> kommen konnte, das f&#252;r Kinder ab zehn Jahren, Erwachsene und auch f&#252;r lesefaule Jungs geeignet ist.</p>
<div class="dialog">
<div class="hd">
<div class="c"></div>
</div>
<div class="bd">
<div class="c">
<div class="s">
<h3>Deutschsprachige B&#252;cher von <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=louis+sachar">Louis Sachar</a> im ZVAB</h3>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=sachar&#038;title=fluch+ballinger">Der Fluch des David Ballinger</a> (1988)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=sachar&#038;title=witz+boone">Du bist ein Witz, Gary Boone!</a> (1996)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=sachar&#038;title=loecher">L&#246;cher &#8211; die Geheimnisse von Green Lake</a> (1998)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=sachar&#038;title=bradley+reihe+platz">Bradley, letzte Reihe, letzter Platz</a> (2004)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=sachar&#038;title=kleine+schritte">Kleine Schritte</a> (2006) </div>
</div>
</div>
<div class="ft">
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</div>
</div>
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