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	<title>ZVABlog</title>
	
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	<description>das offizielle Blog des ZVAB rund um antiquarische und vergriffene Bücher - Literatur, Kolumnen, Lesetipps und Autoren-Nachrufe.</description>
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		<title>30. Januar 1933 – Ende einer Republik</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 13:36:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hanns-Martin Wietek</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das, was sich in den fr&#252;hen 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts zu einem Politkrimi entwickeln und schlie&#223;lich die Welt in ein bis heute un&#252;bertroffenes Ungl&#252;ck st&#252;rzen sollte, nahm seinen Ursprung im Jahr 1918. Die nach dem Sturz der Monarchie provisorische Regierung (Rat der Volksbeauftragten) unter der Leitung des &#252;berzeugten Demokraten Friedrich Ebert (SPD) beschloss am 30. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das, was sich in den fr&#252;hen 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts zu einem Politkrimi entwickeln und schlie&#223;lich die Welt in ein bis heute un&#252;bertroffenes Ungl&#252;ck st&#252;rzen sollte, nahm seinen Ursprung im Jahr 1918.<br />
Die nach dem Sturz der Monarchie provisorische Regierung (Rat der Volksbeauftragten) unter der Leitung des &#252;berzeugten Demokraten <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=friedrich+ebert">Friedrich Ebert</a> (SPD) beschloss am 30. November <a href="http://www.zvab.com/displayBookDetails.do?itemId=163207526&amp;b=1">Wahlen f&#252;r die verfassunggebende Nationalversammlung</a>. Da die Erinnerung an die undemokratischen Zust&#228;nde der Vergangenheit noch frisch war, legten sie fest, dass diese Wahlen, die f&#252;r den 19. Januar 1919 angesetzt waren, vollkommen demokratisch sein m&#252;ssten. Jeder – zum ersten Mal auch die Frauen – sollte durch eine Partei vertreten sein. Das Verh&#228;ltniswahlrecht ohne Prozenth&#252;rde garantierte, dass jede Partei – ob gro&#223;, ob klein – eine exakt ihrem prozentualen Stimmenanteil entsprechende Anzahl von Abgeordneten in die Nationalversammlung schicken konnte.<span id="more-6182"></span></p>
<div class="bildlinks"><img class="alignright size-full wp-image-6190" title="Friedrich Ebert" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2012/01/Friedrich-Ebert-Bundesarchiv-Bild-102-00015-CC-BY-SA.jpg" alt="" width="149" height="220" /><br />
<small>Friedrich Ebert, von 1919<br />
bis 1925 Reichspr&#228;sident<br />
(© Bundesarchiv, Bild 102-<br />
00015, CC-BY-SA)</small></div>
<p>Nun war es aber mitnichten so, dass alle Deutschen pl&#246;tzlich &#252;berzeugte Republikaner geworden waren, was sich im Ergebnis der Wahlen niederschlug: Von radikalen Sozialisten &#252;ber Vertreter der linken und konservativen Mitte sowie Erzkonservative bis hin zu den Monarchisten, die Preu&#223;ens Glorie wieder auferstehen lassen wollten, war alles vertreten (die KPD war gerade erst gegr&#252;ndet worden und NSDAP gab es noch nicht). Die Verfassung, die am 31. Juli 1919 in Weimar (daher der Name <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=%22weimarer+republik%22&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Weimarer Republik</a>) beschlossen und am 14. August 1919 verk&#252;ndet wurde, musste daher zwangsl&#228;ufig ein Kompromiss sein. Die Republik war eine parlamentarische Demokratie mit einem starken Pr&#228;sidenten, dem (&#228;hnlich einem Monarchen) viele Rechte zugestanden wurden. Das Verh&#228;ltniswahlrecht wurde festgeschrieben.</p>
<p>Bedeutsam f&#252;r die sp&#228;tere tragische Entwicklung waren zwei Aufgaben des Reichspr&#228;sidenten:<br />
Erstens ernannte er (wie fr&#252;her der Kaiser) den Reichskanzler, dessen Aufgabe es war, eine Regierung zu bilden, die sich auf eine Mehrheit im Parlaments st&#252;tzen sollte – wie er das zustande brachte, blieb ihm &#252;berlassen. Wenn er es nicht schaffte, konnte er ihn wieder entlassen. Und wenn keine Mehrheit zustande kam, konnte der Pr&#228;sident den Reichstag aufl&#246;sen und Neuwahlen ansetzen. Der Kanzler war vollst&#228;ndig vom Reichspr&#228;sidenten abh&#228;ngig, der ihm jederzeit das Vertrauen entziehen konnte.<br />
Zweitens konnte der Pr&#228;sident aber auch einen Kanzler bestimmen, der gem&#228;&#223; Notverordnung mit pr&#228;sidialen Erlassen ohne oder sogar gegen den Reichstag regierte. Der Reichstag wiederum hatte zwar die M&#246;glichkeit, Notverordnungen aufzuheben, indem er dem Kanzler sein Misstrauen aussprach, doch der Pr&#228;sident konnte dann einen neuen Kanzler beauftragen (der durchaus auch derselbe sein konnte), den Reichstag aufl&#246;sen und Neuwahlen ansetzen.</p>
<p>Im Februar 1925 starb der erste Reichspr&#228;sident Friedrich Ebert, der die Republik (mitunter mit Waffengewalt) sowohl gegen linke als auch gegen rechte Radikale verteidigt hatte. Das Volk musste einen neuen Reichspr&#228;sidenten w&#228;hlen. Nachdem im ersten Wahlgang erwartungsgem&#228;&#223; kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht hatte, standen sich im zweiten Wahlgang <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=%22wilhelm+marx%22&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Wilhelm Marx</a>, der Vertreter der republikfreundlichen sogenannten <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=%22weimarer+koalition%22&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Weimarer Koalition</a> aus SPD, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=zentrumspartei">Zentrum </a>und <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=ddp&amp;keyword=weimarer+republik&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Deutscher Demokratischer Partei</a>, und <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=paul+von+hindenburg">Paul von Hindenburg</a> gegen&#252;ber, der den aus den national, konservativ und monarchistisch gesinnten Parteien bestehenden sogenannten Reichsblock repr&#228;sentierte. Eine ganz unr&#252;hmliche Rolle spielte die <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=kpd&amp;keyword=%22weimarer+republik%22&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">KPD</a>, die ihrem aussichtslosen Kandidaten <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=ernst+thaelmann">Ernst Th&#228;lmann</a> nicht zur&#252;ckzog, obwohl sie wusste, dass sie damit indirekt ihre schlimmsten Feinde, die Monarchisten, unterst&#252;tzte. Sogar die gerade neu wiedergegr&#252;ndete <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=NSDAP">NSDAP </a>verzichtete auf einen Kandidaten und empfahl, Hindenburg zu w&#228;hlen. Noch nicht einmal die H&#228;lfte der f&#252;r Th&#228;lmann abgegebenen Stimmen h&#228;tte gereicht, dass nicht Hindenburg, sondern Marx Reichspr&#228;sident geworden w&#228;re. Die Weltgeschichte w&#228;re anders verlaufen.</p>
<div class="bildrechts"><img class="alignright size-full wp-image-6187" title="Generalfeldmarschall Paul v. Hindenburg " src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2012/01/Generalfeldmarschall-Paul-v.-Hindenburg-Bundesarchiv-Bild-183-S51620-CC-BY-SA.jpg" alt="" width="137" height="208" /><br />
<small>   Paul von Hindenburg,<br />
von 1925 bis 1934 Reichs-<br />
pr&#228;sident (© Bundesarchiv<br />
Bild 183-S51620, CC-BY-SA)</small></div>
<p>Der 77-j&#228;hrige Hindenburg hatte zwar nicht die absolute, sondern nur die relative Mehrheit erreicht, aber insgesamt hatte doch fast die H&#228;lfte der Deutschen ihren Ersatzkaiser gew&#228;hlt, den ehemaligen, ruhmbedeckten Generalfeld- marschall und Sieger in der <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=&amp;anyWords=%22schlacht+bei+Tannenberg%22&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Schlacht bei Tannenberg</a> (Erster Weltkrieg), einen Uradligen, dessen Stammbaum fast l&#228;nger war als der des Kaiserhauses. Scheinbar war er zu diesem Zeitpunkt das richtige Pflaster auf der durch den verlorenen Krieg verwundeten Seele des deutschen Volkes – obwohl doch gerade dieser „Retter“ des Vaterlandes und seine „Kameraden“ das deutsche Volk im Ersten Weltkrieg ins Ungl&#252;ck gest&#252;rzt hatten.<br />
Hindenburg war alles andere als ein Demokrat; aus seinem Widerwillen gegen die Republik hat er nie einen Hehl gemacht. Er war mit Leib und Seele ein befehlsgewohnter, &#252;berzeugt monarchistischer Generalfeldmarschall. Und da ein solcher nat&#252;rlich niemals einen Krieg verliert, hatte er ganz nach der Devise „Was nicht sein darf, das nicht sein kann“ heftig an der sogenannten <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=dolchsto%DF*&amp;keyword=&amp;anyWords=legende&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Dolchsto&#223;legende </a>mitgestrickt. Dieser Legende nach blieb das Milit&#228;r „im Felde unbesiegt“ und der Erste Weltkrieg wurde nur verloren, weil „die vaterlandslosen Gesellen“ von der Revolutionsregierung den bedingungslosen Waffenstillstand unterzeichneten. Eine grobe Verf&#228;lschung der Tatsachen – die Generalit&#228;t war in Wirklichkeit nur clever genug gewesen, einen Abgeordneten der Revolutionsregierung vorzuschieben – in deren Folge der Begriff <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=novemberverbrecher">Novemberverbrecher </a>f&#252;r die Republikaner der ersten Stunde geboren wurde. Dieser sollte sp&#228;ter noch schwerwiegendes Unheil anrichten.</p>
<p>Nun zur „Gegenseite“, der Parteienlandschaft in der Weimarer Republik. Es gab im Schnitt 14 Parteien – von extrem linken, die sich, wie der <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=spartakusbund">Spartakusbund</a>, weniger als Parteien denn als revolution&#228;re Gruppierungen betrachteten, bis zu den extrem rechten Nationalsozialisten, die sich als „Bewegung“ verstanden und ebenfalls eine Revolution anstrebten; dazwischen gab es Parteien mit den unterschiedlichsten Interessen, die letztlich fast alle vor allem ihre eigenen Interessen vertraten. Und alle waren sie aufgrund des Verh&#228;ltniswahlrechts im Reichstag vertreten. Nur drei Parteien waren staatstragend: die Parteien der Weimarer Koalition (SPD, katholisches Zentrum und linksliberale DDP), die allerdings nie die absolute Mehrheit f&#252;r sich verbuchen konnten. Die anderen wollten einen anderen Staat: Die extreme Linke wollte eine Revolution und einen Staat nach russischem Vorbild, die Erzkonservativen wollten ihren Kaiser wiederhaben, die Industriekapit&#228;ne wollten nichts als Gewinnmaximierung und die Nazis wollten eine Diktatur nach eigenen Regeln, die sie allerdings – so Hitlers erkl&#228;rter Anspruch – erst durchsetzen wollten, wenn sie formal-legal an die Macht gekommen waren.</p>
<p>Aber es gab in der Weimarer Republik nicht nur diese politisch unvers&#246;hn- lichen Widerspr&#252;che. Die Menschen, die von den widerstreitenden Parteien repr&#228;sentiert wurden, mussten schwere Schl&#228;ge einstecken: hausgemachte und weltweite Wirtschaftskrisen, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=hyperinflation">Hyperinflation </a>mit Verelendung und sozialen Umschichtungen, sozial und politisch motivierte Arbeitsk&#228;mpfe, Kriegsschuldzahlungen und milit&#228;rische Interventionen, um Forderungen durchzusetzen (Frankreich). Das Selbstwertgef&#252;hl, das den Deutschen jahrzehntelang eingebl&#228;ut worden war, hatte durch den Verlust des Krieges heftig gelitten. Und die Politik, die ein Gro&#223;teil der Menschen aus dem „Land der Dichter und Denker“ ohnehin als etwas Widerw&#228;rtiges empfand (nicht von ungef&#228;hr hei&#223;t es schon in <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=johann+goethe">Goethes </a><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=goethe&amp;title=faust+erster"><em>Faust I</em></a> in Auerbachs Keller „<em>Ein garstig‘ Lied! Pfui! Ein politisch‘ Lied.</em>“), war tats&#228;chlich widerw&#228;rtig geworden, denn sie war von den Extremisten auf die Stra&#223;e getragen worden. Es herrschten im wahrsten Sinn des Wortes Mord und Totschlag. Und das Chaos spiegelte sich im Reichstag wieder: Bis 1930 gab es 13 Regierungen – in nur 11 Jahren!</p>
<div class="bildlinks"><img class="alignright size-full wp-image-6200" title="Heinrich Br&#252;ning " src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2012/01/Heinrich-Br&#252;ning-Bundesarchiv-Bild-183-1989-0630-504-CC-BY-SA.jpg" alt="" width="139" height="200" /><br />
<small>Heinrich Br&#252;ning, von 1930<br />
bis 1932 Reichskanzler<br />
von Hindenburgs Gnaden<br />
(Bundesarchiv, Bild 183-<br />
1989-0630-504, CC-BY-SA)</small></div>
<p>Am 27. M&#228;rz 1930 scheiterte die Weimarer Koalition an der Frage, ob der bestehende Beitragssatz f&#252;r die Arbeitslosenversicherung von 3,5 % weiter angehoben und Beamte und Angestellte im &#214;ffentlichen Dienst ebenfalls mit einbezogen werden sollen. Die SPD k&#252;ndigte das B&#252;ndnis auf und Reichskanzler M&#252;ller trat mit der gesamten Regierung zur&#252;ck.<br />
Fast hundert Jahre sp&#228;ter wundert man sich &#252;ber die relative Nichtigkeit des Anlasses, der zu so gravierenden Ver&#228;nderungen gef&#252;hrt hat. Das Ende der Weimarer Koalition war das Ende der f&#252;r fast 20 Jahre letzten b&#252;rgerlich-demokratischen Regierung. Reichspr&#228;sident Hindenburg ernannte <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=%22heinrich+br%FCning%22&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Heinrich Br&#252;ning</a> von der Partei Zentrum zum Reichskanzler, ersetzte alle SPD-Minister durch Konservative und eigene Vertraute und gebot ihm, nach § 48 der Verfassung mit Notverordnungen ohne das Parlament zu regieren. Aus der parlamentarischen Republik wurde eine Pr&#228;sidialdiktatur. Dem Parlament drohte er, es aufzul&#246;sen, wenn es seine Erlasse nicht akzeptierte – was er auch drei Mal machte, mit dem Erfolg, dass die NSDAP, die 1928 bei ihrer ersten Wahlbeteiligung k&#252;mmerliche 2,6 % f&#252;r sich verbucht hatte, von Neuwahl zu Neuwahl immer st&#228;rker wurde.<br />
Der Reichstag setzte seine schwerste (aber letztlich stumpfe) Waffe, das Misstrauensvotum, gegen Br&#252;ning nicht ein – die SPD tolerierte ihn, um das totale Chaos verhindern. Auf den Stra&#223;en indes, die sich die Radikalen zum Kampffeld erkoren hatten, regierte dieses Chaos l&#228;ngst. Extreme Haltungen fanden hier viele Anh&#228;nger, zumal der „Hungerkanzler“ Br&#252;ning, dessen Ziel die Wiederherstellung der <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=hohenzollernmonarchie">Hohenzollernmonarchie </a>war, durch seine strikte Sanierungspolitik die Lage der Bev&#246;lkerung, die unter der in Folge der Weltfinanzkrise vorherrschenden Arbeitslosigkeit ohnehin schon schwer zu leiden hatten, noch versch&#228;rfte und daher im Volk nicht gerade beliebt war.</p>
<p>In dieser Situation betraten neue Figuren die Politb&#252;hne, w&#228;hrend im Hintergrund das Milit&#228;r und die Industriebarone agierten – sie alle glaubten den Zeitpunkt gekommen, der verhassten Republik den Todessto&#223; zu versetzen. Es kam zu einem regelrechten Politkrimi. Offen konnte man nicht agieren, und deshalb wurde getrickst, get&#228;uscht, manipuliert, taktiert, paktiert und angeblich gute Freunde entpuppten sich als Feinde.</p>
<div class="bildrechts"><img class="alignright size-full wp-image-6203" title="Kurt von Schleicher " src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2012/01/Kurt-von-Schleicher-Bundesarchiv-Bild-136-B0228-CC-BY-SA.jpg" alt="" width="142" height="220" /><br />
<small>   Kurt von Schleicher, vom<br />
2. Dezember 1932 bis zum<br />
28. Januar 1933 Reichskanzler<br />
(© Bundesarchiv, Bild 136-<br />
B0228, CC-BY-SA)</small></div>
<p>Von den Akteuren ist zun&#228;chst <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=kurt+von+schleicher">General Kurt von Schleicher</a> zu nennen, der seinem Namen alle Ehre machte: ein Mann mit Lust an der Intrige, ein Milit&#228;r, der den Parlamentarismus f&#252;r Unfug hielt und einen starken Pr&#228;sidenten regieren sehen wollte – er wollte eine Pr&#228;sidialdiktatur. Hindenburg nannte ihn seinen „jungen Freund“. Er half unter anderem, die letzte demokratische Regierung unter M&#252;ller zu st&#252;rzen und war 1932 selbst kurzzeitig Kanzler.<br />
Dann war da <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=franz+von+papen">Franz von Papen</a>, adeliger Gutsbesitzer, ein egoistischer, politisch unf&#228;higer „Herrenreiter“. Er diente dem, der ihm am meisten versprach. Kurzzeitig war er Reichskanzler. Auch er war f&#252;r eine Pr&#228;sidialdiktatur. Er sollte sp&#228;ter Hitler in den Kanzlersattel helfen.<br />
Eine wichtige Rolle spielte nat&#252;rlich Reichspr&#228;sident von Hindenburg, der mittlerweile reichlich senil geworden war und gelegentlich Ged&#228;chtnisl&#252;cken hatte. Er hatte zu seiner Beratung enge Vertraute um sich geschart, zu denen neben von Schleicher und von Papen u. a. auch sein Sohn <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=&amp;anyWords=%22Oskar+von+Hindenburg%22&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Oskar </a>geh&#246;rte. Dieser Kreis ist auch unter dem Namen Hindenburg-Kamarilla bekannt.<br />
Und nicht zuletzt tauchte nun auch <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=%22adolf+hitler%22&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Adolf Hitler</a> auf dieser B&#252;hne auf.</p>
<div class="bildlinks"><img class="alignright size-full wp-image-6212" title="Wahlschein Reichspr&#228;sidentenwahl 1932" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2012/01/Wahlschein-Reichspr&#228;sidentenwahl-1932.jpg" alt="" width="124" height="180" /><br />
<small>Wahlschein zur Reichs-<br />
pr&#228;sidentenwahl 1932</small></div>
<p>Und das geschah in den letzten Monaten und Wochen vor dem 30. Januar 1933:<br />
Der Kanzler Br&#252;ning regiert seit dem 30. M&#228;rz 1930 mit Pr&#228;sidentenerlassen ohne das Parlament. Sein Plan: Er will die Pr&#228;sidentschaftswahl im April 1932 ausfallen lassen, die Amtszeit des Pr&#228;sidenten verl&#228;ngern, mit einer Mehrheit des Parlaments – die ihm versprochen ist – die Monarchie wieder einf&#252;hren. Hindenburg soll Regent, nach seinem Tod ein Sohn des Kronprinzen Kaiser werden. Damit wollen Br&#252;ning und die einbezogenen Parteien zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Revolution von 1918/19 w&#228;re unsch&#228;dlich gemacht und Hitler mit seinen Mannen „gez&#228;hmt“, au&#223;erdem w&#228;re die Gefahr gebannt, dass sich Hitler nach Hindenburgs Tod als Pr&#228;sident zur Wahl stellen w&#252;rde.<br />
Hindenburg aber will der Monarchie nur zustimmen, wenn der Kaiser selbst wieder auf den Thron kommt, was die Parteien ablehnen.</p>
<p>Am 10. April 1932 steht die Reichspr&#228;sidentenwahl an. Hindenburg ist alt und gebrechlich. Um eine Kampfentscheidung zwischen Hindenburg und Hitler zu verhindern, dr&#228;ngt Br&#252;ning erneut auf eine Amtszeitverl&#228;ngerung. Von Schleicher und Br&#252;ning nehmen am 7. Januar 1932 Verhandlungen mit Hitler auf, denn zur Amtszeitverl&#228;ngerung brauchen sie seine Zustimmung– die NSDAP ist die zweitst&#228;rkste politische Kraft im Land. Lockmittel f&#252;r Hitler ist Br&#252;nings Ank&#252;ndigung, er wolle, nachdem er laufende internationale Verhandlungen abgeschlossen habe, zur&#252;cktreten und Hitler als Nachfolger vorschlagen. Hitler lehnt kategorisch ab, denn er „riecht den Braten“ – Hindenburg hat ihn schon zweimal h&#246;chst unwirsch abgefertigt.<br />
Hindenburg ist ver&#228;rgert; er glaubt, Br&#252;ning habe alles vermasselt. Von Schleicher best&#228;rkt ihn in dieser Meinung, denn er will seinen Freund Br&#252;ning nach der Wahl abservieren.</p>
<p>Kurz vor der Reichspr&#228;sidentenwahl, die Hindenburg gegen Hitler und Th&#228;lmann gewinnt, tauchen Dokumente auf, nach denen die SA einen Staatsstreich plant. Noch am Wahltag beschlie&#223;t das Kabinett, die SA aufzul&#246;sen und zu verbieten. Hindenburg unterschreibt z&#246;gernd, weil von Schleicher, der zuerst daf&#252;r war, jetzt dagegen ist. Von Schleicher st&#252;rzt sich sofort in geheime Verhandlungen mit Hitler. Sein Plan: Br&#252;ning st&#252;rzen, Kanzler werden, Reichstag aufl&#246;sen, regieren mit Pr&#228;sidialerlassen, <a href="http://www.zvab.com/refineQuickSearch.do?anyWords=sa-verbot&amp;lastXDays=-1&amp;submit=Suchen">SA-Verbot</a> aufheben, Tolerierung der Regierung durch die NSDAP, &#196;nderung der Verfassung. Hitler hingegen will ein farbloses „&#220;bergangskabinett“, denn er hofft, selbst an die Macht zu kommen. Einer versucht den anderen &#252;bers Ohr zu hauen.</p>
<div class="bildrechts"><img class="alignright size-full wp-image-6209" title="Franz von Papen" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2012/01/Frant-von-Papen-Juli-1932-Bundesarchiv-Bild-102-13708-CC-BY-SA.jpg" alt="" width="180" height="206" /><br />
<small>   Franz von Papen, 1932 kurzzeitig<br />
Kanzler und von 1933 bis 1934<br />
Vizekanzler unter Hitler (© Bundes-<br />
archiv, Bild 102-13708, CC-BY-SA)</small></div>
<p>Br&#252;ning ahnt von alldem nichts, glaubt sich sicher und schl&#228;gt Hindenburg soziale Reformen vor. Der – sowieso schon ver&#228;rgert – sieht bei dem Wort „sozial“ rot und entl&#228;sst ihn am 30. Mai 1932. Von Schleicher schl&#228;gt Hindenburg nun eine Regierung mit dem Kanzler von Papen vor. Hindenburg fragt Hitler, ob er von Papen als (mit Pr&#228;sidialerlassen regierenden) Kanzler unterst&#252;tzen w&#252;rde, wenn dieser das SA-Verbot aufhebe; dann l&#246;st er den Reichstag auf – was Neuwahlen bedeutet. Hitler ist nat&#252;rlich einverstanden, denn er erwartet f&#252;r seine Partei gro&#223;e Gewinne. Der franz&#246;sische Botschafter charakterisiert von Papen als oberfl&#228;chlich, h&#228;ndels&#252;chtig, falsch, ehrgeizig, verschlagen, intrigant und eitel. Von Papen bildet das <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=&amp;anyWords=kabinett+der+barone&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">„Kabinett der Barone“</a> (mit f&#252;nf Adeligen im Kabinett).</p>
<p>Am 31. Juli 1932 finden die Reichstagswahlen statt. Hitlers NSDAP ist der gro&#223;e Sieger. Mit 37,3 % (19 % mehr als bei der letzten Wahl) wird sie st&#228;rkste Partei, gefolgt von der SPD mit 21,2 % (2,9 % weniger als zuvor).<br />
Hitler f&#228;hrt am 4. August umgehend zu von Schleicher , verlangt f&#252;r sich die Kanzlerschaft und f&#252;r seine Partei den Posten des Preu&#223;ischen Ministerpr&#228;sidenten sowie sieben Ministerien; von Schleicher soll Reichswehrminister werden. Au&#223;erdem will er ein <a href="http://www.zvab.com/refineQuickSearch.do?anyWords=erm%E4chtigungsgesetz&amp;lastXDays=-1&amp;submit=Suchen">Erm&#228;chtigungsgesetz</a>, das ihm die Befugnis zur Gesetzgebung (ohne Parlament und Pr&#228;sident) zugesteht. Von Schleicher sagt zun&#228;chst zu, rudert aber schon am 8. August zur&#252;ck: Hitler soll nur als Kanzler mit dem Parlament regieren. Und als Hitler am 13. August mit von Schleicher und von Papen zusammensitzt, gesteht man ihm nur noch den Vizekanzler zu – also soll Hindenburg entscheiden. Der jedoch h&#228;lt Hitler eine &#246;ffentliche Standpauke – er kanzelt ihn im doppelten Sinn des Wortes ab.</p>
<p>Heimlich verb&#252;ndet sich die NSDAP mit der an und f&#252;r sich demokratischen Zentrumspartei; zusammen w&#228;hlen sie am 30. August den NSDAPler <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=hermann+goering">Hermann G&#246;ring</a> mit absoluter Mehrheit zum Reichstagspr&#228;sidenten. Als von Papen am 12. September den Reichstag aufl&#246;sen will, trickst G&#246;ring ihn aus: Er stellt sich taub, bis die NSDAP zusammen mit der KPD von Papen das Misstrauen ausgesprochen hat – die Regierung ist gest&#252;rzt und kann den Reichstag nicht mehr aufl&#246;sen. Neuwahlen werden f&#252;r den 9. November angesetzt. Die NSDAP verliert zwar 4,2 %, ist aber mit 33,1 % noch immer die st&#228;rkste Partei (SPD 20 %).</p>
<p>Von Papen – immer noch Kanzler, denn der Kanzler wird vom Pr&#228;sidenten ernannt und entlassen – versucht am 13. November, mit Hitler &#252;bereinzukommen. Hitler verweigert sich. Jetzt ist von Schleicher der Meinung, dass sein guter alter Freund ausgedient hat, und er r&#228;t ihm nachdr&#252;cklich, zur&#252;ckzutreten. Am 17. November tritt von Papen zur&#252;ck.</p>
<p>Am 19. und 21. November ist Hitler wieder bei Hindenburg, der bekr&#228;ftigt, ihn nur zum Kanzler zu machen, wenn er eine Reichstagsmehrheit vorweisen kann – was Hitler nicht kann. Am 1. Dezember sind von Papen und von Schleicher bei Hindenburg. Von Papen glaubt, er werde – wie mit von Schleicher abgesprochen – von Hindenburg zum Kanzler ernannt, mit Pr&#228;sidialerlassen regieren, den Reichstag in Urlaub schicken, eine Verfassungsreform durch- und die Monarchie einf&#252;hren. Entgegen der urspr&#252;nglichen Absprache aber protestiert von Schleicher gegen dieses nicht verfassungsgem&#228;&#223;e Vorhaben und k&#252;ndigt an, zusammen mit der NSDAP, den Gewerkschaften, der SPD und anderen b&#252;rgerlichen Parteien eine Mehrheit im Reichstag zusammenzubringen. (Zuvor war er bei Hitler gewesen und hatte ihm eine Regierungsbeteiligung angeboten, wenn er, von Schleicher, mit Hitler Unterst&#252;tzung Kanzler w&#252;rde.) Hindenburg ist entsetzt und beauftragt von Papen, eine Regierung zu bilden.</p>
<div class="bildrechts"><img class="alignright size-full wp-image-6233" title="Oskar von Hindenburg 1930 " src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2012/01/Oskar-von-Hindenburg-1930-Bundesarchiv-Bild-102-09560-CC-BY-SA.jpg" alt="" width="129" height="198" /><br />
<small>   Oskar von Hindenburg,<br />
Mitglied der sogenannten<br />
Hindenburg-Kamarilla<br />
(© Bundesarchiv, Bild<br />
102-09560, CC-BY-SA)</small></div>
<p>Noch am selben Tag bringt General von Schleicher die <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=reichswehr">Reichswehr </a>hinter sich, die erkl&#228;rt, sie sei nicht in der Lage, eine von-Papen-Regierung gegen die NSDAP- und KPD-Anh&#228;nger auf der Stra&#223;e zu sch&#252;tzen. Daraufhin schl&#228;gt von Papen Hindenburg vor, den Reichswehrminister zu entlassen; er selbst will Kanzler bleiben. Hindenburg aber macht das genaue Gegenteil: Er entl&#228;sst von Papen und ernennt von Schleicher am 2. Dezember 1932 zum Kanzler.</p>
<p>Am 4. Januar 1933 treffen sich von Papen und Hitler beim Bankier von Schr&#246;der, der beste Ver- bindungen zum Kapital und den Gro&#223;industriellen unterh&#228;lt, zu einem geheimen Gespr&#228;ch. Sie planen, die von-Schleicher-Regierung durch eine Hitler-von-Papen-Regierung zu ersetzen. Die Wirtschaft ist aufseiten Hitlers, der Ruhe und Ordnung verspricht. Von Schleicher jedoch erf&#228;hrt durch seine Spione von dieser Absprache und am n&#228;chsten Tag steht alles in der Zeitung. Von Papen wird der Illoyalit&#228;t gegen&#252;ber von Schleicher bezichtigt. Von Schleicher bem&#252;ht sich derweil, eine Regierung zustande zu bringen, und verspricht – so wie ehemals sein alter Freund Br&#252;ning, den er abserviert hat – soziale Reformen. Die Gewerkschaften glauben ihm nicht und Wirtschaft und Gro&#223;grundbesitz sind w&#252;tend.</p>
<p>Am 22. Januar 1933 treffen sich Hitler, G&#246;ring, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=wilhelm+frick">Wilhelm Frick</a>, von Papen und Oskar von Hindenburg bei dem bis dahin unbekannten Nationalsozialisten <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=joachim+ribbentrop">Joachim von Ribbentrop</a>. Hier hat Hitler ein Gespr&#228;ch „unter vier Augen“ mit Hindenburgs Sohn Oskar. Nach dem Gespr&#228;ch meint dieser, dass man die NSDAP wohl doch an der Regierung werde beteiligen m&#252;ssen. Interessant ist, dass – nachdem die Nazis an der Macht waren – dem Gut der Hindenburgs 5.000 h Land zugeschlagen, eine Steuerhinterziehung, in die Oskar von Hindenburg verwickelt war, nie verfolgt und er zum Generalmajor bef&#246;rdert wurde.</p>
<p>Am 23. Januar bittet von Schleicher Hindenburg um Aufl&#246;sung des Reichstags und das Regieren mit Pr&#228;sidentenerlassen und deutet an, dass er eine Milit&#228;rdiktatur errichten wolle. Hindenburg lehnt ab. Von Schleicher ist erledigt und wei&#223; es auch. <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=joseph+goebbels">Goebbels </a>schreibt voll Schadenfreude in sein Tagebuch „<em>[sein] Sturz wird &#252;ber Nacht kommen. Nun f&#228;llt er, wie er so manchen anderen zu Fall gebracht hat.</em>“ Am 28. Januar &#252;bergibt von Schleicher Hindenburg sein R&#252;cktrittsgesuch und empfiehlt Hitler als Nachfolger, worauf ihm Hindenburg versichert, dass er nicht beabsichtige, den „<em>&#246;sterreichischen Gefreiten</em>“ zum Kanzler zu machen. Noch am selben Tag aber beauftragt er von Papen, zu sondieren, ob eine Regierung unter Hitler mit Reichstagmehrheit m&#246;glich sei.</p>
<div class="bildlinks"><img class="alignright size-full wp-image-6223" title="Reichskabinett Adolf Hitler" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2012/01/Reichskabinett-Adolf-Hitler-30.-Jan.-1933-v.l.n.r.-G&#246;ring-Hitler-von-Papen-Bundesarchiv-Bild-102-15348-CC-BY-SA.jpg" alt="" width="220" height="153" /><br />
<small>Hitlers Kabinett (mit Adolf Hitler, Hermann<br />
G&#246;ring, Franz von Papen, Wilhelm Frick u.a.)<br />
am 30. Januar 1933</small></div>
<p>Dann &#252;berschlagen sich die Ereignisse: Am 29. Januar gibt es Ger&#252;chte, dass die Reichswehr putschen will. Am 30. Januar ernennt Hindenburg General Werner von Blomberg, einen Hitler-Vertrauten, zum Reichswehrminister und erteilt ihm den Auftrag, jeden Putschversuch niederzuschlagen. Am selben Tag vereidigt er Hitler und sein Kabinett (mit von Papen als Vizekanzler), obwohl er nicht die Mehrheit des Parlaments hinter sich hat.<br />
Hitler hat sein Ziel erreicht, formal-legal an die Macht zu kommen.</p>
<p>Die Weimarer Republik ist tot, was danach kommt, ist nur noch Leichenfledderei.</p>
<p>Wie es weiterging, zeigt der 24. M&#228;rz 1933.</p>
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		<title>Was geschah am 16. Januar?</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 08:53:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hanns-Martin Wietek</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als er am 19. August im Jahre 14 n. Chr. in Nola bei Neapel starb, lautete sein Name mit allen Titeln: Imperator Caesar Divi filius Augustus, Pontifex Maximus, Co(n)s(ul) XIII, Imp(erator) XXI, Trib(uniciae) pot(estatis) XXXVII, P(ater) p(atriae); zu Deutsch: Imperator Caesar, Sohn des Verg&#246;ttlichten, der Erhabene, H&#246;chster Oberpriester, 13 Mal Konsul, 21 Mal Imperator, 37 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als er am 19. August im Jahre 14 n. Chr. in Nola bei Neapel starb, lautete sein Name mit allen Titeln:<br />
Imperator Caesar Divi filius Augustus, Pontifex Maximus, Co(n)s(ul) XIII, Imp(erator) XXI, Trib(uniciae) pot(estatis) XXXVII, P(ater) p(atriae); zu Deutsch: Imperator Caesar, Sohn des Verg&#246;ttlichten, der Erhabene, H&#246;chster Oberpriester, 13 Mal Konsul, 21 Mal Imperator, 37 Mal Inhaber der tribunizischen Gewalt, Vater des Vaterlandes.</p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2012/01/Augustus-von-Primaporta-VatikanMuseum-Foto-Till.niemann.jpg" alt="" title="Augustus von Primaporta VatikanMuseum Foto Till.niemann" width="180" height="270" class="alignright size-full wp-image-6132" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Seinen Beinamen Augustus &#8211; der<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Erhabene &#8211; erhielt Gaius Julius<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Caesar, Adoptivsohn des gleichna-<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;migen Diktators und erster Kaiser<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;des R&#246;mischen Reiches, am<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;16. Januar des Jahres 27 v. Chr.</small></div>
<p>Als er im Jahr 63 v. Chr. in Rom geboren wurde, hie&#223; er schlicht Gaius Octavius und war ein Gro&#223;neffe des sp&#228;ter an den Iden des M&#228;rzes 44 v. Chr. ermordeten gro&#223;en, vom r&#246;mischen Senat zum „Diktator auf Lebenszeit“ ernannten <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=julius+caesar&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Gaius Julius Caesar</a>. (Welcher Lateiner erinnert sich nicht an sein <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=caesar&amp;title=bello+gallico">De bello gallico</a></em>!? <em>„Gallia es omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae…“</em>) Dieser hatte ihn in seinem Testament adoptiert und er nahm daraufhin seinen Namen an. Als Caesar im Jahr 42 v. Chr. verg&#246;ttlicht wurde – d. h. als geborener Mensch als Gott in den Kreis der G&#246;tter aufgenommen wurde, &#228;hnlich der Heiligsprechung der christlichen Kirche – nannte er sich Gaius Iulius Divi filius Caesar, Gaius Julius Caesar, Sohn des Verg&#246;ttlichten.<span id="more-6125"></span></p>
<p>Am 16. Januar 27 v. Chr. verlieh ihm der r&#246;mische Senat, der in der republikanischen Zeit (in der man sich dem Recht nach noch befand) eine wichtige Rolle spielte, den Titel Augustus – der Erhabene – und benannte den (nach r&#246;mischem Kalender) sechsten Monat des Jahres nach ihm. Kaum war er gestorben, wurde auch er in den G&#246;tterhimmel aufgenommen und hie&#223; forthin Divus Augustus Divi filius – Verg&#246;ttlichter Augustus, Sohn des Verg&#246;ttlichten. Heute spricht man vom<a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=augustus&amp;keyword=r%F6misches+reich&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6"> Kaiser Augustus </a>als dem ersten r&#246;mischen Kaiser. Und die r&#246;mischen Kaiser, die nach ihm folgten, legten sich neben dem Titel Caesar noch den Ehrentitel Augustus zu.</p>
<p>Nicht weil von ihm auch in der Weihnachtsgeschichte die Rede ist, ist er eine bedeutende historische Gestalt – er regierte die unglaublich lange Zeit von 58 Jahren, das <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=r&#246;mische+reich">R&#246;mische Reich</a> erlebte unter ihm seine Bl&#252;tezeit, im Reich (an den Grenzen weniger) herrschte nach dem Jahrhundert der <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=r&#246;mische+b&#252;rgerkriege">R&#246;mischen B&#252;rgerkriege</a> die <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=pax+augusta">Pax Augusta</a> – der Augusteische Frieden, es wirkten noch heute (zum Leidwesen vieler Lateinsch&#252;ler) ber&#252;hmte Dichter und Historiker wie <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ovid">Ovid</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=vergil">Vergil</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=horaz">Horaz</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=properz">Properz </a>und <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=titus+livius">Titus Livius</a> und Architekten wie <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=vitruv">Vitruv</a>. Unter Augustus wurde die alte Ziegelsteinstadt Rom zu einer Stadt aus Marmor, deren Reste wir noch heute bewundern.</p>
<div class="bildlinks">
<img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2012/01/Iwan-der-Schreckliche-Gem&#228;lde-1672.jpg" alt="" title="Iwan der Schreckliche Gem&#228;lde 1672" width="155" height="220" class="alignright size-full wp-image-6141" /><br /><small>Am 16. Januar 1547 wurde<br />
Iwan der IV, der nicht ohne<br />
Grund im westlichen Europa<br />
&#8220;der Schreckliche&#8221; genannt<br />
wird, zum Zar von Russland<br />
gekr&#246;nt (Abbildung von 1672).</small></div>
<p>Von ganz anderem Kaliber war da der, der am 16. Januar 1547 vom Metropoliten von Moskau, <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=&amp;anyWords=makarij&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Makarij</a>, zum ersten Zaren von Russland gekr&#246;nt wurde:<br />
Iwan IV. Wassiljewitsch Grozny – besser bekannt unter dem Namen <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=iwan+schreckliche&amp;keyword=Russland&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Iwan der Schreckliche</a>, wobei der Beiname „der Schreckliche“ ihm von den westeurop&#228;ischen Zeitgenossen zugeschrieben wurde – „Grozny“ hei&#223;t eigentlich „der Strenge“ oder „der Gewittrige“. An seinen Taten gemessen aber war er ohne Zweifel ein Schrecklicher, wenn nicht gar eine Bestie. Sein Vater war gestorben, als er drei Jahre alt war; nur f&#252;nf Jahre sp&#228;ter starb unter ungekl&#228;rten Umst&#228;nden auch die Mutter. Die erbitterten Machtk&#228;mpfe, die in der Folge um die Herrschaft in Russland gef&#252;hrt wurden, erlebte der junge Iwan auch am eigenen Leib. Als er dann im Alter von 13 Jahren an die Macht kam, war seine Rache grausam, einen seiner Widersacher lie&#223; er von ausgehungerten Jagdhunden zerfleischen. Als seine erste Frau, die er &#252;ber alles liebte – er nannte sie „meine kleine Stute“ –, starb, brachte er sich in verzweifelter Raserei fast um und nahm anschlie&#223;end f&#252;rchterliche Rache, weil er (zurecht, wie man heute wei&#223;) davon ausging, dass sie vergiftet worden war. Ganz nach Laune lie&#223; er Menschen hinrichten – oder ermordete sie selbst, lie&#223; dann aber ihre Namen aufschreiben und betete f&#252;r sie. Er feierte mit seinen Gefolgsleuten, den Opritschniki, schwarze Messen und Saufgelage, war aber fromm und in der Heiligen Schrift sehr belesen – ja, er komponierte sogar noch heute vorhandene Kirchenges&#228;nge. Seinen eigenen Sohn hat er in einem Wutanfall erschlagen. Er hat auf brutalste Art und Weise Ordnung in seinem Reich geschaffen und es nach Sibirien hin erweitert. &#220;ber ihn und seine Taten sind ganze B&#252;cher geschrieben worden.</p>
<p>Von den sechs Kindern, die er von seiner geliebten ersten Frau hatte, war, als er starb, nur noch der schwachsinnige <a href="http://www.zvab.com/displayBookDetails.do?itemId=77456830&amp;b=1">Fjodor </a>am Leben, der seinen Vater beerbte und von 1584 bis zu seinem Tod 1598 Zar von Russland war. Sieben Mal war Iwan IV. noch verheiratet gewesen, verbannte jedoch nach kurzer Zeit die meisten seiner Frauen in ein Kloster. Eine lie&#223; er ertr&#228;nken, weil sie keine Jungfrau mehr war, und den Liebhaber einer anderen lie&#223; er pf&#228;hlen. Sein letzte Frau &#252;berlebte ihn und gebar ihm noch kurz vor seinem Tod den Sohn <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=&amp;anyWords=dmitri+zarewitsch&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Dmitri</a>, der aber vermutlich im Alter von 8 Jahren ermordet wurde. Dieses „vermutlich“ machten sich sp&#228;ter, in der Zeit der Wirren, Gauner zunutze, die sich als Zarewitsch Dmitri ausgaben.</p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2012/01/Boris_Godunow.jpg" alt="" title="Boris_Godunow" width="176" height="220" class="alignright size-full wp-image-6147" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der n&#228;chste Zar, der an einem<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;16. Januar gekr&#246;nt wurde, war<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;der nicht-adelige Boris Godunow,<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;dessen Amtsantritt 1598 die<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&#8221;Zeit der Wirren&#8221; einleitete.</small></div>
<p>Am 16. Januar 1598 lie&#223; sich der nicht-adelige <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=boris+godunow">Boris Godunow</a>, der bereits in den 14 Jahren der Herrschaft von Fjodor I die Amtsgesch&#228;fte gef&#252;hrt hatte, von der russischen St&#228;ndevertretung zum Zaren w&#228;hlen, was den Unmut der Moskauer Bojaren (F&#252;rsten) hervorrief. Die <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=boris+godunow%2C+russland&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Zeit der Wirren</a>, die sogenannte Smuta mit falschen Dmitris und Zaren (unterst&#252;tzt von Polen und Schweden), Hungersn&#246;ten und Volksaufst&#228;nden hatte begonnen und endete erst 1613, als Michail I., der erste Zar aus dem Geschlecht der Romanows, zum Herrscher gew&#228;hlt und gekr&#246;nt wurde.</p>
<p>Ein anderer 16. Januar (nach dem damals in Russland g&#252;ltigen julianischen Kalender der 3. Januar im Jahr 1905) leitete die blutigste und grausamste Phase der russisch-sowjetischen Geschichte ein: die <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=revolution+1905+russland&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Russische Revolution von 1905</a>, auf die die Gro&#223;e Russische Februarrevolution von 1917 mit dem bolschewistischen Putsch im Oktober folgte.<br />
Am Montag, dem 16. Januar, streikten in den Putilow-Werken in St. Petersburg (eine der gr&#246;&#223;ten R&#252;stungsschmieden) die ersten Arbeiterinnen, weil sie hungerten und f&#252;r ein kleines St&#252;ckchen Brot im Betrieb manchmal tagelang anstehen mussten. Am n&#228;chsten Tag wurden vier von ihnen entlassen. Die Streiks weiteten sich aus, auch weil durchsickerte, dass die Werke das Brot absichtlich horteten, denn im Land herrschte kriegsbedingt (russisch-japanischer Krieg) Hungersnot. Am darauffolgenden Sonntag zogen, angef&#252;hrt vom Priester und Arbeiterf&#252;hrer Gabon, 150.000 Menschen friedlich zum Zarenpalast, um Nikolaus II. eine Bittschrift zu &#252;berreichen. Sie wurden vom Milit&#228;r empfangen und zusammengeschossen, es gab &#252;ber 200 Tote und zahllose Verletzte. Der Tag ging als <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=&amp;anyWords=petersburger+blutsonntag&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Petersburger Blutsonntag</a> in die Geschichte ein. Die Proteste weiteten sich aus, f&#252;hrten zu landesweitem Aufruhr, und schlie&#223;lich solidarisierten sich die Matrosen des <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=panzerkreuzer+potemkin">Panzerkreuzers Potemkin</a> mit den Streikenden, was der gro&#223;e Regisseur <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=sergei+eisenstein">Sergei Eisenstein</a> 1925 in seinem ber&#252;hmten Stummfilm zeigte. <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=nikoluas+II">Zar Nikolaus II.</a> versprach in seinem <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=&amp;anyWords=oktobermanifest&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Oktobermanifest </a>Reformen und stie&#223; auch einige an, die aber, nachdem wieder Ruhe eingekehrt war, schnell zur&#252;ckgenommen oder verw&#228;ssert wurden. Letztlich war – bei aller Tragik – alles nur ein Probelauf f&#252;r das, was 12 Jahre sp&#228;ter noch kommen sollte.</p>
<div class="bildlinks"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2012/01/Petersburger-Blutsonntag-1905-Unbekannt.jpg" alt="" title="Petersburger Blutsonntag 1905 Unbekannt" width="175" height="220" class="alignright size-full wp-image-6153" /><br /><small>Der Streik in den Puntilow-Werken<br />
am 16. Januar 1905 stie&#223; die<br />
erste Russische Revolution an,<br />
die im Petersburger Blutsonntag<br />
einen furchtbaren H&#246;hepunkt fand.</small></div>
<p>Der 16. Januar 1935 zeigt beispielhaft, wohin die Entwicklung in Russland gef&#252;hrt hat: An diesem Tag lie&#223; Stalin Lenins alte Weggef&#228;hrten <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=&amp;anyWords=lew+kamenew&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Lew Kamenew</a> und <a href="http://www.zvab.com/refineQuickSearch.do?anyWords=sinowjew+grigori&amp;lastXDays=-1&amp;submit=Suchen">Grigori Sinowjew</a> verhaften; sie wurden zu langj&#228;hrigen Haftstrafen verurteilt und 1936 im ersten S&#228;uberungsprozess, dem ersten Moskauer Schauprozess, entgegen anderslautenden Zusicherungen Stalins zum Tode verurteilt und erschossen. Stalin war der Sieger dessen, was mit dem Streik in den Putilow-Werken 1905 begonnen hatte. Und am 16. Januar 1945 bekam der <em>Panzerkreuzer-Potemkin</em>-Regisseur Eisenstein f&#252;r seinen hervorragenden Film <a href="http://www.zvab.com/refineQuickSearch.do?anyWords=iwan+eisenstein&amp;lastXDays=-1&amp;submit=Suchen"><em>Iwan, der Schreckliche</em></a> den Stalin-Preis.</p>
<p>Wie lange das System, das da entstanden war, wirkte, ist bekannt; aber es blieb nie ohne Widerspruch.<br />
Am 16. Januar 1969 verbrannte sich der tschechische Student Jan Palach aus Protest gegen den Einmarsch der Sowjettruppen und die Niederschlagung des <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=prager+fr%FChling&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Prager Fr&#252;hlings</a> &#246;ffentlich auf dem Prager Wenzelsplatz.</p>
<p>Auch auf der anderen Seite der Weltkugel hatte der Tag ein gewichtiges W&#246;rtchen mitzureden.<br />
Am 16. Januar 1920 trat der auf den Tag genau ein Jahr zuvor von <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=wilson+pr%E4sident+usa&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">US-Pr&#228;sident Wilson</a> unterzeichnete „18. Zusatzartikel zur Verfassung der USA“ in Kraft, der „die Herstellung, den Verkauf und den Transport von berauschenden Mitteln“ verbot. Die Zeit der <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=prohibition&amp;keyword=usa&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Prohibition </a>hatte begonnen und sollte 13 Jahre andauern. Der Pr&#228;sident selbst hatte gegen diese Verfassungs&#228;nderung sein Veto eingelegt, wurde jedoch durch Zweidrittelmehrheiten sowohl im Repr&#228;sentantenhaus als auch im Senat &#252;berstimmt, zumal sich die Menschen in 17 der 48 Bundesstaaten in Volksabstimmungen f&#252;r die Prohibition ausgesprochen hatten.</p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2012/01/Al-Capone-Tafel-in-Belgrad-Quelle-sr.wikipedia.jpg" alt="" title="Al Capone Tafel in Belgrad Quelle sr.wikipedia" width="187" height="220" class="alignright size-full wp-image-6168" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Prohibition, die am 16. Januar<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;1920 begann, war die Geburtstunde<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;der Organisierten Kriminalit&#228;t in den<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;USA &#8211; die gro&#223;en Gangster des fr&#252;-<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;hen 20. Jahrhunderts wie Al Capone<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;(hier auf einem Graffiti in Belgrad,<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&copy; Goldfinger/sr.wikipedia) wurden<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;u.a. mit dem illegalen Handel von<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Spirituosen reich.</small></div>
<p>Nicht die Motivationen und die sozialpolitischen Hintergr&#252;nde, die f&#252;r diese Initiative sprachen – sie reichen vom Puritanismus &#252;ber die aufstrebende Frauenbewegung und – ganz allgemein – den Zeitgeist bis hin zu medizinischen Gr&#252;nden – sollen an diesem Experiment, zu dem es letztlich wurde, interessieren, sondern das, was bis heute wirkt. Der Alkohol war mit diesem Akt von der Bildfl&#228;che verschwunden, aber eben nur von der Bildfl&#228;che; er war in die Illegalit&#228;t abgetaucht. In der Folge entstand in den 20er Jahren die Organisierte Kriminalit&#228;t mit Verbrechersyndikaten wie der Mafia oder Cosa Nostra, den „Familien“ und den gro&#223;en „Gangs“ – <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=al+capone">Al Capone</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=johnny+torrio">Johnny Torrio</a> und <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=lucky+luciano">Lucky Luciano</a> sind „ber&#252;hmte“ Beispiele f&#252;r Verbrecher, die mit ihren Banden von der Prohibition profitierten. Sie alle scheffelten auf brutalste Weise unermessliche Reicht&#252;mer. Und Geld f&#252;hrt bekanntlich zu Korruption und Macht. Hier liegen die Wurzeln der Organisierten Kriminalit&#228;t, die bis heute (nicht nur in den USA) nicht ausgerottet ist – im Gegenteil, die kriminellen Banden sind eine kaum nachvollziehbare Symbiose mit den M&#228;chtigen (oder denen, die sich daf&#252;r halten) der Welt eingegangen. Man muss kein Verschw&#246;rungstheoretiker sein, um das auch oder gerade in den demokratischsten Staaten zu erkennen, wo diese Gangster h&#228;ufig in ehrenwertestem Gewand einherkommen.</p>
<p>Und auch die Technik ist an diesem Tag nicht zu kurz gekommen, im Guten wie im Schlechten.<br />
Am 16. Januar 1969 gelang das erste Andockman&#246;ver im Weltraum. Die <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=sojus&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">sowjetischen Raumschiffe Sojus 4 und Sojus 5</a> dockten aneinander an und die Bordingenieure Chrunow und Jelissejew stiegen au&#223;en, also durch den Weltraum, vom einen Raumschiff in das andere.<br />
Im Jahr 1973 landete am 16. Januar das zweite unbemannte sowjetische Mondmobil <a href="http://www.zvab.com/refineQuickSearch.do?anyWords=%22lunochod+2%22&amp;lastXDays=-1&amp;submit=Suchen">Lunochod 2</a> auf dem Mond. Es arbeitete f&#252;nf Monate lang und legte in der Zeit 37 km zur&#252;ck, ein Krater, in das es gefahren war, wurde ihm zum Verh&#228;ngnis: Die Solarzellen bedeckten sich mit Staub, sodass die Stromversorgung ausfiel.<br />
Tragisch endete das Space Shuttle Columbia, das am 16. Januar 2003 gestartet war: Bei seiner Landung 16 Tage sp&#228;ter vergl&#252;hte es mit sieben Astronauten an Bord in der Atmosph&#228;re.</p>
<p>Der 16. Januar sah schlie&#223;lich aber auch Sch&#246;nes:<br />
1895 pr&#228;sentierte <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=carl+benz">Carl Benz</a> – sehr zum Leidwesen der Pferdedroschkenbesitzer – Deutschlands ersten Omnibus. Er nahm seinen regelm&#228;&#223;igen Betrieb auf der Strecke zwischen Deutz und Siegen auf.<br />
1932 war an diesem Tag in Berlin die Urauff&#252;hrung von <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=bertolt+brecht">Bertolt Brechts</a> Drama <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=brecht&amp;title=mutter">Die Mutter</a></em> nach dem Roman von <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=maxim+gorki">Maksim Gorkij</a>. Brecht gab Gorkijs Roman allerdings eine gelinde gesagt sehr eigene Note.<br />
1938 gab der Klarinettist <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=benny+goodman">Benny Goodman</a> mit seinem Orchester in der Carnegie Hall in New York, die bis dahin ausschlie&#223;lich klassischer Musik vorbehalten gewesen war, ein wichtiges und heute ber&#252;hmtes Jazz-Konzert, das gleichzeitig im Radio &#252;bertragen wurde, und verhalf so dem Jazz zum Durchbruch.</p>
<p>Am 16. Januar 1957, als in Liverpool der <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=&amp;anyWords=cavern+club&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Cavern Club</a> als Jazz-Club er&#246;ffnet wurde, ahnte niemand, welche Ber&#252;hmtheit er einmal erlangen sollte: In den Jahren 1961/62 spielten dort vor allem zur Mittagzeit vor den Pause machenden Angestellten der umliegenden Gesch&#228;fte und B&#252;ros die <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=Beatles">Beatles</a>. In 30 Monaten hatten sie 250 Auftritte, bevor Brian Epstein sie dort entdeckte. John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr wurden nicht nur zu Weltstars einsamer Sonderklasse, sondern sie revolutionierten auch die altehrw&#252;rdige Musiktheorie und stehen nun schon lange mit den Klassikern auf einer Stufe.</p>
<div class="bildlinks">
<a href="http://www.zvab.com/displayBookDetails.do?itemId=186758323&amp;b=1"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2012/01/beatles.jpg" alt="" title="beatles" width="160" height="251" class="alignright size-full wp-image-6158" /></a><br /><small>Am 16. Januar 1957 er&#246;ffnete<br />
der Cavern Club in Liverpool,<br />
in dem die ber&#252;hmten Beatles<br />
ihre Karriere starteten.</small></div>
<p>Weniger sch&#246;n, aber eben menschlich, war, dass ebenfalls am 16.Januar 1957 in New York der Stardirigent <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=toscanini">Toscanini </a>starb. Er h&#228;tte mit Sicherheit – wie Lenny Bernstein – gern einmal die Musik der Beatles dirigiert. 70 Jahre stand er am Dirigentenpult, wurde als Genie verehrt und war selbst jedoch nie mit sich zufrieden.</p>
<p>1962 begannen an diesem Tag auf dem Flughafen von Jamaika die Dreharbeiten zum ersten Film in der legend&#228;ren <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=james+bond&amp;anyWords=filmreihe&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">James-Bond-Reihe</a>: <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=james+bond+dr.+no">James Bond jagt Dr. No.</a></em><br />
Und last, but not least wurde am 16. Januar 1964 ein Ohrwurm erster G&#252;te geboren: Das Musical <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=hello+dolly&amp;keyword=&amp;anyWords=musical&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6"><em>Hello, Dolly!</em></a> hatte Urauff&#252;hrung im New Yorker St. James Theatre.</p>
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		<title>Was geschah am 24. und 25. Dezember?</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Dec 2011 13:22:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hanns-Martin Wietek</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was geschah eigentlich am 24. Dezember im Jahre Null? … Nichts! … Denn das Jahr Null gibt es nicht. Unsere Zeitrechnung beginnt mit dem Jahr eins nach Christi Geburt (1 n. Chr.), das Jahr davor ist das Jahr 1 v. Chr., sprich, eins vor Christi Geburt. Demnach m&#252;sste der historische Christus im Jahr eins vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was geschah eigentlich am 24. Dezember im Jahre Null? … Nichts! … Denn das Jahr Null gibt es nicht. Unsere Zeitrechnung beginnt mit dem Jahr eins nach Christi Geburt (1 n. Chr.), das Jahr davor ist das Jahr 1 v. Chr., sprich, eins vor Christi Geburt. Demnach m&#252;sste der historische Christus im Jahr eins vor Christi Geburt geboren worden sein, damit er im Jahr eins nach Christi Geburt ein Jahr alt werden konnte. Nun, alle weiteren Gedankenspiele zu diesem Datumsproblem sollte man den Kabarettisten &#252;berlassen.<span id="more-6052"></span></p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/12/Tietelseite-von-James-Ussher-Annales-veteris-testamenti-in-der-er-das-Datum-der-Erschaffung-der-Welt-berechnet.jpg" alt="" title="Tietelseite von James Ussher - Annales veteris testamenti, in der er das Datum der Erschaffung der Welt berechnet" width="210" height="171" class="alignright size-full wp-image-6056" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ein prominentes Beispiel f&#252;r eine Re-<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;konstruktion historischen Geschehens<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;anhand eines Bibelstudiums sind James<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Usshers <em><a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=usserii&#038;publisher=&#038;title=annales&#038;keyword=&#038;anyWords=&#038;isbn=&#038;publicationYearFrom=&#038;publicationYearTo=&#038;priceFrom=&#038;priceTo=&#038;itemMedium=al&#038;countryOfSeller=all&#038;languageOfBook=all&#038;lastXDays=-1&#038;displayCurrency=EUR&#038;itemsPerPage=25&#038;totalItemCount=200&#038;sortBy=6">Annales veteris testamenti</em></a></small></div>
<p>Fakt ist, dass Jesus Christus als Mensch gelebt hat – man spricht in diesem Fall vom „historischen Jesus“. Aber wann er geboren wurde, ist nicht belegt, denn damals gab es weder Taufb&#252;cher (die Kirche musste ja erst noch gegr&#252;ndet werden) noch Standes&#228;mter mit Geburtsregistern. Man musste alles aus sp&#228;ter Auf- geschriebenem rekonstruieren – und da ist Einiges geschrieben worden. Eine feste Regelung, wie die Jahre gez&#228;hlt wurden, gab es auch nicht – jeder hatte da so seine eigene Methode: Die R&#246;mer z&#228;hlten vom Tag der <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=gruendung+roms">Gr&#252;ndung Roms</a> an (woher sie den Tag wussten, wei&#223; keiner), die Juden vom Tag der Erschaffung der Welt (wer ihnen den verraten hat, ist auch unbekannt) und … und … und… Das Jahr begann auch nicht &#252;berall am 1. Januar. Bei den R&#246;mern war es (nach unserem Kalender) der 1. M&#228;rz, in Byzanz der 1. September usw. Aber des Durcheinanders ist noch nicht genug. Statt dass es besser wurde, wurde es schlechter, denn in der Folge gab es auch noch <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=julianischer+Kalender%2C+gregorianischer+Kalender&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">verschiedene Kalender</a>: So feiert die Russische Orthodoxie und andere, die nach dem julianischen Kalender leben, heute Weihnachten, den 25. Dezember, wenn bei uns nach dem gregorianischen Kalender der 6. Januar ist.<br />
Nachdem man sich durch all das durchgebissen hatte, kam man zu dem Schluss, dass der historische Jesus im Jahr 6 oder 7 vor <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=christi+geburt">Christi Geburt</a> geboren worden sein musste. Auf ein Datum konnte man sich aber nicht einigen – bei den einen war es der 24. Dezember, andere behaupten, es sei der 25. M&#228;rz gewesen. Der <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=turmbau+babel">Turmbau zu Babel</a> l&#228;sst gr&#252;&#223;en.</p>
<p>Wie es denn auch immer gewesen sein mag, ob man gl&#228;ubig im Sinne einer Kirche oder ein Atheist ist, Weihnachten hat Symbolcharakter: Weihnachten ist das Fest der Freude, der Familie und des Friedens. Und es ist interessant zu erfahren, wie die Welt sich daran gehalten hat. Aber erst mal noch zum Weihnachtsfest selbst.</p>
<p>Im Jahr 274 legte der r&#246;mische <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=aurelian&amp;keyword=rom&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Kaiser Aurelian</a> den „Geburtstag“ des <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=sol+invictus">Sonnengottes „sol invictus“</a>, den er als seinen pers&#246;nlichen Schutzherrn betrachtete, auf den 25. Dezember; und der dann schon christliche r&#246;mische Kaiser <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=constantinus+II&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Constantinus II.</a> bestimmte im Jahr 354 eben diesen Tag zum Geburtstag Jesu Christi, womit das Weihnachtsfest „geboren“ war. Im Jahr 525 begr&#252;ndete der M&#246;nch <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=dionysius+exiguus">Dionysius Exiguus</a> nach einem komplizierten Verfahren die bis heute g&#252;ltige „christliche Zeitrechnung“, nach der Jesus Christus ebenfalls am 25. Dezember geboren wurde.</p>
<div class="bildlinks"><img class="alignright size-full wp-image-6055" title="Kr&#246;nung Karl des Gro&#223;en durch Papst Leo III." src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/12/Kr&#246;nung-Karl-des-Gro&#223;en-durch-Papst-Leo-III..jpg" alt="" width="180" height="188" /><br /><small>Karl I., genannt Karl, der Gro&#223;e,<br />
war im Jahr 800 der erste von<br />
vielen Herrschern, die sich an<br />
Weihnachten kr&#246;nen lie&#223;en, um auf<br />
h&#246;here Weihen zu verweisen.</small></div>
<p>Die nach h&#246;chsten Weihen strebenden Herrscher „sonnten“ sich im Glanz dieses Tages: Schon im Jahr 498 hatte sich der Merowinger K&#246;nig <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=chlodwig+I.">Chlodwig I.</a> an diesem Tag christlich taufen lassen. Und in der Folge wurde der Tag ganz offensichtlich zum bevorzugten Kr&#246;nungstag:<br />
Im Jahr 800 wurde in Rom der <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&#038;publisher=&#038;title=karl+der+grosse&#038;keyword=kaiser+Karl+I&#038;anyWords=&#038;isbn=&#038;publicationYearFrom=&#038;publicationYearTo=&#038;priceFrom=&#038;priceTo=&#038;itemMedium=al&#038;countryOfSeller=all&#038;languageOfBook=all&#038;lastXDays=-1&#038;displayCurrency=EUR&#038;itemsPerPage=25&#038;totalItemCount=200&#038;sortBy=6">Franken- k&#246;nig Karl I.</a> von <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=papst+leo+III.">Papst Leo III.</a> zum Kaiser gekr&#246;nt; er war seit dem <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=untergang&amp;keyword=&amp;anyWords=r%F6mische+reich%2C+rom&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Untergang des R&#246;mischen Reiches</a> im Jahr 476 der erste, der den Titel „R&#246;mischer Kaiser“ erhielt: Karolus serenissimus Augustus a Deo coronatus magnus pacificus imperator Romanum gubernans imperium, qui et per misericordiam dei rex Francorum atque Langobardorum (dt. Karl, durchlauchtigster Augustus, von Gott gekr&#246;nter, gro&#223;er Frieden stiftender Kaiser, das R&#246;mische Reich regierend, der von Gottes Gnaden auch K&#246;nig der Franken und Langobarden ist).</p>
<p>Schon zu Lebzeiten bekam Karl I. den Beinamen „der Gro&#223;e“, denn er war der bedeutendste Herrscher des Mittelalters; er starb in Aachen und ist dort auch beigesetzt. 1165 wurde er heiliggesprochen – was angesichts seines kriegerischen und ausschweifenden Lebenswandels von einer etwas merkw&#252;rdigen Auffassung von „Heiligkeit“ zeugt….</p>
<p>Am 25. Dezember 983 wurde der dreij&#228;hrige <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=otto+III.">Otto III.</a> in Aachen zum Deutschen K&#246;nig gekr&#246;nt. 996 wurde er Kaiser des Heiligen R&#246;mischen Reiches; nach seinem Tod 1002 wurde er ebenfalls in Aachen begraben. Im Jahr 1046 kr&#246;nte <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=clemens+II.&amp;keyword=clemens+II.&amp;anyWords=papst&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Papst Clemens II.</a> den Deutschen K&#246;nig <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=heinrich+III.&amp;keyword=&amp;anyWords=kaiser+geschichte+deutschland&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Heinrich III. </a>und seine Frau Agnes von Poitou an diesem Tag zu Kaiser und Kaiserin des Heiligen R&#246;mischen Reiches.<br />
F&#252;r Kaiserkr&#246;nungen war der Papst zust&#228;ndig – noch! Sp&#228;ter lie&#223;en die Potentaten den Papst nur noch zuschauen und kr&#246;nten sich selbst. Kr&#246;nungen zum K&#246;nig durften die Subchargierten durchf&#252;hren: So wurde am Weihnachtstag 1066 in der Londoner <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=westminster+abbey">Westminster Abbey</a> der Herzog der Normandie, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=wilhelm+eroberer">Wilhelm I., der Eroberer</a>, von Ealdred, Erzbischof von York, zum K&#246;nig von England gekr&#246;nt.<br />
Auf dem Ersten Kreuzzug ins Heilige Land wurde am 25. Dezember 1100 Balduin von Boulogne vom lateinischen Patriarchen von Jerusalem zum ersten K&#246;nig von Jerusalem gekr&#246;nt. Aber &#252;ber das, was in den folgenden zwei Jahrhunderten im Namen Christi bei den <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=kreuzz%FCge&amp;keyword=geschichte%2C+kreuzz%FCge&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Kreuzz&#252;gen </a>geschah, deckt man besser schamhaft den Mantel des Schweigens – es passt wahrlich nicht zum Fest der Liebe.<br />
Ja, und sogar 1926 wurde am Weihnachtstag noch einmal ein Kaiser gekr&#246;nt, diesmal allerdings nicht vom Papst oder seinen lokalen Stellvertretern:<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=hirohito">Hirohito </a>wurde Kaiser von Japan und „regierte“ bis zu seinem Tod 1989 als der 124. Tenno von Japan.<br />
Aber nun genug der „von Gott (und anderen) begnadeten“ K&#246;nige und Kaiser.</p>
<div class="bildrechts"><img class="alignright size-full wp-image-6059" title="Oberer Ausschnitt des &#228;ltesten, noch zu seinen Lebzeiten entstandene Portraits des Franz von Assisi, ein Wandgem&#228;lde aus Sacro Speco in Subiaco" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/12/Oberer-Ausschnitt-des-%C3%A4ltesten-noch-zu-seinen-Lebzeiten-entstandene-Portraits-des-Franz-von-Assisi-ein-Wandgem%C3%A4lde-aus-Sacro-Speco-in-Subiaco.jpg" alt="" width="173" height="220" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Franz von Assisi (hier auf einem<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;zeitgen&#246;ssischen Wandgem&#228;lde)<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;stellte Weihnachten 1223 das<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Geschehen in Betlehem mit le-<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;benden Menschen und Tieren<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;nach &#8211; es war die Geburtsstunde<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;der Weihnachtskrippe.</small></div>
<p>Bis ins 13. Jahrhundert hinein wurde das Weihnachtsgeschehen – Jesus in einer Krippe in einem Stall in Bethlehem – nur bildlich dargestellt. An Weihnachten 1223 stellte es <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=franz+assisi">Franz von Assisi</a> erstmals mit lebenden Menschen und Tieren nach. (Franz von Assisi wurde schon zwei Jahre nach seinem Tod heiliggesprochen, er ist der Begr&#252;nder des Franziskanerordens und Verfasser des Gebets <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=assisi&amp;title=sonnengesang">„Sonnengesang“</a>, in dem er die Sch&#246;pfung preist – ein Gesang, den man gerade heute immer wieder sprechen sollte.) Diese theaterhafte Darstellung war der Vorl&#228;ufer der heutigen <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=weihnachtskrippen&amp;keyword=religion&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Weihnachtskrippen</a>. Mit zu den nachweislich &#228;ltesten und bekanntesten Krippen geh&#246;ren die Prager (1562), die M&#252;nchner (1607) und die Innsbrucker (1608) Krippe.</p>
<p>Zu Weihnachten 1818 wurde in der Kirche St. Nikolaus in Oberndorf bei Salzburg in der Christmette zum ersten Mal das wohl sch&#246;nste und ergreifendste Weihnachtslied der Welt gesungen: <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Stille+Nacht%2C+Heilige+Nacht&amp;keyword=Geschichte%2C+Musik&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">„Stille Nacht, Heilige Nacht“</a>.<br />
Es ist ein wunderbar gelungenes, ehrfurchtsvolles Lied, das fr&#252;her meist ohne Instrumentalbegleitung und nur an Heiligabend und dem 1. Weihnachtsfeiertag gesungen wurde; und bis vor wenigen Jahren hatte sogar der Kommerz noch Respekt vor dieser Tradition und es vom vorweihnachtlichen (ehemals: Adventszeit) Einkaufsgedudel ausgenommen. Sein Dichter, Pfarrer <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=joseph+mohr+dichter">Joseph Mohr</a>, und sein Komponist, der Dorfschullehrer und Organist <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=franz+xaver+gruber&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=10&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Franz Xaver Gruber</a>, haben sich sicher nicht tr&#228;umen lassen, dass dieses Lied einmal, in 30 Sprachen &#252;bersetzt, um die ganze Welt gehen und quasi zum Symbol f&#252;r Weihnachten werden w&#252;rde.<br />
Ja, sogar die moderne Medienzeit begann mit der „Stillen Nacht“: Zu Weihnachten im Jahr 1952 begann der Nordwestdeutsche Rundfunk seinen regelm&#228;&#223;igen Fernsehbetrieb mit dem weihnachtlichen Fernsehspiel „Stille Nacht, Heilige Nacht“, das von den Entstehungsgeschichte des Liedes erz&#228;hlte.</p>
<div class="bildlinks"><img class="alignright size-full wp-image-6058" title="Die Sendlinger Mordweihnacht. Tusche auf Papier 1840" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/12/Die-Sendlinger-Mordweihnacht.-Tusche-auf-Papier-1840.jpg" alt="" width="220" height="160" /><br /><small>Die Sendlinger Mordweihnacht von 1705<br />
(hier auf einer Tuschezeichnung von 1846)<br />
kostete &#252;ber 1000 Menschen das Leben.</small></div>
<p>Aber es geschah auch anderes – und da war von stiller und heiliger Nacht nichts zu sp&#252;ren: die <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=sendlinger+mordweihnacht&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">„Sendlinger Mordweihnacht“</a> an Weihnachten 1705. Im Spanischen Erbfolgekrieg hatte der habsburgische Kaiser Joseph I. Bayern besetzt. Das Volk (sprich die Bauern) erhoben sich gegen die kaiserlichen Besatzungstruppen und versuchten, M&#252;nchen zu erobern, was misslang. Die Aufst&#228;ndischen mussten sich ergeben und legten, nachdem man ihnen Pardon, also eine Zusicherung, dass man ihr Leben schonen w&#252;rde, gew&#228;hrt hatte, ihre Waffen nieder. Danach wurden sie alle an Ort und Stelle niedergemetzelt; einige fl&#252;chteten auf den Sendlinger Friedhof, auf heiligen Boden, wo sie sich gesch&#252;tzt glaubten. Auch dort wurden sie niedergemetzelt; die Kirche wurde gepl&#252;ndert und zerst&#246;rt. &#220;ber 1.100 Menschen wurden an diesem Weihnachten massakriert.</p>
<p>Am 24. Dezember 1825 &#252;bernahm <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=nikolaus+I.&amp;keyword=zar+&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Nikolaus I.</a> (aus dem Haus Romanow-Holstein-Gottorp) die Regentschaft als Zar und Kaiser von Russland. Er war einer der autorit&#228;rsten Zaren Russlands; seine erste Tat war die Niederschlagung des <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=dekabristen">Dekabristenaufstandes </a>– die f&#252;nf Anf&#252;hrer wurden aufgeh&#228;ngt und 110 Unterst&#252;tzer nach Sibirien geschickt.</p>
<p>1944 hat die Rote Armee zu Weihnachten Budapest eingeschlossen, womit die fast 3 Monate dauernde Schlacht um Budapest begann, die nahezu 200.000 Menschenleben kostete.</p>
<p>Weihnachten 1979 marschierten russische Truppen in Afghanistan ein.<br />
1989, am 25. Dezember, wurden der ehemalige rum&#228;nische Diktator <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=ceausescu">Ceausescu </a>und seine Frau von einem Milit&#228;rgericht verurteilt und sofort hingerichtet.<br />
Am 24. Dezember 1991 trat <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=michail+gorbatschow">Michail Gorbatschow</a> als Pr&#228;sident der Sowjetunion zur&#252;ck; die UdSSR existierte damit nicht mehr, und am 25. Dezember nahm Russland als Rechtsnachfolger den St&#228;ndigen Sitz im Weltsicherheitsrat ein.</p>
<p>Aber da war noch etwas. Etwas, das so unwahrscheinlich klingt wie ein M&#228;rchen. Soll man sich mit Wehmut daran erinnern und es als Relikt einer vergangenen Zeit abtun?<br />
Doch es war wirklich Weihnachten, still und heilig und wie es weihnachtlicher nicht sein kann.<br />
Man sollte – auch wenn es schwerf&#228;llt, daran zu glauben – jede Weihnacht daran denken und ihn vielleicht als kleinen Lichtblick der Hoffnung f&#252;r die Menschheit sehen: den <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=kleine+frieden+grossen+krieg">Weihnachtsfrieden </a>des Ersten Weltkrieges.</p>
<div class="bildrechts"><img class="alignright size-full wp-image-6057" title="Britische und deutsche Truppenangeh&#246;rige treffen sich w&#228;hrend des inoffizellen Weihnachtsfriedens im Niemandsland" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/12/Britische-und-deutsche-Truppenangeh%C3%B6rige-treffen-sich-w%C3%A4hrend-des-inoffizellen-Weihnachtsfriedens-im-Niemandsland.jpg" alt="" width="210" height="131" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nahezu ein Wunder war der Weihnachts-<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;frieden, den die Soldaten im Jahr 1914<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;an allen Fronten einhielten.</small></div>
<p>Der Erste Weltkrieg war schon nach wenigen Monaten zu einem Graben- krieg erstarrt. Vielerorts lagen die Sch&#252;tzengr&#228;ben des Gegners nur 50 bis 100 m auseinander, man konnte sich sogar durch Zuruf verst&#228;ndigen.<br />
Am 24. Dezember 1914 legten spontan, ohne Befehl und unabge- sprochen, sowohl an der Westfront wie auch an der Ostfront Soldaten beider Seiten ihre Waffen nieder. An der gesamten Front wurde nicht geschossen. Man sch&#228;tzt heute, dass es allein an der Westfront mindestens 100.000 Soldaten waren, die an diesem Tag auf Kampfhandlungen verzichteten. Damit nicht genug: Sie kamen aus ihren Gr&#228;ben und L&#246;chern, gratulierten sich, beschenkten sich gegenseitig, sangen miteinander und feierten, ja, sie spielten sogar Fu&#223;ball gegeneinander.<br />
Begonnen hatte alles – soweit man es nachvollziehen kann – an der Front s&#252;dlich von Ypern (Westflandern, Belgien), an der sich die Briten und die Deutschen gegen&#252;berstanden. Durch Zuruf hatte man sich verst&#228;ndigt, dass man die Gefallenen bergen wolle. Danach wurde ein gemeinsamer, zweisprachiger Gottesdienst mit einem britischen Pfarrer abgehalten. Leutnant Arthur Pelham Burn von den Gordon Highlanders schrieb in sein Tagebuch:</p>
<p><em>„The Germans formed up on one side, the English on the other, the officers standing in front, every head bared. Yes, I think it was a sight one will never see again.”</em><br />
(<em>„Die Deutschen hatten sich auf der einen Seite aufgestellt, die Engl&#228;nder auf der anderen, die Offiziere standen vor ihnen, alle ohne Kopfbedeckung. Ja. Ich glaube das war ein Anblick, den man nie wieder sehen wird.“</em>)<br />
<small>[zitiert nach Malcolm Brown und Shirley Seaton: Christmas Truce - The Western Front December 1914]</small></p>
<p>Wie sich dieses Weihnachtswunder entlang der ganzen Frontlinie fortpflanzte, ist eines der Mysterien, &#252;ber die man nur spekulieren k&#246;nnte, wenn es denn sinnvoll w&#228;re. Kleine Tannenb&#228;ume und Kerzen wurden auf die W&#228;lle der Gr&#228;ben gestellt. Man erz&#228;hlt davon, dass Deutsche Bierf&#228;sser zu den Briten gerollt und daf&#252;r die typisch englischen Plumpuddings (Weihnachtspudding) bekommen, Soldaten beider Seiten Zigaretten miteinander getauscht und Karten gespielt haben, von gemeinsamem Schweinegrillen ist die Rede, und, wie schon erw&#228;hnt, gemeinsamem Fu&#223;ballspiel; und wenn der Gegner nach dem vielen Feiern besoffen war, hat man ihn zu seinen Leuten zur&#252;ckgetragen.<br />
Der Frieden dauerte bis zum 26. Dezember und an Stellen, an denen schottische Regimenter lagen, sogar bis Neujahr – weil das ein besonderer Feiertag f&#252;r die Schotten ist.<br />
Dann bedankte man sich beieinander und fing wieder an zu schie&#223;en. Wie es weiterging, ist bekannt … aber vielleicht sollte man das einmal ausblenden und sich mit der Frage tr&#246;sten „Was w&#228;re gewesen, wenn …?“</p>
<p>Allen ein friedvolles und besinnliches Weihnachtsfest!</p>
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		<title>2. Dezember – Zwei Napoleons, Monroe und der Weltraum</title>
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		<comments>http://blog.zvab.com/2011/12/02/2-dezember-zwei-napoleons-monroe-und-der-weltraum/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 02 Dec 2011 11:22:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hanns-Martin Wietek</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bis 1800 war der 2. Dezember ein ganz gew&#246;hnlicher Kalendertag – es gab nicht viel zu erdulden und nicht viel zu feiern. Das aber &#228;nderte sich am 2. Dezember 1804 gewaltig. Napoléon Bonaparte, der schon seit 1799 quasi diktatorisch als Erster Konsul – und seit 1802 sogar auf Lebenszeit – regierte, kr&#246;nte sich in Anwesenheit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bis 1800 war der 2. Dezember ein ganz gew&#246;hnlicher Kalendertag – es gab nicht viel zu erdulden und nicht viel zu feiern. Das aber &#228;nderte sich am 2. Dezember 1804 gewaltig. <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=Napoleon+Bonaparte++Biografie&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=5&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Napoléon Bonaparte</a>, der schon seit 1799 quasi diktatorisch als Erster Konsul – und seit 1802 sogar auf Lebenszeit – regierte, kr&#246;nte sich in Anwesenheit des Papstes in der Kathedrale Notre-Dame de Paris selbst zum Kaiser der Franzosen. Es war ein gewaltiges Spektakel – eines, von dem die heutigen Hofberichterstatter nur tr&#228;umen k&#246;nnen.<br />
Wie es der Kaiser Napoléon mit Recht und Gesetz halten w&#252;rde, hatte die Welt schon einige Monate zuvor mit Emp&#246;rung feststellen k&#246;nnen: Er lie&#223; der Abschreckung halber einen Prinzen aus dem Stamm der <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=Bourbonen+Frankreich&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=5&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Bourbonen</a>, die bis zur Revolution die K&#246;nige Frankreichs gestellt hatten, aus Baden entf&#252;hren und mit der Behauptung, er sei an einem Putsch gegen ihn beteiligt gewesen, hinrichten.<span id="more-5997"></span></p>
<div class="bildlinks"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/12/Schlacht-bei-Austerlitz.jpg" alt="" title="Schlacht bei Austerlitz" width="455" height="228" class="alignright size-full wp-image-6001" /><br /><small>In der Schlacht bei Austerlitz vom 2.Dezember 1805 brachten Napoleons Armeen der Koalition aus &#214;sterreichern und Russen die entscheidende Niederlage bei<br />
(Gem&#228;lde von François Gérard, 1810)</p>
<p></small></div>
<p>Die „Neuordnung“ Europas folgte dann z&#252;gig: Genau ein Jahr sp&#228;ter, am 2. Dezember 1805, besiegte Napoléon in der <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=schlacht+von+austerlitz&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Schlacht bei Austerlitz</a> – der sogenannten <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=&amp;anyWords=dreikaiserschlacht&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Dreikaiserschlacht </a>– Russland und &#214;sterreich, wobei die beiden Letzteren noch einen weiteren Verb&#252;ndeten hatten, n&#228;mlich die Dummheit. Sie hatten beim Erstellen der Aufmarschpl&#228;ne schlichtweg vergessen, dass sie unterschiedliche Kalender hatten: die Russen den julianischen, der dem gregorianischen der &#214;sterreicher um 13 Tage hinterherhinkte.</p>
<p>Ob sich Charles-Louis-Napoléon Bonaparte, der Neffe Napoléons I. und Staatspr&#228;sident des nach der 1848er-Revolution zur Republik gewordenen Frankreich, mit Bedacht den 2. Dezember 1851, den Kr&#246;nungstag seines Onkels, f&#252;r seinen Staatsstreich ausgesucht hat, ist nicht bekannt, den gleichen Kalendertag im Jahr 1852 w&#228;hlte er jedoch bewusst, um sich als <a href="http://www.zvab.com/refineQuickSearch.do?anyWords=napol%E9on+III&amp;lastXDays=-1&amp;submit=Suchen">Napoléon III.</a> zum Kaiser des Zweiten Kaiserreiches ausrufen zu lassen.</p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/12/&#220;bergabe-des-Kaisers-Napoleon-III.-an-K&#246;nig-Wilhelm-von-Preu&#223;en-in-Sedan-am-2.-September-1870.jpg" alt="" title="&#220;bergabe des Kaisers Napoleon III. an K&#246;nig Wilhelm von Preu&#223;en in Sedan am 2. September 1870" width="200" height="143" class="alignright size-full wp-image-6010" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&#220;bergabe des Kaisers Napoléon III<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;an K&#246;nig Wilhelm von Preu&#223;en<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;drei Monate vor den wegweisenden<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Schlachten vom 2.Dezember 1870</small></div>
<p>Doch das Datum sollte ihm kein Gl&#252;ck bringen: 18 Jahre sp&#228;ter, am 2. De- zember 1870, verloren seine Truppen im von <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Bismarck&amp;keyword=Deutschland%2C+Biographie&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Bismarck </a>auf perfide Weise (<a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=Emser+Depesche&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Emser Depesche</a>) angezettelten <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Deutsch-Franz%F6sischer+Krieg&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Deutsch-Franz&#246;sischen Krieg </a>von 1870/71 die Schlacht bei Loiny und Poupry, es war eine der verlust- reichsten Schlachten des Krieges und ein wesentlicher Schritt hin zu Frankreichs Niederlage. Napoléon selbst war &#252;brigens schon drei Monate zuvor von den Deutschen gefangen genommen und in Kassel interniert worden – woher der Spruch „Ab nach Kassel!“ r&#252;hrt, mit dem man klar macht, dass man jemanden verschwinden lassen will. Nach Kriegsende ging er ins Exil nach Gro&#223;britannien, dort starb er drei Jahre sp&#228;ter bei einer Operation.</p>
<p>Aber auch in der Neuen Welt erhielt der Tag eine Bedeutung, die bald weit &#252;ber ihre Grenzen hinausreichen sollte.<br />
Am 2. Dezember 1823 verk&#252;ndete der US-Pr&#228;sident<a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=%22James+Monroe%22&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6"> James Monroe</a> im au&#223;enpolitischen Teil seiner Rede „Zur Lage der Nation“, dass sich die Vereinigten Staaten in Zukunft nicht mehr in europ&#228;ische Konflikte einmischen w&#252;rden und forderte die Europ&#228;er auf, Kolonisierung auf dem nord- und s&#252;damerikanischen Kontinent zu unterlassen – andernfalls werde die USA milit&#228;risch intervenieren.</p>
<div class="bildlinks">
<img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/12/James-Monroe.jpg" alt="" title="James Monroe" width="159" height="200" class="alignright size-full wp-image-6014" /><br /><small>Pr&#228;sident James Monroe ver-<br />
k&#252;ndete am 2. Dezember 1823<br />
die nach ihm benannte Doktrin<br />
(Gem&#228;lde von William Janes<br />
Hubbard, ca. 1832)</small></div>
<p>Diese „Monroe-Doktrin“ sollte von schwer- wiegender Bedeutung f&#252;r die ganze Welt werden, denn exakt 22 Jahre sp&#228;ter, am 2. Dezember 1845, interpretierte <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=usa&amp;anyWords=james+polk&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">James Knox Polk</a>, der mittlerweile das Pr&#228;sidentenamt &#252;bernommen hatte, die Doktrin um. Er nahm die wei&#223;en US-Amerikaner in die „g&#246;ttliche Pflicht“ (<a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=%22Manifest+Destiny%22&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Manifest Destiny</a>), anderen V&#246;lkern – notfalls mit Gewalt – die Ideale Freiheit etc. „&#252;berbringen“ zu m&#252;ssen. Diese Interpretation war die Grundlage f&#252;r das Niedermetzeln der Indianer, sie f&#252;hrte – verbunden mit dem <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Goldrausch&amp;keyword=USA&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Goldrausch </a>– zur Eroberung des Westens Nordamerikas und sie war der Ausl&#246;ser f&#252;r den <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=mexikanisch-amerikanischer+Krieg&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Mexikanisch-Amerikanischen Krieg</a> und den <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=amerikanische+B%FCrgerkrieg&amp;keyword=amerikanischer+B%FCrgerkrieg&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Amerikanischen B&#252;rgerkrieg</a> zur <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Sklavenbefreiung&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Sklavenbefreiung</a>. Den Europ&#228;ern kam das zur Schau getragene „Sendungsbewusstsein“ gerade recht f&#252;r ihre Kolonisierung in Afrika und anderen Erdteilen.<br />
Am 2. Dezember 1904 setzte US-Pr&#228;sident <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Roosevelt&amp;keyword=USA&amp;anyWords=+Theodore&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Theodore Roosevelt</a> noch eins drauf und proklamierte das Recht der USA, sich in die inneren Angelegenheiten der s&#252;damerikanischen Staaten einmischen zu d&#252;rfen. Das US-amerikanische Sendungsbewusstsein – welche (auch positiven) Auswirkungen es auch immer hat und hatte – musste damals wie heute daf&#252;r herhalten, den politischen und zunehmend auch wirtschaftlichen Einflussbereich der USA zu erhalten oder zu erweitern – auch wenn es so nicht ausgesprochen wird.</p>
<div class="bildrechts">
<img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/12/American-Progress-amerikanischer-Fortschritt-Gem&#228;lde-von-John-Gast-1872-das-die-zivilisatorisch-religi&#246;se-Aufgabe-der-Siedler-symbolisch-&#252;berh&#246;ht.jpg" alt="" title="-American Progress- (amerikanischer Fortschritt), Gem&#228;lde von John Gast, 1872, das die zivilisatorisch-religi&#246;se Aufgabe der Siedler symbolisch &#252;berh&#246;ht" width="216" height="164" class="alignright size-full wp-image-6019" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;American Progress &#8211; nicht erst seit<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Pr&#228;sident Polks Rede vom 2. Dezember<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;1845 begriffen die US-amerikanischen<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Siedler die Eroberung neuer Territorien<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;als g&#246;ttliche Mission (Gem&#228;lde von<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;John Gast, 1872)</small></div>
<p>Auch f&#252;r die Weltraumfahrt ist der<br />
2. Dezember von einiger Bedeutung. Am 2. Dezember 1971 gelang der Sowjetunion mit der Sonde <a href="http://www.zvab.com/displayBookDetails.do?itemId=9954060&amp;b=1">»Mars 3«</a> die erste Landung auf dem Mars. Sie sollte Bilder von der Marsoberfl&#228;che zur Erde funken. Das funktionierte auch 20 Sekunden lang, dann aber schalteten die „kleinen gr&#252;nen Marsm&#228;nnchen“ die &#220;bertragung ab – offensichtlich f&#252;hlten sie sich in ihrer Privatsph&#228;re gest&#246;rt.<br />
Die Amerikaner hatten anscheinend aus dieser Panne gelernt und lie&#223;en am 2. Dezember 1974 ihre <a href="http://www.zvab.com/displayBookDetails.do?itemId=20878289&amp;b=1">Jupiter-Sonde</a> »Pioneer 11« sicherheitshalber 42.000 km am Jupiter vorbeifliegen. Niemand konnte abschalten und Tausende von Bildern und unz&#228;hlige Daten wurden zum ersten Mal vom Jupiter zur Erde gefunkt.<br />
Und es ging weiter: Am 2. Dezember 1988 startete die US-Raumf&#228;hre »Atlantis« zu ihrem dritten Flug ins All; es war die 27. Shuttle-Mission. Am 2. Dezember 1990 startete die US-Raumf&#228;hre <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Columbia&amp;keyword=Raumfahrt&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">»Columbia«</a> zu ihrem zehnten Flug ins All – die 38. Shuttle-Mission. Und am 2. Dezember 1993 wurde in <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=Cape+Canaveral&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=12&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Cape Canaveral</a> die bemannte US-Raumf&#228;hre »Endeavor« zur Reparatur des Weltraumteleskops <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=&amp;anyWords=hubble&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">»Hubble«</a> entsandt.</p>
<p>Aber es gab auch andere, nicht minder wichtige Ereignisse am 2. De- zember. An diesem Tag im Jahr 1917 informierte der russische Volkskommissar des &#196;u&#223;eren <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Trotzki+&amp;keyword=Russland&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Leo D. Trotzki </a>die Alliierten, dass das Deutsche Reich zu Friedensverhandlungen bereit sei, und lud sie zur Teilnahme an den Verhandlungen ein – erfolglos, wie man wei&#223;. Russland schloss mit dem Deutschen Reich daraufhin den <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Separatfrieden&amp;keyword=Erster+Weltkrieg&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Separatfrieden </a>von Brest-Litowsk.</p>
<div class="bildlinks"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/12/Trotzki-Lenin-und-Kamenew-1919.jpg" alt="" title="Trotzki, Lenin und Kamenew 1919" width="230" height="170" class="alignright size-full wp-image-6024" /><br /><small>Trotzki (links) verlor am 2. Dezember 1927<br />
den Kampf um die Nachfolge Lenins (Mitte)</small></div>
<p>Am 2. Dezember 1927 verlor Trotzki dann den Kampf um die Nachfolge <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Lenin&amp;keyword=Russland&amp;anyWords=Biografie&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Lenins </a>und wurde auf dem XV. Parteitag der KPdSU auf Bestreben <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Stalin&amp;keyword=Russland&amp;anyWords=Biografie&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Stalins </a>aus der Partei ausgeschlossen.</p>
<p>Die f&#252;r die Welt wohl folgen- reichste wissenschaftliche Tat an diesem Tag wurde 1942 an der Universit&#228;t von Chicago vollbracht: <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=&amp;anyWords=Enrico+Fermi&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Enrico Fermi</a> l&#246;st die erste kontrollierte Kettenreaktion aus, womit das Zeitalter der Kernenergie begann.</p>
<p>Wie sich sp&#228;ter f&#252;r die Welt erweisen sollte, war auch der 2. Dezember 1956 ein wichtiges Datum: <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Fidel+Castro&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Fidel Castro</a> und <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Che+Guevara&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Ernesto „Che“ Guevara</a> landeten mit 80 weiteren Revolution&#228;ren auf Kuba und begannen den siegreichen Guerillakrieg gegen Diktator Batista.</p>
<p>Ein schlimmer Tag war der 2. Dezember 2005. An diesem Tag wurde in den USA die eintausendste Hinrichtung vollzogen.</p>
<p>Aber ein bisschen Sch&#246;nes gab es auch: Am 2. Dezember 1901 meldete <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=&amp;anyWords=KING+CAMP+Gilette&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">King Camp Gilette</a> sein Patent f&#252;r einen Nassrasierer mit auswechselbarer Klinge an und am 2. Dezember 1931 wurde in Berlin der Film <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kaestner&amp;title=emil+detektive">Emil und die Detektive</a></em> nach dem Roman von <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=erich+kaestner">Erich K&#228;stner</a> uraufgef&#252;hrt – ein Kindertraum! Ein Traum war es auch, am 2. Dezember 1973 mit Sondergenehmigung &#252;ber die Autobahn zu rauschen, denn in Deutschland galt aufgrund der &#214;lkrise ein allgemeines Fahrverbot. Echtes Tr&#228;umen war beim „Dahinrauschen“ allerdings nicht zu empfehlen, denn es galt eine H&#246;chstgeschwindigkeit von 80 km/h und die Polizei hatte leider kein Fahrverbot.</p>
<p>Und noch ein Nachschlag f&#252;r Kulturbeflissene:<br />
<a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Thomas+Mann&amp;keyword=&amp;anyWords=Biografie&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Thomas Mann</a> wurde am 2. Dezember 1936 die deutsche Staatsb&#252;rgerschaft entzogen.<br />
1891 wurde an diesem Tag der sp&#228;ter ber&#252;hmte Maler <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=otto+dix&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Otto Dix</a> geboren, 1923 die begnadete S&#228;ngerin <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Maria+Callas&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Maria Callas</a> und 1944 der Schriftsteller <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Botho+Strau%DF&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Botho Strau&#223;</a>.</p>
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		<title>22. November: Ein hoffnungsfroher Anfang, aber…</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Nov 2011 09:04:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hanns-Martin Wietek</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nichts deutete zun&#228;chst darauf hin, dass dieser Tag einmal nicht als ein ruhmreicher in die Annalen der Weltgeschichte eingehen w&#252;rde. Es fing sehr hoffnungsfroh an: &#160;&#160;&#160;Am 22. November 1497 &#160;&#160;&#160;hatte er den Seeweg &#160;&#160;&#160;nach Indien entdeckt: &#160;&#160;&#160;Vasco da Gama landet &#160;&#160;&#160;auf Calicut (Gem&#228;lde von &#160;&#160;&#160;Ernesto Casanova, 1888) Am 22. November 1497 umsegelte der portugie- sische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nichts deutete zun&#228;chst darauf hin, dass dieser Tag einmal nicht als ein ruhmreicher in die Annalen der Weltgeschichte eingehen w&#252;rde. Es fing sehr hoffnungsfroh an:</p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/11/Ernesto-Casanova-1880-Vasco-da-Gama-landet-auf-Calicut.jpg" alt="" title="Ernesto Casanova 1880, Vasco da Gama landet auf Calicut" width="129" height="250" class="alignright size-full wp-image-5930" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Am 22. November 1497<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;hatte er den Seeweg<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;nach Indien entdeckt:<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vasco da Gama landet<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;auf Calicut (Gem&#228;lde von<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ernesto Casanova, 1888)</small></div>
<p>Am 22. November 1497 umsegelte der portugie- sische Seefahrer <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=vasco+da+gama">Vasco da Gama</a> die S&#252;dspitze Afrikas, das „Kap der St&#252;rme“, wie es bis dahin genannt wurde. In den Folgewochen setzte er seine Reise bis nach Indien fort – der hei&#223; ersehnte Seeweg in das sagenumwobene Gew&#252;rzland war gefunden. Voll Freude wurde das Kap in „Kap der Guten Hoffnung“ umgetauft. Die Umsegelung Afrikas blieb &#252;ber 350 Jahre lang die einzige M&#246;glichkeit, Indien mit dem Schiff zu erreichen – erst der Suezkanal raubte dem Weg ums Kap 1869 seine Bedeutung.</p>
<p>Fast 80 Jahre sp&#228;ter, am 22. November 1574, war es wieder ein Seefahrer, der Geschichte schrieb: Der spanische Seefahrer <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=juan+fernandez&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Juan Fernández</a> entdeckte im Pazifik eine Inselgruppe – sie wurde nach ihm benannt und geh&#246;rt seit 1818 zu Chile. Eine der Inseln – die Isla Más a Tierra (dt. Insel, die n&#228;her am Land liegt) – sollte 1704 Bedeutung erlangen: Auf ihr blieb der schottische Seefahrer und Freibeuter <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=alexander+selkirk&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Alexander Selkirk</a> zur&#252;ck, weil er das Schiff, auf dem er Segelmeister war, f&#252;r nicht mehr funktionst&#252;chtig hielt (und er sollte recht behalten, denn kurz nachdem das Schiff wieder in See gestochen war, ging es mit Mann und Maus unter!). Er lebte vier Jahre und vier Monate lang v&#246;llig allein auf der mit Trinkwasser, Fr&#252;chten und Fischbest&#228;nden reich gesegneten Insel. Nachzulesen ist die Geschichte seines Lebens auf der Insel im ber&#252;hmten Abenteurerklassiker <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=defoe&amp;title=robinson+crusoe">Robinson Crusoe</a></em>, den der englische Schriftsteller <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=daniel defoe">Daniel Defoe</a> 1719 ver&#246;ffentlicht hat. Die Insel tr&#228;gt seit 1966 den Namen Isla Robinsón Crusoe.<span id="more-5911"></span></p>
<p>Leider aber sah der 22. November nicht nur Entdeckungen, die das Leben der Menschen bereichert haben. Es folgten Schlachten, Besetzungen, furchtbare Gr&#228;ueltaten, von denen jedoch anscheinend keine wirklich weitreichende Folgen hatte.<br />
Anders war das 1942, als die Geschichte des „kriegerischen 22. November“ einen schrecklichen H&#246;hepunkt erlebte. An diesem Tag schloss die Rote Armee ihren Kesselring um das von den Deutschen besetzte <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=stalingrad+schlacht&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Stalingrad</a>: Die 6. Armee unter General Paulus mit 230.000 deutschen Soldaten war gemeinsam mit etwa 75.000 russischen Zivilisten von der Au&#223;enwelt abgeschnitten und dem Untergang geweiht. Viele Menschen erfroren oder verhungerten im Laufe der Kampfhandlungen in der zerst&#246;rten Stadt. 110.000 deutsche Soldaten, von denen nur 5.000 das Kriegsende erlebten, gerieten in Gefangenschaft. Insgesamt starben in der Schlacht um Stalingrad 700.000 Menschen.</p>
<div class="bildlinks"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/11/RIAN_archive_602161_Center_of_Stalingrad_after_liberation.jpg" alt="" title="RIAN_archive_602161_Center_of_Stalingrad_after_liberation" width="200" height="133" class="alignright size-full wp-image-5949" /><br /><small>Das Zentrum des zerst&#246;rten Stadt<br />
Stalingrad nach der Befreiung durch<br />
die russische Armee, die mit der Ein-<br />
kesselung vom 22. November 1942 be-<br />
gonnen hatte (&copy; RIA Novosti archive,<br />
img. #602161/ Zelma/ CC-BY-SA 3.0)</small></div>
<p>Hitler hatte den Kampf bis zum letzten Mann befohlen, obwohl vom Tag der Einkesselung an absehbar gewesen war, dass seine Armee die Stadt nicht w&#252;rde halten k&#246;nnen. <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=paulus&amp;keyword=stalingrad&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">General Paulus</a> bef&#246;rderte er noch schnell zum Generalfeldmarschall, weil ihm dieser Rang nur Sieg oder Tod gestattete, aber keine Kapitulation. Paulus war aber der erste und w&#228;hrend des Krieges einzige Befehlshaber, der (ohne offizielle Kapitulation) die Waffen streckte – und der einzige, der sich Hitlers Willen widersetzte. Es war der Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges, denn sowohl die Verb&#252;ndeten des Deutschen Reiches als auch die Hitler-Gegner in Deutschland und der Welt begannen, die M&#246;glichkeit einer Niederlage Deutschlands ernsthaft zu erw&#228;gen.</p>
<p>Ab 1945 schrieb der Tag – wen wundert’s – erst einmal Nachkriegsgeschichte. Am 22. November 1945 einigten sich die vier Siegerm&#228;chte auf drei Luftkorridore, die die Bundesrepublik (damals Besatzungszone West) mit Berlin West verbanden. Die Luftkorridore durften nur von Flugzeugen (milit&#228;risch und zivil) der drei Westalliierten USA, Gro&#223;britannien und Frankreich benutzt werden. Von nicht zu ermessender Bedeutung wurden sie von Juni 1948 bis Mai 1949. Denn als die Sowjets alle Landverbindungen durch die DDR (die damals noch Sowjetische Besatzungszone hie&#223;) nach Berlin unterbrachen, wurden Berlins Bewohner in einem beispiellosen Kraftakt &#252;ber diese „<a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Luftbr%FCcke&amp;keyword=Berliner+Blockade%2C+&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Luftbr&#252;cke</a>“ am Leben erhalten.</p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/11/Rosinenbomber-landet-in-Berlin-Tempelhof-1948.jpg" alt="" title="Rosinenbomber landet in Berlin Tempelhof 1948" width="189" height="180" class="alignright size-full wp-image-5958" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ein Rosinenbomber am Flughafen<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Berlin-Tempelhof (1948): Ohne den<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Beschluss &#252;ber die Luftkorridore<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;vom 22. November 1945 w&#228;re die<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Luftbr&#252;cke nicht m&#246;glich gewesen</small></div>
<p>Sehr schnell entfloh Deutschland nun der nationalsozialistischen Vergangenheit – die BRD und die DDR, jede auf ihre Weise. Schon im Mai 1949 war aus der Besatzungszone West die Bundesrepublik Deutschland geworden, am 7. Oktober, dem „Tag der Republik“, wurde die DDR aus der Taufe gehoben. Am 22. Novem- ber 1949 nun weitete das <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=petersberger+abkommen&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Petersberger Abkommen</a> die Rechte der Bundesre- gierung so stark aus, dass man das Abkommen getrost als den ersten und wichtigsten Schritt zur Selbstst&#228;ndigkeit und Westintegration ansehen kann. Und weiter ging es mit gro&#223;en Schritten und der 22. November spielte kr&#228;ftig mit: 1951 fand in Paris an diesem Tag die erste Au&#223;enministerkonferenz der Westm&#228;chte unter Beteiligung von Konrad Adenauer statt (Adenauer war zu dieser Zeit Bundeskanzler und Au&#223;enminister zugleich), auf der in nur zweieinhalb Stunden ein Generalvertrag ausgearbeitet wurde, der das geltende Besatzungsstatut abl&#246;sen und der BRD die (fast) volle Souver&#228;nit&#228;t geben sollte. Dieser sogenannte <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=deutschlandvertrag&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Deutschlandvertrag </a>trat im Mai 1955 nach Ratifizierung der Pariser Vertr&#228;ge in abge&#228;nderter Version in Kraft.</p>
<p>Nun, die BRD war im Westen, die DDR im Osten und die Welt im <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=Kalter+Krieg%2C+Geschichte%2C+USA%2C+UdSSR&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Kalten Krieg</a> angekommen. Der Zweite Weltkrieg war mit zwei Atombomben beendet worden; nach dem Krieg machten sowohl die Amerikaner als auch die Sowjets Jagd auf die Kernphysiker des Deutschen Reiches – allerdings nicht, um sie zu vernichten, sondern um an ihr Wissen zu gelangen. Beide Seiten arbeiteten mit Hochdruck an der Entwicklung von <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=atomwaffen%2C+UdSSR%2C+USA&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Atomwaffen</a>. Die USA schienen die Nase weit vorn zu haben, als die Sowjetunion am 22. November 1955 die erste transportable <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=Kalter+Krieg&amp;anyWords=Wasserstoffbombe&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Wasserstoffbombe </a>(H-Bombe) z&#252;ndete. Der Schock war bei den Amerikanern gewaltig, denn die SU hatte nicht nur gleichgezogen, sondern war &#252;ber Nacht zu einem atomar f&#252;hrenden Kontrahenten geworden.</p>
<div class="bildrechts">
<img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/11/Nikita-Chruschtschow-1962.jpg" alt="" title="Nikita Chruschtschow 1962" width="188" height="200" class="alignright size-full wp-image-5963" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dass Nikita Chruschtschow, der<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Regierungschef der UdSSR, mit sei-<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;nen Gegnern kein Erbarmen kannte,<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;musste am 22. November 1956<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Imre Nagy erfahren: Der Pr&#228;sident<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;der ungarischen Revolutionsregierung<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;wurde trotz anderslautender Ver-<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;sprechungen hingerichtet</small></div>
<p>Kalter Krieg oder nicht, das war schon seit einiger Zeit nicht mehr die Frage – die Frage, die sich nach dem Tod Stalins 1953 immer h&#228;ufiger stellte, war: „Kalter oder ‚Hei&#223;er‘ Krieg?“ &#8211; und wenn auch nur aus Versehen… Mit <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=stalin&amp;keyword=geschichte+udssr&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Stalin </a>war ein b&#246;ser, aus westlicher Sicht aber immer- hin berechenbarer Feind dahingegan- gen. Jetzt sah man sich einem zwar gutm&#252;tig scheinenden, aber unbere- chenbaren Nachfolger gegen&#252;ber, der es sogar in Windeseile geschafft hatte, den scheinbar allm&#228;chtigen skrupellosen Geheimdienstchef Beria liquidieren zu lassen. Offiziell vertrat der polternde<a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=chruschtschow&amp;keyword=udssr&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6"> Nikita Chruschtschow</a> zwar das Prinzip der <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=UdSSR&amp;anyWords=Friedliche+Koexistenz&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Friedlichen Koexistenz</a>, in seinem Machtbereich aber duldete er keine Abweichung. Er lie&#223; den Aufstand vom<a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=17.+Juni+1953%2C+Geschichte&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6"> 17. Juni 1953</a> niederwerfen und am 4. November 1956 den <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=ungarnaufstand&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Ungarnaufstand</a>. Am 22. November wurde <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=imre+nagy&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Imre Nagy</a>, Ministerpr&#228;sident der ungarischen Revolutionsregierung, trotz Zusicherung von Straffreiheit vom KGB festgenommen, nach Rum&#228;nien deportiert und dort nach eineinhalb Jahren Isolationshaft aufgeh&#228;ngt.</p>
<p>Chruschtschow leitete zwar in der UdSSR Reformen ein und entlarvte die Verbrechen Stalins, aber er stationierte im Oktober 1962 auch Atomraketen in Kuba und bedrohte so die westliche Welt (allerdings erst nachdem die USA klammheimlich atomare Mittelstreckenraketen in England, Italien und der T&#252;rkei stationiert hatten). Die Welt stand am Abgrund. Wie viele meines Alters wartete auch ich t&#228;glich auf den Befehl, „zu den Fahnen zu eilen“. Der Dritte Weltkrieg schien unmittelbar bevorzustehen.<br />
Gegenspieler Chruschtschows in der <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Kubakrise&amp;keyword=USA&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Kubakrise</a>, in diesem Poker um die Vorherrschaft in der Welt, war der charismatische junge US-Pr&#228;sident <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=john+f.+kennedy&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">John F. Kennedy</a>. Er gewann die Partie und die Welt atmete auf.<br />
Sein Sieg &#252;ber „das B&#246;se“ machte ihn zum unangefochtenen und weltweit verehrten F&#252;hrer der westlichen Welt. Ihren Gipfel erreichte seine Beliebtheit hierzulande im Juni 1963, als er sich anl&#228;sslich des 15. Jahrestages der Luftbr&#252;cke in Berlin zu einem freien Berlin bekannte. Mit den ber&#252;hmt gewordenen Worten „Ich bin ein Berliner“ eroberte er die Herzen der Deutschen. Eine &#228;hnlich gef&#252;hlvolle Verehrung wurde nur <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=michail+gorbatschow&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Michail Gorbatschow</a> 50 Jahre sp&#228;ter entgegengebracht.</p>
<p>Dann kam der 22. November 1963.<br />
Ich erinnere mich genau: Es war schon dunkel und ich war in der Freudenbergstra&#223;e in Weinheim auf dem Nachhauseweg in meine trostlose Bude, als mir mein Freund entgegenkam und v&#246;llig deprimiert nur den einen Satz sagte: „Kennedy ist ermordet worden, in Dallas.“ Nach einem kurzen Aufschrei – „Nein!!!!!“ – stand ich da wie bet&#228;ubt und weinte. In den n&#228;chsten Tagen saugten wir – wie wohl alle – ununterbrochen auch die winzigste Nachricht auf, um das Unfassbare zu erfassen. Auf der ganzen Welt waren die Menschen bis hinauf zu den h&#246;chsten Politikern derart geschockt, dass sich Szenen der Verzweiflung abspielten. Und als auf der Trauererfeier in Berlin die Trompete f&#252;r ihn zum ewigen Abschied erklang, flossen die Tr&#228;nen in Str&#246;men und die Welt schien f&#252;r uns in Dunkelheit zu versinken.</p>
<div class="bildlinks"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/11/Kennedy-und-seine-Frau-2-Min-vor-dem-Attentat-Quelle-fosar-bludorf.com_.jpg" alt="" title="Kennedy und seine Frau 2 Min vor dem Attentat, Quelle fosar-bludorf.com" width="230" height="163" class="alignright size-full wp-image-5967" /><br /><small>Ein Bild, das um die Welt gegangen ist:<br />
John F. Kennedy und seine Frau Jackie<br />
in der Pr&#228;sidentenlimousine zwei Minuten<br />
vor dem Attentat am 22. November 1963<br />
(&copy; forsar-bludorf.com)</small></div>
<p>So beliebt Kennedy in Deutschland war, so viele Feinde hatte er in seinem eigenen Land. In den S&#252;d- staaten war er insbesondere bei den rechtsgerichteten Erzkonser- vativen regelrecht verhasst. F&#252;r die Profiteure der Sklavenhaltung war er aufgrund seines Kampfes gegen die Rassendiskriminierung ein Todfeind. Noch drei Tage vor dem <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=attentat+kennedy&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Attentat </a>soll er nach Aufdeckung von Attentatspl&#228;nen in Miami gesagt haben:</p>
<p><em>„Wenn jemand wirklich den Pr&#228;sidenten der Vereinigten Staaten erschie&#223;en wollte, w&#228;re das keine schwierige Arbeit: Man m&#252;sste nur eines Tages mit einem Gewehr mit Zielfernrohr auf ein hohes Geb&#228;ude hinauf, niemand k&#246;nnte etwas gegen einen solchen Anschlag unternehmen.“</em><br />
<small>[zitiert nach <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=posener&amp;title=kennedy+selbstzeugnissen">Alan Posener: John F. Kennedy in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten</a>, 1991]</small></p>
<p>Es war wie eine Voraussage, genau so ist es geschehen.</p>
<p>Der mutma&#223;liche M&#246;rder<a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=lee+harvey+oswald&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6"> Lee Harvey Oswald</a> wurde nach seiner Festnahme von einem anderen erschossen; bewusste oder unbewusste Schlampereien bei der Aufkl&#228;rung des Verbrechens, Kompetenzgerangel und die Vielzahl der als M&#246;rder in Betracht kommenden Feinde – von einzelnen Fanatikern &#252;ber die CIA, die Mafia, Fidel Castro bis hin zu einheimischen Milit&#228;rs und einflussreichen Politikern – f&#252;hrten dazu, dass der Mord bis heute nicht aufgekl&#228;rt ist. Stattdessen entstanden Dutzende von Verschw&#246;rungstheorien. Man wird wohl noch bis 2017 warten m&#252;ssen, wenn die Untersuchungsakten freigegeben werden, um vielleicht Genaueres zu erfahren.</p>
<p>Nun, dieser 22. November 1963 hatte wohl die Belastbarkeit des 22. Novembers ersch&#246;pft. Weltbewegendes geschah nicht mehr – durchaus aber noch Bedeutendes:<br />
Am 22. November 1964 richtete der am 22. November 1890 geborene Franz&#246;sische Staatspr&#228;sident <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Charles+de+Gaulle&amp;keyword=Charles+de+Gaulle&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">General Charles de Gaulle</a> in einer Rede in Stra&#223;burg vor etwa 10.000 Menschen einen dringenden Appell an die Bundesrepublik, gemeinsam mit Frankreich ein „<a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=%22europ%E4isches+Europa%22&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">europ&#228;isches Europa</a>“ zu schaffen.<br />
Am 22. November 1981 begann der Friedensnobelpreistr&#228;ger <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=andrei+sacharow&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Andrei Sacharow</a>, einst Vater der russischen Wasserstoffbombe, mit seiner Frau Jelena Bonner einen Hungerstreik an ihrem Verbannungsort.<br />
1988 stellten die USA am 22. November den ersten Tarnkappenbomber vor und am selben Tag des Jahres 1990 ging in England eine elfj&#228;hrige, wichtige Periode zu Ende: Die britische Premierministerin <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=margaret+thatcher&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Margaret Thatcher</a>, die „Eiserne Lady“, ging von Bord.</p>
<p>Ach ja, auch f&#252;r Sportfans hat der 22. November etwas zu bieten. An diesem Tag im Jahr 1950 durften die als Verursacher des Zweiten Weltkrieges bis dahin von internationalen Fu&#223;ball ausgeschlossenen Deutschen zum ersten Mal wieder ein L&#228;nderspiel bestreiten: Hoch die Fahnen! – sie gewannen 1:0 gegen die Schweiz.</p>
<p>Ja, und nochwas! Mir wird’s hei&#223; und mir zucken die F&#252;&#223;e, wenn ich daran denke: Am 22. November 1928 wurde in der Opéra National de Paris der weltber&#252;hmte »Boléro« des franz&#246;sischen Komponisten <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=maurice+ravel+biographie&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Maurice Ravel</a> uraufgef&#252;hrt, von dem der k&#246;stliche Satz &#252;berliefert ist: <em>„Mein Meisterwerk? Der Boléro nat&#252;rlich. Schade nur, dass er &#252;berhaupt keine Musik enth&#228;lt.&#8221;</em></p>
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		<title>9. November: Ein schicksalsträchtiger Tag – nicht nur für Deutschland</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Nov 2011 08:32:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hanns-Martin Wietek</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In welchem Jahr, in welchem Jahrhundert beginnen? Welche heraus- ragenden Geschehnisse gab es an diesem Tag? Manche unserer Altvorderen h&#228;tten das sicher anders beurteilt als wir heute, manches Ereignis ist in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Wen interessiert schon, dass am 9. November des Jahres 235 der erste geschichtlich belegte Bischof von Rom, Pontianus, in einem Steinbruch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In welchem Jahr, in welchem Jahrhundert beginnen? Welche heraus- ragenden Geschehnisse gab es an diesem Tag? Manche unserer Altvorderen h&#228;tten das sicher anders beurteilt als wir heute, manches Ereignis ist in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Wen interessiert schon, dass am 9. November des Jahres 235 der erste geschichtlich belegte Bischof von Rom, Pontianus, in einem Steinbruch erschlagen wurde? Oder dass sich am 9. November 1313 in der <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?anyWords=Schlacht+von+Gammelsdorf&amp;author=&amp;title=&amp;check_sn=on">Schlacht von Gammelsdorf</a> Ludwig der Bayer, der sp&#228;tere Kaiser des Heiligen R&#246;mischen Reiches, gegen seinen Vetter Friedrich den Sch&#246;nen durchgesetzt (f&#252;r Letzteren waren die zwei 13 wohl kein gutes Omen) und die Vormundschaft f&#252;r die noch unm&#252;ndigen Herz&#246;ge von Niederbayern mit Stammsitz in Landshut &#252;bernommen hat. Die Landshuter waren zu dieser Zeit weit m&#228;chtiger als die M&#252;nchner und Friedrich der Sch&#246;ne war Herzog von &#214;sterreich und der Steiermark. Nun, wer wei&#223;? H&#228;tte er gesiegt, w&#228;re Niederbayern vielleicht heute eine Provinz von &#214;sterreich? H&#228;tte … w&#252;rde … t&#228;te! Es war nicht so! Aber es zeigt, dass es schicksalstr&#228;chtige Tage gab, die wir heute nicht mehr beachten, obwohl sie den Lauf der Dinge bestimmt haben.<span id="more-5828"></span></p>
<p>Das „Was w&#228;re, wenn …?“ ist – Gott sei Dank – heute keine fruchtlose Spintisiererei mehr, sondern eine anerkannte Frage in der Geschichts- wissenschaft. Aus den Antworten auf diese Frage ziehen wir Schl&#252;sse f&#252;r unsere Gegenwart. Oder sollte man sagen: m&#252;ssten wir ziehen? (Vielleicht sollte das Studium der Geschichtswissenschaften eine Grundvoraussetzung f&#252;r den Beruf des Politikers sein!?)<br />
Hier sollen nur Ereignisse eine Rolle spielen, die (auch wenn man es nicht immer auf den ersten Blick erkennt) eindeutig eine noch heute fassbare Rolle f&#252;r unsere Gegenwart spielen. Alles andere sei den Geschichtswissenschaftlern &#252;berlassen.</p>
<div class="bildrechts"><img class="alignright size-full wp-image-5834" title="Jacques-Louis David Napoleon 1812" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/11/Jacques-Louis-David-Napoleon-1812.jpg" alt="" width="133" height="220" /><br />
<small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Napoléon Bonaparte been-<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;dete am 9. November 1799<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;die Franz&#246;sische Revolution<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;(Gem&#228;lde von Jacques<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Louis David, 1812)</small></div>
<p>Unser Ausflug in die Geschichte beginnt mit der <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=Franz%F6sische+Revolution%2C+Geschichte&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Franz&#246;sischen Revolution</a> (1789–1799), genauer gesagt mit einem wenig beachteten Datum, dem 9. November 1799, dem <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=18.+Brumaire&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">18. Brumaire VIII</a> nach dem damals in Frankreich g&#252;ltigen Republika- nischen Kalender, dem Tag des Endes der Revolution – was, zugegeben, auf den ersten Blick etwas seltsam anmutet. Der milit&#228;risch h&#246;chst erfolgreiche, rednerisch aber eher unbedarfte General <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=Napoleon++Biografie&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=2&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Napoléon Bonaparte</a> st&#252;rzte damals mithilfe seines Bruders Lucien und des Milit&#228;rs die aus der Revolution hervorgegangene Regierung, genannt das Direktorium, und ernannte sich kaum einen Monat sp&#228;ter praktisch selbst zum alleinherrschenden Ersten Konsul Frankreichs.<br />
Nun, wie die Geschichte weiterging, sollte eigentlich jedes Kind wissen: Napoléon machte sich zum Kaiser, unterwarf in den schrecklichen<a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=Napoleonische+Kriege&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=0_0&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6"> Napoleonischen Kriegen</a> ganz Europa, teilte es, soweit er konnte, unter seinen Verwandten auf und erlitt erst milit&#228;rischen Schiffbruch, als er versuchte, Russland zu erobern. Er endete als Gefangener auf der Insel St. Helena – sic transit gloria mundi, so vergeht der Ruhm der Welt!</p>
<p>Diese Zeit – und damit das Ereignis des 9. November – hatte sowohl im Positiven als auch im Negativen einen bis in die heutige Zeit hineinreichenden Einfluss auf Europa (vielleicht ausgenommen Nordeuropa) und vor allen Dingen einen richtungsweisenden Einfluss auf die politische Entwicklung, insbesondere in Deutschland. Denn letztlich entwickelte sich daraus und aus dem, was sich in der Folgezeit ereignete, die sogenannte deutsch-franz&#246;sische „Erbfeindschaft“, der erst durch de Gaulle und Adenauer mutig der Garaus gemacht wurde. Sie beeinflusste das Leben in beiden L&#228;ndern und auch dar&#252;ber hinaus mindestens 150 Jahre lang!<br />
Adenauer ist &#252;brigens 1964 als erster Deutscher nach 99 Jahren in die Franz&#246;sische Akademie der Wissenschaften aufgenommen worden – nat&#252;rlich am 9. November.</p>
<p>Nun, sieht man einmal davon ab, dass am 9. November 1818 <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=turgenev">Ivan Sergeevi&#269; Turgenev</a> geboren (ich w&#228;re nicht ich, wenn ich das hier nicht erw&#228;hnen w&#252;rde) und 1843 an diesem Tag das ber&#252;hmte <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=%22Thalia+Theater%22&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Thalia Theater </a>als erstes Theater in Hamburg gegr&#252;ndet wurde, geschah am 9. November in den n&#228;chsten Jahrzehnten nichts Weltbewegendes. Das &#228;nderte sich im Jahr 1848.</p>
<p>„Liberté, Égalité, Fraternité“ (Freiheit, Gleichheit, Br&#252;derlichkeit), die Parole der Franz&#246;sischen Revolution, schien verhallt, Europa war seit dem <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Wiener+Kongress&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Wiener Kongress</a> 1815 wieder unter den alten Herrschern aufgeteilt. Aber wie eine reife Frucht nach ihrem „Tod“ ihre Samen ausstreut, waren auch ihre Samen &#252;ber ganz Europa geweht. 1848 nun rollte eine Welle des Aufstands von Sizilien &#252;ber das Kaiserreich &#214;sterreich-Ungarn, die K&#246;nigreiche Frankreich, Bayern, Baden, Sachsen, Holstein und Preu&#223;en bis nach Berlin: die <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=1848+Revolution&amp;anyWords=1848+Revolution&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Revolution von 1848</a>/49 begann. Und noch einmal sollte die alte Ordnung siegen.</p>
<div class="bildlinks"><img class="alignright size-full wp-image-5836" title="Die Erschie&#223;ung Robert Blums 1848" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/11/Erschie%C3%9Fung.jpeg" alt="" width="200" height="150" /><br />
<small>Robert Blum wurde wegen seiner Betei-<br />
ligung am Wiener Oktoberaufstand am<br />
9. November 1848 standesrechtlich er-<br />
schossen (Gem&#228;lde von Carl Constantin<br />
Heinrich Steffeck, 1848/49)</small></div>
<p>Das Symbol des Scheiterns dieser Revolution, der Tod eines Mannes, ist heute fast in Vergessenheit geraten. Dabei ist sein Tod sogar als gefl&#252;geltes Wort in den deutschen Sprachge- brauch eingegangen – die etwas &#196;lteren werden den Ausdruck kennen, aber wahrscheinlich nicht wissen, woher er kommt. Wenn man nach gro&#223;er k&#246;rperlicher Anstrengung v&#246;llig ausgelaugt ist, ist man „erschossen wie Robert Blum“.<br />
<a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=&amp;anyWords=%22Robert+Blum%22&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Robert Blum</a> (der bitte nicht mit Norbert Bl&#252;m zu verwechseln ist!) war ein linksliberaler Abgeordneter im ersten demokratisch gew&#228;hlten gesamtdeutschen Parlament, der Frankfurter Nationalversammlung, und wurde am 9. November 1848 in Wien trotz seiner Abgeordnetenimmunit&#228;t standrechtlich erschossen Er war Leiter einer Delegation der demokratischen Fraktion der Nationalversammlung gewesen und wie viele andere nach Wien geeilt, um zu verhindern, dass &#246;sterreichische Truppen nach Ungarn marschierten, um den dortigen Aufstand niederzuschlagen. Der Aufstand war das letzte Zucken der 1848er-Revolution in &#214;sterreich, der sogenannte <a href="http://www.zvab.com/refineQuickSearch.do?anyWords=wiener+oktoberaufstand&amp;lastXDays=-1&amp;submit=Suchen">Wiener Oktoberaufstand</a>. Gen&#252;tzt hat es nichts, denn 1849 traten die Armeen von <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=%22zar+nikolaus+I%22&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Zar Nikolaus I.</a> auf den Plan, der den nicht gerade geliebten <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=%22kaiser+franz+josef%22&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Kaiser Franz Josef</a> von &#214;sterreich aus Angst vor „Ansteckung“ im Kampf gegen die Revolution&#228;re unterst&#252;tze. Sie besiegten gemeinsam mit den &#214;sterreichern die f&#252;r die Freiheit k&#228;mpfende ungarische Armee.</p>
<p>Und noch eine Revolution endete am 9. November (der nach dem damals dort g&#252;ltigen julianischen Kalender allerdings ein 27. Oktober war): die Russische <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=oktoberrevolution&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=5&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Oktoberrevolution</a> im Jahr 1917, die streng genommen gar keine Revolution, sondern ein bolschewistischer Putsch war. Die eigentliche Revolution, die den Zaren gest&#252;rzt hatte, hatte im Februar des Jahres stattgefunden, doch erst am 7. November schafften es die Bolschewiki, mit dem Angriff auf das Winterpalais in St. Petersburg, in dem die b&#252;rgerliche Regierung sa&#223;, an die Macht zu kommen. Am 9. November erlie&#223; Lenin das Dekret &#252;ber die Bildung des Rates der Volkskommissare und installierte damit eine neue „Regierung“, womit der drei Tage andauernde Umsturz – gro&#223;mundig „Oktoberrevolution“ genannt – beendet war.<br />
Und wieder – wie auf den Tag 118 Jahre zuvor – begannen an diesem Tag eine grausame Diktatur und eine bluttriefende Zeit, die die Welt ver&#228;ndern sollte.</p>
<div class="bildlinks"><img class="alignright size-full wp-image-5837" title="Kurt Eisner (1919)" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/11/Kurt-Eisner-1919.jpg" alt="" width="123" height="200" /><br />
<small>Die Proklamation des<br />
Freistaats Bayern durch<br />
Kurt Eisner war einer der<br />
Gr&#252;nde f&#252;r das Ende der<br />
Monarchie in Deutschland<br />
am 9. November 1919<br />
</small></div>
<p>Im Jahr 1918 erhielt der Tag sein deutsches Gewicht. Am 8. November hatte der Journalist und Mitbegr&#252;nder der USPD (Unabh&#228;ngige Sozialdemokratische Partei Deutschland) <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=kurt+eisner&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Kurt Eisner</a> in der ersten Sitzung des M&#252;nchener Arbeiter- und Soldatenrats im traditionsreichen Math&#228;serbr&#228;u den Freistaat Bayern ausgerufen und den <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=K%F6nig+Ludwig+III+Wittelsbacher&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Wittelsbacher K&#246;nig Ludwig III.</a> f&#252;r abgesetzt erkl&#228;rt. Das war das Fanal f&#252;r Berlin: Aus dem urspr&#252;nglichen Matrosenaufstand in Preu&#223;en war die <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=novemberrevolution&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Novemberrevolution </a>geworden.<br />
Am 9. November verk&#252;ndete der erst kurz zuvor von <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=Kaiser+Wilhelm+II+Geschichte&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Kaiser Wilhelm II.</a> zum Reichskanzler ernannte Prinz Max von Baden in Berlin ohne Absprache die Abdankung des Kaisers und den Thronverzicht des Kronprinzen, die fast zwei Wochen zuvor aus der Stadt gefl&#252;chtet waren. Hintergrund dieses Schrittes war der Gedanke, bessere Voraussetzungen f&#252;r Waffenstillstandsverhandlungen zu schaffen, da sich die Alliierten weigerten, mit dem Kaiser zu verhandeln. Der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann rief noch am selben Tag vom Balkon des Reichstagsgeb&#228;udes die Republik aus. Max von Baden &#252;bergab die Reichskanzlerschaft an <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=friedrich+ebert&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Friedrich Ebert</a>.<br />
Die Monarchie in Deutschland war am 9. November 1918 endg&#252;ltig gestorben, die Republik geboren.</p>
<p>Auf den Tag genau f&#252;nf Jahre sp&#228;ter, am 9. November 1923, hielten Putschisten die Zeit f&#252;r gekommen, die Regierungen der „Revolution&#228;re“ in M&#252;nchen und Berlin, denen sie die Schuld f&#252;r den schmachvollen Frieden nach dem Ersten Weltkrieg in die Schuhe schoben und die sie f&#252;r den wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands verantwortlich machten, zu st&#252;rzen und eine „Nationale Diktatur“ zu errichten: Hitler und seine Mannen (mit General Erich Ludendorff an der Spitze) erkl&#228;rten die Bayrische Regierung f&#252;r abgesetzt, nachdem diese am Vortag unter Gewaltandrohung klein beigegeben hatte, und marschierten vom B&#252;rgerbr&#228;ukeller (den es heute nicht mehr gibt) zur Feldherrnhalle am Odeonsplatz. Dieser Schritt, der heute als <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=&amp;anyWords=hitler-ludendorff-putsch&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Hitler-Ludendorff-Putsch</a> bezeichnet wird, sollte die erste Etappe vom Marsch auf Berlin sein. Aber Hitler und Ludendorff hatten sich verrechnet: Der regierungstreue Kommandant der Landespolizei, die in der neben der Feldherrnhalle gelegenen Residenz stationiert war, empfing die ihren vermeintlichen Sieg feiernden Nationalsozialisten. Bei einem kurzen Schusswechsel wurde Hermann G&#246;ring verletzt, Hitler blieb unverletzt, weil sich einer seiner Getreuen vor ihn stellte und an seiner Stelle mehrere Sch&#252;sse auffing. Sechzehn Putschisten sowie f&#252;nf Polizisten und Zivilisten starben. Hitler floh in einem Sanit&#228;tswagen, wurde sp&#228;ter verhaftet und zu f&#252;nf Jahren Festungshaft verurteilt.</p>
<div class="bildrechts"><img class="alignright size-full wp-image-5840" title="Hitler und Ludendorff nach ihrer Verurteilung" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/11/Bundesarchiv_Bild_102-00344A_M%C3%BCnchen_nach_Hitler-Ludendorff_Prozess-1924.jpg" alt="" width="200" height="132" /><br />
<small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hitler und Ludendorff 1924 nach der<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Verurteilung f&#252;r ihren Putschversuch<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;vom 9. November 1923 (© Bundes-<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;archiv)</small></div>
<p>Nach Hitlers Macht&#252;bernahme wurde der 9. November wurde zum staatli- chen Feiertag erkl&#228;rt und in M&#252;nchen fanden j&#228;hrlich an diesem Tag pomp&#246;se Totenfeiern zu Ehren der gefallenen „Blutzeugen der Bewegung“ statt.</p>
<p>Am 9. November 1925 h&#228;tte Hitler eigentlich noch in Landsberg auf der Festung sitzen m&#252;ssen, aber der Zeitgeist war auf seiner Seite. Schon nach neun Monaten wurde er wegen „guter F&#252;hrung“ entlassen. Und so kam es, dass er an diesem Tag die SS (Schutzstaffel) gr&#252;nden konnte.</p>
<p>Und noch einmal erlangte der 9. November in Deutschland traurige Ber&#252;hmtheit, und zwar im Jahr 1938: mit der <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=reichsprogromnacht&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Reichspogromnacht</a> oder auch <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=Reichskristallnacht&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Reichskristallnacht</a>. (Der Name »Kristallnacht« ist eine Wortsch&#246;pfung des Volkes; wahrscheinlich stammt er aus Berlin und geht darauf zur&#252;ck, dass die Stra&#223;en mit den Scherben der Schaufenster j&#252;discher Gesch&#228;fte &#252;bers&#228;t waren.) Im gesamten Deutschen Reich wurden von SS- und SA-M&#228;nnern in Zivil und in Uniform Synagogen zerst&#246;rt und teilweise niedergebrannt – fast 1.500. 7.500 j&#252;dische Gesch&#228;fte, Gemeindeh&#228;user und unz&#228;hlige Wohnungen wurden zerst&#246;rt, mehrere 100 Juden wurden ermordet, unz&#228;hlige verpr&#252;gelt und j&#252;dische Frauen vergewaltigt; in der Folge wurden Zigtausend Juden gefangen genommen und in Konzentrationslagern interniert, in denen ein gro&#223;er Teil von ihnen umkam.</p>
<p>Wie kam es zu diesem Ausbruch der Gewalt?<br />
Das Ziel der Nazis war es von Anfang an gewesen, Deutschland „judenfrei“ zu machen. Mit gro&#223;em Druck und Gewalt sorgte man daf&#252;r, dass sie „freiwillig“ ausreisten. Unz&#228;hlige taten das, und ihr Verm&#246;gen wurde zum gr&#246;&#223;ten Teil „als Bezahlung f&#252;r die Ausreise“ konfisziert. Aber durch die Einverleibung des Sudetenlandes, die „Zerschlagung der Rest-Tschechei“ und den Anschluss &#214;sterreichs gab es trotz Ausreisewelle immer mehr Juden im Gro&#223;deutschen Reich. Im Juli 1938 hatte sich zudem auf der Konferenz von Evian keines der 32 teilnehmenden L&#228;nder bereit erkl&#228;rt, verfolgte Juden aufzunehmen. Im Gegenteil, manche f&#252;hrten die Visumspflicht f&#252;r Juden ein. Polen verk&#252;ndete, allen polnischen Juden, die mindestens f&#252;nf Jahre lang nicht in Polen gelebt hatten, die Staatsb&#252;rgerschaft entziehen zu wollen. Das betraf fast 20.000 meist arme, teilweise illegal in Deutschland lebende Juden. Bevor es dazu kam, trieben die Nazis kurzentschlossen betroffene Juden zusammen und transportierten sie &#252;ber die Grenze nach Polen ins Niemandsland.</p>
<div class="bildlinks"><img class="alignright size-full wp-image-5838" title="Der St&#252;rmer - Kristallnacht" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/11/Der-St%C3%BCrmer-Kristallnacht.jpeg" alt="" width="161" height="225" /><br />
<small>Die antisemitische Wochenzei-<br />
tung <em>Der St&#252;rmer</em> betrachtete<br />
die Reichskristallnacht vom<br />
9. November 1938 als Teilerfolg<br />
im deutschen Kampf gegen das<br />
Judentum</small></div>
<p>In Paris erfuhr der 17j&#228;hrige polnische Jude <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=&amp;anyWords=Herschel+Grynszpan&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Herschel Grynszpan</a>, dass auch seine ganze Familie zu den Vertriebenen geh&#246;rte. Er besorgte sich einen Revolver und erschoss am 7. November in der Deutschen Botschaft in Paris einen der NSDAP angeh&#246;rigen Diplomaten (eigentlich wollte er den Botschafter t&#246;ten). Am 9. November erlag dieser seinen Verletzungen. Hitler erfuhr nach der allj&#228;hrlichen Totenfeier zum Andenken an die „Blutzeugen“ vom Tod des Diplomaten; er besprach sich kurz mit Goebbels und verschwand. Goebbels hielt eine kurze Rede, in der er viel Verst&#228;ndnis f&#252;r die schon seit Tagen in vielen St&#228;dten immer wieder aufflammenden &#220;bergriffe auf Juden zeigte. Anschlie&#223;end gingen Telegramme an die Gauleiter und von dort an die untergeordneten Dienststellen und Mannschaften. Das war der „spontane“ Aufstand des „Volkes“ gegen die Juden.</p>
<p>Dabei h&#228;tte dieser 9. November aus heutiger Sicht auch als Gl&#252;ckstag in die Geschichte eingehen k&#246;nnen. Denn was Hitler nicht wusste: Er ist an diesem Tag nur durch Zufall vor einem Attentat „bewahrt“ worden. Der 22j&#228;hrige Schweizer <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=Maurice+Bavaud&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Maurice Bavaud </a>war nach M&#252;nchen gereist, um Hitler zu erschie&#223;en. Er gab sich als begeisterter Nazi aus, um der Ehrentrib&#252;hne so nah wie m&#246;glich zu kommen, schaffte es jedoch nicht weit genug nach vorn, um eine freie Schussbahn zu haben. Die vielen st&#228;ndig hochgereckten Arme behinderten seine Sicht. Bavaud versuchte noch einige Tage, Hitler nahe zu kommen, bis er kein Geld mehr hatte und schwarz in die Schweiz zur&#252;ckkehren musste. Dabei wurde er erwischt, die Pistole und verr&#228;terische Schriftst&#252;cke wurden gefunden. 1941 wurde er in Pl&#246;tzensee mit der Guillotine hingerichtet.<br />
Die Schweizer Regierung spielte in diesem Fall eine kl&#228;gliche Rolle (weshalb sie den Fall heute eher totschweigt): Sie verurteilte nicht nur den Attentatsversuch, sondern lehnte sogar den angebotenen Austausch gegen einen deutschen Saboteur ab.</p>
<p>Nun, wie es weiterging, ist bekannt: Hitler hatte aus Napoleons Geschichte ganz offensichtlich nichts gelernt – sein Untergang begann wie der Napoléons in Russland. Die Gr&#228;ueltaten nahmen ein unfassbares Ausma&#223; an; der „Endsieg“ wurde zum totalen Ende. Zwei deutsche Staaten entstanden, deren einer nahtlos in die n&#228;chste Diktatur &#252;berging, w&#228;hrend der andere aufgep&#228;ppelt wurde, weil man ihn im Kampf gegen einen neuen Feind zu brauchen glaubte. Die einen w&#228;hlten <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=auferstanden+aus+ruinen&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">„<em>Auferstanden aus Ruinen</em>“</a> zu ihrer Nationalhymne, sollten jedoch noch &#252;ber 50 Jahre brauchen, bis sie tats&#228;chlich aus selbigen auferstanden – die anderen aber behielten die alte Hymne und &#228;nderten nur den Text. Sie waren sehr schnell aus den Ruinen auferstanden; von Schuld sprach man nur ganz am Anfang, dann hatten die immer die anderen; die verbliebene alte F&#252;hrungsschicht f&#228;rbte sich die braune Wolle schwarz und war in der F&#252;hrung des neuen demokratischen Staates und der boomenden Wirtschaft „unverzichtbar“.</p>
<div class="bildlinks"><a href="http://www.hdg.de/bonn/"><img class="alignright size-full wp-image-5842" title="Ausstellungsraum im Haus der Geschichte in Bonn" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/11/800px-Haus_der_Geschichte_2009d.jpg" alt="" width="200" height="195" /></a><br />
<small>Ausstellungsraum zu den Studentenun-<br />
ruhen im Haus der Geschichte in Bonn;<br />
im Hintergrund (rechts oben) ein Foto<br />
des Plakats, dass die Studenten am<br />
9. Nobember 1967 in die Hamburger<br />
Aula trugen (© Holger.Ellgaard)</small></div>
<p>Ewig konnte aber nicht alles unter dem ber&#252;hmten Teppich bleiben. Nach und nach begannen die Nachgeborenen Fragen zu stellen und angesichts der Verlogenheit der V&#228;tergeneration wider den Stachel zu l&#246;cken. Die <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=studentenunruhen&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Studentenunruhen</a> der 1960er Jahre begannen. Nachdem auf einer Protestdemonstration gegen den Schah von Persien 1967 der Student <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=studentenunruhen&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Benno Ohnesorg</a> erschossen (wie sich sp&#228;ter herausstellen sollte: von einem bei der Polizei untergeschl&#252;pften Stasi-Agenten) wurde, kam es zu einer zunehmenden Radikalisierung. Im gleichen Jahr wurde dann auch der 9. November wieder symboltr&#228;chtig. Bei der Amtseinf&#252;hrung des Rektors der Universit&#228;t Hamburg setzten sich zwei Studenten an die Spitze des Zuges, der feierlich das Audimax betrat, und entrollten ein schwarzes Spruchband, auf dem die feinsinnig gedichteten Worte „<em>Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren</em>“ standen. Da die hinter dem Spruchband einherschreitenden Honorationen nur die R&#252;ckseite des Bandes sahen, hatte die Presse gen&#252;gend Zeit, diesen pittoresken Einzug festzuhalten. Bild und Spruch, der auf Hitlers 1000j&#228;hriges Reich anspielt, wurden zu Ikonen der<a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=68er+Geschichte+Deutschland&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6"> 68er-Bewegung</a>.</p>
<p>In den n&#228;chsten 10 Jahren gab es zwei traurige 9. November, die mit radikalen Ablegern der 68er-Bewegung in Verbindung standen. Am 9. November 1974 starb nach 58-t&#228;gigem Hungerstreik das <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=RAF+Geschichte&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6#refineSearch">RAF</a>-Mitglied Holger Meins in der Justizvollzugsanstalt Wittlich. Der Tod – und sei es auch eines noch so verblendeten – Menschen, kann niemals ein Grund zur Freude sein, au&#223;erdem f&#252;hrte er zu einer weiteren Eskalation der Gewalt. Und am 9. November 1977 entf&#252;hrten Mitglieder der linksmilitanten Stadtguerilla »Bewegung 2. Juni« (benannt nach Benno Ohnesorgs Todestag) den &#246;sterreichischen Industriellen Walter Palmers und erpressten 31 Millionen Schilling.</p>
<p>Dann hatte der so sehr strapazierte 9. November erst einmal viele Jahre Ruhe, w&#228;hrend sich die Welt um ihn herum ver&#228;nderte. Er sch&#246;pfte sozusagen Kraft f&#252;r ein n&#228;chstes gewaltiges Ereignis. Und das war wieder das Ende einer Revolution, diesmal aber einer friedlichen. Am 9. November 1989 fiel die <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=Berliner+Mauer&amp;keyword=&amp;anyWords=Fotos&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Berliner Mauer</a>.</p>
<p>Schon kurz nach seinem Amtsantritt als sowjetischer Pr&#228;sident (1985) hatte <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=Michail+Gorbatschow&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Michail Gorbatschow</a> verk&#252;ndet, dass »Glasnost« (Offenheit, gemeint ist Meinungs- und Pressefreiheit) und »Perestroika« (Umbau, gemeint ist Umgestaltung, Umstrukturierung) notwendig seien, um die Sowjetunion zu modernisieren und am Leben zu halten. Er verwarf die alte Breschnew-Doktrin, nach der alle „sozialistischen Bruderstaaten“ nur das tun durften, was der „gro&#223;e Bruder“ Sowjetunion vorschrieb, und bekannte 1989 bei einem Staatsbesuch in Finnland, dass kein Staat das Recht habe, sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen einzumischen. Gerassimow, der Sprecher des damaligen sowjetischen Au&#223;enministers Schewardnadse, erkl&#228;rte vor der versammelten westlichen Presse, Gorbatschow habe soeben die »Sinatra-Doktrin« verk&#252;ndet. Er bezog sich auf einen ber&#252;hmten Song von Frank Sinatra: „I did it my way“.</p>
<div class="bildrechts"><img class="alignright size-full wp-image-5841" title="1989 am Brandenburger Tor in Berlin" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/11/Sue-Ream-Berliner-Mauer-Brandenburger-Tor.jpg" alt="" width="162" height="240" /><br />
<small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Am 9. November 1989 fiel die<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Berliner Mauer; auf dem breiten<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Streifen vor dem Brandenburger<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Tor feierten in den Folgewochen<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Menschen aus aller Welt<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;(© Sue Ream, 1989)</small></div>
<p>Es war eine spannende Zeit. Jeden Tag &#252;berschlugen sich die Ereignisse: In Polen zerfielen die alte Machtstrukturen, die Ungarn &#246;ffneten die Grenzen und in der DDR breiteten sich die Montagsdemonstrationen so rasch aus, dass die Staatsmacht ihrer nicht mehr Herr wurde. Mit exzessiver Gewalt konnte sie nicht antworten, denn der gro&#223;e Bruder war weder gro&#223; noch Bruder mehr. Schon am 7. Oktober, bei den „Feiern zum 40. Jahr der Staatsgr&#252;ndung der DDR“ hatte Gorbatschow angesichts der Sturheit der DDR-F&#252;hrung einen heute weltber&#252;hmten Satz gesagt: „Wer zu sp&#228;t kommt, den bestraft das Leben“. Niemand ahnte damals, wie schnell sich das bewahrheiten sollte.<br />
Der Satz „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverz&#252;glich.“ von SED-Politb&#252;ro-Mitglied G&#252;nter Schabowski auf der abendlichen Pressekonferenz am <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=Berliner+Mauer%2C+Deutschland&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">9. November 1989</a>, bei der er die Grenz&#246;ffnung ank&#252;ndigte, schlug ein wie ein Blitz. Noch in der Nacht st&#252;rmten die Menschen die Grenzposten, an Kontrollen war nicht mehr zu denken. Menschen aus Ost und West lagen sich in den Armen und nahmen die verhasste Mauer in Besitz.<br />
Die Bilder sind um die Welt gegangen.</p>
<p>Nun, der 9. November, er hat Revolutionen gesehen, die die Welt bewegten, erfolgreiche, gescheiterte, beendete. Putsch und Umsturz, ein bisserl garniert mit Kultur – am 9. November 1881 die Urauff&#252;hrung des »2. Klavierkonzerts« von<a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=&amp;keyword=johannes+brahms&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6"> Johannes Brahms</a> in Budapest, am 9. November 1914 die Urauff&#252;hrung der Operette »Rund um die Liebe« von <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=oscar+straus&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Oscar Straus</a> in Wien, am 9. November 1926 in der Dresdener Staatsoper die Urauff&#252;hrung der Oper »Cardillac« von <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=&amp;publisher=&amp;title=paul+hindemith&amp;keyword=&amp;anyWords=&amp;isbn=&amp;publicationYearFrom=&amp;publicationYearTo=&amp;priceFrom=&amp;priceTo=&amp;itemMedium=al&amp;countryOfSeller=all&amp;languageOfBook=all&amp;lastXDays=-1&amp;displayCurrency=EUR&amp;itemsPerPage=25&amp;totalItemCount=200&amp;sortBy=6">Paul Hindemith</a>. Nur ein Datum sticht heraus: der 9. November 1938. Hier handelt es sich schlichtweg um ein Verbrechen aus niederen Instinkten. Aber sonst vor allem Revolutionen…<br />
Vielleicht sollte man den Tag zum „Tag der Revolutionen“ erkl&#228;ren? Oder ….. selbst eine machen?<br />
Diktatoren, die ihr oder ein anderes Volk knechten, sind sehr viel seltener geworden. Heute treiben Diktatoren die ganze Weltgemeinschaft vor sich her. Wie w&#228;re es mit einer Revolution gegen die neuen, die leisen Diktatoren?<br />
Aber halt! Daf&#252;r m&#252;ssten wir erst einmal uns selbst revolutionieren – unser Denken, unser Handeln und unser F&#252;hlen. … Doch … wie mir scheint … das wird nicht funktionieren, denn ….. Lemminge machen keine Revolution.</p>
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		<title>Aleksej Michajlovič Remizov – Teil II: Leben und Werke</title>
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		<comments>http://blog.zvab.com/2011/10/27/aleksej-michajlovi-remizov-teil-ii-leben-und-werke/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 13:37:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hanns-Martin Wietek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Russlands romantische Revolutionäre]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Exil]]></category>
		<category><![CDATA[Hanns-Martin Wietek]]></category>
		<category><![CDATA[Paris]]></category>
		<category><![CDATA[Remizov]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialrevolutionäre]]></category>
		<category><![CDATA[Symbolismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Er war am Erblinden, das Schreiben fiel ihm schwer, er nannte sich einen »blinden Schriftsteller«, doch die Augen blicken noch erstaunlich ausdrucksvoll, und gearbeitet hat er bis zum letzten Tag. Thematik und Manier waren sich gleich geblieben, seine letzten Werke hei&#223;en: »M&#228;usleins Fl&#246;tchen«, »Die Pfauenfeder«, »Die Geschichte von den beiden Tieren«. Er starb 1957 im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Er war am Erblinden, das Schreiben fiel ihm schwer, er nannte sich einen »blinden Schriftsteller«, doch die Augen blicken noch erstaunlich ausdrucksvoll, und gearbeitet hat er bis zum letzten Tag. Thematik und Manier waren sich gleich geblieben, seine letzten Werke hei&#223;en: »M&#228;usleins Fl&#246;tchen«, »Die Pfauenfeder«, »Die Geschichte von den beiden Tieren«. Er starb 1957 im Alter von achtzig Jahren. Kurz vor dem Tode schrieb er ins Tagebuch: »Ein Andrang von Einf&#228;llen, doch ich kann sie nicht verwirklichen: die Augen! &#8230; Heute schrieb ich den ganzen Tag in Gedanken — und konnte nichts aufschreiben.« Auch seine Faxen hat er bis zum Tode gemacht. Die B&#252;cher der letzten Jahre tragen den Vermerk: »Zensiert im Hohen Rat des Obeswolpal.«<br />
Um solche Beharrlichkeit, Geradlinigkeit und Seelenst&#228;rke k&#246;nnte man Remisow fast beneiden. Doch Neid w&#228;re unangebracht: Remisow hatte das volle Ma&#223; menschlichen Leides erfahren. Man warf ihm oft vor, in seinen B&#252;chern h&#228;uften sich die Unwahrscheinlichkeiten, aber sein Schicksal war widersinniger als alles, was er sich h&#228;tte ausdenken k&#246;nnen.</p></blockquote>
<p><small>[zitiert nach <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ehrenburg&#038;title=menschen+jahre">Ilja Ehrenburg: <em>Menschen, Jahre, Leben</em></a>, 1962]</small><span id="more-5761"></span></p>
<div class="bildlinks"><a href="http://www.zvab.com/profile/40223l.jsp"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/10/34576085.jpg" alt="" title="Menschen, Jahre, Leben" width="126" height="200" class="alignright size-full wp-image-5794" /></a><br /><small>Ilja Ehrenburgs Lebens-<br />
erinnerungen <em>Menschen,<br />
Jahre, Leben</em>(aus dem<br />
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halten viel Wissenswertes<br />
&#252;ber Remizov</small></div>
<p><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=aleksej+remizov">Aleksej Michajlovi&#269; Remizov</a></strong> kam am 24. Juni <sup>jul.</sup> / 6. Juli <sup>greg.</sup> 1877 in Moskau als f&#252;nftes Kind einer Kaufmannsfamilie zur Welt. Ein Leben in Wohlstand schien vorgezeichnet, denn die Familie hatte sich innerhalb von zwei Generationen von Leibeigenen zu angesehenen und wohlhabenden Kaufleuten hochgearbeitet. Remizovs Vater war Galanteriewarenh&#228;ndler und Mitglied der Zweiten Moskauer Kaufmannsgilde. Seine Mutter, die zwanzig Jahre j&#252;nger war als der Vater, entstammte einer reichen und gebildeten Fabrikantenfamilie, die eine gro&#223;e und bedeutende Privatbibliothek besa&#223;, und war dementsprechend eine gebildete und kulturell sehr interessierte Frau. Sie hatte die deutsche Peter-und-Paul-Schule besucht, ihre Liebe galt der Malerei und der Poesie. Ihr verdankte Aleksej seine Liebe zum Zeichnen, zur Kalligrafie und dar&#252;ber hinaus auch zur Literatur, denn sie machte ihn mit den Werken von <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=nikolaj+leskov">Nikolaj Leskov</a>, von <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=johann+wolfgang+goethe">Goethe </a>und <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=e.t.a.+hoffmann">E.T.A. Hoffmann</a> bekannt. Seine Njanja (Amme und Kinderfrau) hingegen war eine sehr volkst&#252;mliche und gottesf&#252;rchtige Frau, sie „f&#252;tterte“ ihn mit M&#228;rchen, Fabeln, volkst&#252;mlichen und kirchlichen Legenden und nahm ihn auch in die feierlichen und mystischen russisch-orthodoxen Gottesdienste mit.<br />
Die Geschichte der Familie seiner Mutter erz&#228;hlt Remizov in seinem ersten Roman <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=remizov&#038;title=teich"><strong>Der Teich</strong></a></em> (1905, <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=remizov&#038;title=prud"><strong>Prud</strong></a></em>, nicht ins Deutsche &#252;bersetzt) – wie im &#220;brigen fast alle seine Werke einen starken autobiografischen Bezug haben.</p>
<p>Die Wohlhabenheit von Remizovs fr&#252;her Kindheit dauerte jedoch nicht lange an, denn die Mutter verlie&#223; schon wenige Jahre nach Aleksejs Geburt mit den f&#252;nf Kindern ihren Mann, und als Aleksej sechs Jahre alt war, starb der Vater. Die Mutter war nun auf die Almosen ihrer Verwandtschaft angewiesen, insbesondere auf die ihres Bruders, bei dessen Fabrik Aleksej nun &#228;rmlich aufwuchs; seine eigene Situation und das, was er t&#228;glich sah, waren sozialer Anschauungsunterricht, der ihn f&#252;r sein Leben pr&#228;gte. Auch inspirierte ihn die Brutalit&#228;t um ihn herum schon im Alter von sieben Jahren zu einer ersten Erz&#228;hlung, <em>„Der M&#246;rder&#8221;</em>, deren Manuskript er allerdings selbst vernichtete.</p>
<p>Eigentlich wollte Remizov Musiker, Maler oder Schauspieler werden, aber nach der Handelsschule immatrikulierte er sich entgegen seinen k&#252;nstlerischen Interessen an der Physikalisch-Mathematischen Fakult&#228;t der Universit&#228;t Moskau und begann gleichzeitig, Vorlesungen in Philosophie, Geschichte, Jura und Biologie zu h&#246;ren. Im Mai 1896 wurde er als angeblicher Anf&#252;hrer einer Studentendemonstration, in die er eigentlich nur zuf&#228;llig geraten war, verhaftet und nach einem halben Jahr nach Penza (700 km s&#252;d&#246;stlich von Moskau) verbannt. Dort wurde er dann tats&#228;chlich zum Revolution&#228;r. Er organisierte Streiks, reiste illegal nach Moskau, besorgte verbotene Literatur und beteiligte sich an dem Versuch, einen Arbeiterverein zu gr&#252;nden. Wegen dieser Beteiligung wurde er 1899 erneut verhaftet und 1900 f&#252;r erneut drei Jahre nach Vologda (600 km &#246;stlich von St. Petersburg) verbannt. Insgesamt verbrachte er in den sechs Jahren seiner Verbannung mehrere Jahre in Gef&#228;ngnissen, teilweise in Einzelhaft. Aber damit nicht genug: Durch einen Irrtum musste er den &#252;ber 1000 km langen Weg zu seinem neuen Verbannungsort mit Kriminellen zu Fu&#223; und in Ketten gehen.</p>
<p>Zwischen 1896 und 1903 fasste er seine Erlebnisse in der ergreifenden Erz&#228;hlung <em>„Gefangen&#8221;</em> (<em>„V plenu&#8221;</em>, 1910 erschienen) zusammen. Besonders ausdrucksstark ist eine Passage aus dem Kapitel „Als Politischer in Haft“:</p>
<blockquote><p>Trostlos schl&#228;gt die Gef&#228;ngnisuhr.<br />
Es wird Nacht &#8230;<br />
Die Lampe wirft unbewegliche Schatten auf Fu&#223;boden und Wand.<br />
An der Wand eine sterbende Fliege.<br />
Ihre Beinchen sind krampfhaft gestreckt, der kleine K&#246;rper schrumpft, und das Schattenfleckchen &#8211; ihr letzter Begleiter &#8211; schwimmt zitternd.<br />
Da war eine Fliege in meine Zelle gekommen, ist ein, zwei Tage herumgeflogen, und nun stirbt sie.<br />
Und dies erinnert die Fliege in ihrer Fliegentodesstunde: die gelbliche staubige Zelle, wenn drau&#223;en im Freien die Sonne hochsteht, das Fenster auch am helllichten Tage wie zugefroren, langweilige tr&#228;ge Asseln in den Ecken, wo streifig der Schimmel gr&#252;nt, schl&#228;frige Kakerlaken an den W&#228;nden und kleine Schaben, auch faule, voll Blut gesogene Wanzen, kaum sichtbar und b&#246;se, blassgelbe Wanzenhaut, dazu d&#252;nne flinke M&#228;useschw&#228;nze, die Z&#228;hne einer riesigen r&#246;tlichen Ratte, das Dr&#246;hnen und Klirren der Str&#228;flingsketten.<br />
Der l&#228;ngliche Schatten ist herabgeglitten und erstarrt.<br />
Die Fliege ist tot.<br />
Und mir kommt es vor, als sei die Zeit stehen geblieben, als seien alle Ger&#228;usche erstorben, als g&#228;be es kein Leben mehr.</p></blockquote>
<p><small>[zitiert nach <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=remisow&#038;title=teufelchen">Alexej Remisow: <em>Das Teufelchen</em></a>, 1991]</small></p>
<p>In den Verbannungsorten traf man immer auf andere, gleichgesinnte Verbannte und der weitere Weg war im Prinzip vorgezeichnet. Remizov traf u. a. auf <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=nikolaj+berdjaev">Nikolaj Berdjaev</a> und <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=anatolij+lunacarskij">Anatolij Luna&#269;arskij</a>; und er traf auch auf seine sp&#228;tere Frau, die Pal&#228;ografin Serefima Pavlovna Dovgello (*1876, †1943), die ihm zuredete, sich der Schriftstellerei zu widmen. Durch sie geriet er zun&#228;chst einmal vollst&#228;ndig in den Bannkreis der Sozialrevolution&#228;re und Anarchisten. Doch dort sollte er nicht lange bleiben.</p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/10/Remizov.jpg" alt="" title="Aleksej Remizov im Jahr 1909" width="147" height="200" class="alignright size-full wp-image-5780" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aleksej Remizov<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;im Jahr 1909</small></div>
<p><strong>Vom Politaktivisten zum Schriftsteller</strong></p>
<p>1905 erhielt Remizov endlich die Erlaubnis, mit seiner Frau nach St. Petersburg zu ziehen. Das Scheitern der Ersten Russischen Revolution, die er dort miterlebte, lie&#223; ihn verzweifeln und resignieren. Er zog sich endg&#252;ltig von der Politik zur&#252;ck.</p>
<p>In <em>„Emaliol&#8221;</em> (1909), einer der Erz&#228;hlungen &#252;ber seine Verbannung, beschreibt er im Gespr&#228;ch der Figur Chlebnikov mit einem ebenfalls verbannten F&#252;rsten solch einen Wechsel von der Politik zum Schriftsteller:</p>
<blockquote><p>Chlebnikovs Geschichte war einfach. Seit er sich bewusst mit dem Leben auseinandersetzte, mit der Lebensordnung, die ihm auf Schritt und Tritt begegnete, seitdem qu&#228;lte ihn, dass an dieser Ordnung etwas nicht stimmte: Etwas U n w a h r e s und V e r k e h r t e s  haftete dem Leben an. Er versuchte, diese Gedanken zu verdr&#228;ngen, und manchmal gelang das auch, doch dann mahnte ihn umso heftiger und qu&#228;lender eine Stimme, dass man so nicht leben d&#252;rfe, dass man nicht leben d&#252;rfe in Duldung dessen, was u n w a h r ist und v e r k e h r t. Es galt, das Leben zu ver&#228;ndern, in Ordnung zu bringen. Doch wie das Leben ver&#228;ndern? Da boten sich mit einemmal einfache Mittel, sehr einfache und leicht zug&#228;ngliche. Und er lie&#223; alles andere sein und warf sich auf die P o l i t i k. So geriet er in einen wahren Lebensstrudel, die Sache hielt ihn gepackt, und er kam nicht zum Gr&#252;beln. Das war seine beste Zeit, wenn er zur&#252;ckdachte. Nun ja – hinterher ist schlecht rechten –, Freunde wurden geschnappt und verrieten ihn. Das war schon alles.<br />
»Nun, und wie denken sie jetzt?«, fragte der F&#252;rst.<br />
»Ich denke, nicht alles ist so einfach, wie es mir damals vorkam.«<br />
»Und wie werden Sie leben?«<br />
»Das ist ja das Problem. Es ist doch alles recht kompliziert.«</p></blockquote>
<p><small>[zitiert nach <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=remisow&#038;title=teufelchen">Alexej Remisow: <em>Das Teufelchen</em></a>, 1991]</small></p>
<div class="bildlinks"><a href="http://www.zvab.com/profile/41564a.jsp"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/10/Schwestern-im-Kreuz.jpg" alt="Cover Schwestern im Kreuz" title="Die Schwestern im Kreuz" width="133" height="200" class="alignright size-full wp-image-5783" /></a><br /><small><em>Die Schwestern im Kreuz</em><br />
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Antiquariats Ahrens in<br />
Kaarst</small></div>
<p>Remizov wurde sehr schnell in den St. Petersburger Kreis der K&#252;nstler und Schriftsteller aufgenommen. Fortan war er in Gesellschaft von <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=aleksandr+blok">Aleksandr Blok</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=andrej+belyi">Andrej Belyj</a> (mit dem er befreundet war), <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=dmitrij+merezkovskij">Dmitrij Merežkovskij</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ivan+bunin">Ivan Bunin</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=leonid+andreev">Leonid Andreev</a> u. a. zu finden. Es begann die schaffensreichste Phase seines Lebens. Angewidert von der Politik lebte er nur noch in der Welt seiner Gestalten. Es entstanden seine Erz&#228;hlungen &#252;ber die Verbannung wie<em> „Gefangen&#8221;</em>, <em>„Emaliol&#8221;</em> u. a., andere Erz&#228;hlungen wie <em><strong>„Das Teufelchen&#8221;</strong></em> (1909), M&#228;rchen zu Themenkreisen wie „Russische Frauen&#8221; oder „Diebe&#8221; , es entstanden (kleine) Romane wie <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=remizov&#038;title=schwestern+kreuz">Die Schwestern im Kreuz</a></strong></em> oder <em><strong>Die Uhr</strong></em> und Theaterst&#252;cke wie die Trilogie <em><strong>Russalienspiele</strong></em>. Remizov schrieb in dieser Zeit so viel, dass er von 1910 bis 1912 schon eine Werkausgabe in acht B&#228;nden herausgeben konnte.<br />
(Ein ausf&#252;hrlicheres, aber bei Weitem nicht vollst&#228;ndiges Verzeichnis befindet sich am Ende des Textes.)</p>
<p>Remizov liebte zeit seines Lebens das alte, das archaische Russland, was sich auch in seinen M&#228;rchen und Legenden widerspiegelt. So verwundert es nicht, dass er beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges noch einmal patriotisch wurde und in einer russischen Zeitschrift <em>„F&#252;r die heilige Rus. Ges&#228;nge an die Heimaterde&#8221; </em>ver&#246;ffentlichte. Die Februarrevolution 1917 hingegen erschreckte ihn und er schrieb – ebenfalls f&#252;r eine russischen Zeitschrift – die <em>„Worte vom Untergang der russischen Erde&#8221;</em>. </p>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ilja+erenburg">Ilja &#278;renburg</a> zitiert in seinen Erinnerungen <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ehrenburg&#038;title=menschen+jahre">Menschen, Jahre, Leben</a></em> Konstantin Fedin, der 1944 in seinem Buch <em>Gorkij unter uns</em> der Jahre der Revolution gedachte und &#252;ber Remizov schrieb:</p>
<blockquote><p>Untersetzt, irgendwie dem buckligen Pferdchen &#228;hnelnd, rennt mit leicht gekr&#252;mmten Beinen &#252;ber den Newskij-Prospekt ein stachlig hinter seiner Brille hervorlugender Mensch, in M&#228;ntelchen und H&#252;tchen. Er versteckt den gro&#223;en verst&#228;ndigen Nacken hinter dem hochgeklappten Kragen, doch das Kinn und die Lippen reckt er hinaus, und seine hakenf&#246;rmige stattliche Nase bewegt merklich ihre Spitze – sie will sich wohl in das hineinriechen, was aus dem hervorstehenden Munde fliegt.</p></blockquote>
<p>Und &#278;renburg zitiert auch den Schriftsteller <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=vladimir+lidin">Vladimir Lidin</a>, der 1921 &#252;ber Remizov schrieb:</p>
<blockquote><p>Solche Menschlein sind noch nicht ausgestorben: russisch, erdhaft, m&#228;usisch. So lebt er und gedeiht – und Gott gebe ihm noch viele Jahre: dem russl&#228;ndischen Menschlein, das in der Nacht mit der Feder kratzt, in Hunger und K&#228;lte, dem Affenzaren Aleksej Michailowitsch Remisow.</p></blockquote>
<p>Dieses „Menschlein“ ist seinem Russland trotz der Gr&#228;uel der Revolution nach wie vor tief verbunden, die Emigranten bezeichnete es als „Verlorene“. Und doch verlie&#223; Remizov Russland am 7. August 1921 – dem Tag, an dem Aleksandr Blok starb –, um &#252;ber Reval und Prag nach Berlin und dann nach Paris zu emigrieren. Seine Heimat sollte er nie wiedersehen.</p>
<p><strong>Emigrant in Berlin</strong></p>
<p>In Berlin war Remizov  Teil einer illustren Gesellschaft, die Stadt war (wie in <a href="http://blog.zvab.com/2011/10/20/aleksej-michajlovi-remizov-teil-i-cancellarius-des-affenordens/">Teil I dieses Essays</a> beschrieben) zur „zweiten Hauptstadt Russlands“ geworden:</p>
<blockquote><p>Und am Morgen – Fr&#252;hling! – drangen das Sonntagsl&#228;uten von Altmoabit und aus dem Tiergarten die Wolke der austreibenden B&#228;ume und mit dem gr&#252;nen Fr&#252;hlingswehen das tiefe Gel&#228;ute der Ged&#228;chtniskirche zum Fenster herein, und man wusste nicht, ob man in Moskau war oder in Berlin.</p></blockquote>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/10/Lesser_Ury_Siegesallee_mit_Siegess&#228;ule.jpg" alt="" title="Siegesallee vobn Lesser Ury" width="210" height="153" class="alignright size-full wp-image-5802" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Gegend rund um den Berliner<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Tiergarten (hier auf dem Gem&#228;lde<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;<em>Siegesallee </em>von Lesser Ury aus den<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;1920er Jahren) wurde f&#252;r Remizov<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;nicht zur neuen Heimat</small></div>
<p>Den gl&#252;cklichen Worten nach k&#246;nnte man meinen, in Berlin w&#228;re Remizov gl&#252;cklich gewesen. Mitnichten! Dieser Satz in seinem Erinnerungsb&#252;chlein <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=remisow&#038;title=gang+simsen">Gang auf Simsen</a></strong></em> (1929), in dem er &#252;ber die ersten Jahre der Emigration von 1921 bis 1928 schreibt, ist der einzig freundliche &#252;ber Berlin. Er war ungl&#252;cklich in Berlin. Er erlebte die Stadt als kalt und abweisend und &#252;berb&#252;rokratisiert. Von Haus aus ein Eigenbr&#246;tler und wenig kontaktfreudig machte ihm die im Vergleich mit der russischen Mentalit&#228;t k&#252;hle Art der Preu&#223;en schwer zu schaffen. Mit den sogenannten wei&#223;en Emigranten – also jenen, die schon vor, w&#228;hrend und kurz nach der Revolution gefl&#252;chtet waren – verband ihn nichts. Es blieben der Kreis seiner Schriftstellerkollegen und die Berliner Kunstszene.</p>
<p>Stunden-, ja tagelange G&#228;nge von einer Beh&#246;rde zur n&#228;chsten, um die jeweils nur drei Monate g&#252;ltige Aufenthaltserlaubnis zu verl&#228;ngern (bei gleichzeitigem Bangen, ob sie &#252;berhaupt verl&#228;ngert werden w&#252;rde), zehrten an seinen Nerven. Einmal sollte er sogar ausgewiesen werden und konnte nur dank der F&#252;rsprache von Thomas Mann und dem kunstsinnigen sowjetischen Botschafter, der 1936 in den Stalinschen Schauprozessen erschossen wurde, bleiben.</p>
<p>Trotz dr&#252;ckender Alltagssorgen war das Jahr 1922 eines seiner fruchtbarsten: Er publizierte 17 B&#252;cher – Neuauflagen nicht mitgerechnet. Ilja &#278;renburg, der gro&#223;e Chronist dieser Jahre, schreibt in seinen Erinnerungen:</p>
<blockquote><p>Jetzt will ich Remisows gedenken, den ich im Jahr 1922 in Berlin kennenlernte. In einer kleinb&#252;rgerlichen deutschen Wohnung, in einem Zimmer voller fremder M&#246;bel, sa&#223; ein kleiner gebeugter Mann mit einer gro&#223;en neugierigen Nase und lebendigen, schelmischen Augen. Seine Frau Serefima Iwanowna bewirtete die G&#228;ste freundlich mit Tee. Auf dem Schreibtisch sah man Manuskripte, die ein Meister der Sch&#246;nschrift geschrieben, nein: gezeichnet haben musste. An Bindf&#228;den schwankten diverse Papierteufel: hausbackene und b&#246;se, listige und lammfromme. Remisow lachte still vor sich hin. An jenem Tag hatte er ein neues Spielzeug bekommen: Boris Pilnjak, der fantastische Geschichten &#252;ber das Leben in Kolomna [eine Stadt110 km s&#252;d&#246;stlich von Moskau, hmw] zum Besten gab.</p></blockquote>
<p><small>[zitiert nach<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ehrenburg&#038;title=menschen+jahre"> Ilja Ehrenburg: <em>Menschen, Jahre, Leben</em></a>, 1962]</small></p>
<p>Im Jahr 1923 verschlechterte sich durch die Verbesserung der &#246;konomischen Situation in Deutschland die Lage f&#252;r die russischen Emigranten im Besitz von Devisen. Gleichzeitig wurde Deutschland immer national- bis nationalsozialistischer. Die gro&#223;e russische Emigrantenwelle zog weiter nach Paris – und die ersten Emigranten begannen, ihren Frieden mit der neuen Sowjetunion zu machen.<br />
Auch Remizov zog mit seiner Frau weiter nach Paris.</p>
<p><strong>Die Jahre in Paris</strong></p>
<p>Remizov arbeitete weiter wie besessen, aber die Zeit war &#252;ber ihn hinweggeschritten: Er fand keine Verleger mehr und gab seine B&#252;cher mit m&#252;hsam verdientem oder erbetteltem Geld im Selbstverlag heraus. Er musste Hunderte seiner kostbaren handschriftlichen Alben mit Zeichnungen zu seinen eigenen Texten und zu Werken ber&#252;hmter Schriftstellerkollegen (<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ivan+turgenev">Turgenev</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=fedor+dostoevskij">Dostoevskij</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=anton+cechov">&#268;echov </a>u. a.) verkaufen, und seine Frau unterrichtete an einer Schule Pal&#228;ografie, damit sie wenigstens ihr Leben fristen konnten.<br />
Von allen politischen Lagern hielt er sich fern – was ihm &#196;rger und Verd&#228;chtigungen von allen Seiten einbrachte. Die Liebe zu „seinem“ Russland war so gro&#223;, dass er nach dem Tod seiner Frau sogar die sowjetische Staatsb&#252;rgerschaft annahm, was ihn in Emigrantenkreisen endg&#252;ltig desavouierte. Ilja &#278;renburg – l&#228;ngst ein arrivierter sowjetischer Schriftsteller – besuchte ihn 1946 in Paris:</p>
<blockquote><p>Ich hatte ihn zwanzig Jahre nicht gesehen. Muss man diese Jahre rekapitulieren? Auch Remisow erlebte viel Schweres. W&#228;hrend der deutschen Besatzung litt er Hunger, K&#228;lte und Not. Im Jahr 1943 starb Serefima Iwanowna. Ich sah einen tief gebeugten Greis. Er lebte allein und vergessen, lebte in ewiger Not. Doch immer noch leuchtete das gleiche schelmische Fl&#228;mmchen in seinen Augen und immer noch kreisten die gleichen Teufel durchs Zimmer und immer noch schrieb er die gleiche Sprache; notierte Tr&#228;ume, verfasste Briefe an seine tote Frau, arbeitete an B&#252;chern, die niemand drucken wollte.</p></blockquote>
<p><small>[zitiert nach<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ehrenburg&#038;title=menschen+jahre"> Ilja Ehrenburg:<em> Menschen, Jahre, Leben</em></a>, 1962]</small></p>
<p>Am 26. November 1957 starb Remizov in Paris, erblindet und v&#246;llig vereinsamt, denn nachdem Frankreich immer prosowjetischer geworden war, war auch die russische Emigrantenwelle weitergerollt: nach Amerika oder zur&#252;ck in die „Heimat“ (vgl. hierzu den <a href="http://blog.zvab.com/2007/10/15/nina-nikolajewna-berberowa/">Essay zu Nina Berberova</a>). </p>
<p>Remizov war eine der genialsten und zugleich tragischsten Gestalten der an tragischen Gestalten so reichen Geschichte Russlands. Die Politik hatte ihn &#252;berrollt und die Literatur war &#252;ber ihn hinweggeschritten. Doch ihn focht das nicht an: Er lebte, was er schrieb, er war <strong>der </strong>russische Symbolist.<br />
<strong><br />
Remizovs literarisches Universum</strong></p>
<p>Hier ist nicht der Ort einer literaturwissenschaftlichen Betrachtung von Remizovs Schaffen, in diesem Zusammenhang sei auf <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebert&#038;title=symbolismus+russland">Christa Eberts <em>Symbolismus in Ru&#223;land – Zur Romanprosa Sologubs, Remisows, Belys</em></a> (1988) verwiesen. Ebenso wenig k&#246;nnen seine Werke im Detail besprochen werden – er hat 83 B&#252;cher mit Hunderten von Einzelerz&#228;hlungen geschrieben. Im Literaturkasten am Ende dieses Texts sind einige Ausgaben seiner Werke aufgef&#252;hrt, die exemplarisch f&#252;r sein Schaffen stehen. Nur eine Auswahl seiner Werke ist &#252;berhaupt  in deutscher Sprache erschienen, eine &#220;bersicht &#252;ber diese Werke gibt das Slavistik-Portal <a href="http://www.slavistik-portal.de/datenpool/russgus-db.html?pageNum=0&#038;sw=Remizov,%20A.M.">RussGuss</a>, eine Bibliografie in russischer Sprache finden Sie in der <a href=" http://ru.wikipedia.org/wiki/Библиография_Алексея_Ремизова">russischen Wikipedia</a>.<br />
Hier kann es nur darum gehen, einige wesentliche Merkmale seines Schaffens aufzuzeigen.</p>
<p>Remizov sagte von sich selbst:</p>
<blockquote><p>Mein Schaffen gr&#252;ndet auf dem Lied und auf dem Gebet. Erz&#228;hlen kann ich nur Novellen (&#8230;), das Epos liegt mir nicht. Ich bin kein Romanschriftsteller (&#8230;). Ich habe keine Begabung f&#252;r Folgerichtigkeit, ich zerst&#252;ckle alles.</p></blockquote>
<p>An anderer Stelle hei&#223;t es:</p>
<blockquote><p>Alles auf der Welt wird durch das Wort, durch die Kombination von W&#246;rtern ausgedr&#252;ckt. Die Welt ist ein W&#246;rterbuch. Und wie sehr ich mich an den W&#246;rtern freue. Die W&#246;rter r&#252;hren mich &#8211; ich sp&#252;re ihren Blick, ihren H&#228;ndedruck. Mich kann man mit einem Wort zerkratzen und verf&#252;hren.
</p></blockquote>
<p>Und an nochmal anderer Stelle:</p>
<blockquote><p>Ich liebe alles, was nicht „real“ ist, Beschreibungen des „realen“ Lebens sind f&#252;r mich wie Kartoffelschalen oder Schreib&#252;bungen.</p></blockquote>
<p><small>[zitiert nach <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=remizov&#038;title=goldene+kaftan">Alexej Remisow: <em>Der goldene Kaftan und andere russische M&#228;rchen</em></a>, 1981]</small></p>
<p>Der Schriftsteller Gleb Alekseev schlie&#223;lich schreibt 1923 &#252;ber Remizov:</p>
<blockquote><p>Das Wort ist f&#252;r Remisow Selbstzweck. Es ist lebendig, bewegt sich. Kleine M&#228;nnchen bewegen sich &#252;ber den Schreibtisch, er kommandiert sie, formiert Zahlenreihen und Armeen von B&#252;chern.</p></blockquote>
<p><small>[zitiert nach <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebert&#038;title=symbolismus+russland">Christa Ebert: <em>Symbolismus in Ru&#223;land – Zur Romanprosa Sologubs, Remisows, Belys</em></a>, 1988]</small></p>
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<a href="http://www.zvab.com/profile/29323l.jsp"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/10/Illustration-Prinzessin-Myrma.jpg" alt="" title="Illustration aus Remizovs Prinzessin Mymra" width="135" height="200" class="alignright size-full wp-image-5788" /></a><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Illustration aus der ersten<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;deutschsprachigen Ausgabe<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;von <em>Prinzessin Myrma</em> aus<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;im Sortiment des Versand-<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;antiquariats Hans-J&#252;rgen<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Lange</small></div>
<p>Remizovs Werk besteht aus M&#228;rchen, Erinne- rungen, Tagebuchaufzeichnungen, niedergeschriebenen Tr&#228;umen, Legenden, kleinen Romanen, Mysterienspielen und Skizzen. Seine ersten kleinen Romane, M&#228;rchen und Novellen (z. B. <em>Die Uhr</em>, <em>Der Teich</em>, <em>Schwestern im Kreuz</em>, <em>Das Teufelchen</em>, <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=remizov&#038;title=mymra">Prinzessin Mymra</a></strong></em>) sind durchaus noch von der realistischen Erz&#228;hlmanier (Dostoevskij, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=nikolaj+gogol">Gogol</a>, u. a.) beeinflusst, vor allem die, die von seiner Verbannung handeln, aber auch einige M&#228;rchen.<br />
Mit der Zeit aber &#252;berspringt Remizov in seiner Literatur zunehmend die Grenzen der Genres, wechselt in ein und demselben Werk nahtlos von einem ins andere. Man erwartet ein zielloses Durcheinander, aber die &#220;berg&#228;nge sind harmonisch. Er flicht z. B. Tr&#228;ume in seine Erz&#228;hlungen ein – und das nicht zielgerichtet, so wie Remizov anders als die Generationen russischer Schriftsteller vor ihm &#252;berhaupt kein (vordergr&#252;ndiges) Ziel verfolgt. Er will nichts erreichen mit seinem Schreiben. Er will lediglich zeigen, wie es ihm mit all dem, das ihn umgibt, geht – dass er aber genau damit zumindest bei nachdenkenden Menschen etwas erreicht, steht auf einem anderen Blatt.<br />
Es l&#228;uft darauf hinaus, dass Remizov ein Gesamtkunstwerk schafft, vergleichbar einer musikalischen Komposition. Er bringt Farbe (Ausdruckskraft) in sein Schreiben, indem er mit Worten und Wortzusammensetzungen spielt, neue Wortbedeutungen findet und nicht zuletzt „dem Volke auf’s Maul schaut“ – also das russische „skaz“ verwendet, das von Gogol „entdeckt“ und von Leskov perfektioniert wurde. </p>
<p>Ein gutes Beispiel f&#252;r ein solches Gesamtkunstwerk sind seine Erinnerungen <em>Gang auf Simsen</em> (1928). Die Erz&#228;hlung l&#228;uft nicht auf einen H&#246;hepunkt zu; man gleitet in Remizovs Gedankenwelt dahin wie in einem Musikst&#252;ck.<br />
Es ist schwierig, diese Losgel&#246;stheit heute, in einer Zeit, in der alles (auch in der Literatur) auf Zweck und Ziel ausgerichtet ist,  zu beschreiben. Man muss sich darauf einlassen – dann wird man von Remizovs Werken auch ergriffen.</p>
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<h3>Literatur:</h3>
<p><strong>Werke von Aleksej Remizov, die exemplarisch f&#252;r sein Schaffen stehen:</strong></p>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=remisow&#038;title=teufelchen">Alexej Remisow: <em>Das Teufelchen</em></a>, Erz&#228;hlungen und ein Roman, &#252;bersetzt von Waltraud Ahrndt und Eckhard Thiele, Nachwort von Christa Ebert. Berlin: Aufbau Verlag, 1991<br />
<em>(Inhalt: Gefangen, Die silbernen L&#246;ffel, Heiligabend, Das Teufelchen, Emaliol, Der unverw&#252;stliche Schelm, Schwestern im Kreuz)</em></p>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=remisow&#038;title=goldene+kaftan">Alexej Remisow: <em>Der goldene Kaftan und andere russische M&#228;rchen</em></a>, &#252;bersetzt und mit Nachwort von Ilma Rakusa, 8 Farbtafeln. Z&#252;rcih: Manesse Verlag, 1981<br />
<em>(Inhalt: Russische Frauen – Die Erkorene, Die Ersehnte, Die Verurteilte, Die R&#252;hrselige, Die Verlorene, Die Sch&#252;chterne, Die Verleumdete, Die Verzweifelte, Die Widerspenstige, Die Schlimme, Die Br&#252;derliche, Die Freundinnen, Die sch&#246;ne Fichte, Die Gevatterin, Die Wahrsagerin, Die Herzliche, Die Raterin, Die Scharfsinnige; K&#246;nig Salomo und K&#246;nig Goroskat – K&#246;nig Salomo, K&#246;nig Goroskat; Diebe – Diebe, R&#228;uber, Gauner, Hundeschweif, Der Dieb Barma, Der Dieb Mamyka ; Herren – Der Waldschrat, Der Wassermann, Der Teufel, Der schreckliche Knochenmann, Der Vampir, Der Tote; Weltliche R&#228;tsel – Der Streit, Ein Fetzen Birkenrinde, Um des Schafes willen, Das Kirchengel&#228;ut, Der goldene Kaftan, Die fremde Schuld, Der ersehnte Gast, Das Osterfeuer, Die Fischk&#246;pfe, Die Eselsohren, Das Mausjunge, Der L&#246;we, Die ungl&#252;ckliche Not; Scherzhafte Geschichten – Der Skomoroch, Der Heldenhund, Der Flieger, Der Mann als B&#228;r, Die wunderbaren Schuhe, Die gierigen Finger, Der Himmel ist runtergefallen, Der B&#228;renf&#252;hrer)</em></p>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=remisow&#038;title=geraeusche+stadt">Alexej Remisow: <em>Die Ger&#228;usche der Stadt</em></a>, &#252;bersetzt und mit einem Nachwort von Ilma Rakusa, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1996<br />
<em>Inhalt: Hungerlied; Zeitgen&#246;ssische Legenden – Funken, Die Hand des T&#228;ufers, Der kleine Reliquienschrein, Ein reines Herz, Sterne, Der vierte Kreis, Weihnacht, Nachodka, Die Stra&#223;enbande, Das Licht des Wortes, Z&#228;une; Siebentagebuch – Die beiden Starzen, Die Schlange, Panna Maria, Der gute Lehrer, Der ehrw&#252;rdige Fuchs, Verschieden, Die Kreuzchen, Ein nicht t&#246;dliches Leben, Malwina, Das Fr&#228;ulein von Kresty; Beseelte Gegenst&#228;nde – Die T&#252;rklinke, Die Trambahn; M&#228;rchen – Salzl&#252;stern, Ein Schluck Kwass, Der Zimmermann Jefim, Der Fund)</em></p>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=remisow&#038;title=gang+simsen">Alexej Remisow: <em>Gang auf Simsen</em></a>, &#252;bersetzt von Annelore Nitschke, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1991<br />
<em>(Inhalt: Simse – Esprit, La matière, Unser Schicksal; Biku)</em></p>
<p><strong>Weiterf&#252;hrende Literatur:</strong></p>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=duewel+grasshoff&#038;title=geschichte+russischen+literatur">Wolf D&#252;wel, Helmut Grasshoff (Hrsg.): <em>Geschichte der russischen Literatur von den Anf&#228;ngen bis 1917</em></a>. Berlin: Aufbau-Verlag, 1986<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebert&#038;title=symbolismus+romanprosa">Christa Ebert: <em>Symbolismus in Ru&#223;land – Zur Romanprosa Sologubs, Remisows, Belys</em></a>. Berlin: Akademie-Verlag, 1988<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ehrenburg&#038;title=menschen+jahre">Ilja Ehrenburg: <em>Menschen, Jahre, Leben, B&#228;nde 1 und 2</em></a>. M&#252;nchen: Kindler Verlag, 1962<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=eliasberg&#038;title=russische+literaturgeschichte+einzelportraets">Alexander Eliasberg: <em>Russische Literaturgeschichte in Einzelportr&#228;ts</em></a>. M&#252;nchen: C.H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, Oskar Beck M&#252;nchen, 1922<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lauer&#038;title=geschichte+russischen+gegenwart">Reinhard Lauer: <em>Geschichte der russischen Literatur – von 1700 bis zur Gegenwart</em></a>. M&#252;nchen: C.H. Beck Verlag, 2000<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=luther&#038;title=geschichte+russischen+literatur">Arthur Luther: <em>Geschichte der Russischen Literatur</em></a>. Leipzig: Bibliographisches Institut, 1924<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mierau&#038;title=adam+geschichten+russland">Fritz Mierau (Hrsg.): <em>Adam – Exzentrische Geschichten aus Ru&#223;land 1906–1937</em></a>. Leipzig: Reclam, 1993<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mierau&#038;title=russen+berlin+begegnung">Fritz Mierau: <em>Russen in Berlin 1918–1933, eine kulturelle Begegnung</em></a>. Weinheim, Berlin: Quadriga Verlag, 1988<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=urban&#038;title=russische+schriftsteller+berlin">Thomas Urban: <em>Russische Schriftsteller im Berlin der zwanziger Jahre</em></a>. Berlin: Nicolaische Verlagsbuchhandlung, 2003
</div>
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		<title>Frau im Licht</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Oct 2011 12:17:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaromir Konecny</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#160;&#160;&#160;Vladimír Birgus&#8217; R&#252;ckschau &#160;&#160;&#160;auf Drtikols Werk und Leben &#160;&#160;&#160;(aus dem Sortiment des An- &#160;&#160;&#160;tiquariats Bernhard, Berlin) Das Schaffen des ersten tschechischen Fotografen von weltweiter Bedeutung, František Drtikol, begann sich vor dem Ersten Weltkrieg zu entwickeln. … Durch wohldurchdachten Einsatz des Lichts und manchmal auch durch leichte Unsch&#228;rfe schuf er aus den Modellen fast unreale Traumgestalten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts"><a href="http://www.zvab.com/profile/c21700.jsp"><img class="alignright size-full wp-image-5683" title="Fotograf František Drtikol" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/10/drtikol_biografie.jpg" alt="" width="141" height="200" /></a><br />
<small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vladimír Birgus&#8217; R&#252;ckschau<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;auf Drtikols Werk und Leben<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;(aus dem Sortiment des An-<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;tiquariats Bernhard, Berlin)</small></div>
<blockquote><p>Das Schaffen des ersten tschechischen Fotografen von weltweiter Bedeutung, František Drtikol, begann sich vor dem Ersten Weltkrieg zu entwickeln. … Durch wohldurchdachten Einsatz des Lichts und manchmal auch durch leichte Unsch&#228;rfe schuf er aus den Modellen fast unreale Traumgestalten, indem er au&#223;er dem Ideal der Sch&#246;nheit auch die symbolische Aussage unterstrich. … Drtikols Akte waren f&#252;r ihre Zeit sehr k&#252;hn und zeigten den nackten K&#246;rper in seiner Nat&#252;rlichkeit und Sch&#246;nheit.</p></blockquote>
<p><small>[<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=birgus&amp;title=tschechische+avantgarde">Vladimír Birgus: <em>Tschechische Avantgarde-Fotografie</em></a>]</small></p>
<blockquote><p>Der Schatten spielt eine v&#246;llig selbst&#228;ndige Rolle, besonders beim F&#252;llen einer Fl&#228;che; er haucht Leben ein, betont, ist genauso wichtig wie die Sache selbst.</p></blockquote>
<p><small>[<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=drtikol&amp;title=augen+weit">František Drtikol:<em> Augen weit ge&#246;ffnet</em></a>]</small></p>
<blockquote><p>In einem der K&#228;fige wurde ein riesiger B&#228;r gehalten und gezeigt. Der Anblick dieses Tieres, das der kleine František zum ersten Mal im Leben sah, hat ihn unbegreiflich erregt und gereizt. Er versuchte sogar – durch einen inneren Trieb dazu gebracht – es mit einer Axt anzugreifen, was ganz seinem milden Charakter widersprach. … Die wahrscheinliche Erkl&#228;rung kann man erst in den Erinnerungen von Rostislav Obsnajdr finden, dem Drtikol am Ende seines Lebens erz&#228;hlte, dass er in einem seiner fr&#252;heren Leben in Russland gelebt habe und infolge von Verletzungen gestorben sei, die ihm durch einen B&#228;ren zugef&#252;gt worden seien.</p></blockquote>
<p><small>[Karel Funk: <em>Der Mystiker und Lehrer František Drtikol</em>]</small><span id="more-5625"></span></p>
<p>Schon der Name unseres Aufenthaltsortes in Prag zeugte von kultureller Inflation: Das Hotel hie&#223; Kafka. Frustriert sichteten Christof und ich unsere Buchausbeute von der Prager Antiquariatsmesse. Quantitativ gesehen gar nicht so &#252;bel: Etwa 40 B&#228;nde des Jahrbuches <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=ceskoslovenska+fotografie">&#268;eskoslovenská fotografie</a></em> (Tschechoslowakische Fotografie) aus den 1930er Jahren, eine Menge von Nachkriegsmonografien tschechischer Fotografen – manche der Titel dreimal  –, doch den gr&#246;&#223;ten Stapel bildete das ber&#252;hmte Werkverzeichnis <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=sudek+fotografie">Josef Sudek: Fotografie</a></em> von Lubomír Linhart. Zw&#246;lf Exemplare desselben Buches!<br />
„Ich bin Antiquar geworden, um Abenteuer auf der Suche nach h&#252;bschen alten B&#252;chern zu erleben“, sagte ich zu meinem Kumpel Christof Gr&#246;&#223;l, der in unserem frisch gegr&#252;ndeten Abeceda-Antiquariat auch meinen Gesch&#228;ftspartner spielte. „Doch schon am Anfang meiner Karriere komme ich mir statt wie ein Antiquar wie ein Metzger vor: zehn Kilo Sudek!“<br />
„Der Sudek-Boom wird nicht lange anhalten“, sagte Christof. „Das Buch ist vor vierzig Jahren in einer Auflage von f&#252;nfzehntausend Exemplaren erschienen. So viele Fotobuchsammler gibt’s im ganzen Universum nicht. Bald sacken die Preise ab und wir haben unsere Ruhe. Jetzt k&#246;nnen wir den Kunden aber nicht erz&#228;hlen, dass wir keinen Sudek haben. Wir sind doch die Spezialisten f&#252;r tschechische Avantgardefotografie!“ Er holte aus der vollen Bananenkiste drei Exemplare einer vor ein paar Jahren erschienen Monografie &#252;ber <strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=frantisek+drtikol">František Drtikol</a></strong> und packte sie in Zeitungspapier ein. „Drtikols <em>Frau im Licht</em> m&#246;chte ich schon haben!“<br />
„<em>Frau im Licht</em>?“ Als Anf&#228;nger im Antiquariatsgesch&#228;ft f&#252;hlte ich mich durch Christofs Kenntnisse der tschechischen Moderne etwas &#252;berfordert. Ich war doch der Tscheche hier, verdammt!<br />
„Drtikols einziges Buch! Noch zu seinen Lebzeiten erschienen – 1939! Darin sind seine besten Aktfotos versammelt. Sehr selten! Sehr teuer! Noch dazu mit dem Schutzumschlag… hmm…“<br />
„Warum gibt’s nur ein Buch von ihm?“<br />
„Drtikol hat Mitte 30er mit dem Fotografieren aufgeh&#246;rt. Als er als Fotograf von Weltrang schon richtig ber&#252;hmt war. Er hat angefangen, esoterische Bilder zu malen. In der Nachkriegstschechoslowakei war er Kommunist, Buddhist und spiritueller F&#252;hrer!“<br />
„Siehst du!“, sagte ich voller Stolz. „So was hat’s bei uns auch gegeben! Gehen wir Bier trinken?“<br />
„Was sonst? Wir sind doch in Prag!“</p>
<div class="bildlinks"><a href="http://www.zvab.com/profile/t1100v.jsp"><img class="alignright size-full wp-image-5701" title="Potfolio mit Werken Drtikols" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/10/drtikol-portfolio.jpg" alt="" width="200" height="143" /></a><br />
<small>Drtikol-Portfolio mit f&#252;nf Drucken von<br />
Originalnegativen (aus dem Sortiment<br />
des Antiquariats Valentinská, Prag)</small></div>
<p>Am n&#228;chsten Tag streunten wir schon durch die Antiquariate im nordm&#228;hri- schen Ostrava. Doch Sch&#228;tze lagen wohl anderswo vergraben. Gar nichts haben wir gekauft. „Ruf Hrobnik an!“, sagte Christof. „Nee!“, sagte ich. „Da mag ich nicht hin!“<br />
Hrobnik war ein Antiquit&#228;tenh&#228;ndler im Altvatergebirge, der uns letztes Mal beim St&#246;bern in seinem Laden seine sch&#246;n dralle Tochter Nadja vor die Nase gesetzt hatte, um uns zu verwirren. Licht und Schatten im Busental! Wer konnte bei diesem Anblick schon g‘scheit die Druckb&#246;gen und die Tafeln z&#228;hlen? Zwei Stunden lang haben wir mit Hrobnik um eine Kochbuchhandschrift aus dem 18. Jahrhundert gek&#228;mpft und den Kampf schlie&#223;lich verloren. Mit diesem prallen Leben konnten nicht einmal Drtikols sch&#246;ne Aktdamen konkurrieren. Wir zahlten zweimal mehr, als wir wollten, um nicht mehr in Nadjas Ausschnitt glotzen zu m&#252;ssen, und fl&#252;chteten.<br />
„Ruf ihn an!“, sagte Christof, und ich rief an. Was blieb mir auch anderes &#252;brig? Wir mussten ja noch eine Menge sch&#246;ne B&#252;cher kaufen.<br />
Der Ankauf bei Hrobnik war noch schlimmer als letztes Mal. Von Nadjas Kleid gar nicht zu reden. Wieder und wieder schleppte sie deutschsprachige B&#252;cher in den Empfangsraum, alte Drucke, billige und unvollst&#228;ndige Ausgaben von <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=friedrich+schiller">Schiller</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=johann+wolfgang+goethe">Goethe </a>und <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=gustav+freytag">Gustav Freytag</a>, Nazischrott und Zigarettenbilderalben. Baedeker und B&#252;cher von <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=karl+may">Karl May</a>, Militaria-Prachtausgaben, Ortsgeschichten aus B&#246;hmen, M&#228;hren und Schlesien – Schrott und Seltenes. Wir kollationierten, z&#228;hlten Seiten und Tafeln, w&#228;hlten B&#252;cher aus und legten sie nach einer kurzen Schlacht wieder zur&#252;ck, weil Hrobnik auf einem Preis bestand, f&#252;r den man die halbe Bibliothek von Alexandria h&#228;tte kaufen k&#246;nnen. Ohne eine Spur von Ahnung von seinen B&#252;chern zu zeigen. Als wir uns spa&#223;eshalber ein <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=wilhelm+busch">Wilhelm-Busch</a>-Album krallten, das in jeder deutschen Antiquariatsw&#252;hlkiste f&#252;r damals eine Mark zu haben war, sagte Hrobnik ganz cremig 600 Mark und guckte mit seinem Pokergesicht zu, wie wir das billige Busch-Album erleichtert Nadja zur&#252;ckgaben. Nur sie lachte die ganze Zeit entz&#252;ckt, sichtlich durch die Summen beeindruckt, die durch die Luft flogen. Sie lief mit schweren Folianten hin und her und schwitzte, bis durch ihr tiefes Busental ein kleiner Fluss str&#246;mte.<br />
Nach ein paar Stunden hockten wir ersch&#246;pft da, ohne ein einziges Buch gekauft zu haben und glotzten ins Nadjas Flusstal – nur noch wegschwimmen wollten wir! Weg sein! Vor einem Schweinebraten hocken, an einem Tisch geschm&#252;ckt mit Bierblumen in ihren Vasen. „Ich h&#228;tte da noch ein Foto von Drtikol“, sagte Hrobnik. Stille! Er machte die Schreibtischschublade auf: Eine Nackte in Drtikols typischem geometrischen Spiel von Licht und Schatten.<br />
„Woher wissen Sie, dass das ein Drtikol ist?“, fragte Christof und drehte das Foto um. Kein Stempel, keine Signatur.<br />
„Ich kenn’ mich aus!“, sagte Hrobnik, und diese Aussage war sicher Grund genug, von dem Foto die Finger zu lassen.<br />
„Damals hat’s eine Menge Fotografen gegeben, die wie Drtikol fotografieren wollten“, sagte Christof. „Von F&#228;lschungen gar nicht zu reden!“<br />
„F&#252;nftausend!“, sagte Hrobnik.<br />
„D-Mark?“, fragten wir. Nicht mehr erstaunt.<br />
Hrobnik &#252;berlegte kurz, l&#228;chelte endlich, machte den Mund auf und sagte: „Nee! Nur Kronen!“<br />
„Lass das!“, sagte ich zu Christof. Der bl&#228;tterte Hrobnik wortlos den Betrag in D-Mark hin: 400 DM. „Spinnst du?“, fragte ich. „Ich muss hier unbedingt raus und einen Kuchen essen“, sagte er auf Deutsch. Hrobnik l&#228;chelte.<br />
„Ein Kuchen f&#252;r vierhundert Mark wird uns sicher schmecken“, sagte ich.<br />
„Das Foto ist sehr h&#252;bsch“, sagte Christof.<br />
„Mensch!“, sagte ich. „Wir sind doch keine &#196;stheten!“<br />
„Ich schon!“<br />
„Wir sind Antiquare! Wir m&#252;ssen Geld verdienen, nicht ausgeben! Kennst du das Foto?“<br />
„Nee!“<br />
Ich seufzte. „Dann ist es kein Drtikol! Du hast doch sicher alle Fotos von ihm gesehen, wie ich dich kenne, oder?“<br />
„Vielleicht nicht ganz alle.“ Ich konnte nur den Kopf sch&#252;tteln. So w&#252;rden wir bald pleitegehen.<br />
„Auf Wiedersehen!“, sagte Nadja.</p>
<div class="bildlinks"><a href="http://www.zvab.com/profile/f24103.jsp"><img class="alignright size-full wp-image-5639" title="Žena ve sv&#277;tle - Frau im Licht" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/10/IMGP6413.jpg" alt="" width="152" height="210" /></a><br />
<small>Žena ve sv&#277;tle &#8211; Frau im Licht<br />
(aus dem Sortiment des<br />
Antiquariats Arco, Prag)</small></div>
<p>Auch am n&#228;chsten Tag schien sich unsere Pechankaufstour fortzusetzen: Kein seltenes Buch weit und breit. Ich w&#252;hlte mich durch Tausende von billigen B&#228;nden in einem m&#228;hri- schen Antiquariat und schimpfte im Geiste &#252;ber Christof, der statt zu arbeiten sein &#252;bliches Schw&#228;tzchen in seinem Intschu-tschuna-Tschechisch mit der Antiquarin an der Theke hielt. Die Tschechin schien seinen deutschen Akzent zu genie&#223;en. Huch! Pl&#246;tzlich halte ich <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=biermann+aenne&amp;title=60+fotos">60 Fotos</a></em> von <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=aenne+biermann">Aenne Bierman</a> in der Hand, den zweiten Fototek-Band von <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=franz+roh">Franz Roh</a> aus dem Jahr 1930. Hmm… 240 Kronen. Die Pechstr&#228;hne vorbei! Stolz blicke ich zu Christof. Doch Christof steht pl&#246;tzlich dicht vor mir: „Nehmen wir das?“ Er h&#228;lt mir einen d&#252;nnen Band hin. Auf dem Umschlag ein wundersch&#246;nes Foto einer halbnackten Frau, gelb eingerahmt: <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=drtikol&amp;title=zena">Žena ve sv&#277;tle – Frau im Licht</a></strong></em>! Der Preis viel happiger als der f&#252;r meine Biermann, aber was soll’s? Wir bl&#228;tterten der Antiquarin unsere letzten Scheine hin, und f&#252;r das verbliebene Kleingeld gingen wir wieder Kuchen essen. Biermann lag zwar auch in meinem Rucksack, war aber von dem Drtikol-Buch ganz sch&#246;n in den Hintergrund gedr&#228;ngt worden. Kein W&#246;rtchen des Lobs von Christof f&#252;r meinen gro&#223;artigen Fund. Wieder mal schlechtes Timing bei mir.<br />
„Ich wollt’s mir gerade angucken“, sagte ich am Abend in unserem Hotelzimmer in Ostrava. Christof lag auf seinem Bett und bl&#228;tterte in Drtikols Buch.<br />
„Ich hab’s auch noch nie in der Hand gehalten“, sagte er. „Guck dir das Drtikol-Foto von Hrobnik an!“<br />
„Deine Drtikol-F&#228;lschung?“, fragte ich. „Mann, oh, Mann! Die Frau im Licht freut mich auch. Dass du aber f&#252;r das Foto, f&#252;r diesen Pseudo-Drtikol, Geld ausgeben musstest! 400 Mark!“<br />
„Das Foto ist ab genau dieser Sekunde ein bissl mehr Wert!“, sagte Christof.<br />
„Was?“<br />
„Schau!“ Ich kam an sein Bett. Christof hielt mir das aufgeschlagene Buch von Drtikol hin: zwei Fototafeln. Auf der linken war unser Foto abgebildet, das Christof bei Hrobnik f&#252;r mickrige 400 Mark gekauft hatte. „Da hast du deinen Drtikol-Nachweis! Direkt in Drtikols Buch!“<br />
„Du bist ein Genie!“, sagte ich.<br />
„Wei&#223; ich doch!“, sagte Christof.<br />
„Gehen wir Bier trinken?“<br />
„Na, klar!“, sagte Christof. „Was willst du in Tschechien sonst tun?“</p>
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		<item>
		<title>Aleksej Michajlovič Remizov – Teil I: Cancellarius des Affenordens</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Oct 2011 07:44:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hanns-Martin Wietek</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Russlands romantische Revolutionäre]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Februarrevolution]]></category>
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		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Symbolismus]]></category>

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		<description><![CDATA[&#160; &#160;Nikolaus II. (Gem&#228;lde von E. Liphart) Russlands Weg in die Katastrophe Mit der Wende zum 20. Jahrhundert begann f&#252;r Russland die schrecklichste Zeit seiner Geschichte. 1894 folgte Nikolaus II. seinem Vater Alexander III. auf dem Thron. Er f&#252;hrte die erzkonservative Politik seines Vaters und dessen radikalkonservativen Bera- ters Pobedonoszev nahtlos fort; er war ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts"><img class="alignright size-full wp-image-5538" title="Nikolaus II Gem&#228;lde von Lipgart" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/09/Nikolaus-II-Gem&#228;lde-von-Lipgart.jpg" alt="" width="114" height="170" /><br />
<small>&nbsp; &nbsp;Nikolaus II.<br />
(Gem&#228;lde von E. Liphart)</small></div>
<p><strong>Russlands Weg in die Katastrophe</strong><br />
Mit der Wende zum 20. Jahrhundert begann f&#252;r Russland die schrecklichste Zeit seiner Geschichte.<br />
1894 folgte Nikolaus II. seinem Vater Alexander III. auf dem Thron. Er f&#252;hrte die erzkonservative Politik seines Vaters und dessen radikalkonservativen Bera- ters Pobedonoszev nahtlos fort; er war ein autokra- tischer Herrscher von Gottes Gnaden – Reformen oder gar Demokratie waren ihm ein Gr&#228;uel, wie er schon bei der Thron&#252;bernahme in einer Rede verlauten lie&#223;.<br />
<span id="more-5533"></span><br />
Die versp&#228;tete fr&#252;hkapitalistische Industrialisierung unter seinem Vater – im Westen hatte sie schon Jahrzehnte fr&#252;her stattgefunden – hatte riesige soziale Kl&#252;fte entstehen lassen, Russland glich einem Pulverfass. Das Aufbegehren der unteren Klassen wurde r&#252;cksichtslos niedergeb&#252;gelt. Russland wurde im Russisch-Japanischen Krieg vernichtend geschlagen, was das Elend der einfachen Leute noch vergr&#246;&#223;erte, und auf den „Petersburger Blutsonntag“ – die gewaltsame Niederschlagung einer Massenkundgebung –  im Januar 1905 folgte die erste Russische Revolution mit Streiks, Morden und Meutereien. Im Oktober desselben Jahres machte Nikolaus II. politische Zugest&#228;ndnisse, die die Lage zun&#228;chst beruhigten; diese Zugest&#228;ndnisse wurden jedoch sehr bald wieder „neutralisiert“. Der Erste Weltkrieg begann und Russland leistete einen ungeheuren Blutzoll, nicht zuletzt wegen der v&#246;llig inkompetenten Heeresleitung mit Nikolaus II. an der Spitze. Die Leidtragenden waren wieder die einfachen Menschen, die in Scharen vom Milit&#228;r davonliefen und sich den Revolution&#228;ren anschlossen.</p>
<div class="bildlinks"><img class="alignright size-full wp-image-5539" title="Petersburger Blutsonntag" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/09/Petersburger-Blutsonntag.jpg" alt="" width="167" height="210" /><br />
<small>Petersburger Blutsonntag</small></div>
<p>Es folgten die Februarrevolution von 1917 mit der Abdankung von Nikolaus II. und im Oktober der Putsch der Bolschewiki gegen die &#220;bergangsregierung unter Aleksandr F&#235;dorovi&#269; Kerenskij, der als die gro&#223;e Oktoberrevolution in die Geschichte einging. Das darauf folgende B&#252;rgerkriegsgemetzel stie&#223; selbst Revolution&#228;re wie Gorkij ab, und wer konnte, der fl&#252;chtete ins Ausland – so auch die gesamte Intelligenzija.</p>
<p>Erste Anlaufpunkte der Exilanten waren Berlin und Paris. In Berlin lie&#223; es sich f&#252;r Devisenbesitzer, wie es die Fl&#252;chtlinge gr&#246;&#223;tenteils waren, aufgrund der galoppierenden Inflation in Deutschland bis 1923 besonders gut leben. Gro&#223;-Berlin hatte 1920 ca. 3,8 Millionen Einwohner, und ca. 400.000 Russen lebten hier. Deutsche bezeichneten Berlin damals als „die zweite Hauptstadt Russlands“  und in den Bezirken Wilmersdorf, Charlottenburg, Sch&#246;neberg und Tiergarten, wo sich die Russen fast ausschlie&#223;lich niedergelassen hatten, fand sich in manchem Schaufenster ein Schild mit der Aufschrift „Man spricht auch deutsch“.<br />
Hier waren fast alle russischen Dichter gestrandet; alle gro&#223;en Namen der Zeit waren hier zu finden: <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=gorkij">Maksim Gorkij</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=belyj">Andrej Belyj</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=erenburg">Ilja &#278;renburg</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=aleksej+tolstoi">Aleksej Tolstoj</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=boris+pasternak">Boris Pasternak</a>…</p>
<p><strong>Vom sozialen Gewissen zum „Leid Tragenden“</strong><br />
Die Schriftsteller hatten die politische Entwicklung – oder besser: die Nicht-Entwicklung – das ganze 19. Jahrhundert &#252;ber mahnend begleitet und den Finger auf die soziale Wunde gelegt. Immer standen in ihren Werken die Ereignisse im Vordergrund, mal L&#246;sungen fordernd wie bei den Realisten (<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=nikolaj+gogol">Gogol</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ivan+turgenev">Turgenev</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=dostoevskij+fedor">Dostoevskij</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lev+tolstoj">Tolstoj </a>u. v. a.), mal beschreibend und die Schlussfolgerungen dem Leser &#252;berlassend wie bei den Naturalisten (<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=boborykin">Boborykin</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mamin+sibirjak">Mamin-Sibirjak</a> u. a.). Der Schriftsteller selbst war h&#246;chstens als handelnde Figur in seinem Werk vertreten oder er bekundete seine Meinung zum Thema, indem er es satirisch behandelte (wie zum Beispiel <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=saltykov">Saltykov-&#352;&#269;edrin</a>).</p>
<p>Je trostloser die soziale Situation wurde und je deutlicher man erkennen musste, dass alles Schreiben nichts nutzte, desto mehr begannen die Schriftsteller zu resignieren oder das Geschehen ironisch bis zynisch zu behandeln wie <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=anton+cechov">&#268;echov</a>. Einige kamen zur &#220;berzeugung, dass nur noch Gewalt die Zust&#228;nde ver&#228;ndern k&#246;nnte, und wurden Revolution&#228;re – Gorkij ist der bedeutendste Vertreter dieser Gruppe. Andere, n&#228;mlich die Symbolisten, besannen sich auf sich selbst und beschrieben, wie es ihnen unter den herrschenden Umst&#228;nden ging – sie stellten also ihre eigene Person in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen. Und das war eigentlich das Einzige, was sie verband, denn ihre &#220;berzeugungen waren zum Teil sehr unterschiedlich (was letztlich auch ihr schnelles Verschwinden als Gruppe bewirkte). Sich selbst im Mittelpunkt zu sehen erforderte, mit den bislang g&#252;ltigen Regeln des Schreibens zu brechen: Das Festlegen auf ein Genre – Roman, Erz&#228;hlung etc. – empfanden sie als Zwang, die Volkssprache hielt immer mehr Einzug in die Hochsprache, sie experimentierten mit W&#246;rtern, sie schrieben ihre Gedanken frei und schwerelos nieder und das bei den Realisten ganz aus der Mode gekommene Gedicht r&#252;ckte wieder in den Vordergrund, denn darin konnte man vorz&#252;glich mit W&#246;rtern spielen.<br />
Ganz wesentlich war f&#252;r die Symbolisten, dass sie in Bezug auf sich selbst ehrlich sein wollten, d. h., dass sie schrieben, was sie empfanden – im Umkehrschluss aber auch, dass sie so leben wollten, wie sie schrieben. Und so waren sie eine wie die Menschheit selbst bunt gew&#252;rfelte, dabei aber  sehr selbstbezogene und  teilweise schon skurrile Gruppe, in der leidenschaftliche Auseinandersetzungen vorprogrammiert waren.<br />
Und diese bunt gew&#252;rfelte Gruppe fand sich nach der Revolution in Berlin ein.</p>
<div class="bildlinks"><img class="alignright size-full wp-image-5540" title="A. Remizov Radierung von Salschupin" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/09/A.-Remizov-Radierung-von-Salschupin.jpg" alt="" width="162" height="208" /><br />
<small>Aleksej Remizov<br />
(Radierung von S. Zal&#353;upin)</small></div>
<p><strong>Aleksej Remizov</strong><br />
Einer der Skurrilsten, wenn nicht der Skurrilste in dieser eigenwilligen K&#252;nstlergruppe war der damals legend&#228;re <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=remizov+aleksej"><strong>Aleksej Michajlovi&#269; Remizov</strong></a>. Sein Freund Maksimilian Volo&#353;in hat ihn einmal so beschrieben:</p>
<blockquote><p>Er erinnert an einen Urgeist, ein Fabelwesen, das aus einer dunklen Spalte ans Licht gekrochen ist. Sein Aussehen &#228;hnelt dem jener Teufel, die pl&#246;tzlich aus Spielzeugsch&#228;chtel- chen herausspringen und kleine Kinder erschrecken. Die Nase, die Brauen, die Haare &#8211; alles steht, wie von einem pl&#246;tzlichen Donner ger&#252;hrt, zu Berge. Die kleine gekr&#252;mmte Gestalt, das bleiche Gesicht, aus altem braunem Tuch herausragend, runde, kurzsichtige Augen, dunkel wie H&#246;hlen, aufstrebende Brauen und eine kleine Falte, die qualvoll &#252;ber der linken Braue zittert, das spitze B&#228;rtchen, das sein rundes trauriges Gesicht mephistophelisch auslaufen l&#228;sst, die gro&#223;e traurige Stirn und Haare, die am Hinterkopf aufgewirbelt sind – diese ganze paradoxe Zusammenstellung von Linien verleiht seinem Gesicht etwas Qualvolles und Anziehendes, von dem man nicht loskommt, wie von einem R&#228;tsel, das man unbedingt l&#246;sen muss.</p></blockquote>
<p><small>[zitiert nach <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebert&amp;title=symbolismus+romanprosa">Christa Ebert: <em>Symbolismus in Ru&#223;land – Zur Romanprosa Sologubs, Remisows, Belys</em></a>, 1988]</small></p>
<p>An anderer Stelle wird sein Arbeitszimmer in Berlin beschrieben, das dem in St. Petersburg geglichen haben soll:</p>
<blockquote><p>Mit Figuren und Kulissen, die er aus Russland mitgebracht hatte, schuf er sich eine eigene kleine Welt. Auf alle Besucher machte die Ausstattung des Zimmers, in das man durch einen mit Kisten und B&#252;cherschr&#228;nken vollgestellten Flur gelangte, einen tiefen Eindruck: An F&#228;den hingen seltsame Figuren von der Decke herab und ein Sammelsurium von angeblich magischen Gegenst&#228;nden war &#252;berall im Raum verteilt: »Da war ein Besen,  auf dem die Hexe Baba Jaga zu einem Treffen mit dem Teufel in die L&#252;fte flog, daneben lag ein langer Oberschenkelknochen, den Remisow irgendwo auf einem aufgehobenen Friedhof stibitzt hatte: Das sei der Oberschenkelknochen der Baba Jaga gewesen, die ein Knochenbein hatte. Ausgestopfte V&#246;gel tummelten sich auf einem d&#252;rren Ast. Alraunenm&#228;nnchen aller Art hingen an den W&#228;nden, die er f&#252;r mumifizierte Enkelkinder des Teufels erkl&#228;rte. Ein v&#246;llig abgetragener Damenschuh mit schiefem Absatz sollte dem armen Aschenputtel geh&#246;rt haben. Allerlei Gestein von sonderbaren Formationen, das wei&#223;e Horn eines Einhorns, und seine riesige aus zwei Halbkugeln bestehende Seychellennuss, die an einen nackten Kinderpopo erinnerte, diese sei weiland K&#246;nig Ludwig XIV. f&#252;r vierhunderttausend Dukaten verkauft worden, weil sie Wunderkr&#228;fte besitze. Einen v&#246;llig verschrumpelten Apfel erkl&#228;rte der Dichter als Apfel des Paris, den dieser damals heimlich weggeworfen habe, weil er zu sauer gewesen sei.«</p></blockquote>
<p><small>[zitiert nach <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=urban&amp;title=russische+schriftsteller+berlin">Thomas Urban:<em> Russische Schriftsteller im Berlin der zwanziger Jahre</em></a>, 2003]</small></p>
<div class="bildrechts"><img class="alignright size-full wp-image-5586" title="Brief von Remizov" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/09/Brief-von-Remizov.jpg" alt="" width="149" height="200" /><br />
<small>&nbsp; &nbsp;„B&#228;renbittschrift“, ein Brief von<br />
Aleksej Remizov</small></div>
<p>Man k&#246;nnte Remizov angesichts dieser Schilderungen f&#252;r einen „Sonderling“ oder gar f&#252;r „verr&#252;ckt“ halten, doch er war keines von beidem. Er war ganz im Gegenteil ein hoch angesehener Schriftsteller, geh&#246;rte zu den gr&#246;&#223;ten seiner Zeit und hat viele Autoren der j&#252;ngeren Generation nachhaltig beeinflusst, wie den „roten Grafen“ Aleksej N. Tolstoj, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=michail+prisvin">Michail Pri&#353;vin</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=zamjatin">Evgenij Zamjatin</a> u. v. a. Selbst Maksim Gorkij, der als revolution&#228;rer Schriftsteller ja quasi auf der Gegenseite stand, empfahl jungen Schriftstellern, bei Remizov zu lernen.<br />
Remizov war bis tief ins Innerste ein Symbolist; er lebte nach der symbolistischen Vorstellung, dass der K&#252;nstler und sein Werk ein Gesamtkunstwerk bilden m&#252;ssten. Sein literarisches Feld waren die fantastische M&#228;rchenwelt, die Fabeln, die altrussischen &#220;berlieferungen, die Mythologie und das einfache Volk; doch er schrieb nicht nur dar&#252;ber, er lebte auch in dieser Welt, in die er sich angewidert von dem, was politisch um ihn herum vorging, zur&#252;ckgezogen hatte und in der seine eigenen Regeln G&#252;ltigkeit besa&#223;en. Moralische Belehrungen, Binsenwahrheiten und Rhetorik lehnte er als „tote Buchstaben“ ab, nur was aus dem Traum und der Fantasie – also aus dem Reich der Irrealit&#228;t – kam, war f&#252;r ihn wahr.</p>
<p>Noch im hohen Alter, nach einem leidvollen Leben, notierte er 1948: <em>„Ich liebe alles, was nicht &#8216;real&#8217; ist, Beschreibungen des &#8216;realen&#8217; Lebens sind f&#252;r mich wie Kartoffelschalen oder Schreib&#252;bungen.“</em> Und in seinem Dostoevskij-Essay <em>„Wermut-Stern“</em> schrieb er schon ein paar Jahre fr&#252;her:<br />
<em>„Je unwahrscheinlicher die Wirklichkeit, desto wirklicher, desto wahrer ist sie. Und nur in dieser tiefen, unglaublichen Realit&#228;t kann man die „Ursache“ menschlicher Handlungen entdecken.“</em><br />
<small>[beides zitiert nach<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=remisow&amp;title=kaftan"> Alexej Remisow: <em>Der goldene Kaftan und andere russische M&#228;rchen</em></a>, 1981]</small></p>
<p><strong>„Gro&#223;e und Freie Affenkammer“</strong><br />
Remizovs nach au&#223;en hin skurrilste Idee, die in Wahrheit aber vor allem tiefgr&#252;ndig war, war die Gr&#252;ndung des Affenordens – der „Gro&#223;en und Freien Affenkammer“ (Obezjanja Velikaja i Volnaja Palata, abgek&#252;rzt OBEZVELVOLPAL).<br />
In seinen Rozanov-Briefen schrieb er dazu:</p>
<blockquote><p>Die Affenkammer entstand 1908, als ich an der &gt;Trag&#246;die des Judas, Prinzen von Ischariot&lt; schrieb: der Affenzar Asyka in der Trag&#246;die verleiht Affen-Ehrenzeichen.<br />
Aber die Idee von einem Affenzeichen entstammte einem Spiel. Auf der Durchreise nach Petersburg machten wir jeden Herbst in Moskau halt. Einen von den Schriftstellern um diese Zeit in Moskau anzutreffen, war nicht so einfach, alle hockten sie in ihren Malachowkas [Wochenendd&#246;rfer, hmw]. Und da spielte ich eben mit meiner kleinen Nichte Ljaljaschka (Elena Sergeevna Remizova).<br />
Man musste sich immer was Besonderes einfallen lassen. Sie bettelte in einem fort, ich solle ihr etwas machen, das kein anderer habe.<br />
Und bei der Gelegenheit machte ich ihr ein Affenzeichen – „heimlich zu tragen“ …</p></blockquote>
<p><small>[zitiert nach <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mierau&amp;title=russen+berlin">Fritz Mierau: Russen in Berlin 1918 – 1933, Eine kulturelle Begegnung</a>, 1988]</small></p>
<p>Das „Affenmanifest“, sozusagen die Satzung, bestand nur aus wenigen S&#228;tzen.<br />
Zuerst wurde die Kammer zur Geheimgesellschaft erkl&#228;rt. Weiter hie&#223; es <em>„Herkunft – ungewiss, Ziele – frei erkl&#228;rte Anarchie, Absichten – unerforschlich, Mittel – keine“</em>. Mit dem Manifest sprach er alle an, die die menschliche Gemeinheit, die die Welt des Traums und des Wortes beschmutzt, verachten, und verk&#252;ndete allen <em>„geschw&#228;nzten und ungeschw&#228;nzten … Anh&#228;ngern, dass hier in den W&#252;sten und W&#228;ldern kein Platz sei f&#252;r widerliche menschliche Heuchelei, dass hier Ma&#223;e und Gewichte stimmen, dass L&#252;ge immer L&#252;ge und Heuchelei immer Heuchelei sein w&#252;rden.“ </em><br />
Auf diese Weise wurde den Mitgliedern die Pflicht zur Selbsterkenntnis auferlegt – jeder musste sich in seinem Tun und Lassen immer wieder selbst &#252;berpr&#252;fen.</p>
<p>Remizov erkl&#228;rte sich selbst zum „Cancellarius“ des Ordens, und aufgenommen wurden Menschen, die sich durch Originalit&#228;t auszeichneten. Die Mitglieder wurden zu „Kavalieren“ oder „F&#252;rsten“ ernannt und bekamen einen Beinamen; Maksim Gorkij, der den h&#246;chsten Rang in der Hierarchie inne hatte, war z. B. „Affenf&#252;rst und Stellvertreter des Altmeisters in Deutschland und Affenritter mit dem Globus“, der rote Graf Aleksej Tolstoj, der wegen seiner Schulden aus Paris nach Berlin gefl&#252;chtet war, hie&#223; „Fl&#252;chtiger Affenf&#252;rst von Paris“, der humorlose <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ivan+bunin">Ivan Bunin</a> „Gro&#223;er Mufti“; der religi&#246;se <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=boris+zajcev">Boris Zajcev</a> wurde zum „F&#252;rstbischof“ geweiht (wor&#252;ber er gar nicht lachen konnte), der an Liebeskummer leidende <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=sklovskij">Viktor &#352;klovskij</a> wurde zum „kurzschw&#228;nzigen Jungaffen“ und der als Zyniker verschriene Ilja &#278;renburg zum „Ritter mit dem Laufk&#228;ferr&#252;ssel“ (nach dem Laufk&#228;fer, der zu seiner Verteidigung eine &#228;tzende Fl&#252;ssigkeit verspritzt). Alle hatten einen Mitgliederausweis, den Remizov in einer eleganten Kursivhandschrift des 17. Jahrhunderts geschrieben hatte, mit Unterschrift und Signet des Affenk&#246;nigs Asyka.</p>
<div class="bildrechts"><img class="alignright size-full wp-image-5575" title="OBEZVEVOLPAL Remizov" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/09/OBEZVEVOLPAL-Remizov.jpg" alt="" width="164" height="212" /><br />
<small>&nbsp; &nbsp;OBEZVELVOLPAL</small></div>
<p>1922, als Asyka I., der oberste Herr der Freien Affen, durch seinen Cancellarius in Berlin-Charlottenburg das Manifest in neuer Fassung verk&#252;nden lie&#223;, hatte der Affen- orden schon &#252;ber 100 Mitglieder – russische Schriftsteller, Verleger, Philosophen, Maler und Musiker. Alles, was Rang und Namen hatte, war vertreten. Mit allen pflegte Remizov witzige und teils hintergr&#252;ndige Briefwechsel, und alle hatten das Recht, jederzeit in die „Gro&#223;e und Freie Affenkam- mer“ zu kommen<em> „wie zu sich nach Hause“</em>.</p>
<p>Um den tieferen Sinn dieser nach au&#223;en hin witzig-skurrilen „Erfindung“ Remizovs zu verstehen, muss man die Erz&#228;hlung vom Affenk&#246;nig Asyka (1908) kennen. In ihr ist die Welt grotesk verdreht: Die Affen stellen das Menschliche dar und die Menschen (speziell die russischen Menschen) sind &#228;ffisch. Auf diese Weise f&#252;hrt Remizov das „menschliche“ Verhalten ad absurdum. Scheinbar unumst&#246;&#223;liche Wahrheiten werden durch die absurde Verfremdung hinterfragt. Das Affensymbol wird auf diese Weise f&#252;r Remizov zum Symbol f&#252;r Freiheit, f&#252;r totale Unabh&#228;ngigkeit – nicht umsonst benutzt er das Wort „volnaja“, das absolute Ungebundenheit bedeutet, und nicht das Wort „svoboda“, das f&#252;r verantwortungsvolle Freiheit im Sinne der Aufkl&#228;rung steht. Es ist ein Protest gegen die politische und soziale Verknechtung seiner Zeit … und ein Protest gegen die althergebrachten Regeln der Schriftstellerei des Realismus.</p>
<p>Ein Spleen entpuppt sich hier als Lebensweisheit.</p>
<p>In Teil II wird der Lebensweg Remizovs und sein Schaffen dargestellt. Am Ende von Teil II. finden Sie das Literaturverzeichnis.</p>
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		<title>Nichts zu verlieren : DBC Pierres „Jesus von Texas“</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Oct 2011 13:04:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nicola Bardola</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
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		<description><![CDATA[Der 15-j&#228;hrige Vernon Gregory Little aus der fiktiven texanischen Kleinstadt Martirio (Nomen est omen: Die Stadt steht symbolisch f&#252;r alle hinterw&#228;ldle- rischen St&#228;dte in Zentral-Texas, dem Land der Bush-Dynastie) – pubertie- render, st&#228;ndig fluchender Ich-Erz&#228;hler, verklemmter Au&#223;enseiter an der High School, Mutters&#246;hnchen und geborener Verlierer – fiel bislang immer aus der Rolle. Doch jetzt wird [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der 15-j&#228;hrige Vernon Gregory Little aus der fiktiven texanischen Kleinstadt Martirio (Nomen est omen: Die Stadt steht symbolisch f&#252;r alle hinterw&#228;ldle- rischen St&#228;dte in Zentral-Texas, dem Land der Bush-Dynastie) – pubertie- render, st&#228;ndig fluchender Ich-Erz&#228;hler, verklemmter Au&#223;enseiter an der High School, Mutters&#246;hnchen und geborener Verlierer – fiel bislang immer aus der Rolle. Doch jetzt wird ihm von den Stadtbewohnern und den Medien eine Rolle auf den Leib geschneidert: die Rolle eines T&#228;ters.<span id="more-5647"></span></p>
<div class="bildrechts"><img class="alignright size-full wp-image-5650" title="&quot;Jesus von Texas&quot; in der deutschen Ausgabe vom Aufbau-Verlag" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/10/jesus-von-texas_buchcover.jpg" alt="" width="134" height="225" /></div>
<p>Der Anlass: Vernons Freund Jesus Navarro, Sohn mexikanischer Einwanderer und ein typischer Underdog (<em>„falsche Turnschuhe, falsches Leben“</em>), wird an der Schule so lange gemobbt, bis er 16 Mitsch&#252;ler und Lehrer und anschlie&#223;end sich selbst erschie&#223;t. Nun belagern die Medien die triste, abgelegene und von der Sonne verdorrte &#214;lf&#246;rderstadt. Die B&#252;rger Martirios und die TV-Zuschauer brauchen einen S&#252;ndenbock, einen Schuldigen, den sie bestrafen k&#246;nnen, und als einziger &#220;berlebender des Amoklaufs ger&#228;t Vernon in den Verdacht der Komplizenschaft. Was kann diese <em>„faulige H&#252;lle sinnloser Markennamen“</em> (so f&#252;hlt sich Vernon!) tun, um sich nicht <em>„ans Kreuz nageln zu lassen“</em>?  Muss er – wie sein Freund Jesus – f&#252;r Martirio den Opfertod sterben? Es beginnt eine aberwitzige H&#246;llenfahrt durch ein Provinz-Amerika, das sich in den letzten Jahren nicht wesentlich ver&#228;ndert hat.</p>
<p>Vernons Dad ist tot, seine Mum versucht vergeblich, dem Schlankheitsideal zu entsprechen, und das Geld ist immer knapp – soziale Verh&#228;ltnisse, die ein gefundenes Medienfressen sind. Vernon war zum Zeitpunkt des Massakers nicht in der Schule. Zun&#228;chst will er seine Unschuld nicht beweisen. Sp&#228;ter kann er es nicht mehr. Der Ruf als mutma&#223;licher Massenm&#246;rder erscheint ihm besser, als seine Schw&#228;chen einzugestehen. Was ist angenehmer: als analfixierter Junge mit einer Vorliebe f&#252;r M&#228;d- chenh&#246;schen oder als gewaltt&#228;tiger Psychopath traurige Ber&#252;hmtheit zu erlangen?</p>
<p>Vernon ist kein Ausbund an N&#228;chstenliebe, und doch wirkt er in seiner Not mit all seiner Trotteligkeit sympathisch. <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=dbc+pierre"><strong>DBC Pierre</strong></a> schreibt ruppig und wortgewaltig und stellt seinen vom Pech verfolgten Helden so in eine von <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mark+twain">Mark Twains</a> Huck Finn, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=j.d.+salinger">J.D. Salingers</a> Holden Caulfield oder <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=philip+roth">Philip Roths</a> Alexander Portnoy gepr&#228;gte Tradition. Die den Helden umgebenden komplexen Personenkonstellationen sind dabei Pierres Besonderheit. Mit spielerischer Leichtigkeit springt er zwischen Gef&#252;hlslagen und Interessenkonflikten mehrerer Figuren hin und her. Es ist ein Vergn&#252;gen, den slangreichen und unangestrengt kunstvollen Kaskaden Vernons zu folgen.</p>
<blockquote><p>Dann kommt die Stimme meiner alten Dame dahergeschleimt.<br />
„Vernon, geht’s dir gut?“<br />
Ihr Gegreine f&#252;hlt sich an, als w&#252;rde sie mir tats&#228;chlich ihre Zunge ins Ohr schieben, wie ein Ameisenb&#228;r oder so. Ich k&#246;nnt’ kotzen und heulen, beides zugleich, so sieht’s aus. Sie geht aufs Ganze, und warum? Ich werd’s euch verraten: weil ich jetzt nicht mehr nur im Knast bin, sondern eventuell auch noch verr&#252;ckt. Das w&#228;re ihr verdammtes Eldorado – verr&#252;ckt, auch das noch! Dann h&#228;tte sie nur das Problem, dass sie ihre besten Wimmernummern alle schon gebracht hat.</p></blockquote>
<div class="bildlinks"><img class="alignright size-full wp-image-5658" title="Jesus von Texas, H&#246;rbuch von Radioropa" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/10/jesus-von-texas_h&#246;rbuch.jpg" alt="" width="200" height="200" /></div>
<p><em>„Mit der Wahl eines Teenagers als Erz&#228;hler wollte ich einen m&#246;glichst unverstellten Tonfall erreichen. Ein Halbw&#252;chsiger kann ehrlicher sein als ein Erwachsener und blickt anders auf das Leben. Er ist in einem Alter, in dem er beginnt, die Diskrepanz zwi- schen dem, was ihm gesagt wird, und dem, was passiert, zu hinterfragen“</em>, sagt Pierre. Die &#220;bersetzerin hat sich gl&#252;cklicherweise zur&#252;ckgehalten: Viele Amerikanismen und un&#252;bersetzbare Original-Wortspiele kennzeichnen den Text. In Duktus, Erz&#228;hlhaltung und auch atmosph&#228;risch klingt <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=andrew+wellman">Andrew M. Wellmans</a> <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=wellman&amp;title=fucking+what">SFW &#8211; So Fucking What</a></em> (1990, der Titel wurde f&#252;r die deutsche Ausgabe nicht &#252;bersetzt), einer der pr&#228;gendsten, aber bis heute leider wenig beachteten und untersch&#228;tzten Romane zur Jugendgewalt, immer wieder bei Pierre an. Pierres Groteske &#252;ber moderne Medienpolitik, diese Satire &#252;ber die Gewaltkultur in Schulen, greift jedoch tiefer als Wellmans Roman. Das Verh&#228;ltnis zwischen distanzierter Justiz und sensationsl&#252;s- ternen Medien, zwischen &#252;berforderten Staatsanw&#228;lten und Richtern und respektlosen Reportern, wird hier mit Gewinn karikiert. Es ist der heuchlerische Journalist Eulalio „Lally“ Ledesma, der ein Verh&#228;ltnis mit Vernons Mutter anf&#228;ngt, um an Insider-Informationen zu gelangen. Lally berichtet nicht objektiv, sondern klagt an, indem er sp&#228;ter selbst zweifelhafte Zeugen bestimmt und &#246;ffentlich befragt. Gegen Ende entwickelt sich der Roman zu einer schwarzen Romanze, denn es stellt sich heraus, dass die Protagonistin von Vernons feuchten Tr&#228;umen eine Schlampe ist, die seiner Hingabe nicht wert ist, denn sie verr&#228;t ihn.</p>
<p>In Mexiko wird Vernon von dem Spruch <em>Me ves y sufres</em> (dt. <em>Sieh mich und leide</em>) elektrisiert. Diesem Detail liegt eine autobiographischer Episode zu Grunde: Pierre verstand als Kind in Mexiko ohne Spanischkenntnisse zun&#228;chst nicht, dass dieser Satz Jesus meint. Der Satz ist das Motto des f&#252;nften und letzten Aktes des Romans und prangt vor der Hinrichtung t&#228;towiert auf Vernons Brust, denn Vernon findet sich im Todestrakt wieder, wo Ledesma Kameras f&#252;r das ultimative Reality-TV installiert hat. Nach der t&#246;dlichen Injektion erz&#228;hlt Vernon weiter. Auch das macht die Qualit&#228;t dieser finster-funkelnden Kom&#246;die aus. Doch dann war es nur die Bet&#228;ubungsspritze und pl&#246;tzlich besteht wieder Hoffnung auf Begnadigung…</p>
<p><em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=pierre&amp;title=jesus+texas">Jesus von Texas</a></strong></em> (im Original <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=pierre&#038;title=vernon+god+little">Vernon God Little</a></em>) wurde 2003 mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet und ist in &#252;ber 40 L&#228;ndern erschienen. Das aggressive, &#252;berzeichnete und oft genug geschmacklose Teenagerdrama rund um ein High-School-Massaker, das auch in der H&#246;rbuchfassung und als Theaterst&#252;ck empfehlenswert ist, regt die Leser nicht zuletzt zum Nachdenken &#252;ber die Todesstrafe nach. Das Massaker von Columbine fand 1999 statt – da stand schon ein Gro&#223;teil des Romans, sagt der Autor. Egal. Das Thema bleibt wichtig.</p>
<div class="bildrechts"><img class="alignright size-full wp-image-5657" title="DBC Pierre" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2011/10/DBC_Pierre.jpg" alt="" width="200" height="211" /><br />
<small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;DBC Pierre, Foto von B. Mitterrand</small></div>
<p><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=dbc+pierre">DBC Pierre</a></strong> wurde 1961 unter dem Namen Peter Warren Finlay als Sohn britischer Eltern in Australien geboren. Von der Comic-Figur Dirty Pierre inspi- riert nennt er sich als Autor DBC Pierre (was f&#252;r „Dirty But Clean Peter“ steht). Sein Vater arbeitete f&#252;r die UN. Die Familie Finlay genoss in Mexiko, wo Pierre ab dem siebten Lebensjahr wohnte, diplomatischen Status. Als Jugendlicher geriet Pierre auf die schie- fe Bahn. Als er 16 war, erkrankte sein Vater an einem Gehirntumor, an dem er drei Jahre sp&#228;ter starb. Auf Mexiko folgten Aufenthalte u.a. in Australien, Gro&#223;britannien und den USA und schlie&#223;lich der R&#252;ckzug nach Irland. Kreditkartenbetrug, Gl&#252;cksspiel, Drogen, (Wett-)Schulden, mehrere Bew&#228;hrungsstrafen begleiteten diesen Werdegang.</p>
<p>In Irland kommt Pierre vom Rauschgift los, sucht den Sinn seines verkorks- ten Lebens in der Literatur und schreibt auf eigenes Risiko seinen ersten Roman:</p>
<blockquote><p>Man wei&#223;, wenn man schreibt, nie wirklich, was man tut. Das ist harte Arbeit. Worte sind tr&#252;gerische kleine Bastarde. Sie sind wie Ratten, die man fangen und an die richtigen Stellen bringen muss. Als Anf&#228;nger fragt man sich auch, ob das alles je jemand lesen wird. Ich habe alle 18 Stunden gedacht: Mann, du bist ein Idiot, du musst damit aufh&#246;ren und etwas Ernsthaftes machen. Ich hatte nur das Gef&#252;hl, dass ich das Buch zu Ende bringen musste, im Namen von – allem.</p></blockquote>
<p>Dieses Gef&#252;hl empfindet Pierre als Wette auf sich selbst. Zudem hat er darauf gewettet, dass er den Booker Prize gewinnen wird. Seitdem er diese Wette gewonnen hat, l&#228;sst er die Finger vom Gl&#252;cksspiel: <em>„Jetzt, mit dem Erfolg, habe ich pl&#246;tzlich etwas zu verlieren – und ich denke: Schei&#223;e, das Einzige, was ich nicht verlieren will, ist, nichts verlieren zu k&#246;nnen.“<br />
</em></p>
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