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		<title>Jakob Eis</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Nov 2009 21:49:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
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		<description>&amp;#8226;&amp;#8226;&amp;#8226; Ich erinnere mich noch gut (und gern!) an die Diskussion, die hier Anfang 2008 stattfand, als ich mit dem Beginn des ersten Wechsler-Kapitels der »Leinwand« haderte. F&amp;#252;r die Hilfe damals bin ich den Turmseglern noch immer dankbar. Vielleicht kann ich mich mit diesem Vorgeschmack auf »Diamond District« angemessen revanchieren…
»Jakob Eis«, Auszug aus: »Diamond District«
&amp;#169; [...]</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&bull;&bull;&bull; Ich erinnere mich noch gut (und gern!) an die <a href="http://turmsegler.net/20080201/so-geht-das-nicht/">Diskussion</a>, die hier Anfang 2008 stattfand, als ich mit dem Beginn des ersten Wechsler-Kapitels der »Leinwand« haderte. F&#252;r die Hilfe damals bin ich den Turmseglern noch immer dankbar. Vielleicht kann ich mich mit diesem <a href="http://turmsegler.net/20091119/plotpoints/">Vorgeschmack</a> auf <a href="http://turmsegler.net/category/diamond-district/">»Diamond District«</a> angemessen revanchieren…</p>
<p><small>»Jakob Eis«, Auszug aus: »Diamond District«<br />
&copy; Benjamin Stein (2009)<br />
Dauer: 14:50 min</small></p>
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		<title>Plotpoints</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Nov 2009 10:19:15 +0000</pubDate>
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		<description>&amp;#8226;&amp;#8226;&amp;#8226; Am letzten Tag in Antwerpen und auf dem Heimweg nach M&amp;#252;nchen habe ich die Eingangsseqeuenz von »Diamond District« schreiben k&amp;#246;nnen, ein wichtiges Etappenziel. Vielleicht bin ich vom Film korrumpiert, aber ich teile die Auffassung, dass f&amp;#252;r einen Roman ebenso gilt, was bei einem Drehbuch gefordert ist: Nach zehn Minuten sollte der erste Plotpoint erreicht [...]</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&bull;&bull;&bull; Am letzten Tag in Antwerpen und auf dem Heimweg nach M&#252;nchen habe ich die Eingangsseqeuenz von <a href="http://turmsegler.net/category/diamond-district/">»Diamond District«</a> schreiben k&#246;nnen, ein wichtiges Etappenziel. Vielleicht bin ich vom Film korrumpiert, aber ich teile die Auffassung, dass f&#252;r einen Roman ebenso gilt, was bei einem Drehbuch gefordert ist: Nach zehn Minuten sollte der erste <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Plot_point">Plotpoint</a> erreicht sein. Ich bin sogar der Meinung, dass dies bei einem Buch noch wichtiger ist als bei einem Film. Bevor ein Zuschauer das Kino verl&#228;sst, muss er schon sehr gelangweilt oder anderweitig ver&#228;rgert sein. Ein Buch ist schnell aus der Hand gelegt, zumal in der Buchhandlung, wenn das n&#228;chste Buch, das man kaufen k&#246;nnte, direkt daneben steht.</p>
<p>Auf den ersten »Metern« entscheidet sich, ob man den Leser gewonnen oder verloren hat. Man kann ihn nat&#252;rlich auch sp&#228;ter noch leicht verlieren. Aber diese Gefahr ist geringer. Hat sich jemand erst einmal auf einen Stoff, ein Setting, eine Atmosph&#228;re eingelassen, »&#252;bersteht« er (oder sie nat&#252;rlich) auch die eine oder andere L&#228;nge, gr&#246;&#223;ere Dramaturgieb&#246;gen. Am Anfang funktioniert so etwas eher nicht. Vielleicht bin ich davon auch nur deswegen so &#252;berzeugt, weil ich es sicher nicht bis zur zehnten Seite durchstehe, wenn mir bis dahin nicht deutlich geworden ist: Das ist interessiert mich, das <em>will</em> ich lesen.</p>
<p>Bei der »Leinwand«, wo es ja zwei solcher Einstiege gibt, sind es einmal 7 Seiten (Wechsler) und einmal 2 bzw. 5 Seiten (Zichroni, bei dem die besondere F&#228;higkeit des Erz&#228;hlers gleich anfangs und darauf bis Seite 7 in den Grundkonflikt des Halbw&#252;chsigen eingef&#252;hrt wird).</p>
<p>Bei »Diamond District« wollte ich es nicht anders halten. Ich wollte aber mit einem Thema einsteigen, das f&#252;r die meisten Leser vermutlich emotional eine Belastungsprobe darstellt: die <a href="http://turmsegler.net/20090819/was-ist-eine-tahara/">Tahara</a>, die Arbeit also der <em>Heligen Bruderschaft</em>. Die Tahara zu beschreiben, braucht ein wenig Raum, zumal ich nicht verschrecken, sondern die tiefe Bedeutung, ja Sch&#246;nheit und Innigkeit des Rituals vermitteln m&#246;chte. Der Paukenschlag muss dann dennoch kommen. Und das alles auf maximal sieben Seiten&#8230;</p>
<p>Startschwierigkeiten hatte ich auch wegen der Sprache. Eigentlich m&#252;sste man zumindest den ersten Teil des Romans auf Jiddisch schreiben. Das Idiom ist einfach allgegenw&#228;rtig im j&#252;dischen Antwerpen. Man h&#246;rt sich ein, man f&#252;hlt sich ein. Die Begriffe, der Klang der W&#246;rter, die Melodie (und Geschwindigkeit!) der S&#228;tze lassen sich im Deutschen kaum einfangen. Es kommt mir hier, f&#252;r diese Geschichte, untauglich vor, geradezu klinisch, kalt. Nat&#252;rlich kann man kein kunstgewerbliches Pseudo-Idiom einf&#252;hren. Das w&#228;re l&#228;cherlich. Also bleibt nur der Versuch, die jiddische »Sprachtemperatur« irgendwie einzufangen. Auch keine leichte Sache.</p>
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		<title>Rundgang in der Hoveniersstraat</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Nov 2009 17:45:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
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		<description>Geschliffen wird ein Diamant nahezu ger&amp;#228;uschlos auf einer Stahlscheibe, die mit Diamantstaubpaste eingerieben ist.
&amp;#8226;&amp;#8226;&amp;#8226; Als ich das letzte Mal hier war, hatten die Diamant&amp;#228;re Urlaub. In der Hoveniersstraat war so gut wie nichts los. Ganz anders heute: Gesch&amp;#228;ftiges Treiben &amp;#252;berall, Juden, Inder und einige Chinesen eilen durch die Stra&amp;#223;e. Die Hoveniersstraat ist zwar sehr kurz, [...]</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_048.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_048_s.jpg" alt="Antwerpen Diamond District" /></a><br />
<small>Geschliffen wird ein Diamant nahezu ger&#228;uschlos auf einer Stahlscheibe, die mit Diamantstaubpaste eingerieben ist.</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Als ich das letzte Mal hier war, hatten die Diamant&#228;re Urlaub. In der Hoveniersstraat war so gut wie nichts los. Ganz anders heute: Gesch&#228;ftiges Treiben &#252;berall, Juden, Inder und einige Chinesen eilen durch die Stra&#223;e. Die Hoveniersstraat ist zwar sehr kurz, und es liegen nur ein paar Dutzend Geb&#228;ude hier. Diese aber sind sehr tief gebaut und reichen auf der einen Seite bis zur Pelikaanstraat, auf der anderen bis zu Langen Herentalsestraat, so dass sie Tausenden Diamantb&#252;ros und -Werkst&#228;tten Platz bieten.</p>
<p>Mein Rundgang begann im Juweliergesch&#228;ft von Erwin Engel, der gerade winzige Diamanten f&#252;r den Vollbesatz einer Uhrenl&#252;nette sortierte und verma&#223;. Ich hatte M&#252;he, mich zu konzentrieren. Es war wohl nicht nur einem geh&#246;rigen Schlafdefizit geschuldet, dass ich heute erst um 10:00 Uhr aufgewacht bin. Die Kopfschmerzen gestern waren Vorboten unangenehmerer Dinge. Ich kam bei Erwin Engel mit heftigen Magenschmerzen an, und mein Kreislauf gab eine Achterbahneinlage. Nach kurzer Pause haben wir uns dann nat&#252;rlich dennoch auf den Weg gemacht.</p>
<p>Erster Stopp: Diamantenb&#246;rse. Der B&#246;rsenraum sieht aus wie ein Beis Medresch, nur ohne B&#252;cher, lange Tischreihen, an denen sich die Handelspartner gegen&#252;bersitzen und Umschl&#228;ge mit Steinen hin und her schieben und begutachten. Hinter vorgehaltener Hand hei&#223;t es, nachmittags spiele man Karten. In der separaten smoking lounge, h&#246;re ich, kann man auch vormittags schon Backgammon spielen. Die B&#246;rse ist heute weniger Handelsplatz als Schmiese-Platz &#8211; also man trifft sich und schw&#228;tzt, erf&#228;hrt dieses und jenes. Drei solcher Handelss&#228;le gibt es in der Hoveniersstraat. Voll ist es nirgends, denn die leerstehenden R&#228;ume in diesen B&#246;rsen und die Aush&#228;nge dort machen deutlich, dass die Zeit dieser B&#246;rsen abgelaufen ist. Die Telefonzentrale ist schon seit Jahren au&#223;er Betrieb, da jeder wenigstens ein Handy bei sich hat. Und die Aush&#228;nge?</p>
<p>Da werden Personalien bekanntgegeben: Wer hat welche Firma verlassen und ist nicht mehr unterschriftsberechtigt (»we are no longer responsible for any of his actions or transactions«) &#8230; Wer ist und aus welchem Grund nicht mehr Mitglied der B&#246;rse: unbezahlte Geb&#252;hren, Bankrott, Strafen &#8230; Wer ist als Kandidat f&#252;r eine B&#246;rsenmitgliedschaft akzeptiert worden &#8230; Es h&#228;ngen Fotos der Sicherheitskameras aus mit dem Konterfei bestgekleideter Ganoven, die f&#228;lschlich im Namen einer bestimmten Firma versucht haben, andere Diamant&#228;re &#252;bers Ohr zu hauen. Ungl&#228;ubig betrachte ich die Lost-and-Found-Aush&#228;nge: Da vermisst tats&#228;chlich jemand 10 Steine zwischen 3 und 6.5 ct! Ja, best&#228;tigt mir mein Begleiter, es w&#252;rden hier so viele Umschl&#228;ge die H&#228;nde wechseln, dass es ganz ohne b&#246;sen Willen vorkommen k&#246;nne, dass ein ganzes Lot Diamanten verlorengeht. Die H&#228;ndler verl&#246;ren beim t&#228;glichen Hantieren mit den Steinen schnell das Gef&#252;hl f&#252;r den Wert der Diamanten. Dann schlie&#223;lich noch der Aushang mit Gesuchen: Gr&#246;&#223;e, Form, Qualit&#228;t, was eben gesucht wird. Diese Anzeigen stehen heute allesamt im Internet auf der &#8211; nat&#252;rlich geschlossenen &#8211; Handelssite der B&#246;rse. Niemand m&#252;sste sich noch selbst in die B&#246;rse bem&#252;hen, um diese Informationen zu bekommen.</p>
<p>Ich kenne jetzt also die aktuellen Handelspreise, die ich nat&#252;rlich nicht verrate. Aber immerhin verstehe ich jetzt, dass sich die unz&#228;hligen Diamantgesch&#228;fte im und um den Diamond District, die Steine an Endkunden verkaufen, mit den lautstark im Schaufenster annoncierten Rabatten von 50% noch lange nicht ruinieren&#8230;</p>
<p>Nach dem Studium der Aush&#228;nge muss ich mich setzen. Mein Begleiter ist besorgt. Offenbar sehe ich auch so &#252;bel aus, wie ich mich f&#252;hle. Aber ich will die Tour jetzt nicht abbrechen. Immerhin bin ich eigens daf&#252;r hergekommen.</p>
<p>Nach ein paar Minuten an der frischen Luft geht es wieder, und wir setzen die Tour fort, durchs verwirrende Labyrinth der G&#228;nge, die viele der Geb&#228;ude in der Hoveniersstraat miteinander verbinden. Wir machen Halt bei Reb Eis, einem der wenigen j&#252;dischen Schleifer, die noch hier arbeiten. Die meisten Schleifarbeiten werden heute in China ausgef&#252;hrt, und das ist kein Ort f&#252;r fromme  Juden, weswegen die j&#252;dischen Firmen, die Steine geschliffen haben, so lange mit dem Outsourcing warteten, bis es zu sp&#228;t war und andere das Gesch&#228;ft &#252;bernommen hatten, Inder zumeist. Reb Eis f&#252;hrt heute noch Reparaturen und Verbesserungen aus und hat damit sein Auskommen. Ich darf seinem Angestellten beim Schleifen &#252;ber die Schulter sehen und bekomme die Basics erkl&#228;rt.</p>
<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_049.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_049_s.jpg" alt="Antwerpen Diamond District" /></a><br />
<small>Der Schleifer legt den Schleifwinkel &#252;ber die Einspannung des Steins in dieser beweglichen Schraubzwinge fest. Diese liegt, wenn geschliffen wird, fest auf einer F&#252;hrungsschiene, so dass der Schleifer nur noch Anpressdruck und Dauer eines Schleifschrittes kontrollieren muss. Nach jedem Schleifgang (einige Sekunden) wird das Ergebnis unter der Lupe begutachtet.</small></p>
<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_049a_s.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_049a_s.jpg" alt="Antwerpen Diamond District" /></a><br />
<small>Der Diamant wird in den Arm eingespannt. &#220;ber die Stellschrauben kann der Stein dann genau um den f&#252;r die gew&#252;nschten Facetten n&#246;tigen Winkel gedreht werden.</small></p>
<p>Reb Eis f&#252;hrt mir dann noch eine kleine Wundermaschine vor, einen an einen ordin&#228;ren PC angeschlossenen Diamantscanner, der binnen Sekunden einen Stein von allen Seiten dutzendfach fotografiert und analysiert und basierend auf diesen Aufnahmen Vorschl&#228;ge f&#252;r einen optimalen Schliff gibt. </p>
<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_050.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_050_s.jpg" alt="Antwerpen Diamond District" /></a><br />
<small>Computertechnik erm&#246;glicht heute, was fr&#252;her langj&#228;hrige Erfahrung erforderte. Der Diamant wird digital hundertfach von allen Seiten fotografiert. Das Programm schl&#228;gt dann die Form vor, bei der am wenigsten Material verlorengeht. Alternativ kann der Diamant&#228;r eine Form w&#228;hlen und erh&#228;lt einen Vorschlag (auf Micrometer) f&#252;r die Facettierung. So werden auch bereits geschliffene Diamanten vermessen, um ihren Schliff ggf. zu verbessern.</small></p>
<p>Es sei, erfahre ich, nicht allzu schwer, das Schleifen zu lernen. Den optimalen Schliff zu planen, den Stein und seine innere Beschaffenheit zu erkennen aber, daf&#252;r brauche es schon viel Erfahrung.</p>
<p>Letzte Station auf unserem Rundgang machen wir ein Haus weiter bei einem Steinsetzer, der Diamanten und andere Edelsteine in Schmuckst&#252;cke fasst.</p>
<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_051.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_051_s.jpg" alt="Antwerpen Diamond District" /></a><br />
<small>Beim Steinsetzen (hier eine Brosche) wird das Schmuckst&#252;ck in einen Block aus einer Art Siegellack gedr&#252;ckt. Dieser verfl&#252;ssigt sich schnell unter Hitze und gibt besten Halt, wenn er wieder erkaltet ist. Hier werden Baguette-Diamanten aus einem Schmuckst&#252;ck entfernt, um in einem neuen Schmuckst&#252;ck wiederverwendet zu werden.</small></p>
<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_052.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_052_s.jpg" alt="Antwerpen Diamond District" /></a><br />
<small>Der Steinsetzer braucht beide H&#228;nde und tr&#228;gt daher einen beachtlichen Lupenaufbau direkt ans Brillengestell montiert.</small></p>
<p>Ich musste mich nach dem Rundgang schnell von den Engels verabschieden, denn Magen und Kreislauf gaben keine Ruhe. Ich habe gerade eben so noch das Hotel erreicht und mich f&#252;r den Rest des Nachmittags ins Bett gelegt. Ich werde wohl eine zus&#228;tzliche Nacht buchen m&#252;ssen. Mein Flugzeug zur&#252;ck nach M&#252;nchen geht morgen erst am sp&#228;ten Abend von Br&#252;ssel. Ich kann in meinem jetzigen Zustand unm&#246;glich morgen den ganzen Tag durch die Stra&#223;en ziehen.</p>
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		<title>Antwerpen Stadspark</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Nov 2009 21:31:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diamond District]]></category>

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		<description>Antwerpen Stadspark &amp;#8211; Br&amp;#252;cke &amp;#252;ber den Teich
&amp;#8226;&amp;#8226;&amp;#8226; Wenn man rechtzeitig bucht, kommt man per Flugzeug via Br&amp;#252;ssel und Express-Bus nicht nur deutlich schneller, sondern auch g&amp;#252;nstiger von M&amp;#252;nchen nach Antwerpen. So konnte ich heute ausschlafen und war dennoch bereits um 14:00 im Hotel, wieder das »Radisson Blu Park Lane«, da es hier schon beim ersten [...]</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_044.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_044_s.jpg" alt="Antwerpen Stadspark" /></a><br />
<small>Antwerpen Stadspark &#8211; Br&#252;cke &#252;ber den Teich</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Wenn man rechtzeitig bucht, kommt man per Flugzeug via Br&#252;ssel und Express-Bus nicht nur deutlich schneller, sondern auch g&#252;nstiger von M&#252;nchen nach Antwerpen. So konnte ich heute ausschlafen und war dennoch bereits um 14:00 im Hotel, wieder das <a href="http://www.radissonblu.com/parklanehotel-antwerp">»Radisson Blu Park Lane«</a>, da es hier schon beim ersten Besuch sehr angenehm war und das Hotel strategisch bestens liegt, direkt am Stadspark und nur wenige Gehminuten sowohl von den meisten Synagogen als auch vom Diamond District entfernt.</p>
<p>Gestern abend habe ich noch weiter an der Eingangssequenz des ersten Teils von »Diamond District« geschrieben und entsprechend schlecht geschlafen. Die Anspannung ist im Moment enorm. Ich habe nun den ersten Teil schon sehr plastisch vor Augen, aber ich bin noch nicht richtig in Fahrt gekommen. Bislang sitzt jeder Satz, aber l&#228;sst sich vorher 10x bitten.</p>
<p>An eben dieser Anspannung liegt es wohl, dass ich schon mit Kopfweh hier ankam. Leider war das Zimmer noch nicht bereit. So konnte ich nur den Koffer abgeben und musste gleich noch einmal auf Tour gehen. Als erstes habe ich die <a href="http://turmsegler.net/20090820/besichtigung-der-tatorte/">Tatortbesichtigung</a> nachgeholt, zu der mir beim letzten Besuch die Zeit gefehlt hatte. Der Mord an dem noch namenlosen Diamant&#228;r d&#252;rfte sich auf der kleinen Br&#252;cke im Stadspark abgespielt haben, an der Stelle, wo das Gel&#228;nder niedrig ist. Es d&#252;rfte ein Sto&#223; gen&#252;gt haben, um das Opfer in den Teich zu bef&#246;rdern. Was das Messer des M&#246;rders nicht bereits erledigt hatte, vollbrachte der Sturz. Unter der Br&#252;cke ist das Wasser nur knietief. Ich hatte erst mit dem Nebenweg gelieb&#228;ugelt, sehr verlassen, der an einer kleinen Grotte vorbeif&#252;hrt. Aber im Dunkeln ist es dort so gruslig, dass wohl niemand freiwillig nachts dort langgeht. Und das Opfer wurde auf dem Heimweg vom abendlichen Schiur in der Synagoge im Stadspark abgepasst.</p>
<p>Dummerweise habe ich die Kamera zu Hause vergessen und muss mich mit dem iPhone behelfen. F&#252;r Recherchefotos reicht das allemal. Mit den Bildern vom Tatort im Kasten bin ich erst einmal essen gegangen, bei Hoffy&#8217;s in der Lange Kievitstraat. Mir war nach Kascha und ein wenig Fleisch, woraus ein wenig mehr Fleisch wurde, n&#228;mlich ein kapitaler Truthahnschenkel. Ich bin also ins Hotel zur&#252;ck gerollt. Und kaum im Zimmer, schlug das Kopfweh richtig zu, so dass ich mich unter heftiger Tablettendosis gerade noch in den Schlaf retten konnte und f&#252;r drei Stunden abgetaucht bin.</p>
<p> Jetzt bin ich wieder leidlich hergestellt und habe die Verabredungen f&#252;r morgen ausgemacht. Die Diamantentour steht auf dem Plan. Ich wei&#223; nur ungef&#228;hr, was Erwin Engel alles ausgemacht hat. Wir treffen uns um 11:00 vor seinem Gesch&#228;ft in unmittelbarer N&#228;he des zweiten Tatortes in der Hoveniersstraat und werden zun&#228;chst in die B&#246;rse gehen. Dann sehen wir weiter.</p>
<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_042.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_042_s.jpg" alt="Antwerpen Stadspark" /></a><br />
<small>Antwerpen Stadspark &#8211; Blick vom Br&#252;ckenaufgang auf die kleine Grotte</small></p>
<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_043.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_043_s.jpg" alt="Antwerpen Stadspark" /></a><br />
<small>Antwerpen Stadspark &#8211; Br&#252;cke &#252;ber den Teich</small></p>
<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_045.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_045_s.jpg" alt="Antwerpen Stadspark" /></a><br />
<small>Antwerpen Stadspark &#8211; Vom Hotel kommend Blick nach rechts von der Br&#252;cke</small></p>
<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_046.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/antwerpen/antwerpen_046_s.jpg" alt="Antwerpen Stadspark" /></a><br />
<small>Antwerpen Stadspark &#8211; Vom Hotel kommend Blick nach links von der Br&#252;cke</small></p>
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		<title>Appeasement</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Nov 2009 12:40:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausser der Reihe]]></category>
		<category><![CDATA[Henryk M. Broder]]></category>

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		<description>Was heute der »Migrationshintergrund« ist, das war mal die Oma aus Schlesien. Sie sa&amp;#223; den ganzen Tag in der K&amp;#252;che rum und verbreitete Schuldgef&amp;#252;hle. War sie schlecht gelaunt, schaute sie stumm aus dem Fenster. War sie dagegen guter Laune, erz&amp;#228;hlte sie Geschichten von fr&amp;#252;her: dass in Ratibor alles sch&amp;#246;ner, besser und sauberer war. Oma war [...]</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.amazon.de/Hurra-wir-kapitulieren-Lust-Einknicken/dp/3570550478/"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/broder_hurra_patheon.jpg" alt="Henryk M. Broder: »Hurra, wir kapitulieren!« (Von der Lust am Einknicken), &copy; Pantheon Verlag 2007" /></a></p>
<blockquote><p>Was heute der »Migrationshintergrund« ist, das war mal die Oma aus Schlesien. Sie sa&#223; den ganzen Tag in der K&#252;che rum und verbreitete Schuldgef&#252;hle. War sie schlecht gelaunt, schaute sie stumm aus dem Fenster. War sie dagegen guter Laune, erz&#228;hlte sie Geschichten von fr&#252;her: dass in Ratibor alles sch&#246;ner, besser und sauberer war. Oma war eine Nervens&#228;ge, aber ein harmloser Mensch, der sich nach etwas sehnte, das es nicht mehr gab. Nie w&#228;re sie auf die Idee gekommen, das Essen aus dem Fenster zu werfen oder ihre Enkel zu schlagen, weil sie selbst als Kind Haus und Hof verlassen musste. Denn Oma hatte zwar einen »Migrationshintergrund«, sie hatte aber auch Manieren. Einer ihrer Lieblingss&#228;tze war: »Das macht man nicht.« Der Satz reichte, um sich im Leben zurechtzufinden.</p>
<p align="right"><a href="http://henryk-broder.com/"><strong>Henryk M. Broder</strong></a>, aus: <a href="http://www.amazon.de/Hurra-wir-kapitulieren-Lust-Einknicken/dp/3570550478/">»Hurra, wir kapitulieren!«</a><br />
(Von der Lust am Einknicken)<br />
&copy; <a href="http://www.patheon-verlag.de">Pantheon Verlag</a> 2007</p>
</blockquote>
<p>&bull;&bull;&bull; Ich wurde letztens gefragt, ob mir die zunehmende Kopftuchdichte in M&#252;nchen nicht Angst mache und ob sich die J&#252;dische Gemeinde eigentlich der Initiative gegen Moscheen in Bayern anschlie&#223;en w&#252;rde. Wo bliebe denn da das »Recht auf Heimat«, wenn in M&#252;nchen Minarette in den Himmel ragten? Da war ich perplex.</p>
<p>Mir sei, sagte ich, das mit den Kopft&#252;chern schon aufgefallen. Besonders am Sonntag auf dem Weg zur Schwiegermutter nach Schongau ist bald ein Viertel der Mitreisenden bekopftucht, wenn nicht gar verschleiert. Aber in gewisser Hinsicht sei mir der Islam als Gesetzesreligion tats&#228;chlich n&#228;her als etwa der Katholizismus. Gegen Moscheen zu demonstrieren, sei dar&#252;ber hinaus doch ganz schwierig, wenn man bedenkt, dass erst vor drei Jahren am Jakobsplatz &#8211; mitten in M&#252;nchen &#8211; eine neue Synagoge samt j&#252;dischem Gemeindezentrum eingeweiht wurde. Es ist ja nun auch noch nicht zum Vergessen lang her, dass B&#252;rger dieses Landes in Synagogen eine Einschr&#228;nkung ihres »Rechts auf Heimat« sahen und es vorzogen, sie niederzubrennen&#8230;</p>
<p>Damit war die Debatte aber erst er&#246;ffnet, und wir standen mitten im Thema »Islamophobie«, und sie ist seither nur unterbrochen worden, aber nicht abgebrochen. Und als nun Broder vor kurzem seinen PR-Coup landete, f&#252;r das Amt des j&#252;dischen Zentralratspr&#228;sidenten kandidieren zu wollen, flammte die Diskussion erst recht wieder auf. Ich bin kein Broder-Fan. Das wird ihn nicht st&#246;ren, und ich darf es frei zugeben. Er ist ein brillianter Kopf und Schreiber. Nur leider &#252;berzieht er in sch&#246;ner Regelm&#228;&#223;igkeit, was immer er tut, genau um die paar Grade (manchmal auch mehr) die den Unterschied ausmachen zwischen »Chapeau!« und »Naja, Broder eben&#8230;« Broder als Zentralratspr&#228;sident, sagte ich denn auch, das w&#252;rde mir grade noch fehlen: ein Trommler auf diesem doch vor allem diplomatischen Posten. </p>
<p>Das ist es ja gerade, h&#246;rte ich prompt. Der ist so erfrischend un-PC h&#228;lt nichts von Appeasement gegen&#252;ber den Moslems. Und prompt bekam ich oben zitiertes Buch ausgeliehen. Ausgehend von einer Zusammenfassung der weltweiten Aff&#228;re um die d&#228;nischen Mohammed-Karikaturen, &#252;ber einen Iran-Ahmadinedschad-Exkurs bis hin zu lebendigen Beispielen aus dem heutigen deutschen Schulalltag widmet sich Broder in diesem Buch seiner These, dass Europa, ja der Westen insgesamt, mit der allseits verfolgten Appeasement-Politik bereits vor der muslimischen Gewalt kapituliert habe. Aus Angst. Und das gew&#228;hlte Motto des Buches, ein Ausspruch Winston Churchills (der wusste, wovon er redete), kl&#228;rt deutlich den Begriff: »An appeaser is one who feeds a crocodile, hoping it will eat him last.«</p>
<p>Nur nicht provozieren, so charakterisiert Broder die Appeaser und zitiert den Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter: Man m&#252;sse jegliche Provokationen unterlassen. Was die islamischen V&#246;lker br&#228;uchten, w&#228;re »eine Partnerschaft auf gleicher Augenh&#246;he«. Woraufhin Broder fragt: </p>
<blockquote><p>Welche Provokationen der Westen unterlassen sollte und wie eine Partnerschaft auf gleicher Augenh&#246;he konkret aussehen k&#246;nnte, sagte Richter nicht. [...] Sollen, um auf gleiche Augenh&#246;he zu kommen, eigene Abteile f&#252;r Frauen in Bussen eingerichtet werden, wie das in Saudi-Arabien der Brauch ist? Soll das Heiratsalter f&#252;r M&#228;dchen auf elf Jahre gesenkt werden, wie es im Iran der Fall ist? Soll f&#252;r Ehebruch die Todesstrafe durch Steinigen eingef&#252;hrt werden, wie es die Scharia verlangt? Was k&#246;nnte der Westen noch unternehmen, um seinen Respekt vor der kulturellen Identit&#228;t der islamischen L&#228;nder zu bekunden?
</p></blockquote>
<p>H&#228;tte ich die Lekt&#252;re nicht aus Erfahrung mit vorgeschnalltem Broder-Filter begonnen, w&#228;re ich jetzt islamophob. Dank dieses Filters hat mich aber immerhin der wesentliche Gedanke erreicht, dass in dieser Frage Haltung gefordert ist. Bei der polemischen Erw&#228;hnung der Scharia und der Frauenabteile in Bussen, durchfuhr es mich n&#228;mlich gleich zweimal.</p>
<p>Schaue ich in die Torah, stelle ich fest, dass sie nicht weniger drakonische Leibesstrafen vorsieht als die Scharia. Jehuda etwa, Vorfahre der ber&#252;hmten j&#252;dischen K&#246;nige David und Salomon, z&#246;gerte nicht, Tamar zur Steinigung freizugeben, als sie &#8211; da ohne Ehemann schwanger &#8211; der sexuellen Liederlichkeit bezichtigt wurde. Lediglich der Umstand, dass Jehuda selbst sich als Erzeuger des Kindes herausstellte, bewahrte sie vor dem Tod. »Auge f&#252;r Auge, Zahn f&#252;r Zahn« hei&#223;t es ebenfalls in der Torah. Da haben wir, k&#246;nnte man meinen, eine Gesetzgebung, die der Scharia doch recht verwandt ist. </p>
<p>Nun ist sie es aber eben nicht, denn das rabbinische Judentum kennt keine vergeltenden K&#246;rperstrafen. An ihre Stelle wurde das Prinzip der finanziellen Entsch&#228;digung gesetzt, die dem T&#228;ter den finanziellen Gegenwert des verursachten Schadens abfordert &#8211; zuz&#252;glich Entsch&#228;digung f&#252;r Heilung, &#246;ffentlich erlittene Schande und Arbeitsausfall und gegebenenfalls einer zugef&#252;gten Strafsumme. F&#252;r diverse Vergehen sieht auch die Torah die Todesstrafe vor. Das rabbinische Rechtssystem hat diese jedoch vor mehr als 2.000 Jahren bereits praktisch abgeschafft, indem durch extrem strenge Verfahrensvorschriften die Verh&#228;ngung eines solchen Urteils quasi unm&#246;glich gemacht wurde. Ich halte dies f&#252;r eine Kulturleistung. Erbracht wurde sie zu einem betr&#228;chtlichen Teil unter extremem Druck.</p>
<p>Dankbar bin ich Broder f&#252;r seine Faktensammlung im zitierten Buch und f&#252;r den Denkansto&#223;. Welch heftige Bl&#252;ten die Appeasement-Politik bereits getrieben hat und weiter treibt, war mir so deutlich nicht bewusst. (Die G&#252;nter-Grass-Zitate etwa haben wahre Kabarett-Qualit&#228;ten!) Ich jedenfalls m&#246;chte nicht kapitulieren. Der Islam, zumal in extremen und nicht selten politisch instrumentalisierten Str&#246;mungen, testet derzeit weltweit unsere Grenzen aus &#8211; wie Halbstarke im schlimmsten schwierigen Alter. Da muss man die Nerven bewahren und sich konsequent verwahren gegen Unzumutbarkeiten. Appeasment hilft da nicht weiter. In der Kindererziehung ist das auch nicht anders.</p>
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		<title>David Schatz im ZDF</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Nov 2009 18:31:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[David Schatz]]></category>

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		<description>&amp;#8226;&amp;#8226;&amp;#8226; David Schatz, der &amp;#228;lteste Sohn von Yechezkel und Lisa aus Ofra, berichtete vor kurzem im ZDF &amp;#252;ber sein Leben in der Siedlung im Westjordanland. Gl&amp;#252;cklicherweise kann man den Beitrag auch online anschauen. Wenn ihr also mal den gepanzerten Bus sehen wollt, mit dem Wechsler nach Ofra fuhr, und wie es dort tats&amp;#228;chlich aussah&amp;#8230;
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		<title>Popeye</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Nov 2009 13:03:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausser der Reihe]]></category>

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		<description>Lesewerbung der Asociación Salvadoreña de Agencias de Publicidad (El Salvador)
[via: »The Ephemerist«]
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.sparehed.com/2009/11/02/books-not-spinach/"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/popeye_ad.jpg" alt="Popeye Advertisment" /></a><br />
<small>Lesewerbung der Asociación Salvadoreña de Agencias de Publicidad (El Salvador)</small></p>
<p>[via: <a href="http://www.sparehed.com">»The Ephemerist«</a>]</p>
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		<title>Lesungen</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Nov 2009 19:28:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diamond District]]></category>
		<category><![CDATA[Die Leinwand]]></category>

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		<description>&amp;#8226;&amp;#8226;&amp;#8226; Der Verlag teilt mir die ersten Einladungen zu Lesungen mit. Und nach so vielen Jahren der &amp;#214;ffentlichkeitsabwesenheit, f&amp;#252;hlt es sich merkw&amp;#252;rdig an, dass es sich gleich um zwei gro&amp;#223;e Literaturfestivals handelt: lit.COLOGNE (K&amp;#246;ln im M&amp;#228;rz, kurz vor der Buchmesse) und die Vattenfall Lesetage (Hamburg im April). Emotional schwanke ich im Moment zwischen »Leinwand«-Aktionismus (als [...]</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&bull;&bull;&bull; Der Verlag teilt mir die ersten Einladungen zu Lesungen mit. Und nach so vielen Jahren der &#214;ffentlichkeitsabwesenheit, f&#252;hlt es sich merkw&#252;rdig an, dass es sich gleich um zwei gro&#223;e Literaturfestivals handelt: <a href="http://litcolony.de/festival">lit.COLOGNE</a> (K&#246;ln im M&#228;rz, kurz vor der Buchmesse) und die <a href="http://www.vattenfall.de/www/vf/vf_de/225583xberx/226817engag/226847kultu/227237liter/index.jsp">Vattenfall Lesetage</a> (Hamburg im April). Emotional schwanke ich im Moment zwischen »Leinwand«-Aktionismus (als k&#246;nnte ich selbst im Moment noch viel tun…) und dem Drang, mich nur noch voll und ganz mit »Diamond District« zu befassen, dessen Figuren und Geschichten immer plastischer werden.</p>
<p>Nebenan liegen die grippefiebernden Kinder. Dass ich mich nur nicht anstecke jetzt, wo es doch in wenigen Tagen erneut nach Antwerpen geht…</p>
<p>Am neuen Buch schreiben &#8211; das w&#228;re doch eine sinnvolle T&#228;tigkeit f&#252;r die n&#228;chsten 82 Tage, 3 Stunden und 32 Minuten.</p>
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		<title>Kaspar Hauser Lied</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Nov 2009 08:46:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Georg Trakl]]></category>

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		<description>Kaspar-Hauser-Denkmal Ansbach &amp;#8211; Foto: Michael Zaschka
F&amp;#252;r Bessie Loos
Er wahrlich liebte die Sonne, die purpurn den H&amp;#252;gel hinabstieg,
Die Wege des Walds, den singenden Schwarzvogel
Und die Freude des Gr&amp;#252;ns.
Ernsthaft war sein Wohnen im Schatten des Baums
Und rein sein Antlitz.
Gott sprach eine sanfte Flamme zu seinem Herzen:
O Mensch!
Stille fand sein Schritt die Stadt am Abend;
Die dunkle Klage seines [...]</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/kaspar_hauser_ansbach.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/kaspar_hauser_ansbach_s.jpg" alt="Kaspar-Hauser-Denkmal Ansbach" /></a><br />
<small>Kaspar-Hauser-Denkmal Ansbach &#8211; Foto: <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Kaspar_hauser_denkmal.jpg&#038;filetimestamp=20070507161013">Michael Zaschka</a></small></p>
<p align="right"><em>F&#252;r Bessie Loos</em></p>
<p>Er wahrlich liebte die Sonne, die purpurn den H&#252;gel hinabstieg,<br />
Die Wege des Walds, den singenden Schwarzvogel<br />
Und die Freude des Gr&#252;ns.</p>
<p>Ernsthaft war sein Wohnen im Schatten des Baums<br />
Und rein sein Antlitz.<br />
Gott sprach eine sanfte Flamme zu seinem Herzen:<br />
O Mensch!</p>
<p>Stille fand sein Schritt die Stadt am Abend;<br />
Die dunkle Klage seines Munds:<br />
Ich will ein Reiter werden.</p>
<p>Ihm aber folgte Busch und Tier,<br />
Haus und D&#228;mmergarten wei&#223;er Menschen<br />
Und sein M&#246;rder suchte nach ihm.</p>
<p>Fr&#252;hling und Sommer und sch&#246;n der Herbst<br />
Des Gerechten, sein leiser Schritt<br />
An den dunklen Zimmern Tr&#228;umender hin.<br />
Nachts blieb er mit seinem Stern allein;</p>
<p>Sah, da&#223; Schnee fiel in kahles Gezweig<br />
Und im d&#228;mmernden Hausflur den Schatten des M&#246;rders.</p>
<p>Silbern sank des Ungebornen Haupt hin.</p>
<p align="right"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Trakl" title="Georg Trakl auf wikipedia.de"><strong>Georg Trakl</strong></a> (1887-1914)</p>
<p>&bull;&bull;&bull; Die Monate Januar bis M&#228;rz 1992 habe ich im norddeutschen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wewelsfleth">Wewelsfleth</a> in einem alten Herrenhaus verbracht, das G&#252;nter Grass 1985 der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Akademie_der_K%C3%BCnste_(Berlin)">Akademie der K&#252;nste (Berlin)</a> &#252;bereignet hat und das seitdem im Quartalstakt je drei Aufenthaltsstipendiaten der Akademie zur Verf&#252;gung steht. Das Haus hat drei Etagen. Ich wohnte in der zweiten, zur Stra&#223;e hinaus. Mein Arbeitszimmer lag im Erdgeschoss neben der Wohnk&#252;che. Ich sah aus dem Fenster auf den Friedhof hinaus. Im ersten Stock lagen die Zimmer meines Freundes Oliver Bukowski, der zuf&#228;llig gemeinsam mit mir das Stipendium erhalten hatte. Im zweiten Stock, unterm Dach, wo zu fr&#252;heren Zeiten Grass gezeichnet und geschrieben hatte, wohnte ein Westberliner Autor, dessen Name mir leider entfallen ist. Ich erinnere mich aber noch, dass er damals an einer Erz&#228;hlung schrieb, deren Hauptfigur Eigner hie&#223;. Ich arbeitete am letzten Drittel des »Alphabet des Juda Liva«, und Bukowski versuchte eine gl&#228;nzende Prosa, bekam es aber, wie mir schien, irgendwann mit der Angst zu tun und schwenkte auf die Dramatik zur&#252;ck, sein angestammtes Gebiet. Ich glaube, er reiste damals nach den drei Monaten mit zwei fertigen neuen St&#252;cken ab.</p>
<p>Man konnte gut arbeiten in Wewelsfleth, und zwar vor allem deswegen, weil man gar nichts andres dort tun konnte. Damals hatte das Haus nat&#252;rlich noch keinen Internet-Anschluss. Wer wei&#223;, ob heute einer existiert. Die beiden Kneipen des Ortes waren nicht gerade Vergn&#252;gungsst&#228;tten und das Wetter so scheu&#223;lich, dass man ungern auch nur das Haus verlie&#223;.</p>
<p>Ich hatte in diesen Monaten vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben das Gef&#252;hl, »angemessen« zu wohnen. Die Zimmer waren riesig im Vergleich mit den Wohnschlie&#223;f&#228;chern, an die ich seit meiner Kindheit gewohnt war. Und das Haus &#8211; Fachwerk noch, wenn ich mich nicht irre &#8211; lebte. Auch beinahe die gesamte Einrichtung war aus echtem Holz. Die Attraktion des Hauses war f&#252;r mich jedoch die Bibliothek, genauer gesagt, das gro&#223;e B&#252;cherregal im ersten Stock, direkt neben meiner T&#252;r. Es beherbergte zwei vielb&#228;ndige Lexikon-Ausgaben, eine davon ein Brockhaus &#228;lteren Datums.</p>
<p>In diesen Brockhaus-B&#228;nden schm&#246;kerte ich in den ersten zwei Monaten ausgiebig, wenn ich nicht gerade <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Prince_of_Persia">»Prince of Persia«</a> auf meinem mitgebrachten PC spielte. (Die 100 Seiten, die mir damals f&#252;r das »Alphabet« noch fehlten, schrieb ich in den letzten paar Tagen. Den Rest der Zeit konnte ich nicht schreiben und kam mir eher wie ein Kurgast im Sanatorium vor, so ein Mittelding zwischen Ferien- und Gef&#228;ngnisaufenthalt.)</p>
<p>An diesen Brockhaus musste ich gestern denken, als ich mich &#8211; wie so oft &#8211; mal wieder durch die Wikipedia klickte. Diese Ausfl&#252;ge ins Lexikalische sind heute wie damals spannend. Ich steige bei irgendeinem Thema ein, das mich gerade interessiert und folge den Verweisen von Thema zu Thema.</p>
<p>Gestern bin ich bei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kaspar_Hauser">»Kasper Hauser«</a> gelandet nach einer Stippvisite bei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hospitalismus">»Hospitalismus«</a> und der Entsetzen ausl&#246;senden Lekt&#252;re des Beitrags &#252;ber den Kinder-Gulag <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Cighid">Cighid</a>, ein Kinderheim in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nicolae_Ceau%C5%9Fescu">Nicolae Ceauşescus</a> Rum&#228;nien f&#252;r die sogenannten »Unwiederbringlichen«. Kurz gesagt wurden dort Kleinkinder binnen weniger Wochen ausgehungert und zu Tode vernachl&#228;ssigt.</p>
<p>&#220;ber das Kasper-Hauser-Syndrom &#8211; als Beispiel f&#252;r psychischen Hospitalismus &#8211; kam ich also zu Kasper Hauser und schlie&#223;lich zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Trakl">Georg Trakl</a>, der &#8211; muss man wohl sagen &#8211; zu den Hauserianern geh&#246;rte, also an die Kerkergeschichte Hausers und die Attentate glaubte, die, wie man heute deutlich annehmen muss, doch Selbstverletzungen ohne T&#246;tungsabsicht waren.</p>
<p>Wie sehr mich die Kinder von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Cighid">Cighid</a> und die wohl »wahre« Kasper-Hauser-Diagnose an Minsky erinnerte! Und das Muster setzt sich fort, wenn ich den Krankenbericht lese, den Trakls Arzt nach dessen Freitod verfasste.</p>
<blockquote><p>Als Kind versuchte er sich selbst zu t&#246;ten. Zum ersten Mal als 5j&#228;hriges Kind in&#8217;s Wasser gesprungen. Das letzte Mal im Fr&#252;hjahr laufenden Jahres. Sonst &#8216;vollkommen gesund&#8217; [...] Gut gelernt. Studium ohne Schwierigkeiten. Gedient 1908. W&#228;hrend der Mob.[ilmachung] freiwillig gemeldet. Einger&#252;ckt am 1. August [...] Seit Jahren schon leidet er zeitweise an schweren psychischen Depressionen mit Angstzust&#228;nden, dann f&#228;ngt er an stark zu trinken, um sich von dieser Angst zu befreien. Seit seiner Kindheit schon hat er zeitweise Gesichtshallucinationen, es kommt ihm vor wie wenn hinter seinem R&#252;cken ein Mann mit gezogenem Messer steht. Von 12-14 Jahren hat er keine solchen Erscheinungen gehabt, jetzt seit 3 Jahren leidet er wieder an diesen Gesichtst&#228;uschungen ausserdem h&#246;rt er sehr oft Glockenl&#228;uten. Seinen Vater hat er nicht f&#252;r eigenen gehalten, sondern er hat vermutet, dass er in Zukunft ein gro&#223;er Herr wird.</p></blockquote>
<p>Trakls Version der Hauser-Geschichte ist, glaubt man dem Online-Lexikon, ebenso unhaltbar wie die in der untenstehenden Reinhard-Mey-Verarbeitung. Aber spielt das eine Rolle? Was mir an dem Hauser-Artikel in der Wikipedia als besonders aufgefallen ist: die Analyse der gesellschaftlichen Umst&#228;nde, unter denen sich der Fall ereignete:</p>
<blockquote><p>Auch die autorit&#228;ren Verh&#228;ltnisse der Biedermeierzeit mussten den Ger&#252;chten um Kaspar Hauser f&#246;rderlich sein. Die Zensur schaltete alle unerw&#252;nschten Meinungs&#228;u&#223;erungen aus, eine Teilnahme am &#246;ffentlichen Leben war so gut wie unm&#246;glich geworden. Umso gr&#246;&#223;er war das Interesse an Sensationen und Seltsamkeiten, die etwas Abwechslung in den eint&#246;nigen Alltag brachten, und ein ausgepr&#228;gter Hass auf die Obrigkeit machte die Menschen empf&#228;nglich f&#252;r die monstr&#246;sen Anschuldigungen gegen ein deutsches F&#252;rstenhaus.</p></blockquote>
<p>Da d&#252;rstete ein Publikum nach der Sensation, und das &#252;berbed&#252;rftige Individuum Hauser lieferte, was die Umgebung brauchte. Um sich zu zerstreuen? Um nicht g&#228;nzlich abzustumpfen? An dieser Stelle sollte man mal weiterdenken.</p>
<p><object type="application/x-shockwave-flash" style="width:460px; height:380px;" data="http://www.youtube.com/v/oxws9wUFixM"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/oxws9wUFixM" /></object></p>
<p><small>Reinhard Mey singt: »Kaspar Hauser«</small></p>
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		<title>Visum</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Nov 2009 21:49:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausser der Reihe]]></category>

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		<description>Mein erstes Visum im DDR-Ausweis vom 10.11.1989
&amp;#8226;&amp;#8226;&amp;#8226; Die Reportage »Schabowskis Zettel: Die Nacht, als die Mauer fiel« konnte ich eben nur mit einigen Gl&amp;#228;sern Talisker Single Malt ertragen. Es scheint mir nicht einmal geholfen zu haben, dar&amp;#252;ber zu schreiben. Ihr k&amp;#246;nnt Euch wahrscheinlich nicht vorstellen, was da in mir aufkocht, wenn ich diese Bilder sehe [...]</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/visum.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/visum_s.jpg" alt="Mein erstes Visum im DDR-Ausweis vom 10.11.1989" /></a><br />
<small>Mein erstes Visum im DDR-Ausweis vom 10.11.1989</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Die Reportage <a href="http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/3300510?pageId=487910&#038;moduleId=487904&#038;categoryId=&#038;goto=1&#038;show=">»Schabowskis Zettel: Die Nacht, als die Mauer fiel«</a> konnte ich eben nur mit einigen Gl&#228;sern Talisker Single Malt ertragen. Es scheint mir nicht einmal geholfen zu haben, <a href="http://turmsegler.net/20080927/einige-stunden-exil/">dar&#252;ber zu schreiben</a>. Ihr k&#246;nnt Euch wahrscheinlich nicht vorstellen, was da in mir aufkocht, wenn ich diese Bilder sehe und gezwungen bin, mich zu erinnern.</p>
<p>In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 habe ich ahnungslos geschlafen. Gegen 5:00 Uhr morgens klingelte das Telefon, ewig. Ich wurde wach. Aufstehen wollte ich nicht. Irgendwann nahm mein Vater ab, und ich h&#246;rte ihn sagen: »Du stehst auf dem Kudamm, jaja! Blau biste! Wei&#223;t Du eigentlich, wie sp&#228;t es ist?! H&#246;r doch auf: Kudamm!« Da habe ich das Radio angeschaltet und geh&#246;rt, was los war. Angerufen hatte ein Kollege meines Vaters, der nachts noch &#252;ber die Bornholmer Br&#252;cke nach Westberlin gekommen war. Er mag tats&#228;chlich blau gewesen sein, als er anrief. Aber er rief wirklich vom Kudamm aus an.</p>
<p>Mich kommt noch immer das kalte Grausen an, wenn ich bedenke, wie nah wir damals einer absoluten Katastrophe waren. Das regime war kopflos und hilflos. Die Regierung wusste nicht einmal, was vor sich ging. Die Potentaten schliefen in Wantlitz. Der Oberstleutnant an der Bornholmer Br&#252;cke &#246;ffnete den Schlagbaum aus Trotz, weil seine Vorgesetzten ihm nicht glauben wollten, wie viele Leute lautstark forderten, durchgelassen zu werden. Ob er die Leute durchlassen oder schie&#223;en lassen soll, hatte er seine M&#228;nner gefragt. Schie&#223;en? Nur das nicht. Also ging der Schlagbaum auf.</p>
<p>Erstaunlich &#8211; und gerade heute mal wieder f&#252;r mich bedeutsam &#8211; ist Schabowskis Schlusswort heute, 20 Jahre sp&#228;ter:</p>
<blockquote><p>Das Schicksal jeder Diktatur ist das. Wenn Sie anfangen, die Diktatur durch gewisse Reformen zu lockern, dann zeigt sich, dass diktatorische Regime durch Reformen nicht zu verbessern oder zu »veredeln« sind. Sondern sie sind durch Reformen nur abzuschaffen.</p></blockquote>
<p><img src="http://turmsegler.net/img/2009/schabowskis_zettel.jpg" alt="Die neue Ausreiseregelung vom 9. November 1989" /><br />
<small>Schabowskis Zettel: Ohne das Dokument zuvor angesehen zu haben, verlas G&#252;nther Schabowski am 9. November 1989 auf der internationalen Pressekonferenz zur Tagung des ZK der SED die neue Reiseregelung. Glaubt man der o. g. Dokumentation, war keinem der Genossen in Politb&#252;ro und ZK klar gewesen, was sie da abgenickt hatten.</small></p>
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		<title>Artist of the Month</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Nov 2009 20:38:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausser der Reihe]]></category>
		<category><![CDATA[Kerstin S. Klein]]></category>

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		<description>Kerstin S. Klein (aka Herzdame) Artist of the Month @ Steve Loyas »go flying turtle«
&amp;#8226;&amp;#8226;&amp;#8226; Von der Herzdame waren hier gelegentlich schon Bilder zu sehen. Und zu meiner und Markus A. Hedigers gro&amp;#223;er Freude hat sie ja auch letztes Jahr das Cover des »Kr&amp;#246;tenkarnevals« gestaltet. Auf Steve Loyas Kunstblog »go flying turtle« gibt es nun [...]</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://turmsegler.net/img/2009/ksk_strauss.jpg" alt="Kerstin S. Klein Sketch" height="295" width="460" /><br />
<small><strong><a href="http://kerstinsklein.blogspot.com/">Kerstin S. Klein</a></strong> (aka Herzdame) <a href="http://goflyingtrtl.blogspot.com/2009/10/artist-spotlight-kerstin-klein.html">Artist of the Month</a> @ Steve Loyas<a href="http://goflyingtrtl.blogspot.com/"> »go flying turtle«</a></small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Von der Herzdame waren hier gelegentlich schon Bilder zu sehen. Und zu meiner und Markus A. Hedigers gro&#223;er Freude hat sie ja auch letztes Jahr das Cover des <a href="http://edition-neue-moderne.de/programm/prosa-inseln/kroetenkarneval/">»Kr&#246;tenkarnevals«</a> gestaltet. Auf Steve Loyas Kunstblog <a href="http://goflyingtrtl.blogspot.com/">»go flying turtle«</a> gibt es nun ein <a href="http://goflyingtrtl.blogspot.com/2009/10/artist-spotlight-kerstin-klein.html">Interview mit Kerstin</a> und einen sch&#246;nen Querschnitt durch ihre k&#252;nstlerischen Arbeiten der letzten Jahre, eine, wie ich finde, sehr gelungene Auswahl.</p>
<p>Bevor ihr das Interview lest, m&#246;chte ich auch hier nochmals ausdr&#252;cklich darauf hinweisen, dass ich nicht zu jenem Teil von »friends and family« geh&#246;re, dem ihre Arbeiten zu dunkel oder zu skurril erscheinen. Im Gegenteil: Ich bewundere den Mut, mit dem sie kein Thema, das sie bewegt, ausspart. Sie ist da deutlich mutiger als ich.</p>
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		<title>Nur kein Seufzen</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Nov 2009 08:02:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Cory Doctorow]]></category>
		<category><![CDATA[Emma Thompson]]></category>
		<category><![CDATA[Kenneth Branagh]]></category>
		<category><![CDATA[Patrick Doyle]]></category>
		<category><![CDATA[William Shakespeare]]></category>

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		<description>»Sigh no more, ladies, sigh no more«, aus dem Kenneth-Branagh-Film
»Much ado about nothing«
Sigh no more, ladies, sigh no more,
Men were deceivers ever,
One foot in sea and one on shore,
To one thing constant never:
Then sigh not so, but let them go,
And be you blithe and bonny,
Converting all your sounds of woe
Into Hey nonny, nonny.
Sing no more [...]</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><object type="application/x-shockwave-flash" style="width:460px; height:380px;" data="http://www.youtube.com/v/miCAWdM8reA"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/miCAWdM8reA" /></object></p>
<p><small>»Sigh no more, ladies, sigh no more«, aus dem Kenneth-Branagh-Film<br />
»Much ado about nothing«</small></p>
<p>Sigh no more, ladies, sigh no more,<br />
Men were deceivers ever,<br />
One foot in sea and one on shore,<br />
To one thing constant never:<br />
Then sigh not so, but let them go,<br />
And be you blithe and bonny,<br />
Converting all your sounds of woe<br />
Into Hey nonny, nonny.<br />
Sing no more ditties, sing no moe,<br />
Of dumps so dull and heavey;<br />
The fraud of men was ever so,<br />
Since summer first was leavy:<br />
Then sigh not so, but let them go,<br />
And be you blithe and bonny,<br />
Converting all your sounds of woe<br />
Into Hey nonny, nonny!</p>
<p align="right"><strong><a href="http://turmsegler.net/tag/william-shakespeare/">William Shakespeare</a></strong>: <a href="http://www.enotes.com/much-ado-about-nothing-text">»Much ado about nothing«</a><br />
Akt II, Szene 3, Lied des Balthasar</p>
<p>&bull;&bull;&bull; Mit einem der Buchhandelsverteter kam ich <a href="http://turmsegler.net/20091029/feurige-reden/">am letzten Donnerstag</a> auf die Shakespeare-Verfilmungen von Kenneth Branagh zu sprechen. Ich sammle Shakespeare-&#220;bersetzungen und Shakespeare-Verfilmungen, und bei den Filmen z&#228;hlen die von und mit Kenneth Branagh zu meinen Favoriten. »Much ado about nothing« beispielsweise, eines der &#8211; nun ja &#8211; seichteren St&#252;cke Shakespeares, zeigt bei aller Gef&#228;lligkeit doch auch, auf welch hohem sprachlichen Niveau sich Entertainment bewegen kann. Nicht zu verachten sind auch die Filmmusiken, bei den Branagh-Adaptionen zumeist &#8211; wie bei »Heinrich V« und eben auch »Much ado about nothing« &#8211; von Patrick Doyle f&#252;r gro&#223;es Symphonieorchester komponiert.</p>
<p>Als wir sp&#228;ter auch auf die unvermeidliche <a href="http://turmsegler.net/20091031/buchuntergang/">Frage des potenziellen B&#252;chersterbens</a> zu sprechen kamen, &#252;berlegte ich, welche B&#252;cher ich gern elektronisch zur Hand h&#228;tte, so dass man sie immer bei sich haben kann. Das w&#228;ren zun&#228;chst alle Gedichtb&#228;nde, das w&#228;ren Dante, die Odyssee, <a href="http://turmsegler.net/20081118/ilias/">Raoul Schrotts »Ilias«</a> und meine Shakespeare-Sammlung (im Original und mit den &#220;bersetzungen, insbesondere denen von Frank G&#252;nther). Auf die B&#252;cher w&#252;rde ich deswegen noch lang nicht verzichten wollen. Aber einen Ziegel wie die »Ilias« tr&#228;gt man nun einmal nicht so leicht mit sich herum. </p>
<p>Ein aktuelles <a href="http://www.publishersweekly.com/article/CA6702526.html">Experiment</a> von <a href="http://craphound.com/">Cory Doctorow</a> gef&#228;llt mir in diesem Zusammenhang sehr gut. Er bietet sein neuestes Werk in verschiedenen Ausgaben an. Zu den Optionen z&#228;hlt eine Hardcover-Ausgabe, der ein Memory-Stick mit der eBook-Version beiliegt. Das k&#246;nnte Zukunft haben: f&#252;r jeden das passende Format, und bei der teurer herzustellenden Print-Ausgabe gibt es die elektronische Version als Beigabe. Doctorow zeigt bei seinem Experiment jedoch auch, wie die Preisgestaltung aussehen m&#252;sste. Die Palette reicht von <em>free</em> f&#252;r die eBook- und Audiobook-Version &#252;ber 16 US$ f&#252;r ein PrintOnDemand-Paperback, 250 US$ f&#252;r eine limitierte Hardcover-Ausgabe mit eBook-Dreingabe auf Stick bis zu 10.000 US$ f&#252;r &#8211; eine neue Story. Letzteres Angebot gibt es nur ein Mal, und wie ich Doctorow einsch&#228;tze, h&#228;tte er dieses Angebot mit einem Startpreis von 10.000 US$ auch auf eBay versteigern k&#246;nnen.</p>
<p>Doctorows Experiment wird aufgehen. Und die hiesigen Publikumsverlage t&#228;ten gut daran, sich heute bereits zu &#252;berlegen, welche dieser Ideen sich f&#252;r die Zukunft und ein gr&#246;&#223;eres Programm adaptieren lie&#223;en.</p>
<p><object type="application/x-shockwave-flash" style="width:460px; height:380px;" data="http://www.youtube.com/v/PIACPr5XEQM"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/PIACPr5XEQM" /></object></p>
<p><small>»Sigh no more, ladies, sigh no more«, aus dem Kenneth-Branagh-Film<br />
»Much ado about nothing«, gesprochen als Intro von Hauptdarstellerin Emma Thompson</small></p>
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		<title>Buchuntergang</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Oct 2009 19:09:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausser der Reihe]]></category>
		<category><![CDATA[Phillip Roth]]></category>

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		<description>Phillip Roth &amp;#8211; Foto: Douglas Healey
Das Buch konnte nicht mit dem Kino mithalten, es konnte nicht mit dem Fernsehen mithalten &amp;#8211; und es wird nicht mit dem Computer mithalten k&amp;#246;nnen.
&amp;#8226;&amp;#8226;&amp;#8226; In 25 Jahren w&amp;#252;rden B&amp;#252;cher nur noch von einer kultischen Minderheit gelesen werden. Vergleichbar mit Leuten, die heute lateinische Gedichte lesen. So Phillip Roth in [...]</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://turmsegler.net/img/2009/phillip_roth_ healey.jpg" alt="Phillip Roth - Foto: Douglas Healey" /><br />
<small><strong><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Philip_Roth">Phillip Roth</a></strong> &#8211; Foto: <a href="http://www.douglashealey.com/">Douglas Healey</a></small></p>
<blockquote><p>Das Buch konnte nicht mit dem Kino mithalten, es konnte nicht mit dem Fernsehen mithalten &#8211; und es wird nicht mit dem Computer mithalten k&#246;nnen.</p></blockquote>
<p>&bull;&bull;&bull; In 25 Jahren w&#252;rden B&#252;cher nur noch von einer kultischen Minderheit gelesen werden. Vergleichbar mit Leuten, die heute lateinische Gedichte lesen. So Phillip Roth in einem <a href="http://bazonline.ch/kultur/buecher/Philip-Roth-In-25-Jahren-sind-Buecher-verschwunden/story/23555479">Interview</a>. Ganz absurd scheint diese B&#252;cherendzeitvision ja nicht. Aber wird es so schlimm werden? Kultische Minderheit&#8230;</p>
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		<title>Handschriftenfund</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Oct 2009 15:16:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Leinwand]]></category>

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		<description>&amp;#8226;&amp;#8226;&amp;#8226; Gerade dr&amp;#252;ber gestolpert: Die ersten S&amp;#228;tze der »Leinwand« habe ich im Flugzeug nach Israel geschrieben, in ein von der Herzdame geschenktes Moleskine. Man kann denn letztendlichen Text immerhin schon erahnen.
&amp;#160;
Amnon Zichroni
Ich glaubte lange Zeit, ich h&amp;#228;tte so etwas wie einen sechsten Sinn. Nicht, dass ich tote Menschen sah oder etwas Vergleichbares, das man f&amp;#252;r [...]</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/leinwand-script.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/leinwand-script_s.jpg" alt="Notizen der ersten Leinwand-S&#228;tze (Zichroni)" /></a></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Gerade dr&#252;ber gestolpert: Die ersten S&#228;tze der »Leinwand« habe ich im Flugzeug nach Israel geschrieben, in ein von der Herzdame geschenktes Moleskine. Man kann denn letztendlichen Text immerhin schon erahnen.</p>
<div style="border-top: 1px dotted #ddd; margin: 3em 0;">&nbsp;</div>
<h4>Amnon Zichroni</h4>
<p>Ich glaubte lange Zeit, ich h&#228;tte so etwas wie einen sechsten Sinn. Nicht, dass ich tote Menschen sah oder etwas Vergleichbares, das man f&#252;r &#252;bernat&#252;rlich h&#228;tte halten k&#246;nnen. Es war eher das Gegenteil der Fall. Ich meinte, ein Gesp&#252;r zu haben f&#252;r das wirklich Vitale in Menschen, ein Gesp&#252;r daf&#252;r, was sie antrieb oder hinderte, etwas zu tun, f&#252;r jenen Kern in ihnen, den sie selbst in einem offenen Moment vielleicht als ihr Ich bezeichnet h&#228;tten.</p>
<p>Was einen Menschen ausmacht, steht ihm nicht ins Gesicht geschrieben. Es l&#228;sst sich nicht dem Klang seiner Stimme ablauschen. Man kann es nicht riechen und schmeckt es nicht einmal aus dem Tropfen Schwei&#223; auf der Schl&#228;fe im Augenblick der Angst. Wollte man sich auf Ber&#252;hrungen verlassen, w&#228;re man ganz verloren, denn Tastender und Ber&#252;hrter vermischen sich in der Ber&#252;hrung, und man kann nie sagen, ob man nicht mehr von sich selbst wahrnimmt in einem solchen Moment als von dem Menschen, den man zu erkennen hofft. Auch eine Mischung aus all dem ist es nicht.</p>
<p>Nein, das, wovon ich hier spreche, ist mit den uns f&#252;r gew&#246;hnlich verf&#252;gbaren Sinnen nicht zu fassen. Es ist die Melange aus allen Ber&#252;hrungen, Ger&#252;chen, Kl&#228;ngen, Bildern und Geschm&#228;ckern, denen unsere Sinne im Laufe der Zeit begegnet sind und die nicht vergessen wurden. Unsere Erinnerungen sind es, die uns zu dem machen, was wir sind. Unser Ged&#228;chtnis ist der wahre Sitz unseres Ich.</p>
<p>Erinnerung aber ist unbest&#228;ndig, stets bereit, sich zu wandeln. Mit jedem Erinnern formen wir um, filtern, trennen und verbinden, f&#252;gen hinzu, sparen aus und ersetzen so im Laufe der Zeit das Urspr&#252;ngliche nach und nach durch die Erinnerung an die Erinnerung. Wer wollte da noch sagen, was einmal wirklich geschehen ist?</p>
<p>Vergessen, sagt mancher meiner Kollegen leicht dahin, sei der Schorf der Psyche. Wie aber unter Schorf neue Haut w&#228;chst, um die Heilung zu vollenden, entsteht auch unterm Vergessen etwas Neues. Ich habe es wieder und wieder an meinen Klienten beobachten k&#246;nnen. Denn was jenen sechsten Sinn angeht, auf dem mein Erfolg als Psychoanalytiker beruhte und auf den ich mich immer verlassen konnte: Es war — ein Erinnerungssinn.</p>
<p>Ich roch, schmeckte, f&#252;hlte, h&#246;rte und sah Erinnerungen anderer Menschen; und ich bin unsicher, ob ich es eine Gabe nennen soll. T&#228;te ich es, m&#252;sste ich fragen, wer der Gebende war. Dort, wo ich herkomme, gibt es auf eine solche Frage nur eine Antwort: <em>Ha-Kadosch baruch-hu</em> – der Heilige, gelobt sei er – oder aber Satan, der ewige Versucher, und es h&#228;tte einzig an mir gelegen, den Beweis der tats&#228;chlichen Herkunft dieses Geschenks anzutreten. Denn jeder Gabe, so h&#228;tte man mir gesagt, wohne ein Anflug des Guten wie auch des B&#246;sen inne, und es l&#228;ge letztendlich in der Hand des Beschenkten, das Geschenk zu einem Segen oder einem Fluch zu machen.</p>
<p align="right">aus: »Die Leinwand« (Amnon Zichroni)<br />
erscheint am 27. 1. 2010 bei C. H. Beck</p>
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		<title>NaNoWriMo</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Oct 2009 11:25:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausser der Reihe]]></category>

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		<description>&amp;#8226;&amp;#8226;&amp;#8226; Das K&amp;#252;rzel NaNoWriMo (schon mal was von LTI geh&amp;#246;rt?!) steht f&amp;#252;r »National Novel Writing Month«, wobei »national« hier USA meint. Diesen Nationalen Romanschreibemonat gibt es bereits seit 10 Jahren, und es ist immer der November, wahrscheinlich, weil man da eh nicht vor die T&amp;#252;r gehen mag. Worum geht es? Ganz einfach: Zwischen dem 1. [...]</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.nanowrimo.org/eng/whatisnano"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/nanowrimo.jpg" alt="National Novel Writing Month Website" width="460" height="87" /></a></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Das K&#252;rzel NaNoWriMo (schon mal was von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/LTI_%E2%80%93_Notizbuch_eines_Philologen">LTI</a> geh&#246;rt?!) steht f&#252;r <a href="http://www.nanowrimo.org/eng/whatisnano">»National Novel Writing Month«</a>, wobei »national« hier USA meint. Diesen Nationalen Romanschreibemonat gibt es bereits seit 10 Jahren, und es ist immer der November, wahrscheinlich, weil man da eh nicht vor die T&#252;r gehen mag. Worum geht es? Ganz einfach: Zwischen dem 1. November und dem 30. November einen Roman von 50.000 W&#246;rtern (ca. 175 Seiten) zu schreiben. Quantit&#228;t vor Qualit&#228;t, hei&#223;t es in den <a href="http://www.nanowrimo.org/eng/faq">FAQ</a>: Just create! (&#220;berarbeiten k&#246;nne man dann sp&#228;ter&#8230;)</p>
<p>Ich denke ja, wenn jemand nicht schreibt: Gut so! Einfach bleiben lassen und sich des Lebens freuen. Aber man kann dar&#252;ber offenbar auch anderer Meinung sein. Mich interessiert brennend, was die Turmsegler davon halten.</p>
<p>Wer die Idee sympathisch findet, kann ja noch schnell die Bleistifte spitzen und heute um Mitternacht loslegen. Ich w&#252;nsche schon mal gutes Gelingen!</p>
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		<title>Feurige Reden</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Oct 2009 07:52:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Kenneth Branagh]]></category>
		<category><![CDATA[William Shakespeare]]></category>

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		<description>Heinrich V &amp;#8211; Szene aus dem gleichnamigen Film von und mit Kenneth Branagh
&amp;#8226;&amp;#8226;&amp;#8226; Eines meiner liebsten St&amp;#252;cke von Shakespeare ist »Heinrich V«. Besonders angetan haben es mir bei diesem St&amp;#252;ck seine feurigen Reden. So etwa die unmissverst&amp;#228;ndliche Antwort Heinrichs auf Botschaft und Geschenk des Dauphin von Frankreich &amp;#8211; eine Truhe voller Tennisb&amp;#228;lle &amp;#8211; auf das [...]</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://turmsegler.net/img/2009/henry_v_branagh.jpg" alt="Heinrich V - Szene aus dem gleichnamigen Film von und mit Kenneth Branagh" /><br />
<small>Heinrich V &#8211; Szene aus dem gleichnamigen Film von und mit Kenneth Branagh</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Eines meiner liebsten St&#252;cke von Shakespeare ist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_V._%28Drama%29">»Heinrich V«</a>. Besonders angetan haben es mir bei diesem St&#252;ck seine feurigen Reden. So etwa die unmissverst&#228;ndliche Antwort Heinrichs auf Botschaft und Geschenk des Dauphin von Frankreich &#8211; eine Truhe voller Tennisb&#228;lle &#8211; auf das englische Ultimatum. Oder die Aufforderung zur Kapitulation an die Stadtoberen des belagerten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Harfleur">Harfleur</a>.</p>
<p>Das Highlight aber war f&#252;r mich immer Heinrichs gro&#223;e Rede vor der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Azincourt">Schlacht bei Azincourt</a>. 12.000 von K&#228;mpfen und M&#228;rschen ermattete englische Soldaten treffen auf ein frisches Heer von 60.000 Franzosen. Eine Niederlage scheint unvermeidlich. In der Nacht vor der Schlacht mischt sich der K&#246;nig unerkannt unter seine Soldaten, die den Morgen f&#252;rchten, w&#228;hrend die Franzosen ihn ersehnen. Er sp&#252;rt ihre Angst, die Mutlosigkeit vor der aussichtslos erscheinenden Schlacht.</p>
<p>Am kommenden Morgen stellt er den kampfunwilligen Soldaten frei zu gehen, um die kampfwilligen Kameraden nicht zu entmutigen. Dass niemand kneift, liegt nat&#252;rlich vor allem an besagter feuriger Rede, mit der Heinrich seine ersch&#246;pfte Streitmacht so motiviert, dass sie anschlie&#223;end einen triumphalen Sieg erringt.</p>
<p><object type="application/x-shockwave-flash" style="width:460px; height:380px;" data="http://www.youtube.com/v/OAvmLDkAgAM"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/OAvmLDkAgAM" /></object></p>
<p><small>Kenneth Branagh als Heinrich V vor der Schlacht bei Azincourt:<br />
»We few, we happy few, we band of brothers&#8230;«</small></p>
<p>Heute stelle ich auf der Vertreterkonferenz von C. H. Beck <a href="http://turmsegler.net/category/die-leinwand/">»Die Leinwand«</a> vor. Nun ist B&#252;cherverkaufen gl&#252;cklicherweise kein blutiges Handwerk. Und so, wie ich die Vertreter gestern bereits erlebt habe, brauchen sie auch kein feuriges Anreden gegen Mutlosigkeit. Wenn auch nicht mit einer feurigen Rede, so hoffe ich doch, sie euphorisch stimmen zu k&#246;nnen. Denn vor allem sie sind es, die die B&#252;cher zu den Buchh&#228;ndlern und ihnen nahebringen m&#252;ssen &#8211; und das ist der entscheidende Schritt hin zu den Lesern.</p>
<p>Die Lesung auf der Vertreterkonferenz wird &#252;brigens aufgezeichnet, so dass, wer mag, mit ein wenig zeitlichem Versatz audiovisuell dabei sein kann, sicher auf der <a href="http://www.facebook.com/CHBeckLiteratur">Facebook-Seite von C. H. Beck</a> und vermutlich auch hier im Turmsegler.</p>
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		<title>Worin die Notwendigkeit liegt</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Oct 2009 12:03:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausser der Reihe]]></category>
		<category><![CDATA[Günter Eich]]></category>
		<category><![CDATA[Ilse Aichinger]]></category>

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		<description>Ilse Aichinger (*1921)
&amp;#8226;&amp;#8226;&amp;#8226; Das ist mal wieder eine F&amp;#252;gung: Vor einigen Tagen erst dachte ich unvermittelt an G&amp;#252;nter Eich und seine »Tr&amp;#228;ume«-H&amp;#246;rspiele, &amp;#252;ber die ich schon lange einmal hier schreiben will, es aber immer wieder aufschiebe; und heute erreicht mich via @Hilbi ein Tweet mit Hinweis auf ein Interview mit Ilse Aichinger, die &amp;#8211; was [...]</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://turmsegler.net/img/2009/ilse_aichinger.jpg"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/ilse_aichinger_s.jpg" alt="Ilse Aichinger" /></a><br />
<small><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ilse_Aichinger"><b>Ilse Aichinger</b></a> (*1921)</small></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Das ist mal wieder eine F&#252;gung: Vor einigen Tagen erst dachte ich unvermittelt an <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Eich">G&#252;nter Eich</a> und seine <a href="http://www.amazon.de/Bibliothek-Suhrkamp-Bd-16-Tr&#228;ume-Spiele/dp/3518010166/">»Tr&#228;ume«-H&#246;rspiele</a>, &#252;ber die ich schon lange einmal hier schreiben will, es aber immer wieder aufschiebe; und heute erreicht mich via <a href="http://twitter.com/Hilbi">@Hilbi</a> ein Tweet mit Hinweis auf ein <a href="http://www.zeit.de/1996/45/aich.txt.19961101.xml">Interview mit Ilse Aichinger</a>, die &#8211; was ich bis eben gar nicht wusste &#8211; 19 Jahre mit <a href="http://turmsegler.net/tag/guenter-eich/">G&#252;nter Eich</a> verheiratet war. </p>
<p>Dieses Interview ist eine Perle, ein Juwel. Welch poetischer Lebens&#252;berdruss und dabei doch ohne Larmoyanz! Schreiben? sagt sie: Ich <em>muss</em> doch nicht schreiben! Und einen Rat an die jungen Autoren gibt es auch:</p>
<blockquote>
<p class="drama">ZEIT: Was sollen die jungen Autoren heute machen?</p>
<p class="drama">ILSE AICHINGER: Sich klarmachen, worin die Notwendigkeit liegt. Vor allem, einen anderen Beruf haben. Schreiben ist kein Beruf. Heute nicht mehr. Die Sprache ist zersplittert, das m&#252;&#223;te man doch wissen. Robert Musil hat das vollkommen durchschaut. Aber die meisten schreiben rasch chronologisch und unaufmerksam vor sich hin. Sich als Autor allein zu definieren, ist heute nicht mehr m&#246;glich. Egal ob man Installateur, Krankenpfleger oder im B&#252;ro ist. Das ist noch eine andere Welt, auch wenn sie einen an&#246;det. Wenn mich jemand nach meinem Beruf fragt, sage ich &#8220;privat&#8221;.</p>
</blockquote>
<p>Aber da wird noch viel mehr verhandelt. Unbedingt lesenswert.</p>
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		<title>Die Kinder der Toten gehen spielen</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Oct 2009 21:09:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Guillaume Apollinaire]]></category>
		<category><![CDATA[Léo Ferré]]></category>

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		<description>Guillaume Apollinaire, la colombe poignardée et le jet d&amp;#8217;eau.
Die Kinder der Toten gehen spielen
Auf dem Friedhof mit Marmor und Zypressen.
Die alten Frauen
Kommen hierhin um zu weinen.
Das ist der Tag der Toten und aller ihrer Seelen.
Die Kinder und die alten Frauen
Z&amp;#252;nden Talglichter und Kerzen an
Auf jedem katholischen Grab.
Die Kopft&amp;#252;cher der Alten
Die Wolken am Himmel
Sind wie Ziegenb&amp;#228;rte
Die [...]</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://images.google.com/images?hl=en&#038;safe=off&#038;client=safari&#038;rls=en&#038;um=1&#038;sa=1&#038;q=apollinaire+calligrammes&#038;btnG=Search+images&#038;aq=f&#038;oq=&#038;aqi=&#038;start=0"><img src="http://turmsegler.net/img/2009/medium_colombe.jpg" alt="Guillaume Apollinaire, la colombe poignardée et le jet d'eau." /></a><br />
<small>Guillaume Apollinaire, la colombe poignardée et le jet d&#8217;eau.</small></p>
<p>Die Kinder der Toten gehen spielen<br />
Auf dem Friedhof mit Marmor und Zypressen.<br />
Die alten Frauen<br />
Kommen hierhin um zu weinen.<br />
Das ist der Tag der Toten und aller ihrer Seelen.<br />
Die Kinder und die alten Frauen<br />
Z&#252;nden Talglichter und Kerzen an<br />
Auf jedem katholischen Grab.<br />
Die Kopft&#252;cher der Alten<br />
Die Wolken am Himmel<br />
Sind wie Ziegenb&#228;rte<br />
Die warme Luft l&#228;sst den Horizont des Friedhofs zittern<br />
Wo frische Blumenbestecke heute jeden Stein schm&#252;cken<br />
Die Luft zittert von Flammen und Gebeten.<br />
Ah! dass es heute regnet<br />
Die Tr&#228;nen dieser Toten<br />
Um die Flammen auszul&#246;schen.<br />
Dass doch diese Toten wiederkehren<br />
Und ihr Totentanz<br />
Um die Frauen zum Lachen zu bringen.<br />
Dass sie alle von Ihren Bahren steigen:<br />
Die Kluge Jungfrau und die Hure,<br />
Die Bettler im Bierrausch verschieden,<br />
Die Blinden blind wie das Schicksal<br />
Und die h&#252;bschen jungen Gefallenen<br />
Und die Kinder beim Beten gestorben,<br />
Die B&#252;rgermeister, die Schiffer<br />
Und die Regierungsr&#228;te<br />
Und die Zigeuner ohne Papiere.<br />
Das Leben verfault ihnen im Bauch<br />
Das Kreuz w&#228;chst zwischen ihren F&#252;&#223;en<br />
Dass sie doch alle im Tanz wiederkehren.<br />
Der Wind braust um die unbewegten Zypressen.<br />
Die Kinder z&#252;nden die ausgel&#246;schten Kerzen wieder an.<br />
Und welke Bl&#228;tter<br />
Bedecken jetzt die Toten.<br />
Der Wind vom Rhein heult zusammen mit dem K&#228;uzchen.<br />
Tote Kinder sprechen manchmal mit ihren M&#252;ttern<br />
Und Tote m&#246;chten manchmal gerne zur&#252;ckkehren.<br />
– Oh! ich m&#246;chte nicht dass du herauskommst<br />
Der Herbst ist voller abgeschlagener H&#228;nde<br />
– Nein, nein das sind doch welke Bl&#228;tter<br />
– Das sind die H&#228;nde der lieben toten Frauen<br />
Das sind deine H&#228;nde, deine abgeschlagenen H&#228;nde.<br />
Die Flammen zittern auf dem Friedhof bis in die Nacht.<br />
Wir haben heute so viel geweint<br />
Mit diesen Toten, ihren Kindern und den alten Frauen,<br />
Unter dem sonnenlosen Himmel<br />
Auf dem Friedhof voller Flammen.<br />
Im Wind sind wir dann von dort zur&#252;ckgegangen.<br />
Die Kastanien rollten unter unseren F&#252;&#223;en<br />
Wie Herzen toter Frauen.<br />
Die Stachelschalen der Kastanien<br />
Waren wie das verwundete Herz der Muttergottes<br />
Von der man nicht wei&#223; ob ihre Haut<br />
Die Farbe der Kastanien im Herbste hatte.<br />
Mit sieben Schmerzen sind Schalen und Herzen gespickt.<br />
Die Herzen der Frauen und der M&#228;nner,<br />
Herzen mit Versen bespickt die sich im Faulen vereinen<br />
O Herz der Toten.</p>
<p align="right"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Guillaume_Apollinaire"><strong>Guillaume Apollinaire</strong></a> (1880-1918)<br />
(entstanden 1901, ver&#246;ffentlicht 1909 in »La Voile de Pourpre«)</p>
<p>&bull;&bull;&bull; Die Herzdame zeichnet wieder, was mich sehr freut. Letztens m&#252;hte sie sich eine ganze Nacht lang &#252;ber einem aufwendigen <a href="http://turmsegler.net/img/2009/msteinberg.png">Muster</a>. Ganz abgesehen davon, dass mich die Blumen tats&#228;chlich ablenkten von der devot Knieenden, fiel mir auch sp&#228;ter nicht auf, dass die Dame nicht mit Linien gezeichnet ist sondern aus Worten eines Gedichtes. Das fiel mir ein, als ich die gezeichneten Gedichte Apollinaires sah.</p>
<p>Was wir jetzt hier haben, ist ein wilder Mix. Das Bildgedicht oben ist nicht das hier als Text pr&#228;sentierte. Das im untenstehenden Video von Léo Ferré vertonte Gedicht ist noch ein anderes. Die versprochene Apollinaire-H&#246;rprobe sei nachgereicht: Er spricht <a href="http://turmsegler.net/20091022/unterm-pont-mirabeau/">»Pont Mirabeau«</a>.</p>
<p>Und um welches Gedicht es sich auf dem Bild der Herzdame handelt, das wollte sie nicht verraten. Und ich konnte es beim besten Willen nicht entziffern.</p>
<p><object type="application/x-shockwave-flash" style="width:460px; height:380px;" data="http://www.youtube.com/v/KoVccdWLaco"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/KoVccdWLaco" /></object></p>
<p><small>Guillaume Apollinaire: »Marie«, vertont von Léo Ferré</small></p>
<p><object type="application/x-shockwave-flash" style="width:460px; height:380px;" data="http://www.youtube.com/v/eCpg6SMzXC4"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/eCpg6SMzXC4" /></object></p>
<p><small>Guillaume Apollinaire spricht <a href="http://turmsegler.net/20091022/unterm-pont-mirabeau/">»Pont Mirabeau«</a></small></p>
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		<title>Unterm Pont Mirabeau</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Oct 2009 21:53:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Guillaume Apollinaire]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Magnus Enzensberger]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://turmsegler.net/?p=4268</guid>
		<description>Pont Mirabeau, Paris
Unterm Pont Mirabeau flie&amp;#223;t die Seine.
Was Liebe hie&amp;#223;,
mu&amp;#223; ich es in ihr wiedersehn?
Mu&amp;#223; immer der Schmerz vor der Freude stehn?
Nacht komm herbei, Stunde schlag!
Ich bleibe, fort geht Tag um Tag.
Die H&amp;#228;nde, die Augen geben wir hin.
Br&amp;#252;cken die Arme,
darunter unstillbar ziehn
die Blicke, ein mattes Fluten und Fliehn.
Nacht komm herbei, Stunde schlag!
Ich bleibe, fort geht [...]</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img width="460" height="297" src="http://turmsegler.net/img/2009/pont_mirabeau.jpg" alt="Pont Mirabeau, Paris" /><br />
<small>Pont Mirabeau, Paris</small></p>
<p>Unterm Pont Mirabeau flie&#223;t die Seine.<br />
Was Liebe hie&#223;,<br />
mu&#223; ich es in ihr wiedersehn?<br />
Mu&#223; immer der Schmerz vor der Freude stehn?</p>
<p>Nacht komm herbei, Stunde schlag!<br />
Ich bleibe, fort geht Tag um Tag.</p>
<p>Die H&#228;nde, die Augen geben wir hin.<br />
Br&#252;cken die Arme,<br />
darunter unstillbar ziehn<br />
die Blicke, ein mattes Fluten und Fliehn.</p>
<p>Nacht komm herbei, Stunde schlag!<br />
Ich bleibe, fort geht Tag um Tag.</p>
<p>Wie der Strom flie&#223;t die Liebe, so<br />
geht die Liebe fort.<br />
Wie lang w&#228;hrt das Leben! Oh,<br />
wie brennt die Hoffnung so lichterloh!</p>
<p>Nacht komm herbei, Stunde schlag!<br />
Ich bleibe, fort geht Tag um Tag.</p>
<p>Wie die Tage fort, wie die Wochen gehn!<br />
Nicht vergangene Zeit<br />
noch Lieb werd ich wiedersehn!</p>
<p>Unterm Pont Mirabeau flie&#223;t die Seine.<br />
Nacht komm herbei, Stunde schlag!<br />
Ich bleibe, fort geht Tag um Tag.</p>
<p align="right"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Guillaume_Apollinaire"><strong>Guillaume Apollinaire</strong></a> (1880-1918)<br />
Nachdichtung: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Magnus_Enzensberger">Hans Magnus Enzensberger</a></p>
<p>&bull;&bull;&bull; Eben spielte die Herzdame eine ungeheuer dramatische Rezitation ab. Ich f&#252;hlte mich erinnert an <a href="http://turmsegler.net/20070312/amor-america-1400/">Neruda</a>. Aber es war Franz&#246;sisch: Guillaume Apollinaire.</p>
<p>Diese H&#246;rprobe sei aber noch aufgeschoben. Stattdessen g&#246;nnen wir uns mal ein Chanson&#8230;</p>
<p><object type="application/x-shockwave-flash" style="width:460px; height:380px;" data="http://www.youtube.com/v/DvOeX9b4Tp4"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/DvOeX9b4Tp4" /></object></p>
<p><small>Marc Lavoine &#8211; Le Pont Mirabeau</small></p>
<blockquote><h4>Le Pont Mirabeau</h4>
<p>Sous le pont Mirabeau coule la Seine<br />
Et nos amours<br />
Faut-il qu’il m’en souvienne<br />
La joie venait toujours après la peine.</p>
<p>Vienne la nuit sonne l’heure<br />
Les jours s’en vont je demeure</p>
<p>Les mains dans les mains restons face à face<br />
Tandis que sous<br />
Le pont de nos bras passe<br />
Des éternels regards l’onde si lasse</p>
<p>Vienne la nuit sonne l’heure<br />
Les jours s’en vont je demeure</p>
<p>L’amour s’en va comme cette eau courante<br />
L’amour s’en va<br />
Comme la vie est lente<br />
Et comme l’Espérance est violente</p>
<p>Vienne la nuit sonne l’heure<br />
Les jours s’en vont je demeure</p>
<p>Passent les jours et passent les semaines<br />
Ni temps passé<br />
Ni les amours reviennent<br />
Sous le pont Mirabeau coule la Seine</p>
<p>Vienne la nuit sonne l’heure<br />
Les jours s’en vont je demeure</p>
<p align="right"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Guillaume_Apollinaire"><strong>Guillaume Apollinaire</strong></a> (1880-1918)</p>
</blockquote>
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		<title>Turmsegler • Benjamin Stein hat 0 Fans</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Oct 2009 11:59:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Stein</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausser der Reihe]]></category>

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		<description>&amp;#8226;&amp;#8226;&amp;#8226; Der Turmsegler hat jetzt eine Facebook-Fanpage. Ja, wie eitel ist das denn?, ruft es aus der zweiten Reihe. Und wof&amp;#252;r soll das gut sein? Das will ich gern erkl&amp;#228;ren.
Ich habe schon lange einen Facebook-Account. Benutzt habe ich ihn allerdings bis vor Kurzem kaum. Auf diese Weise alte Freunde wiederzufinden und mitzubekommen, wo sie gerade [...]</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&bull;&bull;&bull; Der Turmsegler hat jetzt eine <a href="http://www.facebook.com/pages/Turmsegler-Benjamin-Stein/164771652203">Facebook-Fanpage</a>. Ja, wie eitel ist das denn?, ruft es aus der zweiten Reihe. Und wof&#252;r soll das gut sein? Das will ich gern erkl&#228;ren.</p>
<p>Ich habe schon lange einen <a href="http://www.facebook.com/home.php#/profile.php?id=1240513415&#038;ref=mf">Facebook-Account</a>. Benutzt habe ich ihn allerdings bis vor Kurzem kaum. Auf diese Weise alte Freunde wiederzufinden und mitzubekommen, wo sie gerade sind und was sie so treiben, macht Spa&#223;. Und da Facebook heute auch vom iPhone aus so gut anzusteuern und mit netten Applikationen wie etwa BestCamera u. v. a. verkn&#252;pfbar ist, gibt es nun auch auf meinem Facebook-Profil neuerdings mehr Aktion.</p>
<p>Ich will diesem Account aber doch ein wenig Privatheit lassen. So m&#246;chte ich beispielsweise nicht jede »Freundschaftsanfrage« von Turmsegler-Lesern annehmen, die ich nicht tats&#228;chlich wenigstens aus Online-Kommunikation kenne. Es soll sich aber auch niemand vor den Kopf gesto&#223;en f&#252;hlen, wenn ich eine solche Anfrage nicht annehme. Eine Turmsegler-Fanpage schafft da vielleicht Abhilfe.</p>
<p>Dies allein w&#228;re nun aber sicher nicht genug. Der Turmsegler hat in den letzten zwei Wochen ein paar Layout-Experimente durchgemacht. Wirklich gut kamen die &#196;nderungen nicht an. Die neue Toolbar am unteren Fensterrand finde ich allerdings weiterhin enorm praktisch. &#220;ber sie kann man suchen, Beitr&#228;ge in x Sprachen &#252;bersetzen lassen oder &#252;ber diverse soziale Dienste mit seinen Freunden teilen. Und das alles, ohne dass hierf&#252;r das puristische Layout mit Icons zugepflastert werden m&#252;sste. Und Facebook schlie&#223;lich l&#228;sst sich so auch in die Site integrieren.</p>
<p>Auf der Fanpage m&#252;sste nun nat&#252;rlich auch ein wenig Action stattfinden. Und im Moment dr&#228;ngt sich mir da folgende Idee auf: In etwa 100 Tagen wird mein neuer Roman »Die Leinwand« bei C. H. Beck erscheinen. Das Entstehen dieses Buches wurde im Turmsegler dokumentiert &#8211; mit &#252;ber 100 Beitr&#228;gen &#8211; von der ersten Idee &#252;ber die Recherchereisen bis hin zu Text- und H&#246;rproben und Berichten &#252;ber die Erfahrungen mit Agent(in), Verlagssuche und Lektorat. </p>
<p>Auf der Fanpage werde ich bis zum Erscheinen des Buches ausgew&#228;hlte Beitr&#228;ge zur »Leinwand« aus dem Archiv des Turmseglers hieven und auf die Fanpage stellen. Ich erinnere mich auf diese Art gern an die Monate des Schreibens, die Euphorie und die Zweifelsanf&#228;lle. Und vielleicht ist das ja auch f&#252;r den einen oder anderen Turmsegler-Leser interessant, der erst im Laufe der letzten Monate dazugesto&#223;en ist.</p>
<p><small>PS: W&#228;hrend ich diesen Beitrag geschrieben habe, stimmt der Titel schon nicht mehr. Zwei Fans der ersten Stunde haben sich tats&#228;chlich schon eingefunden. Das nenne ich Treue. Danke.</small></p>
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