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	<title>Stefan Niggemeier</title>
	
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	<description>Medienjournalist</description>
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		<title>Anwalt Schertz verliert gegen „Stalker”</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Mar 2010 00:31:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Niggemeier</dc:creator>
				<category><![CDATA[blog]]></category>
		<category><![CDATA[Buskeismus]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Schertz]]></category>
		<category><![CDATA[Rolf Schälike]]></category>

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		<description><![CDATA[[Vorbemerkung: Die Kanzlei von Christian Schertz hat mich in mehreren rechtlichen Auseinandersetzungen vertreten; er hat mir und BILDblog unentgeltlich geholfen. Ich habe mich jedoch vor einiger Zeit entschlossen, seine Dienste nicht mehr in Anspruch zu nehmen.]
Der prominente Berliner Medienanwalt Christian Schertz ist gestern vorl&#228;ufig mit dem Versuch gescheitert, einen hartn&#228;ckigen kritischen Berichterstatter gerichtlich zum &#8222;Stalker&#8221; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small>[Vorbemerkung: Die Kanzlei von Christian Schertz hat mich in mehreren rechtlichen Auseinandersetzungen vertreten; er hat mir und BILDblog unentgeltlich geholfen. Ich habe mich jedoch <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wenn-der-abmahner-zweimal-klingelt/">vor einiger Zeit entschlossen</a>, seine Dienste nicht mehr in Anspruch zu nehmen.]</small></p>
<p>Der prominente Berliner Medienanwalt Christian Schertz ist gestern vorl&#228;ufig mit dem Versuch gescheitert, einen hartn&#228;ckigen kritischen Berichterstatter gerichtlich zum &#8222;Stalker&#8221; erkl&#228;ren zu lassen und dadurch mundtot zu machen. </p>
<p>Es ist eine in vielfacher Hinsicht bizarre und beunruhigende Auseinandersetzung. Schertz f&#252;hlt sich von Rolf Sch&#228;like verfolgt, einem Mann, <a href="http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/einsamer-kampf-eines-gerichtreporters/">der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat</a>, die Verhandlungen der Hamburger und Berliner Pressekammern zu dokumentieren, in deren Rechtssprechung er regelm&#228;&#223;ig eine Einschr&#228;nkung der Meinungsfreiheit sieht und die er &#8222;Zensurkammern&#8221; nennt. Die Kanzlei Schertz Bergmann und andere nennt er entsprechend &#8222;Zensurkanzleien&#8221;, Schertz selbst einen &#8222;Zensurguru&#8221;.</p>
<p>Schertz hat Sch&#228;like, der im Gerichtssaal bei den Verhandlungen mitprotokolliert und meist schwer verst&#228;ndliche Texte auf seiner Seite <a href="http://buskeismus.de/">&#8222;Buskeismus&#8221;</a> ver&#246;ffentlicht, mit einer Flut von Klagen &#252;berzogen. Es geht dabei nicht nur um (angebliche oder tats&#228;chliche) Beleidigungen, sondern auch um die Frage, ob es ein so einflussreicher Anwalt hinnehmen muss, dass sein Vorgehen vor Gericht dokumentiert und somit einer kritischen Bewertung durch die &#214;ffentlichkeit zug&#228;nglich gemacht wird. Nachdem Sch&#228;like dann nat&#252;rlich auch &#252;ber die Prozesse berichtet hat, die diese Frage verhandeln, ist Schertz auch dagegen vorgegangen. Im Klartext: Er versucht Sch&#228;like nicht nur zu untersagen, &#252;ber ihn zu berichten; er versucht auch, ihm zu untersagen, dar&#252;ber zu berichten, dass er versucht, ihm zu untersagen, &#252;ber ihn zu berichten. </p>
<p>Der 71-j&#228;hrige Rolf Sch&#228;like ist ein anstrengender Mensch, der sich mit einem gewissen Wahn dem Thema widmet und dabei zweifellos h&#228;ufiger &#252;ber das Ziel hinaus schie&#223;t. Aber auch das Verhalten von Christian Schertz l&#228;sst sich rational kaum noch erkl&#228;ren. Er aber geht nicht nur gegen Sch&#228;like vor, sondern nach meiner &#220;berzeugung auch gegen die Meinungsfreiheit. (Er hat sogar versucht, gegen einen <a href="http://www.seiten.faz-archiv.de/fas/20090628/sd1200906282320961.html">Artikel in der &#8222;Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung&#8221; &#252;ber Sch&#228;like</a> vorzugehen, in dem er namentlich nicht einmal genannt wird, weil er meinte, dass Leser glauben k&#246;nnten, er stecke hinter dem anonymen Zitat eines anderen Anwaltes.)</p>
<p>Anfang 2009 griff Schertz, offensichtlich beeindruckt von der Renitenz Sch&#228;likes, der sich auch durch horrende Rechtskosten nicht einsch&#252;chtern lie&#223;, zu einem neuen, originellen und drastischen Mittel: das <a href="http://dejure.org/gesetze/GewSchG/1.html">Gewaltschutzgesetz</a>. Es ist erst vor wenigen Jahren verabschiedet worden, um Opfer von h&#228;uslicher Gewalt und Stalkern besser zu sch&#252;tzen. Der m&#228;chtige Anwalt Christian Schertz erkl&#228;rte sich zum Stalking-Opfer des Bloggers Rolf Sch&#228;like und forderte den Schutz des Staates. Er berief sich dabei auf die Gesetzes-Formulierung, wonach ein Gericht erm&#228;chtigt ist, gegen jemanden vorzugehen, der &#8222;eine andere Person dadurch unzumutbar bel&#228;stigt, dass sie ihr gegen den ausdr&#252;cklich erkl&#228;rten Willen wiederholt nachstellt oder sie unter Verwendung von Fernkommunikationsmitteln verfolgt&#8221;. Bel&#228;stigt f&#252;hlte sich Schertz unter anderem durch eine <a href="http://go2.wordpress.com/?id=725X1342&#038;site=meierhof.wordpress.com&#038;url=http%3A%2F%2Fmeierhof.files.wordpress.com%2F2009%2F03%2Femail_schaelike.pdf">E-Mail Sch&#228;likes</a> und eine <a href="http://go2.wordpress.com/?id=725X1342&#038;site=meierhof.wordpress.com&#038;url=http%3A%2F%2Fmeierhof.files.wordpress.com%2F2009%2F03%2Fweihnachtskarte_schaelike.pdf">merkw&#252;rdige Weihnachtskarte</a>.</p>
<p>Das Amtsgericht Charlottenburg lehnte die von Schertz beantragte einstweilige Verf&#252;gung gegen Sch&#228;like ab, <a href="http://go2.wordpress.com/?id=725X1342&#038;site=meierhof.wordpress.com&#038;url=http%3A%2F%2Fmeierhof.files.wordpress.com%2F2009%2F03%2Fschaelike1.pdf">das Landgericht Berlin gab sie ihm</a>, allerdings mit einer Befristung auf sechs Monate. Es verbot Sch&#228;like unter anderem, in dieser Zeit &#8222;in irgend einer Form Kontakt zu dem Antragsteller aufzunehmen, etwa durch pers&#246;nliche Ansprache, Telefonat, Fax, SMS, Email, Gru&#223;karten oder Briefsendungen&#8221; sowie sich Schertz &#8222;auf weniger als 50 m zu n&#228;hern; bei zuf&#228;lligen Begegnungen ist der Abstand von 50 m durch den Antragsgegner unverz&#252;glich wieder herzustellen&#8221;. Damit durfte sich Sch&#228;like auch nicht mehr im Gerichtssaal aufhalten, wenn Schertz anwesend war. </p>
<p>Diese Verf&#252;gung wurde sechs Wochen sp&#228;ter, am 28. April 2009, <a href="http://www.telemedicus.info/urteile/Allgemeines-Persoenlichkeitsrecht/773-AG-Charlottenburg-Az-216-C-100109-Kein-virtuelles-Stalking-durch-Artikel-im-Internet.html">nun wieder vom Amtsgericht Charlottenburg gekippt</a>, wogegen Schertz Berufung einlegte.  </p>
<p>Schertz Berufungsantrag wurde nun gestern vom Landgericht Berlin als unzul&#228;ssig abgelehnt.</p>
<p>Es scheint, als w&#228;ren Schertz dabei seine eigenen juristischen Kniffe zum Verh&#228;ngnis geworden. Die Richterin machte deutlich, dass sie das Vorgehen seiner Kanzlei h&#246;chst zweifelhaft fand. Schertz forderte im Grunde, eine einstweilige Verf&#252;gung wieder in Kraft zu setzen, die aber ohnehin nicht mehr gelten w&#252;rde, weil ihre sechsmonatige Befristung l&#228;ngst abgelaufen ist. Seine Rechtsvertreterin (Schertz war selbst nicht anwesend) verwickelte sich beim Versuch, ihren Berufungsantrag nachtr&#228;glich so umzuformulieren, dass sie vom Gericht nicht sofort aus formalen Gr&#252;nden abgewiesen wird, in heillose Widerspr&#252;che. Urspr&#252;nglich hatte sie gefordert, dass die Stalking-Vorgaben f&#252;r Sch&#228;like unbefristet gelten sollen. Dann sprach sie davon, dass sechs Monate, wie sie das Landgericht vorgegeben hatte, ausreichten: In dieser Zeit der Zwangstrennung k&#246;nne Sch&#228;like ja vielleicht vern&#252;nftig werden. Diese sechs Monate m&#252;ssten aber nat&#252;rlich ab jetzt erst gelten, nicht vom Zeitpunkt im vergangenen Jahr, zu dem die einstweilige Verf&#252;gung erlassen wurde. </p>
<p>Ihre Argumentation war au&#223;erordentlich perfide: Wie notwendig und positiv die einstweilige Verf&#252;gung sei, zeige sich daran, dass sie auf Sch&#228;like offenbar &#8222;starke Wirkung&#8221; gehabt habe, sagte sie. &#8212; Als k&#246;nnte die &#8222;starke Wirkung&#8221;, n&#228;mlich die gewaltige Emp&#246;rung des Gegners, nicht auch damit zu tun haben, dass sich jemand, der sich blo&#223; als radikaler K&#228;mpfer f&#252;r Transparenz und Meinungsfreiheit sieht, pl&#246;tzlich vorwerfen lassen muss, er sei ein &#8222;Stalker&#8221;. Oder damit, dass Rolf Sch&#228;like mangels Meinungsfreiheit in der DDR zu einer siebenj&#228;hrigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde und zehn Monate im Stasi-Gef&#228;ngnis sa&#223;, und es einfach nicht fassen kann, dass ihm in der Bundesrepublik sein Recht auf freie Meinungs&#228;u&#223;erung in solcher Form genommen werden soll. </p>
<p>Bemerkenswert ist auch, dass die ganze Sache nach weit &#252;ber einem Jahr immer noch im einstweiligen Verfahren verhandelt wird, das eigentlich nur daf&#252;r da ist, Entscheidungen vorl&#228;ufig und auf die Schnelle zu treffen. Eberhard Reinecke, der Anwalt von Rolf Sch&#228;like, sah darin den Versuch, eine &#8222;ordnungsgem&#228;&#223;e Beweisaufnahme zu verhindern&#8221;. Zu einer solchen Verhandlung, in der zum Beispiel anhand von Zeugenaussagen gekl&#228;rt w&#252;rde, was an den Stalking-Vorw&#252;rfen von Schertz gegen Sch&#228;like dran ist, k&#228;me es erst in einer Hauptverhandlung. Dazu m&#252;sste Schertz in der Hauptsache klagen, was ihm auch das Gericht nahelegte. &#8222;Sie k&#246;nnen nur gewinnen, wenn Sie &#252;berfallartig arbeiten&#8221;, warf Anwalt Reinecke der Vertreterin von Schertz vor, weil dessen Kanzlei nach Monaten der Funkstille einen Tag vor der Verhandlung pl&#246;tzlich einen gewaltigen Schriftsatz produziert hatte.</p>
<p>Am Ende h&#228;tte sich Schertz&#8217; Kanzlei diese Papierverschwendung sparen k&#246;nnen: Das Landgericht urteilte gar nicht in der Sache, ob das Verhalten von Sch&#228;like Schertz gegen&#252;ber als &#8222;Stalking&#8221; im Sinne des Gesetzes gewertet werden kann (was die Vorinstanz <a href="http://www.telemedicus.info/urteile/Allgemeines-Persoenlichkeitsrecht/773-AG-Charlottenburg-Az-216-C-100109-Kein-virtuelles-Stalking-durch-Artikel-im-Internet.html">f&#252;r mich &#252;berzeugend verneint hat</a>). Es lehnte die Berufung schon aus formalen Gr&#252;nden ab. Im Gerichtssaal in Berlin-Mitte erschien das wie eine besonders peinliche Form der Niederlage f&#252;r die vermeintlichen Rechtsprofis der Kanzlei Schertz Bergmann. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>PS:</b> Christian Schertz hat mir gegen&#252;ber gestern nicht nur angek&#252;ndigt, jeden Satz in diesem Text auf sachliche Fehler zu pr&#252;fen und gegebenenfalls dagegen juristisch vorzugehen. Der bekannte Anwalt glaubt au&#223;erdem, dass sein Gesch&#228;ftsgebaren nicht &#246;ffentlich er&#246;rtert werden d&#252;rfe. Er behielt sich ausdr&#252;cklich vor, gegen diesen Eintrag rechtlich vorzugehen, wenn ich ihn nicht anonymisiere.</p>
<p>Ich bin &#252;berzeugt, dass es legitim ist, seinen Namen zu nennen. Schertz tritt regelm&#228;&#223;ig als Experte f&#252;r Medienrecht &#246;ffentlich auf. Der Versuch, das Gewaltschutzgesetz zu nutzen, um gegen wiederholte &#196;u&#223;erungen von Kritikern vorzugehen, ist, neutral formuliert, innovativ &#8212; eine Tatsache, auf die Schertz selbst stolz ist. Und wenn Schertz sich mit seinem Vorgehen durchsetzt, wonach es zum Gl&#252;ck gerade nicht aussieht, stellt das eine ernste Bedrohung der Meinungsfreiheit dar.</p>
<p>Immerhin hat das Landgericht Berlin Anfang des Jahres in einer anderen Sache Schertz ./. Sch&#228;like geurteilt, dass der Anwalt kritische Berichterstattung <a href="http://www.online-und-recht.de/urteile/Anwaltskanzlei-hat-keinen-Unterlassungsanspruch-gegen-kritische-Online-Berichterstattung-27-O-938-09-Landgericht-Berlin-20100127.html">akzeptieren m&#252;sse</a>: Ein Gewerbetreibender habe eine der Wahrheit entsprechende Kritik an seinen Leistungen grunds&#228;tzlich hinzunehmen. F&#252;r Anw&#228;lte gelte nichts anderes. </p>
<p><b>Nachtrag, 14:20 Uhr.</b> <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/anwalt-schertz-verliert-gegen-stalker/#comment-124834">Janus</a> hat ein sch&#246;nes, altes Zitat von Schertz zum Thema ausgegraben. Im April 2005 <a href="http://www.lichtblick99.de/ticker1225_05.html">berichtete die Nachrichtenagentur ddp</a>:</p>
<blockquote><p>Der Berliner Medienanwalt Christian Schertz hat den am Freitag von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) vorgestellten Entwurf f&#252;r ein Stalking-Gesetz kritisiert. Das Gesetz sei handwerklich unsauber, sagte Schertz der &#8222;Berliner Zeitung&#8221; (Samstagausgabe) laut Vorabbericht. Es enthalte Formulierungen, die zu wenig pr&#228;zise seien.</p>
<p>&#8222;Im Strafrecht muss der B&#252;rger genau wissen, wann er eine Straftat begeht&#8221;, sagte Schertz. Der Entwurf von Zypries sieht vor, f&#252;r andauernde Bel&#228;stigungen wie st&#228;ndige Anrufe oder das Auflauern vor der Haust&#252;r eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren zu verh&#228;ngen. Daf&#252;r m&#252;sse das Stalking-Opfer &#8222;schwerwiegend und unzumutbar&#8221; in seiner Lebensgestaltung beeintr&#228;chtigt sein. &#8222;Wann beginnt da der Tatbestand?&#8221; kritisierte Schertz die Formulierung.</p></blockquote>
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		<title>Super-Symbolfotos (78)</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Mar 2010 23:41:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Niggemeier</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Symbolfotos]]></category>

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		<description><![CDATA[
[eingesandt von Florian Mittelbach]
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.n-tv.de/wirtschaft/ZEW-Index-gibt-nach-article777613.html"><img src='http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/zew_index.jpg' alt='' title='Screenshot: n-tv.de'  /></a></p>
<p><small>[eingesandt von Florian Mittelbach]</small></p>
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		<title>Lena</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Mar 2010 11:38:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Niggemeier</dc:creator>
				<category><![CDATA[artikel]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich sag das nicht oft, aber Sie h&#228;tten mich sehen sollen, am Freitagabend, auf meinem Fernsehsofa, als Lena &#8222;Love Me&#8221; sang, einen ungemein gut gelaunten Popsong, den ihr Stefan Raab geschrieben hatte und den sie mit einer unb&#228;ndigen Lust pr&#228;sentierte: Ich sa&#223; da mit einem drei Minuten anhaltenden, breiten, sinnlosen Grinsen.
Das Publikum hat sich dann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich sag das nicht oft, aber Sie h&#228;tten mich sehen sollen, am Freitagabend, auf meinem Fernsehsofa, als Lena &#8222;Love Me&#8221; sang, einen ungemein gut gelaunten Popsong, den ihr Stefan Raab geschrieben hatte und den sie mit einer unb&#228;ndigen Lust pr&#228;sentierte: Ich sa&#223; da mit einem drei Minuten anhaltenden, breiten, sinnlosen Grinsen.</p>
<p>Das Publikum hat sich dann f&#252;r ein anderes Lied entschieden, mit dem Lena Meyer-Landrut beim Eurovision Song Contest antreten soll, aber das nimmt dem Moment nachtr&#228;glich nichts von seinem Zauber. </p>
<p>Momente zu schaffen, das ist das, was Unterhaltungsfernsehen am besten kann. Wie die erste Begegnung mit dieser 18-j&#228;hrigen Kandidatin, ihrem Auftritt in der Premierenshow vor Wochen mit &#8222;My Same&#8221; von Adele, mit dem sie allen innerhalb von Sekunden den Kopf verdrehte. (Und das sie &#252;brigens gegen den Rat von Raabs Band durchsetzte, indem sie schlicht mit Abreise drohte.) Oder ihre Satz &#8222;Mein ganzer K&#246;rper ist voll mit kleinen guten Sachen&#8221; am Anfang der Finalshow. Oder auch nur die Szene, in der sie erkl&#228;rte, wie sie sich aus zwei Lippenstiften mit Fanta- und Cola-Geschmack ihre Lieblingssorte Mezzo-Mix zusammenschminkt. Lena ist Momentezaubermeisterin. &#8222;Hussa, das wird ein Spa&#223;&#8221;, sagte sie.</p>
<p>&#8222;Unser Star f&#252;r Oslo&#8221; sollte &#8222;nachhaltiger&#8221; werden als Dieter Bohlens Dem&#252;tigungs- und Kandidatenverbrennshow &#8222;Deutschland sucht den Superstar&#8221;, hie&#223; es. Dabei wurde in Raabs Sendung viel seltener behauptet, es gehe darum, durch einen Sieg die Erf&#252;llung eines Lebenstraumes und eine dauerhafte Karriere zu gewinnen (was ohnehin nicht einmal mehr das RTL-Publikum glaubt). Es ging eigentlich immer nur um zwei Momente: Den einen, hier, jetzt, auf der B&#252;hne, bei dem der Funke &#252;berspringen muss. Und einem Moment Ende Mai in Oslo, wenn in einem absurd gro&#223;en Rahmen zig Millionen Zuschauern verzaubert werden wollen.</p>
<p>Was dann passiert und danach, wei&#223; niemand. Genau so wenig, ob diese erstaunliche, polarisierende junge Frau, f&#252;r die man das Wort &#8222;keck&#8221; mal vom Sechziger-Jahre-Muff befreien m&#252;sste, das Zeug hat, auf Dauer die Menschen f&#252;r sich und ihre verquer-l&#228;ssige Art, Musik zu machen, zu begeistern.</p>
<p>Daf&#252;r ist dann aber das Fernsehen nicht mehr zust&#228;ndig. Dort muss sie nur ein paar Europ&#228;ern f&#252;r einem Moment ein &#228;hnliches Gl&#252;cksgef&#252;hl verschaffen, sie entdeckt zu haben, wie es ihr in Deutschland gelang. Das ist schon alles.</p>
<p style="font-variant:small-caps;text-align:right">(c) Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung</p>
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		<title>Wo man swingt, da lass dich ruhig nieder</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Mar 2010 12:19:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Niggemeier</dc:creator>
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		<category><![CDATA[tz]]></category>

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		<description><![CDATA[Doch, es gibt sie: Beispiele f&#252;r Online-Journalismus, der aus dem allt&#228;glichen Einerlei herausragt. Der sich nicht mit dem &#252;blichen Mittelma&#223; begn&#252;gt. Der von einem Ehrgeiz getrieben ist. 
Andere h&#228;tten sich vermutlich damit zufrieden gegeben, eine Schleichwerbegeschichte f&#252;r einen Swingerclub in Form einer 96-teiligen Klickstrecke aufzubereiten. Nicht die M&#252;nchner Boulevardzeitung &#8222;tz&#8221;. Sie hat nicht eher geruht, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Doch, es gibt sie: Beispiele f&#252;r Online-Journalismus, der aus dem allt&#228;glichen Einerlei herausragt. Der sich nicht mit dem &#252;blichen Mittelma&#223; begn&#252;gt. Der von einem Ehrgeiz getrieben ist. </p>
<p>Andere h&#228;tten sich vermutlich damit zufrieden gegeben, eine Schleichwerbegeschichte f&#252;r einen Swingerclub in Form einer 96-teiligen Klickstrecke aufzubereiten. Nicht die M&#252;nchner Boulevardzeitung &#8222;tz&#8221;. Sie hat nicht eher geruht, bis ihre 96-teilige Schleichwerbesexbildergeschichte auch auf sprachlicher, typographischer, fotografischer, interpunktioneller, logischer und inhaltlicher Ebene Ma&#223;st&#228;be setzte &#8212; bis hin zur Art, die Gesichter unkenntlich zu machen. </p>
<p>Hier ein winziger Ausschnitt <a href="http://www.tz-online.de/lust-leidenschaft/aktuell/gruppensex-partnertausch-geht-swingerclub-643832.html">aus dem Werk</a>:</p>
<p><img src='http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/tz_swingerclub_start.gif' alt='' /><br />
<img src='http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/tz_swingerclub.jpg' alt='' /><br />
<img src="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/tz_swingerclub1.jpg" alt="" title='Screenshot: tz-online.de' /><br />
<img src="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/tz_swingerclub2.jpg" alt="" title='Screenshot: tz-online.de' /><br />
<img src="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/tz_swingerclub3.jpg" alt="" title='Screenshot: tz-online.de' /><br />
<img src="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/tz_swingerclub4.jpg" alt="" title='Screenshot: tz-online.de' /><br />
<img src="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/tz_swingerclub5.jpg" alt="" title='Screenshot: tz-online.de' /><br />
<img src='http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/tz_swingerclub01.jpg' alt='' /><br />
<img src='http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/tz_swingerclub02.jpg' alt='' /><br />
<img src='http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/tz_swingerclub03.jpg' alt='' /><br />
<img src="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/tz_swingerclub6.jpg" alt="" title='Screenshot: tz-online.de' /><br />
<img src="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/tz_swingerclub7.jpg" alt="" title='Screenshot: tz-online.de' /><br />
<img src="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/tz_swingerclub8.jpg" alt="" title='Screenshot: tz-online.de' /><br />
<img src="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/tz_swingerclub9.jpg" alt="" title='Screenshot: tz-online.de' /><br />
<img src="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/tz_swingerclub10.jpg" alt="" title='Screenshot: tz-online.de' /><br />
<img src="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/tz_swingerclub11.jpg" alt="" title='Screenshot: tz-online.de' /><br />
<img src="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/tz_swingerclub12.jpg" alt="" title='Screenshot: tz-online.de' /></p>
<p>Ja. Und ich wei&#223; nicht einmal, ob dieser Klickstrecke gewordene Unfall nicht wom&#246;glich in perfekter Weise die Kultur der Szene widerspiegelt, f&#252;r die er wirbt: Deren Mitglieder bei aller Bereitschaft, ihre Frauen auf Sesseln mit waschbaren Bez&#252;gen von f&#252;nf bis zehn M&#228;nnern gleichzeitig penetrieren zu lassen, doch eine klare Grenze dort ziehen, wo es um das Ausschreiben des Wortes &#8222;ficken&#8221; geht. </p>
<p><em>(Das hat hier schon seit ein paar Wochen darauf gewartet, gebloggt zu werden, w&#228;hrend ich nach einer besonders lustigen Idee suchte, dieses St&#252;ck zu w&#252;rdigen, die aber nie vorbeikam. Wom&#246;glich entzieht es sich in seiner umfassenden Schrecklichkeit jedem kom&#246;diantischen Zugang. Immerhin gibt es dank der zeitweise daneben platzierten Werbung eine Bonuspointe:)</em></p>
<p><a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/cillit_bang_gross.jpg"><img src='http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wp-content/cilit_bang.jpg' alt='' /></a></p>
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		<title>Hoffentlich verfrühter Nachruf: „Altpapier”</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Mar 2010 01:33:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Niggemeier</dc:creator>
				<category><![CDATA[blog]]></category>
		<category><![CDATA[Altpapier]]></category>
		<category><![CDATA[Netzeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[Verdammt: Jetzt habe ich so lange damit gewartet, eine Eloge auf das &#8222;Altpapier&#8221; zu schreiben, dass es ein Nachruf wird. Heute erscheint die Medienkolumne &#8212; zumindest vorl&#228;ufig &#8212; zum letzten Mal. Und das ist ein Verlust. 
Vermutlich darf man sich nicht gr&#228;men. Es ist ein kleines Wunder, dass sie &#252;berhaupt neuneinhalb Jahre &#252;berlebt hat (und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Verdammt: Jetzt habe ich so lange damit gewartet, eine Eloge auf das &#8222;Altpapier&#8221; zu schreiben, dass es ein Nachruf wird. Heute erscheint die Medienkolumne &#8212; zumindest vorl&#228;ufig &#8212; zum letzten Mal. Und das ist ein Verlust. </p>
<p>Vermutlich darf man sich nicht gr&#228;men. Es ist ein kleines Wunder, dass sie &#252;berhaupt neuneinhalb Jahre &#252;berlebt hat (und Onlinejahre sind bestimmt Hundejahre), wenn man bedenkt, wie &#252;berschaubar ihre Zielgruppe war: Medienjournalisten und Menschen, die sich f&#252;r Medienjournalismus interessierten. Das &#8222;Altpapier&#8221; sichtete t&#228;glich die Medienseiten des Tages und flocht daraus einen kommentierenden &#220;berblick. </p>
<p>Nun k&#246;nnte man sagen, dass der Bedarf daran heute mehr als gedeckt wird. Durch Angebote wie &#8222;turi2&#8243;, wo  zweimal t&#228;glich l&#228;ngere Linklisten zu Medienartikeln ver&#246;ffentlicht werden, oder &#8222;Meedia&#8221;, wo interessante Medienartikel anderer Seiten abgeschrieben und mit eigenen Fehlern angereichert werden.</p>
<p>Aber das &#8222;Altpapier&#8221; war anders, speziell. Es funktionierte zwar als Service-Rubrik, aber es war im besten Sinne feuilletonistisch. Es lebte vor allem davon, Zusammenh&#228;nge herzustellen. Es verkn&#252;pfte Themen, die scheinbar (und oft auch tats&#228;chlich) nichts miteinander zu tun hatten. Und es fand auch Verbindungen, die einer aktuellen Nachrichten einen klugen, &#252;berraschenden oder schlicht essentiellen Kontext gaben. An guten Tagen zeichnete das &#8222;Altpapier&#8221; zweierlei aus: Die Lust am Schn&#246;rkel, am &#252;berraschenden gedanklichen oder sprachlichen Umweg. Und eine gro&#223;e Aufmerksamkeit in Verbindung mit einem guten Ged&#228;chtnis. </p>
<p>Als der &#8222;Spiegel&#8221; gestern vermeldete, dass die Schweinegrippe doch nicht so schlimm war wie gedacht, und mit einer &#8222;Chronik einer Hysterie&#8221; auch einen R&#252;ckzieher in eigener Sache machte, da <a href="http://www.dnews.de/nachrichten/altpapier/190781/altpapier-montag---virales-marketing.html">zollte ihm &#8222;Altpapier&#8221;-Sortierer Klaus Raab zwar Respekt</a> f&#252;r diesen R&#252;ckzieher, aber nicht ohne mit gerechtem Zorn auf das Ausma&#223; der Desinformation durch das &#8222;Nachrichtenmagazin&#8221; hinzuweisen:</p>
<blockquote><p>Trotzdem ist der <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-65243804.html">panne Aufmacher</a>, der 2009 auf dem H&#246;hepunkt der Panik an die Kioske kam, jeden R&#252;ckzieher wert. &#8222;Die neue Grippe aus &#220;bersee scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein&#8221;, hie&#223; es damals. Dann waberte eine b&#246;se Vorahnung durch den Artikel, um nach zehn Seiten (!)  zu enden: &#8222;die normale Grippe erscheint bis auf weiteres noch als das gr&#246;&#223;ere Gesundheitsproblem&#8221; (siehe auch <a href="http://www.dnews.de/nachrichten/altpapier/32285/altpapier-vom-montag---bohlen-kapitalismus-zukunft.html">Altpapier</a> von damals). Was bedeutet: <strong>Die Redaktion wusste auch damals schon, dass sie &#252;bertreibt.</strong> Das wiederum steht in der aktuellen Chronik nicht.</p>
<p>Da steht nur <em>ein</em> Absatz zur Ma&#223;losigkeit der Medien: <em>&#8222;Auch die Medien bef&#246;rdern die Angst.&#8221;</em> Wachgehalten habe diese Angst aber vor allem die Pharmaindustrie. W&#228;re es, nur mal so ne Frage, nicht die Aufgabe von Journalisten gewesen, nicht eins zu eins darauf hereinzufallen? Wenn jedenfalls mal wieder jemand ein Beispiel f&#252;r <strong>virales Marketing</strong> sucht: Der Fall Schweinegrippe ist ideal, die Pharmaindustrie hat ganze Arbeit geleistet.</p>
<p>Trotzdem: Danke f&#252;r die Korrektur, Spiegel. Und bis zum n&#228;chsten Panik-Titel!</p></blockquote>
<p>Manchmal waren es nur Kleinigkeiten, wie nach der ersten &#8222;Kerner&#8221;-Sendung auf Sat.1, als der diensthabende &#8222;Altpapier&#8221;-Schreiber Christian Bartels &#252;ber folgende Formulierung von Medienredakteur Christopher Keil in der gedruckten &#8222;S&#252;ddeutschen Zeitung&#8221; stolperte:</p>
<blockquote><p>&#8222;Dass er jemals &#8217;schlaksig&#8217; gewesen sein soll, wie nun geschrieben wurde nach seiner ersten Sendung als erster Journalist bei Sat.1 am Montagabend dieser Woche, ist wirklich falsch. Das w&#252;rde selbst Kerner niemals behaupten, der in Hamburg beim Joggen um die Alster oft genug am mobilen Telefon erreichbar ist. Auch in besserer k&#246;rperlicher Verfassung ist er eher das Gegenteil von schlaksig&#8230;&#8221;</p></blockquote>
<p><a href="http://www.dnews.de/nachrichten/altpapier/135428/altpapier-vom-mittwoch---kernern-und-jauchen.html">Bartels f&#252;gte hinzu:</a> </p>
<blockquote><p>Und wo zum Teufel stand, dass Kerner einmal &#8222;schlaksig&#8221; gewesen sei? In der gestern um 7.34 Uhr ver&#246;ffentlichten <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/805/493155/text/">sueddeutsche.de-Kritik</a> war es.</p></blockquote>
<p>Nun kann man daraus vielleicht R&#252;ckschl&#252;sse ziehen auf das Klima zwischen Print- und Online-Medien-Redaktion bei der &#8222;SZ&#8221;, man kann es auch lassen: Aber diese Lust, Verbindungen aufzuzeigen, allein aufgrund des ver&#246;ffentlichten Materials und ganz ohne per Anruf auf &#8222;mobilen Telefonen&#8221; gewonnene Insider-Kenntnisse, die hat das &#8222;Altpapier&#8221; ausgezeichnet. Und die fehlt bei den Online-Aggregatoren, die im Zweifel nicht einmal merken, dass eine scheinbare Neuigkeit alt ist und denen die Fachkenntnis oft so sehr fehlt wie die Lust am Formulieren. Das &#8222;Altpapier&#8221; war bissig und klug, b&#246;se und subtil, entspannt und &#252;berlegen.</p>
<p>Erfunden wurde die bis heute im wesentlichen unver&#228;nderte Form des &#8222;Altpapiers&#8221; zum Start der &#8222;Netzeitung&#8221; von einem gewissen Christoph Schultheis. Ich glaube, dass wir uns dar&#252;ber auch kennen gelernt haben: Ich habe ihm irgendwann eine emp&#246;rte Mail &#252;ber eine total ungerechte Formulierung im &#8222;Altpapier&#8221; geschrieben. (Der klassische Beginn einer wunderbaren Freundschaft.) Die &#220;berschneidungen mit BILDblog sind noch gr&#246;&#223;er: Auch Peer Schader und Heiko Dilk waren &#8222;Altpapier&#8221;-Autoren. </p>
<p>Die Deppen von DuMont Schauberg, denen die &#8222;Netzeitung&#8221; vor kurzem in die H&#228;nde fiel, haben es geschafft, bei deren Abwicklung weite Teile des &#8222;Altpapier&#8221;-Archivs, das ein einzigartiges medienjournalistisches Dokument dargestellt h&#228;tte, zu l&#246;schen oder unbrauchbar zu machen. Immerhin l&#228;sst sich im Google-Cache noch <a href="http://209.85.129.132/search?q=cache:FANDwMz4DjUJ:www.netzeitung.de/medien/altpapier/119793.html">eines der ersten &#8222;Altpapiere&#8221;</a> finden. (Und ein Rudiment des <a href="http://www.netzeitung.de/nachrichten_archiv/165808_584_Geschenkpapier_vom_Montag.html">&#8222;Geschenkpapiers&#8221;</a> ist noch da, das ich in einer Reihe mit anderen Medienjournalisten zum ersten Geburtstag der Kolumne schreiben durfte.)</p>
<p>Vor einem Jahr fand die Kolumne ein neues Zuhause auf der niederl&#228;ndischen Nachrichtenseite <a href="http://www.dnews.de/altpapier/">dnews.de</a>. Die Autoren Katrin Schuster, Christian Bartels, Matthias Dell und Klaus Raab brachten die Rubrik in dieser etwas unwirklichen Umgebung immer wieder zum Gl&#228;nzen. Doch dass sich das in Klicks auszahlen w&#252;rde, damit war nie zu rechnen, und ein eventueller Imagegewinn w&#228;re vermutlich auch nicht messbar: Jedenfalls ist das heutige &#8222;Altpapier&#8221; das letzte, das auf dnews.de erscheint. Die Zukunft ist ungewiss, aber immerhin scheint <a href="http://www.1001augen.de/index.php/2010/03/05/das_altpapier_migriert_mal_wieder">nicht ganz ausgeschlossen</a>, dass diese sch&#246;ne Medienkolumne, die jeden &#8222;Perlentaucher&#8221; alt aussehen l&#228;sst, noch einmal eine neue Heimat findet.</p>
<p>Interessierte Investoren und Verleger k&#246;nnen sich unter <a href="mailto:dasaltpapier@googlemail.com">dasaltpapier@googlemail.com</a> melden. Mein Dank w&#228;re ihnen gewiss.</p>
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