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        <title>Echolot</title>
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        <description>Wissenschaftsblog</description>
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        <copyright>Copyright 2009</copyright>
        <lastBuildDate>Mon, 26 Oct 2009 18:30:00 +0100</lastBuildDate>
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            <title>Interphone-Studie: Mehr Tumore durch Handys?</title>
            <description><![CDATA[
     <p><img title="Risikoverhalten Handynutzung?; Quelle: stock.xchng, User: lusi" alt="Handy.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/Handy.jpg" width="220" height="223" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 10px 14px;" /><strong>Erhöht die Handynutzung das Risiko an einem Hirntumor zu erkranken? Das ist im Kern die Forschungsfrage der sogenannten Interphone-Studie, die im Jahr 2000 gestartet ist. Inzwischen ist die Studie in allen Ländern abgeschlossen. Doch die Publikation der Ergebnisse lässt auf sich warten. Nun scheinen erste Befunde durchgesickert zu sein. Glaubt man der aktuellen Berichterstattung des "Daily Telegraph", so dürften die Resultate für viel Gesprächsstoff sorgen.</strong></p>

<p>Die Forschung zu den Effekten von Mobilfunkstrahlung auf Mensch und Umwelt hat u.a. mit zwei großen Problemen zu kämpfen: zunächst machen fast immer zu geringe Fallzahlen die Ergebnisse fragwürdig. Wenn es um (glücklicherweise) verhältnismäßig seltene Erkrankungen wie etwa Tumorerkankungen im Kopfbereich geht, dann sind ein paar hundert Probanden einfach zu wenig. Zweitens ist häufig der Untersuchungszeitraum viel zu kurz. </p>

<p>Diese beiden Schwächen hat die Interphone-Studie nicht. Im Jahr 2000 begann man unter Regie des Internationalen Krebsforschungszentrums der Weltgesundheitsorganisation in Lyon (<a href="http://www.iarc.fr/">IARC</a>) mit einer epidemiologischen Fallkontrollstudie in insgesamt 13 Ländern. Innerhalb der Studie (die von der EU finanziert wird) wurden die Daten von Hirntumorpatienten (hauptsächlich Gliome, Meningiome und Akustikusneurinome) erhoben und mit den Daten von gesunden Kontrollpersonen verglichen. Dieses Material wurde mit den Informationen über die Handynutzung der einzelnen Personen gekoppelt und nun untersucht. </p><p><strong>Interphone-Studie: Exposition, Korrelation und geringe Inzidenz </strong></p>

<p>In 13 Ländern (Deutschland, Australien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Israel, Italien, Kanada, Neuseeland, Norwegen, Schweden, USA) wurden knapp 13.000 Personen für die Studie untersucht und befragt. Keine andere Studie zum Krebsrisiko durch Mobilfunknutzung ist so umfassend. Und das ist es eben auch dringend notwendig, da die fraglichen Tumorarten eine so geringe Inzidenz haben, braucht man diese Fallzahl einfach.</p>

<blockquote class="left">Immer mehr Teilergebnisse sickern durch. Ist das Tumor-Risiko durch Handynutzung doch erhöht?</blockquote>

<p>Nun ist es aber so, daß die Ergebnisse einiger Länder schon seit geraumer Zeit vorliegen. Dem Vernehmen nach gab es in manchen Ländern (u.a. Deutschland, Japan, Frankreich) keine Auffälligkeiten. </p>

<p>Allerdings kursieren schon lange Informationen darüber, daß einige der beteiligten Forscher durchaus alarmierende Ergebnisse aus ihren Daten ableiten. Bereits letztes Jahr hat Lennart Hardell von der Universität Örebro die vorliegenden Interphone-Daten zusammen mit eigenen und anderen Befragungen analysiert. Er schlußfolgerte, daß sich das Risiko von zwei Tumorarten nach zehnjährigem Handy-Gebrauch auf der bevorzugten Telefonierseite um 100% erhöhe. </p>

<blockquote class="right">Warum wird die Publikation der Resultate verzögert?</blockquote>

<p><strong>Warum lässt der Abschlußreport so lange auf sich warten?</strong></p>

<p>Inzwischen sorgt der fehlende Abschlußbericht für immer mehr Irritationen. Anscheinend gab es hinter den Kulissen heftige Streits bzgl. der Interpretation der Ergebnisse und der Art und Weise der Publikation. Die Teilergebnisse aus manchen Ländern hatten jedenfalls deutliche Indizien für ein erhöhtes Tumorrisiko ergeben. </p>

<p>Der "Daily Telegraph" verfügt nun offenbar über weitere Informationen. Angeblich liefert die Interphone-Studie statistisch belastbare Belege für ein erhöhtes Tumorrisko bei Intensivnutzung:</p>

<blockquote>A preliminary breakdown of the results found a "significantly increased risk" of some brain tumours "related to use of mobile phones for a period of 10 years or more"</blockquote>

<p>Man darf also sehr gespannt sein, wann die Ergebnisse endlich offiziell veröffentlicht werden. Die Tatsache, daß man so lange zögert, ist tatsächlich seltsam und unerfreulich. </p>

<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 5px 8px 5px; color: rgb(105, 105, 105); margin: 5px 0 0 0; background: rgb(227, 227, 227)">

<p>Links:</p>

<ul>	<li>Beckford/Winnett: <a href="http://www.telegraph.co.uk/technology/mobile-phones/6420093/Long-term-use-of-mobile-phones-may-be-linked-to-cancer.html">Long-term use of mobile phones 'may be linked to cancer'</a>, Daily Telegraph</li>
	<li>Dürrenberger et. al.: Kommentar zur Interphone-Studie, Publikation der Schweizer Krebsliga, 2009. [<a href="http://www.mobile-research.ethz.ch/var/Kommentar_Interphone_update01.pdf">PDF</a>]</li></ul></div>
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   ]]></description>
            <link>http://feedproxy.google.com/~r/ScienceBlogs/Echolot/~3/DmvXpNc-aF4/interphonestudie-mehr-tumore-durch-handys.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Handy</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Mobilfunk</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Risiken</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Strahlenrisiken</category>
            
            <pubDate>Mon, 26 Oct 2009 18:30:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Risiko Nanotechnologie: Der Anfang vom Ende?</title>
            <description><![CDATA[
     <p><img title="Risiko Nanotechnik; Quelle: stock.xchng, User: resignent" alt="Risiko_Nanotechnik.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/Risiko_Nanotechnik.jpg" width="150" height="131" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 10px 12px;" /><strong>Wie riskant ist Nanotechnik tatsächlich? Wurde das Risikopotential der winzig kleinen Teilchen in Lebensmitteln, Kleidung und dutzenden weiteren Produkten unterschätzt? Es ist durchaus möglich, daß der heutige Tag eine Trendwende in der Karriere der Nanotechnologie markiert. Denn heute sorgt eine aktuelle Überblicksstudie des Umweltbundesamts für Schlagzeilen. Dessen Experten weisen auf ungeklärte Risiken der Nanotechnologie hin und empfehlen schließlich sogar Nanoprodukte zu vermeiden. </strong></p>

<p>Wer sich mit dem Risikopotential von Nanomaterialien beschäftigt, der kann über die  Einschätzung der UBA-Experten kaum überrascht sein. Schließlich werden in Fachkreisen seit vielen Jahren mögliche gesundheitliche und ökologische Gefahrenpotentiale im Zusammenhang mit dem industriellen Einsatz von nanoskaligen Teilchen diskutiert. Überraschend ist vielmehr, daß die Nanotechnologie bis heute ein ausgesprochen positives Image genießt. Doch das könnte sich nun - nach solchen Berichten <a href="http://www.sueddeutsche.de/wissen/347/491711/text/">wie in der SZ</a> - allmählich ändern. </p>

<p>Schließlich ist die aktuelle Studie in ihrer Schlußfolgerung durchaus klar formuliert; im Bericht ("<a href="http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3765.pdf">Nanotechnik für Mensch und Umwelt</a>") heißt es:</p>

<blockquote>"Das Umweltbundesamt empfiehlt weiterhin, die Verwendung von Produkten, die Nanomaterialien enthalten oder frei setzen können, im Sinne eines vorsorgenden Umweltschutzes so lange zu  vermeiden, als ihre Wirkungen in der Umwelt und auf die menschliche Gesundheit noch weitgehend unbekannt sind."</blockquote><p><strong>Das Nicht-Wissen der Experten</strong></p>

<p>Diese Empfehlung ist allerdings - darüber sollte man sich im Klaren sein - keineswegs mit einer abschließenden Beurteilung des nanotechnologischen Gefahrenpotentials zu verwechseln. Das Expertenstatement ist kaum anderes als das Eingeständnis von Unwissenheit, es ist die Formulierung des Unbehagens über die eigene Ahnungslosigkeit. </p>

<p>Denn auch der aktuelle Stand der Forschung erlaubt keine zuverlässige Aussage, über die (möglicherweise) negativen Effekte der Nanotechnologie. Auf der einen Seite gibt es inzwischen viele hundert Produkte und Anwendungen, bei denen Nanopartikel zum Einsatz kommen. Vom Ketchup, das durch Nanopartikel bessere Fließeigenschaften bekommt, über antibakterielle Beschichtungen von Küchenutensilien bis zu den bekannten Socken, die durch Nano-Silber antibakteriell und damit gegen Schweißgeruch wirken sollen. </p>

<p>Auf der anderen Seite gibt es viele Studien, die zeigen, daß Nanopartikel prinzipiell schädliche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben können. Da gibt es Arbeiten der Toxikologin Bellina Veronesi, die mehrmals nachgewiesen hat, daß Titandioxidpartikel (zumindest im Reaganzglas) Mäuse- oder Rattenhirnzellen schädigen können.<small>1</small> Oder etwa die Arbeiten Ken Donaldsons, der zeigen konnte, daß sogenannte Nano-Tubes (winzig kleine, aus einzelnen Kohlenstoffatomen zusammengesetzte Röhrchen) ähnlich wie Asbest wirken und Krebs auslösen können.<small>2</small></p>

<blockquote class="right">Wir setzen Nanotechnik zigtausendfach ein, ohne wirklich abschätzen zu können, welche Auswirkung sie hat.</blockquote>

<p>Zusammenfassend läßt sich nur feststellen: wir setzen Nanotechnik zigtausendfach ein, ohne wirklich abschätzen zu können, welche Auswirkung sie hat. Und dieses Dilemma wird nicht geringer, solange die Hersteller (was das UBA auch bemängelt) ihre internen Studiendaten und Risikoanalysen nicht herausrücken. Im Grunde ist das sowieso ein unhaltbarer Zustand. </p>

<p>Es wird allerhöchste Zeit, daß die Anstrengungen zur wissenschaftlichen Risikobewertung der Nanotechnologie intensiviert werden. Das kostet natürlich Geld. Aber die enormen Chancen, die einige nanotechnologische Anwendungsfelder versprechen, sollten eine solche Investition längst rechtfertigen. </p>

<p><strong>Der Nanotechnologie droht das Schicksal der Gentechnik</strong></p>

<p>Sollte es in den nächsten Jahren nicht gelingen, eine saubere und vertrauenswürdige Risikoabschätzung für die Nanotechnik vorzulegen (in deren Verlauf sicherlich manche Anwendungsbereiche als zu riskant verworfen, andere als unbedenklich eingestuft werden können), dann könnten Meldungen wie heute den Anfang vom Ende einer vielseitigen Technologie bedeuten. Die Gentechnologie - die in der Öffentlichkeit meist pauschal als Risikotechnik wahrgenommen wird - sollte Warnung genug sein...</p>

<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 5px 8px 5px; color: rgb(105, 105, 105); margin: 5px 0 0 0; background: rgb(227, 227, 227)">
Links: 
<ul>	<li>UBA-Hintergrundpapier <a href="http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3765.pdf">„Nanotechnik für Mensch und Umwelt - Chancen fördern und Risiken mindern" (PDF)</a></li>	<li>Paschen, Herbet & Coenen, Christopher (2008): <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3540210687?ie=UTF8&tag=werkstatt-21&link_code=as3&camp=2514&creative=9386&creativeASIN=3540210687">Nanotechnologie in Forschung, Entwicklung, Anwendung. Stand und Perspektiven</a>. Springer, Berlin.</li>
</ul>
</div>
<small>* Die Nanotechnologie befasst sich mit Strukturen und molekularen Materialien, die kleiner als 100nm sind. 1 Nanometer ist 1 Millionstel Millimeter, oder: 0,000 001 mm.</br>
<p><small>1 vgl. Thomas C. Long, Bellina Veronesi et. al.: Nanosize Titanium Dioxide Stimulates Reactive Oxygen Species in Brain Microglia and Damages Neurons in Vitro, Environmental Health Perspectives Volume 115, Number 11, November 2007</small></p><p><small>2 vgl. Sanderson: <a href="http://www.nature.com/news/2008/080520/full/news.2008.845.html">Carbon nanotubes: the new asbestos?</a>, nature, 2008, doi:10.1038/news.2008.845 </small></p></small>

<p><br />
</p>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Umwelt</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Gesundheit</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Nanotechnologie</category>
            
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Risikowahrnehmung</category>
            
            <pubDate>Wed, 21 Oct 2009 15:15:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Schulsport macht schlau: Die Korrelation von Körpergewicht und Schulleistung</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Dickere Kinder sind schlechtere Schüler. Das ist eines der interessanten Ergebnisse einer aktuellen Studie. Allerdings wartet die Untersuchung auch mit einer hoffnungsvollen Botschaft auf: wenn Grundschüler gezielt in ein kontinuierliches Sportprogramm eingebunden werden, dann purzeln die Pfunde und die Noten werden besser. </strong><br />
<img title="Kickende Kinder; Bildquelle: stock.xchng, User: sd2005" alt="Kindersport.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/Kindersport.jpg" width="260" height="232" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 10px 12px;" /><br />
Das ist - leicht verkürzt - das Fazit einer Längsschnittstudie, die Forscher der Deutschen Sporthochschule Köln im Auftrag des Vereins "<a href="http://www.klasseinsport.de/">Klasse in Sport</a>" durchgeführt haben. Und die Bekanntgabe der (vorläufigen) Ergebnisse fällt in eine Zeit, in der viel darüber diskutiert wird, wie das Idealgewicht der Fetisch unserer Zeit wurde und wer davon profitiert.</p>

<p><strong>Das Idealgewicht oder: Der Tanz um den goldenen Body-Mass-Index</strong></p>

<p>Fest steht: noch nie zuvor wurde der Frage nach den Ernährungsgewohnheiten und dem  Körpergewicht so viel Platz eingeräumt. Und fest steht auch, daß übergewichtige Menschen pauschal als undiszipliniert und Belastung für das Gesundheitssystem angesehen werden. Wer den BMI-Wert von 25 übertrifft, gilt vielen Gesundheitspolitikern schon als Problemfall.</p><p>Es ist gut, daß Autoren wie der Soziologe Friedrich Schorb dieses Zerrbild nun gerade rücken und mit dem Vorurteil aufräumen, daß dick, doof und arm zwingend zusammengehören.* Es bleibt aber dennoch richtig und wichtig, daß untersucht wird, welche Effekte körperliche Fitneß hat - in gesundheitlicher und sozialer Hinsicht.</p>

<p>In diesem Kontext ist die eingangs erwähnte Studie spannend. Insgesamt 2.807 Kinder im Grundschulalter nahmen an der Untersuchung teil (darunter 48,2% Mädchen und 51,2% Jungen). Die Evaluation der Auswirkungen eines Sportprogramms wurde von 2006-2009 durchgeführt.</p>

<p><strong>Körpergewicht korreliert mit der Schulleistung</strong></p>

<p>Aus vielen, vielen anderen Untersuchungen ist bekannt, daß passive Freizeitbeschäftigungen, Bewegungsmangel und eine mangelhafte körperliche Leistungsfähigkeit zusammenhängen. Wen wundert's, daß viele Kinder große SWchwierigkeiten haben einen Ball zu fangen und die Aufgabe den Ball prellend einen Parcours zu durchlaufen zur unlösbaren Aufgabe geworden ist.</p>

<p>Computer- und Videospiele mögen manche Fähigkeiten fördern, die Koordination und die Ausdauer werden nicht besser.</p>

<p>Insofern ist einer der Befunde der Kölner Studie nicht überraschend:</p>

<blockquote>Bei der Betrachtung der Grundgesamtheit ist festzustellen, dass die übergewichtigen Kinder gegenüber den unter- und normalgewichtigen Kindern schlechtere Leistungen im sportmotorischen als auch im kognitiven Bereich aufweisen. So weisen sie im Bereich der Ausdauerleistungsfähigkeit deutlich schwächere Ergebnisse aus.</blockquote>

<blockquote class="right">Je älter, desto dicker.</blockquote>
So weit, so gut. Ein anderer Befund ist da interessanter (aber genauso unerfreulich): je älter die Kinder werden, desto größer wird der Anteil der übergewichtigen Kinder. (Bei den 6-jährigen gelten - der Studie zufolge - 15% als übergewichtig, bei den 12-jährigen fallen 26% in diese Gruppe).

<p>Wirklich interessant wird es beim Vergleich der kognitiven Parameter: beim Konzentrationstext schnitten die übergewichtigen Kinder jeweils deutlich schlechter ab als die Kinder der anderen BMI-Gruppen. Und das bestätigt sich auch im Vergleich der Schulnoten:**</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="BMI_Schulleistungen.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/BMI_Schulleistungen.jpg" width="568" height="373" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 8px 0 8px 0px;" /></span></p>

<p>Nun stellt sich natürlich die Frage, welche Effekte es hat, wenn die Kinder ein regelmäßiges Sportangebot wahrnehmen. Nach drei Jahren zeigte sich zunächst (was weniger verwundert), daß der Anteil der übergewichtigen Kinder sich deutlich reduziert hat. (In der Grundgesamtheit der 11-jährigen sind 36% übergewichtig, unter den Kindern, die 3 Jahre lang (Schul-)Sport gemacht haben, reduziert sich dieser Anteil auf 14%).</p>

<p>Allerdings hat der Sport auch positive Effekte auf die schulischen Leistungen. Die Kinder, die das Sportprogramm über drei Jahre lang durchlaufen hatten, erzielten letztlich eine Durchschnittsnote in Deutsch von 2,33, in Mathe von 2,26. Diese Noten sind zwar nicht ganz gravierend, aber doch sichtbar besser als die Deutschnote von 2,52 bzw. Mathenote von 2,49 bei den anderen (nicht sportlich geförderten) Kindern.</p>

<p>Dieses Ergebnis ist natürlich ein starkes Argument für mehr Schulsport (anstatt einer weiteren Reduktion der Sportstunden). Ein wenig bedauerlich ist nur, daß lediglich 252 Kinder das gesamte Programm mitgemacht haben und somit die Evaluation doch ein wenig auf wackligen Füßen steht. Nichtsdestotrotz sind die Ergebnisse interessant.</p>

<p><br />
--</p>

<p>* Schorb, Friedrich: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/342627499X?ie=UTF8&tag=leichtathletikostalb-21&link_code=as3&camp=2514&creative=9386&creativeASIN=342627499X">Dick, doof und arm: Die große Lüge vom Übergewicht und wer von ihr profitiert</a>. Droemer, 2009. <br />
** Schaubild aus den Ergebnissen der Studie: „Klasse in Sport - Initiative für täglichen Schulsport" - Evaluation 2006 bis 2009, erarbeitet von Prof. Dr. Jürgen Buschmann et. al., DHS Köln in Kooperation mit "Klasse in Sport"</p>
     <hr />
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Kinder</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Schule</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Schulnoten</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Sport</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Übergewicht</category>
            
            <pubDate>Fri, 16 Oct 2009 18:00:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Meilenstein? Durchbruch? Ist der Jubel über die AIDS-Impfstoff-Studie gerechtfertigt?</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Man nehme zwei Verlierer und bastele sich daraus ein schlagkräftiges Team. Das hört sich verdächtig nach aktueller Politik an, es geht aber um Medizin. Noch genauer um den Kampf gegen AIDS. Letzte Woche schaffte es eine Studie in die Schlagzeilen, die teilweise als großer Durchbruch bejubelt wurde. Sind die Ergebnisse wirklich so überzeugend? Ist die Euphorie legitim?</strong></p>

<p>Es ist die bislang größte Studie zur Wirksamkeit einer Impfung gegen den HI-Virus. Mehr als 16.000 Teilnehmer erhielten im Rahmen der Alvac-AidsVax-Studie (oder auch: RV144-Studie) in mehreren Intervallen eine Impfung mit zwei alten Bekannten aus der AIDS-Forschung. Die eine Hälfte der Studienteilnehmer erhielt eine Kombi-Impfung mit den Vakzinen "Alvac-HIV" und "Aidsvax". Die Kontrollgruppe erhielt ein Placebo. </p>

<p>Nun liegen die ersten Ergebnisse vor. Nach Ablauf von drei Jahren haben sich aus der Placebo-Gruppe 74 Teilnehmer mit HIV infiziert; aus der geimpften Gruppe waren es nur 51. In den Pressemeldungen reicht das, um von einem Meilenstein und Durchbruch zu sprechen. Bisweilen ist von einem 30%-Schutz die Rede. Obwohl ich einsehe, daß die Studie durchaus aufhorchen lässt, bin ich dennoch unsicher, ob die positive mediale Resonanz in diesem Fall wirklich positiv zu bewerten ist.</p><p><strong>Licht am Ende des Tunnels</strong></p>

<p>Denn - und das ist weniger eine Kritik an der Studie, sondern eher ein Eingeständnis der mangelnden Möglichkeiten der Darstellung komplexer Sachverhalte in den Medien - die Schlagzeilen anläßlich der Studie fallen eben so aus - </p>

<p>Die Welt <a href="http://www.welt.de/wissenschaft/medizin/article4610638/Forscher-feiern-Durchbruch-bei-Aids-Impfstoff.html">feiert den Durchbruch</a>:</p>

<p><img alt="Welt_AIDS.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/Welt_AIDS.jpg" width="496" height="68" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 6px 0 12px 0px;" /></p>

<p><br />
In der FAZ <a href="http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~E1EF5554A43BD40CAAE6B969799A561D4~ATpl~Ecommon~Scontent.html">liest man vom Meilenstein </a>:</p>

<p><img alt="FAZ_AIDS.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/FAZ_AIDS.jpg" width="454" height="104" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin:6px 0 12px 0px;" /></p>

<p><br />
Und die Leser des Westen werden <a href="http://www.derwesten.de/nachrichten/wp/2009/9/24/news-134421528/detail.html">über eine Sensation informiert</a>:</p>

<p><img alt="Westen_AIDS.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/Westen_AIDS.jpg" width="485" height="44" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 6px 0 22px 0px;" /></p>

<p>Nun ist es ehrlicherweise so, daß in den Artikeln die vorläufigen Ergebnisse der Studie (fast) immer korrekt dargestellt werden. Die Anzahl der Studienteilnehmer wird ebenso aufgeführt, wie die Zahl der nach drei Jahren Infizierten. Und daß der Unterschied zwischen beiden Gruppen statistisch signifikant ist, mag ich gerne glauben. </p>

<p>Und ebenso gerne glaube ich, daß es für die Forscher, die beteiligten Institutionen und Organisationen nach den unzähligen Fehlschlägen und Sackgassen der letzten Jahrzehnte tatsächlich ein Jubeltag ist. Und vielleicht markiert die Studie ja wirklich eine Trendwende. </p>

<p><strong>Was bleibt hängen?</strong></p>

<p>Nur - bei den allermeisten (flüchtigen) Lesern der Texte bleibt nach wenigen Tagen sicherlich genau eine Information hängen: es gibt (bald) einen Impfstoff gegen AIDS. Und das ist eben definitiv nicht der Fall. Die Studie ist ein Anhaltspunkt dafür, daß man dem tückisch-wandelbaren AIDS-Virus möglicherweise mittelfristig doch per Impfstoff begegnen kann. Doch wann das der Fall sein wird, das steht absolut in den Sternen. </p>

<p>Zur Erklärung: In den beiden Studienarmen waren jeweils knapp über 8.000 Probanden beteiligt. Am vorläufigen Ende hatten sich eben 0.902% derjenigen mit AIDS angesteckt, die nur ein Placebo verabreicht bekamen. Bei der Impfstoff-Gruppe war nach drei Jahren bei 0.622% der Erreger nachweisbar (51 Fälle). </p>

<blockquote class="right">Die Studie und ihre kurzschlüssig-euphorische Interpretation sorgt für Unbehagen</blockquote>

<p>Nun ist es aber schlicht so, daß es unter den rund 8.000 Gruppenmitgliedern nur zufällig zwei Dutzend Personen hätte geben müssen, die ein wirklich riskantes Sexualverhalten an den Tag legen. Dann wäre es gut möglich gewesen, daß man für die Impfstoff-Gruppe schließlich nicht 51, sondern 57 HIV-Fälle hätte zählen müssen. Und der vermeintliche statistische Vorteil wäre zusammengeschmolzen. </p>

<p>Gut, aber das ist Statistik und eher ein diffuses Unbehagen meinerseits. Es gibt aber noch zwei weitere Faktoren, die mich etwas nachdenklich machen und weshalb ich es für verfrüht halte, die Sektkorken knallen zu lassen.</p>

<p>1. Die Studie wurde nicht zufällig in Thailand durchgeführt. In Thailand gibt es eben eine spezielle, ziemlich gut untersuchte Variante des HI-Virus. Ob die Impfung auch in Afrika ähnlich erfolgreich verlaufen wäre, ist kaum abzuschätzen. </p>

<p>2. Prinzipiell würde eine vielversprechende Impfung erwarten lassen, daß man bei den Teilnehmern, die sich dennoch infiziert haben einen Unterschied zu nicht-geimpften Probanden feststellen müßte. Die Antikörper sollten eigentlich die Virusvermehrung hemmen. Anscheinend war aber genau das nicht der Fall.</p>

<p>Kein Wunder also, daß man - was man ja auch eingesteht - ziemlich im Dunkeln tappt, weshalb der Kombi-Angriff mit den beiden ja bereits erprobten (aber als untauglich verworfenen) Impfstoffen nun doch Erfolge zeitigt. </p>

<p>Für Jubelmeldungen ist es in meinen Augen jedenfalls zu früh - auch und vor allem, weil es hier in Westeuropa durchaus die falsche Botschaft vermitteln könnte. Nämlich daß der Kampf gegen AIDS nun fast gewonnen sei. Das ist aber eben überhaupt nicht der Fall.</p>
     <hr />
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">AIDS</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Medizin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Pharmaindustrie</category>
            
            <pubDate>Mon, 28 Sep 2009 18:00:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Guter Stress, schlechter Stress</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Wir sind eine gestresste Gesellschaft. Da gibt es den beruflichen Stress, wenn uns die überzogenen Ansprüche des Chefs unter Leistungsdruck setzen und genauso den Freizeitstress, dem sich viele freiwillig aussetzen. Stress ist allgegenwärtig. Doch: ist Stress eigentlich immer schlecht oder kann er auch positiv wirken? Aktuell sind höchst widersprüchliche Meldungen zu lesen...</strong></p>

<p><img title="Ratte ohne Stress; Bildquelle: stock.xchng, User: foxiq" alt="Ratte.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/Ratte.jpg" width="240" height="160" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 6px 6px;" />Stress wird ja zunächst fast immer als unangenehm empfunden. Wie sollen wir nur die viel zu vielen Termine unter einen Hut kriegen? Wie sind die viel zu hohen Anforderungen zu meistern, die an uns gestellt werden? Wer wirklich gestresst ist, kann diesem Gefühl vermutlich wenig positives abgewinnen. Da paßt es ins Bild, wenn portugiesische Wissenschaftler <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/wissenschaft/stress_gehirn_1.3247047.html">jetzt berichten</a>, daß Stress vor allem negative Effekte hat und - wenigstens bei Ratten - zu Hirnveränderungen führt.</p><p><strong>Lähmender, lernfeindlicher Stress</strong></p>

<p>Wie letzte Woche bei Science zu lesen war, schnitten gestresste Ratten bei verschiedenen Tests deutlich schlechter ab, als ihre entspannten Artgenossen. Eduardo Dias-Ferreira und Nuno Sousa von der Universität Braga in Portugal hatten ihre Versuchsratten auf ganz verschiedene Arten gestresst: sie etwa einmal täglich ohne Vorankündigung ins Wasser geworfen, ihren Bewegungsraum eingeengt oder sie für zehn Minuten mit einem stärkeren Männchen zusammengesperrt. </p>

<blockquote class="left">Ratten mit dauerhaftem Stress schneiden in Lerntests schlechter ab und büßen Kreativität ein.</blockquote>

<p>Bei anschließenden Tests - die Ratten mußten verschiedene Tasten betätigen, um an Futter zu gelangen - lernten die gestressten Ratten deutlich schlechter und drückten oft weiterhin die falschen Tasten. Und auch im Gehirn zeigten sich Veränderungen: bei den Ratten waren Hirnbereiche zurückgebildet, von denen bekannt ist, dass sie an zielgerichtetem Denken und logischen Entscheidungen beteiligt sind.</p>

<p>Klingt alles irgendwie plausibel. Stress ist böse und macht uns zu Gewohnheitstieren, die stupide dieselbe Taste drücken und nicht bemerken, daß es kein Futter mehr gibt. </p>

<p><strong>Stress als Doping</strong></p>

<p>Doch halt! Bevor wir voreilige Schlußfolgerungen treffen: da tickert doch tatsächlich eine weitere Meldung rein: "<a href="http://derstandard.at/fs//1246543452001/Kurzfristiger-Stress-verbessert-Gedaechtnisleistung">Stress verbessert Gedächtnisleistung</a>". Na sowas? </p>

<p>In dieser - ebenfalls aktuellen Studie - haben Wissenschaftler der Universität Buffalo ihre Versuchsratten ebenfalls unter Stress gesetzt. Die Ratten mußten rund 20 Minuten im Wasser um ihr Leben strampeln - danach sollten sie den Weg durch ein Labyrinth finden, was zuvor mit ihnen trainiert wurde. </p>

<blockquote class="right">Aber: Akutstress verbessert die Gedächtnisleistungen.</blockquote>

<p>Das interessante Ergebnis: die gestressten Ratten fanden den Weg besser als ihre Kollegen, die nicht Schwimmen mußten. Die Forscher waren nicht überrascht: sie vermuteten, daß das Neurohormon Corticosteron hier eine Rolle spielt. Und tatsächlich: als sie in einem weiteren Versuch mit einem Medikament den Signalweg des Corticosteron blockierten, war der Vorteil der gestressten Ratten dahin. Die positive Wirkung des Stresshormons auf den präfrontalen Cortex konnte sich nicht entfalten. </p>

<p><strong>Stress: Die Dosis macht das Gift</strong></p>

<p>Was lernen wir daraus? Hängt es vom Zufall ab, ob wir vom Stress profitieren oder nicht? </p>

<p>Die Antwort ist - wenigstens solange man nur diese beiden Studien zugrundelegt - recht einfach. Es kommt auf die Stress-Dauer an. Akutstress wirkt ganz offensichtlich durchaus positiv, spornt uns an, verbessert bestimmte hirnphysiologische Parameter.</p>

<p>Dauerstress bzw. chronischer Stress allerdings (die Ratten in der ersten Studie wurden über 3 Wochen lang "gestresst") ist offensichtlich dysfunktional; wir werden weniger kreativ, weniger entscheidungssicher. </p>

<p>In diesem Sinne: lassen wir uns also nicht stressen, jedenfalls nicht dauerhaft!</p>

<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 5px 8px 5px; color: rgb(105, 105, 105); margin: 5px 0 0 0; background: rgb(227, 227, 227)">
<ul>
	<li>Eduardo Dias-Ferreira, João C. Sousa et al.: <a href="http://sciencemag.org/cgi/content/abstract/325/5940/621">Chronic Stress Causes Frontostriatal Reorganization and Affects Decision-Making</a>, Science, 31.7.2009, DOI: 10.1126/science.1171203</li>
	<li>Eunice Y. Yuena, Wenhua Liua et. al.: <a href="http://www.pnas.org/content/early/2009/07/28/0906791106.abstract">Acute stress enhances glutamatergic transmission in prefrontal cortex and facilitates working memory</a>, pnas, Published online before print July 29, 2009, doi: 10.1073/pnas.0906791106</li></ul>
</div>
     <hr />
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Gedächtnis</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Kreativität</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Psychologie</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Ratten</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Stress</category>
            
            <pubDate>Tue, 04 Aug 2009 15:15:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Riskante Selbstmedikation: Tamiflu könnte zur Bildung von Resistenzen führen</title>
            <description><![CDATA[
     <p><img title="Brutstätte für resistente Grippeviren?, Bildquelle: stock.xchng, User: mzacha" alt="Ente.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/Ente.jpg" width="220" height="180" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 4px 6px;" />Die Infektionen mit dem Schweinegrippevirus H1N1 nehmen weiter zu. Aktuell sind mehr als 4.000 Grippefälle in Deutschland bestätigt, das ist (noch) überschaubar. In Großbritannien etwa sind die Krankheitszahlen in den letzten Wochen enorm angestiegen - die Urlaubssaison könnte auch bei uns zu einer rasanten Ausbreitung führen. Und möglicherweise droht Gefahr aus einer bislang kaum beachteten Richtung: ausgerechnet das Grippemedikament "Tamiflu" könnte zur Entstehung von resistenten Viren beitragen.</p>

<p>Bislang ist in Sachen Schweinegrippe sicherlich keine Panik angezeigt. Auch wenn die Fallzahlen kontinuierlich steigen und die Bundesländer nun eine großangelegte<a href="http://www.scienceblogs.de/2009/07/die-schweinegrippe-ruckt-naher-kommt-die-impfung-zu-spat.php"> Impfaktion beschlossen</a> haben: der Krankheitsverlauf nach einer H1N1-Infektion ist fast immer ziemlich mild. Allerdings sollte man sich eben nicht darauf verlassen, daß dies so bleibt. Grippeviren sind Wandlungskünstler. Deshalb sind die Vorsichtsmaßnahmen der Behörden (wenn etwa Schulen geschlossen werden) auch gerechtfertigt. Probleme könnte man sich allerdings einhandeln, wenn massenhaft das antivirale Medikament Tamiflu (Wirkstoff: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tamiflu">Oseltamivir</a>) zur Anwendung kommt...<br />
</p><blockquote class="right">Als sich 2006 die Vogelgrippe in Asien ausbreitete, schlug die Stunde von Tamiflu. Für den Hersteller Roche ein Riesengeschäft...</blockquote>

<p><strong>Tamiflu: Lösung oder Teil des Problems?</strong></p>

<p>Als sich im Frühjahr 2006 die Vogelgrippe in Asien ausbreitete, schlug die Stunde von Tamiflu. In den Apotheken war Tamiflu ausverkauft und hunderttausende verunsicherte Bundesbürger bunkerten das antivirale Medikament. </p>

<p>Seitdem gilt Tamiflu (mit dem Wirkstoff: Oseltamivir) in der Öffentlichkeit als Geheimwaffe, wenn wieder einmal Meldungen einer Influenza-Epidemie beunruhigen. Und tatsächlich - es war bei der Vogelgrippe (H5N1) so und gilt auch für die Schweinegrippe (H1N1) - im Erkrankungsfall können die antiviralen Medikamente Tamiflu und Relenza die Symptome mindern und die Dauer der Krankheit verkürzen. Das ist durchaus was wert, aber es gibt möglicherweise auch Begleiterscheinungen, wenn Oseltamivir von hunderttausenden Betroffenen eingenommen wird. </p>

<p>Der menschliche Körper scheidet nämlich einen Großteil des Wirkstoffs (überwiegend in Form von Oseltamivircarboxylat) wieder aus; und dieser gelangt über die Kanalisation und Kläranlagen in normale Gewässer, Flüsse und Seen. Denn Oseltamivir ist chemisch sehr stabil, ist weitgehend UV-beständig und wird in den Kläranlagen nur minimal abgebaut. Das ergab auch schon eine schwedische Studie des Jahres 2007. (vgl. Fick, Lindberg et. al., siehe unten)</p>

<blockquote class="left">Der Wirkstoff Oseltamivir gelangt in Flüsse und Seen und wird dort von Enten aufgenommen. </blockquote>

<p>Nun haben die schwedischen Forscher der Unis Uppsala und Umea mit Kollegen der Universität Kyoto eine neue Studie publiziert: sie haben im letzten Winter während der Grippewelle in Japan Gewässerproben entnommen und dort größere Mengen Oseltamivir gefunden. </p>

<p>Das Problem bzw. die Befürchtung der Forscher: Wasservögel, v.a. Enten könnten so die gefährliche Brutstätte für gefährliche neue Virenstämme werden. Viren allerdings, die gegen antivirale Medikamente wie Tamiflu resistent sind. </p>

<p>Die Forscher schreiben in ihrer aktuellen Studie, die jetzt bei PLoS publiziert wurde:</p>

<blockquote>This study shows, for the first time, that low levels of oseltamivir can be found in the aquatic environment. Therefore the natural reservoir of influenza virus, dabbling ducks, is exposed to oseltamivir, which could promote the evolution of viral resistance.</blockquote>

<p>Sollte sich die Befürchtung der schwedischen Wissenschaftler irgendwann bewahrheiten, so wäre dies ein bitterer Nebeneffekt der unbedacht-naiven Einnahme von Tamiflu. Denn im aktuellen Stadium ist der positive Effekt auf den Krankheitsverlauf der Schweinegrippe nur minimal. Experten sagen, daß die Symptome mit Tamiflu eventuell einen Tag früher wieder verschwinden. </p>

<p>Ob dieser marginale Nutzen das Risiko einer Bildung von resistenten Virenstämmen legitimiert? Vermutlich nicht, solange der Verlauf der Grippe so mild ist. Aber das kann sich durchaus ändern, so daß Tamiflu wirklich massenhaft verschrieben und eingesetzt würde, was wiederum die Belastung der Gewässer und das Risiko der Resistenzbildung... ein Teufelskreis, allerdings bislang im Konjunktiv.</p>

<p><br />
<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 5px 8px 5px; color: rgb(105, 105, 105); margin: 5px 0 0 0; background: rgb(227, 227, 227)"><br />
Link:<br />
<ul>	<li>Söderström H,  Järhult JD,  Olsen B,  Lindberg RH,  Tanaka H,  et al. 2009 <a href="http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0006064">Detection of the Antiviral Drug Oseltamivir in Aquatic Environments</a>. PLoS ONE 4(6): e6064. doi:10.1371/journal.pone.0006064  </li><li> Fick J,  Lindberg RH,  Tysklind M,  Haemig PD,  Waldenström J,  et al. 2007 <a href="http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0000986#s4">Antiviral Oseltamivir Is not Removed or Degraded in Normal Sewage Water Treatment: Implications for Development of Resistance by Influenza A Virus</a>. PLoS ONE 2(10): e986. doi:10.1371/journal.pone.0000986  </li><br />
</ul></div></p>
     <hr />
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Gesundheitssystem</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">H1N1</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Influenza</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Nebenfolgen</category>
            
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Schweinegrippe</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Tamiflu</category>
            
            <pubDate>Wed, 29 Jul 2009 14:00:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Städtische Risikoschwangerschaften? Smog und Intelligenz</title>
            <description><![CDATA[
     <p><img title="Kleiner Rennfahrer, Bildquelle: stock.xchng, User: elpulpo44" alt="Kleinkind.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/Kleinkind.jpg" width="200" height="160" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 8px 8px;" /><strong>Smog macht dumm. So könnte man die Ergebnisse einer aktuellen US-Studie zu den Auswirkungen von Luftverschmutzung auf die Intelligenzentwicklung von Kindern zusammenfassen. Die Studie legt nahe, daß bestimmte Parameter der Luftqualität bereits während der letzten Schwangerschaftsmonate entscheidend sind. Sind Stadtkinder also dümmer? </strong></p>

<p>In ihrer Studie fokussierte <a href="http://www.mailmanschool.org/msphfacdir/profile.asp?uni=fpp1">Frederica P. Perera</a> von der New Yorker Columbia-Universität vor allem auf die Rolle, die polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) spielen. In früheren Studien hatte sie bereits festgestellt, daß hohe Belastungen der Atemluft werdender Mütter zu Entwicklungsverzögerungen bei Kleinkindern führt und auch mit geringerem Geburtsgewicht und Kopfumfang bei der Geburt korreliert.</p><blockquote class="left">Sind die PAKs, die bei der Verbrennung von Kohle und Öl entstehen, die Übeltäter?</blockquote>

<p><strong>Verbrennungsabgase und Smog beeinträchtigen Leistung bei Intelligenztests</strong></p>

<p>Im Zusammenhang mit ihrer aktuellen Untersuchung hatte Frederica P. Perera etwa 400 Mütter in ihrem letzten Schwangerschaftsdrittel mit einem Luftmessgerät bzw. Analyserucksack ausgestattet. Während 48 Stunden wurde die Luftqualität gemessen. Vor allem die Belastung mit den erwähnten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Polycyclische_aromatische_Kohlenwasserstoffe">PAKs</a> war von Interesse. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe entstehen bei der Verbrennung von organischem Material, also Kohle, Heizöl, Kraftstoff, Holz oder auch Tabak. </p>

<p>Die Mütter waren zwischen 18 und 35 Jahre alt und lebten in den New Yorker Stadtvierteln Manhattan und Bronx. Gemäß der Belastung der Atemluft mit PAKs wurden zwei Gruppen gebildet; nun zeigte sich bei den Intelligenztests der Kinder (die nun fünf Jahre alt sind), daß die Kinder erhebliche Unterschiede aufweisen: die Kinder der gering mit PAK-belasteten Gruppe erzielten durchschnittlich einen IQ-Wert von 101.6, die andere Gruppe, die im Mutterleib einer hohen PAK-Konzentration ausgesetzt war, kam im Durchschnitt auf  einen IQ von 96.5.</p>

<blockquote class="right">Handeln Schwangere unverantwortlich, wenn sie sich in verkehrs- und abgasreichen Städten aufhalten?</blockquote>

<p>In die Auswertung wurden übrigens nur 249 der ursprünglich rund 400 Kinder einbezogen; der Grund: Kinder aus spanischen Elternhäusern wurden nicht getestet, da Perera fürchtete, daß die Ergebnisse verzerrt werden könnten. Nach Angaben der Wissenschaftler wurden andere Einfluß- und Verzerrungsfaktoren (wie etwa der Bildungsgrad der Mütter, sowie das Passivrauchen) ausgeschlossen.</p>

<p>Interessant wäre es nun freilich, wie die Belastung mit PAKs in der Atemluft bei Schwangeren in ländlichen Gegenden ist und wie diese Kinder in den Tests abschneiden. </p>

<p>Deutlich wird allerdings, daß die Auswahl des Wohnviertels (denn es sollten eher die Hauptverkehrsstraßen mit hoher Abgasbelastung sein, die zu einer hohen PAK-Belastung führen) einen größeren und weitreicherenden Einfluß auf unsere Lebensqualität, Gesundheit und gar unsere Intelligenz haben, als wir oft denken. Aber was wundert uns das, wo doch das "falsche" Stadtviertel <a href="http://www.scienceblogs.de/echolot/2009/02/schlechte-nachbarschaft-die-korrelation-von-fastfoodrestaurants-mit-koronaren-erkrankungen.php">auch unser Gewicht und Infarktrisiko beeinflußt?<br />
</a><br />
<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 5px 8px 5px; color: rgb(105, 105, 105); margin: 5px 0 0 0; background: rgb(227, 227, 227)"><br />
Link:<br />
<ul>	<li>Claudia Wallis: <a href="http://www.time.com/time/health/article/0,8599,1912197,00.html">Study Links Exposure to Pollution with Lower IQ</a>, Time.com, 23.7.2009</li><li>Studie: Frederica P. Perera, Zhigang Li, et.al.: <a href="http://pediatrics.aappublications.org/cgi/content/abstract/peds.2008-3506v1">Prenatal Airborne Polycyclic Aromatic Hydrocarbon Exposure and Child IQ at Age 5 Years</a>, PEDIATRICS (doi:10.1542/peds.2008-3506)</li><br />
</ul></div></p>
     <hr />
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Gesundheit</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Intelligenzentwicklung</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Luftqualität</category>
            
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            <pubDate>Tue, 28 Jul 2009 14:15:00 +0100</pubDate>
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            <title>Mikroskopische Pionierarbeit: Stefan Hell und neue Dimensionen der Lichtmikroskopie</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Wissenschaftler müssen sich ein Bild von der Welt machen. Mit Teleskopen blicken sie in die Ferne des Weltalls, mit Mikroskopen beobachten sie die allerkleinsten Vorgänge des Lebens. Wobei die Grenzen unseres Wissens immer auch durch die technologischen Rahmenbedingungen der (Meß-)Instrumente vorgegeben sind. </strong></p>

<p>Der Göttinger Physiker Stefan Hell hat in den letzten Jahren neue - bislang ungeahnte - Meß- und Beobachtungsmöglichkeiten eröffnet. Und mit der erfolgreichen Entwicklung des Fluoreszenz- bzw. STED-Mikroskops* hat Hell sogar ehernes Lehrbuchwissen obsolet gemacht. </p>

<p><img title="Stefan Hell, Photo: Ansgar Pudenz / Dt. Zukunftspreis" alt="Stefan_Hell_02.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/Stefan_Hell_02.jpg" width="540" height="241" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 10px 0 8px 0px;" /> </p><blockquote class="right">Seit 1873 war definiert, daß Lichtmikroskope eine natürliche Auflösungsgrenze haben. Unter 200 Nanometern geht nichts mehr...</blockquote>

<p>In den meisten Standardlehrbüchern der Physik oder Biologie kann man bis heute nachlesen, daß der Lichtmikroskopie eine natürliche Grenze gesetzt ist: alles was feiner als 200 Nanometer ist, kann nicht mehr aufgelöst bzw. differenziert werden. Der Physiker Ernst Abbe hatte 1873 erkannt, daß zwei Strukturen nur bis zu einem bestimmten Abstand als zwei getrennte Einheiten wahrgenommen werden können. Diese so genannte Abbesche Auflösungsgrenze liegt (Licht breitet sich als Welle aus) bei einer halben Wellenlänge des sichtbaren Lichts. Und das sind eben die besagten 200 Nanometer. Alle Details und Strukturen die kleiner sind, können mit einem Mikroskop nicht beobachtet werden. </p>

<p><strong>Grenzverschiebungen</strong></p>

<p>Für die moderne Biologie ist diese (natürliche) Sichtgrenze ein Problem. Denn 200 Nanometer klingen nach wenig (es ist etwa ein 250stel eines Frauenhaars), aber um ins Innere von Zellen zu blicken, reicht das nicht aus. Proteine sind kaum ein Zehntel so groß. </p>

<p>Insofern war die Entwicklung von Elektronenmikroskopen der einzige Ausweg. Die optischen Grenzen der Auflösung spielen hier keine Rolle. Das Problem ist allerdings, daß man nur aufwendig herzustellende Präparate (Schnitte) mit Elektronenmikrosopen "unter die Lupe" nehmen kann, außerdem braucht man ein Vakuum. </p>

<p>Ein Lichtmikroskop wäre also doch was Feines, so dachte sich in den 90er Jahren der Göttinger Physiker Stefan Hell. Und dafür, daß er sich von der vermeintlich unüberwindbaren Abbeschen Grenze nicht abschrecken ließ, wird er heute mit Preisen überhäuft. </p>

<p><strong>Freie Sicht auf lebende Zellen</strong></p>

<p>Hell entwickelte nämlich die STED-Mikroskopie, die Fluoreszenzsignale von Zellbestandteilen aufzeichnet. Das allerdings ganz klassisch mit Linsen, Spiegeln und Objektiven. Der Trick liegt schlicht darin, daß die Probe (also etwa eine Zelle) zweifach mit einem scharf fokussierten Lichtstrahl beleuchtet wird. Einmal werden die eingebrachten Fluoreszenzmoleküle angeregt und dann in einem zweiten Schritt wird die Zelle schrittweise mit einem anderen Lichtstrahl "gescannt". (Details zur Technik in diesem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/STED-Mikroskop">Wiki-Artikel</a> oder im <a href="http://www.deutscher-zukunftspreis.de/index.php?q=content/team-1-13&sec=4">Interview mit Stefan Hell</a>.)</p>

<blockquote class="left">Stefan Hell ist es gelungen, die physikalische Auflösungsgrenze für Lichtmikroskope deutlich zu unterbieten. Nun können auch lebende Zellen und ihr Innenleben "beobachtet" werden.</blockquote>

<p>Auf diese Weise ist es gelungen die physikalische Auflösungsgrenze für Lichtmikroskope deutlich zu unterbieten. Bis zu 20 Nanometer große bzw. kleine Proteinkomplexe können so beobachtet werden. Die Leistung von Hell liegt also darin, daß beugungs-unbegrenzten Lichtmikroskope zur Verfügung stehen, mit denen auch lebende Zellen (und deren Innenleben) beobachtet werden können. Dafür wurde er inzwischen mit allerhand Preisen dekoriert. 2006 gab es den Zukunftspreis des Bundespräsidenten, ganz aktuell wurde ihm der <a href="http://idw-online.de/pages/de/news325627">Otto-Hahn-Preis der Dt. Physikalischen-Gesellschaft</a> verliehen. </p>

<p>Wo soll das noch hinführen (naja, vermutlich weiter in die Beobachtung im nanoskaligen Bereich), der Kerl ist doch gerade 46 Jahre alt! </p>

<p>Am Beispiel von Hell wird jedenfalls sehr schön deutlich, daß Wissenschaft auf Beobachtungsapparaturen angewiesen ist, die aber jeweils Grenzen aufweisen. Oder anders formuliert: für alles, was unterhalb von 200 Nanometern lag, war man bislang (von der Elektronenrastermikroskopie abgesehen) blind. Der Horizont der Wissenschaft ist insofern jeweils begrenzt.</p>

<p>Nun wurde durch die Fluoreszenzmikroskopie freilich ein neues Fenster geöffnet. Und die Wissenschaftler blicken neugierig hindurch. Wobei sie eben soweit blicken, wie sie sehen können. Jedenfalls solange bis ein neuer Hell kommt und weitere Fenster und damit Horizonte öffnet. Und in diesem Sinne ist - wenn man die zeitliche Entwicklung betrachtet - <a href="http://www.scienceblogs.de/ihre-forschungsfrage/2009/07/haben-wir-irgendwann-alles-erforscht.php">Wissenschaft  grenzenlos</a>.</p>

<p><br />
<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 5px 8px 5px; color: rgb(105, 105, 105); margin: 5px 0 0 0; background: rgb(227, 227, 227)"><br />
Weitere Details in folgendem Blogposting:<br />
<ul>	<li>Alexander Knoll: <a href="http://holliday-junction.blogspot.com/2008/05/grenzen-des-sichtbaren-und-wie-man-sie.html">Grenzen des Sichtbaren und wie man sie überwindet</a>, Holliday Junction</li><br />
</ul><br />
</div><br />
--<br />
<small>* Wie Alexander im Kommentar richtig anmerkt, ist das grundsätzliche Verfahren der Fluoreszenzmikroskopie nicht von Stefan Hell entwickelt worden. Sein Verdienst betrifft die maßgebliche Optimierung hin zum Fluoreszenz-Laser-Raster-Mikroskop bzw. eben seine Variante des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/STED-Mikroskop">STED-Mikroskops</a>.</small></p>
     <hr />
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Beobachtungen</category>
            
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Licht</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Mikroskopie</category>
            
            <pubDate>Wed, 15 Jul 2009 19:45:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Desertec, oder: Über die Renaissance der Utopie einer solarthermischen Gesellschaft</title>
            <description><![CDATA[
     <p><img alt="Parabolrinne_02.jpg" title="Aktuelle Aufnahmen einer Solarthermieanlage in Südspanien; Bildquelle: Desertec" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/Parabolrinne_02.jpg" width="220" height="161" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 10px 10px;" /><strong>»Die Sonne schickt uns keine Rechnung.« So lautete das mantrahaft vorgetragene Glaubensbekenntnis des Journalisten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Alt_(Journalist)">Franz Alt</a>. Und man darf vermuten, daß Franz Alt in den letzten Wochen die Berichterstattung über das Projekt "Desertec" wohlwollend beobachtet hat; die lange Zeit kaum diskutierte Solarthermie feiert derzeit eine glänzende Renaissance. </strong></p>

<p>Heute haben sich in München zwölf namhafte Industrieunternehmen zur <a href="http://www.desertec.org/de">Desertec-Initiative</a> zusammengetan, die binnen weniger Jahre in Nordafrika ein Solarthermie-Projekt realisieren will, das richtungsweisend sein könnte. Was steckt dahinter? Woher kommt die Begeisterung der Unternehmen für dieses Konzept?<br />
</p><p><strong>Kommt der Strom der Zukunft aus der Wüste?</strong></p>

<blockquote class="right">Nach dem Vattenfall-Fiasko mit Krümmel, ist man geradezu dankbar über neue, positive Nachrichten aus der Energiebranche.</blockquote>

<p>In Zeiten, in denen führende Energiekonzerne öffentlichkeitswirksam ihre Inkompetenz beim Betrieb hochtechnologischer (und dabei zugleich hochrisikoträchtiger!) Anlagen demonstrieren, ist man ja schon fast dankbar, wenn sich die Berichterstattung wieder anderer Themen annimmt. Aber vielleicht war es auch ganz gut so, daß Vattenfall zuletzt mit dem Atomkraft-Fossil Krümmel ein kleines Waterloo erlebte: die Tücken der Kernkraft  sind der Politik und Öffentlichkeit wieder einmal in aller Deutlichkeit vor Augen geführt worden.</p>

<p>Doch wie sind die Alternativen? Daß die Verfeuerung von fossilen Rohnstoffen purer Irrsinn ist, steht außer Frage. Über die Folgen der weiter steigenden CO2-Emissionen kann man ständig bei "<a href="http://www.scienceblogs.de/primaklima/">Primaklima</a>" nachlesen. Daß gehandelt werden muß, wurde zuletzt beim <a href="http://www.scienceblogs.de/lindaunobel/2009/07/auswege-aus-dem-unsustainable-development-paneldiskussion-zum-klimawandel.php">Panel zu "Global Warming" </a>zum Abschluß der Lindauer Nobelpreisträgertagung deutlich. </p>

<p>Die Diskussion über alternative, erneuerbare Energiequellen wird in der Öffentlichkeit seit mindestens 20 Jahren geführt; mal mit mahnendem Unterton, mal mit entspannt-zuversichtlichem Zungenschlag. Klar ist, daß es auf den Energiehunger der industriellen Gesellschaften nicht eine einzige, alleinseligmachende Antwort gibt. Man kann das Land einfach nicht mit Windkraftanlagen zupflastern. Und die Photovoltaik? Da stellt sich eben die Frage nach der Effizienz. </p>

<blockquote class="left">Klar ist, daß es auf den Energiehunger der industriellen Gesellschaften nicht eine einzige, alleinseligmachende Antwort gibt.
</blockquote>

<p><strong>Die Technik hinter der Solarthermie</strong></p>

<p>Eigentlich erstaunlich, daß  in den letzten Jahren recht selten über Solarthermie gesprochen wurde. In solarthermischen Anlagen wird die Sonnenstrahlung mit einem großflächigen System von Spiegeln auf einen Absorber konzentriert, durch den (je nachdem) Wasser, synthetisches Öl oder ein anderer Wärmeträger zirkuliert. </p>

<p>Dieser Wärmeträger erhitzt sich und bringt Wasser zum Verdampfen; über diesen Dampf - das ist dann konventionelle Kraftwerkstechnologie - wird eine Turbine angetrieben, die  elektrische Energie erzeugt. (Details zur Technik auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Solarthermie">bei Wikipedia</a>.)</p>

<p>Soweit zur (grauen) Theorie der Energieerzeugung, die gar nicht grau, sondern höchst vielversprechend klingt. Doch wo ist der Haken? Gibt es einen? In der Praxis der Solarthermie zeigt sich freilich eines der Probleme: Solarthermieanlagen brauchen Platz. Sehr viel Platz. Und natürlich entsprechende Sonneneinstrahlung. <br />
<strong><br />
Offene Fragen</strong></p>

<p>Hierzulande wären beide Bedingungen kaum erfüllbar. Im Süden Spaniens und erst recht in Nordafrika finden sich dagegen ideale Rahmenbedingungen. Und genau hierauf zielt das aktuelle Desertec-Projekt. In der Sahara-Region soll bereits ab 2015 im großen Maßstab solarthermische Energie erzeugt werden.</p>

<p>Darauf haben sich u.a. die Münchener Rück, die Energiekonzerne RWE und E.on, sowie Siemens und die Deutsche Bank verständigt. Auf rund 400 Milliarden Euro werden die Kosten veranschlagt. Man darf davon ausgehen, daß das niedrig kalkuliert ist. </p>

<blockquote class="right">Zwischen 1991 und 2006 wurde weltweit kein einziges Solarthermie-Kraftwerk gebaut. Wieso jetzt?</blockquote>

<p>Doch natürlich stellen sich weitere Fragen. Die erste: Warum ausgerechnet jetzt? Schließlich wurde zwischen 1991 und 2006 weltweit kein einziges kommerzielles Solarthermie-Kraftwerk gebaut. Die Antwort gibt freilich ein Blick auf die Entwicklung des Ölpreises: der war in den 90ern unverschämt niedrig. </p>

<p>Davon, daß die Technologie prinzipiell hervorragend und zuverlässig funktioniert (und das will schon was heißen) darf man freilich ausgehen. Seit mehr als zwanzig Jahren läuft  in der kalifornischen Mojave-Wüste ein große Anlage. Dort verrichtet ein Parabolrinnen-Kraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 14 Megawatt seinen Dienst. Wie gesagt: Vielversprechend!</p>

<p><em><small>Wartungsarbeiten an der kalifornischen Anlage:</small></em><br />
<img alt="Parabolrinne_01.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/Parabolrinne_01.jpg" width="540" height="241" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></p>

<p>Zu klären sind nun zunächst zwei offene Punkte: erstens - in technologischer Hinsicht - die Frage des Energietransports. Denn mit den bestehenden Leitungsnetzen und Kapazitäten wird das nichts. Es muß ein neues Leitungsnetz (mind. über 3.000 Kilometer) erstellt werden. Die Übertragung über effiziente Gleichstrom-Hochspannungsleitungen wird nach Schätzungen mind. 45 Milliarden Euro kosten.</p>

<p>Und zweitens - dies ist eine politische Frage - muß geklärt werden, wie man dieses industrielle Großprojekt in den jeweiligen Staaten (Algerien, Marokko ...) zuverlässig betreiben will, ohne in neue Abhängigkeiten zu rutschen oder Opfer der möglicherweise instabilen politischen Verhältnisse zu werden. </p>

<p>Diese Fragen müssen nun sicher auch von politischer und EU-Seite geklärt werden. In Sachen Wissenschafts- und Technologiekommunikation haben die Mitglieder der Desertec-Initiative jedenfalls einen bemerkenswerten Job gemacht. Die <a href="http://www.desertec.org/de/">Website</a> ist gut gemacht - und die Tatsache, daß man über Solarthermie in den letzten Tagen soviel liest wie nie, spricht auch für sich.</p>

<p>Man darf gespannt sein. Auf den Strom aus der Wüste.</p>

<p>--</p>

<p><em><small>Nordafrika als Energielieferant Europas? - Die Desertec-Vision:</small></em><br />
<img alt="DESERTEC-Map01.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/DESERTEC-Map01.jpg" width="540" height="306" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></p>

<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 5px 8px 5px; color: rgb(105, 105, 105); margin: 5px 0 0 0; background: rgb(227, 227, 227)">
<strong>Links:</strong>

<ul><li><a href="http://www.desertec.org/de/">
	Desertec-Website</a></li><li><a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/wissenschaft/ein_zweiter_fruehling_fuer_solarthermische_kraftwerke_1.647664.html">Ein zweiter Frühling für solarthermische Kraftwerke</a>, Neue Zürcher Zeitung, Januar 2008</li><li><a href="http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/energie/Studie_Sauberer_Wuestenstrom.pdf">Greenpeace-Studie zum Wüstenstrom (PDF)</a></li>
</ul></div>
     <hr />
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Umwelt</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Desertec</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Energieerzeugung</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Klimawandel</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Wüstenstrom</category>
            
            <pubDate>Mon, 13 Jul 2009 23:00:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>EPO: Fluch für den Radsport, Segen für die Medizin? </title>
            <description><![CDATA[
     <p><img title="Radfahrer in Schieflage; Bildquelle: flickr, User: bryanpearson" alt="Radfahrer01.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/Radfahrer01.jpg" width="200" height="183" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 10px  8px;" /><strong>Epo wirkt! Das belegt nicht nur der Radsport, wo Epo seit den 90er Jahren zur unerlaubten Ausdauersteigerung eingesetzt wurde. Inzwischen sind die fragwürdigen Radhelden vermutlich auf andere Dopingmittel umgestiegen. Doch während die Popularität von Lance Armstrong* und seinen scheinheiligen Kollegen glücklicherweise schwindet, steht Epo möglicherweise erst am Beginn einer vielversprechenden Karriere.</strong></p>

<p>Die Abkürzung EPO steht ja für das körpereigene Hormon Erythropoetin, das in der Niere gebildet wird. Als so genanntes Glykoprotein-Hormon ist Erythropoetin an zentraler Stelle bei der Bildung roter Blutkörperchen (Erythrozyten) beteiligt. Ursprünglich wurde EPO biotechnologisch synthetisiert, um Dialysepatienten (deren Nieren kein oder zu wenig Epo herstellen) zu behandeln. <br />
</p><p><strong>Doping für Herz & Hirn</strong></p>

<blockquote class="right">Bis 2000 konnte man in den Dopinglabors zwischen natürlichem und künstlichem EPO nicht unterscheiden - ein Freibrief für skrupellose Fahrer von Jan Ullrich bis Lance Armstrong. </blockquote>

<p>Erythropoetin (egal ob aus körpereigener oder künstlicher Quelle) wirkt nämlich stimulierend auf die Stammzellen des Knochenmarks, die rote Blutkörperchen herstellen, die wiederum für den Sauerstoff-Transport zuständig sind. Und genau diesen Effekt machten sich die Ausdauersportler zu nutze. Bis 2000 konnte man in den Dopinglabors zwischen natürlichem und künstlichem EPO nicht unterscheiden - quasi ein Freibrief für krankhaft ehrgeizige Radprofis von Jan Ullrich bis Lance Armstrong. </p>

<p>Ob EPO auch bei der diesjährigen Tour de France wieder eine Rolle spielt (möglicherweise in einer modifizierten Variante?), kann ich nicht sagen. Aber eigentlich ist es auch fast gleichgültig, was im Radsport passiert. Viel spannender sind die jüngsten Studien zu Erythropoetin, das möglicherweise viele weitere positive Effekte hat. <br />
<strong><br />
EPO als Allzweckwaffe?</strong></p>

<p>Die Untersuchungen der letzten Jahre legen nämlich nahe, daß EPO sozusagen auf Herz & Hirn wirkt. Tatsache ist, daß in eigentlich allen Organen des menschlichen Körpers Epo-Rezeptoren zu finden sind. </p>

<p>In Zellkulturen, sowie in Tierversuchen ist längst bestätigt, daß Erythropoetin eine zellschützende und regenerative Wirkung hat. Das macht Epo zu einem spannenden Kandidaten für die Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen (wie etwa Multiple Sklerose etc.) oder akuten neurologischen Schädigungen wie etwa nach Schlaganfällen. <br />
<blockquote class="left">Epo hat eine zellschützende und -regenerative Wirkung. Es steht als vielversprechender Kandidat bei Schlaganfällen, Infarkten oder Multiple Sklerose in den Startlöchern</blockquote></p>

<p>Die Studiengruppe von Hannelore Ehrenreich vom Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen hat in mehreren Studien die Effekte von Epo bei Schlaganfällen untersucht. Mit ausgesprochen positiven Ergebnissen. Auch bei Herzinfarkten wirkt die schnelle Gabe von Epo - die Folgeschäden sind geringer, wie auch eine Studie am Deutschen Herzzentrum in München belegte. </p>

<p>Aber möglicherweise gibt es noch mehr Indikationen für den Einsatz von Epo: <a href="http://www.biomedcentral.com/1741-7007/6/37/abstract">im Mäuseversuch wirkte es stimulierend auf die Nerventätigkeit im Hippocampus</a> und Mäuse, die eine dreiwöchige EPO-Kur verabreicht bekamen, zeigten verbesserte Leistungen des Kurz- und Langzeitgedächtnisses.  </p>

<p>Letzten September <a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,577390,00.html">erklärte Ehrenreich:</a></p>

<blockquote>Junge Mäuse, die drei Wochen lang systematisch mit Epo behandelt werden, haben ein deutlich besseres Gedächtnis - ähnlich den dramatischen Verbesserungen von Ausdauer und Muskelkraft von Athleten, die sich mit Epo dopen.</blockquote>

<p>Klingt gut. Nun muß man freilich abwarten, ob sich diese Indizien weiter erhärten. Sollten sich diese vielversprechenden neuen Behandlungsansätze tatsächlich durchsetzen, so steht dem heute mit einem zweifelhaften Ruf belasteten Epo vielleicht doch noch eine glänzende Karriere bevor. </p>

<p>Bereits heute werden weltweit jährlich mehr als 10 Milliarden US-Dollar mit Epo-Präparaten verdient. Klar: etwa eine halbe Million Sportler - so die Expertenschätzung - dopen sich mit dem Stoff. Künftig könnte Epo für die Pharmafirmen noch lukrativer werden...</p>

<p>Zu hoffen ist, daß "vernünftige" therapeutische Indikationen zu einem Comeback von Epo führen. Für Lance Armstrong und Co. wird das allerdings wenig nutzen. Denn das Epo der Zukunft wird aus einer neuartigen Molekülvariante bestehen. Um unerwünschte Nebeneffekte zu vermeiden, bevorzugen die Mediziner das sogenannte carbamylierte Epo (Cepo) Das hat zwar einen Schutzeffekt für Nervenzellen, kurbelt aber die Blutbildung nicht an. </p>

<p>Pech gehabt, Lance. </p>

<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 5px 8px 5px; color: rgb(105, 105, 105); margin: 5px 0 0 0; background: rgb(227, 227, 227)">
<strong>Links:</strong>

<ul>	<li>Martin Lindner: <a href="http://www.zeit.de/2009/14/M-Epo?page=1">Die gute Seite des Bösen</a>, Die ZEIT, 26.3.2009</li>
	<li><a href="http://www.epo-study.de/">EPO-Schlaganfall-Studie</a></li>
<li>Adamcio, Sargin et. al.: Erythropoietin enhances hippocampal long-term potentiation and memory, in: BMC Biology 2008, 6:37doi:<a href="http://www.biomedcentral.com/1741-7007/6/37">10.1186/1741-7007-6-37</a></li>
</ul>

<p><small><br />
* Im Dezember 2004 wurden - nach Recherchen von L'Équipe - in tiefgefrorenen Urinkonserven des siebenfachen Tour-de-France-Siegers Lance Armstrong Spuren von nicht körpereigenem EPO nachgewiesen. Armstrong bestreitet natürlich die Einnahme von Epo. Aber wer erwartet auch Aufrichtigkeit bei Radprofis...</small><br />
</div></p>
     <hr />
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Doping</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">EPO</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Gedächtnis</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Medizin</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Radsport</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Schlaganfall</category>
            
            <pubDate>Sat, 11 Jul 2009 00:00:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Die Lindauer Nobelpreisträgertagung als Ereignis der Wissenschaft</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Wann ist Wissenschaft? So hatte Jörg Friedrich <a href="http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2009/04/wann-ist-wissenschaft.php">vor einigen Wochen gefragt.</a> Man könnte die Frage auch etwas variieren und fragen: Wann reden wir von Wissenschaft? Oder: Wo findet Wissenschaft statt.</p>

<p>Es ist dabei letztlich immer die spannende Frage, welche "Form" sich ein soziales Ereignis geben muß, damit es als wissenschaftliches Ereignis zweifelsfrei erkannt wird. Dabei gibt es natürlich bestimmte Erkennungs- und Kennzeichen, die uns signalisieren, daß wir gerade einem wissenschaftlichen Gegenstand gegenüberstehen. </p>

<blockquote class="right">Wie erkennen wir eigentlich, daß es sich um ein wissenschaftliches Ereignis handelt?</blockquote>

<p>Wenn wir uns in einem großen Saal mit abfallenden Sitzreihen befinden, so sollte es uns nicht überraschen, wenn das Licht erlöscht und ein Film an die Leinwand projiziert wird. Sollte stattdessen ein einzelner Mann oder eine Frau erscheinen und einen mit allerlei Fachterminologie aufgepeppten Vortrag beginnen, so sind wir nicht im Kino, sondern vermutlich im Hörsaal einer Universität gelandet. </p>

<p>Die Unterschiede zwischen diesen beiden "Darbietungen" sind gar nicht so groß. Doch erkennen wir zweifelsfrei, in welchem Fall es sich um Wissenschaft handelt. Vergangene Woche hatte ich die Gelegenheit, ein wirklich bemerkenswertes wissenschaftliches Ereignis aus der Nähe zu beobachten. Denn bei der 59. Tagung der Nobelpreisträger in Lindau ging es ganz ohne Zweifel um Wissenschaft. Aber: woher weiß ich das so genau?</p><p><strong>Die äußere Form und das Wesen der Dinge</strong></p>

<p>Denn konnte ich mir wirklich sicher sein, daß es sich bei diesem Ereignis nicht um etwas vollkommen anderes handelte? </p>

<p>War ich möglicherweise bei einer politischen Veranstaltung gelandet? Etwa einem Treffen blaublütiger Inselbewohner mit bundesdeutschen und europäischen Spitzenbeamten? </p>

<p><img alt="IMG_2347_Barroso_Schavan_540.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/IMG_2347_Barroso_Schavan_540.jpg" width="540" height="339" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 10px 0px -2px 0px;" /><div style="text-align: center;"><small><em>[Gräfin Bettina Bernadotte begrüßt Annette Schavan und José Barroso]</em></small></div><br />
Oder handelte es sich um einen Seniorennachmittag oder ein anderes Veteranentreffen?</p>

<p><img alt="BO5C0768_Laureaten.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/BO5C0768_Laureaten.jpg" width="540" height="245" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 10px 0px -2px 0px;" /><div style="text-align: center;"><em><small>[Die Laureaten beim Gruppenphoto mit Gräfin Bernadotte.]</small></em></div><br />
Oder ging es bei der Veranstaltung vor allem um Brauchtumspflege? Beispielsweise indischer Provenienz?</p>

<p><img alt="BO5C2455_Indischer_Abend.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/BO5C2455_Indischer_Abend.jpg" width="540" height="288" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 10px 0 -2px 0px;" /><div style="text-align: center;"><small><em>[Tanzende indische Studenten und Doktoranden am Rande des Eröffnungsabends.]</em></small></div><br />
Das war sicher genauso ein Beitrag zur Völkerverständigung, wie die Darbietungen bayerischer Tradition und (bierseliger) Kultur.</p>

<p><img alt="IMG_2651_Bayer_Abend.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/IMG_2651_Bayer_Abend.jpg" width="540" height="207" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 10px 0 -2px 0px;" /><div style="text-align: center;"><em><small>[Mangels Lederhosen- und Dirndlträgern unter den Teilnehmern der Tagung wurde eigens eine Trachtengruppe zum allgemeinen Gaudium engagiert.]</small></em></div><br />
Oder war es einfach ein Zusammentreffen von jungen Wissenschaftlern aus aller Welt, die eine Woche lang untereinander...</p>

<p><img alt="IMG_2698_Abend.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/IMG_2698_Abend.jpg" width="540" height="206" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 10px 0 -2px 0px;" /><div style="text-align: center;"><em><small>[Abends verlagerten sich die Gespräche einfach vor die Türen der Kongreßhalle.]</small></em></div><br />
... und mit Nobelpreisträgern diskutierten, sich kennen- und voneinander lernten? </p>

<p><img alt="BO5C1983_Kroto.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/BO5C1983_Kroto.jpg" width="540" height="276" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin:10px 0 -2px 0px;" /><div style="text-align: center;"><small><em>[Hier wird mit Nobelpreisträger Sir Harold Kroto diskutiert.]</em></small></div></p>

<p>
Diese Momentaufnahmen illustrieren, wie vielfältig die Lindauer Tagung war. Und doch ist die Wissenschaft - dieses Jahr stand das Treffen im Zeichen der Chemie - das einigende Band, das die verschiedenen Veranstaltungsteile zusammenhielt. Wer den Gesprächen am Rande zuhörte, der stellte fest, daß es fast immer um wissenschaftliche Themen ging. Wie sind die Studienbedingungen in Neuseeland, den USA oder anderswo? Worauf muß ich achten, wenn ich mir eine Post-Doc-Stelle suche? Wie laufen die aktuellen Forschungsprojekte? Bei welchen Journals hat man Papers eingereicht? </p>

<blockquote class="left">Was für Außenstehende wie ein internationaler Kirchentag aussieht, ist für die Teilnehmer unzweifelhaft eine wissenschaftliche Angelegenheit</blockquote>

<p>Was für Außenstehende möglicherweise wie ein internationaler Kirchentag aussieht, ist für die Teilnehmer unzweifelhaft eine wissenschaftliche Angelegenheit. Und die Teilnehmer und deren Selbstverständnis sind letztlich das entscheidende Moment und erlauben immerhin eine Antwort auf die oben gestellte Frage, woran eine solche Veranstaltung denn als "wissenschaftlich" zu erkennen ist: es sind die teilnehmenden Personen.</p>

<p>Das ist zwar sicher nicht das alleinige (und auch kein hinreichendes) Kriterium, aber wenn - wie in Lindau - gleich mehr als 600 Menschen zusammen sind, deren Leidenschaft die Wissenschaft ist, dann genügt das fast schon aus.  </p>

<p><br />
<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 5px 8px 5px; color: rgb(105, 105, 105); margin: 5px 0 0 0; background: rgb(227, 227, 227)"><strong>Mehr über die Nobelpreisträgertagung:</strong></p>

<ul>	<li>Im <a href="http://www.scienceblogs.de/lindaunobel/">Live-Blog zur Tagung</a> auf ScienceBlogs</li><li>Bei Lars im <a href="http://fisch-blog.blog.de/tags/lindau/">Fischblog</a></li>
</ul>
*  <small>Die Photos des indischen Abends und der Diskussion mit Harold Kroto sind von Christian Flemming (www.lindau-nobel.de), die anderen sind von mir.</small>
</div>

     <hr />
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   ]]></description>
            <link>http://feedproxy.google.com/~r/ScienceBlogs/Echolot/~3/oFVUNJM9x8I/die-lindauer-nobelpreistragertagung-als-ereignis-der-wissenschaft.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Geistes- &amp; Sozialwissenschaften</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Beobachtungen</category>
            
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Nobelpreisträgertreffen</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Wissenschaft</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Wissenschaftssoziologie</category>
            
            <pubDate>Wed, 08 Jul 2009 13:45:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Rekordjagd: Warum die chinesischen Keramikfunde nicht die ältesten der Welt sind</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Wissenschaft ist in den Medien häufig genau dann präsent, wenn sich Forschungsergebnisse in irgendeiner Weise mit Begriffen wie "Durchbruch", "Fortschritt" oder "Rekord" kombinieren lassen. Superlative machen jede Schlagzeile zum Hingucker. Das gilt natürlich auch für den Wissenschaftsjournalismus. Heute wurde wieder eine der bekannten Rekord-Meldungen verkündet: Archäologen haben die angeblich älteste Keramik der Welt gefunden. Doch so einfach ist es mit diesem vermeintlichen Rekord-Fundstück natürlich nicht.</strong></p>

<blockquote class="right">Es wird der Fund der ältesten Keramik der Welt vermeldet. Wer recherchiert stellt fest, daß diese Behauptung nicht zutrifft...</blockquote>

<p>Es ist keine der weltbewegenden Nachrichten, aber das ist auch nicht das Ziel von Forschung, die nach Spuren kultureller Zeugnisse frühester Gesellschaften sucht. In der chinesischen Yuchanyan-Höhle wurden jedenfalls bereits Mitte der 1990er Jahre verschiedene Knochen und auch Tonscherben gefunden. Nun konnte deren Alter mittels der Radiocarbon-Methode genauer bestimmt werden.* Die Datierung des Forscherteams um Elisabetta Boaretto von der isrealischen Bar-Ilan-Universität ergab ein Alter der Scherben von 17.500 bis 18.300 Jahren. </p>

<p>Rekord! So <a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,627995,00.html">vermeldet etwa Spiegel Online</a>. Strenggenommen stimmt das aber nicht...</p><p><strong>Der Mensch erscheint im Holozän, Keramik bereits im ausgehenden Pleistozän</strong></p>

<p>Über die nun datierten Fundstücke aus der chinesischen Höhle in der Provinz Hunan berichten die Wissenschaftler in einem Artikel in den aktuellen Proceedings of the National Academy of Sciences. (<a href="http://www.pnas.org/content/early/2009/06/01/0900539106">PNAS online</a>). Und klar ist, daß die Funde zu den ältesten Zeugnissen menschlicher Geschirr- oder Gefäßherstellung aus gebranntem Lehm und Ton gehören. </p>

<p>Im Artikel ist u.a. auch folgender Satz zu lesen:</p>

<blockquote>These ceramic potsherds therefore provide some of the earliest evidence for pottery making in China.</blockquote>

<p>Daran, so zeigt eine kurze Recherche, gibt es auch gar keine Zweifel. Bei SpiegelOnline liest es sich allerdings recht eindeutig so, als wären die Funde damit die ältesten bekannten Keramikstücke. Man liest bei SpOn:</p>

<blockquote>"Älteste Keramik der Welt stammt aus China. (...) Die bisher ältesten Hinweise auf Töpferei stammen aus dem heutigen Japan und sind etwa tausend Jahre jünger. "</blockquote>

<p>Diese Behauptung kann aber nur aufrechterhalten werden, wenn man als Keramik nur Gefäß-Keramiken meint. </p>

<p><img title="Die venus von Dolní Věstonice, Photo: Petr Novák, Wikimedia" alt="Venus_200.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/Venus_200.jpg" width="200" height="419" class="mt-image-right" style="float: left; margin: 0 12px 8px 0px;" /><strong>Gefäßkeramik und figürliche Keramik</strong></p>

<p>Strenggenommen ist die Meldung - wenn man sie so formuliert wie Spiegel und die Agenturen - allerdings falsch. Denn es gibt sehr wohl Keramiken, die älter sind. Es handelt sich hierbei freilich um figürliche Darstellungen. </p>

<p>Die bekannteste davon ist die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Venus_von_Doln%C3%AD_V%C4%9Bstonice">Venus von Dolní Věstonice</a>. Daß solche Keramiken deutlich älter sind, ist allgemein bekannt und auch in der Literatur hinreichend dokumentiert. <em>(Vgl. etwa: Mämpel, Uwe: Keramik. Kultur- und Technikgeschichte eines gebrannten Werkstoffs, Hohenberg 2003, S. 8)</em></p>

<p>Die Venus von Dolní Věstonice, die bereits 1925 bei Ausgrabungen in Mähren entdeckt wurde, ist mindestens 22.000 Jahre alt und übertrifft die chinesischen Scherben um viele, viele tausend Jahre. Und schöner ist diese sinnliche Venus doch auch, oder? </p>

<p>Dr. Sally Schöne, Keramikexpertin vom <a href="http://www.duesseldorf.de/hetjens/index.shtml">Deutschen Keramikmuseum in Düsseldorf</a>, bestätigt diesen feinen Unterschied zwischen Gefäß- und figürlicher Keramik. Und auf diese Unterscheidung kommt es in diesem Fall eben an... </p>

<p>Die Funde in China lassen sich als frühester Nachweis dafür deuten, daß menschliche Gruppen "getöpfert" haben. Aber Keramik(en) gab es eben schon früher.</p>

<p><br />
<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 5px 8px 5px; color: rgb(105, 105, 105); margin: 5px 0 0 0; background: rgb(227, 227, 227)"><br />
<strong>Links:</strong><br />
<ul>	<li>Elisabetta Boaretto et al.: <a href="http://www.pnas.org/content/early/2009/06/01/0900539106">Radiocarbon dating of charcoal and bone collagen associated with early pottery at Yuchanyan Cave, Hunan Province, China, in: PNAS,  doi: 10.1073/pnas.0900539106</a></li><br />
</ul><br />
*  Für "jüngere" Keramiken steht neuerdings auch eine andere Datierungs-Methode zur Verfügung, <a href="http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/2009/05/datierung-von-tonkeramik-und-die-mogliche-nutzung-als-klimaarchiv.php">wie bei Diax's Rake zu lesen ist.</a><br />
</div></p>
     <hr />
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Archäologie</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Keramik</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Wissenschaftsjournalismus</category>
            
            <pubDate>Tue, 02 Jun 2009 19:00:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Es werde weiß: Mit dem Malerpinsel im Kampf gegen die Klimaerwärmung</title>
            <description><![CDATA[
     <p><img title="Typisch griechisches Stadtbild; Quelle: stock.xchng, User: jembe" alt="Griechenland01.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/Griechenland01.jpg" width="240" height="168" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 9px 7px;" />Mit dem Malerpinsel gegen die Klimaerwärmung!? So ähnlich lautet jedenfalls ein Konzept, das US-Energieminister Steven Chu am Mittwoch in London vorstellte. Und Steven Chu, 1997 mit dem Physik-Nobelpreis dekoriert, meint es ernst: Hausdächer, Straßen und Plätze sollen mit weißer Farbe bemalt werden, um die Folgen des Klimawandels einzudämmen.</p>

<p>In den letzten Tagen war der ehrwürdige St. James's Palace in London Treffpunkt von rund 20 Nobelpreisträgern und einigen dutzend Klimawissenschaftlern. Auf Einladung von Hans-Joachim Schellnhuber (Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung) waren hochrangige Wissenschaftler zusammengekommen, um über Fragen des Klimaschutzes und Lösungsstrategien zu beraten. Als Schirmherr fungierte Prinz Charles, da konnte dann ja fast nichts mehr schiefgehen. </p><p><strong>Abschlußmemorandum mit Handlungsaufforderung an die Klimapolitiker</strong></p>

<blockquote class="right">Ob der Appell der Klima-Wissenschaftler bei der Politik Gehör finden wird?</blockquote>

<p>Gestern endete <a href="http://www.nobelcause.org/">das Symposium</a> mit einem Memorandum, das als dringender Appell an die Politik zu verstehen ist. Die Forscher fordern darin u.a. eine Verringerung der weltweiten Treibhausgasemmissionen ab 2015. Bis 2050 soll mindestens eine Reduzierung der Emmissionen um 50% im Vergleich zum Jahr 2000 erzielt werden.</p>

<p>Das Memorandum formuliert freilich wünschenswerte Postionen (u.a. wird wieder einmal die essentielle Bedeutung der tropischen Regenwälder betont), allein scheinen die Forderungen (zumal unter Bedingungen der Wirtschaftskrise) derzeit kaum durchsetzbar. Diese <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/planckton/archive/2009/05/28/klimawandel-in-london-2.aspx">Einschätzung teilt auch Joachim Müller-Jung</a>, der während der Tagung in London war.</p>

<p><strong>Weiße Dächer und Straßen für den Klimaschutz?</strong></p>

<p>Für einen spannenden und unkonventionellen Vorschlag zur Minderung der Folgen des globalen Temperaturanstiegs sorgte am Mittwoch Steven Chu.  </p>

<blockquote class="left">Das Anpinseln von Dächern und Straßen mit weißer Farbe bringt CO2-Einsparungen in Höhe des weltweite Straßenverkehrs von elf Jahren...</blockquote>
 
<p>Steven Chu erläuterte in seinem Vortrag, daß ein nenneswerter Effekt dadurch erzielt werden könnte, wenn alle Dächer, Straßen und Plätze mit weißer bzw. heller Farbe gestrichen würden. Es sei eine Änderung der Bauvorschriften notwendig, so daß Flachdächer mit weißer Farbe bepinselt würden, sichtbare (geneigte) Dächer mit heller Farbe, ebenso die Straßen. (Dieses farbliche Zugeständnis, um Blendeffekte zu vermeiden.)</p>

<p>Durch diese Malerarbeiten könnten einerseits deutliche Energie-Einspareffekte erzielt werden (da bspw. weniger Energie für Klimaanlagen benötigt wird), außerdem strahlen weiße Oberflächen bis zu 80% der Energie zurück in den Weltraum. Dunkle oder schwarze Flächen nur 20%. </p>

<p>In der Summe ließen sich - so erläuterte Chu, der sich den Berechnungen seines Kollegen <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Arthur_Rosenfeld">Arthur H. Rosenfeld </a>bediente - allein in den 100 größten Städten der Welt etwa 44 Milliarden Tonnen CO2 eingespart werden. Insgesamt seien Einspareffekte in einer Größenordnung möglich, die dem weltweiten Straßenverkehr von 11 Jahren entsprechen. </p>

<p>In Kalifornien wurden übrigens 2005 gemäß den Empfehlungen von Art Rosenfeld die Bauvorschriften modifiziert; dort sind die Flachdächer inzwischen weiß. Die Malerinnung dürfte sich jedenfalls die Hände reiben, wenn - was ich allerdings für unwahrscheinlich halte - dieser Vorschlag flächendeckend (!) umgesetzt wird. </p>

<p>Dennoch eine interessante Idee - warum nehmen wir uns also kein Vorbild an der Farbgebung, wie sie in Städten im mediterranen Raum schon immer üblich ist? </p>

<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 5px 8px 5px; color: rgb(105, 105, 105); margin: 5px 0 0 0; background: rgb(227, 227, 227)">
<strong>Links:</strong>
<ul>	<li>Das St. James Palace's Memorandum <a href="http://extras.timesonline.co.uk/pdfs/sjp_memorandum_290509.pdf">(als PDF im Volltext)</a></li><li>TimesOnline: <a href="http://www.timesonline.co.uk/tol/news/environment/article6366639.ece">Professor Steven Chu: paint the world white to fight global warming</a>, 27.5.2009</li><li>Christopher Schrader: <a href="http://www.sueddeutsche.de/wissen/676/470227/text/">Kampf gegen Klimawandel - Die Umwelt weißwaschen</a>, SZ, 29.5.2009</li><li>Joachim Müller-Jung: <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/planckton/archive/2009/05/27/klimawacht-in-london-1.aspx">Klimawandel in London (1), Planckton-Blog</a>, 27.5.2009</li>
</ul></div>
     <hr />
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Umwelt</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">CO2</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Klimapolitik</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Kopenhagen</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Städtebau</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Umwelt</category>
            
            <pubDate>Fri, 29 May 2009 15:00:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Fußball und Statistik: Welche Torhüter sind die besten "Elfmeter-Killer"?</title>
            <description><![CDATA[
     <p><img title="Anlauf zum Elfmeter; Bildquelle: flickr, User: fortes" alt="Elfmeter_02.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/Elfmeter_02.jpg" width="240" height="176" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 8px 6px;" /><strong>Jedes Fußballspiel ist längst zu einem Fest für Statistik-Freaks geworden: wieviele Ecken, Einwürfe oder Freistöße eine einzelne Mannschaft auf ihrem Konto hat, gehört zum Informations-Standard. Die Zahl der gewonnenen Zweikämpfe, die Länge des Ballbesitzes oder die Laufwege einzelner Spieler rundet das übliche Statistik-Angebot ab. Nun klären uns Dortmunder Forscher darüber auf, welche Torhüter als die wahren "Elfmeter-Killer" gelten können. </strong></p>

<p>Die Fragen nach Anzahl der Torschüsse oder eben die Laufleistung eines Spielers lassen sich ja einfach beantworten. Da wird gezählt und addiert und damit ist die Sache erledigt. Auch die Tabellen und Punktstände sind ohne Mathematik-Studium nachzuvollziehen (es sei denn man stellt mit diesen Werten raffiniertere Analysen an, <a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/querkraft/physik/2009-05-25/meister-der-herzen">wie etwa Metin Tolan</a>). Knifflig wird es allerdings, wenn man andere Parameter erfassen will. Wer ist denn nun wirklich der gefährlichste Stürmer? Wer der beste Torwart? </p>

<p>Die simple Rechenaufgabe, die einfach die Zahl der Tore durch die Anzahl der Spiele teilt, taugt dafür jedenfalls nicht. Für eine Analyse der besten Torhüter in Elfmeter-Situationen haben Statistiker der TU Dortmund nun eine kleine Tabelle erstellt. Mit verblüffenden Ergebnissen.</p><p><strong>Wer ist der beste Torhüter?: Haltewahrscheinlichkeiten, Treffsicherheit... </strong></p>

<p>Es leuchtet ein, daß man den besten Elfmeter-Killer nicht durch einfache Additions- und Divisionsprozeduren herausfindet. Denn sonst müßte man beispielsweise Karl Eisenhofer, der von 1963 bis 1965 bei Eintracht Frankfurt als Torhüter spielte, als den ultimativen Elfmeterschreck bezeichnen. Denn Eisenhofer hat immerhin eine 100% Erfolgsquote an gehaltenen Elfmetern vorzuweisen. Das Problem: es gab nur einen Elfmeter in seiner Bundesliga-Karriere - und den hat er gehalten...</p>

<blockquote class="right">Welche Faktoren sind entscheidend für den wahren Elfmeter-Killer?</blockquote>

<p>Was sind aber tatsächliche Gradmesser, wie erfolgreich ein Torhüter zwischen den Pfosten agiert? Die Stärke und Erfahrung des Schützen muß sicher mit einbezogen werden, dann natürlich irgendein Faktor, der letztlich angibt, in welchem Ausmaß die Erfolgsquote des jeweiligen Torhüters von der Quote abweicht, die ein zufälliger "Norm"-Torhüter erreicht hätte.</p>

<p>Über weitere Details schweigt sich die <a href="http://idw-online.de/pages/de/news317193">Mitteilung der Uni Dortmund </a>leider aus; jedenfalls hat sich das Team um Prof. Dr. Katja Ickstadt für ein "logistisches Regressionsmodell" entschieden (zu Details kann sicher <a href="http://www.scienceblogs.de/mathlog/">Thilo vom Mathlog</a> Auskunft geben). Dieses komplexe mathematische Verfahren ermöglicht es offenbar, bei der Errechnung der individuellen Halte-Wahrscheinlichkeit zu berücksichtigen, wie viel Information für jeden Torhüter vorliegt. Dabei gehen die Statistiker von der Grundannahme aus, daß die Haltefähigkeiten aller Torhüter normalverteilt sind. </p>

<p>Über Torhüter, die an wenigen Elfmetern beteiligt waren, ist nicht viel bekannt. Daher liegt ihre errechnete Haltefähigkeit nahe am Mittel aller Torhüter. Für Torhüter, die an vielen Elfmetern beteiligt waren, liegt jedoch mehr Information vor, so daß für diese Torhüter die einzelnen Halte-Wahrscheinlichkeiten sich ihrer tatsächlich beobachteten Haltequote nähern.</p>

<blockquote class="left">Die beste individuelle Halte-Quote erzielt Rudi Kargus vom HSV.</blockquote>
 
<strong>Die Elfmeter-Killer-Formel</strong>

<p>Wenn man das alles plausibel kombiniert, dann kommt man am Ende doch zu einer Rangliste. Es wurden alle 3.828 Elfmeter, die seit der ersten Bundesliga-Saison 1963/1964 geschossen wurden, untersucht. Auf Platz 1 des Rankings steht jedenfalls Rudi Kargus, der unter anderem beim Hamburger SV spielte. Er hat von 70 Elfmetern immerhin 23 gehalten. Das ist Rekord. </p>

<p><img title="Torwart-Legende Petar Radenkovic" alt="Radenkovic.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/Radenkovic.jpg" width="230" height="287" class="mt-image-right" style="float: right; margin: 0 0 10px 8px;" /></p>

<p>Auf Platz zwei steht Robert Enke, aktueller Nationaltorhüter und sonst in Diensten von Hannover96. Er hat 10 von 23 Elfmetern pariert. Eine deutlich bessere Quote als Kargus, aber die "individuelle" Haltefähigkeit ist nach der Formel offenbar schlechter. Auf dem dritten Platz folgt dann Andreas Köpke (13 von 41). </p>

<p>Und nach Jean-Marie Pfaff, dem Bayern-Keeper der 80er Jahre folgt eine Torhüter-Legende auf Platz 5: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Petar_Radenkovi%C4%87">Petar Radenkovic</a>! Radenkovic war Publikumsliebling und Torwartstar der 60er Jahre und spielte in den großen Zeiten bei 1860 München. Und er hielt gute 12 von 34 Elfmetern.</p>

<p>Jens Lehmann, der im WM-Viertelfinale 2006 mit seinem Spickzettel die argentinischen Stars irritierte, landet übrigens auf einem wenig ruhmreichen 233. Platz (6 von 34). Allerdings fließen in die Statistik nur Bundesliga-Elfmeter ein. Kaum besser - nämlich auf Platz 226 (10 von 58) - platziert sich Oliver Kahn. </p>

<p><strong>Traurige Schlußlichter</strong></p>

<p>Interessant ist dann wieder das Ende der Tabelle. Auf dem vorletzten Platz der 280 Torhüter landet ein ehemaliger Bayern-München-Spieler. Walter Junghans nämlich, der 1979 Keeper wurde, und nur einen von 24 Elfmetern hielt. </p>

<p>Und Schlußlicht, damit lausigster Torwart, wenn es um Elfmeter geht, ist einer, der bis heute von Fußballfans verehrt wird: Sepp Maier! Der Weltmeister von 1974 und erfolgreiche Torhüter hielt ganze 9 von 69 Elfmetern. Schlechter geht's - jedenfalls nach Meinung der Dortmunder Statistik-Profis - nicht.</p>

<p><br />
<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 5px 8px 5px; color: rgb(105, 105, 105); margin: 5px 0 0 0; background: rgb(227, 227, 227)"><br />
<strong>Hier die Tabelle der Elfmeter-Killer zum Download:</strong><br />
<ul>	<br />
	<li><a href="http://depot.tu-dortmund.de/get/s2sscy">Rangliste der Torhüter (als PDF)</a></li></ul><br />
</div><br />
<em><br />
<strong>[Update | 16:00 Uhr]</strong></em></p>

<p><em>Das vollständige Paper findet man hier als PDF:</em></p>

<ul>	<li>Bornkamp B, Fritsch A, Kuss O, Ickstadt K (2009) <a href="http://www.oliverkuss.de/science/publications/ Bornkamp_Penalty_Specialists_Among_Goalkeepers.pdf">Penalty Specialists Among Goalkeepers: A Nonparametric Bayesian Analysis of 44 Years of German Bundesliga</a>. In: Schipp, B; Kräer W (Hg.) Statistical Inference, Econometric Analysis and Matrix Algebra, Festschrift in Honour of Götz Trenkler. Physica-Verlag, Heidelberg, 63-76</li>
</ul>
     <hr />
<p>ScienceBlogger beantworten Forschungsfragen - 2 x pro Woche auf ScienceBlogs:</p>
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   ]]></description>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Fußball</category>
            
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Statistik</category>
            
            <pubDate>Wed, 27 May 2009 12:40:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Aufmerksamkeitsökonomie: Die kurze Medienkarriere der Schweinegrippe</title>
            <description><![CDATA[
     <p><strong>Vor gut 3 Wochen war die Schweinegrippe das alles bestimmende Thema. Als sich die neue Variante des A/H1N1-Virus binnen weniger Tage von Mexiko über die USA bis nach Europa ausbreitete, war die (mediale) Aufregung kaum zu übertreffen. </strong></p>

<p>Inzwischen hat sich das Virus tatsächlich weltweit ausgebreitet, die Zahl der bestätigten Fälle ist auf über 12.000 angestiegen und die WHO sieht weiterhin ein <em>"erhebliches Pandemie-Risiko"</em>. Für die Medien ist die Schweinegrippe freilich nur noch ein Randthema, in Blogs, Foren oder bei Twitter scheint sie inzwischen vollkommen irrelevant geworden zu sein.<br />
</p><p><strong>Warnschuß im April: Die Ausbreitung der Schweinegrippe</strong></p>

<p>In der letzten Aprilwoche überschlugen sich die Ereignisse: In Mexiko-Stadt wurden viele hundert Grippefälle registriert, die - so die Vermutung - durch einen neuen Influenza-Virus ausgelöst wurden. Als die ersten Todesfälle bekannt wurden, verhängte der mexikanische Präsident Felipe Calderón den Ausnahmezustand und Zwangsferien. Währenddessen wurden immer mehr Grippe-Infektionen aus den USA und anderen Ländern gemeldet. War das der lange erwartete Ausbruch eines neuen Supervirus?</p>

<p>Heute wissen wir, daß der Schweinegrippevirus weniger ansteckend und tödlich ist, als zunächst befürchtet. Außerdem scheinen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Neuraminidase-Hemmer">Neuraminidase-Hemmer</a> (wie bspw. Tamiflu) recht gut zu wirken. Genauso steht inzwischen aber fest, daß sich der A/H1N1-Virus sehr gut von Mensch zu Mensch überträgt. Und die WHO hält nicht zuletzt deshalb an der Pandemie-Warnstufe 5 (von max. 6) fest. Von Entwarnung kann also keine Rede sein. <br />
<blockquote class="right">Influenza-Viren sind hochvariabel. Der aktuelle A/H1N1-Typ verbreitet sich spielend leicht von Mensch zu Mensch. Von Entwarnung kann keine Rede sein...</blockquote>Zumal Influenzaviren begnadete Verwandlungskünstler sind. Das Virus hat vor einigen tagen nun auch Asien erreicht und Experten halten es durchaus für möglich, daß sich der H1N1-Erreger mit anderen Influenza-Typen mischt und möglicherweise in einer neuen, deutlich aggressiveren Variante zurückkehrt. </p>

<p><strong>Erfolgreiches Virus: Globale Ausbreitung</strong></p>

<p>Man kann und muß also davon sprechen, daß weiterhin allergrößte Vorsicht angebracht ist. Denn der Erreger breitet sich weiter aus. Nicht mit rasender Geschwindigkeit, aber dennoch mit Erfolg. Das Robert-Koch-Institut schreibt vorgestern:</p>

<blockquote>"Mit weiteren Erkrankungen in Deutschland muss gerechnet werden. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation gibt es vermutlich keine oder nur eine beschränkte Immunität gegen das neue H1N1-Virus."</blockquote>

<p>Die WHO meldet aktuell mehr als 12.200 bestätigte Fälle und 91 Todesopfer. Die <a href="http://www.who.int/entity/csr/don/ah1n1_20090523_8AM.jpg">Karte zeigt die weltweite Ausbreitung</a>:  </p>

<p><img title="WHO-Karte zur Schweinegrippe; Stand: 23.05.2009" alt="ah1n1_01.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/ah1n1_01.jpg" width="540" height="362" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></p>

<p><strong>Aufmerksamkeit: Eine begrenzte Ressource</strong></p>

<p>Auffallend dabei ist, daß sich diese anhaltende Gefährdungslage in keinster Weise in den Medien widerspiegelt. Das Interesse an der Schweinegrippe ist rapide gesunken. Dem anfänglichen Hype folgte (was durchaus typisch ist) der Übergang zur Tagesordnung. </p>

<p>Wobei hier zu erwähnen ist, daß die "Tagesordnung" sich im Vergleich verschiedener Medienformate deutlich unterscheidet. Für die klassischen, journalistisch-redaktionellen Formate ist die Schweinegrippe durchaus weiterhin ein Thema. Über neue Fälle in Deutschlan dund Europa wird durchaus berichtet. Allerdings eben weniger schrill, weniger aufgeregt, was durchaus angemessen ist. </p>

<p>Wenn man demgegenüber aber die alternativen Kanäle (wie Blogs, Foren oder aber Twitter) ansieht, so zeigt sich hier ein deutlicher Unterschied: denn dort spielt die Schweinegrippe seit 2-3 Wochen faktisch keine Rolle mehr. </p>

<blockquote class="left">Twitter ist im journalistischen Kontext kaum mehr als eine Erregungsmaschine.</blockquote>

<p>Insbesondere bei Twitter kann rekonstruiert werden, wie dieses Thema binnen weniger Stunden weltweit gehypt wurde und zum dominierenden Diskussionsgegenstand wurde. Man sieht wie am 25./26. April die Kurve ansteigt, etwa 5-6 Tage anhält und dann fast wieder auf das Ausgangsniveau zurückfällt. </p>

<p>Dieses Beispiel könnte man durchaus als Indiz dafür hernehmen, daß Twitter (wenn es um seine journalistische Relevanz geht) letztlich doch kaum mehr als eine Erregungsmaschine ist. <em>(Quelle: <a href="http://twist.flaptor.com/trends?gram=swine%20flu,%20h1n1&span=720">Twist</a>)</em></p>

<p><img title="Die Schweinegrippe bei Twitter; Quelle: http://twist.flaptor.com/" alt="Twitter_Swine_flu01.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/Twitter_Swine_flu01.jpg" width="540" height="198" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></p>

<p>Die rote Kurve zeigt den Karriereverlauf von "swine flu" bei Twitter. In der "heißen Phase" war die Schweinegrippe das Thema jeden dreißigsten Tweets und kam in Spitzenzeiten auf 10.000 Nennungen pro Stunde. Inzwischen ist die Zahl der Schweinegrippe-Tweets auf 1% der Spitzenwerte gesunken. </p>

<p>Im Gegensatz dazu, zeigt die Zahl der bestätigten Fallzahlen in Europa keine abnehmende Tendenz. Die aktuelle Statistik des <a href="http://ecdc.europa.eu/">europäischen Zentrums zur Seuchenbekämpfung</a> in Stockholm sieht so aus:</p>

<p><img title="Die registrierten Fälle der neuen Influenza; Darstellung lt. ECDC - Website: http://ecdc.europa.eu/" alt="ECDC_Swine_flu01.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/echolot/ECDC_Swine_flu01.jpg" width="540" height="394" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 10px 0 10px 0;" /></p>

<p>Wobei es mir mit den oben gemachten Ausführungen keineswegs um eine Pauschalkritik an Twitter oder ähnlichen Formaten geht. Schließlich <a href="http://www.twitter.com/ScienceBlogs_de">twittert ScienceBlogs</a> auch. Und auch auf ScienceBlogs war die letzten Tage nichts über die Schweinegrippe zu lesen. Wir zählen also strenggenommen auch zu denjenigen, die dazu beigetragen haben, daß die Schweinegrippe <a href="http://www.scienceblogs.de/tag/Schweinegrippe">zu einem Medienthema wurde </a>und dann nach einigen Tagen auch wieder vergessen wurde.</p>

<p>Dennoch ein interessanter - und für den Umgang mit Krisen, Katastrophen u.ä. typischer - Befund, finde ich...</p>

<div style="border-top: 1px dotted rgb(105, 105, 105); padding: 8px 5px 8px 5px; color: rgb(105, 105, 105); margin: 5px 0 0 0; background: rgb(227, 227, 227)">
<strong>Aktuelle Lageeinschätzungen zu A/H1N1:</strong>
<ul>	
	<li>Robert-Koch-Institut: <a href="http://www.rki.de/cln_091/nn_196658/DE/Content/InfAZ/I/Influenza/IPV/IPV__Node.html?__nnn=true">Infoseite zur Influenze A/H1N1</a></li><li><a href="http://ecdc.europa.eu/">European Centre for Diesease Prevention and Control</a></li> <li>WHO: <a href="http://www.who.int/csr/don/en/">Info-Seite mit aktuellen News zu Pandemien</a></li></ul>

<p>Mehr zur Schweinegrippe bzw. A/H1N1-Influenza auf ScienceBlogs:</p>

<ul>
	<li><a href="http://www.scienceblogs.de/tag/Schweinegrippe">Alle ScienceBlogs-Artikel zu diesem Thema</a></li>
</ul>
</div>

<p><br />
</p>
     <hr />
<p>ScienceBlogger beantworten Forschungsfragen - 2 x pro Woche auf ScienceBlogs:</p>
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   ]]></description>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Aufmerksamkeitsökonomie</category>
            
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            <pubDate>Sun, 24 May 2009 21:30:00 +0100</pubDate>
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