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            <title>North Carolina verbietet dem Klimawandel, den Meeresspiegel exponentiell ansteigen zu lassen</title>
            <description><![CDATA[
     <p>North Carolina ist gerade "on a roll", wie es im englischen so schön heißt. "On a roll", möglichst viele Gesetze zu verabschieden, die neue Maßstäbe in rechtsdrehender religiotischer Dummheit schaffen. Nicht nur wird da in der Woche, in der sich erstmals ein US-Präsident für die Ehe unter homosexuell identifizierenden Partnern und partnerinnen ausspricht, ein <a href="http://articles.latimes.com/2012/may/09/nation/la-na-gay-marriage-20120509">eben dies per Gesetz in North Carolina verboten</a>. Gestärkt durch die erfolgreiche Unterdrückung grundlegender Menschenrechte wird sich größeren Gegnern zugewandt: Den Gesetzen der Natur.</p><p>In einer neuen Gesetzesvorlage <a href="http://blogs.scientificamerican.com/plugged-in/2012/05/30/nc-makes-sea-level-rise-illegal/">wird jetzt vorgeschrieben, den Anstieg des Meeresspiegel linear zu berechnen</a>. Es ist nämlich sehr unangenehm, dass die NC Coastal Commission einen Meter Anstieg in den nächsten 100 Jahren vorhersagt. <br />
Unangenehm, weil man ja dann etwas dagegen tun müsste, unangenehm weil der Klimawandel, der den Anstieg verursacht nur eine liberale Agenda ist um die Rechte freier Amerikaner einzuschränken.</p>

<p>Und so greift man zum Gesetzesweg, <a href="http://www.nccoast.org/uploads/documents/CRO/2012-5/SLR-bill.pdf">Replacement House Bill 819</a> (Eine Gesetzesvorlage ist ein "bill" bis es verabschiedet und unterzeichnet ist, dann wird es zum "law"). Da findet sich der folgende, bemerkenswerte Abschnitt:</p>

<blockquote style="background-color:bisque">(e) The Division of Coastal Management shall be the only State agency authorized to develop rates of sea-level rise and shall do so only at the request of the Commission. These rates shall only be determined using historical data, and these data shall be limited to the time period following the year 1900. Rates of sea-level rise may be extrapolated linearly to estimate future rates of rise but shall not include scenarios of accelerated rates of sea-level rise.</blockquote>

<p>Den Anstieg des Meeresspiegels berechnen darf also nur noch eine Behörde des Landes. Und diese darf nur lineare Funktionen verwenden. Warum? Wenn man statt exponentiellem Anstieg einen linearen Anstieg vorschreibt, kommen nur noch 40 cm Anstieg heraus. </p>

<p>Indiana hat 1897 <a href="http://www.straightdope.com/columns/read/805/did-a-state-legislature-once-pass-a-law-saying-pi-equals-3">ein Gesetz verabschiedet, das Pi=3 setzte</a>. Ziemlich berühmte Geschichte, aber ehrlich gesagt nicht annähernd so dumm wie diese Vorlage.<br />
</p>
     <hr />

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            <pubDate>Sun, 03 Jun 2012 20:30:00 +0100</pubDate>
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            <title>Neue Grenzen um Stadtteile ziehen mit Foursquare</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Vier Forscher von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh haben sich einem interessanten Problem gestellt - wie teile ich eigentlich eine Stadt in Bezirke ein? Natuerlich gibt es traditionelle Grenzen von Stadtteilen, aber die sind meist alt hergebracht. Und die 'echten' Grenzen herauszufinden ist alles andere als einfach, denn existieren nur in den Koepfen der Menschen, die dort wohnen. Und die dort herauszubekommen, erfordert lange Interviewkampagnen, eine Methode die skaliert. </p>

<p>Stattdessen machen sich die Forscher die moderne Welt und moderne Technik zunutze - Foursquare. Foursquare nimmt man als App mit und kann dann 'einchecken', wo man sich aufhaelt. Man kann es der Welt mitteilen oder einfach das Signal speichern, weil Signale speichern Nutzen bringen kann. Jetzt erlaubt Foursquare nicht direkt Zugriff auf diese Daten, aber indirekt laesst sich wenigstens ein Teil davon ueber Twitter-Meldungen abgreifen, und so kam eine Datenbank von 18 Millionen Check-Ins zustande.</p><p>In ihrem <a href="https://s3.amazonaws.com/livehoods/livehoods_icwsm12.pdf">Paper</a> besprechen die Forscher die Methode, mit der sie aus diesen Daten eine neue Unterteilungen von Staedten gefunden haben - die sie 'Livehoods' taufen. Wer nicht an der Methode interessiert ist, sollte direkt zur zugehoerigen Webseite gehen - <a href="http://www.livehoods.org/">Livehoods.com</a> und mit den Karten spielen. Wer mich besuchen moechte, kann sich ja schonmal mit Oakland Downtown anfreunden.</p>

<p>Aber wenigstens ich finde die Methode ziemlich spannend. Sie basiert auf einem Graph aller Orte - wobei jeder Knoten ein Ort ist und mit den geographisch am naechsten liegenden 10 Orten durch eine Kante verbunden wird. Jede Kante erhaelt dann ein Gewicht zugeteilt, das groesser ist, wenn diese Orte sich sozial naeher sind. Das wiederum findet man dadurch heraus, die Aehnlichkeit der Check-Ins zu untersuchen: Werden zwei benachbarte Orte von den gleichen Menschen besucht? Dann liegen sie sich sozial nahe.</p>

<p>Auf diesen Graph laesst man dann einen (spektralen) Cluster-Algorithmus los, um Orten, die geographisch nahe liegen und sozial zusammengehoeren in einer Gruppe, einem Livehood, zu sammeln. Die <a href="http://www.livehoods.org/">Website</a> bietet ziemlich viel Informationen dazu, man kann sich die Orte anschauen, die Charakteristiken der Livehoods und verwandte Livehoods identifizieren. </p>

<p>Ich hoffe, dass die Forscher schon eine Firma gegruendet haben um diese Daten zu Geld zu machen, Marketing-Firmen werden fuer solche neuen Demographien sicher klingende Muenze hergeben...</p>

<p>Aber darueber hinaus bleibt nochmal auszubauen, was ich eben nur hingeworfen habe: Dass Dienste wie Foursquare als Erzeuger von Signalen wichtig sind, und ungeahnte Moeglichkeiten eroeffnen. Foursquare hat als solches erstmal scheinbar wenig Wert: Man kann ein bisschen Punkte sammeln, aber so richtig Moeglichkeiten eroeffnen sich begrenzt. Aber wenn man erstmal etwas Signale gesammelt hat, bieten sich mehr Wege, etwas damit anzufangen. Und genauso, wie Internetwerbung besser wird, wenn man Signale bereit stellt, werden lokale Signale in Zukunft eine immense Rolle darin spielen, neue und bessere Dienste bereitzustellen. </p>

<p>Die Forscher ueberprueften ihre Ergebnisse daheim in Pittsburgh dann auch noch mit 27 intensiven Interviews. Dabei untersuchten sie beispielsweise ein Paar sehr unterschiedlicher Stadteile, an deren Grenze ein Whole Foods Market eroeffnet worden war (eine sehr beliebte und teure Kette "besserer" Nahrungsmittel). Waehrend die meisten Livehood-Eingrenzungen auf Zustimmung stiessen, kam es hier zu Dissenz: Die Interviewten glaubten naemlich eher, dass sich hier die Grenze zwischen den Stadtteilen aufloeste, wahrend der Algorithmus hier einen neuen, dritten Bezirk einfuehrte, die die Stadtteile weiter voneinander trennte.</p>

<p>In einem anderen Beispiel wurde ein Stadtteil in vier Livehoods aufgeteilt - was auf breite Zustimmung bei den Interviewten stiess.</p>

<p>Und, wie immer, muessen auch die Grenzen der Methode erwaehnt werden. Ganz klar ist die Datenbasis gepraegt von jungen Menschen die Foursquare benutzen UND dann ihre Check-Ins per Twitter an die Welt schicken. Das zu aendern, wird aber alles andere als einfach sein.</p>
     <hr />

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            <pubDate>Sat, 12 May 2012 21:30:00 +0100</pubDate>
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            <title>Deepwater Horizon-Katastrophe: Nichts gelernt?</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Die Explosion und das gewaltige Ölleck der Tiefsee-Ölplattform Deepwater Horizon vor zwei Jahren war die schwerste Umweltkatastrophe, die die USA je erlebt haben (abgesehen von der systematischen Blockierung von Maßnahmen gegen den Klimawandel). Die nationale Kommission, die dazu einen Bericht abgeliefert hat, war nicht zufrieden damit, die (Nicht-)umsetzung ihrer Vorschläge einfach auszusitzen. </p><p>Mit nur wenig Geld und viel freiwilliger Arbeit sind sie daher am Ball geblieben und haben gerade einen kurzen <a href="http://oscaction.org/wp-content/uploads/OSCA-Assessment-report.pdf">Nachfolge-Report</a> veröffentlicht, in dem sie bewerten, wie Administration, Industrie und Kongress Lehren aus dem Unfall gezogen haben. </p>

<p>Die Obama-Administration kommt dabei ganz gut weg. Sie bekommt insgesamt ein B, die zweitbeste Note, für neue Regulierungen für Tiefsee-Operationen, und für recht schnelle Reaktionen und Maßnahmen für den Schutz der Umwelt. </p>

<p>Die Industrie bekommt immerhin noch ein C+, was schön überraschend ist. Immerhin hat man einige Lehren gezogen und arbeitet an besseren Sicherheitsmaßnahmen, um eine solche Katastrophe nicht mehr passieren zu lassen.</p>

<p>Schlusslicht ist leider der Gesetzgeber. Der Kongress blockiert systematisch Maßnahmen und bekommt nur ein D. Es scheint so, als ob man nicht bereit sei, Lehren für die Zukunft zu ziehen. Das lässt den Schluss zu, dass die Industrie, die ja schließlich die Gesetze diktiert, ein bisschen Arbeit hineinsteckt, die schlimmsten Unfälle zu vermeiden, weil die ja ans Image gehen. Aber auf lange Sicht mag man nichts ändern. <br />
Es gibt nicht genug Geldmittel, die Aufräum- und Restaurierungsmaßnahmen sei bestenfalls "work in progress", und es sind keine Gesetze gemacht worden, um Programme zu finanzieren oder die Schuldigen in der Industrie künftig mit mehr als Taschengeldern an Entschädigung zu beteiligen (In der Tat hat BP die lächerlich niedrige Grenze von 75 Millionen Dollar ignoriert und deutlich mehr gezahlt, wenn auch natürlich nicht genug).</p>

<p>Ebenfalls nur ein C gibt es für die entmutigend begrenzten Fortschritte in der Erforschung der Arktisregion, die bald von Ölplattformen heimgesucht werden wird.</p>

<p>Nachtrag: Verlorener Teil des Artikels...</p>

<p>Insgesamt bleibt also der etwas ueberraschende Fund, dass die Industrie noch besser abschneidet als der Gesetzgeber. Aber wie gesagt, das ist vermutlich nur so viel wie zur Imagepflege benoetigt wird, und nicht so viel wie im Interesse der Bevoelkerung stehen sollte, da es nicht in Gesetze gegossen wird.</p>
     <hr />

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            <pubDate>Fri, 04 May 2012 10:30:00 +0100</pubDate>
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            <title>Das Gefangenendilemma im Fernsehen</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Die britische Spielshow "Golden Balls" setzt im Finale das bekannte Gefangenendilemma auf spannende Weise ein. Die beiden Spieler_innen bekommen verdeckt zwei Kugeln, eine sagt 'Split', eine sagt 'Steal'. Jeder wählt eine Kugel. Zeigen beide 'Split', teilen sie den Gewinn. Zeigt eine 'Split' und eine 'Steal', bekommt derjenige, der 'Steal' zeigt alles. Haben beide 'Steal', gehen beide Spieler_innen leer aus. <br />
</p><p>Spannend wird es dadurch, dass die Spieler vor ihrer Wahl miteinander sprechen können. Und das führt zu Situationen wie der folgenden. Ich möchte es gar nicht kommentieren um den Ausgang nicht zu verraten. Aber es lohnt sich, es anzusehen und zu diskutieren:</p>

<p><iframe width="480" height="360" src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/S0qjK3TWZE8" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
     <hr />

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            <pubDate>Wed, 02 May 2012 09:00:00 +0100</pubDate>
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            <title>Sam Harris Privileg fordert Profiling an Muslimen</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Sam Harris ist eine der Frontfiguren der weltweiten atheistischen Anstrengungen. Er ist ein verdammt kluger Denker und kann messerscharf und aufs Wesentliche argumentieren. Umso erschütternder und gefährlicher ist es, wenn jemand wie er sein Privileg als weißer Mann heraushängen lässt und in ungefilterten Rassismus verfällt, wobei noch nicht mal stimmt was er behauptet wozu es gut sei. In einem neuen Blogpost "<a href="http://www.samharris.org/blog/item/in-defense-of-profiling">In Defense of Profiling</a>" ist er genervt davon, dass auch Weiße von der TSA schikaniert werden. Doch statt der naheliegenden Schlussfolgerung - dass das gesamte Sicherheitstheater eben nur ein große Show ist, fordert er, doch Menschen mit anderer Gesichtsfarbe auszusondern, denn das seien ja schließlich die Terroristen. Der Artikel ist von vorne bis hinten so schlimm, dass es sich schon lohnt, etwas genauer hinzuschauen:</p><blockquote style="background-color:bisque">Much has been written about how insulting and depressing it is, more than a decade after the events of 9/11, to be met by "security theater" at our nation's airports. The current system appears so inane that one hopes it really is a sham, concealing more-ingenious intrusions into our privacy. </blockquote>

<p>Genau so ist es. Die ganze Kiste ist eine einzige große Schaunummer um Sicherheit vorzuspiegeln, und adressiert ja noch nicht mal die Ursache der Anschläge vom 11. September 2001: Dass die USA systematisch und mit Gewalt die Politik der Welt bestimmt.</p>

<blockquote style="background-color:bisque">The spirit of political correctness hangs over the whole enterprise like the Angel of Death--indeed, more closely than death, or than the actual fear of terrorism. And political correctness requires that TSA employees direct the spotlight of their attention at random--or appear to do so--while making rote use of irrational procedures and dubious technology.</blockquote>

<p>Der "Geist der politischen Korrektheit" ist in diesem Fall auch als "fundamentale Menschenrechte" bekannt, aber daran stört sich Sam Harris offenbar. </p>

<blockquote style="background-color:bisque">Although I don't think I look like a jihadi, or like a man pretending not to be one, I do not mean to suggest that a person like me should be exempt from scrutiny. </blockquote>

<p>a) Ist es die Aufgabe der TSA, 'Jihadi' zu verhindern? Ist das tatsächlich die einzige Gefahr, oder gibt es in einem Land, in dem 90 Waffen auf 100 Menschen kommen und es jede Menge bekloppte gibt die wahlweise die Regierung oder nur Teile davon wegsprengen möchten, auch andere Hautfarben, die gefährlich sein könnten? </p>

<p>b) Wie sieht denn ein 'Jihadi' aus? Dunklere Hautfarbe, Turban, Koran unterm Arm? Hat Sam Harris wirklich ein derart einfaches Weltbild, in dem 'Jihadi' - wer so genau das jetzt auch sein soll, ein gewisses Aussehen haben? Anscheinend, denn seine Lösung umfasst genau das: Spezielles Profiling von Muslimen. Denn: 'Jihadis' sind alle Muslime, daher erfasst man alle 'Jihadi', wenn man Muslime untersucht. So einfach ist das Weltbild eines  Rassisten.</p>

<p>c) Ach wie gönnerhaft, dass der Herr Weißes Gesicht sich bereit erklärt, auch ein bisschen angeguckt zu werden. Aber die Muslime doch bitte mehr, damit man nicht unnötig alte Menschen oder dreijährige Mädchen untersucht. Und wie bitte erkennt man Muslime? Ist ja nicht so, als ob man jemanden die Religion ansieht. Sam Harris will nicht Muslime untersuchen lassen, sondern Menschen mit der Hautfarbe, die die meisten Menschen aus mulsimischen Ländern haben. Dazu zählen dann auch Inder, dazu zählt ein türkischstämmiger Deutscher, dazu zählen Leute die Muslim sind weil sie aus einem Land wie Iran kommen in dem man mit dem Hals in der Schlinge an einem Baukran ermordet wird, wenn man kein Muslim ist. </p>

<p>Genau das passiert ja tatsächlich. Aber die Tatsache, dass <a href="http://www.facebook.com/l.php?u=http%3A%2F%2Fwww.washingtonpost.com%2Fnational%2Fgrandma-tsa-agents-forced-crying-4-year-old-to-undergo-tsa-pat-down-at-kan-airport-after-hug%2F2012%2F04%2F25%2FgIQAojLohT_story.html%3Ftid%3Dsm_twitter_washingtonpost&h=hAQHnL_wHAQHJ4bwrMiLnWaIy_3aV-DzxRby-exQA_2iWbQ&enc=AZOc7hTIvfuzOPWNBtqytQxqSJQjLBDY-Zb3tePGKQYZYM0vpGDpkJAbh0m5fPmYrPOLohwquazM7tGCKkvo-6Kj">vierjährige Mädchen</a> unter Androhung, den Flughafen zu schließen begrabscht und traumatisiert werden und 80jährige gezwungen werden, ihre Schuhe auszuziehen hängt nicht mit ihrer Hautfarbe zusammen. Sie hängt damit zusammen, dass ein gewaltiger Apparat im Namen eines nebulösen Sicherheitsbegriffs frei wuchern darf und mit dumpfer Befehlskette versucht, komplexe Probleme zu lösen.<br />
Wie Bruce Schneier <a href="http://www.schneier.com/news-072.html">so schön argumentiert</a>, haben nur zwei Maßnahmen Fliegen sicherer gemacht: Verstärkte Cockpit-Türen und das Wissen, dass man sicher wehren kann. </p>

<p>Im folgenden lässt Harris dann sein eigenes Argument, dass Flughafenkontrollen nicht diskriminieren, zusammenfallen:</p>

<blockquote style="background-color:bisque">I have noticed such incongruities before. In fact, my wife and I once accidentally used a bag for carry-on in which I had once stored a handgun--and passed through three airport checkpoints with nearly 75 rounds of 9 mm ammunition. While we were inadvertently smuggling bullets, one TSA screener had the presence of mind to escort a terrified three-year-old away from her parents so that he could remove her sandals (sandals!).</blockquote>

<p>a) Erstmal, was zur Hölle macht Sam Harris mit einer Waffe und 75 Kugeln im Gepäck? Nach Harris eigener Logik müssten somit Weiße stärker untersucht werden, da sie oft mit Waffen im Gepäck fliegen.</p>

<p>b) Ist das Argument, dass undiskriminiert untersucht wird, somit schon mal nicht haltbar. Wäre ein Pakistani mit einer Waffe im Gepäck genauso sicher durchgekommen? Und wenn es aufgefallen wäre, wem wäre es dann schlechter ergangen?</p>

<p>c) Ist auch das Argument, dass die Untersuchung von Kindern eine Folge der 'politisch korrekten' Behandlung aller Fluggäste sei unhaltbar. Stattdessen ist es offensichtlich eine Auswirkung schlecht geschulter Befehlsempfänger_innen in einem unmenschlichen System. Selbst wenn alle Hautfarben oder Staatsangehörigkeiten gleich untersucht werden müssten, wäre das noch immer kein Grund Kinder oder Rentnern nicht ein wenig mehr entgegen zu kommen.</p>

<blockquote style="background-color:bisque">Needless to say, a glance at the girl's family was all one needed to know that they hadn't rigged her to explode.</blockquote>

<p>So einfach ist das. Sieht man doch.</p>

<blockquote style="background-color:bisque">Is there nothing we can do to stop this tyranny of fairness?</blockquote>

<p>Nochmal, welche Fairness? Die, dass Sam Harris mit anderthalb Kilo Munition nicht untersucht wurde, aber ein kleines Mädchen? Dass der Inder, der 'den Bösewicht in einem Bollywood-Film spielen könnte' aussehen darf, als ob er 'sich keine Gedanken machte'?</p>

<blockquote style="background-color:bisque">Imagine how fatuous it would be to fight a war against the IRA and yet refuse to profile the Irish? And yet this is how we seem to be fighting our war against Islamic terrorism.</blockquote>

<p>Welche Hautfarbe hatten nochmal Iren?</p>

<blockquote style="background-color:bisque">Granted, I haven't had to endure the experience of being continually profiled. No doubt it would be frustrating. But if someone who looked vaguely like Ben Stiller were wanted for crimes against humanity, I would understand if I turned a few heads at the airport.</blockquote>

<p>Und da kocht der reiche weiße Privileg endgültig über. Tatsächlich, Sam Harris, du hast keinen Schimmer was es heißt, diskriminiert zu werden. Daher wäre die einfache Schlussfolgerung, die Fresse zu halten und zuzuhören. Aber nein, stattdessen verniedlichst du die Tatsache, dass du forderst alle Muslimen auszusondern mit der unterhändigen Selbstkompliment, dass du wie Ben Stiller aussiehst. Und der Implikation, dass die Gruppe der Menschen die wie Ben Stiller aussehen in etwa so groß ist wie die der Muslimen. Dass die hypothetische Suche nach einem einzelnen Kriminellen mit einer Beschreibung seines Aussehens vergleichbar wäre damit, alle Muslimen speziell zu untersuchen weil einzelne im Namen der Religion zu Terroristen wurden und werden. Das ist, wiederum, purer Rassismus.<br />
Und wie war das nochmal mit den Rentnern und dem Mädchen im Beispiel kurz zuvor? Was war das Problem, dass einige Leute ihren Kopf drehten oder dass die armen Leute unmebschlich belästigt wurden?</p>

<blockquote style="background-color:bisque"> However, if I were forced to wait in line behind a sham search of everyone else, I would surely resent this additional theft of my time.</blockquote>

<p>'Everyone else'. Das ist die Essenz von Harris Argument: Sicherheitkontrollen wären so viel schneller, wenn wir einfach nur die Terroristen untersuchen. Wow, so einfach ist das, das braucht doch einen Weltdenker wie Harris um es zu bemerken!! Wieviel Zeit da verschwendet wurde, und dabei hätte man doch einfach nur die 'Jihadi' untersuchen müssteb. Und wenn man halt nicht ganz so genau sein kann und auch die 99.99999999999% mit der gleichen Hautfarbe untersucht, die eben keine 'Jihadi' sind, oder 'Jihadi' sind aber an diesem Tag nur ihre Omma besuchen wollen, dann haben die ja sicher Verständnis dafür. Müssen ja nicht wie Ben Stiller aussehen wenn sie es nicht wollen. Sollen sich mal nicht so haben, die Museln.</p>

<blockquote style="background-color:bisque">We should profile Muslims, or anyone who looks like he or she could conceivably be Muslim, and we should be honest about it. And, again, I wouldn't put someone who looks like me entirely outside the bull's-eye (after all, what would Adam Gadahn look like if he cleaned himself up?) But there are people who do not stand a chance of being jihadists, and TSA screeners can know this at a glance.</blockquote>

<p>Ja ich sags nur nochmal, nicht falls jemand noch denkt dass ich hier nur bewusst dumm argumentiere, um dann am Ende mit großem Knall die echte Botschaft herauszuarbeiten.</p>

<blockquote style="background-color:bisque">Needless to say, a devout Muslim should be free to show up at the airport dressed like Osama bin Laden, and his wives should be free to wear burqas. But if their goal is simply to travel safely and efficiently, wouldn't they, too, want a system that notices people like themselves? At a minimum, wouldn't they want a system that anti-profiles--applying the minimum of attention to people who obviously pose no threat? </blockquote>

<p>Genau, natürlich dürft ihr euch anziehen wie Osama, aber dann wundert euch nicht, wenn der Weiße Mann eurer Burqa-Frau in den Schritt greift. Denn würde es euch nicht auch gefallen, wenn da wo ihr herkommt Menschen, die die traditionelle Kleidung westlicher Terroristen tragen (Jeans, Hemd), ausgesondert werden. Seht ihr, es ist gar keine Diskriminierung, es ist nur Anti-Diskriminierung für wichtige Menschen wie mich, Sam Harris, Autor von vielen bekannten Büchern.</p>
     <hr />

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            <pubDate>Mon, 30 Apr 2012 09:00:00 +0100</pubDate>
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            <title>Graphen bekommt Gesellschaft: Zweidimensionale Silizium-Struktur erzeugt</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Graphen, eine zweidimensionale Struktur aus Kohlenstoffatomen, ist spätestens seit dem <a href="http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/2010/10/nobelpreis-2010-fur-die-entdecker-von-graphen.php">Physik-Nobelpreis 2010</a> für Andre Geim und Konstantin Novoselov weithin bekannt. Ein Material, das hart, elastisch und elektrisch extrem leitfähig ist, ist Hoffnungsträger für eine Vielzahl an Anwendungen. Aber gerade in der möglicherweise wichtigsten Funktion als Transistor, als die schnellen Schalter die milliardenfach die Bausteinchen unserer Computer-Chips bilden, hat man Graphen noch nicht richtig hinbekommen. Mehr Hoffnung bietet daher Silicen, die hypothetische zweidimensionale Silizium-Struktur. Und als Bonus setzt man Silizium ja eh in der Chip-Erzeugung ein und müsste daher nicht die komplette Industrie umstellen.</p><p>Silicen ist nicht länger hypothetisch, Mitte April hat ein Paper in den Physical Review Letters (<a href="http://dx.doi.org/10.1103/PhysRevLett.108.155501">DOI:10.1103/PhysRevLett.108.155501</a>) die ersten gut abgesicherten Messungen eine Silicen-Schicht. Gut abgesichert sage ich, weil man einen besseren Nachweis mit zwei unterschiedlichen Messmethoden erzielt hat. Es gibt frühere mutmaßliche Beobachtungen von Silicen, die aber umstritten sind. Im Paper wird bespielsweise eine Arbeit aus <ahref="http://apl.aip.org/resource/1/applab/v97/i22/p223109_s1?isAuthorized=no">2010 zitiert</a>, aber angezweifelt. Der Nachweis des Silicen wurde hier nur mit Rastertunnelmikroskopen erbracht, im neuen Paper wird dieser Nachweis aber angezweifelt, denn: <br />
a) In allen Arbeiten wird die Silicenschicht als Ablagerung auf Silber erzeugt, was sich anbietet da dieses nicht besonders gerne mit Silizium reagiert. Es kann aber die Mikroskop-Messungen verfälschen, und da die gemessenen Atomabstände stark von theoretischen Werten abweichen (die wiederum aus verschiedenen Berechnungen dicht beisammen liegen), ist die Arbeit von 2010 zweifelhaft<br />
b) Es gibt nicht, wie im neuen Paper, eine weitere Messmethode. Da bietet sich an, wie hier getan, die elektrischen Eigenschaften zu messen. </p>

<p>Und tatsächlich können Patrick Vogt und seine Ko-Autor_innen aus Deutschland, Frankreich und Italien zeigen, dass sowohl ihre gemessenen Atomabstände und Gitterstrukturen, wie auch die elektrischen Eigenschaften denen des Graphen sehr ähnlich sind, und gut mit theoretischen Berechnungen übereinstimmen.</p>

<p>Wer jetzt letztendlich als Erstentdecker benannt werden wird, weiß ich nicht und will ich nicht mitreden. Aber was zählt ist, dass die Belege in diesem Paper ausreichen sollte um die Existenz (und Erzeugbarkeit) von Silicen zu zeigen. Ob aus diesem Material etwas werden wird - die Zeit wird es zeigen.</p>
     <hr />

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            <pubDate>Sun, 29 Apr 2012 20:00:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Wie Linux gebaut wird</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Die Linux Foundation hat dieses Video erstellt, das die Stärken des besten Betriebssystems der Welt als offenes Softwareprojekt zeigt:</p><p><iframe width="500" height="284" src="http://www.youtube-nocookie.com/embed/yVpbFMhOAwE" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>

<p>Ich kann mir kaum vorstellen, professionelle Arbeit mit Daten ohne Linux durchzuführen. Aber ich ibn auch der festen Ansicht, dass Menschen die nicht mit Windows zwangserzogen werden, mit modernen Linux-Versionen wie Ubuntu sehr viel besser zurecht kämen...</p>
     <hr />

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            <pubDate>Tue, 24 Apr 2012 07:45:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>"Don't Feed the Trolls" ist eine privilegierte Aussage</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Der Umgang mit Trollen ist schwierig, und wird in Abhängigkeit von vielen Faktoren schwieriger. Wenn wir eine Blogsoftware haben die nicht bereits mehrere Kriege gesehen hat und wenn ich nicht in einer anderen Zeitzone wäre, würde ich knallhart sagen: Hart moderieren und rauswerfen ist die einzige Methode. Nur ist das eben nicht gegeben, und allzu oft muss es da eben heißen: Don't Feed the Trolls. Und dann hoffen. Das ist sicher nicht falsch: Aufmerksamkeit schenken ist falsch und animiert die Trolle nur zum Einmisten.</p><p>Aber abgesehen davon, dass es eben gegen hartnäckige Kandidaten nicht hilft, dass es die meisten Kommentatoren abschrecken wird, und dass es generell nur schlecht umsetzbar ist, ist es eine Aussage aus einer privilegierten Position. Es ist die Position, in der man nicht selbst betroffen ist, oder die Position desjenigen oder derjenigen, die wenig durch solche Kommentare getroffen wird. Im Grunde ist es nichts viel anderes als "Stell dich nicht so an". Und das ist immer ein Zeichen, dass jemand nicht zuhört, und das ist immer schlecht.</p>

<p>Nochmal, ich sage nicht dass der Hinweis darauf, dass man Trolle nicht motivieren soll, schlecht ist. Aber er greift zu kurz, und weist Verantwortung für die Gemeinschaft der Kommentatoren oder für das Wohlergehen des Autors/der Autorin von sich.<br />
Denn das ist der Punkt: Ein Autor kann üble Kommentare nicht einfach auf sich sitzen lassen, sondern wird davon mürbe gemacht. Oder fängt erst gar nicht an, zu schreiben. Schade, ich würde seine Stimme gerne hören. Kann ein dickes Fell wirklich eine Voraussetzung sein, ein Blog zu schreiben? In diesem Licht, ist die Aufforderung "Leg dir doch ein dickes Fell zu!" nicht unverschämt?<br />
Oder wie steht es um Autorinnen? Warum wohl gibt es weniger Wissenschaftsblogerinnen? Wie sieht es um das "dicke Fell" aus, wenn das noch tagtäglich mit der großen Sexismusschaufel betatscht wird? Was passiert, wenn eine Frau es einmal wagt den Mund gegen Sexismus aufzumachen? <a href="http://tigerbeatdown.com/2011/10/11/on-blogging-threats-and-silence/">Was ist z.B. mit diesem Artikel</a>? Wie muss das sein, als Antwort feministische Artikel stetig Ströme von Vergewaltigungswünschen zu bekommen? In welchem Licht steht dann ein - einzeln gesehen harmloser - Trollkommentar da? Ich kann es mir nicht vorstellen. Ich meine, mir hat <a href="http://brightsblog.wordpress.com/2011/07/18/die-neue-religion-nur-fur-manner-the-holy-commandments-for-men-by-jorg-rings/">solch geistige Kernschmelze wie im deutschen Brightsblog</a> schon fast gereicht. Ich hab kein dickes Fell, sicher nicht. Muss ich deswegen die Klappe halten?</p>

<p>Nein, wiederum, die Antwort auf Trolle kann nur strenge Moderation sein. Wenn das explizit nicht möglich ist, muss die Gemeinschaft es wenigstens implizit machen. Das ist sowieso besser: Wenn es klar ist, dass sexistisches, xenophobes oder einfach unangebrachtes Verhalten laut angeklagt werden muss. Wer das nicht tut, lässt einfach nur sein Privileg heraushängen, nicht unmittelbar getroffen zu sein.</p>
     <hr />

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            <pubDate>Sat, 21 Apr 2012 09:00:00 +0100</pubDate>
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            <title>Christopher Hitchens 1949-2011</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Das Tribut an Christopher Hitchens von der Global Atheist Convention 2012 is ein absolutes Muss. Die beste Momente des Hitch im Kampf gegen die Leute, die mit einem Pappschild auf der Straße stehen und Kugelschreiber verkaufen sollten ... aus einer Tasse.</p><p><iframe width="500" height="284" src="http://www.youtube-nocookie.com/embed/iR0GyYaeI-k" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
     <hr />

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            <pubDate>Thu, 19 Apr 2012 06:30:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>David Deutsch - The Beginning of Infinity</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Es fing so gut an, und es ist in einem furchtbaren Wortsumpf aus Vereinfachungen mit dem Kopf durch die Wand geendet. Ich spreche vom Buch <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0670022756/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&tag=disra-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=0670022756">The Beginning of Infinity</a> von David Deutsch. Irgendwann, kurz vom Ziel habe ich sogar aufgegeben, es war einfach zu frustrierend.</p><div align="center"><a href="http://www.amazon.de/gp/product/0670022756/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&tag=disra-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=0670022756"><img border="0" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&Format=_SL160_&ASIN=0670022756&MarketPlace=DE&ID=AsinImage&WS=1&tag=disra-21&ServiceVersion=20070822" ></a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=disra-21&l=as2&o=3&a=0670022756" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /></div>

<p>Deutsch stellt sich die Aufgabe, nach Evidenz zu suchen, dass wir am Beginn einer Unendlichkeit stehen. Darunter versteht er vor allem, dass wir Menschen "universelle Erklärer" sind, die im Prinzip nicht limitiert sind in ihren Möglichkeiten, und dass die Suche nach guten Erklärungen und Veränderung das sind, was die Menschheit braucht. Eine gute Botschaft und im Kern ist das Buch humanistisch, aber im späteren geht das sehr in weißen reichen Ego von Deutsch unter.</p>

<p>Zunächst, was ist gut. Ich mag seine Definition von wissenschaftlicher Erkenntnis: Es ist die Suche nach guten Erklärungen, und eine Erklärung ist gut wenn sie sich nicht leicht variieren lässt. Dass Moral von Gott kommt, ist z.B. falsch weil es eine schlechte Erklärung ist, denn man kann sie leicht variieren indem man Gott durch das Rosafarbene Unsichtbare Einhorn ersetzt. Oder durch einen anderen Gott. Und gute Erklärungen greifen manchmal um sich und erklären mehr, als sie eigentlich wollten. Das macht sei so mächtig.<br />
Mir gefällt, wie Deutsch fast die gesamte Philosophie der Wissenschaft (außer Popper) mit großer Keule umhaut. Was keine besonders schwere Übung ist bei dem gewaltigen Unsinn, der dabei herauskam. Nur als Beispiel Wittgenstein, der aus dem Logischen Positivismus die Folgerung zog dass alle Philosophie bedeutungslos ist, aber trotzdem weitermachte damit. Deutsch zeigt z.B., wie manchmal eine Erklärung auf einer höheren Ebene die gute Erklärung ist. Wenn ich frage, wie ein Kupferatome auf die Nasenspitze einer Metallstatue von George Washington kommt, ist die gute Erklärung, dass er Präsident war und ein wichtiger Mensch; und nicht, dass das Kupfer in einer Supernova erzeugt wurde, usw.</p>

<p>Mir gefällt, wie Deutsch das bekannte Beispiel von Hilberts Hotel verwendet, um Unendlichkeit und ihre merkwürdigen Eigenschaften zu erklären. Über den Weg von Science Fiction-Geschichten erklärt er dann, warum (seiner Meinung nach) die Viele-Welten-Interpretation der Quantenphysik die einzig wahre sein muss. Ab hier bricht zuviel Ego und Arrogranz des Physikers durch. Statt einem Galoppritt durch Geschichte, Biologie und Politik hätte ich mir heri doch wenigstens noch gewünscht, dass er zeigen würde wie die Viele-Welten-Interpretation sein Kriterium der guten Erklärung erfüllt, statt nur autoritär darauf gestoßen zu werden. Ich mag ja an der Multiversums-Idee, dass keine Zufälle mehr die Physik dominieren, sondern stattdessen alle Möglichkeiten einer Entscheidung realisiert werden, solange es die Gesetze der Physik erlauben. Aber das scheint mir eine beliebig variierbare Erklärung zu sein. Warum passiert etwas? Weil alles passiert. Da hätte ich mir wenigstens ein Kapitel zu gewünscht.</p>

<p>Stattdessen hat Deutsch zu allem und jedem noch etwas zu sagen. Da kommen einige gute Gedanken bei heraus, z.B. alle politischen Systeme schlecht sind, dass Demokratie mathematisch beweisbar niemals komplett gerecht sein kann und dass wahrlich gute Politik auch immer gute Erklärungen suchen müsste und den Wandel umarmen. Aber ein richtiger Faden zieht sich nicht mehr durch das Buch, und das einzig kohärente Motiv scheint mir ein gewaltiger Optimismus zu sein, dass wir schon alles lösen können, weil wir im Westen jetzt so toll sind. Das klingt alles zu sehr nach Ray Kurzweil und seine grobschlächtigen Hurra-Thesen über exponentiellen Anstieg der Möglichkeiten.</p>

<p>Danach verliebt sich Deutsch gnadenlos und blind in die Mem-Theorie. Ideen und ihre Evolution als Pakete ähnlich den Genen zu betrachten hat einen gewissen Charme und stellt viele Umstände deutlich dar; aber ist nicht umsonst umstritten, da es sehr schwierig ist damit konsistent umzugehen. Auch wenn Deutsch das zur Seite wischt, zeigt er wunderschön in der Art wie er seine Ideen verwendet, das eben genau das passiert. Da vdefiniert er rationale und nicht-rationale Meme, die genau gegensätzlich sind, aber muss dann doch drüber hinweg hoppeln, dass das eben nicht immer so ist.<br />
Endgültig reich und weiß priviligierter Mumpitz wird es dann, wenn er statische Gesellschaften definiert: Das sind die, die von nicht-rationalen Memen beherrscht werden, die Wandel ablehnen. So weit, so gut, jeder der schon mal einem CDU-Hansel zugehört kann dem nur zustimmen. Statische Gesellschaften sind die Hölle auf Erden für Deutsch, aber dann lehnt er sich aus dem Fenster und behauptet, der Westen, ja der tolle Westen, der sei jetzt eine dynamische Gesellschaft in der Wandel und neue Ideen sich durchsetzen können. Es mag ja sein, dass die recht junge Wissenschaft tatsächlich ein Anker ist, der diese Frische mit sich bringt. Aber zu behaupten, unsere Gesellschaft sei besser weil sie das umsetze, ist schon zum Gruseln. Deutsch würde ich mal gerne hier in Oakland über die Straße mitnehmen. Wollen wir mal einen x-beliebigen Arbeiter fragen, ob er denn denke dass unsere Gesellschaft so dynamisch sei, dass niemand durch statische Ideen eingeschränkt sei. </p>

<p>Insgesamt ist dieser ganze Teil um Biologie und Evolution von der Arroganz des Physikers geprägt. Ein gutes Grundwissen hat Deutsch, aber die Folgerungen und Vergleiche sind viel zu einfach. Er ergötzt sich an seinen ach so schlauen Einsichten und Definitionen, und sieht gar nicht mehr, dass deren Erklärungskraft weder die Realität wiedergibt noch besonders tief geht. </p>

<p>Ich bin ziemlich frustriert, wie gesagt. Es fing als gutes Buch an; und wenigstens die erste Hälfte enthält genug wunderbare Erklärungen um eine Empfehlung dafür abzugeben; aber spart euch die zweite Hälfte. Es ist frustrierend vor allem, weil Deutsch durchaus durchscheinen lässt, dass er humanistische Ideen versteht und mit sich trägt; er lässt sie nur nicht gegen sein vereinfachtes Verständnis der Welt antreten. Schade.</p>
     <hr />

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            <pubDate>Wed, 18 Apr 2012 10:00:00 +0100</pubDate>
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        <item>
            <title>Die kosmische Dunkle Materie-Muskete</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Dunkle Materie gibt es wirklich! Sie ist keine Erfindung irgendwelcher Theorien, man kann sie zwar nicht direkt sehen (das macht sie ja gerade eben dunkel), aber man kann ihre Auswirkungen messen. Im Labor <a href="http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/2009/12/dunkle-materie-in-der-kiste-wie-cdms-vielleicht-wimps-gemessen-hat.php">ist das zwar verkündet</a> worden, aber noch sehr ungewiss. Ganz klar messbar ist der Effekt der Dunklen Materie aber, wenn man ins All hinausschaut, und dazu mehrere verschiedene Teleskope nimmt. <br />
Eines meiner Lieblingsbilder aller Zeiten ist die Aufnahme des <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2008/09/neues-aus-der-forschung-kollidierende-galaxienhaufen-und-dunkle-materie.php">Bullet Clusters</a>:</p><p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><a href="http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/upload/apr12/bullet.php" onclick="window.open('http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/upload/apr12/bullet.php','popup','width=720,height=520,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/upload/apr12/bullet-thumb-400x288.jpg" width="400" height="288" alt="bullet.jpg" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></a><div align="center"><small>Bildquelle: <a href="http://chandra.harvard.edu/photo/2006/1e0657/">X-ray: NASA/CXC/CfA/M.Markevitch et al.; Optical: NASA/STScI; Magellan/U.Arizona/D.Clowe et al.; Lensing Map: NASA/STScI; ESO WFI; Magellan/U.Arizona/D.Clowe et al</a></small></div></span></p>

<p>Dieses Bild ist kein Foto, es ist eine Zusammenstellung aus Messungen verschiedener Teleskope. Das beobachtete Phänomen entsteht, wo zwei Galaxiencluster zusammenstoßen.<br />
Das Chandra-Röntgenteleskop findet heraus, wo sich normale Materie befindet, denn die Galaxien besteht hauptsächlich aus Gaswolken, die sich in der Kollision erhitzen. Das heiße Gas strahlt, und diese Strahlen misst Chandra. Im Bild sind diese Bereiche in violett markiert.<br />
Dazu kann man dann Beobachtungen mit Teleskopen im sichtbaren Licht nehmen, etwa von Hubble oder dem Keck-Teleskop, und den <a href="http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2011/06/ein-grosser-rumms-im-kosmos.php">Gravitationslinseneffekt ausnutzen</a>. Denn die Masse der Galaxienhaufen ist ausreichend groß, um Licht abzulenken und linsenartige Effekte zu haben. Wir sehen dann die Galaxien hinter diesen Haufen verzerrt oder gar mehrfach. Daraus errechnet man die Verteilung der Masse, diese ist in den Bildern blau. Und die einfache Tatsache, dass blaue und violette Bereiche nicht übereinstimmen, führt zur Folgerung: Da gibt es etwas, dass Gravitation ausübt, aber nicht an anderen Dingen teilnimmt, an denen Materie so teilnimmt, vornehmlich der elektromagnetischen Wechselwirkung. Wir sehen es nicht, aber wir sehen dass da Materie ist: Dunkle Materie.</p>

<p>Es sind mittlerweile sechs dieser spannenden Galaxienkollisionen untersucht worden. Der erste, der Bullet Cluster, ist so benannt, weil der violette Bereich wie die Wirkung einer Gewehrkugel aussieht. Jetzt ist <a href="http://arxiv.org/abs/1110.4391">ein neuer Cluster entdeckt worden</a>, und weil die Kollision älter ist und langsamer als im Bullet Cluster, ist er Musket Ball Cluster benannt worden - Musketenkugel-Cluster:</p>

<p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><a href="http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/upload/apr12/musketball.php" onclick="window.open('http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/upload/apr12/musketball.php','popup','width=1024,height=483,scrollbars=no,resizable=no,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/upload/apr12/musketball-thumb-400x188.jpg" width="400" height="188" alt="musketball.jpg" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></a><div align="center"><small>Bildquelle: <a href="http://www.chandra.harvard.edu/photo/2012/musketball/">X-ray: NASA/CXC/UCDavis/W.Dawson et al; Optical: NASA/STScI/UCDavis/W.Dawson et al.</a></small></div></span></p>

<p>Die bislang entdeckten Kollisionen waren um die 200 Millionen Jahre alt, der Musket Ball Cluster DLSCL J0916.2+2951 aber kollidierte bereits vor 700 Millionen Jahren. Neben dem stechenden Beweis für Dunkle Materie wird er ein weiteres Stück helfen herauzufinden, welche Auswirkungen solche Kollisionen auf die beteiligten Galaxien haben.</p>

<p>Bleibt nur noch die Frage, wer da im Weltall so viele Gewehrkugeln abfeuert. Das kann natürlich nur Gott sein.</p>
     <hr />

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            <pubDate>Mon, 16 Apr 2012 09:00:00 +0100</pubDate>
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            <title>Wenn der Blitz viermal trifft</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Die Oakland Bay Bridge ist die gewaltige, zweistöckige Brücke, die die Bay zwischen San Francisco und Oakland, wo ich jetzt lebe, überspannt. Gewitter sind hier äußerst selten, aber gestern hat es fast zwei Stunden gerummst, und dabei ist Phil McGrew ein äußerst ungewöhnliches Foto gelungen.</p><p>Ich will es euch nicht vorenthalten, aber leider ist es unter Copyright und man soll bezahlen, um es einzubinden, worauf ich natürlich keine Lust habe. Daher müsst ihr <a href="http://www.flickr.com/photos/philmcgrew/6926707884/in/photostream">einmal hier klicken</a> und die Aufnahme des Blitzes sehen, der alle vier Türme der Oakland Bay Bridge gleichzeitig trifft.</p>
     <hr />

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            <pubDate>Sat, 14 Apr 2012 09:30:00 +0100</pubDate>
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            <title>Die Sprache des Dirigenten</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Vor Jahren habe ich einmal an einer Projektwoche mit Amateur-Musikern aus ganz Deutschland teilgenommen, die nie zuvor zusammen gespielt haben. Der Gastdirigent für diese Woche war Amerikaner, mit der typisch amerikanisch-positiven Oberfläche - die aber bei ihm tiefer ging. Wir haben ein komplettes Konzertprogramm - wiederum mit Stücken die wir nie zuvor gesehen haben - innerhalb einer Woche erarbeitet und am Ende der Woche aufgeführt, und es war wirklich gut. Was aber wirklich sagenhaft war, waren manche der Probenanfänge. Er kam in den Raum, und wir spielten uns eine halbe Stunde warm, ohne dass er je ein Wort sagte. Er benutzte Zeichen für verschiedene Noten, ohne sie vorher erklärt zu haben, und es funktionierte. <br />
Daran musste ich denken, als ich <a href="http://www.nytimes.com/interactive/2012/04/06/arts/music/the-connection-between-gesture-and-music.html">dieses Video der NY Times</a> (Lässt sich natürlich nicht einbinden) über Dirigieren und die subtile Sprache darin sah.</p><p>Dass das Video das kreative und mutige Genie Igor Stravinsky als Komponisten der gespielten Musik wählt, unterstützt nur den Punkt den ich dazu machen will: Dass Musik so wichtig ist, weil sie eine der wenigen, vielleicht die einzige wirklich systematisierte Art ist, Kreativität durch Sprache zu beschreiben. Es ist aber nicht eine gesprochene Sprache, sondern eine die auf strikter Notation auf dem Notenblatt beruht, aber auf einer anderen Ebene durch den Dirigenten und seine subtile Gestensprache zu einem flauschigen aber strukturierten Ausdruck dessen wird, was nicht in Worte zu fassen ist.</p>

<p>dazu kann man viel sagen, aber ich will nur eines ausdrücken: Dass darin ein Lehrstück zu Kommunikation steckt. Darüber, was man sagen will, das man bewirken will. Wie das davon abhängt, mit wem man spricht (und sei es der Musiker, das Instrument, das technische Vermögen der beiden; oder letztendlich das Publikum oder der oder die Hörer_in) und wie verschiedene Ebenen zusammenhängen, erwartet werden müssen und letztendlich das System als ganze größer ist als seine Einzelteile. </p>

<p>Und genau so könnte man auch sagen: Wie die Durchführung einer Aufgabe funktioniert, ist eine facettenreiche kreative Leistung auf vielen Ebenen, die von allen Beteiligten und ihren Filter im Ausdruck und in der Aufnahme dieser Ebenen abhängt. Eine gute Arbeitsumgebung z.B. hängt davon ab, dass der Mitarbeiter als Teil des gesamten Arbeitsprozesses ernstgenommen wird und nicht ein Roboter ist, in den man einen Arbeitsbefehl hineinsteckt. Oder ein Fußballtrainer wird wenig Erfolg haben, wenn seine Übungseinheiten die Spieler_innen tüchtig fit macht, aber nicht die subtileren Elemente trainiert, die das Zusammenspiel erkenntlich machen.</p>

<p>Und darum ist Musik (oder meinetwegen auch Teamsport) so wichtig für jeden: Weil er diese Prozesse der Zusammenarbeit sofort auf die tieferen Ebenen der mentalen Festplatte schreibt, ohne dass sich jemand erst hinsetzen muss und durchsprechen muss, was Zusammenarbeit bedeutet.</p>
     <hr />

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            <pubDate>Thu, 12 Apr 2012 15:00:00 +0100</pubDate>
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            <title>Neutrino-Seifenoper: Koordinator und Sprecher zurückgetreten</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Im vermutlich letzten Akt um die nicht-so-ganz-überlichtschnellen Neutrinos am OPERA-Experiment in Gran Sasso, Italien, sind Dario Auterio als Korrdinator der Physik und Sprecher Antonio Ereditato <a href="http://news.sciencemag.org/scienceinsider/2012/03/leaders-of-faster-than-light-exp.html">am 29. März zurückgetreten</a>, nachdem die Versammlung der Leiter der verschiedenen Gruppen ihnen das Vertrauen entzogen hat.</p><p><br />
Die Erklärung scheint einigermaßen das zu bestätigen, über was ich mich bereits mehrmals geärgert habe: Dass man auch intern sehr unzufrieden war mit der Art und Weise, wie die vorläufigen Ergebnisse veröffentlicht wurden: Zu schnell und mit zu wenig qualifizierender Kommunikation.</p>

<blockquote style="background-color:bisque">Some collaboration members believe that the results, when first announced at a symposium at CERN on 23 September 2011, should have been presented more clearly as preliminary. They are also unhappy that more experimental checks weren't carried out before the announcement. </blockquote>

<p>Die Abstimmung ging 16:13 aus, mit zusätzlichen Enthaltungen, was nicht genug war um die beiden rauszuwerfen, aber sie zogen die Konsequenzen und traten freiwillig zurück.</p>

<p>Ich sehe das als logischen und richtigen Schritt. Die Aufgabe der Führung ist es, dass die Integrität der Resultate richtig wiedergegeben wird. Dass eine solche Bekanntgabe Wellen schlagen kann, die sofort unkontrollierbar werden, muss man einfach vorhersehen und mit aller möglicher Vorsicht vorgehen. Dies war hier nicht der Fall. Eine Pressekonferenz wurde bekannt, bevor das Paper öffentlich einsehbar war, und selbst nach der Pressekonferenz dauerte es noch lange, bis es endlich verfügbar war. In Interviews konnte man Dinge lesen wie "Wir haben alles technisch mögliche ausgeschlossen." <br />
Aber das hatte man nicht, denn letztendlich war ein "nur" ein fehlerhaftes Kabel.</p>

<p>Der Kern der Sache ist aber nicht, dass dies nicht rechtzeitig entdeckt wurde, sondern dass sich die Projektleitung nicht vor die Mitforscher_innen stellen konnte und sagen: Schaut, wir haben das durchdacht und von Anfang an dies und dies getan um zu standhaft zu sagen: Vermutlich ist alles nur ein technisches Ding irgendwo, denn die Physik ist viel viel robuster. Der Entzug des Vertrauens bestätigt das, soweit man das im Rahmen der sicherlich auch vor sich gehenden politischen Dimension beurteilen kann.</p>

<p>Denn letztendlich ist der Rücktritt auch ein Schritt um wieder die Hauptaufgabe der Long-Baseline-Neutrinoexperimente in den Vordergrund zu rücken: Die <a href="http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/2010/06/neutrino-beim-umziehen-erwischt.php">Oszillationen von Neutrinotypen</a> genauer zu untersuchen. Und wenn die Aufmerksamkeit, die den Neutrinos jetzt zugute kam, wenigstens zu einem Prozent zur echten, guten Physik gelenkt werden kann, ist das ja auch schon etwas.</p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://feedproxy.google.com/~r/ScienceBlogs/DiaxsRake/~3/_x8k0InfvD4/neutrinoseifenoper-koordinator-und-sprecher-zuruckgetreten.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">gran sasso</category>
            
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">politik</category>
            
            <pubDate>Tue, 10 Apr 2012 18:00:00 +0100</pubDate>
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            <title>Der LHC fährt wieder mit Energierekord</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Am 5. April 2012, um 00:38 Ortszeit, schaffte der Large Hadron Collider (LHC) am CERN die ersten Kollisionen für dieses Jahr. Nach ein wenig technischer Auszeit wurde seit Februar die Maschine wieder langsam ans Laufen gebracht, im März die ersten Strahlen verschossen und jetzt dann die gewünschten Kollisionen erzeugt, die neue Daten bringen. Im <a href="https://espace.cern.ch/be-dep/BEDepartmentalDocuments/BE/LHC_Schedule_2012.pdf">Zeitplan</a> kann man sehen, dass die Kiste jetzt bis November laufen soll, dann auf schwere Atomkerne umsteigt und Ende November erstmal für mehr als ein Jahr abgeschaltet und erweitert wird.</p><p>Die größte Änderung aber ist, dass die Protonen jetzt mit 8 TeV statt wie zuvor mit 7 TeV kollidieren. Die Erfahrungen aus den Experimenten bis jetzt ermutigten die Forscher_innen, dass diese etwas höhere Energie vertretbar ist. Klingt jetzt nicht nach gewaltig mehr, erhöht aber für manche Zerfallskanäle die Wahrscheinlichkeit erheblich, wie man in diesem Video erfahren kann: </p>

<p><iframe width="480" height="270" frameborder="0" src="http://cdsweb.cern.ch/video/CERN-MOVIE-2012-031" allowfullscreen></iframe></p>

<p>Dass 8 TeV wirklich einen Unterschied macht, kann man schon daran sehen, dass man mit 20-30 % mehr Daten umgehen muss. </p>

<p>Bis jetzt hat der LHC das Higgs noch nicht gefunden - wenig überraschend. Denn so eine Entdeckung funktioniert nicht, in dem man die Maschine einschaltet, und wenn man alles richtig gedreht hat kommen hinten Higgs-Bosonen raus. Stattdessen muss man lange Daten sammeln, um genug Statistik zu erhalten, und schließlich ein neues Teilchen in bestimmten Zerfallsprozessen folgern und absichern zu können. </p>

<p>Aber der LHC <a href="http://www.quantumdiaries.org/2012/01/20/2012-the-year-of-the-dragon/">hat natürlich noch viel mehr zu bieten</a>. Die Suche nach Symmetrieverletzungen in <a href="http://www.quantumdiaries.org/2011/11/18/charm-and-beauty-lhcb-has-it-all/">Zerfällen von B, D, und K-Mesonen</a> ist mindestens so wichtig, und auch die Untersuchungen an <a href="http://www.scienceblogs.de/diaxs-rake/2010/09/heisser-scheiss-am-lhc.php">Quark-Gluon-Plasmen</a> in Schwerionenkollisionen. Und alles sonst, was mit einem universellen Werkzeug wie dem LHC erforscht und entdeckt werden kann! Vielleicht schon 2012!</p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


   ]]></description>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">2012</category>
            
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">LHC</category>
            
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">video</category>
            
            <pubDate>Sun, 08 Apr 2012 19:30:00 +0100</pubDate>
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