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        <title>Arte-Fakten</title>
        <link>http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/</link>
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        <language>de</language>
        <copyright>Copyright 2012</copyright>
        <lastBuildDate>Wed, 29 Sep 2010 06:19:19 +0100</lastBuildDate>
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            <title>Letzte Meldung: Arte-Fakten ist umgezogen</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Nach meinen beiden Texten Anfang des Monats gab es viele Kommentare und Mails, in denen ich zum Weitermachen bei den ScienceBlogs aufgefordert wurde. Aber ich bin ziemlich schnell zu dem Ergebnis gekommen, dass es besser ist, diesen Wünschen - und meinem eignen Wunsch nach einer großen Leserschaft - nicht nachzugeben.</p>

<p>Statt dessen habe ich ein neues Blog-Netzwerk-Projekt gestartet. Man findet es unter dem schönen Domain-Namen <a href="http://kulturblogs.de">KulturBlogs.de</a>.</p><p>Einerseits ist es ein bisschen schade, die Gründung dieses neuen Netzwerks bestätigt ein bisschen die alte These von den "zwei Kulturen", die ich eigentlich ablehne. Andererseits ist KulturBlogs.de für mich ein Neuanfang, von dem man nicht wissen kann, wo er hinführt - vielleicht ist dort, in der beschaulichen Ruhe eines kleinen unbekannten Blog-Netzwerkes, ja eine unbeschwerte, freundliche, konstruktive Diskussion über alle Aspekte der Kultur - zu denen auch die Wissenschaft zählt - möglich. Wer weiß - vielleicht kommt es über einen Umweg zur Annäherung.</p>

<p>Jedenfalls ist jeder herzlich eingeladen, dem am kritischen, kontroversen, aber respektvollen Dialog liegt, bei den KulturBlogs mitzuwirken.</p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


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            <link>http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/09/letzte-meldung-artefakten-ist-umgezogen.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
            
            <pubDate>Wed, 29 Sep 2010 06:19:19 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Geschichte eines Scheiterns</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Bevor ich Ende April 2009 mit den Arte-Fakten begann, hatte ich schon ein paar Kommentare bei ScienceBlogs geschrieben, und eine gewisse Ablehnung meiner Gedanken war bereits deutlich geworden. Ich hatte mich trotzdem zu diesem Projekt entschlossen, oder eigentlich - gerade deswegen. Es müsste, so dachte ich - doch möglich sein, an diesem Ort, wo so viele wissenschaftsinteressierte Schreiber und Leser zusammenkommen, doch möglich sein, eine Kommunikation über die Grundlagen, die Voraussetzungen und die Auswirkungen des wissenschaftlichen Denkens in Gang zu bringen. Eine Kommunikation, die die Zulässigkeit anderer Schlussfolgerungen als denen, die man selbst bisher für selbstverständlich hielt, anerkennt.</p><p>Mir war klar, dass das nicht leicht werden würde, zumal ich nie die Neigung verspürt habe, meinen Standpunkt diplomatisch oder taktisch klug vorzutragen. Ich hielt es immer für besser, die Stellen, an denen die Meinungen aufeinanderprallen können, zu schärfen als dass sie durch Polsterung und Glättung ihre Konturen verlieren oder unsichtbar werden.</p>

<p>Was ich allerdings nicht für möglich hielt, war, dass man mich für einen Feind der Wissenschaft halten könnte. Ich habe aus meiner Begeisterung für die großen Erfolge der Wissenschaften nie ein Geheimnis gemacht. Gerade aus einer Begeisterung, einer großen Zuneigung heraus erwächst ja oft die Sorge, dass sich das geliebte Wesen selbst zerstören könnte. Was die Wissenschaft betrifft, gibt es genügend Grund zur Sorge: Wie jede andere Institution entwickelt sie Tendenzen zur Erstarrung, zum Beharren, zur Machtausübung oder (zum Zwecke der Selbsterhaltung) zu Bündnissen mit Machthabern, die wiederum dieses Bündnis zu eigenen Zwecken ge- oder missbrauchen. Ob die Lebenskräfte der wissenschaftlichen Methode immer stark genug sind, diesen Tendenzen der Beharrung, Erstarrung, Selbstverleugnung und -täuschung zu widerstehen, ob es nicht vielmehr durch die Verstrickung mit Technologie und Politik sogar zu einer Lähmung des Organismus kommt, sodass ursprüngliche Ziel der Suche nach Wahrheit unmerklich ganz aufgegeben wird, ist gerade heute völlig ungewiss. Wer die Wissenschaft wirklich liebt, darf vor den erschütternden Konsequenzen dieser Eigendynamik nicht die Augen verschießen, darf die offensichtlichen Probleme nicht als nebensächliche Oberflächenphänomene abtun, die dem gesunden lebenden Wesen im Kern nichts anhaben können.</p>

<p>Ich hatte monatelang geglaubt, dass eine solche Kommunikation durch Beharrlichkeit und Geduld bei allen Beteiligten irgendwann zustande kommen würde. Dabei war mir bewusst, dass ich eine andere Sprache spreche als die, mit denen ich zu sprechen versuche, auch wenn ich die gleichen Worte verwende. Jeder weiß, dass man in unterschiedlichen Sprachen der Wahrheit auf verschiedene Weise näher kommen kann und dass man sogar unterschiedliche sprachliche Mittel braucht, um die Komplexität einer Wahrheit überhaupt in den Blick zu bekommen. Durch das beharrliche Aufklären von Missverständnissen, durch Umschreibungen und Umkreisungen, so dachte ich, würde Stück für Stück ein gemeinsamer Sprach-Raum entstehen, indem eine Verständigung ohne Kompromisse möglich werden würde. (Ich habe heute versucht, meine Vorstellungen von einer solchen Kommunikation in <a href=" http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2010/09/09/das-sprach-netz/">meinem persönlichen Blog</a> darzustellen.)</p>

<p>Dass diese Idee scheitern würde, deutete sich zum ersten Mal an, als der Versuch, Missverständnisse zu benennen und auszuräumen als „Unbelehrbarkeit" oder als „Ausweichen" interpretiert wurde. Immer, wenn man mir einen Fehler nachweisen würde, so wurde argumentiert, würde ich behaupten, ich hätte „das alles ja nicht so gemeint".</p>

<p>Andererseits entwickelten sich bei Arte-Fakten immer wieder interessante Diskussionen und so war ich lange Zeit der Überzeugung, dass im Laufe eines langen Prozesses eine Verständigung möglich werden würde. Ich selbst würde lernen, mich besser verständlich zu machen und mit überraschenden Deutungen sicherer umzugehen, der gemeinsame Kommunikationsraum mit denen, die an meinen Gedanken interessiert waren, würde größer werden.</p>

<p>Ich möchte allen danken, die sich immer wieder auf Diskussionen mit mir eingelassen haben, vor allem denen, denen meine Gedanken besonders fremd waren, die aber trotzdem immer wieder das Gespräch aufnahmen. Der Blog-Artikel ist ja nur ein Gesprächsangebot, der Dialog beginnt mit dem Kommentar. Auch ich habe, genau wie georg es gestern in seinem Kommentar geschrieben hat, durch diese Gespräche über vieles genauer nachgedacht und eine Menge gelernt.</p>

<p>In den letzten Wochen zeigte sich jedoch, dass die Grenzbefestigungen nicht geschliffen wurden, sondern dass die Mauern eher größer wurden, und dass vor allem in Richtung zu anderen ScienceBloggern. Die Kommentare zu meinen Artikeln seit Mitte August zeigten zweierlei: Einerseits, dass das Bild, welches bei diesen Autoren von mir inzwischen entstanden war, so verfestigt war, dass in jedem Artikel nur noch „zwischen den Zeilen" der „wissenschaftsfeindliche Grundtenor" gelesen werden konnte. Andererseits - und das wiegt noch schwerer - wiesen ScienceBlogger, darauf hin, dass ihnen durch Arte-Fakten und den Unsinn, den ich ihrer Meinung nach schrieb, selbst der Spaß am Bloggen vergeht. Ein Blog-Netzwerk lebt natürlich davon, dass sich Blogger gegenseitig anregen, wenn sie sich gegenseitig in die Schreib-Blockade treiben, führt das die Idee der gemeinsamen Plattform ad absurdum.</p>

<p>Hinzu kommen Diskussionen der letzten Tage, die hier nicht sichtbar sind und über die ich hier nicht berichten werde, die mir zeigten, dass ich gescheitert bin mit dem Ansatz, den ich mit Arte-Fakten verfolgt habe. Jedes solches Scheitern fügt auch der Idee, die man verfolgt hat, einen Schaden zu. Es wäre besser gewesen, jemand anders, der eine ähnliche Idee mit besseren Fähigkeiten verfolgt hätte, wäre zu ScienceBlogs gekommen. Dann wäre eine Kommunikation zu den Fragen, die ich noch immer für wichtig halte, vielleicht nicht gescheitert. Ich hoffe, dass das noch einmal möglich wird.</p>

<p>Auf <a href="http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/">meinem persönlichen Blog</a> werde ich in den nächsten Wochen versuchen, auch dieses Scheitern aufzuarbeiten. Wer mich da kritisch begleiten will, ist herzlich eingeladen. </p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/09/geschichte-eines-scheiterns.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Geistes- &amp; Sozialwissenschaften</category>
            
            
            <pubDate>Thu, 09 Sep 2010 09:20:33 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>In eigener Sache</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Bis auf weiteres werden bei Arte-Fakten keine Texte mehr erscheinen. Ich werde wahrscheinlich zunächst auf ><a href="http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/">mein vorheriges Blog</a> zurückkehren.</p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/09/in-eigener-sache.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
            
            <pubDate>Tue, 07 Sep 2010 19:31:33 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Wer ist hier eigentlich paranoid?</title>
            <description><![CDATA[
     <p>In Städten wie Münster gibt es eine vielfältige Theater-Landschaft. Natürlich gibt es Städtische Bühnen, mit Sprechtheater, Oper und Ballett. Daneben gibt es zwei bis drei mittelgroße Bühnen in freier Trägerschaft. Und dann gibt es da noch eine Vielzahl kleiner Spielstätten in Altbauten und Hinterhöfen, in denen engagierte und talentierte Theatermacher und Schauspieler einem meist überschaubaren Publikum hervorragendes, lebensnahes und provozierendes Theater bieten.</p>

<p>Zu diesen Theatern gehört in Münster <a href="http://www.derkleinebuehnenboden.de/">Der kleine Bühnenboden</a> im Hinterhaus der Schillerstraße 48. Hier gab es am vergangenen Freitag die Premiere des Stückes "<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Blue/Orange">Blue Orange</a>" von <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Joe_Penhall">Joe Penhall</a>.</p><p>In einer Psychiatrischen Klinik in London streiten der engagierter Assistenzarzt Bruce (Tilman Rademacher) und der spöttisch-abgeklärter Oberarzt Robert (Andreas Ladwig) um die Entlassung des jungen schwarzen Patienten Christopher (Julius Douglas Dombrink). Während der junge Arzt, ganz überzeugt von den Lehrsätzen seiner Ausbildung, eine Schizophrenie diagnostiziert, die unbedingt weiter behandelt werden muss, glaubt sein Chef, dass der Junge ganz gut in der Welt draußen klar kommen wird. Oder hat er nur das Budget und die Bettenauslastung der Klinik im Blick? Ist sein junger Kollege vielleicht eher ein Idealist, der den Menschen, unabhängig vom Geldbeutel und von der Finanzlage seines Arbeitgebers helfen will?</p>

<p>Wie im wirklichen Leben ist hier nichts sicher, kein Urteil hält sich länger als bis zum nächsten Akt. Prallt Schulwissen hier auf Lebenserfahrung? Oder Idealismus auf Realismus und Abgebrühtheit?</p>

<p>Zunehmend fragt sich der Zuschauer, wer hier eigentlich paranoid ist: Der junge Patient, der sich von der Medizin der weißen Männer verfolgt sieht, die seine Individualität nicht wahrhaben wollen? Oder der Assistenzarzt, der gegen eine Verschwörung der Klinikleitung zu kämpfen glaubt?</p>

<p>Der kleine Bühnenboden hat diesen Dreierkonflikt in drei Akten unter der Regie von Monika Stermann so in Szene gesetzt, dass das Publikum sich dem Kampf der Drei um Freiheit, Macht und Richtigkeit einer Diagnose nicht entziehen kann. Dafür sorgt vor allem auch die Raumgestaltung von Henri Alain Unsenos: Die 30 Zuschauer sitzen im ersten und dritten Akt an den Längstseiten des Saals aufgereiht, dazwischen, auf einem glatten weißen Läufer, bewegen sich die Protagonisten. Für den zweiten Akt ziehen alle gemeinsam in den Vorraum um, hier sitzen die Schauspieler inmitten der Zuschauer am Tisch.</p>

<p>Da es der Premierenabend war, stand am Ende für jeden, ob Schauspieler, Ensemble-Mitglied oder Zuschauer ein Glas Sekt bereit. Es entwickelte sich eine angeregte Diskussion über das Stück, die Inszenierung, das Theaterspielen überhaupt, die erst spät in der Nacht endete, wobei es bei dem einen Glas Sekt nicht blieb - was tut man nicht alles zur Unterstützung der Theaterszene in Münster.</p>

<p>Weitere Termine:</p>

<p>Freitag, 10.09.2010 | Samstag, 11.09.2010 | Donnerstag, 23.09.2010 | Freitag, 24.09.2010 | Freitag, 01.10.2010 | Samstag, 02.10.2010 | jeweils um 20.30 Uhr</p>
     <hr />

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            <link>http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/09/wer-ist-hier-eigentlich-paranoid.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Theater</category>
            
            <pubDate>Mon, 06 Sep 2010 13:51:06 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Die blaue Linie</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Der wichtigste Tag in der Marathon-Vorbereitung ist nicht etwa der Sonntag zwei Wochen vor dem Start, wenn man seinen "letzten langen Lauf" absolviert hat. Es ist der Tag, an dem die blaue Linie auf der Straße frisch gezogen wird. Das war in Münster gestern der Fall, irgendwann in der Nacht, zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang, war "das Eisenschwein" in der Stadt und hat eine 42 km lange Linie auf den Asphalt gezeichnet.</p>

<p>Wenn man sich morgens auf sein Rad schwingt und - z.B. wie ich - zum Bahnhof fährt, dann ist sie plötzlich da. Jetzt weiß man: Es sind keine zwei Wochen mehr bis zum Start. Mit diesem Moment hat der Marathon eigentlich schon begonnen. Der nächste Trainingslauf, das war heute früh, gehört eigentlich schon dazu, und wie durch ein Wunder ist man eine Minute schneller als beim letzten Mal.</p><p>Die wirklich großartigen Dinge beginnen mit solchen Nebensächlichkeiten, die zum Symbol werden. Es ist wie mit <a href="http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/08/der-dritte-spalt.php">Borns Fußnote</a> in der Quantenmechanik. Die blaue Linie in der Stadt ist auch so ein Symbol. Sie ist einfach da, und man weiß, das ist der Marathon.</p>

<p>Wenn mich jemand fragt, was mir ganz persönlich der Marathon bedeutet, dann fange ich bei dem Schauer an, der mich früh am Donnerstagmorgen auf dem Rad erfasst, wenn ich auf die blaue Linie treffe. Das sagt vielleicht mehr über meine Beziehung zu diesem Lauf durch Münster als die Zahlen, die Zeiten bei 10, 20, 30 km, die Zahl der Finisher-Shirts, die ich schon im Schrank habe.</p>

<p>Vielleicht muss man solche Geschichten auch über die Wissenschaft erzählen, wenn man erklären will, was sie einem wirklich bedeutet. Das Gefühl beim Lesen von Borns Fußnote, oder der unvergessliche Moment, als ich <a href="http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2009/07/ich-erinnere-mich-noch-gut.php">zum ersten Mal</a> den Artikel "Zur Elektrodynamik bewegter Körper" las.</p>

<p>Übers Jahr verblasst die blaue Linie im Alltag: Regen, LKW-Reifen und Dreck reiben ihn vom Asphalt. Aber Anfang September wird er Jahr für Jahr neu gezogen und man weiß: Es naht Großes.</p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/09/die-blaue-linie.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Marathon</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Münster</category>
            
            <pubDate>Fri, 03 Sep 2010 17:04:41 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Michel Serres ist 80</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Der Philosoph Michel Serres ist gestern 80 Jahre alt geworden, und das ist für das Feuilleton der großen Zeitungen natürlich ein Grund, den postmodernen Franzosen zu würdigen.</p>

<p>Tatsächlich, die "Moderne" ist schon so lange her, dass selbst die, die danach kamen, langsam alt werden (Bruno Latour ist natürlich deutlich jünger, aber der ist ja sowieso <a href="http://www.amazon.de/gp/product/351829461X?ie=UTF8&tag=joergfried-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=351829461X">nie modern gewesen</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=joergfried-21&l=as2&o=3&a=351829461X" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" />). Serres aber, den zu verstehen sich selbst Latour schwer tat, der ist auf jeden Fall postmodern. Für mich heißt das: Zum Denken provizierend, aber auf jeden Fall nicht im engeren Sinne "zu verstehen".</p><p>Die Süddeutsche Zeitung hat mit Michel Serres zu seinem Geburtstag ein Gespräch geführt (leider nicht online verfügbar). Das Schönste daran ist das Foto, das Serres "im Sommer 2010 am Ufer der Spree" zeigt. Da freut man sich darauf, irgendwann auch mal 80 zu sein und so weise und freundlich auszusehen.</p>

<p>Die Zeitung behauptet, Serres sei in Deutschland Anfang der 1980er Jahre mit seinem Buch <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3518282778?ie=UTF8&tag=joergfried-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=3518282778">Der Parasit</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=joergfried-21&l=as2&o=3&a=3518282778" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /> "bekannt geworden". Fast wäre ich geneigt, eine Umfrage unter meinen Blog-Lesern zu machen: Wem ist Serres bekannt, und wer kennt das Buch? Ich glaube, ich kenne die Antwort. Wahrscheinlich bin ich der Einzige.</p>

<p>Das Interview ist trotzdem gelungen. Serres kann eben Sätze formulieren, bei denen man mit dem Nachdenken beginnen kann. Selten wird man ihm am Ende zustimmen, aber manchen guten Gedanken hätte ich nicht gedacht, wenn ich nicht bei Serres begonnen hätte. Z.B. hier:<br />
<blockquote>Wir haben es praktisch geschafft, den Schmerz zu besiegen. ... Aber Schmerz war eine alltägliche und eine notwendige Erfahrung, bevor es Schmerzmittel gab. Heute gibt es Menschen, die noch nie gelitten haben. ... Ich kenne keine einzige religiöse, philosophische oder historische Moral, die nicht auf die Erfahrung von Schmerz begründet ist. Wenn nun, wie durch Zufall, der Schmerz verschwindet, stellt sich die Frage, worauf man dann die Moral gründet.</blockquote><br />
Ein paar Sätze, und man könnte seitenlang darüber schreiben, oder - noch besser - abendelang darüber sprechen.</p>

<p>Haben Menschen, die noch nie gelitten haben, keine Moral? Oder, etwas schwächer formuliert, braucht eine Gesellschaft den ständigen Umgang mit Leid, um eine Moral zu entwickeln und zu verankern?</p>

<p>Und ist es wahr, dass wir weniger leiden, nur weil wir Aspirin und Narkosemittel haben? Ändert sich vielleicht nur der Charakter des Leidens, und wie ändert sich dann damit die Moral?</p>

<p>Ich hoffe, dass Serres 100 Jahre alt wird, ohne Schmerzen, und dass es zu jedem runden Geburtstag ein Interview mit ihm in der Süddeutschen gibt. Gern auch zwischendurch.</p>
     <hr />

<a href="http://www.scienceblogs.de/redirect.php?7424,http%3A%2F%2Fwww.scienceblogs.de%2Fwerbung.php" target="_blank"><img src="http://www.scienceblogs.de/rssadds/Banner_Kauf_mich_468.gif" border="0" alt="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " title="Werbung auf ScienceBlogs. Bannerwerbung nicht nur im RSS-Feed. " /></a>


   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/09/michel-serres-ist-80.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Kultur</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Michel Serres</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Postmoderne</category>
            
            <pubDate>Thu, 02 Sep 2010 10:59:48 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Gedanken über Leiden und Sinn</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Unter der Überschrift "Diagnose: Bedingt lebensfähig" hat Michael Imhof, habilitierter Mediziner, Buchautor und chirurgischer Gutachter in Würzburg, in der FAZ vom 31.08.2010 einen Text veröffentlicht, der nun auch <a href="http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E60954B1069DA484CB2AB469E9E22A5F9~ATpl~Ecommon~Scontent.html">online</a> verfügbar ist. Imhof beschreibt das Dilemma der modernen Medizin. Auf der einen Seite steigert der medizinische Fortschritt "die Überlebenschancen auch extrem kleiner Frühgeborener mit unter 1000 Gramm Geburtsgewicht enorm". </p><p>Auf der anderen Seite konstatiert Imhof:<br />
<blockquote> Diese eindrucksvollen Verbesserungen der Überlebenschancen werden auf der anderen Seite erkauft durch einen beträchtlichen Prozentsatz an verbleibenden körperlichen und geistigen Behinderungen. Jedes vierte Kind mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm entwickelt im Laufe der nächsten Monate und Jahre eine so genannte Zerebralparese (kindlicher Hirnschaden) und Kinder mit einem extrem niedrigen Geburtsgewicht von weniger als 1000 Gramm leiden oft an Fehlbildungen des Herz-, Lungen- und Bronchialsystems, an Hirnblutungen oder auch an speziellen Augenerkrankungen und häufig zeigen sich später verminderte kognitive Fähigkeiten sowie Lern- und Schulschwierigkeiten.</blockquote><br />
Angesichts eines solchen Lebensschicksals stellt sich, so Imhof die "hoch emotionale Sinnfrage ... vor allem auch angesichts der dem Kind zugemuteten Leiden - Leiden in Gestalt der Torturen der Intensivmaschinerie, der oft zahlreichen korrigierenden operativen Eingriffe und die lebenslangen Behinderungen."</p>

<blockquote class="right">Wer fragt das Kind?</blockquote>"Wer fragt das Kind?" so fragt Michael Imhof. Gut, dass Imhof diese Frage stellt, auch wenn er sie, wie die Sinnfrage, natürlich nicht beantworten kann. Er wendet sich an dieser Stelle im Text einem anderen Thema zu, er kommt zurück auf den <a href="http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/08/tod-zweier-kleinstkinder.php">Tod der drei Frühgeborenen</a> in Mainz, der der Anlass seines Textes ist. Denn: " In der immer komplexer werdenden modernen Medizin mit ihren zahlreichen Schnittstellen können schon kleine Unachtsamkeiten und Informationsdefizite verheerende Auswirkungen zeigen."

<p>Die weiteren Ausführungen Imhofs zu ökonomischen Zwängen im Krankenhaus, zu Konsequenzen aus Zeitdruck und Sparzwang sind richtig und wichtig, ich möchte aber bei der oben formulierten Frage bleiben, weil ich meine, dass eine Sinnfrage weder politisch noch ökonomisch beantwortet werden kann.</p>

<p><strong>Die Frage nach dem Sinn</strong></p>

<p>Eine solche Frage kann wahrscheinlich gar nicht beantwortet werden, aber sie muss gestellt und bedacht werden. "Wer fragt das Kind?" Die Antwort darauf scheint einfach: Niemand. Die Frage drängt uns jedoch den Vergleich mit anderen Lebenssituationen auf, in denen das Leiden so groß wird, dass der leidende Mensch und seine Mitmenschen sich die Sinnfrage stellen: Die Diskussion, ob und in welchem Umfang der Einzelne am Ende seines Lebens selbst bestimmen können soll, ob sein Leiden beendet wird, ist im vollen Gange. Hier setzen wir voraus, dass der Betroffene selbst eine Entscheidung treffen kann, dass er abwägen kann, sich beraten lassen kann, und dann zu einem Entschluss kommt, der für andere, für seine Nächsten genauso wie für die, die sein Leben verlängern können, akzeptabel ist.</p>

<p>Für ein neugeborenes Kind ist diese Entscheidung nicht möglich, und andere sind nicht befugt, über sein Leben zu entscheiden. Den Eltern ist eine solche Entscheidung nicht zuzumuten, zumal wir längst akzeptiert haben, dass Entscheidungen auf Argumenten zu beruhen haben, auf Fakten und stichhaltigen Prognosen: Und diese Argumente stehen am Beginn des Lebens eines Frühgeborenen niemandem zur Verfügung.<br />
Wenn ein Mensch zu leben begonnen hat, dann muss dieses Leben unter Aufbietung aller Kräfte, die menschenmöglich sind, erhalten werden. Darüber besteht ganz sicher Konsens - wir können nicht anders als diesem Imperativ zu gehorchen. Die Frage ist, ob diese Kräfte nicht zum Teil auf einer Täuschung basieren: Sie erhalten ein Leben, ja, aber was für ein Leben ist das? </p>

<p><strong>Die Kräfte verstärken</strong></p>

<p>Es scheint nur eine mögliche Antwort auf die Sinnfrage zu geben: Wir müssen unsere Kräfte eben verstärken. Wir haben - so scheint es - keine andere Wahl als den Weg des Fortschritts weiter zu gehen. Ob uns das je aus dem Dilemma herausführt, das Imhof bezeichnet, ist ungewiss.</p>

<p>Allerdings haben wir auf diesem Weg doch die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen. Worauf sollen wir uns konzentrieren? Sollen wir die "Entgrenzung" von der Imhof spricht, die Fähigkeit, Frühgeborene mit immer geringerem Geburtsgewicht, aus immer früheren Schwangerschaftswochen am Leben zu halten, weiter hinaustreiben. Oder sollen wir uns besser darauf konzentrieren, die Lebensqualität der Kinder zu erhöhen, über den Tag hinaus, an dem sie von den Schläuchen der Intensivstationen getrennt werden? Diese Wahl immerhin haben wir.</p>

<p><strong>Quantität oder Qualität</strong></p>

<p>Lebensqualität lässt sich nicht in Kennzahlen messen. Da lassen sich keine Erfolge feiern, wie bei Rekorden, die in messbaren Zahlen Grenzen immer weiter hinausschieben. Wie sehr jemand leidet, lässt sich nicht beziffern. Deshalb muss eine Entscheidung, die Kräfte des Fortschritts umzuleiten, mit einer Veränderung des Wertesystems einhergehen: Ein Wert ist nichts, was man an einem Messgerät ablesen kann, was man in Tabellen oder Diagramme eintragen kann. Ein Wert ist etwas, für den das Leben, wie es ist, sich lohnt.</p>
     <hr />

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            <link>http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/09/gedanken-uber-leiden-und-sinn.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">ethik</category>
            
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            <pubDate>Wed, 01 Sep 2010 10:38:17 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Okklusion im Radar: Ein Lehrbuchbeispiel</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Auch wenn mancher, der im Moment irgendwo in Deutschland im wahrsten Sinne des Wortes "im Regen steht" meine Begeisterung nicht nachvollziehen kann: Ein Blick auf das aktuelle Regenradar lohnt sich: Dort sieht man über Deutschland die wunderschöne Spiralförmige Verwirbelung einer Okklusion.</p><p><span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="radar.jpg" src="http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/upload/radar.jpg" width="524" height="465" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span><br />
Das Bild findet man auf <a href="http://www.wetteronline.de">www.wetteronline.de</a> - besonders schön ist dort im Moment auch der Radar-Bild-Film.</p>

<p>Eine Okklusion entsteht, wenn sich durch die Verwirbelung im Zentrum des Tiefdruckgebietes Warmfront und Kaltfront überlagern. Auf dem Bild sieht man sehr schön den Okklusionspunkt östlich von München, das ist der Punkt, wo im Moment der Aufnahme Kaltfront und Warmfront zusammenstoßen. Die Okklusion verläuft von da aus über Prag, Dresden, Berlin, Schwerin, Kiel, Amsterdam, Bonn bis Erfurt. In Münster ist es trocken - weil wir hier alle mit dem Fahrrad unterwegs sind. Hier ungefähr, oder irgendwo zwischen Münster und Hannover, dürfte sich das Zentrum des Tiefdruckgebietes befinden.</p>

<p>Südlich von München sieht man am Bildrand auch noch den Warmsektor des Tiefs - begrenzt im Osten von der Warmfront und im Westen vom langgestreckten Band der Kaltfront, die von München aus Richtung West-Südwest verläuft.</p>
     <hr />

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            <link>http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/08/okklusion-im-radar-ein-lehrbuchbeispiel.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Umwelt</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Kaltfront</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Okklusion</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Tiefdruckgebiet</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Warmfront</category>
            
            <pubDate>Mon, 30 Aug 2010 09:17:25 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Die wichtigste Fußnote der Quantenmechanik</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Die schönsten Geschichten in der Wissenschaft beginnen mit einer Randnotiz. Bekanntlich hat Fermat am Rand eines Blattes die Notiz gemacht, dass er für seine berühmte Vermutung einen wunderbaren Beweis gefunden hat, für den auf diesem Blatt aber leider nicht genug Platz sei. Ähnlich ist es mit einem Kernsatz der Quantenmechanik, der unter dem Namen "Born'sche Regel" bekannt geworden ist.</p>

<p>Die Arbeit aus dem Jahr 1926, in der Max Born diese berühmte Regel formuliert hat, trägt den Titel "Zur Quantenmechanik der Stoßvorgänge".</p><p>Die Stelle ist so schön, dass ich sie hier als Faximile wiedergeben möchte:<br />
<span class="mt-enclosure mt-enclosure-image" style="display: inline;"><img alt="born.JPG" src="http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/upload/born.JPG" width="542" height="163" class="mt-image-center" style="text-align: center; display: block; margin: 0 auto 20px;" /></span></p>

<p>Borns entscheidende Erkenntnis, dass die Wahrscheinlichkeit für ein quantenmechanisches Messereignis <i>dem Quadrat</i> der Schrödingerschen Wellenfunktion gleich ist, versteckt sich also im Originalaufsatz in einer Fußnote. Ist das nicht wunderbar?</p>

<p>Dass es das Quadrat der Wellenfunktion ist und nicht etwa einfach der Betrag der Wellenfunktion, hat weit reichende Konsequenzen, und sie reichen bis zu einem Experiment über das erst vor gut einem Monat in Science berichtet wurde. Das Experiment wurde 1994 von Rafael D. Sorkin <a href="http://arxiv.org/PS_cache/gr-qc/pdf/9401/9401003v2.pdf">beschrieben</a>, aber erst <a href="http://arxiv.org/ftp/arxiv/papers/1007/1007.4193.pdf">jetzt</a> ausgeführt.</p>

<p>Eine Wellenfunktion hat ihren Namen daher, dass sie die Ausbreitung von Wellen beschreibt, und Wellen zeigen, wenn sie aufeinandertreffen, Interferenz, sie verstärken sich oder löschen sich aus. Hat man eine einzelne Quelle und lässt die Welle, die von dieser Quelle ausgeht, auf ein Hindernis stoßen, das nur schmale Durchlässe hat, zeigen sich dahinter bestimmte Interferenzmuster. Sorkin hat gezeigt, dass es, wenn die Energie (oder quantenmechanisch die Wahrscheinlichkeit) für die Amplitude der resultierenden Welle <i>im Quadrat</i> anzusetzen ist, immer nur zur Interferenz <i>zweier</i> Wellen kommen kann, Interferenzen von drei oder mehr Wellen (die durch drei oder mehr Schlitze in der Wand zustande kommen) müssen sich immer auslöschen.</p>

<p>Die Idee, das zu prüfen, ist einfach, aber im Falle von quantenmechanischen Systemen schwer zu realisieren. Man nimmt eine Wand mit drei Schlitzen und deckt immer einen davon ab. Dann legt man die resultierenden Interferenzmuster übereinander. Ist die Born'sche Regel richtig, dann muss das Ergebnis dieser Addition genau mit dem Bild übereinstimmen das entsteht, wenn alle drei Spalte gleichzeitig offen sind. Hätte Born unrecht gehabt, dann müsste es im Falle, dass alle Schlitze geöffnet sind, zu zusätzlichen Interferenzen aller drei Wellen kommen.</p>

<p>Kurz gesagt: Die Durchführung des Experimentes, das Sorkin vor 16 Jahren entworfen hat, hat gezeigt, dass die Born'sche Regel wirklich richtig ist. es gibt keine Interferenzenen aus den Überlagerungen der Wellen aller drei Schlitze, es gibt nur Interferenzen aus den Wellen, die je von zwei Schlitzen ausgehen.</p>

<p>Das Experiment hat gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, ein quantenmechanisches Teilchen zu messen, tatsächlich dem Quadrat der Wellenfunktion gleich ist, die das System beschreibt. Damit wurde der mathematische Formalismus der Quantenmechanik eindrucksvoll experimentell bestätigt. Um Missverständnisse zu vermeiden sei noch angemerkt, dass dies allerdings keine besondere Bestätigung der Wahrscheinlichkeits-Interpretation der Quantenmechanik, die unter dem Namen "Kopenhagener Deutung" bekannt ist, gegenüber anderen Interpretationen wie z.B. der deBroglie/Bohm-Theorie ist. Letztere verwendet bekanntlich den gleichen mathematischen Formalismus wie die Kopenhagener, wurde also - wenn man so will - durch dieses Experiment ebenso bestätigt.</p>

<p><br />
Nachtrag: Dieser Text ist entstanden, weil ich vor <a href="http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/07/geht-ein-photon-durch-zwei-schlitze.php">ziemlich genau einem Monat </a>darum gebeten wurde, doch einmal darzustellen, wie ich selbst über das Drei-Spalt-Experiment schreiben würde. Durch meinen Urlaub war ich leider nicht mehr dazu gekommen und danach, so dachte ich, würde es vielleicht niemanden mehr interessieren. Aber ein verregneter Sonntag-Abend und die wunderbare Fußnote von Born brachten mich dazu, es doch zu versuchen.</p>
     <hr />

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            <link>http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/08/der-dritte-spalt.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Naturwissenschaften</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">born</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">bornsche regel</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">quantenmechanik</category>
            
            <pubDate>Sun, 29 Aug 2010 21:00:11 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Nachdenken über Sicherungsverwahrung</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Ich bin kein Jurist, und auch die Rechtsphilosophie ist nicht gerade mein Spezialgebiet. Die folgenden Überlegungen sind die eines Laien, der sich Gedanken über die Meldungen und Feuilleton-Beiträge zum Thema Sicherungsverwahrung macht.</p>

<p>Freiheitsentzug dient der Bestrafung eines Verbrechers, der Sühne einer Schuld. Dem Opfer soll durch die bestrafung des Täters gerechtigkeit wiederfahren. Die Dauer des Freiheitsentzuges muss durch die Schwere der Straftat gerechtfertigt sein. Es gibt natürlich kein objektives Maß, an dem man ablesen könnte, nach welcher Zeitdauer die Haft ausreichede Bestrafung für irgendeine Straftat ist.</p><p>Neben der Bestrafung soll der Freiheitsentzug auch dazu dienen, dass der Täter keine weiteren Straftaten verübt. Einerseits erscheint es möglich, dass Straftäter sich durch den gefängnisaufenthalt bessern: Da sie nicht wieder ins Gefängnis wollen, so die einfache Idee, werden sie in Zukunft nicht mehr straffällig. Durch Erziehung oder Therapie während der Haft sollen die Chancen, dass ein Mensch sich nach der Haftentlassung an die Normen und gesetze hält, erhöht werden.</p>

<p>Und dann gibt es da noch die einfache Idee, dass einer, solange er hinter Gittern sitzt, keine verbrechen begehen kann. Hier setzt die Idee der Sicherungsverwahrung an: Im Falle besonders schlimmer Verbrechen soll, wenn Experten zu der Ansicht kommen, dass der Gefangene nach der Entlassung wieder zum Täter wird, dieser trotz Straf-Verbüßung nicht wieder in Freiheit kommen.</p>

<p>In Deutschland geht es um 100 oder 200 Straftäter, für die diese Einschätzung gilt. Die Frage ist, ob das Recht dieser Menschen, eine Aussicht auf ein Leben in Freiheit zu haben, wenn sie ihre Strafe verbüßt haben, geringer zu werten ist als das Schutzbedürfnis der Gemeinschaft, wenn Psychologen zu dem Ergebnis gekommen sind, dass der Täter noch gefährlich ist.</p>

<p>Meine erste Idee war, dass es in einem Land wie Deutschland möglich sein müsste, eine so kleine Gruppe von Menschen so zu überwachen, dass das Leben für diese Personen erträglich ist und die Gmeinschaft trotzdem vor ihnen geschützt ist. kann man nicht eine Kolonie einrichten, irgendwo auf einer Insel? Kann man den paar hundert Menschen nicht ein paar hundert ständige Begleiter geben, die sie überwachen? Allgemeiner gesagt: Kann man keine Lösung finden, wo es sich doch um eine überschaubare Gruppe von Menschen handelt, die das Schutzbedürfnis aller mit dem Recht auf Freiheit auch für einen ehemaligen Verbrecher verbindet?</p>

<p>Allerdings ist eine solche Lösung immer ein Kompromis: In dem Maße, wie die Freiheit für den Täter wirklich zur Freiheit wird, wächst die Gefahr für seine Umwelt.</p>

<p>Es geht, daran muss man denken, um wirklich schwere Verbrechen, nicht einmal "einfach" um Mord, sondern um grausame Sexualverbrechen und ähnliches. Dann ergibt sich doch eigentlich die Frage, warum die Strafe für diese Verbrechen nicht ohnehin wirklich "lebenslänglich" lautet, und zwar lebenslänglich im ursprünglichen Wortsinn, eben bis zum Ende des Lebens.</p>

<p>Warum eigentlich wird das Verfahren nicht umgekehrt? Warum sagt man nicht: Die Strafe heißt Freiheitsentzug bis zum Lebensende, und nur im Falle, dass frühestens nach 20 oder 25 Jahren mit großer Sicherheit eine erneute Straftat ausgeschlossen werden kann, kommt eine Begnadigung in Frage?</p>
     <hr />

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            <link>http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/08/nachdenken-uber-sicherungsverwahrung.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Politik</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Sicherungsverwahrung</category>
            
            <pubDate>Sun, 29 Aug 2010 16:07:34 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Ausflugstipp: Das Heinz-Nixdorf-Museumsforum in Paderborn</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Ich gebe zu: Man kommt nicht mal eben zufällig in Paderborn vorbei. Aber wenn es jemanden - z.B. an einem verregneten Wochenende - nach Ostwestfalen verschlägt, dann kann ich einen Besuch des dortigen <a href="http://www.hnf.de/">Heinz-Nixdorf-Museumsforums</a> nur empfehlen.</p>

<p>Ich hatte gestern leider nur die Gelegenheit, an einer kurzen Führung teilzunehmen bevor ich vor einem überschaubaren aber interessieren Zuhörerkreis einen Vortrag über Physik und Technologie zu halten hatte. Aber der kleine Rundgang regte mich zum Wiederkommen und zum Weitererzählen an.</p><p>Besonders erwähnenswert finde ich die Funktionsmodelle der verschiedensten Rechenmaschinen, u.a. von Wilhelm Schickard und Blaise Pascal. Einfach toll, wenn man diese Geräte, von denen man irgendwann in der Schule und im Studium mal ein paar merkwürdige Abbildungen gesehen hat, nicht nur "hautnah" sehen kann, sondern sogar selbst an den Rädern drehen daf und beobachten kann, wie die Zahnräder das Addieren und Subtrahieren bewerkstelligen.</p>

<p>Originalgetreue Nachbauten gibt es von fast allen Rechenmaschinen der Geschichte, eine komplette Hollerith-Maschine genauso wie den Eniac (gut, von dem nur "ein Schrank" aber die Originalgröße ist auf dem Boden und im Raum sichtbar gemacht). Natürlich gibt es auch einen echten <a href="http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/06/konrad-zuse-zum-100.php">Zuse </a>(in dem Falle einen Z11) und sogar der Großrechner, an dem ich mein erstes PL/1-Programm laufen lassen durfte (ein ESER EC 1055) ist aufgebaut.</p>

<p>Damit kommen wir zur Abteilung Sentimentalitätstest. Natürlich hat man in Paderborn auch die kleinen Klassiker versammelt: den <a href="http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/07/25-jahre-commodore-amiga.php">Amiga</a>, den ZX81, den ersten Apple, alle sind da. Dazu eine Sammlung von 700 Taschenrechnern - da findet wohl jeder Über-Vierzigjährige sein erstes Modell.</p>

<p>Selbstverständlich hat das Museum auch einen großen Heinz-Nixdorf-Gedächtnis-Bereich, der aber auch gut gemacht wird und die typische Erfinder-Unternehmer-Persönlichkeit erklärt.</p>

<p>Was noch? Schreibmaschinen aller Generationen, Relaisstationen und sogar die Steuerungseinheit eines Lochstreifengesteuerten Webstuhls - die in Betrieb genommen werden kann. Emulationen von alten Computerspielen. Einen Nachmittag kann eine technikbegeisterte Familie sicherlich gut und gern in diesem Museum verbringen - ob Paderborn sonst irgendetwas zu bieten hat, womit man den restlichen Tag füllt, weiß ich leider nicht.</p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/08/ausflugstipp-das-heinznixdorfmuseumsforum-in-paderborn.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Technik</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">ausflug</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">computer</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Heinz nixdorf museum</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">museum</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">paderborn</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">technik</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">wochenende</category>
            
            <pubDate>Fri, 27 Aug 2010 12:59:03 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Die innere Struktur des Experimentalsystems </title>
            <description><![CDATA[
     <p>Im dritten Aufsatz des Buches "Experiment - Differenz - Schrift" geht Hans-Jörg Rheinberger den technologischen Bedingungen des epistemischen Dings nach. Einfacher gesagt: Er betrachtet die funktionale Struktur des Experimentalsystems, das er <a href="http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/07/experiment-differenz-schrift.php">zuvor im ersten Text</a> als "kleinste funktionelle Einheit, als die Arbeitseinheit des Wissenschaftlers" ausgemacht und dessen Rolle im Wissenschaftsprozess er <a href="http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/07/die-sichtbarkeit-der-spur.php">im zweiten Text</a> betrachtet hatte.</p><p>Funktional unterscheidet Rheinberger im Experimentalsystem das Wissenschaftsobjekt von den technologischen Objekten. Das Wissenschaftsobjekt, das ist das "epistemische Ding" der eigentliche Gegenstand der Forschung: "Was an einem solchen Objekt interessiert, ist gerade das, was noch nicht festgelegt ist." Demgegenüber bilden die technologischen Objekte eine Art Fassung, die das epistemische Ding halten, aber auch umschließen und durchdringen. Die technologischen Objekte sind nichts anderes als "hinreichend stabilisierte Wissenschaftsobjekte".</p>

<p>Man kann sich das an einfachen Beispielen veranschaulichen: Laser-Licht beispielsweise entsteht auf der Basis von stimulierter Emission von Licht. 1928 war diese stimulierte Emission das "epistemische Ding" das von Rudolf Ladenburg innerhalb eines Experimentalsystems untersucht wurde. Der Effekt konnte - wie jeder weiß - inzwischen sehr weit stabilisiert werden, Laserlicht gibt es heute zuverlässig "auf Knopfdruck". Der Effekt ist von einem "epistemischen Ding" zu einem "technologischen Objekt" geworden.</p>

<p>Die Grenze zwischen epistemischem Ding und technologischen Objekten ist im Experimentalsystem jedoch fließend. Letztlich handelt es sich ja um eine Gesamt-Anordnung, die ein bestimmtes Verhalten zeigt. Verändert sich dieses Verhalten durch die Variation der technologischen Teile auch überraschende Weise, dann kann das an den noch nicht geklärten Eigenschaften des epistemischen Dings genauso liegen wie an bisher unbekannten Eigenschaften der technologischen Teile, die erst in diesem neuen Zusammenhang auftauchen.</p>

<p>Rheinberger ist das bewusst. Er fragt selbst, ob die Trennung von epistemischem Ding und technologischem Objekt für die Beschreibung von Experimentalsystemen überhaupt sinnvoll ist. Seine Antwort lautet, dass "wir sonst nicht in der Lage sind, das Spiel der Entstehung von Neuem auf dem epistemologischen Feld zu bezeichnen."</p>

<p>Damit hat er wohl Recht. Experimentelle Ergebnisse können wir nur beschreiben, indem wir unsere Beobachtungen so darstellen, dass aus der beherrschten Veränderung der Rahmenbedingungen, die durch die technologischen Objekte gesichert werden, Eigenschaften des eigentlichen Untersuchungsgegenstandes sichtbar werden.</p>

<p>Erst wenn es nicht gelingt, diesen Untersuchungsgegenstand immer klarer zu beschreiben und letztlich so zu stabilisieren, dass er selbst zu einem technologischen Ding werden kann, wird der Experimentator seine technologischen Objekte selbst wieder zum Gegenstand machen, er wird untersuchen, ob diese selbst noch unklares, nicht stabilisiertes Verhalten zeigen.</p>

<p>Von welcher Art ist das "Wissen", das in solchen Experimentalsystemen gefunden wird. "Wissen" heißt "verstehen" im Falle des Experimentalsystems mit der notwendigen Folge, sich "auf etwas zu verstehen" nämlich auf die Benutzung eines technologischen Objektes. Epistemische Dinge sind immer so weit verstanden, wie sie im Experimentalsystem stabilisiert und somit selbst zu technologischen Objekten werden können.</p>

<p>Am Schluss noch einmal die Empfehlung:<br />
Das Buch ist zwar nicht bei Amazon und auch nicht bei buch.de erhältlich, aber man kann es direkt bei der <a href="http://www.basilisken-presse.de/index.php?type=det&id=242&kat=34&main_kat=&start=&nr=">Basilisken-Presse </a>für gerade einmal 11,-- € incl. Versand bestellen.</p>
     <hr />

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            <link>http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/08/die-innere-struktur-des-experimentalsystems.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Geistes- &amp; Sozialwissenschaften</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Experiment</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Hacking</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">wissenschaftsforschung</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">wissenschaftsphilosophie</category>
            
            <pubDate>Thu, 26 Aug 2010 11:48:54 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Mein Blut-Handy</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Wo kommen die Rohstoffe für unsere mobilen High-Tech-Geräte her? Gold, Wolfram, Zinn, Tantal stecken - in kleinsten aber wichtigen Mengen - in jedem Handy, in allen MP3-Playern. Und wohin verschwinden sie, wenn nach kurzer Zeit der technische Fortschritt dazu geführt hat, dass das Bedürfnis nach einem neuen, noch leistungsfähigeren Gerät übermächtig geworden ist?</p>

<p>Die Antwort heißt für beide Fragen: Afrika. Einem Artikel der Samstags-Ausgabe der FAZ, der nun auch <a href="http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc~E52081B8606DC4F619C9BC805BF41B0A1~ATpl~Ecommon~Scontent.html">online</a> verfügbar ist, habe ich entnommen, dass ein großer Teil veralteter Technik "auf riesigen afrikanischen Müllhalden, wo Kinder den Elektronikschrott nach Kupfer und Aluminium durchsuchen, bevor die Reste verbrannt werden und der giftige Qualm Menschen, Luft und Boden verseucht" landet. Und: "Knapp die Hälfte des weltweit für Elektrolytkondensatoren in Handys, Laptops, Fahrzeugelektronik, Digitalkameras und Pagern verbrauchten Tantals stammt aber weiterhin aus dem Osten Kongos, wie die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover angibt."</p><p>Ich schreibe diesen Text auf einem Notebook, daneben liegt ein Mobiltelefon, das noch kein Jahr alt ist, und wenn ich Auto fahre, das vollgestopft mit modernster Elektronik ist, höre ich aus dem iPod ein Hörbuch über Heidegger.</p>

<p>Ich weiß nicht, woher die teuren Rohstoffe stammen, die in diesen Geräten verarbeitet sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie unter grauenhaften Bedingungen produziert wurden, und dass mit den Gewinnen ein blutiger Bürgerkrieg finanziert wird, ist - wie ich nun weiß - hoch. Es gibt den Begriff der Blut-Diamanten. Schreibe ich an einem Blut-Notebook, telefoniere ich mit einem Blut-Handy?</p>

<p>Es gibt Menschen die meinen, dass man die Produkte eines Systems, welches man kritikwürdig findet, nicht nutzen sollte. Kritikwürdigkeit ist wohl für die Produktionsbedingungen im Osten des Kongo eine makabere Verniedlichung. Sollte ich mein Handy ausschalten, das Notebook zuklappen, bis ich ganz sicher weiß, dass an ihnen kein "Blut klebt"?</p>

<p>Oder soll ich nicht besser den Computer vor mir nutzen um mein Wissen, dass wir uns an unseren elektronischen Wunderwerken die Hände schmutzig machen, zu verbreiten? </p>

<p>Der Rohstoffreichtum Afrikas ist doch auch eine Chance für den "schwarzen Kontinent" - irgendwie muss es doch möglich sein, dass auch dort die Bodenschätze zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen beitragen. Voraussetzung dafür ist, dass die global verteilten Konsumenten, die letztlich mit preiswerten Handys und Notebooks von der Ausbeutung im Kongo profitieren, ihre Marktmacht nutzen. Und dazu müssen sie erst mal wissen, woher das Tantal im Handy kommt.</p>
     <hr />

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   ]]></description>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Technik</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Afrika</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Kongo</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Tantal</category>
            
            <pubDate>Tue, 24 Aug 2010 09:06:30 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Tod zweier Kleinstkinder</title>
            <description><![CDATA[
     <p>Die Medien melden seit Samstag Abend, dass an der Mainzer Uniklinik zwei Babys, beide noch kein Jahr alt, gestorben sind. Fast übereinstimmend wird formuliert, sie seien an Bakterien gestorben, mit denen die Infusionen verseucht gewesen seien, über die die Kinder ernährt worden waren.</p>

<p>Ist das richtig? In wie fern sind die Infusionen und die darin enthaltenen Bakterien ursächlich für den Tod der kleinen Patienten?</p><p>Die Kinder lagen auf der Intensivstation, weil sie schwere Herzfehler hatten. Sie mussten über Infusionen ernährt werden, d.h., offensichtlich war eine Ernährung über den normalen Weg des Stillens oder des "Flasche Gebens" nicht möglich.</p>

<p>Man muss sich vor Augen halten, dass diese Kinder ihr Leben offenbar überhaupt nur der Intensiv-Medizin, den Möglichkeiten der Hochleistungs-Technologie, die an so einer Uni-Klinik in Deutschland verfügbar ist, verdanken. Ein solches System jedoch ist ein hoch fragiles, komplexes System, das Eindringen von Bakterien in ein solches System zu verhindern ist zwar möglich, aber unglaublich kompliziert.</p>

<p>Bakterien umgeben uns in der Welt außerhalb der Intensivstationen von Kliniken überall. Der mehr oder weniger gesunde Körper auch eines Säuglings kann mit ihnen umgehen. Nur der geschwächte Körper eines Schwerkranken muss vor ihnen geschützt werden, das ist aber, aufgrund der Vielzahl von Schnittstellen zwischen der Zone der Intensivbehandlung und der Welt hier draußen, niemals hundertprozentig möglich.</p>

<p>Natürlich ist es nötig und richtig, jetzt nach der Stelle zu suchen, über die die Bakterien in die Infusionslösung kamen. Das wird das System noch sicherer machen. Aber es ist nicht richtig, von einem <a href="http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article9148042/Zwei-Kinder-tot-neun-Saeuglinge-ueberleben-die-Nacht.html">tödlichen Skandal</a> zu sprechen, so lange niemandem Fahrlässigkeit nachgewiesen worden ist. Die kleinen Kinder sind gestorben, weil sie schwer krank waren und ihr Körper nicht über die ganz gewöhnlichen Kräfte verfügte, die einen gesunden Säugling vor der tödlichen Wirkung von Bakterien schützen.</p>
     <hr />

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   ]]></description>
            <link>http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/08/tod-zweier-kleinstkinder.php</link>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Medizin</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Säuglingssterblichkeit</category>
            
            <pubDate>Mon, 23 Aug 2010 09:22:37 +0100</pubDate>
        </item>
        
   
        <item>
            <title>Schicksalsberg</title>
            <description><![CDATA[
     <p>In dem Faltblatt, das am Watzmannhaus für diejenigen ausliegt, die eine Überschreitung des Drei-Gipfel-Massivs planen, steht der Hinweis, dass diejenigen, die an der Mittelspitze bereits Probleme haben, besser umkehren sollten: Die anspruchsvolleren Passagen kommen erst noch, und den Watzmann habe man schon hier in der Tasche.</p>

<p>Die etwas laxe Formulierung soll darauf hinweisen, dass die Mittelspitze sozusagen der eigentliche Gipfel des Watzmann ist, sie überragt die Südspitze um genau einen Meter, und um, am Grat entlang, von dem einen zum anderen Gipfelkreuz zu kommen, muss der Bergsteiger u.a. ein Stück weit frei und ungesichert über der berühmten Ostwand klettern, wovon man später natürlich stolz berichten kann, was aber "nicht ganz ohne" ist.</p><p>Welche Worte kann man benutzen, um die Leistung zu beschreiben, die man da vollbracht hat? Soll man sagen, man habe "den Watzmann bezwungen"? Spätestens beim steilen und mühsamen Abstieg ins Wimbachgries verlässt einen das Bezwinger-Gefühl, und dass man hier den Berg noch lang nicht "in der Tasche" hat, sagt eigentlich auch schon das Faltblatt, das fordert, "bis zum letzten Moment konzentriert" zu sein. In der zehnten Stunde des Weges wird Konzentration jedoch für die meisten, die hier nunmehr eher stolpern als schreiten, schwer, und das Tal, in der die Hütte mit den Lagern steht, ist noch weit unten. Auf den Höhenmesser mag keiner mehr schauen. Warum eigentlich wollte man so hoch hinaus, wo man doch wusste, dass man wieder tief hinab zu steigen hat. Über Kletterstellen ist man nun froh, weil es hier schneller abwärts geht als in den Schotterhalden des Hangs.</p>

<p>Im Gastraum der Hütte, wo man noch zwei oder drei Biere trinkt (um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen), sind alle stolz, doch keiner spricht vom Bezwingen. Das wäre auch lächerlich, weil sie alle eher wie Bezwungene aussehen. Doch der Berg hat auch niemanden bezwungen oder besiegt. Dem Berg sind wir, wenn wir nun einmal unsere menschlichen Gefühle auf ihn projizieren wollen, einfach gleichgültig.</p>

<p>Das eben ist es vielleicht, was uns auf diesen Berg trieb: das er, während wir uns an ihm abmühen, einfach nur so daliegt, mit einem unmenschlichen Gleichmut, unbeeindruckt vom Leid und vom Schmerz - und auch vom Jubel. Man möchte ihn anschreien, warum der Steig hier nicht etwas breiter, der Stein, der Halt geben soll, nicht etwas fester ist. Warum er, wo man schon so erschöpft ist, ganz am Schluss nicht mehr als einen ausgetrockneten Sturzbach zum Abstieg bereithält. Man möchte ihm danken für den wunderbaren Blick zu den Hohen Tauern hinüber. Aber das ist alles Blödsinn - er hört ja nicht hin - es ist ihm gleich.</p>

<p>Auch dass das Klima sich wandelt (und dass es das tut, bemerkt man nirgends besser als in den Bergen), ist der Natur ganz gleich, und wenn wir das beklagen (auch das machen wir am Berg lauter als anderswo) tun wir das nur um unsertwillen. Durch den Rückgang der Gletscher werden Wege unpassierbar oder unerreichbar, die Steinschlaggefahr wächst. Der Untergrund wird unsicherer, Markierungen stürzen ins Tal, Pfade werden unsichtbar.</p>

<p>Das, was uns am Klimawandel zu schaffen macht, ist, dass unsere eigenen, künstlichen Spuren, die wir der Welt mühsam eingraviert haben um zurecht zu kommen, vernichtet werden. Deshalb ist es auch unsinnig, vom Klimaschutz oder vom Naturschutz zu sprechen. Klima und Natur verändern sich zwar, bleiben aber bestehen. Was fragil ist, sind unsere Einbauten, unsere Hilfsmittel, unsere Krücken. Und um die sorgen wir uns - ganz eigennützig - nicht um das Klima, und nicht um die Natur. Das wäre auch lächerlich.</p>

<p><br />
Nachtrag (30.08.2010)<br />
Die Meldung vom <a href="http://www.innsalzach24.de/bayern/18-jaehrige-watzmann-toedlich-verunglueckt-rosenheim24-892884.html">Tod einer 18jährigen</a> während der Watzmann-Überschreitung gibt dem Titel meines Textes und der darin enthaltenen Anspielung, die SingSing in seinem <a href="http://www.scienceblogs.de/arte-fakten/2010/08/schicksalsberg.php#comment136228">Kommentar weiter unten</a> aufgegriffen hat, etwas Makaberes. Das tut mir leid. Ich möchte aber die Gelegenheit nutzen und darauf hinweisen, dass Touren wie die Watzmann-Überschreitung sicherlich für erfahrene Bergsteiger eine einfache Sache sind, dass sie aber für viele andere eine Gefahr darstellen, die oft unterschätzt wird. Gerade wenn Menschen miteinander diskutieren, die sich gegenseitig gar nicht kennen, wie es im Internet üblicherweise der Fall ist, sollte man sich mit Einschätzungen wie "Das ist eine einfache Tour" zurückhalten.</p>
     <hr />

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   ]]></description>
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                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#category">Umwelt</category>
            
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">klimawandel</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Philosophieren</category>
            
                <category domain="http://www.sixapart.com/ns/types#tag">Urlaub</category>
            
            <pubDate>Thu, 19 Aug 2010 09:17:02 +0100</pubDate>
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