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	<title>Bestatterweblog Peter Wilhelm</title>
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	<description>Ratgeber Trauer und Bestattung - informativ und unterhaltsam</description>
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		<title>Der Irrtum des Vermieters II</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Apr 2026 11:45:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[irrtum]]></category>
		<category><![CDATA[vermieters]]></category>
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					<description><![CDATA[Frau Polenz hatte ja im Zuge der eintrudelnden Beileidsbriefe auch ein ziemlich unverschämtes Schreiben ihrer Vermieter bekommen, die offensichtlich die Hilflosigkeit der alten Frau ausnutzen und sie kurzerhand zugunsten eines<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/der-irrtum-des-vermieters-iii/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Frau Polenz hatte ja im Zuge der eintrudelnden Beileidsbriefe auch ein ziemlich unverschämtes Schreiben ihrer Vermieter bekommen, die offensichtlich die Hilflosigkeit der alten Frau ausnutzen und sie kurzerhand zugunsten eines Neffen vor die Tür setzen wollten.</p>
<p>Das Schlimme an der Sache: Frau Polenz ist obrigkeitshörig und hat Angst vor allem, was in schriftlicher Form kommt. So ein Schreiben, das hat Gewicht, das muss man befolgen, das ist quasi Gesetz und kommt gleich nach den Zehn Geboten.</p>
<p>Als Kaufmann konnte ich nur über den Brief lachen und Frau Polenz verstand mich gar nicht. Als ich ihr riet, sie solle sich doch bitte mit einem Anwalt oder dem Mieterverein beraten, zog sie den Kopf zwischen die Schultern und war der Meinung, das könne man doch nicht machen, das seien doch schließlich die Vermieter und denen gehöre doch das Haus.<br />
<span id="more-1943"></span><br />
Ich kenne aber Herrn Kaiser von der Versicherung, und das ist kein Witz, der heißt wirklich so, und er hat mir mal erzählt, dass es keinen einzigen Tag gibt, an dem er nicht wegen seines Namens auf den Herrn Kaiser von der Hamburg-Mannheimer angesprochen wird.<br />
Ja, und eben dieser Herr Kaiser, das weiß ich, ist nicht nur Finanzfachwirt mit Schwerpunkt Immobilienwesen, sondern seine Frau ist auch eine gute Anwältin für Miet-, Erb- und Familienrecht.<br />
Ich weiß nicht, ob es korrekt war, ihn einfach mal bei Frau Polenz vorbeizuschicken, aber ich habe es trotzdem gemacht.<br />
Frau Polenz war im ersten Moment wohl etwas überfordert und dachte, der Mann käme, um sie jetzt erst recht aus ihrer Wohnung zu setzen, aber Herr Kaiser ist sehr überzeugend und freundlich. Er hat sich dann den Brief der Vermieter durchgelesen, musste wie ich darüber lachen und konnte die alte Dame beruhigen. &#8222;Also mit so einer Kündigung kommen die nicht durch. Wenn ich mal ehrlich sagen soll, was ich davon halte, dann sage ich, dass die sich damit den Allerwertesten abwischen können.&#8220;</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/3b50359b6e9b426083bcf868fff4bac1" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/3b50359b6e9b426083bcf868fff4bac1" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
<p>&#8222;Ich muss also nicht raus?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nein.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, aber die werden mir doch das Leben jetzt zur Hölle machen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Das allerdings steht zu befürchten.&#8220;</p>
<p>&#8222;Also muss ich mir doch was anderes suchen, denn einen Nervenkrieg stehe ich nicht durch.&#8220;</p>
<p>&#8222;Bevor wir jetzt die Flinte ins Korn werfen, will ich mal mit den Vermietern reden.&#8220;</p>
<p>Ich weiß das alles, weil Herr Kaiser anschließend händereibend und grinsend bei mir im Büro saß. Es ist &#8211; zumindest mal für den Moment &#8211; alles in Ordnung und dazu ist es so gekommen:</p>
<p>Herr Kaiser hat mal bei den Vermietern geklingelt und sich mit denen auf ein Tässchen Kaffee hingesetzt. Eigentlich seien das ganz nette Leute, aber sie seien voll in ihrer Rolle als Besitzer verhaftet und hätten zunächst mal keinen Zweifel daran gelassen, dass sie glaubten, sie könnten mit ihrem Eigentum machen, was sie wollen.</p>
<p>Diesen Zahn konnte Herr Kaiser denen aber ziehen, denn &#8211; wie so oft in solchen Fällen &#8211; die beiden Alten hatten keine Ahnung von Mietrecht und bildeten sich tatsächlich ein, der Mietvertrag sei mehr oder weniger nur Formsache und es gelte sozusagen nur das allmächtige Wort des Vermieters.</p>
<p>Dass sie eventuell der Witwe unten jetzt den ganzen Umzug, Maklerkosten, Renovierungskosten, eventuell neue Möbel und Schadenersatz zahlen müssen, versetzte ihnen einen Schock. Als Herr Kaiser merkte, dass die Vermieter in der richtigen aufgeschreckten und aufgescheuchten Stimmungslage waren, setzte er noch eins obendrauf.<br />
Schließlich sei ja im Mietvertrag die Haltung von Hunden ausdrücklich erlaubt und Frau Polenz dürfe sogar Untermieter aufnehmen. Außerdem habe sie eine ganze Reihe von Enkeln und im ungünstigsten Falle, also wenn es so aussehen könnte, als ob man der Frau Schwierigkeiten machen wolle, wäre ohne Weiteres daran zu denken, dass sich Frau Polenz zunächst mal einen Hund anschaffe und dann alle ihre Enkel einziehen könnten. Im schönen großen Garten sei ja massig Platz für allerlei Spielgeräte und einen schönen großen, aufblasbaren Pool, da kämen dann sicher noch etliche andere Kinder zum Spielen.</p>
<p>Angeblich sei der Vermieter so blass geworden, dass Herr Kaiser schon beinahe ernsthafte Befürchtungen hinsichtlich seines Gesundheitszustandes gehabt habe. In jedem Fall sei man sofort und ganz energisch von allen Forderungen abgerückt und habe sich dann doch recht kurzfristig dahingehend erklärt, man sei ja eigentlich ganz froh, dass da so eine ruhige, nette, ältere Frau wohne, und dass man deswegen nochmals mit dem Neffen reden wolle.<br />
Jedenfalls könne Frau Polenz da wohnen bleiben, so sei das ja alles nicht gemeint gewesen.</p>
<p>Ich bin froh, dass es so gekommen ist, aber ich glaube nicht ernsthaft daran, dass es wirklich sehr lange wirkt. Vielmehr befürchte ich, dass der Neffe der Hausbesitzer denen wieder ins Gewissen reden und sie umzustimmen versuchen wird.<br />
Aber es ist vielleicht ein erster Etappensieg, der einen Zeitgewinn bedeutet.</p>
<p>Frau Polenz erzählt mir, die Vermieter haben jetzt ein zweizeiliges Schreiben abgegeben. Darin stehe sinngemäß:<br />
<code>Hiermit ziehen wir unsere Kündigung vom ... zurück.<br />
Wir hoffen auf ein weiterhin angenehmes und ruhiges Mietverhältnis.<br />
</code></p>
<p>Sie sei aber schon zu lange auf der Welt, meint Frau Polenz, um nicht zu wissen, dass das Ganze noch nicht vorüber ist.</p>
<p>&#8222;Warten Sie nur, bis der Neffe merkt, dass er die Wohnung nicht kriegt!&#8220; sagt sie und verdreht vielsagend ihre Augen: &#8222;Aber ich kenne ja jetzt den Herrn Kaiser und seine Frau ist ja bei Gericht.&#8220;</p>
<p>&#8222;Seine Frau ist Anwältin&#8220;, korrigiere ich, und Frau Polenz zeigt mit dem Zeigefinger nach oben: &#8222;Sie ist ganz was Hohes!&#8220;</p>
<p>&#8222;Anwältin.&#8220;</p>
<p>&#8222;Genau! Und zu der gehe ich dann mit dem Herrn Kaiser, wenn mir die Leute Schwierigkeiten machen. Aber trotzdem werde ich mal in aller Ruhe das Suchen anfangen. Wissen Sie, mir würde eine Wohnung ohne so einen großen Garten besser gefallen, am liebsten in einem größeren Haus, wo sich ein Hausmeister um alles kümmert. Mir wird das Kehren, das mit den Mülltonnen und die Gartenarbeit wirklich auf Dauer zu beschwerlich. Jetzt kommt ja noch die Grabpflege hinzu und man wird ja nicht jünger.&#8220;</p>
<p>Ich nicke nur und beschließe, noch einmal mit Herrn Kaiser zu sprechen. Vielleicht könnte es sinnvoll sein, wenn man die Umzugsbereitschaft der Frau Polenz dem Neffen mal signalisiert. Möglicherweise kommt am Ende eine für alle Beteiligten tragbare Lösung mit einem vernünftigen zeitlichen Ablauf und gewissen Vorteilen für Frau Polenz dabei heraus.</p>
<p>Erst wird geschossen, jetzt wird verhandelt.</p>
<p>©2008</p>
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		<title>Der Irrtum des Vermieters</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Apr 2026 07:10:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[irrtum]]></category>
		<category><![CDATA[vermieters]]></category>
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					<description><![CDATA[Herr und Frau Polenz bewohnen eine schöne, helle Dreizimmerwohnung in einem gepflegten Zweifamilienhaus. Sie wohnen unten, oben wohnen die Vermieter, ein etwa gleichaltriges Ehepaar von ebenfalls Ende Siebzig. So ganz<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/der-irrtum-des-vermieters/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Herr und Frau Polenz bewohnen eine schöne, helle Dreizimmerwohnung in einem gepflegten Zweifamilienhaus. Sie wohnen unten, oben wohnen die Vermieter, ein etwa gleichaltriges Ehepaar von ebenfalls Ende Siebzig.</p>
<p>So ganz richtig ist das, was ich oben schrieb, nicht, denn zumindest Herr Polenz ist am Montag umgezogen. Er nahm, wenn auch unfreiwillig, so doch aber widerspruchslos, unseren Personentransportservice der besonderen Art in Anspruch und ist in eine Kühlzelle auf dem Zentralfriedhof umgezogen.</p>
<p>Frau Polenz bereitet sich derzeit auf die am Donnerstag stattfindende Beerdigung vor und erhält in diesen Tagen weitaus mehr Post als sonst. Viele der Briefe haben schwarze Ränder, es sind Beileidsschreiben, zumeist von Nachbarn eingeworfen. Auch die Vermieter haben ihr geschrieben:</p>
<p>&#8222;Liebe Frau Polenz,</p>
<p>zum Tode Ihres Gatten teilen wir Ihnen unser Beileid mit.<br />
Da Sie nun alleine sind und die Wohnung zu groß für Sie ist, kündigen wir wegen des Todes Ihres Mannes die Wohnung an der Anschrift XYZ zum Ende des Monats November. Das Sie den Mietvertrag gemeinsam unterschrieben haben, ist der jetzt mit dem Tod ihres Mannes ungültig geworden. Dafür brauchen Sie auch für die restlichen drei Monate nur die Hälfte der Miete zu zahlen und wir behalten im Gegenzug die drei Monate Mietkaution ein.<br />
In den nächsten Tagen werden wir Sie einmal aufsuchen, um mit Ihnen zu besprechen, in welcher Farbe Sie die Abschlußrenovierung durchzuführen haben. Bitte vergessen Sie nicht, daß Sie gemäß Mietvertrag verpflichtet sind, Schönheitsreparaturen durch einen Fachbetrieb durchführen zu lassen und geben Sie uns bitte die Rechnung, damit wir die absetzen können.<br />
Meine Frau und ich sind der Meinung, daß Sie mit der Pflege des Gartens überfordert sind und deshalb haben wir unseren Neffen beauftragt, ab kommenden Montag die Pflege des von Ihnen mitgemieteten Gartens zu übernehmen. Die Kosten von 10 Euro/Stunde wollen Sie ihm bitte freundlicherweise jeweils in bar aushändigen.</p>
<p>Mein Neffe ist berechtigt Änderungen am Garten vorzunehmen und einen Teich auszuheben, weil er nach ihrem Auszug die Wohnung übernehmen wird.<br />
Falls Sie in ein Heim gehen sollten, sprechen Sie doch mal mit ihm ob er nicht ihre Möbel übernehmen will.</p>
<p>Wir danken für die 22 gemeinsamen Jahre unter einem Dach.</p>
<p>Mit freundlichem Gruß</p>
<p>A.&#8220;</p>
<p>Ich bin kein Jurist, aber eins weiß ich: Da irrt der Vermieter.</p>
<p>Und ich finde, es ist eine Unverschämtheit, so kurz nach dem Tod eines Menschen, seine Witwe mit solchen Dingen zu verwirren, zu verängstigen und zu belästigen.<br />
<br />
©2008</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/68ba0b4ff70c421a80120aa63c87cb1a" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/68ba0b4ff70c421a80120aa63c87cb1a" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Was ist ein Kondolenzbuch?</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/der-irrtum-des-vermieters-ii/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Apr 2026 00:01:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Branche/Kommune]]></category>
		<category><![CDATA[kondolenzbuch?]]></category>
		<category><![CDATA[kondolenzliste]]></category>
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					<description><![CDATA[Bei einer Trauerfeier kann der Bestatter ein sogenanntes Kondolenzbuch, auch Kondolenzliste, auslegen. Man sagt auch, dass das Kondolenzbuch aufliegt. Dafür muss man dann eine bestimmte Gebühr bezahlen. Manche Angehörige scheuen<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/der-irrtum-des-vermieters-ii/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Bei einer Trauerfeier kann der Bestatter ein sogenanntes Kondolenzbuch, auch Kondolenzliste, auslegen. Man sagt auch, dass das Kondolenzbuch aufliegt. Dafür muss man dann eine bestimmte Gebühr bezahlen. Manche Angehörige scheuen diese zusätzliche Aufgabe, dabei ist das Kondolenzbuch eine ganz wertvolle Sache.</p>
<p>Falls es von den Angehörigen gewünscht wird, legen wir bei der Trauerfeier ein Kondolenzbuch aus, in das sich die Trauergäste eintragen können. Manche Familien lehnen diesen Vorschlag zunächst ab, aber ich erkundige mich dann nach der erwarteten Zahl der Trauergäste, und wenn das mehr als ein Dutzend ist, rate ich zu einem solchen Buch. Das Hauptargument:</p>
<p>Sie werden am Tag der Trauerfeier keine Augen dafür haben, um zu sehen, wer alles gekommen ist. Selbst wenn Sie meinen, alle Leute zu kennen und sich später an sie zu erinnern, es wird Ihnen nur im ersten Moment gelingen, und nachher überlegen Sie hin und her, ob diese oder jene Person da war, wer welche Blumen gebracht hat und an welchem Blumengebinde welche Karte angebracht war.</p>
<p>Ein weiteres Argument für das Kondolenzbuch: Viele Trauergäste fühlen sich gedrängt, mehr zu machen, als nur dazusitzen und nachher ein Schäufelchen Erde ins Grab zu werfen. Ein Kondolenzbuch gibt ihnen wenigstens ein bißchen die Möglichkeit, sich einzubringen und mehr oder weniger ausführlich etwas aufzunotieren.</p>
<p>Bei kleineren Beerdigungen liegt das Buch auf einem Pult oder Tischchen und ein Schild weist darauf hin. Darauf könnte dann zum Beispiel stehen:</p>
<p><center><br />
<code>Kondolenzliste</code><br />
<code>für Herrn</code><br />
<code><strong>Gustav Schröppel</strong></code><br />
<code>Bitte tragen Sie sich ein!</code><br />
</center></p>
<p>Der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin, die die Trauerfeier betreut, wirft dann nur hin und wieder einen Blick auf das Pult, schaut, ob schon alle Kugelschreiber geklaut sind, blättert eventuell um und kümmert sich ansonsten um den Rest.<br />
Ist es hingegen eine größere Trauerfeier, dann steht eine Mitarbeiterin die ganze Zeit beim Kondolenzbuch, reicht den Leuten den Schreibstift usw.. </p>
<p>Vor allem muss sie Wichtigtuer davon abhalten, jetzt eine ganze Seite vollzuschreiben. Wenn da 40 oder gar doppelt so viele Leute vor dem Kondolenzbuch Schlange stehen, kann sich nicht einer alleine zehn Minuten dort verewigen oder Schillers &#8218;Glocke&#8216; komplett auswendig ins Buch schreiben.</p>
<p>In solchen Fällen wird dann gesagt: &#8222;Bitte reservieren Sie sich ihren Platz durch eine Unterschrift unten auf der Seite, ich passe auf, dass niemand sonst auf diese Seite schreibt. Wir sind auch nach der Trauerfeier noch da, dann haben sie etwas mehr Ruhe.&#8220;<br />
Manchmal sind die Leute dankbar für solche Hinweise, das galt zum Beispiel auch für einen bekannten Karikaturisten, der sich einen Comic aus 7 Bildern überlegt hatte und froh war, dass er das noch am nächsten Tag hineinzeichnen konnte.</p>
<p>Das Kondolenzbuch besteht zunächst nur aus einem halben Dutzend Doppelbögen, hat also 24 Seiten, die von einer Kordel im Buch gehalten werden, also bei Bedarf ergänzt oder verringert werden können. Vorne fügen wir später noch ein Vorsatzblatt mit dem Namen und den Lebensdaten des Verstorbenen hinzu.<br />
Weiter hinten fügen wir noch die Todesanzeigen aus der Zeitung ein, eine Kopie der Sterbeurkunde, eventuell gedruckte <a href="http://bestatterweblog.de/kaffeekartchen-und-sterbebildchen/" title="Sterbebild">Sterbebild</a>er, den Totenbrief und ein Protokoll der Trauerfeier.<br />
Dieses enthält Angaben über die Anzahl der Personen, die gespielten Musikstücke und die handelnden Personen.<br />
Es werden neben dem Pfarrer auch die Friedhofsleute und unsere Mitarbeiter sowie der Organist erwähnt.<br />
Außerdem bitten wir den Geistlichen bzw. den Trauerredner immer um eine Abschrift seiner Trauerrede und geben die dann in der Kondolenzmappe mit.<br />
Den Abschluss macht das Gebinde- und Schleifenprotokoll, in dem genau aufgelistet ist, welche Blumen gebracht oder geschickt worden sind und was auf den einzelnen Schleifen stand.<br />
Hinten haben die Mappen eine Innentasche, in die dann alle Umschläge hineinkommen, die im Rahmen der Feier abgegeben wurden oder die sich an den Kränzen und Gestecken befanden. Es wäre nicht das erste Mal, dass so ein Umschlag übersehen und nach Wochen mit dem Kranz auf den Kompost geworfen wurde. Deshalb nummerieren wir die Kränze auf der Liste durch und kennzeichnen die dazugehörenden Umschläge mit derselben Nummer.</p>
<p>Wurden Fotos von der Trauerfeier gewünscht, so kommen diese in ein schmales Album, das ebenfalls hinten in der Kondolenzmappe Platz findet.<br />
Oft geben uns die Trauerredner eine Abschrift ihrer Rede, und auch die kommt mit in diese Erinnerungsmappe. </p>
<p>Es kommt vor, dass die Angehörigen zunächst mit dieser Mappe gar nichts anfangen können, ihnen ist im Moment alles zu viel und sie sind auch damit einfach überfordert. Später aber hören wir nur dankbare Worte, wenn die Witwe oder der Witwer in einer ruhigen Stunde der Trauer das alles noch einmal nachlesen kann.</p>
<p><small>© 2008 (war falsch einsortiert)</small></p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/d72ed932ace94f64aac7b23d13a28360" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/d72ed932ace94f64aac7b23d13a28360" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Wird die Welt irgendwann zum Friedhof?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2026 09:01:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bemerkenswert]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Leser des Bestatterweblogs haben etwas im Scherz darüber spekuliert, wann die Erdoberfläche oder ein bestimmtes Land komplett von Gräbern bedeckt ist, wenn Gräber von bereits Verstorbenen nicht weggemacht werden.<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/wird-die-welt-irgendwann-zum-friedhof/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Leser des Bestatterweblogs haben etwas im Scherz darüber spekuliert, wann die Erdoberfläche oder ein bestimmtes Land komplett von Gräbern bedeckt ist, wenn Gräber von bereits Verstorbenen nicht weggemacht werden.</p>
<p>Die Vorstellung ist zunächst ebenso schlicht wie einleuchtend: Wenn Menschen sterben und beerdigt werden – und die Gräber auf manchen Friedhöfen nie aufgelöst werden –, dann müsste doch irgendwann alles voll sein. Besonders bei jüdischen Friedhöfen, auf denen Gräber traditionell auf Ewigkeit bestehen bleiben, scheint dieser Gedanke nahezuliegen.</p>
<p>Ein Leser brachte es sinngemäß auf den Punkt: Wenn das so weitergeht, müsste doch irgendwann ein ganzes Land – vielleicht sogar Israel – vollständig zum Friedhof geworden sein.</p>
<p>Das klingt logisch. Ist es aber nicht.</p>
<h2 id="eine-beeindruckende-zahl-117-milliarden-menschen">Eine beeindruckende Zahl: 117 Milliarden Menschen</h2>
<p>Schätzungen gehen davon aus, dass seit Anbeginn der Menschheit etwa 117 Milliarden Menschen gelebt haben. Das ist eine Zahl, die man sich kaum vorstellen kann. 117 Milliarden Individuen – geboren, gelebt, gestorben.</p>
<p>Und jetzt kommt der spannende Gedanke: Was wäre, wenn alle diese Menschen klassisch bestattet worden wären – also jeder ein Grab bekommen hätte? Wie viel Platz würde das eigentlich benötigen?</p>
<h2 id="wie-viel-platz-braucht-ein-grab">Wie viel Platz braucht ein Grab?</h2>
<p>Ein typisches Grab benötigt – inklusive etwas Abstand und Wegeanteil etwa 3 bis 5 Quadratmeter. Nehmen wir großzügig 4 Quadratmeter pro Mensch, um realistisch zu bleiben.</p>
<h2 id="die-grosse-rechnung">Die große Rechnung</h2>
<p>117 Milliarden Menschen × 4 Quadratmeter = 468 Milliarden Quadratmeter<br />
Das entspricht: 468.000 Quadratkilometern</p>
<h3 id="und-was-bedeutet-das-konkret">Und was bedeutet das konkret?</h3>
<p>Jetzt wird es interessant.</p>
<p><strong>Deutschland</strong>: Fläche: etwa 357.000 km²<br />
Alle jemals lebenden Menschen würden ungefähr 1,3-mal Deutschland bedecken.</p>
<p><strong>Israel</strong>: Fläche: etwa 22.000 km²<br />
Das wäre etwa das 21-fache der Fläche Israels.</p>
<p><strong>Die gesamte Landfläche der Erde:</strong> etwa 149 Millionen km²<br />
Die Gräber aller jemals lebenden Menschen würden also nur etwa: 0,3 % der Landfläche der Erde einnehmen.</p>
<p>Wohlgemerkt: Wir nehmen hier an, alle jemals auf der ganzen Welt gestorbenen Menschen würden auf einem Fleck auf einem riesigen Friedhof erdbestattet. </p>
<p>Selbst, wenn jeder Mensch der Geschichte ein eigenes ewiges Grab hätte, würde das weniger als ein halbes Prozent der Landfläche beanspruchen. Das ist verschwindend wenig.</p>
<h2 id="und-wann-waere-israel-mit-graebern-bedeckt">Und wann wäre Israel mit Gräbern bedeckt?</h2>
<p>Wenn man das einmal trocken durchrechnet, wird die Sache fast komisch.</p>
<p>Nehmen wir der Einfachheit halber an, Israel hätte dauerhaft rund 9,97 Millionen Einwohner und die Sterberate bliebe ungefähr bei 5,33 Todesfällen pro 1.000 Einwohner und Jahr. Das wären grob rund 53.000 neue Gräber pro Jahr. Israel hat eine Gesamtfläche von etwa 22.072 km².  ￼</p>
<p>Jetzt treiben wir das Gedankenspiel bewusst auf die Spitze und tun so, als würde wirklich jeder Verstorbene ein dauerhaft unangetastetes Grab erhalten, als gäbe es keine Feuerbestattung, keine Mehrfachbelegung, keine Friedhofswege, keine Häuser, keine Straßen, keine Wüsten, keine Landwirtschaft und als dürfte man das ganze Land lückenlos mit Gräbern pflastern. Wenn man pro Grab großzügig mit etwa 4 m² rechnet, dann ließen sich auf 22.072 km² ungefähr 5,5 Milliarden Gräber unterbringen. Teilt man das durch etwa 53.000 neue Gräber im Jahr, landet man bei ungefähr 104.000 Jahren.  ￼</p>
<p>Anders gesagt: Selbst in dieser völlig unrealistischen Extremrechnung müsste Israel erst einmal mehr als hundert Jahrtausende lang ununterbrochen Friedhof spielen, bevor wirklich die ganze Fläche voll wäre. Das ist keine Generationenfrage, das ist eine Größenordnung, bei der schon Mammuts müde nicken würden. Die Pointe ist also: Der Gedanke „Irgendwann wird ganz Israel zum Friedhof“ klingt auf dem Bierdeckel logisch, scheitert aber grandios an den Dimensionen.  ￼</p>
<p>Und die Rechnung war noch freundlich zum Untergangsszenario. Nimmt man statt der Gesamtfläche nur die offizielle Landfläche von 21.671 km², ändert sich am Befund praktisch nichts: Dann wären es immer noch grob 102.000 Jahre.  ￼</p>
<p>Der Witz an der Sache ist also: Ja, theoretisch wachsen Friedhöfe, wenn Gräber ewig bestehen bleiben. Aber nein, daraus folgt nicht, dass in absehbarer Zeit ein ganzes Land verschwindet. Wer sich davor sorgt, darf sich beruhigt zurücklehnen. Bis Israel komplett Friedhof ist, haben wir ganz andere Probleme – und vermutlich längst keine Debatten mehr über Ruhefristen.</p>
<h2 id="fazit-ein-schoenes-gedankenspiel-aber-eben-nur-das">Fazit: Ein schönes Gedankenspiel – aber eben nur das</h2>
<p>Die Vorstellung, dass ein Land wie Israel irgendwann vollständig von Friedhöfen bedeckt sein könnte, ist ein klassisches Beispiel für ein Gedankenspiel, das auf den ersten Blick logisch wirkt – und bei näherem Hinsehen völlig auseinanderfällt.</p>
<p>Denn unsere Rechnung beruht auf Annahmen, die mit der Realität nur sehr wenig zu tun haben. Wir tun so, als würde jeder Mensch ein dauerhaft unangetastetes Grab erhalten, als gäbe es keine alternativen Bestattungsformen, keine Wiederbelegung und keine Veränderungen im Umgang mit dem Tod.</p>
<p>Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus:</p>
<ul>
<li>In vielen Kulturen – und zunehmend auch in Europa – wird die <strong>Feuerbestattung</strong> bevorzugt. Sie benötigt deutlich weniger Platz.</li>
<li>In zahlreichen Ländern werden Gräber nach Ablauf einer gewissen Zeit <strong>neu belegt</strong>.</li>
<li>Und selbst dort, wo Gräber traditionell bestehen bleiben, gilt: <strong>Menschen sind keine statischen Objekte</strong>. Die sterblichen Überreste gehen im Laufe der Zeit in den natürlichen Kreislauf über.</li>
</ul>
<p>Mit anderen Worten: Ein Grab ist kein für alle Ewigkeit unveränderlicher „Flächenverbrauch“, sondern Teil eines dynamischen, kulturell geprägten Umgangs mit Vergänglichkeit.</p>
<p>Das eigentliche Missverständnis liegt darin, lineare Entwicklungen einfach unbegrenzt fortzuschreiben. Man nimmt an: „Jedes Jahr kommen Gräber dazu, also wächst das immer weiter.“ Doch dabei übersieht man, dass sich gesellschaftliche Praktiken, Bestattungsformen und auch der Umgang mit Flächen ständig verändern.</p>
<p>Oder etwas salopper gesagt:</p>
<p><strong>Die Welt wird nicht zum Friedhof – sie ist ein Kreislauf.</strong></p>
<p>Und genau deshalb bleibt unsere eingangs aufgestellte Rechnung das, was sie ist:</p>
<p><strong>eine interessante, lehrreiche und durchaus unterhaltsame Denksportaufgabe – aber eben kein realistisches Zukunftsszenario.</strong></p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg04.met.vgwort.de/na/c46fd682b782416496e3dce5e63a8b92" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/c46fd682b782416496e3dce5e63a8b92" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 16:34:39 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Susanne! Ach Mensch, was war ich damals verliebt in Susanne! Damals datete man sich noch nicht, sondern man ging miteinander, und One-Night-Stands gab es bei uns auch noch nicht, man<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/auf-einen-groben-klotz-gehoert-ein-grober-keil/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Susanne! Ach Mensch, was war ich damals verliebt in Susanne! Damals datete man sich noch nicht, sondern man ging miteinander, und One-Night-Stands gab es bei uns auch noch nicht, man tastete sich im wahrsten Sinne des Wortes heran.</p>
<p>Das schöne Mädchen hatte ich zu einer recht ungünstigen Zeit kennengelernt. Ich blubberte noch etwas unentschieden in der Berufsfindung herum, während sie schon eine Festanstellung bei einer Krankenkasse hatte. Außerdem machte sich der unterschiedliche Entwicklungs- und Vernunftzustand zwischen Jungen und Mädchen ziemlich bemerkbar. Mit anderen Worten: Ich war noch zu unreif für sie, und deshalb ging die Beziehung auch nach nur drei oder vier Monaten in die Brüche.</p>
<p>Ich habe dann mal gehört, Susanne sei mit einem griechischen Olivenbauern in seine Heimat gezogen, aber das stimmte nicht. Viel später erfuhr ich nämlich, dass sie den Sohn eines bekannten Autohändlers in unserer Stadt geheiratet hatte und in sehr guten Verhältnissen lebte.</p>
<p>Und genau dieser Sohn stand eines Tages bei mir im Bestattungshaus, um seinen Vater, den Chef des Autohandels Oberländer, bestatten zu lassen. Ob er von meiner ehemaligen, kurzen Beziehung zu seiner heutigen Frau wusste, weiß ich nicht. Sein Verhalten könnte aber darauf schließen lassen, dass er es wohl wusste, und mir deshalb durch großspuriges Auftreten eins auswischen wollte.</p>
<p>&#8222;Bitte seien Sie nicht albern! Dieses ständige Erwähnen der Preise ist lästig und stellt uns in eine Reihe mit den Leuten, die sich eine anständige Beerdigung nicht leisten können.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ich möchte nur, dass alles transparent ist und es hinterher für niemanden eine böse Überraschung gibt.&#8220;</p>
<p>&#8222;Mein Großvater hat 1948 ganz von vorne angefangen. Erst nur Fahrräder verkauft und Nähmaschinen repariert, und dann in den Wirtschaftswunderjahren mit dem Handel von Mopeds angefangen. Mein Vater hat das Unternehmen dann mit Autos groß gemacht und heute haben wir das größte Autohaus in der Region. Meinen Sie wirklich, ich müsste auf den Cent schauen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Na gut, dann suchen Sie bitte weiter aus, was Sie haben möchten. Wir haben jetzt schon einiges ausgewählt, jetzt fehlt noch der Sarg.&#8220;</p>
<p>&#8222;Was haben Sie denn da im Angebot? Das, was hier steht, kommt alles nicht infrage. Das ist mir alles zu schmalbrüstig. Ich möchte etwas Größeres, mehr so wuchtig und vor allem dunkel.&#8220;</p>
<p>Ich schrieb schon mal über den Adenauer-Sarg. Jenes pompöse, üppig geschnitzte Teil aus dunkler Eiche, aus dem man heutzutage 24 moderne Wohnwände zimmern könnte. Den hat man als Bestatter nicht unbedingt zum Verkaufen, sondern zum Vorzeigen. Mit 12.000 Euro ist er absichtlich so hoch bepreist, dass ihn kein Normalsterblicher haben will. Statt Griffen hat der Sarg zwei lange Tragestangen aus Messing. Die Sargfüße sind im Stil von dicken Löwenpranken gestaltet, und die beiden Seiten ziert eine üppige Schnitzung des letzten Abendmahls von Leonardo da Vinci. Weshalb der Sargdesigner beschlossen hat, auf dem Deckel den Kölner Dom einzumeißeln, und das fast in Originalgröße, weiß kein Mensch.</p>
<p>Ich nehme an, da wollte die Sargfabrik einfach zeigen, was sie alles kann. Mein Fahrdienstleiter Manni hatte aber schon vor Jahren angekündigt, den doppelten Lohn für sich und seine Männer zu verlangen, wenn es um das Tragen dieses Geschosses gehen würde. Ursprünglich hatte mein Pietätwarenhändler mal 4.000 Euro dafür haben wollen, ich hatte aber beobachtet, dass der Preis im Verlaufe der Zeit immer weiter sank, weil ihn einfach keiner haben wollte. Als der Prügel nur noch 1.999 Euro kostete, habe ich ihn gekauft.</p>
<p>Herr Oberländer steht wenig später mit mir im Lager, wo Manni die Staubschutzdecke vom ausgelagerten Adenauer zieht.</p>
<p>Der Autohändler ist begeistert. &#8222;Ich wusste, dass ich mich auf Sie verlassen kann. Das ist genau das, was für meinen Vater angemessen ist. 1948 hat der Opa ja ganz klein angefangen und gefundene Nägel wieder geradegekloppt. Mein Vater hat dann die Autovertretung hinzugenommen, und heute haben wir das größte Autohaus in der Region.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ich weiß, ich habe vor 12 Jahren bei Ihrem Vater mal einen Gebrauchten gekauft.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wenn Sie wieder mal ein Auto benötigen, kommen Sie einfach vorbei, ich mach dann was am Preis für Sie.&#8220;</p>
<p>Ich bin gewillt, Herrn Oberländer natürlich nicht den vollen Preis zu berechnen. Das immer noch am Sarg hängende Preisschild diente ja, wie gesagt, eher zur Abschreckung. Aber dann meinte er: &#8222;Wissen Sie, unsereins hat ja gewisse Ansprüche. Leute, wie Sie werden das nicht verstehen, aber wenn man erst einmal in der ersten Klasse des Lebens angekommen ist, will man ungern wieder Holzklasse fahren.&#8220;</p>
<p>Der Autohausbesitzer wendet sich Manni zu, der die Staubschutzdecke wieder über den Sarg zieht. &#8222;Hier, mein Guter&#8220;, sagt er mit gönnerhaftem Unterton, und drückt Manni einen 20-Euro-Schein in die Hand: &#8222;Sie sehen aus, als ob Sie auch mal eine warme Mahlzeit vertragen könnten.&#8220;</p>
<p>Danach drückt mir der Mittvierziger seine Visitenkarte in die Hand. Eine schwarze Lackvisitenkarte mit goldener Schreibschrift. Mein erster Gedanke ist, dass das besser zum Betreiber einer Stripteasebar passen würde. Zu einer Bar hätte auch die fette, goldene und mit unzähligen Brillianten verzierte Rolex an seinem Handgelenk gepasst. Das Gold sieht etwas zu hellgelb aus, denke ich gerade, da sagt der Fatzke: &#8222;Aber, Sie wissen ja, mein Großvater hat 1948 das Autohaus Oberländer gegründet, mein Vater hat es groß gemacht, und wir stammen aus ganz kleinen Verhältnissen. Ich habe mir immer ein Herz für die Schwachen der Gesellschaft bewahrt. Wenn Sie auch mal reinschnuppern möchten, genügt ein Wort, dann stelle ich Ihnen einen Lamborghini vor die Tür. Oder wollen Sie lieber einen Bentley? Sie müssen es nur sagen, dann dürfen Sie gerne mal ein Stündchen damit herumfahren.&#8220;</p>
<p>Das ist der Moment, an dem ich beschließe, dass der Pinsel mir den vollen Preis für den Adenauer bezahlen muss. </p>
<p>Ich sage zu ihm: &#8222;Herr Oberländer, wie soll denn die Trauerfeier organisiert werden&#8230;&#8220;</p>
<p>&#8222;Da müssen Sie sich um nichts kümmern, das macht alles Kenny.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und wer bitte ist Kenny?&#8220;</p>
<p>&#8222;Sie kennen Kenny nicht?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nicht, dass ich wüsste.&#8220;</p>
<p>&#8222;Kenny ist Coiffeur.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ein Friseur? Und was soll der bei der Bestattung machen, den Toten frisieren?&#8220;</p>
<p>&#8222;Na, das müssten Sie dann schon übernehmen. Nein, Kenny ist in der Szene gut vernetzt und betätigt sich auch als Hochzeitsplaner.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und Sie meinen, ein Hochzeitsplaner könne auch die Organisation einer Trauerfeier übernehmen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Der hat die Konfirmation von Professor Weißglücks Tochter organisiert, ein Fest, von dem noch heute im ganzen Golf-Club gesprochen wird.&#8220;</p>
<p>&#8222;Aha.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und die Abschiednahme von den Behringers.&#8220;</p>
<p>&#8222;Also hat er bei den Behringers schon mal eine Trauerfeier organisiert?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nein, die sind auf Kreuzfahrt gegangen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Eine Trauerfeier ist etwas ganz Spezielles, da muss man viele Dinge berücksichtigen, die dem Normalbürger verborgen bleiben und an die man üblicherweise gar nicht denkt. Was halten Sie davon, wenn wir das übernehmen, und Ihren Kenny mit einbeziehen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Kommt gar nicht infrage! Kenny macht das, Punkt.&#8220;</p>
<p>Er hält mir sein Smartphone vor die Nase und ich schaue ihn fragend an. Dann klärt mich der Mann auf, dass er &#8218;bumpen&#8216; möchte. Man müsse nur die Handys aneinanderdrücken und schon wären Kennys Kontaktdaten auf meinem Telefon angekommen. Er bumpt, aber das klappt nicht.</p>
<p>Er schaut abschätzig auf mein iPhone und winkt ab. &#8222;Na ja, Ihr Ding wird das nicht können. Da wird Ihnen so ein Auftrag wie der von mir ja wirtschaftlich guttun. Vielleicht denken Sie ja über die Anschaffung eines zeitgemäßen Handys nach, das können Sie sich dann ja locker leisten.&#8220;</p>
<p>Die Luft anhaltend, um ihm nicht vor die Füße zu kotzen, sage ich so beherrscht wie es geht: &#8222;Ich könnte mir das doch eben aufschreiben&#8220;.</p>
<p>&#8222;Wie wollen Sie das denn machen, der hat über zwölf Social-Media-Kanäle und zig Adressen und so.&#8220;</p>
<p>Ich sage ihm, dass ich mir das später noch aufschreiben werde.<br />
Er fragt: &#8222;Fühlen Sie sich der Sache gewachsen?&#8220;</p>
<p>Ich schaue ihn fragend an und er meint: &#8222;Da kommen bestimmt 400 Trauergäste. Sie müssen da schon das ganz große Besteck auspacken. Stühle am Grab, Baldachine, damit niemand in der prallen Sonne sitzt, kleines Catering neben der Trauerhalle und natürlich Musik vom Feinsten, aber alles live, ist ja klar.&#8220;</p>
<p>&#8222;Nun, wir kriegen das schon hin. Es ist nicht das erste Mal, dass wir eine größere Trauerfeier organisieren. Ich frage mich aber, ob Ihr Kenny das hinkriegt.&#8220;</p>
<p>&#8222;Sehen Sie, und deshalb macht der Kenny das. Der kann groß, wo andere nur klein können. Ich verstehe ja, dass ein Kleingewerbe, wie Ihres, sich in erster Linie an den Normalbürger wendet und dass Sie den Umgang mit den oberen Zehntausend nicht so gewöhnt sind.&#8220;</p>
<p>So langsam erwacht in mir der unbändige Drang, dem gelackten Typen einfach ein paar in die Fresse zu hauen.<br />
Ich meine, ich gönne dem doch seinen Wohlstand, und ich gönne ihm seine Mitgliedschaften in exklusiven Clubs und Vereinen, ich gönne ihm einfach alles. Ich will das, was er hat, gar nicht haben. Außer vielleicht Susanne. Es ist nunmal so, dass die Menschen unterschiedlich viel Geld zur Verfügung haben. Schlimm finde ich es, wenn das Geld nicht reicht. Da muss ich immer helfen, ich kann nicht anders. Dieses Ende der Einkommensskala macht mir immer schon mehr Kopfzerbrechen, als das obere.<br />
Aber, wenn es einem doch finanziell gut geht, und man sich allerlei, meinetwegen auch Unnötiges leisten kann, dann muss man das doch nicht permanent so penetrant an die große Glocke hängen und alle anderen quasi als schmutzigen Pöbel hinstellen.</p>
<p>Als wir oben durch die Halle gehen, um ins Kaminzimmer zu gelangen, läuft uns Sandy über den Weg und grüßt höflich. Sie nimmt nicht weiter Notiz von Herrn Oberländer. Das passt ihm nicht, weshalb er einen hohen Pfiff zwischen den Zähnen ausstößt und &#8222;O lala!&#8220; ruft. Dann schnalzt er ein paar Mal mit der Zunge und dreht sich in übertriebener Manier nach der jungen Frau um.<br />
Ganz unvermittelt klatscht er mir mit der flachen Hand auf den Rücken, grinst und raunt mir zu: &#8222;Da geht doch was! Die steht auf mich! Das spür ich sofort. Was &#8217;ne scharfe Wanze! Und so was hier in einem Bestattungsinstitut. Wo haben Sie die bisher versteckt, Mann? Meine Güte, so ein geiles Teil würde den Beifahrersitz meines Bugatti schmücken, wie nichts sonst. Seien Sie ehrlich, da geht was, oder? Knick knack, Sie verstehen?&#8220; Er lacht meckernd. Vor lauter Begeisterung haben sich weiße Speichelflocken in seinen Mundwinkeln gebildet.</p>
<p>Es geht nicht anders, ich muss etwas zu ihm sagen. &#8222;Herr Oberländer, wir sind hier beisammen, um die Trauerfeierlichkeiten für Ihren werten Herrn Vater zu besprechen. Da finde ich Ihr Verhalten gelinde gesagt mehr als unangemessen. Ich möchte Sie bitten, sich zurückzuhalten, und sich ausschließlich auf das Geschäftliche zu konzentrieren.&#8220;</p>
<p>Ist mir egal, ob der jetzt beleidigt ist. Aber das ist er gar nicht. Er lacht nur und lässt sich im Kaminzimmer in den großen Chesterfield-Sessel fallen. &#8222;Ich versteh&#8216; schon, da wollen Sie sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen. Is&#8216; ja schon gut.&#8220;</p>
<p>Ich gehe mit ihm die restlichen Unterlagen durch und tue das, was ich immer tue: Ich rechne ihm auf den Cent genau aus, was er bis jetzt an Kosten verursacht hat. Es ist in erster Linie der Sarg, der da reinhaut, aber auch das riesige Familiengrab, das er für die ganze Oberländer-Sippe haben will, und die drei ebenfalls riesigen Zeitungsanzeigen sorgen dafür, dass über 20.000 Euro auf dem Zettel stehen. Und da hat Kenny der Coiffeur noch gar nicht mit seinem Wirken begonnen.</p>
<p>&#8222;Lassen Sie mal stecken, ich brauche keinen Kostenvoranschlag. Damit befasse ich mich nicht. Für diese Sachen ist im Hause Oberländer die Frau Sommer zuständig, die macht die Buchhaltung und alles Finanzielle. Wenn Sie Geld brauchen, gehen Sie einfach zu Frau Sommer, Geld spielt überhaupt keine Rolle.&#8220;</p>
<p>Antonia steckt den Kopf zur Tür herein und fragt, ob wir Kaffee und Gebäck haben möchten. Ich nicke ihr zu, Herr Oberländer schnippt mit den Fingern: &#8222;Für mich bitte mit einem Schuss von was Gutem.&#8220;</p>
<p>Wir haben aber nichts Gutes. Ich trinke ja keinen Alkohol und das einzige Hochprozentige, das es im ganzen Haus gibt, ist der Pinselreiniger im Abstellraum. Ich wünsche mir insgeheim, Antonia würde dem Lackaffen einen ordentlichen Schluck davon in seine Tasse tun.</p>
<p>Als Antonia dann ein Tablett hereinbringt, lehnt sich Oberländer grinsend in seinem Sessel zurück. Schweigend schaut er zu, wie meine pummelige Angestellte die Tassen und den Rest vor uns aufbaut.<br />
Ich habe schon viel über Antonia geschrieben. Sie ist übergewichtig, steckt sich unentwegt Essbares in den Mund, sie ist tollpatschig, oft begriffsstutzig, und sie gab schon viele Anlässe für Geschichten in diesem Weblog. Sieht man von den Geschichten ab, in denen ich ihr aus literarischen Gründen auch Tollpatschigkeiten völlig anderer Personen zugeschrieben habe, bleibt es aber unterm Strich dabei: Sie ist manchmal ein Trampeltier. Und dennoch: Sie ist mir von allen die allerliebste Mitarbeiterin. Loyal, ehrlich, fleißig und hochkompetent. Ein Blick in ihre großen Kuhaugen und ein Lächeln von ihr, und es geht mir gut. </p>
<p>Umso mehr trifft es mich, als Oberländer, nachdem Antonia glücklicherweise schon wieder draußen ist, sagt: &#8222;Da haben Sie aber eine gute Tat vollbracht, so einem Besen eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu geben. Aber es muss ja auch Arbeit für die Unästhetischen und Behinderten geben.&#8220;</p>
<p>&#8222;Jetzt machen Sie aber mal einen Punkt, Herr Oberländer! Was fällt Ihnen eigentlich ein, so über meine Mitarbeiter zu sprechen. Was erlauben Sie sich?! Sie sondern hier eine Unverschämtheit nach der anderen ab&#8230;&#8220;</p>
<p>&#8222;Immer ruhig mit den jungen Fischen! Ich misch mich nicht in Ihre Sachen ein. Sie werden schon wissen, was richtig ist. Meine Güte, jetzt haben Sie sich mal nicht so! Ich bin halt ein Lustiger. Man darf den Humor nicht verlieren, schon gar nicht in meinem Geschäft. Autos verkaufen sich nicht, wenn man ein bräsiges Gesicht macht. Nein, da gehört Humor dazu … und gesellschaftliche Verbindungen.&#8220;</p>
<p>Während ich ihn angepfiffen hatte, hatte ich unwillkürlich die Auftragsunterlagen von mir weggeschoben. Ich war bereit, ihm den ganzen Auftrag vor die Füße zu werfen. Auf den Verdienst kann ich verzichten. Soll er doch woanders hingehen!<br />
Aber er zückt seinen Kuli und unterschreibt schwungvoll und viel zu groß den Auftrag. &#8222;Ich sehe, wir verstehen uns, wir sind aus demselben Holz geschmiedet.“ Er lacht meckernd und laut, bis er husten muss.</p>
<p>Ich begleite ihn zur Tür und auf dem Weg reiche ich Frau Büser die Unterlagen über den kleinen Tresen. Oberländer nickt ihr nur kurz zu und draußen vor der Tür dreht er sich zu mir um. &#8222;Eine Verwandte von Ihnen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Wer?&#8220;</p>
<p>&#8222;Na, die Alte da vorne im Büro. Der sieht man ja schon ihre Demenz auf hundert Meter an. Die Augen so, wissen Sie, so das blöde Gucken, wenn die Augen so eng stehen. Ich kenn&#8216; mich da aus, wir haben mal einen Praktikanten gehabt, der ein Mongo war.&#8220;</p>
<p>Man kann sich nicht vorstellen, wie knapp der Blödmann einer Situation entgangen ist, in der ich meine Beherrschung verliere. Aber er geht schnell die Stufen hinunter, winkt über die Schulter, ruft: &#8222;Cheerio!&#8220; und ist um die Ecke verschwunden.</p>
<p>Kenny taucht schon am nächsten Tag bei uns im Bestattungshaus auf. Ich könnte jetzt ewig lang über einen schwulen Friseur und seine ebenso überdrehten, wie laienhaften Vorstellungen von der Organisation einer Trauerfeier berichten. Aber das, was Kenny da für eine Vorstellung abgeliefert hat, entspricht bis ins kleinste Detail dermaßen allen Klischees, dass mir das keiner abnehmen würde.<br />
Ehrlich!</p>
<p>Sagen wir es mal so: Der junge Mann mag vielleicht Hochzeiten organisieren können, was ja heute ein riesiges und viel zu teures Unterfangen geworden ist. Hätte ich ihn aber bei dieser Trauerfeier gewähren lassen, wäre es zu einem Fiasko gekommen. Es ist ausgerechnet Antonia, die den Coiffeur supernett findet, was er im Grunde auch wirklich ist, und die sich mit ihm hinsetzt, um alles in trockene Tücher zu bringen, wie man so sagt.<br />
Ich weiß nicht mehr genau, aber ich glaube, Antonia hatte schon mal was von Kenny und seinen Friseurkünsten gehört und fand ihn ganz toll.</p>
<p>Auf jeden Fall wickelten wir, dank Antonias Hilfe, gemeinsam mit Kenny tatsächlich eine der größten Beerdigungen der letzten Jahre ab. Der alte Oberländer war beliebt gewesen, großzügig und allgemein bekannt. Die 150 Plätze in der Friedhofshalle waren bis auf den letzten Platz gefüllt und draußen standen wenigstens nochmal 200 Personen.<br />
Alles war, wie der Großkotz-Oberländer-Sohn sich das gewünscht hatte: Stühle, Baldachine, künstlicher Rasen, Streublumen und Live-Musik. Nach der Zeremonie gab es am Grab noch Sekt und Canapés.</p>
<p>Kenny steht zwei Tage nach der Feier bei mir im Büro und möchte wissen, ob er seine Rechnung an uns oder direkt an Herrn Oberländer schicken soll.</p>
<p>Nun ist das ja so, dass wir generell anbieten, alles zu bündeln. Das heißt, wir gehen nicht nur für unsere Waren und Dienstleistungen in Vorleistung, sondern übernehmen auch die Zeitungsanzeige, die Blumendekoration, bis hin zu den städtischen Friedhofs- und Grabkosten und sogar dem Grabstein.</p>
<p>Der Kunde bekommt dann nicht ein Dutzend Rechnungen, sondern nur eine. Vor allem ältere Menschen schätzen das, und sie fühlen sich auch gut aufgehoben, weil die Gefahr, betrügerische Rechnungen zu bekommen, abgemildert wird.<br />
Aber in diesem Fall war mir das einfach zu teuer. Überall hatte ich als Rechnungsempfänger Herrn Oberländer angegeben. Wenn dem irgendwas nicht in den Kram passt, und der deshalb dann mit der Bezahlung der Rechnung herumzickt, will ich nicht auf zigtausend Euro Fremdkosten sitzenbleiben.</p>
<p>Ich frage Kenny, wie hoch denn seine Rechnung sein wird. Er winkt ab. &#8222;Das geht noch, ich hab&#8216; mit viel mehr gerechnet. So an die 33.000 Euro.&#8220;</p>
<p>Ich frage mich bis heute, wie diese Summe zustande gekommen ist. Sind es die gemieteten, schwarzen Limousinen gewesen? War es die Bewirtung der Trauergäste im Golfclub?<br />
Ich hätte zu gerne Kennys Rechnung gesehen.</p>
<p>Wenn ich so grob überschlage, hat Oberländer für die Beerdigung seines Vaters mit Sicherheit über 60.000 Euro hingelegt.<br />
Ich komme mir nach diesen Überlegungen auch nicht mehr schäbig vor, für den &#8222;Adenauer&#8220; den vollen Preis berechnet zu haben.</p>
<p>Nun sind es zwei Paar Schuhe, eine hohe Rechnung geschrieben und sein Geld dann auch erhalten zu haben.</p>
<p>Wir schicken die Rechnung meist so 14 Tage nach der Beerdigung raus. Wir hatten mal sechs Wochen abgewartet, das hat sich aber nicht bewährt. Denn dann hatten die Leute oft das Geld von der Rentenvorauszahlung und der Lebens- oder Sterbegeldversicherung einfach schon ausgegeben. Die Stadtverwaltung schickt ja ihre Rechnung so zeitig ab, dass die Witwe oft von der Beerdigung ihres Mannes nach Hause kommt, und die Rechnung dann schon im Briefkasten vorfindet.</p>
<p>Wann unsere Rechnung an Herrn Oberländer gegangen ist, weiß ich nicht mehr genau. Aber es sollten die üblichen 14 Tage gewesen sein.<br />
Am Ende des Monats schaue ich mir im Rechner die offenen Posten an. Die Rechnung von Oberländer ist auch nach über einem Monat noch nicht beglichen.<br />
Was macht man? Normalerweise schreiben Unternehmen dann diese Scheißbriefe, in denen es immer heißt: &#8222;Sicherlich ist es Ihrer Aufmerksamkeit entgangen&#8230;&#8220;<br />
Nein! Da ist nichts der Aufmerksamkeit entgangen. Ich behaupte, dass es nur bei einem Bruchteil der nicht bezahlten Rechnungen wirklich daran liegt, dass jemand irgendwas vergessen hat.<br />
Die Wahrheit ist doch, dass es einem in den meisten Fällen schade um das viele Geld ist, oder man die Kohle einfach nicht hat.</p>
<p>Im letzteren Fall, der mir viel lieber ist, genügt doch ein klärender Satz: &#8222;Ich hab mich übernommen. Ich hab nicht mit so viel gerechnet. Ich kann das nicht bezahlen. Ich weiß nicht, wo ich es hernehmen soll.&#8220;</p>
<p>Dann bieten wir Lösungen an: Ratenzahlung und, und, und&#8230;</p>
<p>Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, dass Frau Büser, unsere erste Dame im Büro, dann mal bei den Leuten anruft. So ein Anruf, bei dem man sich irgendwie erklären muss, ist ja unter Umständen viel unangenehmer als ein Brief, den man einfach auf einen Stapel legen kann. Ihr könnt mir glauben, Frau Büser hat da ein ungeheuer gutes Gespür. Von der rabiaten Eintreiberin bis zur lieben Tante, die jedem helfen möchte, hat sie alles drauf. Ihre Erfolgsquote liegt bei über 90 %.<br />
Das heißt: In den Fällen, in denen sie telefoniert hat, gehen die offenen Beträge in den nächsten Tagen zu 90 % ein. Wir müssen da dann auch keine Mahnung mehr verschicken.</p>
<p>Anders ist das im Fall Oberländer.<br />
Bei sechs oder sieben Anrufen wurde Frau Büser abgewimmelt, oder wie sie es zu nennen pflegt: Weggewimmelt.<br />
Zwei Mahnschreiben blieben unbeantwortet, davon das letzte mit Fristsetzung. Der nächste Schritt wäre gewesen, dass die Akte zu Ullrich &#038; Ullrich, unseren Anwälten, geht.</p>
<p>Aber ich bin sowieso in der Nähe und deshalb fahre ich beim Autohaus Oberländer einfach mal vorbei.<br />
Wobei das gelogen ist. Ich bin gar nicht wirklich in der Nähe, sondern in der Nähe des Autohauses gibt es eine Filiale eines bekannten amerikanischen Fast-Food-Restaurants, dessen Produkte ich gerne mag. Also erst zum Autoschalter, dann auf dem Parkplatz etwas Sauerei im Auto machen, und dann zu Oberländer.</p>
<p>Ich kann mich noch gut daran erinnern, als der Autohandel Oberländer aus einer Autowerkstatt mit davorliegendem Schotterplatz bestand. Bunte Fähnchengirlanden und mit weißer Farbe auf die Windschutzscheiben geschriebene Preise.<br />
Heute präsentiert sich das Unternehmen, das mehrere Filialen in der ganzen Region hat, an seinem Hauptsitz in einem Palast aus Glas und Stahl.<br />
Direkt im Eingangsbereich, vor einem Cabrio auf einer Drehscheibe hat man das Portrait des verstorbenen alten Oberländer aufgestellt. Es ist das Bild, das wir bei der Trauerfeier neben dem Sarg platziert hatten. Aus goldenen Klebebuchstaben hat man &#8222;IN MEMMORIUM&#8220; (sic!) an den unteren Rand geschrieben.<br />
Es riecht nach Reifengummi, Leder und ein bisschen nach Benzin. Ich entdecke Herrn Oberländer am anderen Ende des riesigen Verkaufsraums. Er steht mit einer jungen Autoverkäuferin einem Ehepaar in mittleren Jahren gegenüber und erklärt wohl gerade die Vorzüge eines unglaublich großen SUVs. Aus meiner Warte kann ich sehen, dass er seine rechte Hand auf den Hintern seiner Mitarbeiterin gelegt hat. Als er mich entdeckt, zieht er die Hand sofort weg und tut dann so, als habe er mich nicht gesehen.</p>
<p>Gleich zwei Verkäufer haben mich entdeckt und bewegen sich auf mich zu. Ein älterer mit Ölhaaren macht das Rennen, bleibt kurz vor mir stehen und begrüßt mich mit den Worten: &#8222;Da haben Sie sich ganz was Feines rausgesucht, den gibt es jetzt mit gratis Winterreifen im Angebot.&#8220; Dabei klopft er mit der flachen Hand auf die Motorhaube eines englischen Roadsters, neben dem ich zufällig stehe.<br />
Erstens würde ich dieses Fahrzeug ohne medizinisch-orthopädische Hilfe nicht entern oder gar verlassen können, und zweitens frage ich mich, wofür ein offenes Auto ohne Verdeck Winterreifen benötigt.</p>
<p>&#8222;Nein, ich bin gekommen, um mit Herrn Oberländer über etwas Geschäftliches zu sprechen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Oh, der ist in einem Kundengespräch. Das kann dauern.&#8220; Und mit gesenkter Stimme fügt der Ölhaarige hinzu: &#8222;Das ist Bully Pomerensky, Sie verstehen?&#8220;</p>
<p>Ich habe nicht die geringste Ahnung, wer Bully Pomerensky ist, aber der Verkäufer erklärt ungefragt: &#8222;Der aus der Serie, vom Fernsehen, der mit der Frau. Der war auch schon in Barbara Salesch.&#8220;</p>
<p>Kopfkino!<br />
Ich möchte wirklich nicht wissen, wer schon alles in Barb&#8230;.<br />
Lassen wir das.</p>
<p>&#8222;Um was geht es denn?&#8220;, fragt er nach. </p>
<p>&#8222;Ach, es geht nur um eine Rechnung, bei der noch was geklärt werden muss.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, dann ruf ich mal oben an, da kommt dann jemand.&#8220;</p>
<p>Und dann? Dann kommt Susanne die breite Treppe in der Mitte des Showrooms herunter. Meine Güte, die sieht immer noch so schön aus, wie vor 30 Jahren. Mein Herz klopft.<br />
Sie erkennt mich sofort, das sehe ich, aber statt eines Lächelns kommt da nur ein festzementierter, eisiger Gesichtsausdruck rüber.</p>
<p>&#8222;Hallo&#8220;, sage ich, „schön, Dich wiederzusehen!&#8220;<br />
Sie nickt nur und sagt dann mit einem sehr geschäftlich strengen Ton: &#8222;Ich hab schon gehört, dass Du jetzt so einen Bestattungsladen hast. Detlef hat mir schon davon erzählt, wie unverschämt Du warst. Mit uns, das ist so lange her, da hätte ich mit dem Abstand so vieler Jahre, etwas mehr Professionalität erwartet. Aber wie Du meinen Mann behandelt hast, das ist völlig indiskutabel.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wie bitte?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, Du bist arrogant, herablassend und sehr primitiv gewesen. Detlef hat mir alles gesagt, Wort für Wort. Du kannst Dich da drüben hinsetzen, da gibt es Kaffee aus dem Automaten. Detlef kommt dann zu Dir.&#8220;</p>
<p>Das war&#8217;s. Sie dreht sich um, sieht immer noch klasse aus, und geht weg.</p>
<p>Zwanzig Minuten dauert es, bis Oberländer sich endlich bequemt, zu mir zu kommen. Breitbeinig nimmt er auf dem Sessel gegenüber Platz, schüttelt seine Diamantenuhr unter der Manschette hervor und meint: &#8222;Viel Zeit hab ich nicht.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ich bin nur gekommen, um zu fragen, was denn der Bezahlung meiner Rechnung im Wege steht.&#8220;</p>
<p>&#8222;Das macht bei uns alles die Frau Sommer. Ich werd&#8216; der nachher gleich mal Bescheid sagen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wir haben jetzt schon lange genug gewartet. Es wäre gut, wenn Sie dafür sorgen, dass das in den nächsten zwei Tagen erledigt wird.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und wegen so einem Pipi-Betrag hetzen Sie mir Ihre Geldeintreiberin am Telefon auf den Hals? Wer war das überhaupt, die kleine fette Kackbratze oder die resolute Demenz-Oma? Ihre lächerliche kleine Rechnung wird bei unseren Tankquittungen und den Belegen für die Briefmarken liegen. Mit sowas reiße ich mich doch nicht persönlich &#8218;rum.&#8220;</p>
<p>&#8222;Jetzt reicht es mir! In meinen Augen sind Sie ein aufgeblasener Froppnik, ein dämlicher Puwelak und nichts weiter als ein arroganter Bobbel. Entweder, Sie zahlen das jetzt unverzüglich, oder wir graben Ihren Vater morgen Vormittag, wenn die großen Beerdigungen auf dem Friedhof in vollem Gang sind, einfach wieder aus. Den teuren Sarg hol&#8216; ich mir einfach wieder zurück. Sie haben das nämlich unterschrieben, dass gelieferte Waren bis zur vollständigen Bezahlung mein Eigentum bleiben.&#8220;</p>
<p>Mit diesen Worten lasse ich ihn sprachlos stehen und verlasse das Autohaus Oberländer.</p>
<p>Am nächsten Tag haben wir die Urnenbeisetzung von Frau Klemm. Eine kleine, uralte Oma, die bei uns eine Bestattungsvorsorge hatte, und die wegen der Beschwerlichkeiten des Alters aufs Sterben regelrecht gewartet hatte. Weil die alleinstehende Frau Klemm so lieb gewesen ist, sind Sandy und ich zum Friedhof gefahren, um der Beisetzung der Urne auf der Weidenwiese beizuwohnen.<br />
Sandy, der Friedhofsmitarbeiter Mehrmann und ich marschieren den breiten Hauptweg entlang. Sandy trägt Frau Klemms Urne und Herr Mehrmann hat einen Spaten dabei.</p>
<p>Wir sind vielleicht noch 100 Meter vom Weidenrasen entfernt, da springt Herr Oberländer zwischen zwei Grabsteinen hervor. &#8222;Sie machen das jetzt nicht wirklich, oder?&#8220;</p>
<p>Beinahe hätte Sandy Frau Klemm fallen lassen. Ich nehme dem verdutzten Herrn Mehrmann den Spaten weg und sage bloß: &#8222;Wetten?&#8220;</p>
<p>Oberländer stellt sich mir in den Weg. Er ist einen Kopf kleiner, aber ich denke, er könnte mich umhauen. Aber er jammert nur: &#8222;Diese Schande! Wenn das einer sieht! Wo tun Sie meinen Vater denn hin, wenn Sie Ihren Sarg wieder mitgenommen haben?&#8220;</p>
<p>&#8222;Tja, das werden Sie dann schon sehen. Und alle anderen auch.&#8220;</p>
<p>&#8222;Hier, nehmen Sie das, und dann lassen Sie mich in Ruhe&#8220;, keucht mich Oberländer an und drückt mir einen Briefumschlag in die Hand. &#8222;Damit sind wir quitt. Sie brauchen nicht nachzuzählen, das stimmt auf den Euro genau.&#8220;</p>
<p>&#8222;Na denn, schönen Tag noch&#8220;, sage ich, nicke den anderen zu und wir gehen weiter, um endlich Frau Klemm in der Weidenwiese unterzubringen.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg04.met.vgwort.de/na/76a7f9b7731742a48694c3406aab4c11" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/76a7f9b7731742a48694c3406aab4c11" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Motörhead und die Scheißnamen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Apr 2026 22:35:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[alternative Beerdigung Ablauf]]></category>
		<category><![CDATA[Beerdigung ohne Ansprache sinnvoll oder nicht]]></category>
		<category><![CDATA[Beerdigung ohne Rede]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter Erfahrungen]]></category>
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		<category><![CDATA[Erfahrungen Bestatter skurrile Fälle]]></category>
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		<category><![CDATA[Motörhead Beerdigung]]></category>
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		<category><![CDATA[Sandy]]></category>
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		<category><![CDATA[Trauerfeier Musik statt Rede]]></category>
		<category><![CDATA[Trauerfeier ohne Pastor]]></category>
		<category><![CDATA[Trauergäste verwirrt bei ungewöhnlicher Trauerfeier]]></category>
		<category><![CDATA[ungewöhnliche Bestattungen Beispiele]]></category>
		<category><![CDATA[ungewöhnliche Trauerfeier]]></category>
		<category><![CDATA[was passiert bei alternativen Trauerfeiern]]></category>
		<category><![CDATA[was tun wenn Trauerfeier nicht geplant ist]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;So&#8217;n komischen Pastor wollen wir aber nicht. Das ist ja wohl hoffentlich keine Pflicht, dass wir so&#8217;n Pfaffen nehmen, oder? Aber den Brüdern wär&#8217;s ja zuzutrauen: Erst geht man sein<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/motoerhead-und-die-scheissnamen/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;So&#8217;n komischen Pastor wollen wir aber nicht. Das ist ja wohl hoffentlich keine Pflicht, dass wir so&#8217;n Pfaffen nehmen, oder? Aber den Brüdern wär&#8217;s ja zuzutrauen: Erst geht man sein Leben lang nicht in die Kirche und dann halten die bei der Beerdigung die Hand auf. Wenn&#8217;s ums Geld geht, sind die ja immer schnell dabei, die von der Kinderschänderorganisation. Also nee, bitte ohne Pastor!&#8220;</p>
<p>Das hört man ja als Bestatter öfters mal. Aber ich finde immer, dass, wenn man schon keine Beziehung zu irgendeiner Institution hat, muss man deren Vertreter und Strukturen doch nicht so abwertend darstellen.</p>
<p>Ich stelle den Leuten die verschiedenen Möglichkeiten vor, wie man eine Trauerfeier gestalten kann, ohne einen Pastor zu bemühen.<br />
Nein, einen Trauerprediger wollen sie auch nicht. &#8222;Bloß nicht so&#8217;n Heini, der dann auf die Tränendrüse drückt. Die sind ja furchtbar. Die leiern da was runter, wo sie nur den Namen unseres Vaters in einen vorgefertigten Text einbauen, und dann wollen sie 700 Euro dafür. Kommt gar nicht infrage.&#8220;</p>
<p>Ja, was sie sich denn stattdessen vorstellen, frage ich, und nach kurzer Beratung kommen die beiden Geschwister mit ihren Ehegatten zu folgender Überlegung: &#8222;Wir machen das so: Der Vater hat gerne Musik gehört und wir stellen einen USB-Stick mit seinen Lieblingsliedern zusammen. Das wird so &#8217;ne halbe Stunde, alles von Motörhead, die hat er am liebsten gehört. Geredet werden soll gar nicht. Nur die Urne vorne, dann die Musik, und wenn die Musik rum ist, gehen alle nach Hause. Die Musik spielt unser Robin ab, sonst kostet das noch was extra.&#8220;</p>
<p>Ich bin skeptisch.<br />
Trauergäste sind an bestimmte Abläufe gewöhnt, und wenn dann alles ganz anders gemacht wird, sind sie verwirrt und wissen nicht, was sie machen sollen.</p>
<p>&#8222;Dann sage ich aber vor dem Abspielen der Musik, warum das so ist, und wie es dann weitergeht, okay?&#8220;, schlage ich vor.</p>
<p>&#8222;Ach was! Das macht doch die Musik von Motörhead kaputt. Das soll mit Wumms beginnen, ohne Gelaber. Und wenn die Musik fertig ist, gehen die alle.&#8220;</p>
<p>Der Tag der Trauerfeier ist gekommen. Es soll die Urne vorne in der Trauerhalle des Friedhofs auf einer kleinen Säule stehen, daneben ein Foto des Verstorbenen.<br />
Die Asche soll später sehr kostengünstig in der Tschechischen Republik anonym beigesetzt werden.</p>
<p>Sandy hat die Urnensäule schön geschmückt und für die Angehörigen Platzkärtchen auf die Stühle in der ersten Reihe gelegt.<br />
Das kluge Mädchen hat auch an eine Kabeltrommel gedacht, damit der angekündigte Robin seine Musikanlage anstöpseln kann.</p>
<p>Es kommen erschreckend viele Leute, was wohl auch daran liegt, dass der Verstorbene noch nicht so alt und Mitglied in mehreren Vereinen war.<br />
Es rumpelt und hustet überall in der Trauerhalle, nur von Enkel Robin ist nichts zu sehen.</p>
<p>Die anderen Angehörigen sitzen entspannt in der ersten Reihe und schauen auf ihre Handys. Zu Sandy sage ich: &#8222;Geh&#8216; mal fragen, wann der kommt!&#8220; Aber sie muss gar nichts machen, denn in dem Moment kommt ein junger Mann mit einem Bollerwagen zur Tür herein. Aufgeladen hat er ein Riesentrum von Bluetooth-Box. Sandy hilft ihm beim Anschließen an den Strom und wenig später kann die Show beginnen. Motörhead rotzt fetzige Gitarren, Bässe und jede Menge Schlagzeug in die Trauerhalle.<br />
Das ist nicht meine Musik. Nein, das ist nicht meine Musik!</p>
<p>Und diese Meinung teilen ganz offensichtlich auch die Trauergäste. Viele schauen sich irritiert um, einige haben die Finger in den Ohren und manche schauen sehr gequält aus der Wäsche.<br />
Robin hat so richtig aufgedreht. Die Box spielt weitab ihrer technischen Möglichkeiten und es scheppert, bebt und donnert.</p>
<p>Nach zehn Minuten beginnen die Trauergäste, sich umzuschauen. Sie warten auf den Pastor, oder doch zumindest darauf, dass jetzt noch irgendwas passiert. Es passiert aber nichts, außer Motörhead.</p>
<p>Ich schaue Sandy an, doch die zuckt nur mit den Achseln. Das soll heißen: Die haben es so gewollt.</p>
<p>Der Friedhofswärter steckt mal kurz seinen Kopf zur Tür herein, kriegt ob der dröhnenden Motorköpfe einen Schrecken, und verschwindet schnell wieder in seinem grauen Zimmerchen, wo er darauf wartet, dass alles vorbei ist, damit er dann auf den Knopf für das dünne Totenglöckchen drücken kann.</p>
<p>Meine Fresse, wie lang sind denn bitteschön 30 Minuten? Ich schaue zum ipsezifftigsten Mal auf die Armbanduhr, aber irgendwie kommt es mir so vor, als ob der Sekundenzeiger sich in Zeitlupe bewegt.<br />
Unendlich lange Motörhead-Minuten vergehen.</p>
<p>Bitte versteht mich nicht falsch. Ich bin aus Liebe schon im Ballett gewesen, habe mir die Les Humphries-Singers, mongolischen Kehlkopfgesang und die Oper Lemberg live angehört.<br />
Aber es geht ja nicht um mich, es muss mir ja nicht gefallen. Aber 30 Minuten von dem Scheiß sind einfach zu viel.<br />
Nix gegen Motörhead. Um Himmels willen! Ein, zwei Stücke, aber doch nicht &#8217;ne halbe Stunde in voller Dröhnung. Denkt denn keiner an die Rentner im Publikum? Wie sollen die ihre Medikamente richtig einstellen, um das zu überstehen?</p>
<p>Was würde mir gefallen? Ach, irgendeine Mischung von schönen Liedern. Die Biene Maja von Karel Gott, irgendwas von Rammstein, das Steigerlied und die sieben Brücken von Karat. Keine Ahnung. Auf jeden Fall keine 30 Minuten dasselbe.</p>
<p>Endlich sind die 30 Minuten vorbei. Die Angehörigen weinen, Robin wickelt das Kabel auf. Die Leute bleiben sitzen. Das heißt: Bis auf einen. Ein kleiner Opa mit gelben Fingern hastet nach draußen und schmiedet sich einen Nikotindübel unter den Schnabel.</p>
<p>Die anderen warten darauf, dass noch etwas passiert. Sie schauen sich ratlos um und in ihren Gesichtern lese ich die Frage: &#8222;Kommt da noch was?&#8220; oder &#8222;War das jetzt schon alles?&#8220;</p>
<p>Wir warten noch etwas ab, aber alle bleiben sitzen.</p>
<p>Sandy geht dann einfach nach vorne und baut das Portrait ab. Sie trägt Bild und Staffelei zum Auto. Wir sind mit dem PKW da, für eine Urne brauchen wir ja keinen Leichenwagen.<br />
Ich muss sagen, dass sie recht hat. Irgendwann muss ja mal Schluss sein, und wir können jetzt nicht den ganzen Tag da warten, bis der Hunger die Leute nach Hause treibt.<br />
Also gehe ich mit Sandy nach vorne und nehme die Urne von der Säule. Sandy schnappt sich die Säule. Wir marschieren hintereinander zum Ausgang.<br />
Und wie ich mit der Urne in den Händen an den Sitzreihen vorbeigehe, stehen die Leute auf und folgen uns.</p>
<p>Schließlich ist es eine 50 Meter lange Schlange, die mir folgt. Ich drehe mich zu einem der Angehörigen um, der direkt hinter mir geht, und zische ihm zu: &#8222;Wir gehen nur zum Auto.&#8220;<br />
Er weint Tränen der Rührung und sagt: &#8222;Es ist so schön, wie Sie das machen, soooo schön.&#8220;</p>
<p>Im Kofferraum meines Kombis liegt so allerlei Familienkrempel. Außerdem ist da ein Pappkarton, in den ich dann die Urne stelle.<br />
Die Trauergemeinde hat einen doppelreihigen Halbkreis um das Heck meines Autos gebildet.<br />
Die erwarten, dass noch irgendwas passiert.</p>
<p>Also wende ich mich an die Leute, räuspere mich und erhebe die Stimme: &#8222;Nun geht Kurt Brömmer auf seine allerletzte Reise. Danke, dass Sie da waren.&#8220;<br />
Und während ich das sage, zieht Sandy an der Schnur, die ich angebracht habe, um die Heckklappe besser schließen zu können.<br />
Unter dem Gebimmel des toten Glöckchens schließt sich die Klappe.</p>
<p>Die Heckklappe ist zu und die Trauergäste schauen auf den Aufkleber an meiner Heckscheibe: &#8222;Keine Kinder mit Scheißnamen an Bord.&#8220;</p>
<p>Sandy und ich verbeugen uns noch einmal und steigen ein. Langsam fahren wir vom Hof.</p>
<p>Ob die Leute noch da stehen?</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg04.met.vgwort.de/na/969c70f86fed49348d38553a46a4763c" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/969c70f86fed49348d38553a46a4763c" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Schlangen auf dem Waldfriedhof: Können sie in Särge kriechen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 14:44:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frag doch den Undertaker]]></category>
		<category><![CDATA[Blindschleiche Friedhof]]></category>
		<category><![CDATA[Einfache Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Friedhof und Tierwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzotter Friedhof]]></category>
		<category><![CDATA[kriechen Schlangen in Särge]]></category>
		<category><![CDATA[Natur auf dem Friedhof]]></category>
		<category><![CDATA[Ringelnatter Friedhof]]></category>
		<category><![CDATA[Schlangen im Friedhof]]></category>
		<category><![CDATA[Schlangen im Grab]]></category>
		<category><![CDATA[Tiere auf dem Waldfriedhof]]></category>
		<category><![CDATA[Waldfriedhof Mannheim Gartenstadt]]></category>
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					<description><![CDATA[Auf einem Friedhof können einem viele Tiere begegnen. Oft sind es Kaninchen, zahlreiche Vogelarten und mitunter auch Füchse und Waschbären. Diesmal hat eine Familie eine &#8222;Schlange&#8220; gesehen. Wir haben das<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/schlangen-auf-dem-waldfriedhof-koennen-sie-in-saerge-kriechen/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Auf einem Friedhof können einem viele Tiere begegnen. Oft sind es Kaninchen, zahlreiche Vogelarten und mitunter auch Füchse und Waschbären. Diesmal hat eine Familie eine &#8222;Schlange&#8220; gesehen.</p>
<div class="frage-box">
<div class="message-container">
<p>Wir haben das Grab meines Vaters auf dem Waldfriedhof Mannheim-Gartenstadt besucht. Ich habe zwei Kinder, einen Bub von 6 und ein Mädchen von 4. Ich finde es wichtig, dass die Kinder auch mal rauskommen. Wenn wir auf den Friedhof gehen ist das eine gute Gelegenheit, weil ich ja dann dabei bin. So sind sie draußen und unter elterlicher Obhut. Perfekt! Nun haben wir an einem Baum eine Blindschleiche gesehen. Ich habe zuerst gedacht, das sei eine giftige Schlange aka Ringelnatter oder so was. Aber ein älterer Herr, der dort seine Frau begraben hat, hat uns gesagt, dass das eine Blindschleiche war und die sei noch nicht einmal giftig. Die Schlange ist auch schnell davongelaufen. Für die Kinder war das ein tolles Naturerlebnis. Ich habe sie trotzdem abends vorsichtshalber in die Badewanne gesteckt.</p>
<p>        Nun meine Frage, die ja naheliegt: Besteht die Gefahr, dass in einem Waldfriedhof Schlangen in die Särge der Verstorbenen kriechen und dort zum Beispiel überwintern oder Nester bauen? Könnte man das durch irgendwas verhindern?<br />
        Ihren Block finde ich super und freue mich über eine Antwort!
    </p>
</div>
</div>
<h2 id="wie-schoen-dass-du-deine-kinder-mitnimmst">Wie schön, dass du deine Kinder mitnimmst</h2>
<p>
    Friedhöfe – besonders Waldfriedhöfe – sind wunderbare Lernorte für Kinder: ruhig, naturnah und mit vielen kleinen Entdeckungen. Und: Du hast alles richtig gemacht. Eine Blindschleiche zu sehen, ist ein Glücksfall – sie ist harmlos und sorgt ganz sicher für spannende Gespräche beim Heimweg.
  </p>
<h2 id="was-ihr-gesehen-habt-blindschleiche-ringelnatter-kreuzotter-wer-ist-wer">Was ihr gesehen habt: Blindschleiche, Ringelnatter, Kreuzotter – wer ist wer?</h2>
<figure id="attachment_62447"  class="wp-caption alignnone" style="width: 800px;"><img fetchpriority="high" decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/schlangen_800x500.webp" alt="schlangen" width="800" height="500" class="size-full wp-image-62447" /><figcaption class="wp-caption-text">Oben links Kreuzotter, oben rechts: Ringelnatter, unten Blindschleiche</figcaption></figure>
<ul>
<li><b>Blindschleiche</b>: keine Schlange, sondern eine beinlose Eidechse. Ungiftig, scheu, nützlich (frisst u. a. Schnecken). Erkennt man oft an den beweglichen Augenlidern und der eher „satten“, metallischen Färbung.</li>
<li><b>Ringelnatter</b>: eine ungiftige Schlange, meist mit gelblichen Halbmondflecken hinter dem Kopf. Ebenfalls scheu, flüchtet schnell.</li>
<li><b>Kreuzotter</b>: giftig, in vielen Regionen selten; typisches Zickzackmuster. Sie meidet stark frequentierte Anlagen; Begegnungen auf Friedhöfen sind äußerst selten.</li>
</ul>
<div class="info-box2024">
<div class="info-box2024-title"></div>
<section>
<h2 id="welche-schlangen-kommen-in-sueddeutschland-vor">Welche Schlangen kommen in Süddeutschland vor?</h2>
<p>In Süddeutschland leben nur wenige Schlangenarten, und die meisten davon sind völlig harmlos. Die Vorstellung, dass man beim Spaziergang durch den Wald oder auf einem Friedhof auf gefährliche Giftschlangen stoßen könnte, ist unbegründet. Die heimischen Arten sind scheu und für den Menschen ungefährlich.</p>
<p>Die bekannteste Art ist die <b>Ringelnatter (Natrix natrix)</b>. Sie liebt feuchte Lebensräume wie Teiche, Bachufer und Waldränder und ist an ihren gelblichen Halbmondflecken hinter dem Kopf zu erkennen. Sie ist völlig ungiftig und flieht sofort, wenn sie sich gestört fühlt.</p>
<p>Die <b>Kreuzotter (Vipera berus)</b> ist die einzige Giftschlange Deutschlands. In Süddeutschland kommt sie vor allem in höheren Lagen vor, etwa im Schwarzwald, in der Rhön oder im Bayerischen Wald. Sie meidet belebte Orte und sonnige Friedhöfe. Ihr Gift ist für gesunde Erwachsene nicht lebensgefährlich, aber ein Biss sollte ärztlich behandelt werden.</p>
<p>Die <b>Schlingnatter (Coronella austriaca)</b> ist ebenfalls harmlos und wird oft mit der Kreuzotter verwechselt. Sie bevorzugt warme, trockene Hänge und lichte Wälder. Obwohl sie ähnlich aussieht, ist sie ungiftig und für den Menschen völlig ungefährlich.</p>
<p>Die <b>Äskulapnatter (Zamenis longissimus)</b> ist die größte heimische Schlange Deutschlands und kann über zwei Meter lang werden. Sie lebt nur in wenigen Regionen, etwa im Rheintal oder am Bodensee, und ist völlig harmlos. Sie gilt als Symboltier des griechischen Heilgottes Asklepios – also eher als Zeichen für Heilung und Leben.</p>
<p><b>Fazit:</b> Süddeutschland beherbergt nur wenige Schlangenarten, und Begegnungen mit ihnen sind selten. Wer eine Schlange sieht, sollte sich freuen – sie sind faszinierende, nützliche Tiere, die helfen, das ökologische Gleichgewicht zu bewahren. Auf Friedhöfen sind sie seltene Gäste, und wenn doch einmal eine auftaucht, ist das kein Grund zur Sorge, sondern ein Zeichen für eine gesunde Natur.</p>
</section>
</div>
<h2 id="koennen-schlangen-in-saerge-kriechen">Können Schlangen in Särge kriechen?</h2>
<p>
Kurz und klar: Nein, das können sie nicht. Weder Blindschleichen noch Ringelnattern oder Kreuzottern dringen in Särge ein. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.
</p>
<p>
Zum einen liegt ein Sarg in der Regel etwa 1,6 bis 2 Meter tief unter der Erde – eine Tiefe, die keine Schlange oder Blindschleiche jemals erreichen könnte, da diese Tiere keine langen Tunnel graben. Außerdem wird das Grab nach der Beisetzung vollständig mit Erde verfüllt und verdichtet. Der Boden ist anschließend so fest, durchwurzelt und schichtreich, dass er für Reptilien völlig ungeeignet ist, um sich hindurchzuwühlen.
</p>
<p>
Auch die Beschaffenheit des Sarges spielt eine Rolle: Er liegt fest geschlossen im Erdreich, und selbst wenn das Holz nach vielen Jahren verrottet, entsteht dadurch kein offener Hohlraum, der von Tieren bewohnt werden könnte. Schließlich widerspricht es auch dem natürlichen Verhalten dieser Tiere, in solche Tiefen zu gehen. Blindschleichen und Ringelnattern suchen sich flache Verstecke knapp unter der Oberfläche – etwa unter Laub, Totholz oder in kleinen Mäusegängen. Tiefe Nester oder eine Überwinterung in fast zwei Metern Tiefe kommen bei ihnen nicht vor.
</p>
<p>
Mit anderen Worten: Die Vorstellung, dass Schlangen oder Blindschleichen in einen Sarg kriechen, ist zwar ein spannender Gedanke, hat aber mit der Realität nichts zu tun.
</p>
<h2 id="ist-das-fuer-kinder-gefaehrlich">Ist das für Kinder gefährlich?</h2>
<p>Nein, in aller Regel überhaupt nicht. Schlangen, Blindschleichen und andere Reptilien sind scheue Tiere, die dem Menschen aus dem Weg gehen. Wenn sie gestört werden, fliehen sie meist sofort und suchen sich ein sicheres Versteck. Für Kinder ist eine Begegnung mit einer Blindschleiche oder Ringelnatter daher eher ein spannendes Naturerlebnis als ein Grund zur Sorge. Wichtig ist nur, dass man respektvoll mit den Tieren umgeht und ihnen ihren Raum lässt. Wer ein solches Tier sieht, sollte sich ruhig verhalten, sich nicht hastig bewegen und es nicht anfassen oder bedrängen. </p>
<p>Am besten bleibt man einfach stehen und beobachtet das Tier in Ruhe. So lassen sich spannende Verhaltensweisen entdecken, und die Tiere fühlen sich nicht bedroht. Näher heranzugehen ist nicht nötig – Schlangen und Blindschleichen sind ohnehin fluchtbereit, wenn man ihnen zu nahe kommt. Wer die Begegnung festhalten möchte, darf gerne ein Foto machen, aber bitte aus sicherer Entfernung. Mehrere Bilder aus der Distanz sind ideal, dann kann man später in Ruhe den schönsten Ausschnitt auswählen und vergrößern, ohne das Tier zu stören. </p>
<p>Wenn Kinder dabei sind, ist das eine tolle Gelegenheit, ihnen die Natur näherzubringen. Wichtig ist nur, dass sie lernen: Tiere in freier Wildbahn werden nicht bedrängt und nicht angefasst. Und wenn man den Tieren nur auf diese Weise begegnet, muss man auch  nach der Begegnung weder  die Hände waschen noch ein Desinfektionstuch benutzen oder die Kinder deswegen baden. Auch Hunde sollten auf dem Friedhof angeleint bleiben. So können alle gemeinsam sicher und entspannt ein faszinierendes Stück Natur erleben.</p>
<h2 id="muss-man-etwas-verhindern">Muss man etwas „verhindern“?</h2>
<p>
    Nein. Reptilien sind geschützte Wildtiere und nützliche Nachbarn. Waldfriedhöfe achten ohnehin auf Pflege, Wegeführung und Böschungssicherung. Es gibt keine sinnvolle Maßnahme, die „Schlangen im Sarg“ verhindern müsste – schlicht, weil dieses Szenario biologisch und praktisch nicht vorkommt.
  </p>
<h2 id="fazit">Fazit</h2>
<p>
    Ihr hattet ein <b>schönes Naturerlebnis</b> – und genau dafür sind Waldfriedhöfe auch da: für Ruhe, Erinnerung und Naturbeobachtung. Blindschleichen sind <b>keine Schlangen</b>, Ringelnattern sind <b>nicht giftig</b>, und <b>keines</b> dieser Tiere kriecht in Särge oder baut dort Nester. Ihr könnt also ganz entspannt weiter den Opa besuchen – und wer weiß, vielleicht seht ihr beim nächsten Mal wieder einen dieser scheuen „Waldbewohner“.
  </p>
<div class="einfache-sprache">
<h2 id="version-in-einfacher-sprache-koennen-schlangen-in-saerge-kriechen">Version in einfacher Sprache: Können Schlangen in Särge kriechen?</h2>
<details>
<summary>Schlangen in Särgen?</summary>
<p><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/vereinfachte-sprache.webp" alt="" width="150" height="141" class="alignnone size-full wp-image-61749" /></p>
<p>Eine Leserin hat mit ihren Kindern das Grab ihres Vaters auf dem Waldfriedhof besucht. Dabei haben sie eine Blindschleiche gesehen. Erst dachte sie, es wäre eine giftige Schlange, aber ein anderer Besucher erklärte ihr, dass Blindschleichen harmlos sind. Nun fragte sie sich, ob Schlangen vielleicht in die Särge der Verstorbenen kriechen könnten.</p>
<p>Blindschleichen sind keine Schlangen, sondern Eidechsen ohne Beine. Sie sind völlig ungefährlich. Auch Ringelnattern, die man manchmal im Wald sehen kann, sind nicht giftig. Nur Kreuzottern sind giftig, aber sie sind sehr selten und halten sich nicht dort auf, wo viele Menschen sind.</p>
<p>Nein, Schlangen können nicht in Särge kriechen. Ein Sarg liegt ungefähr zwei Meter tief in der Erde. Kein Tier kann so tief graben. Der Boden über dem Sarg ist fest und dicht, und der Sarg ist geschlossen. Außerdem suchen Schlangen und Blindschleichen nur flache Verstecke – zum Beispiel unter Laub oder Steinen. Sie leben nicht tief in der Erde.</p>
<p>Für Kinder besteht keine Gefahr. Die Tiere sind scheu und laufen schnell weg. Man sollte sie nicht anfassen, sondern einfach anschauen und sich freuen. Es gibt keinen Grund, Angst zu haben oder die Kinder extra zu baden.</p>
<p>Auf dem Waldfriedhof kann man viele Tiere beobachten – auch Blindschleichen oder Ringelnattern. Sie sind harmlos und gehören zur Natur. In Särge kriechen sie nicht. Ihr könnt also ganz entspannt weiter den Opa besuchen und euch über die Begegnung mit diesen stillen Waldbewohnern freuen.</p>
</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/06ef4855c5b246de8f1f4621d84af68e" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/06ef4855c5b246de8f1f4621d84af68e" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
</details>
</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Ulam-Ulam, ein Volk aus Afrika</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/ulam-ulam-ein-volk-aus-afrika/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2026 12:23:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[afrika]]></category>
		<category><![CDATA[ulam-ulam]]></category>
		<category><![CDATA[volk]]></category>
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					<description><![CDATA[Herr Weißhoff ist bei uns, um seine Schwester bestatten zu lassen. Natürlich ist Herr Weißhoff zu uns gekommen, sein Sohn hat uns empfohlen und der ist der Mathematiklehrer unseres Ältesten.<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/ulam-ulam-ein-volk-aus-afrika/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Herr Weißhoff ist bei uns, um seine Schwester bestatten zu lassen. Natürlich ist Herr Weißhoff zu uns gekommen, sein Sohn hat uns empfohlen und der ist der Mathematiklehrer unseres Ältesten.</p>
<p>&#8222;Nein, nicht nur mein Sohn ist Mathematiklehrer, auch ich war Mathematiklehrer und auch mein Vater war Mathematiklehrer. Wir sind alle Mathematiklehrer.&#8220;</p>
<p>In mir steigt die Magensäure hoch und ist dabei, die letzten drei Mahlzeiten in Richtung Kehlkopf zu transportieren. Ich muß tief durchatmen, um Herrn Weißhoff die übergroße Zuneigung, die ich Mathematiklehrern gegenüber an den Tag zu legen pflege, nicht in Form von rudimentär vorverdauten Opfergaben zu manifestieren.</p>
<p>Sind wir doch mal ehrlich, Mathematiklehrer, Hauptfeldwebel, Straßenbahnkontrolleure und Marcel Reich-Ranicki sind doch nur erfunden worden, um andere Leute zu quälen, oder?</p>
<p>&#8222;Die Mathematik&#8220;, doziert Herr Weißhoff, in unserem Ausstellungsraum herumstolzierend, &#8222;ist die Mutter aller Wissenschaften.&#8220; Keine andere Wissenschaft überhaupt komme ohne die Mathematik aus und nur wer rechnen könne, könne im Leben überhaupt bestehen.</p>
<p>Jaja, würg! Wie oft habe ich das schon hören müssen: Mathematik ist die Mutter aller Wissenschaften und Latein die Mutter aller Sprachen, jawoll.</p>
<p>&#8222;Nein wirklich! Schauen Sie hier&#8220;, er deutet auf eine Urne aus unserem Sortiment: &#8222;Wenn ich diesen Preis hier mit der Quadratwurzel von 23 multipliziere, kommt eine ganz lustige Zahlenfolge heraus. Na, wie ist es, können Sie mir sagen, welche?&#8220;</p>
<p>Nee, kann ich nicht, will ich nicht, mach ich nicht&#8230; Hallo, ich bin der Chef eines halbwegs gut gehenden Unternehmens und nähre mit meinem Betrieb ein paar Dutzend Leute, da werde ich wohl rechnen können, aber doch nicht so einen Scheiß, und schon gar nicht zum Spaß, und überhaupt: Wie krank muß man sein, um Zahlenfolgen &#8222;lustig&#8220; zu finden? Kichert da die Drei einer Acht was vor oder krümmt sich da ne Zwölf vor lauter Lachen?</p>
<p>&#8222;Oder hier, gucken Sie mal, diese Urne kostet genau 125,12 Euro und das ist die berühmte Pell-Folge.&#8220;</p>
<p>Ich kenne Pellkartoffeln, bin ich versucht zu sagen, nicke ihn aber nur höflich an, sagen kann ich nichts, sonst muß ich doch noch kotzen. Mathematiklehrer!</p>
<p>&#8222;Und hier dieser Sarg! Ja wenn das kein lustiger Zufall ist, der kostet genau 1.123,58 Euro&#8220;, sagt er, streichelt liebevoll über das Preisschild und sagt ehrfurchtsvoll: &#8222;Die Fibonacci-Reihe.&#8220;<br />
Ich beschließe insgeheim, meine Mitarbeiter zu treten. Normalerweise sollen die Beträge auf den Preisschildern glatt sein. Aber unser Fakturierungs- und Lagerverwaltungsprogramm kalkuliert centgenau und manchmal ist man im Büro zu sehr in Eile, die automatisch ausgeworfenen Preisschilder alle einzeln mit dem Etikettendrucker glatt neuzudrucken.</p>
<p>Ich nicke wieder nur höflich und endlich bequemt Herr Weißhoff sich, doch noch eine sinnvolle Auswahl zu treffen. Natürlich verschmäht er alle Produkte mit glatten Preisen und hat einen Riesenspaß, nur die Sachen auszusuchen, die einen &#8222;lustigen Preis&#8220; haben.<br />
Ist ja auch mal &#8217;ne Methode&#8230;</p>
<p>Zuerst hatte er vor einem Sarg gestanden, der ihn 1.200 Euro glatt gekostet hätte, doch dann entdeckt er einen aus Mahagoni, eines unserer Spitzenmodelle und schlägt vor Verzücken die Hände vors Gesicht: &#8222;Die Eulersche Zahl, ja isses denn möchlich!&#8220;</p>
<p>Der Sarg kostet 2.718,28 Euro und ich schreibe fleißig auf.</p>
<p>Herr Weißhoff hat weiterhin Spaß mit unseren Preisen.<br />
Er nimmt nicht die Urne für 125,12 Euro, was der Pell-Folge entsprechen soll, von der ich noch nie etwas gehört habe, sondern er bleibt ganz fasziniert vor unserer Aschengrotte stehen.<br />
Die Aschengrotte habe ich mal unserem Pietätwarenhändler im Anflug vorübergehender geistiger Umnachtung abgekauft. Es ist ein schwarzer Pott von unglaublichen Ausmaßen. Auf die Vorderseite hat der Künstler eine dicke Fratze modelliert, die einen Erzengel darstellen soll, mich aber irgendwie an den Glöckner Quasimodo erinnert. Den Deckel hat er als Krone ausgearbeitet und mit Goldbronze angestrichen und man kennt das ja, hat man erst mal Goldbronze auf dem Pinsel, dann findet man immer noch was, was man auch noch anmalen kann&#8230;</p>
<p>So ist aus dem Ungetüm, das eigentlich vorwiegend schwarz ist, eine schwarz-goldene Schrecklichkeit geworden, die mir in all den Jahren niemals jemand abgekauft hat. Irgendwann haben wir dem Teil mal einen utopisch hohen Preis gegeben und statt &#8222;Urne Erzengel&#8220; den Namen &#8222;Designurne Atlantis&#8220; verpasst. Irgendwann würde jemand kommen, der unbedingt von allem das Teuerste will und der würde sie dann kaufen.</p>
<p>Daß es aber ausgerechnet ein zahlenverrückter Mathematiklehrer sein würde, hätte ich nicht gedacht. Immerhin kostet der Bembel des Schreckens freche 1.303 Euro, für eine Urne eigentlich eine Unverschämtheit. Aber Herr Weißhoff steht ganz fasziniert vor dieser Aschengrotte und schaut erst mich und dann wieder die Urne an: &#8222;Na? Sehen sie es?&#8220;<br />
Ich sehe gar nichts, nur eine völlig überteuerte und häßliche Urne.<br />
Doch er sieht mehr und sagt mit einem feierlichen Unterton: &#8222;Die Conway-Konstante!&#8220;</p>
<p>Der spinnt, soviel steht fest.</p>
<p>Am Ende rechne ich zusammen und komme auf stolze 6154 Euro, glatt! Ob der Typ im Kopf mitgerechnet hat, ich habe so gut wie nie glatte Zahlen raus. Ich schreibe die Zahl auf das Auftragsformular und drehe es zu ihm um.<br />
Ich weiß, was kommen wird: Er wird die hohe Summe sehen, entrüstet sein und wir werden alles noch einmal durchgehen müssen, neu aussuchen müssen und schließlich wird er auf weniger als die Hälfte kommen. Denn das was er sich da ausgesucht hat, ist alles unwahrscheinlich teuer und die gleiche Bestattung kann ich auch für 3.000 machen und selbst das ist noch viel.</p>
<p>Er schaut auf die Summe, schluckt, bekommt glasige Augen und jetzt ist wohl der Moment gekommen, um zur Besinnung zu kommen. Doch er schüttelt fassungslos den Kopf und meint: &#8222;Eine der Ulam-Zahlen! Unfassbar, eine der Ulam-Zahlen!&#8220;</p>
<p>Dann unterschreibt er und ich grüble noch heute, was Ulam-Zahlen sind; kommen die aus Afrika vom Volke der Ulam-Ulam?</p>
<p>Sandy, meine Mitarbeiterin meint später dann zu mir, man könne jede beliebige Zahl nehmen und wenn man nur genügend Zahlenreihen kennt, findet man immer irgendeine übereinstimmung. Sie will mir das vorrechnen und ich rücke von ihr ab, so als ob sie die Krätze hat. Ih, die kann ja Mathe!!! Dabei find&#8216; ich die doch so toll.</p>
<p>©2007</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/28944078712f4282835392454675c1ce" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/28944078712f4282835392454675c1ce" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Roter Bestattungswagen</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/roter-bestattungswagen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Apr 2026 01:00:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frag doch den Undertaker]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatterwissen Fahrzeuge]]></category>
		<category><![CDATA[Bestattungsauto Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[bestattungswagen]]></category>
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		<category><![CDATA[Citroën DS Umbauten]]></category>
		<category><![CDATA[Citroën Leichenwagen]]></category>
		<category><![CDATA[Citroën Spezialtransporter]]></category>
		<category><![CDATA[Hollander Service de Presse]]></category>
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		<category><![CDATA[Leichenwagen Doppelachse]]></category>
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		<category><![CDATA[roter]]></category>
		<category><![CDATA[Tissier Fourgon]]></category>
		<category><![CDATA[ungewöhnliche Bestattungsfahrzeuge]]></category>
		<category><![CDATA[ungewöhnliche Fahrzeuge Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[warum Doppelachse Leichenwagen]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitungsbomber Citroën]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Frage nach einem ganz besonderen Bestattungsfahrzeug stellt Leser Lars: In einer Zeitschrift habe ich einen Citroën-Leichenwagen gesehen, ein wahnsinnig langes Teil, rot und mit einer Doppelachse hinten. Wozu die<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/roter-bestattungswagen/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Frage nach einem ganz besonderen Bestattungsfahrzeug stellt Leser Lars:</p>
<div class="info-box2024">
<div class="info-box2024-title"></div>
<p>In einer Zeitschrift habe ich einen Citroën-Leichenwagen gesehen, ein wahnsinnig langes Teil, rot und mit einer Doppelachse hinten. Wozu die Doppelachse? Sind die für extra schwere Leichen, oder was? Bitte antworte mir, Du kennst Dich da doch aus. Wozu braucht man so lange Leichenwagen? </p>
</div>
<p>Wofür man die benötigt? Für nichts!</p>
<p>Du hast recht, man könnte auf den ersten Blick meinen, das seien besondere Bestattungsautos. Sind sie aber nicht.</p>
<p>Bei diesen Fahrzeugen handelt es sich um Spezialtransporter für den Pressevertrieb.</p>
<p>Gebaut wurden sie von der Firma des Konstrukteurs Pierre Tissier, der Anfang der 1960er-Jahre im französischen Villeneuve-le-Roi eine kleine, aber äußerst kreative Automobilwerkstatt gründete.</p>
<p>Damals wurden Zeitungen und Zeitschriften noch überwiegend mit vergleichsweise langsamen Lastwagen transportiert. Tissier kam jedoch auf die ebenso einfache wie geniale Idee, den leistungsstarken und komfortablen Citroën DS zunächst zu einem schnellen Autotransporter und später zu einem Lieferwagen – dem sogenannten „Fourgon“ – umzubauen.</p>
<p>Der Frontantrieb der DS und vor allem ihre legendäre hydropneumatische Federung machten den „Déesse“ zu einer außergewöhnlich stabilen und komfortablen Basis. Durch die flache Bauweise ließ sich der Laderaum leicht beladen, und es konnten über zwei Tonnen Fracht aufgenommen werden.</p>
<p>Für den Umbau wurde die Karosserie kurzerhand hinter den Vordertüren abgetrennt und ein neuer, verlängerter Laderaum mit zwei zusätzlichen Achsen und kleinen 13-Zoll-Rädern angesetzt.</p>
<p>Diese Fahrzeuge wurden unter anderem von der Firma Hollander SA France eingesetzt, einem Kurierdienst, der hauptsächlich Zeitungen in den Norden Europas transportierte. Für diesen Einsatzzweck erwiesen sich die Wagen als ideale Arbeitstiere, sodass man gleich mehrere Exemplare bestellte. Mit einer Länge von rund 6,5 Metern waren sie beeindruckend groß.</p>
<p>Vor allem nachts rasten diese Fahrzeuge von Paris aus über die Autobahnen nach Norden und lieferten mit einer Nutzlast von bis zu 2.000 Kilogramm enorme Mengen an Zeitungen in erstaunlich kurzer Zeit in verschiedene europäische Städte. Die sogenannten „Zeitungsbomber“ waren schneller, flexibler und oft sogar effizienter als der Transport per Flugzeug.</p>
<p>Die Fahrzeuge wogen beladen über vier Tonnen und hatten einen entsprechend hohen Kraftstoffverbrauch. Deshalb waren sie serienmäßig mit drei Tanks ausgestattet, die zusammen rund 280 Liter fassten – genug für eine komplette Tour.</p>
<p>Die Fahrer standen unter erheblichem Zeitdruck: Was am Nachmittag in Paris gedruckt wurde, musste so rechtzeitig an die Großhändler in Nordeuropa geliefert werden, dass die Zeitungen am nächsten Morgen druckfrisch in den Bahnhofsbuchhandlungen auslagen.</p>
<p>Entsprechend legendär war auch ihr Fahrstil. Die Fahrer galten als kompromisslos schnell, und es hieß damals nicht ohne Grund, diese Fahrzeuge seien schneller als ein Flugzeug.</p>
<p>So sahen diese Fahrzeuge aus (hier die modernere Version auf Basis des CX):</p>
<p><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/kamalo_800x500-9_800x500.webp" alt="" width="800" height="500" class="alignnone size-full wp-image-62982" /></p>
<p>Tissier baute im Laufe der Zeit zahlreiche Spezialfahrzeuge. Besonders beliebt waren seine Plattformtransporter auf Basis des Citroën DS, die unter anderem in der Filmindustrie, bei Transportfirmen oder sogar für den Hubschraubertransport eingesetzt wurden. Auch Umbauten zu Ambulanzfahrzeugen existierten.</p>
<p>Von Bestattungsfahrzeugen auf dieser Basis ist mir persönlich nichts bekannt – wobei es durchaus sein kann, dass es vereinzelt Sonderanfertigungen gegeben hat.<br />
Aber dafür kenne ich mich nicht genug aus, da wissen andere bestimmt besser Bescheid.</p>
<p>Für den klassischen Einsatz als Leichenwagen sind diese Fahrzeuge jedoch eher ungeeignet. Dagegen sprechen vor allem ihre enorme Länge und das Fehlen von Seitenfenstern, die landläufig als typisches Merkmal eines Bestattungswagens gelten.</p>
<p><a href="https://camac.forumactif.fr/t3408p90-des-cx-tissier-bagageres" rel="noopener">https://camac.forumactif.fr/t3408p90-des-cx-tissier-bagageres</a></p>
<hr>
<p>Diesen Artikel habe ich schon 2007 geschrieben. Heute rief mich aber ein Bestatterweblog-Leser an, der so ein Fahrzeug als Fracht auf einem Autotransporter gesehen hat. Deshalb stelle ich den Artikel nochmal nach oben.</p>
<p>©2007</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg04.met.vgwort.de/na/2744b037a0d44aaabd73b7381ea05873" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/2744b037a0d44aaabd73b7381ea05873" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<item>
		<title>Ich möchte ein E kaufen</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/ich-mochte-ein-e-kaufen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Apr 2026 12:11:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Buchstaben]]></category>
		<category><![CDATA[Grabkreuz]]></category>
		<category><![CDATA[grabmal]]></category>
		<category><![CDATA[kaufen]]></category>
		<category><![CDATA[möchte]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://bestatterweblog.de/ich-mochte-ein-e-kaufen/</guid>

					<description><![CDATA[Wenn die Beerdigung erfolgt ist, muss sich das Grab erst setzen, bis dann eines Tages ein Grabstein aufgestellt werden kann. Sonst ist die Erde noch zu locker und der Stein<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/ich-mochte-ein-e-kaufen/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn die Beerdigung erfolgt ist, muss sich das Grab erst setzen, bis dann eines Tages ein Grabstein aufgestellt werden kann. Sonst ist die Erde noch zu locker und der Stein könnte umfallen. Außerdem braucht der Steinmetz immer eine Weile, bis der Stein fertig ist.</p>
<p>Ja, und dann gibt es natürlich auch viele Leute, die verständlicherweise nicht (sofort) das Geld für einen mehrere tausend Euro teuren Grabstein haben.</p>
<p>Bis dann irgendwann der richtige Grabstein gestellt wird, stellen die Bestatter Holzkreuze oder Holztafel mit dem Namen des Verstorbenen auf die Gräber. Was da genau genommen wird, ist von Friedhof zu Friedhof verschieden. Beim Pietätwarenhändler gibt es solche vorübergehenden Grabkreuze in zig-facher Ausführung. </p>
<p>Am weitesten verbreitet sind etwa 1 Meter hohe Kreuze mit einer rechteckigen Tafel vornedran. Für Menschen, die keine christlichen Symbole möchten, gibt es auch Pfähle mit Tafeln ohne Kreuz. Im dörflichen Bereich sind Kreuze mit kleinen Dächern drüber und aufwendiger gestaltete Sachen üblich.</p>
<p>Was für den vorübergehenden Einsatz gedacht ist, wird aber oft genug zur Dauerlösung. Entweder fehlt einfach das nötige Geld für den Grabstein oder die Familie will einfach nicht mehr.</p>
<p>Wir haben immer angeboten, das Grabkreuz in einem solchen Fall doppelt und dreifach zu lackieren, damit es länger hält. Ging es dann doch mal unter dem Einfluss der Witterung kaputt, ersetzten wir es stets kostenlos. Die Leute mussten nur Bescheid sagen.</p>
<p>Bei der Beschriftung gibt es ebenfalls die unterschiedlichsten Variationen. In manchen Regionen werden einzelne kleine Buchstaben aus Metall aufgeschraubt. Auf einem süddeutschen Friedhof ist der Friedhofsarbeiter stolz darauf, die Schrift mit einem Lötkolben fein säuberlich ins Holz zu brennen. Er verdient sich eine Kleinigkeit nebenbei damit.</p>
<p>Bei uns in der Region war es ewig lang üblich, die Namen einzeln aus einem Setzkasten mit selbstklebenden Kunststoffbuchstaben zusammenzusetzen. Mir hat das immer Spaß gemacht, das war so eine Arbeit zum Runterkommen.<br />
Aber die Buchstaben musste man immer nachkaufen und immer mal wieder kam es vor, dass einer gefehlt hat, weil er aufgebraucht war.</p>
<p>So kam ich irgendwann auf die Idee, eine Folie im Laserdrucker mit dem kompletten Namenszug zu bedrucken und die dann auf die Tafel zu kleben. Da kamen dann drei Schichten Klarlack drüber und das sah wunderbar aus und hielt ewig.<br />
Vorteil: Man konnte jetzt verschiedene Schriftarten nehmen und nicht nur die, die im Setzkasten waren.</p>
<p>In der folgenden Geschichte aus dem Jahr 2008 spielen aber noch die Einzelbuchstaben aus dem Setzkasten eine Rolle.</p>
<p>Es war etwas schwierig, die Geschichte zu erzählen, denn einerseits will ich den Namen des Kunden nicht nennen, um ihn nicht bloßzustellen, andererseits funktioniert die Geschichte aber nur mit dem richtigen Namen. Aber ich habe einen Weg gefunden:</p>
<p>Da kommt ein älterer Herr zu uns und verlangt zum wiederholten Male ein kleines &#8222;e&#8220;.<br />
Das kostet 20 Cent.</p>
<p>Der Herr hatte vor einigen Monaten seine Frau durch uns beerdigen lassen.</p>
<p>Ich habe ihm die Buchstaben immer geschenkt, dann wurde das aber doch auffällig, wie oft er kam.</p>
<p>Was ist passiert? Um was geht es?</p>
<p>Ich frage ihn, was denn mit den vielen kleinen &#8222;e&#8220; immer passiert. Kleben die nicht richtig?</p>
<p>Er schaut mich über seine Brille hinweg an und seufzt. &#8222;Na, überlegen Sie mal! Sie wissen doch, wie ich heiße.&#8220;</p>
<p>Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, sein Name war Feick.</p>
<p>Und offenbar gibt es Typen, die einen Spaß dran haben, da immer das &#8222;e&#8220; zu klauen.</p>
<p>Das betrübt Herrn Feick.</p>
<p>Ich habe ihm dann angeboten, ihm vom Brennpeterle-Friedhofswärter ein Kreuz mit eingebrannten Buchstaben machen zu lassen. Das hat er dankbar angenommen.</p>
<p>P.S. Hier im Nordbadischen gibt es viele Leute, die Fick mit Nachnamen heißen. Das ist also gar nichts Besonderes. Man wird auf fast jedem Friedhof ein Grab mit diesem Namen finden.<br />
Umso verwunderlicher war es, dass sich jemand da die Mühe machte, das Grabreuz dieser Frau zu verhunzen.</p>
<p>P.P.S. Vor geraumer Zeit war ich auf einem Friedhof, auf dem wir Bestattungen durchgeführt haben. Auf einem Grab steht tatsächlich immer noch ein Grabkreuz, das wir vor über 30 Jahren gemacht haben. Es ist nicht mehr sonderlich schön. Die Witterung hat den Lack gefressen und das Holz ist grau geworden. Aber die Klebefolie mit dem Namen hält noch.</p>
<p>© 2008</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/814d3f682ab64822bbafd4f6a2c71a90" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/814d3f682ab64822bbafd4f6a2c71a90" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Wird mein Vater bei der zweiten Leichenschau wieder entkleidet?</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/wird-mein-vater-bei-der-zweiten-leichenschau-wieder-entkleidet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Apr 2026 15:13:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frag doch den Undertaker]]></category>
		<category><![CDATA[Angehörige bei Versorgung Verstorbener]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter Ablauf nach Todesfall]]></category>
		<category><![CDATA[Einbettung im Sarg Erklärung]]></category>
		<category><![CDATA[hygienische Versorgung Verstorbener]]></category>
		<category><![CDATA[Kleidung Verstorbener nach Leichenschau]]></category>
		<category><![CDATA[Pietät bei Bestattung Erklärung]]></category>
		<category><![CDATA[Umgang mit Verstorbenen Bestatter]]></category>
		<category><![CDATA[Verstorbene einkleiden Ablauf Bestatter]]></category>
		<category><![CDATA[was macht der Arzt bei Leichenschau]]></category>
		<category><![CDATA[was passiert mit Verstorbenen im Sarg]]></category>
		<category><![CDATA[wie läuft zweite Leichenschau ab]]></category>
		<category><![CDATA[zweite Leichenschau NRW Ablauf]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn ein geliebter Mensch verstirbt, bleiben oft nicht nur Trauer und Erinnerungen zurück, sondern auch viele Fragen zu dem, was danach geschieht. Besonders die zweite Leichenschau wirft bei Angehörigen immer<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/wird-mein-vater-bei-der-zweiten-leichenschau-wieder-entkleidet/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ein geliebter Mensch verstirbt, bleiben oft nicht nur Trauer und Erinnerungen zurück, sondern auch viele Fragen zu dem, was danach geschieht. Besonders die zweite Leichenschau wirft bei Angehörigen immer wieder Unsicherheiten auf – Zeit, hier einmal sachlich und verständlich Licht ins Dunkel zu bringen.</p>
<div class="frage-box">
<div class="message-container">
<p>Hallo Herr Wilhelm,</p>
<p>als mein Vater verstorben ist, war ich bei der Feststellung seines Todes durch den Hausarzt anwesend. Der Arzt hat meinen Vater dabei weitgehend entkleidet und ihn sorgfältig untersucht – unter anderem im Hinblick auf Totenflecken, Pupillenreaktion, Atmung und beginnende Totenstarre.</p>
<p>Einige Tage später war ich auch bei der hygienischen Versorgung und beim Einbetten dabei. Ich habe meinen Vater selbst gewaschen, angekleidet und ihn mit Kissen, Decke und ein paar Blumen in den Händen in den Sarg gelegt. Mein Vater war zu Lebzeiten sehr genau, was seine Kleidung anging, und mir war es wichtig, dass alles ordentlich sitzt – so, wie er es selbst gewollt hätte.</p>
<p>Da in Nordrhein-Westfalen eine zweite Leichenschau vorgeschrieben ist, beschäftigen mich seitdem einige Fragen: Was genau macht der Arzt bei dieser Untersuchung? Wird der Verstorbene dabei erneut vollständig entkleidet? Und wird anschließend wieder darauf geachtet, dass Kleidung, Beigaben und Sarginhalt ordentlich hergerichtet werden – oder wird alles eher pragmatisch gehandhabt?</p>
<p>Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir dazu etwas sagen könnten.</p>
<p>Vielen Dank im Voraus.</p>
</div>
</div>
<p>Sehr geehrte Frau &#8230;,</p>
<p>zu Ihrem Verlust mein herzlichstes Beileid.</p>
<p>Es ist sehr schön, was Sie alles für Ihren Vater getan haben.<br />
Auch, dass der Arzt so sorgfältig untersucht hat, finde ich gut. Ich habe sehr viele Leichenschauen miterlebt, und kann Ihnen sagen, dass die von Ihnen geschilderte Sorgfalt, wie auch der Zeitaufwand, sehr außergewöhnlich sind. In vielen Fällen dauert das keine zwei Minuten.</p>
<p>Die zweite Leichenschau findet unmittelbar vor der Einäscherung statt. Der Amtsarzt kommt ins Krematorium und untersucht alle Verstorbenen. Diese wurden zuvor von den Krematoriumsmitarbeitern entkleidet. Die Kleidung liegt dann lose im Sarg.<br />
Der Arzt muss sich davon überzeugen, dass die Person wirklich tot ist. Außerdem sucht er nach Zeichen, die auf einen nicht natürlichen Tod hinweisen. Bei einer Kremierung ist ja hinterher keine Exhumierung des Leichnams mehr möglich. Der Arzt achtet auch auf Hinweise auf Pflegefehler. So soll ausgeschlossen werden, dass Menschen durch Pflegevernachlässigung verstorben sind. Findet er Hinweise auf das eine oder andere, wird die Polizei verständigt und die Einäscherung aufgeschoben.</p>
<p>Kommt der Arzt hingegen zu dem Ergebnis, was fast immer der Fall ist, dass keine Hinweise auf einen nicht natürlichen Tod vorliegen, gibt er seine Zustimmung zur Einäscherung. In fast allen mir bekannten Fällen wird der Sarg dann so, wie er ist, ins Feuer geschoben.</p>
<p>Ich weiß, was Sie bewegt. Sie möchten, dass Ihr Vater ordentlich bekleidet eingeäschert wird.<br />
Der Wunsch ist verständlich und auch nicht überzogen. Aber er entspricht leider nicht der Lebenswirklichkeit.</p>
<p>Man geht einfach davon aus, dass das Einkleiden eines Verstorbenen in erster Linie den Angehörigen dient, die beispielsweise bei einer offenen Aufbahrung ein anständiges Bild haben möchten. Dem Verstorbenen, so sagt man, könne das doch egal sein, er bekomme davon doch nichts mit. Insofern, so meint man, sei ein Ankleiden unmittelbar vor dem Einäschern auch nicht mehr erforderlich.</p>
<p>Was können Angehörige tun, die unbedingt möchten, dass nach der amtsärztlichen Untersuchung noch ein Wiederankleiden erfolgt?<br />
Nun, man könnte beim Krematorium anrufen und fragen, wie das dort genau gehandhabt wird. Im Zweifelsfall kann man dann darum bitten.<br />
Wirkungsvoller ist es, wenn man das Krematorium aufsucht und den zuständigen Mitarbeitern ein adäquates Trinkgeld anbietet.<br />
Desweiteren kann man den beauftragten Bestatter bitten, sich darum zu kümmern. Es wäre denkbar, dass dieser gegen Berechnung oft erheblicher Mehrkosten, zum Krematorium fährt und die Kleidung wieder anzieht.<br />
Ob eine dieser Möglichkeiten funktioniert, hängt von der Kooperationsbereitschaft vor Ort ab.</p>
<p>Was würde ich tun?<br />
Nun, auch meine Mutter ist eingeäschert worden. Sie wurde ebenfalls schön eingekleidet und eingebettet. Über das, was dann hinter den Türen des Krematoriums geschieht, habe ich mir aber bewusst keine Gedanken gemacht.<br />
Für mich war der Abschied von der körperlichen Existenz nach der Trauerfeier und der Übergabe ans Krematorium vollzogen. </p>
<p>Es gibt einen Punkt, von dem an der Körper nicht mehr relevant ist, sondern nur noch unsere Erinnerungen und das Andenken, das wir dem Verstorbenen bewahren.<br />
Man hat es selbst in der Hand, wann man diesen Punkt setzt.</p>
<p>Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meinen Ausführungen helfen. Wenn Sie noch Fragen haben, oder wenn ich etwas nicht beantwortet oder falsch verstanden habe, melden Sie sich bitte gerne.</p>
<p>Für die Spende per Überweisung danke ich Ihnen.</p>
<p>Mit trotzdem den besten Wünschen für das Osterfest verbleibe ich<br />
Peter Wilhelm</p>
<hr>
<p>Nachtrag:</p>
<div class="frage-box">
<div class="message-container">
<p>Sehr geehrter Herr Wilhelm,</p>
<p>ich danke Ihnen sehr für die rasche Antwort. Ja, irgendwie habe ich mir sowas schon gedacht, wie sollte es auch anders gehen? Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass ich seit über 40 Jahren als Pflegefachkraft arbeite. Ich habe schon viele Sterbende und Tote gesehen und auch viele Leichenschauen. Mein Vater verstarb im Pflegeheim. Alle dort wissen um meinen Beruf, auch der Hausarzt,  das erklärt vielleicht die Sorgfalt <img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/1f642.png" alt="🙂" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />  Auch das Bestattunngsunternehmen wusste es und &#8211; das rechne ich ihnen hoch an &#8211; man hat mich  seine Versorgung einfach machen lassen und sagte mir, ich solle Bescheid sagen, wenn ich Hilfe bräuchte beim Ankleiden. Die zwei Mitarbeiter waren zwar während der gesamten Zeit anwesend aber wohltuend zurückhaltend. Und sie haben Recht:  man hat es in der Hand, wann man den Punkt setzt, sich vom Körper zu verabschieden. Tatsächlich geschah das in dem Moment, als die Mitarbeiter nach der Versorgung und Einbettung den Sarg schlossen &#8211; auch da hat man mich den Zeitpunkt bestimmen lassen.  Schlagartig wurde mir bewusst, dass ich jetzt meinen Vater zum letzten Mal gesehen und zum letzten Mal Zeit mit ihm verbracht habe. Ich bin sehr froh darüber, wie alles gelaufen ist und würde es immer wieder so machen wollen.</p>
<p>Auch Ihnen frohe Ostern und nochmals vielen Dank</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg04.met.vgwort.de/na/08bdb5aa81394b479559bf86ec27bcb4" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/08bdb5aa81394b479559bf86ec27bcb4" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
</div>
</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Mehr Empörung als Verstand: Der Fall vom grausamen Sarg</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/mehr-empoerung-als-verstand-der-fall-vom-grausamen-sarg/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Apr 2026 09:12:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frag doch den Undertaker]]></category>
		<category><![CDATA[Babyleiche Mülltonne Bestatter]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter Arbeit Missverständnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter Kritik Medienbericht]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter Transport Sarg Räder]]></category>
		<category><![CDATA[Einäscherungssarg Erklärung]]></category>
		<category><![CDATA[einfacher Holzsarg Bedeutung]]></category>
		<category><![CDATA[Feuerbestattung Vorbereitung Sarg]]></category>
		<category><![CDATA[Kindersarg vs Transportsarg]]></category>
		<category><![CDATA[Leichentransport Bestatter Ablauf]]></category>
		<category><![CDATA[pietätlos oder korrekt Bestatter]]></category>
		<category><![CDATA[Sargroller Bestatter Funktion]]></category>
		<category><![CDATA[was passiert bei Leichenabholung]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn Emotionen hochkochen und Bilder für sich sprechen, lohnt es sich ganz besonders, einen Moment innezuhalten und genauer hinzuschauen. Ich muss dir schreiben! Die Bestatter von Rosenheim, wo man ja<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/mehr-empoerung-als-verstand-der-fall-vom-grausamen-sarg/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Emotionen hochkochen und Bilder für sich sprechen, lohnt es sich ganz besonders, einen Moment innezuhalten und genauer hinzuschauen.</p>
<div class="frage-box">
<div class="message-container">
<p>Ich muss dir schreiben! Die Bestatter von Rosenheim, wo man ja im Fernsehen die Cops immer sehen kann, haben eine Babyleiche abgeholt. In der BILD ist der Bericht. Hammer finde ich dass die Bestatter einen grausamen Verbrennungssarg zum Abholen des Säuglings aus der Mülltonne genommen haben. Absoluter Skandal. Die Männer haben wohl kein Herz!<br />
Das sollte man dem Verband der Beerdiger melden und den Bestatter seine Gewerbe entziehen. Das ist unmöglich pietätlos. Wie kann man denn einen Säuchling in so einem hässlichen Sarg verbrennen?<br />
Vor allem die angeschraubten Räder unterm Sarg finde ich grausam.</p>
</div>
</div>
<p>Nun mal langsam mit den frischen Pflaumen!</p>
<ol class="border">
<li>Der Vorfall hat sich nicht in Rosenheim/Bayern ereignet, sondern in Rosengarten (14.000 Einwohner). Das liegt rund 20 Kilometer südlich von Hamburg und gehört zum Landkreis Harburg (Niedersachsen).</li>
<li>Die BILD berichtet sinngemäß Folgendes:
<p><em>Ein totes Baby ist am Mittwochabend in der Gemeinde Rosengarten entdeckt worden. Eine Frau machte den Fund in einer Mülltonne in einer ruhigen Wohnstraße im Ortsteil Vahrendorf und verständigte gegen 19.30 Uhr die Polizei.</em></p>
<p><em>Der Bereich wurde weiträumig abgesperrt, die Kriminalpolizei übernahm die Ermittlungen vor Ort. Die Finderin wird von einem Kriseninterventionsteam betreut. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Kindes feststellen.</em></p>
<p><em>Nach Angaben eines Polizeisprechers ist bislang unklar, wie alt das Baby war und ob es überhaupt lebensfähig gewesen wäre.</em></p>
<p><em>Die Ermittler verfolgen inzwischen Hinweise auf die Mutter. Der Leichnam wird in der Rechtsmedizin untersucht. Weitere Details will die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen erst nach Abschluss der Untersuchungen bekannt geben.</em></li>
<li>Auf dem Foto sind, wie auf dem KI-generierten Titelbild dieses Artikels hier, zwei Bestatter zu sehen, die einen einfachen Nadelholzsarg zum Abtransport des kleinen Leichnams verwenden.</li>
<li>Der Sarg ist ein Transportmittel. Diese einfachen Weichholzsärge sind die günstigsten Särge. Sie werden von Bestattern neben den Leichentragen und den Transportwannen auch zur Überführung genutzt.</li>
<li>Die Räder unter dem Sarg, die auf dem Originalbild von der dpa zu sehen sind, gehören zu einem aufklappbaren Sargroller. Das ist ein Hilfsmittel, um den Bestattern einen rückenschonenden Transport des Sarges zu ermöglichen. Wir hätten bei einem sehr leichten Einäscherungssarg und einem Säugling vermutlich keinen Sargroller verwendet, das kann man so wegtragen. Aber fachlich ist der Sargroller absolut in Ordnung. Er ist auch nicht am Sarg festgeschraubt und wird natürlich auch nicht mit eingeäschert.</li>
<li>Es wäre aus meiner Sicht wesentlich belastender für die anwesenden Personen gewesen, wenn die Bestatter mit einem kleinen, weiß lackierten Kindersarg gekommen wären. Der Anblick solcher Minisärge hat noch einmal eine andere Dimension.</li>
<li>Ob das Kind eingeäschert wird, steht überhaupt nicht fest. Das entscheiden später diejenigen, die für die Bestattung verantwortlich sind. </li>
<li>Ich persönlich finde diese schlichten Naturholzsärge übrigens überhaupt nicht hässlich. Meine Mutter wurde in so einem schönen, natürlichen Holzsarg abgeholt und eingeäschert. Wir haben noch vier schöne Griffe drangeschraubt und den Sarg mit Lasur schön gebeizt. </li>
<li>Diese Särge sind, wie zuvor erwähnt, zwar sehr günstig (im Einkauf manchmal schon weit unter 100 Euro), das bedeutet aber nicht, dass deren Verwendung pietätlos oder gar unzweckmäßig ist. Für den würdevollen Transport eines Verstorbenen finde ich sie auf jeden Fall schöner als eine Trage oder Bergungswanne. Die Verwendung dieser Särge ist auch nicht auf Feuerbestattungen beschränkt. Man kann sie theoretisch für alle Bestattungszwecke verwenden, auch wenn sie für das Vergraben in der Erde durch die geringe Holzdicke und Stabilität nicht unbedingt die erste Wahl sind.</li>
<li>Deine Aufregung ist absolut unangebracht. Die Bestatter haben völlig korrekt gehandelt. Der Sarg ist situationsangemessen. Von Pietätlosigkeit kann man hier überhaupt nicht sprechen.</li>
</ol>
<h2 id="fazit">Fazit</h2>
<p>Der erste Eindruck mag emotional erschüttern – doch wer genauer hinsieht, erkennt: Die Bestatter haben hier sachlich, korrekt und durchaus würdevoll gehandelt.</p>
<p>Nicht der Sarg ist das Problem, sondern die vorschnelle Bewertung.</p>
<p>Pietät zeigt sich nicht im Material – sondern im Umgang.</p>
<p><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/bild-warnung.png" alt="Bild Zeitung Warnung" width="124" height="200" class="alignnone size-full wp-image-16397" /></p>
<p><a href="https://www.bild.de/regional/niedersachsen/suedlich-von-hamburg-totes-baby-in-muelltonne-gefunden-69cd722054836f652f88ba3d" rel="noopener">https://www.bild.de/&#8230; totes-baby-in-muelltonne&#8230;</a></p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg04.met.vgwort.de/na/0115e9e3e43a4482aff703564790357a" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/0115e9e3e43a4482aff703564790357a" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Vertrauen ist gut – die Schuld hat der Chef</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/vertrauen-ist-gut-die-schuld-hat-der-chef/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Apr 2026 00:04:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitarbeiter/Firma]]></category>
		<category><![CDATA[Chef haftet für Fehler Mitarbeiter]]></category>
		<category><![CDATA[Delegation und Kontrolle Balance]]></category>
		<category><![CDATA[Fehler im Unternehmen wer trägt Schuld]]></category>
		<category><![CDATA[Führung Bestattungsunternehmen]]></category>
		<category><![CDATA[Führung im Bestattungswesen]]></category>
		<category><![CDATA[Führungskräfte Verantwortung übernehmen]]></category>
		<category><![CDATA[Mitarbeiter richtig führen Vertrauen Kontrolle]]></category>
		<category><![CDATA[Mitarbeiter Verantwortung delegieren]]></category>
		<category><![CDATA[Qualitätskontrolle im Unternehmen]]></category>
		<category><![CDATA[Sandy]]></category>
		<category><![CDATA[Servicequalität Bestatter verbessern]]></category>
		<category><![CDATA[Unternehmer Verantwortung Kunden]]></category>
		<category><![CDATA[Verantwortung Chef Unternehmen]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich habe in meinem Berufsleben immer versucht, meine Mitarbeiter so gut auszubilden, dass ich ihnen möglichst große Bereiche zur selbständigen Bearbeitung überlassen konnte. Gerade im Bestattungswesen funktioniert das gar nicht<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/vertrauen-ist-gut-die-schuld-hat-der-chef/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe in meinem Berufsleben immer versucht, meine Mitarbeiter so gut auszubilden, dass ich ihnen möglichst große Bereiche zur selbständigen Bearbeitung überlassen konnte.</p>
<p>Gerade im Bestattungswesen funktioniert das gar nicht anders. Hier braucht man keine Spezialisten für einzelne Handgriffe, sondern Allrounder. Menschen, die an allen Fronten gleichzeitig arbeiten können, die improvisieren können, die Verantwortung übernehmen und auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf behalten.</p>
<p>Und natürlich hört man in diesem Zusammenhang immer wieder den Satz: <em>„Ich kann mich auf meine Mitarbeiter blind verlassen.“</em></p>
<p>Das ist ein schöner Satz. Wirklich. Aber mir hat er nie gereicht.</p>
<h2 id="vertrauen-ersetzt-keine-verantwortung">Vertrauen ersetzt keine Verantwortung</h2>
<p>Ich bin wahrlich kein Kontrollfreak. Ich habe meinen Mitarbeitern immer viel zugetraut und ihnen bewusst Freiräume gegeben. Wer alles selbst machen will, wird nie wachsen – und auch kein funktionierendes Unternehmen führen.</p>
<p>Aber bei aller Delegation bleibt eine entscheidende Frage: <strong>Wer steht am Ende vor dem Kunden gerade?</strong></p>
<p>Die Antwort ist einfach: immer der Chef.</p>
<p>Nicht der Mitarbeiter. Nicht „das Team“. Nicht „die Firma“ im abstrakten Sinne. Sondern derjenige, dessen Name auf dem Briefkopf steht. Deshalb konnte und wollte ich mich nie blind verlassen.</p>
<h2 id="diese-standardfloskeln-sind-unertraeglich">Diese Standardfloskeln sind unerträglich</h2>
<p>Es gibt Sätze, die hört man immer wieder, wenn irgendwo etwas schiefgelaufen ist: <em>„Wir nehmen Ihre Kritik zum Anlass und werden interne Mitarbeitergespräche führen, um unseren Service zu verbessern.“</em></p>
<p>Ganz ehrlich? Ich finde solche Aussagen nicht nur nichtssagend – ich finde sie, um es deutlich zu sagen, zum Kotzen. Sie bedeuten übersetzt nichts anderes als: <em>„Wir haben ein Problem, aber eigentlich war es keiner von uns.“</em></p>
<p>Verantwortung wird damit elegant nach unten weitergereicht. Für mich war immer klar: Wenn etwas schiefläuft, dann ist das in letzter Konsequenz mein Fehler.</p>
<p>Niemals, aber wirklich absolut niemals habe ich irgendeinen Mitarbeiter hingehängt. Die Schuld auf einen Angestellten zu schieben, auch wenn er es vielleicht versemmelt hat, ist absolut schlechter Stil. </p>
<h2 id="aussenwirkung-ist-chefsache">Außenwirkung ist Chefsache</h2>
<p>In einem Bestattungsunternehmen gibt es unzählige Berührungspunkte mit Kunden. Und jeder einzelne davon zählt.</p>
<ul>
<li>
<p>Die Trauerhallendekoration.</p>
</li>
<li>
<p>Das Erscheinungsbild der Mitarbeiter.</p>
</li>
<li>
<p>Der Zustand der Fahrzeuge.</p>
</li>
<li>
<p>Die Art, wie ein Verstorbener hergerichtet wird.</p>
</li>
<li>
<p>Die Gestaltung von Anzeigen und Texten.</p>
</li>
<li>
<p>Das Auftreten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter</p>
</li>
<li>
<p>Die Sauberkeit und Ordnung im Betrieb.</p>
</li>
</ul>
<p>All das ist keine Nebensache. All das ist Außenwirkung. Und bei jedem dieser Punkte muss ich als Chef sagen können: <strong>Ja, so will ich das haben. Genau so.</strong></p>
<h2 id="kontrolle-heisst-nicht-misstrauen">Kontrolle heißt nicht Misstrauen</h2>
<p>Viele verwechseln Kontrolle mit Misstrauen. Das ist ein Fehler. Kontrolle bedeutet nicht, dass ich meinen Mitarbeitern nichts zutraue. Es bedeutet, dass ich die Verantwortung ernst nehme.</p>
<p>Ein Beispiel:</p>
<p>Jede Trauerhallendekoration musste in meinem Unternehmen „sitzen“. Ich bin dafür nicht jedes Mal selbst auf den Friedhof gefahren. Aber meine Mitarbeiter mussten diese Abläufe so oft vor meinen Augen durchführen, bis ich sicher sein konnte: Das klappt immer. Und zwar perfekt.</p>
<p>Dasselbe gilt für die Versorgung Verstorbener.</p>
<p>Jeder Verstorbene, der bei uns hergerichtet und eingekleidet wurde, ist von mir gesehen worden. Jeder einzelne. Und wenn etwas nicht hundertprozentig war, habe ich nachgebessert.</p>
<p>Und ich habe von jedem Verstorbenen ein Polaroid-Foto (damals gab es noch kaum digitale Kameras) angefertigt. Diese hat nie jemand gesehen außer mir. Aber ich konnte jederzeit nachweisen, wie eingebettet worden ist und dass auch alles im Sarg war (&#8222;Wo sind denn die Ohrringe der Oma geblieben?&#8220;).</p>
<p>Nicht, weil ich es besser konnte. Sondern weil ich dafür verantwortlich war.</p>
<h2 id="der-schlimmste-moment">Der schlimmste Moment</h2>
<p>Es gibt kaum eine Situation, die mir unangenehmer ist, als wenn ein Kunde sich beschwert – und ich weiß gar nicht, wovon er spricht. Das ist der Moment, in dem Du als Chef merkst: Hier ist etwas passiert, das Du nicht im Griff hattest. Und genau das darf eigentlich nicht passieren.</p>
<h2 id="wachstum-hat-grenzen">Wachstum hat Grenzen</h2>
<p>Natürlich kommt irgendwann der Punkt, an dem ein Unternehmen eine Größe erreicht, bei der man nicht mehr alles selbst kontrollieren kann. Bei rund 20 Mitarbeitern und einer Vielzahl an Aufträgen ist es schlicht unmöglich, jeden einzelnen Handgriff persönlich abzunehmen.</p>
<p>Das ist die Realität.</p>
<p>Aber genau dann wird es noch wichtiger, die richtigen Schwerpunkte zu setzen.</p>
<h2 id="vertrauen-muss-man-sich-verdienen">Vertrauen muss man sich verdienen</h2>
<p>In dieser Phase entscheidet sich, ob ein Unternehmen funktioniert oder nicht. Du brauchst Menschen, denen Du wirklich vertrauen kannst. Nicht im Sinne von „ich hoffe, das wird schon passen“, sondern im Sinne von:</p>
<ul>
<li>
<p><strong>Diese Leute denken genauso wie ich.</strong></p>
</li>
<li>
<p>Sie müssen für das Unternehmen brennen.</p>
</li>
<li>
<p>Sie müssen die gleichen Qualitätsansprüche haben.</p>
</li>
<li>
<p>Sie müssen verstehen, dass es nicht um irgendeinen Auftrag geht, sondern um Menschen in Ausnahmesituationen.</p>
</li>
</ul>
<h2 id="der-kunde-hat-ein-recht-auf-loesungen-nicht-auf-mitarbeiterkritik">Der Kunde hat ein Recht auf Lösungen – nicht auf Mitarbeiterkritik</h2>
<p>Es gibt eine Situation, die ich wirklich hasse: Wenn Kunden sich über meine Mitarbeiter erheben und sagen: <em>„Ich möchte jetzt mal mit dem Chef sprechen“</em> – und dann anfangen, über den Mitarbeiter herzuziehen oder ihm die Schuld zuzuschieben.</p>
<p>Natürlich hat jeder Kunde das Recht, sich zu beschweren. Natürlich darf er unzufrieden sein. Aber was ich nicht akzeptiere, ist, wenn der Mitarbeiter zum Prügelknaben gemacht wird.</p>
<p>Ich erinnere mich an einen konkreten Fall sehr genau. Das Beratungsgespräch zwischen meiner Mitarbeiterin Sandy und einer Familie fand in unserer gemütlichen Sitzgruppe in der Halle statt. Meine Bürotür stand einen Spalt offen, und ich habe das Gespräch mitbekommen.</p>
<p>Sandy hat – ich habe mitgezählt – mindestens fünfmal sehr klar und unmissverständlich gesagt, dass in diesem speziellen Fall eine offene Aufbahrung nicht möglich sei.</p>
<p>Einige Zeit später stand die Familie bei mir im Büro und behauptete das genaue Gegenteil. Man habe ihnen das „fest zugesagt“, man sei jetzt maßlos enttäuscht und sehe sich deshalb sogar berechtigt, einen Teil der Rechnung nicht zu bezahlen.</p>
<p>In solchen Momenten gibt es für mich nur eine Haltung: <strong>Ich stelle mich vor meine Mitarbeiter.</strong></p>
<p>Und das habe ich nicht nur in diesem Fall so gehandhabt. Ich habe das auch dann getan, wenn ein Mitarbeiter tatsächlich einen Fehler gemacht hatte. Denn eines ist klar: Es ist nicht die Aufgabe des Kunden, meine Mitarbeiter zu rügen, zu erziehen oder bloßzustellen.</p>
<p>Der Kunde kann und soll mit mir sprechen. Ich höre mir alles an, ich nehme jede Kritik ernst und ich finde eine Lösung. Dafür bin ich da. Aber wie ich intern mit einem Mitarbeiter umgehe, das geht den Kunden nichts an.</p>
<p>Das ist eine Frage der Führung – und der Haltung.</p>
<p>Was ich allerdings für völlig inakzeptabel halte, ist das, was ich leider auch schon erlebt habe: Dass ein Chef im Beisein des Kunden seinen Mitarbeiter „rundmacht“.</p>
<p>Das ist nicht nur respektlos gegenüber dem Mitarbeiter – es ist auch ein fatales Signal nach außen. Denn damit zeigt man dem Kunden vor allem eines: Dass im eigenen Haus etwas grundsätzlich nicht stimmt.</p>
<p>Ein gutes Unternehmen schützt seine Mitarbeiter nach außen – und klärt Probleme intern.</p>
<h2 id="fazit">Fazit</h2>
<p>Vertrauen ist wichtig. Ohne Vertrauen kann kein Unternehmen funktionieren.</p>
<p>Aber Vertrauen ersetzt keine Verantwortung.</p>
<p>Am Ende steht immer einer gerade. Und das ist der Chef.</p>
<p>Wenn etwas gut läuft, war es das Team. Wenn etwas schiefläuft, war es Deine Verantwortung.</p>
<p><strong>Oder anders gesagt:</strong> Delegieren kannst Du Aufgaben – aber niemals die Verantwortung.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg04.met.vgwort.de/na/3e239a01a1644818b6f92f48c2c870a8" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/3e239a01a1644818b6f92f48c2c870a8" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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			</item>
		<item>
		<title>10 Fehler beim Bestatter &#8211; So wirst Du garantiert viel Geld los</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 15:03:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Branche/Kommune]]></category>
		<category><![CDATA[10 Fehler beim Bestatter]]></category>
		<category><![CDATA[Beerdigung Kosten Falle]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter Auswahl worauf achten]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter Fehler vermeiden]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter Preise vergleichen wichtig]]></category>
		<category><![CDATA[Bestattung Beratung Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Bestattung Kosten sparen Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Bestattung Kosten Überblick Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[falsche Entscheidungen Bestattung vermeiden]]></category>
		<category><![CDATA[Sterbefall was tun Fehler]]></category>
		<category><![CDATA[wie finde ich guten Bestatter]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://bestatterweblog.de/?p=32029</guid>

					<description><![CDATA[10 Fehler beim Bestatter. Schnell passiert, und am Ende ziemlich teuer. Ein Mensch ist gestorben. Jetzt muss sich jemand um ihn kümmern. Das können am besten die Bestatter. Doch welchen<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/10-fehler-beim-bestatter-ratgeber-experte/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>10 Fehler beim Bestatter. Schnell passiert, und am Ende ziemlich teuer. Ein Mensch ist gestorben. Jetzt muss sich jemand um ihn kümmern. Das können am besten die Bestatter. Doch welchen nimmt man? Welcher ist der beste? Welcher der Günstigste?</p>
<p>In diesem Ratgeber stelle ich die 10 Fehler beim Bestatter zusammen, die Menschen begehen, wenn sie blind und ohne Orientierung durch einen Trauerfall hindurchstolpern. Anschließend erkläre ich Dir Punkt für Punkt, wie man es richtig und besser macht.</p>
<h2 id="das-sind-die-10-fehler-beim-bestatter-so-macht-man-es-garantiert-falsch">Das sind die 10 Fehler beim Bestatter. So macht man es garantiert falsch</h2>
<ol class="border">
<li><strong>Rufe den erstbesten Bestatter an</strong><br />
Du hast irgendwann einmal den Namen eines Bestatters gehört. Mehr musst Du über ihn nicht wissen. Also: anrufen!<br />
Am Ende sind sie doch alle gleich, und es gibt ja noch ein <a href="http://bestatterweblog.de/das-beratungsgespraech-beim-bestatter/" title="Beratung beim Bestatter">Beratungsgespräch</a>, in dem sich alles klären lässt.<br />
Dass es erhebliche Preis- und Leistungsunterschiede gibt, ist natürlich ein Mythos. Wer Zeit mit Vergleichen verschwendet, hat offenbar nichts Besseres zu tun.</li>
<li><strong>Ein teurer Bestatter macht es dann auch gut</strong><br />
Du weißt, dass ein bestimmter Bestatter sehr teuer ist. Das hat man schon oft gehört. Also muss er auch besonders gut sein. Der Preis kommt schließlich nicht von ungefähr.<br />
Teuer ist gleich Qualität – so einfach ist das. Dass hier auch Image, Lage oder Kalkulation eine Rolle spielen könnten, wird großzügig ausgeblendet.</li>
<li><strong>Rufe den Bestatter an, der die größten Anzeigen hat</strong><br />
Im Telefonbuch oder in der Zeitung hat ein Bestatter besonders große Anzeigen. Das muss ein großes und bekanntes Unternehmen sein. Und groß bedeutet ja automatisch erfahren und gut.<br />
Wer viel Werbung macht, muss schließlich auch viel können. Dass Du diese Werbung am Ende mitbezahlst, ist dabei natürlich reiner Zufall.</li>
<li><strong>Lass den Bestatter am besten mitten in der Nacht kommen</strong><br />
Menschen arbeiten bekanntlich am liebsten nachts. Und natürlich verlangt niemand extra Geld, nur weil er zu ungewöhnlichen Zeiten kommen muss.<br />
Dringlichkeit entsteht schließlich nicht durch den Todesfall, sondern durch Dein eigenes Gefühl, sofort handeln zu müssen – egal zu welcher Uhrzeit.</li>
<li><strong>Verlange ausdrücklich, dass die mit dem schönen Mercedes kommen</strong><br />
Wenn schon, denn schon. Den Mercedes-Leichenwagen hast Du schon oft gesehen, also soll genau der auch kommen.<br />
Dass es dunkel ist, dass niemand den Wagen wirklich wahrnimmt und dass es dem Verstorbenen völlig gleichgültig ist, spielt keine Rolle.<br />
Hauptsache, es macht Eindruck – koste es, was es wolle.</li>
<li><strong>Verlange die Abholung in einem schönen Holzsarg</strong><br />
Auf keinen Fall soll Opa auf einer einfachen Trage oder in einem Bergungstuch durch das Haus getragen werden. Das wäre ja unerquicklich.<br />
Ein richtiger Holzsarg muss es sein – das wirkt ordentlich.<br />
Dass dieser Sarg später oft gar nicht verwendet wird und zusätzliche Kosten verursacht, ist dabei völlig nebensächlich.</li>
<li><strong>Lass Dich nicht hetzen, gehe erst Tage später zum Bestatter</strong><br />
Man soll sich schließlich nicht unter Druck setzen lassen. Also nimm Dir Zeit und gehe erst nach drei oder vier Tagen zum Bestatter.<br />
Nur keine Eile!<br />
Dass es Fristen, organisatorische Abläufe und hygienische Notwendigkeiten gibt, wird sich schon irgendwie regeln.</li>
<li><strong>Der Tote verdient was Anständiges</strong><br />
Mit einem günstigen Angebot macht man sich doch nur lächerlich. Eiche muss es sein. Und alles, was der Bestatter empfiehlt, wird schon seinen Sinn haben.<br />
Dekoration, besondere Kleidung, Zusatzleistungen – nimm alles.<br />
Spare bloß nicht. Vor allem nicht dann, wenn Du gar nicht genau weißt, wofür Du eigentlich bezahlst.</li>
<li><strong>Frage nicht nach Preisen, das ist pietätlos</strong><br />
Lass Dir alles empfehlen. Der Bestatter kennt sich aus. Nach Preisen zu fragen wäre geschmacklos.<br />
Ein seriöser Unternehmer wird Dich schon nicht über den Tisch ziehen.<br />
Und überhaupt: Über Geld spricht man in solchen Situationen nicht.</li>
<li><strong>Vertraue dem Bestatter</strong><br />
Du brauchst nichts Schriftliches mitzunehmen. Der Bestatter hat ja alles notiert.<br />
Belege, Angebote oder Durchschläge sind überflüssig.<br />
Geh einfach nach Hause. Es wird schon alles stimmen. Und wenn nicht, ist es sowieso zu spät.</li>
</ol>
<p>Das sind, etwas provokant formuliert, die 10 Fehler beim Bestatter, die mir immer wieder berichtet werden. Dabei müssen diese 10 Fehler beim Bestatter gar nicht sein. Es ist im Grund so einfach:</p>
<h2 id="so-vermeidest-du-die-10-fehler-beim-bestatter-so-sollte-man-es-wirklich-machen">So vermeidest Du die 10 Fehler beim Bestatter. So sollte man es wirklich machen</h2>
<figure id="attachment_62955"  class="wp-caption alignnone" style="width: 800px;"><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/10-fehler-bestattung_800x500.webp" alt="10 Fehler beim Bestatter" width="800" height="500" class="size-full wp-image-62955" /><figcaption class="wp-caption-text">10 Fehler beim Bestatter</figcaption></figure>
<ul class="border">
<li><strong>Wähle den Bestatter bewusst aus</strong><br />
Der erstbeste Bestatter ist selten die beste Wahl.<br />
Ein Trauerfall ist emotional belastend – und gleichzeitig mit erheblichen Kosten verbunden. Deshalb solltest Du Dir genau überlegen, wem Du den Auftrag erteilst.<br />
Frage im Familien- oder Bekanntenkreis nach Erfahrungen.<br />
<strong>Vergleiche mehrere Bestatter.</strong> Auch im Trauerfall ist ein Preisvergleich sinnvoll und legitim.</li>
<li><strong>Beurteile nicht nach dem Preis</strong><br />
Ein hoher Preis ist kein Qualitätsmerkmal.<br />
Für identische Leistungen kannst Du bei einem Bestatter deutlich weniger bezahlen als bei einem anderen.<br />
<strong>Hole Dir immer ein schriftliches Angebot.</strong> Nur so kannst Du Leistungen und Preise wirklich vergleichen.</li>
<li><strong>Lass Dich nicht von Werbung beeindrucken</strong><br />
Große Anzeigen bedeuten vor allem hohe Werbekosten – und die zahlst Du mit.<br />
Die Größe der Anzeige sagt nichts über die Qualität aus.<br />
<strong>Unterschreibe nichts sofort.</strong> Nimm Unterlagen mit und prüfe sie in Ruhe.</li>
<li><strong>Handle überlegt – nicht überstürzt</strong><br />
Ein Bestatter muss nicht zwingend mitten in der Nacht kommen.<br />
Nächtliche Einsätze können zusätzliche Kosten verursachen.<br />
In vielen Fällen ist es völlig in Ordnung, bis zum nächsten Morgen zu warten und in Ruhe Abschied zu nehmen.</li>
<li><strong>Konzentriere Dich auf das Wesentliche – nicht auf das Fahrzeug</strong><br />
Das Fahrzeug ist zweitrangig.<br />
Wichtig ist ein würdevoller und professioneller Umgang.<br />
Ein bestimmtes Fahrzeug verursacht oft nur zusätzliche Kosten.<br />
<strong>Achte auf Seriosität, Einfühlungsvermögen und Zuverlässigkeit – nicht auf die Marke des Autos.</strong></li>
<li><strong>Wähle die Abholung bewusst und sinnvoll</strong><br />
Die Abholung erfolgt immer würdevoll – auch ohne zusätzlichen Sarg.<br />
Tragen oder Bergungstuch sind üblich und keineswegs respektlos.<br />
Ein zusätzlicher Sarg verursacht oft unnötige Mehrkosten.<br />
<strong>Entscheide bewusst und hole Dir Unterstützung.</strong></li>
<li><strong>Verständige den Bestatter zeitnah, aber bleibe ruhig</strong><br />
Zu langes Zögern ist ebenso problematisch wie überstürztes Handeln.<br />
Es gibt Fristen und Abläufe, die eingehalten werden müssen.<br />
<strong>Vermeide spontane Entscheidungen aus Emotionen heraus.</strong></li>
<li><strong>Entscheide bewusst, was wirklich notwendig ist</strong><br />
Es gibt Pflichtleistungen – und es gibt Zusatzangebote.<br />
Nicht alles ist erforderlich.<br />
Viele Dinge dienen nur der Optik und verursachen Kosten.<br />
<strong>Frage konkret nach allen Kosten.</strong></li>
<li><strong>Sprich offen über Geld</strong><br />
Nach Preisen zu fragen, ist nicht pietätlos, sondern notwendig.<br />
Nur so kannst Du Entscheidungen treffen.<br />
<strong>Beauftrage keine unnötigen Zusatzleistungen.</strong></li>
<li><strong>Bestehe auf vollständiger Transparenz</strong><br />
Lass Dir alle Kosten schriftlich geben – vollständig und nachvollziehbar.<br />
Frage nach allen Zusatzkosten und möglichen weiteren Rechnungen.<br />
<strong>Achte auf Transparenz.</strong> Ein seriöser Bestatter erklärt alles klar und verständlich.</li>
</ul>
<p>Lies bitte unbedingt auch: </p>
<div class="buttoni"><a href="https://bestatterweblog.de/bestatter-vergleichen-pietaetlos/">Bestatter: Preisvergleich pietätlos?</a></div>
<h2 id="fazit-10-fehler-beim-bestatter">Fazit: 10 Fehler beim Bestatter</h2>
<p>Am Ende geht es bei einer Bestattung nicht um glänzende Autos, große Anzeigen oder eindrucksvoll ausgestattete Geschäftsräume. All das mag auf den ersten Blick Eindruck machen – doch es sagt erstaunlich wenig darüber aus, wie gut ein Bestatter wirklich arbeitet.</p>
<p>Viel entscheidender ist etwas anderes: Dein persönliches Gefühl.</p>
<p>Fühlst Du Dich ernst genommen? Werden Deine Fragen verständlich beantwortet? Hast Du den Eindruck, dass man Dir zuhört – oder dass man Dir etwas verkaufen will?</p>
<p>Ein Bestatter, bei dem Du Dich gut aufgehoben fühlst, ist mehr wert als jeder Mercedes-Leichenwagen und jede noch so pompöse Einrichtung.</p>
<p>Denn Würde entsteht nicht durch äußeren Glanz, sondern durch den respektvollen Umgang mit den Menschen – den Lebenden wie den Verstorbenen.</p>
<p><strong>Oder anders gesagt:</strong> Vertraue weniger dem Schein – und mehr Deinem Bauchgefühl.</p>
<p>Jeder sollte eine Sterbegeldversicherung haben:</p>
<p><a href="https://www.solidar-versicherung.de/sterbegeld/" rel="noopener">Solidar Sterbegeldversicherung</a><br />
<a href="https://www.bv-ag.de" rel="noopener">Bochumer Versicherungsverein</a></p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg05.met.vgwort.de/na/0b8f2430cb074503a301a606a32a9a51" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/0b8f2430cb074503a301a606a32a9a51" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Bestatter vergleichen – pietätlos?</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/bestatter-vergleichen-pietaetlos/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 07:54:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Branche/Kommune]]></category>
		<category><![CDATA[Angehörige Bestatter auswählen Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Beerdigung Kosten Unterschiede Stadt]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter Angebot einholen worauf achten]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter Preise vergleichen]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter Vergleich Portal Erfahrungen]]></category>
		<category><![CDATA[Bestattungskosten Rechner sinnvoll oder nicht]]></category>
		<category><![CDATA[Bestattungskosten vergleichen Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Bestattungsvorsorge Vorteile und Kosten]]></category>
		<category><![CDATA[Sterbefall was tun Bestatter Kosten]]></category>
		<category><![CDATA[was kostet eine Beerdigung Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[wie finde ich den richtigen Bestatter]]></category>
		<category><![CDATA[wie viel kostet eine Beerdigung wirklich]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn ein Todesfall in der Familie eintritt, befinden sich die Angehörigen in einer ganz besonders schwierigen Situation. Oftmals sind sie von den nun notwendigen Schritten überfordert und suchen gleich den<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/bestatter-vergleichen-pietaetlos/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ein Todesfall in der Familie eintritt, befinden sich die Angehörigen in einer ganz besonders schwierigen Situation. Oftmals sind sie von den nun notwendigen Schritten überfordert und suchen gleich den erstbesten Bestatter auf. </p>
<p>Sei es, dass er in unmittelbarer örtlicher Nähe sein Geschäft betreibt, oder dass er der Familie durch intensive Werbung im Gedächtnis geblieben ist.<br />
Jedoch gilt auch im Trauerfall, dass ein Preisvergleich keineswegs pietätlos ist oder etwas mit der Geiz-ist-geil-Mentalität zu tun hat.</p>
<p>Die Preise der Bestatter unterscheiden sich auch innerhalb einer Stadt oft erheblich. Deshalb ist ein Preisvergleich keine Schande.</p>
<p>Leider gehen viele Menschen vollkommen falsche Wege, um sich über Bestatterpreise zu informieren. Bestattungskostenrechner im Internet sind hilfreich, weil sie einen groben Eindruck davon vermitteln, was an finanzieller Belastung in etwa auf einen zukommt, sie taugen jedoch eher zum Abklären des groben finanziellen Bedarfs, wenn es beispielsweise um das Abschließen einer Sterbegeldversicherung geht. Um in einem aktuellen Sterbefall die exakten Kosten zu ermitteln, taugen diese Online-Rechner meistens nichts.</p>
<p>Auch die Bestattervergleichsportale sind in meinen Augen nicht viel wert. Dort bieten Bestatter ihre Dienste an und tun dies mit werbendem Hintergrund; sie werden also stets einen besonders günstig scheinenden Tarif vorrechnen lassen oder anbieten. Ob der dann aber später vor Ort auf dem Papier noch Bestand hat oder ob nicht doch noch erhebliche weitere Kosten hinzukommen, bleibt fraglich.</p>
<p>Überhaupt taugen auch Anrufe bei Bestattern nicht viel. Jeder Bestatterkollege kennt diese Anrufe, die auch teils zur Nachtzeit erfolgen: &#8222;Watt kost&#8216; bei euch &#8217;ne Beerdigung?&#8220;<br />
Was soll der Bestatter da anderes antworten, als Standardpreise von bis zu nennen?</p>
<p>Der einzige richtige Weg ist es, dass man zu einem Bestatter hingeht und diesen nicht darüber im Unklaren lässt, dass man sich jetzt erst einmal informieren möchte, um dann eventuell noch weitere Bestatter aufzusuchen.<br />
Oft genug gehen die Bestatter, sicherlich oft zu Recht, davon aus, dass jeder, der sich bei ihnen ins Büro setzt und eine Bestattung ausrechnen lässt, auch schon ein fester Kunde ist. Bestatter sind es also eher gewohnt, direkt auf den Vertragsabschluss hinzuwirken. Das ist keine böse Absicht, es ist einfach aus dem Kundenverhalten heraus üblich.<br />
Deshalb ist es besonders wichtig, dass man dem Bestatter klipp und klar sagt, dass man nur ein detailliertes Angebot möchte. Man unterschreibt nichts, man lässt auch keine Sterbepapiere usw. da!</p>
<p>Bestatter müssen sich vor diesem Hintergrund einfach auch daran gewöhnen, dass sie eine Beratungsleistung ohne anschließenden Abschluss erbringen müssen.<br />
Wichtig: Wenn man den Bestatter zu sich nach Hause bestellt oder ihn mitten in der Nacht nur wegen eines Angebotes aufsucht, kann unter Umständen eine Beratungspauschale in Rechnung gestellt werden! Nicht viele Bestatter machen das, aber berechtigt ist es mitunter durchaus!<br />
<strong>Jede Mühe verdient ihren Lohn.</strong></p>
<p>Mit den Beratungsergebnissen des ersten Gesprächs kann man dann weitere Bestatter aufsuchen, wobei es klug ist, zwar zu signalisieren, dass man schon über Details Bescheid weiß, aber nicht die Angebotssumme der Konkurrenz zu nennen.</p>
<p>So kann man mehrere Bestatter abklappern und einen Eindruck gewinnen, wie das Preisgefüge ist und bei welchem Bestatter man ein gutes Gefühl hat.<br />
Entscheidend ist letztlich, bei welchem Bestatter, den man sich leisten kann, man sich am besten aufgehoben gefühlt hat.<br />
So wie man selbst dort behandelt wird, so werden die Leute auch mit dem Verstorbenen umgehen.</p>
<p>Nun ist man als Trauernder oft nicht in der Lage, diese Ochsentour des Preisvergleichens auf sich zu nehmen. Daher ist es eine gute Idee, in einem solchen Fall einen Nachbarn, Freund oder Bekannten zu bitten, stellvertretend oder unterstützend mitzuwirken.</p>
<p>Eine ganz schlechte Idee ist es, nach meiner Erfahrung, wenn die Familie sich aufteilt und jeder Sohn, Schwiegersohn und Neffe einen anderen Bestatter aufsucht. Man bekommt die höchst unterschiedlichen Angebote hinterher nie wirklich auf einen Nenner!</p>
<p>Die beste Lösung ist, meine Leser wissen, was jetzt kommt: Die Bestattungsvorsorge!<br />
Machen Sie die &#8222;Ochsentour&#8220; unabhängig von einem aktuellen Trauerfall doch einfach bei klarem Verstand nach Terminabsprache bei verschiedenen Bestattern.<br />
Dann können Sie in Ruhe alles besprechen und erhalten einen viel besseren Eindruck von der Leistungsfähigkeit der unterschiedlichen Häuser.<br />
So ermittelt man auch treffend den wirklichen Finanzbedarf und kann entsprechend auch finanziell vorsorgen, sei es durch Ansparen, eine Sterbegeldversicherung oder auf andere geeignete Weise.</p>
<p><strong>Sterben kann jeder jederzeit!</strong></p>
<p>Seien Sie vorbereitet!</p>
<p>© 2013. 2017, Donnerstag, 30. April 2026
</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg09.met.vgwort.de/na/a4592a7cacfe40a9ae26ad9861f0b55e" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/a4592a7cacfe40a9ae26ad9861f0b55e" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Schuld?</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/schuld/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Mar 2026 03:07:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Internes]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://bestatterweblog.de/?p=62943</guid>

					<description><![CDATA[Leute, bisher habe ich nur nebulös über die Erkrankung der Allerliebsten geschrieben. Es wird Zeit, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Meiner Frau ging es seit etwa Weihnachten schon schlecht.<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/schuld/" class="alles-lesen-btn">
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</a></div>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Leute, bisher habe ich nur nebulös über die Erkrankung der Allerliebsten geschrieben. Es wird Zeit, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.</p>
<p>Meiner Frau ging es seit etwa Weihnachten schon schlecht. Schmerzen in der Brust, Atemnot, Gewichtsverlust.<br />
Als nur rudimentär medizinisch informierter Geisteswissenschaftler tippte ich auf Herz.</p>
<p>Der Hausarzt sah aber die Ursache in einer Verspannung der Brustwirbel. Röntgenaufnahmen bestätigten das nicht, aber die Radiologin sah am Rand des Bildes möglicherweise Wasser in der Lunge.<br />
Es folgte eine Antibiotikum-Behandlung, nach der es meiner Frau nicht besser ging.<br />
Mittlerweile waren Wochen vergangen und ich drängte auf weitere Untersuchungen. In einer Klinik in einem benachbarten Bundesland wurde dann ein CT gemacht. Das ergab dann, dass Herz und Lunge angegriffen sind und vor allem, dass sich am Herzen ein Thrombus, also ein Blutgerinnsel, gebildet hatte. </p>
<p>Noch am selben Tag musste die Allerliebste bei einem Arzt vorstellig werden, um eine Notfallspritze zu bekommen. Am nächsten Morgen in aller Frühe kam sie dann ins Krankenhaus.<br />
Ihr Zustand wurde als lebensbedrohlich eingestuft.</p>
<p>Dringend müsse sie am Herzen operiert werden.</p>
<p>Doch das geschah nicht. Warum nicht?<br />
Bei einem MRT, das bessere Bilder liefert als ein CT, wurde noch etwas festgestellt, das als großer Tumor eingestuft wurde.<br />
Das war auch der Zeitpunkt, als ich hier im Blog das erste Mal darüber schrieb.</p>
<p>Die Allerliebste gewann den Eindruck, man mache jetzt sowieso nichts mehr mit ihr, weil das mit dem Krebs schon so schlimm sei.<br />
Ich musste nach einem Gespräch mit den Ärzten den Eindruck haben, dass ich froh sein könnte, meine Frau überhaupt noch einmal nach Hause holen zu können.</p>
<p>Ihr könnt Euch vorstellen, wie es uns mit diesen Aussagen gegangen ist.</p>
<p>Es folgten zwei Wochen, die von einem Hin und Her geprägt waren. Einerseits konnte die dringend erforderliche Behandlung des Herzens mit blutverdünnenden Medikamenten nicht eingeleitet werden, da eine mögliche Tumoroperation im Raum stand. Andererseits waren sich die Krebsspezialisten einer anderen Klinik nicht sicher, ob es sich überhaupt um einen Tumor handelte.<br />
Tage des Bangens, Betens, Hoffens und der Angst folgten.</p>
<p>Dann die Entwarnung. Kein Tumorgeschehen. Ab ans Herz!<br />
Der Allerliebsten wurde eine LifeVest angepasst, eine Lebensrettungsweste, die sie auch jetzt noch und für weitere Monate ständig tragen muss. Ähnlich wie ein Defibrillator soll diese Weste im Falle eines plötzlichen Herzstillstands das Leben meiner Frau mit gezielten Stromstößen retten.</p>
<p>In einer Operation wurden ihr nun Stents eingesetzt, kleine Röhrchen, so könnte man vereinfacht sagen, die zu eng gewordene Gefäße am Herzen offen halten.<br />
Die blutverdünnende Therapie wurde eingeleitet. Dazu muss die Allerliebste eine Kombination verschiedenster Medikamente einnehmen.</p>
<p>Eine Herzklappe funktioniert nicht richtig. Darum will man sich ggfs. später kümmern. Emphyseme in der Lunge, COPD, allgemeine Herzschwäche, Pleuraergüsse, und und und&#8230;<br />
Aber erst muss der Thrombus sich mal auflösen, der Körper entwässert werden, und dann sieht man im April weiter.</p>
<p>In absolut geschwächtem Zustand wurde die Allerliebste dann recht schnell und zügig aus dem Krankenhaus entlassen.<br />
Mitgegeben wurden ihr ein Brief, der an den Hausarzt adressiert ist. Ein Medikamentenplan und einige Rezepte für die dringend benötigten Medikamente.<br />
(Nebenbei: Daheim nehme ich den Arztbrief und entdecke zuerst, dass neben &#8222;unserem&#8220; Brief noch einer für einen ganz anderen Patienten mit in den Umschlag gesteckt worden war.)</p>
<p>So, Scheiße ist immer mit noch mehr Scheiße verbunden: Natürlich ist unser Hausarzt ausgerechnet in dieser Woche in Urlaub.</p>
<p>Also fahren wir zu einer Ärztin im Nachbarort, die die Vertretung übernommen hat.<br />
Diese Ärztin nahm sich richtig viel Zeit. Sie studierte den Arztbrief, der ja in Ärztedeutsch verfasst ist und zur Kommunikation zwischen Medizinern dient. Deshalb ist er auch an den jeweiligen Arzt adressiert, und nicht an den Patienten. Aufgrund der vielen Abkürzungen und Fachbegriffe könnte ein Patient, der sich anhand dieses Briefes orientiert, zu falschen Schlüssen und einer Fehlmedikation kommen.</p>
<p>Stück für Stück ging die Vertretungsärztin jedes einzelne Medikament durch, zählte auch nochmal für sich die Anzahl der verordneten Medikamente ab, und stellte am Ende nochmals Rezepte aus.</p>
<p>Ich bin dann in die Apotheke gefahren und habe alle Medikamente geholt. Die, die das Krankenhaus verordnet hatte (nur Kleinstpackungen im Rahmen des Entlassmanagements), und die, die die Ärztin verschrieben hatte (die gleichen, und auch wieder Kleinpackungen, weil Vertretungsärzte keine größeren verordnen dürfen).</p>
<p>Damit war dann das kommende Wochenende abgedeckt, bis unser Hausarzt montags wieder aus dem Urlaub zurück wäre. Vielleicht sogar noch einen Tag länger, da der Mann am ersten Tag nach dem Urlaub immer von Patienten überrannt wird, und dementsprechend genervt und unleidig ist.</p>
<p>Die Allerliebste hat alle Medikamente, die auf dem Medikationsplan des Krankenhauses aufgelistet waren, sorgfältig eingenommen. Ich war ihr beim Einsortieren und Dosisbestimmen behilflich.<br />
Alle verordneten Medikamente waren da und wurden vorschriftsmäßig genommen.</p>
<p>Natürlich habe ich den Arztbrief sorgfältig gelesen, ganz ungebildet bin ich ja nicht. Darin wurde beschrieben, was die Allerliebste alles hat, was man im Krankenhaus für sie getan hat, und es werden Empfehlungen für die Weiterbehandlung ausgesprochen.</p>
<p>Freitags waren wir bei der Vertretungsärztin, Medikamente waren alle da, die Allerliebste nahm alles ein. Samstag war alles soweit okay, ich fragte mich nur, wie es weitergehen soll.<br />
Schwach, gebrechlich, durch die LifeVest und das stets umgehängte Rettungsgerät in der Beweglichkeit gehemmt, Hämatome am ganzen Körper&#8230;</p>
<p>Am Sonntagmorgen erlitt meine Frau einen Herzinfarkt.</p>
<p>Ich fand sie im Wohnzimmer in gekrümmter Haltung und vor Schmerzen jammernd vor.<br />
Bei Männern äußern sich Herzinfarkte oft typisch mit Brustschmerzen und Schmerzen im linken Arm, bei Frauen verlaufen Infarkte oft mit Symptomen, die man ganz anderen Ursachen zuschreibt.</p>
<p>Die Allerliebste ist sofort ins Krankenhaus gebracht worden und kam auf die Intensivstation.</p>
<p>Ab Freitagnachmittag ist es scheiße, ins Krankenhaus zu kommen. Natürlich sind die Kliniken auch am Wochenende auf Notfälle eingerichtet, aber so richtigen Betrieb gibt es immer erst ab montags wieder.</p>
<p>Montags wurde dann festgestellt, dass die neu gesetzten Stents alle schon wieder zu waren.</p>
<p>Und? Die Schuld gab man meiner Frau! Sie habe nicht alle verordneten Medikamente eingenommen. Mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Medikamente habe sie nicht genommen.</p>
<p>Jedoch: </p>
<ul>
<li>Diese Medikamente stehen <strong>nicht</strong> auf dem Medikationsplan, den das Krankenhaus uns mitgegeben hat.</li>
<li>Diese Medikamente stehen <strong>nicht</strong> auf den Rezepten, die das Krankenhaus ausgestellt hatte.</li>
<li>Diese Medikamente sind auch <strong>nicht</strong> von der sofort aufgesuchten niedergelassenen Ärztin verordnet worden.</li>
</ul>
<p>Bleibt die Frage: Wie hätten wir wissen sollen, dass da noch wichtige Tabletten fehlen?</p>
<p>Meine Sichtweise:<br />
Da hat man eine Patientin aus dem Krankenhaus entlassen, mit der Maßgabe, eine Fülle von Präparaten einzunehmen. Man hat aber vergessen: a) alle Medikamente auf den Medikamentenplan zu schreiben, und b) diese auch mitzugeben und c) für die nächsten Tage zu verordnen.</p>
<p>Früher war ein Herzinfarkt eine furchtbar schlimme Sache, bei der die Patienten wochenlang im Krankenhaus waren, anschließend in REHA gingen und noch eine Kur machen mussten.<br />
Heute bekommst Du sonntags einen Infarkt, bist zwei Tage auf der Intensivstation, und wirst mittwochs schon wieder nach Hause geschickt.</p>
<p>Seit gestern ist mein Mädchen wieder zu Hause. Jetzt haben wir alle Medikamente.</p>
<p>Aussage des Arztes im Krankenhaus: <em>Für die Vollständigkeit und Aktualität von Medikationsplänen übernehmen wir keine Haftung.</em></p>
<p>Mit anderen Worten: Wenn Du als Patient sicher sein willst, musst Du sofort nach der Entlassung mit dem, für die meisten Laien unverständlichen, Arztbrief zu einem Arzt, der dann die lückenlose Versorgung mit Medikamenten sicherstellt.</p>
<p>Haben wir gemacht. Hat auch nichts gebracht. Auch die Vertretungsärztin hat sich strikt an den Medikationsplan des Krankenhauses gehalten. Aber da stand halt nicht alles drauf.</p>
<p>Frage: Ist das &#8222;Shit happens&#8220; oder ist das einfach Scheiße?</p>
<hr>
<div class="red-box">
<h3 id="wichtiger-hinweis">Wichtiger Hinweis</h3>
<p>Die in diesem Beitrag geschilderten Vorgänge beruhen auf meinen persönlichen Erlebnissen, Eindrücken und subjektiven Wahrnehmungen. Es handelt sich ausdrücklich nicht um die Feststellung objektiver Tatsachen, sondern um meine individuelle Sichtweise und Bewertung der Geschehnisse.</p>
<p>Ich kann nicht ausschließen, dass einzelne Abläufe von mir unvollständig oder missverständlich wahrgenommen wurden. Ebenso ist es möglich, dass mir Hintergründe oder fachliche Zusammenhänge nicht bekannt sind, die zu einer anderen Einordnung führen könnten.</p>
<p>Die im Text enthaltenen Schlussfolgerungen und Bewertungen stellen daher persönliche Meinungsäußerungen dar und keine überprüften oder abschließend feststehenden Tatsachenbehauptungen über Dritte.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg04.met.vgwort.de/na/84f39222afb44fecb49eff5550dbd783" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/84f39222afb44fecb49eff5550dbd783" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<item>
		<title>Nur die Füße!</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/nur-die-fuesse/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Mar 2026 08:08:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[Alte Menschen können sich oft die Fußnägel nicht mehr selbst schneiden. Das muss, insbesondere bei Diabetikern, auch sorgfältig und richtig gemacht werden. Deshalb ist es gut, dass es Fußpflegerinnen und<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/nur-die-fuesse/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Alte Menschen können sich oft die Fußnägel nicht mehr selbst schneiden. Das muss, insbesondere bei Diabetikern, auch sorgfältig und richtig gemacht werden. Deshalb ist es gut, dass es Fußpflegerinnen und Fußpfleger gibt.</p>
<p>Besonders praktisch sind Fußpflegerinnen, die ihre Dienste mobil anbieten, also mit ihrer Ausrüstung ins Haus kommen.</p>
<p>Herr Bottnik war 91 Jahre alt und nahm regelmäßig die Dienste einer solchen Fußpflegerin in Anspruch. Der pensionierte Landesbeamte konnte sich diese und viele andere Dienstleistungen locker leisten, er bezog eine Pension um die 6.000 Euro.<br />
Seine Frau hatte er schon 30 Jahre vorher beerdigen müssen und sein einziger Sohn, der Professor in den Niederlanden ist, hatte gesagt: &#8222;Papa, Du musst für nichts sparen, schon gar nicht, um mir was zu vererben. Lebe Dein Leben! Genieße es in vollen Zügen! Kauf&#8216; Dir, was Du haben willst, und spare bloß nicht. Das letzte Hemd hat keine Taschen.&#8220;</p>
<p>Ich lernte Karl Botnik kennen, als er eines Tages in mein Beerdigungsinstitut kam, um seine Dinge zu regeln.</p>
<p>&#8222;Ich will datt alles in Ordnung bringen. Mein Sohn soll keine Arbeit haben. Mir is&#8216; nur wichtig, dass eines Tages der Name meiner Gisela mit auffen Grabstein kommt. Ausgraben kann man die ja nich&#8216; mehr, datt Grab läuft bald ab. Ich will datt kleine Grab auch nich&#8216; verlängern. Mich könnter verbrennen und in sonne Urne tun. Dann ein schönet Grab mit Gisela und Karl drauf. So für 15 Jahre, mehr nich&#8216;.&#8220;</p>
<p>Der Mann war trotz seines hohen Alters eine beeindruckende Erscheinung. Über 1,90 groß, aufrechter Gang, etwas krumme O-Beine, sehr elegant gekleidet. Beim Sprechen wippte ein spitzes Leninbärtchen an seinem Kinn auf und ab. Die wasserblauen Augen gingen aufmerksam hin und her, und ich merkte, dass ich hier einen Mann mit wachem Verstand vor mir hatte.</p>
<p>So klar seine Vorstellungen bei diesem Vorsorgegespräch auch waren, so änderte sich das aber im Laufe der Zeit.</p>
<p>Ich hatte die Akte Botnik längst im Tresor bei den Vorsorgen ad acta gelegt, er hatte auch alles im Voraus und in bar bezahlt, da brachte sich der alte Herr ausgerechnet an Heiligabend wieder in Erinnerung.</p>
<p>Tatsächlich rief er genau während unserer Bescherung an. Ich wollte ihn abwimmeln, und habe das im Grunde auch getan. Wer keinen aktuellen Sterbefall zu melden hat, kann doch bitteschön bis nach den Feiertagen warten, oder?</p>
<p>Aber ich hatte am Telefon den Eindruck, dass der pensionierte Beamte gar keine Ahnung hatte, dass er zur Unzeit anrief. Offensichtlich hatte er nicht den blassesten Schimmer, dass Weihnachten war.<br />
Also rüpelte ich ihn nicht weg, sondern hörte mir an, was er zu sagen hatte. </p>
<p>&#8222;Ich will, datt das Ave Maria nich&#8216; am Ende, sondern als Erstes gespielt wird. Können&#8217;se datt notieren? Ich muss ja auch nochmal wegen der Bezahlung vorbeikommen. Das muss ja erledigt sein, damit mein Sohn keinen Ärger kriegt.&#8220;</p>
<p>&#8218;Au weia, Demenz!&#8216;, schoss es mir durch den Kopf.</p>
<p>Ich machte einen Termin für früh im neuen Jahr aus und wandte mich wieder unseren weihnachtlichen Dingen zu.</p>
<p>Kurz nach Heilige-Drei-Könige besuchte ich den alten Herrn in seinem Haus am Stadtpark. Da wohnen wirklich nur die Reichen. Einige der Häuser gehören studentischen Burschenschaften, zwei Häuser beherbergen ausländische Botschaften und ansonsten gibt es, wenn es überhaupt Namens- und Klingelschilder gibt, kaum ein Schild ohne akademische Grade vor dem Namen.</p>
<p>Auf der Straße parkten nur zwei Autos, ansonsten war alles frei; die Menschen, die dort wohnen, besitzen alle große Garagen direkt am Haus.<br />
Zwei Polizisten vor der gegenüberliegenden Botschaft beäugten mich mißtrauisch, als ich bei Herrn Bottnik klingelte.</p>
<p>Geöffnet wurde mir von einer kleinen, drallen, blonden Frau in einem kurzen weißen Kittel.</p>
<p>&#8222;Kommen Sie Härr, derr Härr Bottnik ärwartett ßie schonn!&#8220;</p>
<p>Ich fand den alten Mann in seinem Wohnzimmer vor, wo er in einem bequemen Ohrensessel saß, die Füße in einer gelben Plastikschüssel voller Schaumwasser.</p>
<p>&#8222;Oh, da sind Sie ja schon, ich bin grad beim Fußbad. Grazenka ist meine Fußpflegerin.&#8220;</p>
<p>Grazenka hatte Mitleid mit mir. Ich sah mich schon, wie ich jetzt warten müsste, während die aus Polen stammende Fußtante dem alten Mann die Hufe schabt. Aber die Frau meinte nur kurz und rigoros: &#8222;Häär Bottnik, jetzt trocken machen, später Fußpflege.&#8220;</p>
<p>Zehn Minuten später saßen Herr Bottnik und ich am Wohnzimmertisch und hatten frisch gebrühten Kaffee vor uns stehen.<br />
Grazenka hatte den für uns gebrüht und ich erkannte, dass die Frau nicht nur als Fußpflegerin tätig war, sondern auch allerlei andere Besorgungen und Arbeiten für den alten Mann übernahm.</p>
<p>Das bestätigte Herr Bottnik dann auch: &#8222;Ich wüsst&#8216; gar nich&#8216;, watt ich ohne Grazenka machen würd&#8216;. Ich würd&#8216; die ja als Pflegerin in Vollzeit anstellen, aber die hat noch so viele andere Leute wegen der Füße, ja? Sie verstehen?&#8220;</p>
<p>Es stellte sich dann heraus, dass er Grazenka über eine Webseite im Internet gefunden hatte, wo Pflegekräfte, Hausmeister und Gärtner vermittelt werden. Erstaunlich, dass so ein alter Mann sich im Internet zurechtfand.<br />
Dann wollte er über die Bezahlung seiner Beerdigung sprechen. Ich erklärte ihm, dass doch schon lange alles bezahlt sei. Doch er wollte mir das einfach nicht glauben.</p>
<p>&#8222;Hier, schauen Sie, da ist die Quittung. Es ist wirklich alles bezahlt.&#8220;</p>
<p>&#8222;Papperlapapp! Sie haben keine Ordnung in Ihren Unterlagen. Datt muss ich noch bezahlen.&#8220;</p>
<p>Aus dem Wohnzimmerschrank holte er eine Mappe mit Kontoauszügen und Belegen. Ich traute meinen Augen nicht. Auf einem Tagesgeldkonto dümpelten über 200.000 Euro vor sich hin, und sein normales Konto wies einen Kontostand von fast einer halben Million auf.</p>
<p>&#8222;Ich leb&#8216; ja nur von den Zinsen. Vor 40 Jahren hab&#8216; ich in Gold und Aktien gemacht und ein dickes Sparbuch und schöne Depots erwirtschaftet. Sollte allet mal für ne Weltreise von Gisela und mir sein. Da kricht mein Sohn mal watt Schönes. Der hat doch datt behinderte Kind, meine Enkelin die Emilia. Die is&#8216; ja jetzt auch schon groß, muss aber im Heim leben, geht nich&#8216; anders.&#8220;</p>
<p>Ach Mann, ich hätte auch so gerne so viel Geld. Ich bin dann schon ein bißchen neidisch. Aber nicht im bösen Sinne. Um Himmels Willen! Ich kann sehr gut gönnen. Sozialneid war mir immer schon fremd. Aber ich kann mir auch immer gut vorstellen, was ich mit so viel Kohle alles machen würde.</p>
<p>&#8222;Nee, gucken se mal selbst. Hier sind die ganzen Belege. Sie werden sehen, datt datt offen is&#8216;.&#8220;</p>
<p>Ich blätterte die Kontoauszüge durch bis zu der Zeit, an der er die Vorsorge bei mir abgeschlossen hatte. Herr Bottnik hatte ja in bar bezahlt, aber er hatte mir auch erzählt, dass er das Geld damals am Vortag von der Bank abgeholt hatte. Ich hatte nämlich noch mit ihm geschimpft. Mir ist es immer unangenehm, wenn ältere Menschen mit so viel Geld in bar herumlaufen.</p>
<p>Einmal hatte ich auch fürchterlichen Ärger wegen so etwas. Eine alte Dame hatte 5.000 Euro bei der Sparkasse abgehoben, um mir das Geld für eine Bestattungsvorsorge zu bringen. Sie kam dann aber ohne Geld zu uns. &#8222;Macht ja nichts&#8220;, hatte ich gesagt, „dann überweisen Sie uns das einfach, ist mir sowieso lieber.&#8220;<br />
Zwei Tage später stand ihre Schwiegertochter bei mir im Büro und schrie Zeter und Mordio. Ich hätte ihre Schwiegermutter abgezockt, ausgenommen und betrogen. Die habe mir das Geld in bar auf den Tisch gezählt und ich hätte so getan, als ob sie noch nicht bezahlt hätte.<br />
&#8222;Polizei! Staatsanwaltschaft! Ich mach&#8216; Sie fertig! Sie kriegen hier keinen Fuß mehr auf den Boden! Sie stehen morgen in der Zeitung! Ich ruf beim Fernsehen an!&#8220;<br />
Einen Tag später kam dann der Anruf: &#8222;Sie, ich hab das Geld unterm Frühstücksbrettchen in der Küche gefunden. Es ist also wieder da. Ihr Glück!&#8220; Keine Entschuldigung, nichts.</p>
<p>Ich bin immer ganz lieb zu den Leuten, von denen ich den Eindruck habe, sie könnten unter Demenz leiden. Es ist ja nicht so, dass die von heute auf morgen einfach nichts mehr wissen.<br />
Das ist ein schleichender Prozess und viele Betroffene bekommen es buchstäblich am eigenen Leib mit, wie ihr Erinnerungsvermögen zerfällt. Hochintelligente Leute, die immer noch zu Höchstleistungen in der Lage sind, sich aber den Pullover verkehrt herum anziehen und nicht mehr wissen, ob sie gerade eben auf dem Klo waren.</p>
<p>Herr Bottnik litt ganz offensichtlich an Demenz. Aus allem, was er sagte, sprach ganz deutlich, dass er nicht voll orientiert war. Als Beispiel dafür mag dienen, dass er mir Grazenka noch einmal umständlich und umfangreich vorstellte, als die hereinkam, um Kaffee nachzuschenken.</p>
<p>Nach einigem Blättern hatte ich einen Kontoauszug gefunden, der zu unserer Vorsorge passte. Herr Bottnik hatte wirklich den entsprechenden Betrag in bar abgehoben. Ich zeigte ihm den Auszug und er prüfte das haargenau, blätterte vor und zurück. Dann sagte er: &#8222;Meine Güte, wie konnte ich datt denn vergessen?&#8220;</p>
<p>Es wäre ja ein Leichtes gewesen, wenn ich das Geld einfach nochmal kassiert hätte. Ich glaube kaum, dass das irgendwann mal jemandem aufgefallen wäre. Bei der Bargeldauszahlung stand ja nicht dabei, wofür er das Geld geholt hatte.</p>
<p>Ich kenne eine Bestatterin, die solche Situationen ausgenutzt hat. Sie redete den alten Leuten immer ein, man müsse Bestattungsvorsorgen in bar bezahlen, und die Quittung müsse aus Sicherheitsgründen beim Bestatter im Tresor bleiben. Wenn dann die Leute starben, präsentierte sie den Hinterbliebenen eine frische Rechnung, so als ob nie etwas vorausbezahlt worden wäre.<br />
Ich behaupte jetzt einfach mal, dass das so war und sie das öfters so gemacht hat.</p>
<p>Aufgefallen ist mir das Ganze, als eine alte Dame mit ihrer Bestattungsvorsorge zu uns gewechselt war. Da behauptete diese Bestatterin auch hartnäckig, sie habe nie Geld bekommen. Die alte Dame war sich aber ganz sicher. Da steht man nun als unbeteiligter Dritter und weiß nicht, wem man glauben soll. Hat man es mit einer altersvergesslichen oder dementen Person zu tun, wie im Fall der Frau mit den 5.000 Euro unter dem Frühstücksbrettchen? Oder trickst eine Bestatterin regelmäßig alte Kunden aus?</p>
<p>Aber die alte Dame, die zu uns wechseln wollte, hatte ein kleines Kalenderbüchlein dabei und konnte einen Eintrag präsentieren: &#8222;Bestatterin K. 3.000 Euro gebracht.&#8220; Dahinter ein Haken. Erledigt.</p>
<p>Die Sache erledigte sich etwa drei Wochen später von ganz alleine, zumindest aus meiner Sicht. Über Nacht hing ein Schild im Fenster der Bestatterin: &#8222;<strong>Zu Vermieten Ab Sofort</strong>&#8222;.</p>
<p>Wie es aussah, hatte die Frau es übertrieben und war mit ihrer Masche aufgefallen. Es hieß, die Polizei ermittele in dem Fall. Die Bestatterin soll sich nach Spanien abgesetzt haben.<br />
In der Zeitung war über den Fall nichts zu lesen. Auch über die üblichen Tratschkanäle konnte ich nichts herausfinden. Später erfuhr ich dann, dass die Bestatterin angeblich als Bedienung in einer deutschen Bierkneipe am Ballermann arbeiten soll.</p>
<p>Herr Bottnik holte mich in die Realität zurück und ich musste die Gedanken an diese Betrugsfälle regelrecht von mir abschütteln. Was einem da so alles im Laufe der Jahrzehnte untergekommen ist&#8230;</p>
<p>Der Pensionär legte seine Hand auf meine, schaute mich dankbar an und meinte: &#8222;Es ist so gut dass Sie gekommen sind. Wann bringen Ihre Leute denn das Pflegebett für meine Frau vorbei?&#8220;</p>
<p>Hmmmm, der ist dement.</p>
<p>Beim Durchblättern seiner Unterlagen war mir aufgefallen, dass vor allem in den vergangenen Wochen die Barabhebungen am Automaten stark zugenommen hatten. Zweimal in der Woche wurde seine Bankkarte am Bankautomaten durchgezogen und es wurden immer genau 1.000 Euro abgehoben.<br />
Alles in allem handelte es sich bestimmt um 50.000 Euro.</p>
<p>Grazenka!</p>
<p>Ich hatte es schon ein paarmal<sup id="fnref1"><a href="#fn1" class="footnote">1</a></sup><sup id="fnref2"><a href="#fn2" class="footnote">2</a></sup> erlebt, dass vermeintlich hilfsbereite Menschen die ihnen anvertrauten Alten ordentlich ausgenommen haben.</p>
<p>In einem anderen Fall war es ganz genau so gewesen. Eine ebenfalls polnische Pflegekraft hatte einem alten Mann über zwei, drei Jahre hinweg fast 180.000 Euro aus den Rippen geleiert und ihn sogar so weit gebracht, sie noch heiraten zu wollen.</p>
<p>Was, wenn auch Grazenka so ein schäbiges Spiel mit dem dementen Herrn Bottnik trieb?</p>
<p>&#8222;Pssst!&#8220;</p>
<p>Ich schaute mich um und sah, dass die kleine Polin in der Wohnzimmertür stand und mir zuwinkte. Sie machte wieder &#8222;Psssst&#8220;. Ich nickte ihr zu.<br />
Ein paar Minuten später ergab sich eine gute Gelegenheit, denn das Telefon klingelte. Herr Bottniks Sohn rief an und der alte Herr führte ein ebenso lautstarkes, wie langes Telefonat.</p>
<p>In der Küche winkte mich Grazenka zu sich heran und flüsterte mir zu: &#8222;Sie, der Härr Bottnik ist nicht vorsichtig mit Gäld!&#8220;</p>
<p>&#8222;Wie meinen Sie das?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, jädä Woche schickt er mich bei den Bankomat und ich muss Gäld holen. Er sagt immer, sein Sohn kommt von Holandia und holt Gäld für krankes Enkelkind. Aber der kommt nie.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja und?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ist sich alles hier!&#8220;, sagte sie und öffnete die Brottrommel auf der Anrichte. In der aufklappbaren Blechdose zur Aufbewahrung von frischem Brot lag ein ordentlicher Stapel Euroscheine.</p>
<p>Auf einen Blick konnte ich erkennen, dass das problemlos die geschätzten 50.000 Euro waren, die gemäß Kontoauszügen von Grazenka abgeholt worden waren.</p>
<p>&#8222;Bin ich mir ganz unsicher mit viele Gäld in Haus. Wenn Einbrecher komme? Was wenn er wieder vergisst und vielleicht in dumme Kopf in Müll schmeisst?&#8220;</p>
<p>&#8222;Das ist wirklich ungewöhnlich viel Geld, und so viel Geld sollte man wirklich nicht zu Hause aufbewahren.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und wenn was wegkommt, bin ich Schuld, vielleicht sagen die dann, ich hätte gestohlen. Kennt man doch: kaum gestohlen, schon in Polen. Aber ich krieg gänug Geld von Härr Bottnik. Ich spare für Familie in Polen. Ich mach nur die Füße.&#8220;</p>
<p>&#8222;Das geht so nicht, das mit dem vielen Bargeld.&#8220;</p>
<p>&#8222;Hab ihm hundertmal gesagt. Er sagt immer nur ja ja und dann macht er nichts. Wird doch immer mehr. Ich hab gesagt, soll er sich Stahlschrank kaufen oder wieder auf Bank bringen. Aber ein paar Tage später muss ich wieder an Bankomat und neues Geld holen.&#8220;</p>
<p>Mir kam eine Idee. &#8222;Wissen Sie was, Grazenka? Wir machen das so: Der telefoniert jetzt doch gerade mit seinem Sohn. Was wäre denn, wenn ich ihn in die Küche locke und Sie mal mit dem Sohn sprechen?&#8220;</p>
<p>Leider hat unser Plan nicht geklappt. Herr Bottnik hatte das Gespräch dann doch schon beendet.</p>
<p>Im Nachhinein tut es mir leid, dass ich die Polin verdächtigt hatte. Ich weiß auch nicht, wie die Sache ausgegangen und weitergegangen ist.<br />
Herr Bottnik ist drei Jahre später verstorben. Er hat bis zuletzt in seinem Haus am Stadtpark gewohnt und scheint friedlich eingeschlafen zu sein. Das Grab, bei dem seine Gisela mit auf dem Grabstein stand, ist mir noch ein paar Jahre lang aufgefallen. Heute ist es weg.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/11e3e9dad28a43508b45bdf99343b161" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/11e3e9dad28a43508b45bdf99343b161" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
<div id="serial-posts-wrapper"><h3 class="serial-posts-heading">Fußnoten:</h3><div class="footnotes"><ol class="serial-posts"><li id="fn1"><a href="https://bestatterweblog.de/was-alles-passieren-kann-wenn-man-in-betreuerhande-gerat/">https://bestatterweblog.de/was-alles-passieren-kann-wenn-man-in-betreuerhande-gerat/</a> <a href="#fnref1"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li><li id="fn2"><a href="https://bestatterweblog.de/die-amtmannin/">https://bestatterweblog.de/die-amtmannin/</a> <a href="#fnref2"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li></ol></div></div>]]></content:encoded>
					
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		<title>Cold Case im Bestattungshaus</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/cold-case-im-bestattungshaus/</link>
					<comments>https://bestatterweblog.de/cold-case-im-bestattungshaus/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 21 Mar 2026 02:05:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mitarbeiter/Firma]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter Polizei Zusammenarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Cold Case Ermittlungen DNA]]></category>
		<category><![CDATA[DNA Löschung Antrag Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[DNA-Abstrich Zeuge Rechte]]></category>
		<category><![CDATA[DNA-Datenbank BKA Speicherung]]></category>
		<category><![CDATA[DNA-Probe Polizei Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Kriminalpolizei DNA Entnahme Ablauf]]></category>
		<category><![CDATA[Speichelprobe Polizei freiwillig]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://bestatterweblog.de/?p=62927</guid>

					<description><![CDATA[Als Bestatter hat man immer mal wieder mit der Polizei zu tun. Nicht alle Menschen versterben hochbetagt und friedlich im Bett. Es gibt sehr viele Fälle, in denen die Polizei<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/cold-case-im-bestattungshaus/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als Bestatter hat man immer mal wieder mit der Polizei zu tun. Nicht alle Menschen versterben hochbetagt und friedlich im Bett. Es gibt sehr viele Fälle, in denen die Polizei eine Rolle spielt.</p>
<p>In einem anderen Beitrag im Bestatterweblog widme ich mich der Frage, wie oft so etwas vorkommt.<br />
Um daraus zu zitieren: Es gibt bei weitem nicht so viele Tötungsdelikte, wie der Laie gemeinhin annimmt.</p>
<p>Aber es gibt eine große Zahl von Fällen, in denen die Polizei einfach routinemäßig näher hinschaut. In den meisten Fällen steckt nichts dahinter, aber die Polizei ist eben dabei.</p>
<p>In einem Fall waren wir zu einem Tatort gerufen worden. Der Verstorbene bot keinen schönen Anblick, er hatte sich mit einer Schrotflinte den Kopf demoliert.<br />
Trotzdem wollten die Beamten eine Fremdeinwirkung nicht ausschließen, und so wurde der gesamte Tatort penibel untersucht. Diese kriminaltechnischen Untersuchungen waren noch im Gange, als wir eintrafen.</p>
<div class="info-box2024">
<div class="info-box2024-title"></div>
<h3 id="infokasten-wann-die-polizei-bei-einem-todesfall-automatisch-eingeschaltet-wird">Infokasten: Wann die Polizei bei einem Todesfall automatisch eingeschaltet wird</h3>
<p>Viele denken, die Polizei kommt nur bei Mord oder offensichtlicher Gewalt. Das stimmt so nicht. In der Praxis wird sie immer dann hinzugezogen, wenn ein Tod <strong>nicht eindeutig natürlich</strong> ist.</p>
<p>Das bedeutet: Sobald ein Arzt Zweifel hat oder die Situation nicht sofort erklärbar ist, muss er den Todesfall als „ungeklärt“ einstufen – und dann ist die Polizei automatisch im Spiel.</p>
<p>Typische Situationen sind zum Beispiel:</p>
<ul>
<li>ein Tod im Freien oder an einem ungewöhnlichen Ort</li>
<li>plötzliche Todesfälle bei jüngeren oder zuvor gesunden Menschen</li>
<li>Verstorbene, die längere Zeit unentdeckt geblieben sind</li>
<li>sichtbare Auffälligkeiten oder Verletzungen</li>
</ul>
<p>Auch bei scheinbar klaren Fällen wie einem Suizid oder einem Tod zu Hause wird häufig genauer hingeschaut. Es geht dabei nicht um Misstrauen, sondern um eine einfache Regel:</p>
<p><strong>Ein nicht natürlicher Tod darf nicht übersehen werden.</strong></p>
<p>Deshalb gilt in Deutschland im Zweifel: lieber einmal zu viel ermitteln als einmal zu wenig.</p>
<p><em>Für Bestatter bedeutet das: Polizei am Einsatzort ist nichts Ungewöhnliches – selbst dann, wenn sich später herausstellt, dass alles einen ganz natürlichen Hintergrund hatte.</em></p>
</div>
<p>Ein Kriminalbeamter hatte dem Toten einen Plastiksack über den Kopf gezogen. Unsere Aufgabe bestand darin, den Mann in der Kunststoff-Transportwanne zum rechtsmedizinischen Institut zu bringen.</p>
<p>Einer von den Männern in den weißen Papieroveralls fragte in den Raum: &#8222;Brauchen wir die Fingerabdrücke von den Leichenmännern?&#8220;</p>
<p>Ach ja, das wäre ja keine schlechte Idee, denn so könnte man uns als Täter ausschließen, bzw. unsere Fingerabdrücke von denen anderer Leute unterscheiden.<br />
Aber einer der wohl Ranghöheren rief zurück: &#8222;Die tragen doch Gummihandschuhe!&#8220; und nickte uns auffordernd zu.</p>
<p>Also erledigten wir unsere Arbeit, ohne Fingerabdrücke abgeben zu müssen.</p>
<div class="info-box2024">
<div class="info-box2024-title"></div>
<p>Selbstverständlich haben Bestatter solche Schutzanzüge. Wie oft kommen sie in Situationen, in denen schon der Selbstschutz das Tragen erforderlich macht. Aber zu der Zeit, in der die o.g. Tat begangen wurde, trugen noch nicht einmal alle Polizisten am Tatort solche Schutzanzüge. Außerdem schützen diese Papieroveralls in Kombination mit Kopfhauben, Mundmasken, Handschuhen und Schuhüberziehern nur bedingt gegen das Kontaminieren mit eigenem Genmaterial. Sie minimieren es nur, können es aber keinesfalls gänzlich verhindern. Deshalb sind von allen Ermittlern selbstverständlich auch Genproben zum Ausschluss vorhanden.</p>
</div>
<p>Im Fernsehen erfreuen sich ja sogenannte Cold Cases besonderer Beliebtheit. Alte, ungelöste Fälle werden neu aufgerollt und mit den Mitteln moderner Kriminaltechnik gelingt es teilweise auch nach 20 und mehr Jahren, den Täter doch noch zu ermitteln.</p>
<p>Nach dem Schrotflinten-Selbstmord waren gewiss 8 bis 10 Jahre vergangen. Da stand eines Tages ein junger Herr in unserem Bestattungshaus. Er wollte unbedingt den Chef sprechen, und als Frau Büser ihn nicht durchlassen wollte, präsentierte er einen Polizeiausweis.</p>
<p>Der Mann in Jeans und Kapuzenpulli war aber auch an der unter seinem Pulli hervorlugenden Dienstwaffe erkennbar.</p>
<p>Nun habe ich noch nie in meinem Leben etwas Kriminelles gemacht. Ich habe schon Verbotenes gemacht. Ich hatte schon Ärger mit der Polizei. Aber ich bin echt kein böser Mensch. Ich würde mich alles das, was Böse so machen, gar nicht trauen. Aber trotzdem bekomme ich immer einen trockenen Mund und ein schlechtes Gewissen, wenn mir jemand einen Polizei-Dienstausweis unter die Nase hält.</p>
<p>Wie geht es Dir in solchen Situationen?</p>
<p>Aber der Mann war super freundlich und entschuldigte sich mehrfach für sein Ansinnen. Denn er wollte von mir wissen, welche meiner Mitarbeiter am soundsovielten im Jahr Neunzehnhundertirgendwas am Tatort mit der Schrotflinte gewesen waren.<br />
Na, das waren Manni und ich.<br />
Ja, ob wir bereit wären, nun eine DNA-Probe abzugeben, es gäbe da neue Ermittlungsansätze, und mittels neuer Methoden, die es damals noch nicht in dem Maße gegeben habe, wolle man jetzt noch einmal an den Fall herangehen.<br />
Und, um Täterspuren von sogenannten Alltagsspuren unterscheiden zu können, bräuchte man jetzt unsere DNA.</p>
<p>Ich ließ Manni hochkommen. Auch er war ziemlich aufgeregt. Keine Ahnung, was der für Leichen im Keller hat, aber angenehm war ihm der Besuch des Polizisten offensichtlich auch nicht.</p>
<p>Aber natürlich haben wir uns bereiterklärt, dem Kriminalbeamten zu helfen. Aus dem Auto holte er dann ein Köfferchen. Darin waren so eine Art Reagenzgläser mit Wattestäbchen. Damit fuhr er uns links und rechts in den Backentaschen herum. Dann beschriftete er Aufkleber und markierte die Röhrchen. &#8222;Das war&#8217;s schon, vielen Dank.&#8220;</p>
<p>Ich hab dann noch gefragt, ob man erfahren könne, was dabei herauskommt. Aber der Polizist zuckte nur mit den Achseln: &#8222;Wenn was rauskommt, steht&#8217;s vielleicht irgendwann mal in der Zeitung.&#8220;</p>
<p>Manni wollte dann noch wissen, ob die Probe jetzt für immer gespeichert bleibt. Ich hatte den Eindruck, dass der Polizist das gar nicht wusste. Er sagte nur sinngemäß, das würde sowieso automatisch passieren, und es sei ja nur zum Abgleich.</p>
<p>Mir kamen dann später aber noch Bedenken.<br />
Wenn die einmal Deine DNA haben und die Daten abgespeichert sind, warum sollten die das löschen wollen?<br />
Es könnte ja sein, dass auch ehemalig nur unbeteiligte Zeugen irgendwann einmal böse werden.<br />
Und irgendwo müssen die &#8222;Treffer in der DNA-Datenbank&#8220; ja herkommen. Da sind doch bestimmt nicht nur ehemalige Straftäter oder so gespeichert.</p>
<div class="info-box2024">
<div class="info-box2024-title"></div>
<h3 id="infokasten-dna-probe-als-zeuge-wird-sie-automatisch-geloescht">Infokasten: DNA-Probe als Zeuge – wird sie automatisch gelöscht?</h3>
<p>Viele Menschen gehen davon aus, dass eine freiwillig abgegebene DNA-Probe als Zeuge automatisch wieder verschwindet. Das ist <strong>nicht ganz so einfach</strong>.</p>
<p>Grundsätzlich gilt: Wird eine DNA-Probe <strong>als Zeuge freiwillig</strong> abgegeben, darf sie <strong>nur für den konkreten Zweck</strong> verwendet werden – etwa zum Abgleich mit Spuren aus einem bestimmten Verfahren.</p>
<p>Sobald dieser Zweck entfällt (z. B. nach Abschluss der Ermittlungen), müssen die Daten <strong>gelöscht werden</strong>.</p>
<p><strong>Aber:</strong> In der Praxis geschieht diese Löschung <strong>nicht immer automatisch und sofort</strong>.</p>
<ul>
<li>Die Probe selbst wird in der Regel vernichtet</li>
<li>Das daraus erstellte DNA-Profil (reine Zahlen und Daten in einer Datenbank) kann vorübergehend gespeichert bleiben</li>
<li>Eine endgültige Löschung erfolgt oft erst nach Prüfung</li>
</ul>
<p>Wer sichergehen will, sollte <strong>aktiv nachfragen oder einen Löschungsantrag bei der Landespolizeibehörde oder beim Bundeskriminalamt stellen</strong>.</p>
<p><strong>Wichtig:</strong> Eine als Zeuge abgegebene DNA darf <strong>nicht ohne Weiteres dauerhaft gespeichert</strong> oder für andere Ermittlungen verwendet werden.</p>
<p><em>Fazit:</em> Auch bei freiwilliger Abgabe gilt: Die Löschung ist vorgesehen – aber es schadet nicht, selbst ein Auge darauf zu haben.</p>
</div>
<p>Ich hatte immer vor, irgendwann mal nachzufragen. Aber dann habe ich mir gesagt: Was soll&#8217;s? Du machst ja eh nix Kriminelles.</p>
<p>Wie siehst Du das?</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/43fc48858ac24cc0885e951b3d684f91" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/43fc48858ac24cc0885e951b3d684f91" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Chuck Norris ist tot</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Mar 2026 22:18:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nekrolog]]></category>
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					<description><![CDATA[Carlos Ray „Chuck“ Norris Jr. (* 10. März 1940 in Ryan, Oklahoma; † 19. März 2026 auf Kauaʻi, Hawaii) war ein US-amerikanischer Kampfkünstler, Action-Schauspieler und Buchautor. Größere Berühmtheit erlangte er<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/chuck-norris-ist-tot/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Carlos Ray „Chuck“ Norris Jr. (* 10. März 1940 in Ryan, Oklahoma; † 19. März 2026 auf Kauaʻi, Hawaii) war ein US-amerikanischer Kampfkünstler, Action-Schauspieler und Buchautor.</p>
<p>Größere Berühmtheit erlangte er als Filmgegner von Bruce Lee in <em>Die Todeskralle schlägt wieder zu</em> (1972) sowie durch die dreiteilige Kinofilmreihe <em>Missing in Action</em> (1984–1988) und die Fernsehserie <em>Walker, Texas Ranger</em> (1993–2001), als deren ausführender Produzent er auch agierte. Nachdem er seit 2004 nicht mehr im Kino zu sehen war, feierte er 2012 im Film <em>The Expendables 2</em> ein Comeback.</p>
<p>Chuck Norris verstarb am 19. März 2026 im Alter von 86 Jahren, nachdem er wegen eines medizinischen Notfalls auf der hawaiianischen Insel Kauaʻi ins Krankenhaus eingeliefert worden war.</p>
<p>Seit 2005 sind die Chuck Norris Facts als Internetmeme im Umlauf, die auf seine martialischen Filmrollen und seine Kampfkünste humoristisch anspielen.</p>
<p>Chuck Norris wird nicht beerdigt, er stülpt sich die ganze Welt über.</p>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chuck_Norris" rel="noopener">https://de.wikipedia.org/wiki/Chuck_Norris</a></p>
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		<title>Der Sabbataufzug</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/der-sabbataufzug/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Mar 2026 01:13:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Aufzug Anekdote lustig]]></category>
		<category><![CDATA[humorvolle Begegnungen Alltag]]></category>
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		<category><![CDATA[Judentum]]></category>
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		<category><![CDATA[Kompliment]]></category>
		<category><![CDATA[Krankenhaus Aufzug Erfahrung]]></category>
		<category><![CDATA[lustige Alltagsgeschichte Aufzug]]></category>
		<category><![CDATA[peinliche Situationen im Aufzug]]></category>
		<category><![CDATA[Sabbat Aufzug Erklärung]]></category>
		<category><![CDATA[satire]]></category>
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					<description><![CDATA[Die jüdische Kultur ist hochinteressant, folgt sie doch Gesetzen und Traditionen, die im Buch der Bücher vor tausenden Jahren festgeschrieben wurden. Mein Freund Alon lebt nicht nach den strengen jüdischen<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/der-sabbataufzug/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die jüdische Kultur ist hochinteressant, folgt sie doch Gesetzen und Traditionen, die im Buch der Bücher vor tausenden Jahren festgeschrieben wurden. Mein Freund Alon lebt nicht nach den strengen jüdischen Regeln. </p>
<p>Sein verstorbener Vater Abraham war da schon penibler. Mit ihm habe ich mich sehr gerne unterhalten, konnte ich da doch Dinge lernen, von denen ich bis dahin nur eine sehr oberflächliche Ahnung hatte. Besonders interessant waren für mich natürlich die jüdischen Bestattungsriten.<sup id="fnref1"><a href="#fn1" class="footnote">1</a></sup></p>
<p>Innerhalb des Judentums ist es nicht viel anders als bei uns Christen. Es gibt Menschen, denen Regeln und Traditionen herzlich egal sind, und die sich nur in Stunden größter Not auf ihren Glauben besinnen. Es gibt welche, die fromm sind und viele Regeln befolgen, und es gibt natürlich auch ganz Strenggläubige, die akribisch auf die Einhaltung biblischer oder meist kirchlicher Regeln achten.</p>
<p>Zu den Besonderheiten des jüdischen Lebens gehört die Heiligung des Sabbat (שַׁבָּת)<sup id="fnref2"><a href="#fn2" class="footnote">2</a></sup>. Von Freitagabend bis Samstagabend ist der Sabbat der Ruhetag und nach jüdischer Zählung der siebte Tag der Woche.</p>
<p>An diesem Tag werden mehr Gebete gesprochen, er wird feierlich begangen und die Arbeit ruht. Je nach Glaubensintensität alles mehr oder weniger.<br />
Orthodoxe Juden nehmen das Verbot, am Sabbat Feuer zu machen, so ernst, dass sie nicht einmal elektrische Lichtschalter betätigen. Die Erfindung der Klatschschalter und der Sprachsteuerung ist für manche ein wahrer Segen gewesen.</p>
<p>Blöd nur, wenn man in einem Hochhaus wohnt und zum Erreichen seiner Wohnetage einen Aufzug nehmen muss. Den Schalter für das richtige Stockwerk darf man ja am Sabbat nicht drücken.</p>
<p>Deshalb sind findige israelitische Elektriker schon in den 1950er Jahren auf die Idee mit der Sabbatschaltung gekommen. Am Freitagnachmittag kommt der Hausmeister, dreht einen Schlüssel um, und ab dem Moment muss bis Samstagabend niemand mehr einen Knopf drücken. Der Aufzug wird einfach so geschaltet, dass er brav in jeder Etage von ganz alleine hält.</p>
<p>Als ich letzten Samstag meine Allerliebste im Krankenhaus besucht habe, muss der verrückte jüdische Hausmeister, etwas anderes oder ein anderer kann es gar nicht gewesen sein, den Schlüssel im Sabbatloch des Aufzugs abgebrochen haben.</p>
<p>Ich muss in den sechsten Stock. Folgerichtig drücke ich auf die 6. Die Türen schließen sich, der Aufzug fährt los und hält auf Etage eins. Türen auf: Keiner steigt ein, und ich will nicht raus. Türen zu. Zweiter Stock. Türen auf, keiner rein, keiner raus, Türen zu.<br />
So ging es dann, der geneigte Leser mag es sich schon denken, in jeder Etage weiter.</p>
<p>Bis auf Etage sechs. Denn nachdem ich ganz allein im Aufzug stehend, die fünfte Etage erreicht hatte, fuhr das Ding sang- und klanglos wieder runter ins Erdgeschoss auf Stockwerk Nummer Null.<br />
Entweder stimmte meine Theorie vom durchgeknallten jüdischen Hausmeister oder ein elektronischer Pumuckl trieb in der Steuerung sein Unwesen.</p>
<p>Ich komme mir jedenfalls vor, wie Schlomo Wilhelm, der vom Sabbataufzug genarrt wird.</p>
<p>Was kann ich anderes tun, als wieder beherzt auf die Taste mit der Nummer sechs zu drücken?<br />
Diesmal fährt der Fahrstuhl durch bis zum zweiten Stock. Die Türen öffnen sich und eine elegante Dame, so um die 40, steigt ein. Sie will die 6 drücken, sieht, dass ich schon gedrückt habe und stellt sich in die andere Ecke.<br />
Es wiederholt sich das Spiel von soeben. Der Wackelkasten hält auf jeder der folgenden Etagen und öffnet dumm seine Schiebepforten.</p>
<p>Nun ist das ja in Aufzügen so, wie in Wartezimmern. Die Menschen trauen sich nicht, normal miteinander zu sprechen. Ich finde das doof. Schließlich hört man doch immer wieder davon, dass Aufzüge abstürzen können, und vielleicht sind die Leute, die jetzt gerade mit mir im selben Aufzug sind, die letzten Menschen, die ich noch sehen werde. Schließlich geht man doch gemeinsam auf eine nicht ganz ungefährliche Mission, bei der ein viel zu kleiner, stählerner Kasten von Drähten gezogen 30 Meter oder mehr durch eine Betonröhre saust.</p>
<p>In diesem speziellen Kasten war vielleicht Platz für vier normale Menschen. Also jetzt von Menschen meines Kalibers. Von der Sorte der netten Dame wären vielleicht sogar sechs reingegangen. Auf dem Schild neben der Bedientafel steht aber &#8222;16 Personen&#8220;. Welcher Honk rechnet so einen Scheiß eigentlich aus? Gibt es Gegenden, wo sich die Leute übereinanderlegen? Oder arbeiten in der Normierungsagentur nur Kleinwüchsige?</p>
<p>Die Elegante und ich kommen nicht im sechsten Stockwerk an, sondern nach fünf kommt wieder null.<br />
Ich richte das Wort an die erstaunte Frau und sage: &#8222;Geht mir jetzt schon zum zweiten Mal so, irgendwas stimmt da nicht.&#8220;<br />
Sie lächelt ein sehr nettes Lächeln und erwidert: &#8222;Hauptsache, wir stürzen nicht ab.&#8220;</p>
<p>Im Erdgeschoss steigt eine Mittzwanzigerin ein, nicht so elegant. Aber heutzutage wird auf Eleganz ja im Allgemeinen kein so großer Wert mehr gelegt. Und so ist es wohl auch völlig normal, riesige Brüste ohne BH herumzutragen, eine viel zu enge Jogginghose mit rotweißem Fliegenpilzmuster und ganz hässliche grüne Crocs<sup id="fnref3"><a href="#fn3" class="footnote">3</a></sup> anzuhaben.<br />
Die Fliegenpilzfrau hält ein Smartphone vors Gesicht und sabbelt laut hinein.</p>
<p>Während ich noch darüber nachdenke, ob die Frau sich selbst aufnimmt, um Content für ein soziales Netzwerk zu produzieren, oder ob sie mit irgendwem telefoniert, fällt mein Blick auf das Schuhwerk der eleganten Frau. Die glänzenden Stiefeletten fallen mir vor allem deshalb auf, weil meine Allerliebste auch so welche hat.<br />
Die Frau bemerkt meinen Blick und es ist mir aus irgendeinem Grund peinlich, dass sie mich dabei ertappt hat, wie ich sie mustere.<br />
Um der Situation die völlig unnötige, aber doch existierende Peinlichkeit zu nehmen, nicke ich in Richtung ihrer Schuhe und sage: &#8222;Sehr schöne Schuhe.&#8220;</p>
<p>Die Dame lächelt, ist ganz erstaunt und antwortet: &#8222;Danke! Och Gottchen, Sie haben meinen Tag gerettet. Man fährt ja nie aus angenehmen Gründen ins Krankenhaus, aber ihr nettes Kompliment freut mich jetzt so, dass ich ein schönes Gefühl im Herzen habe. Dankeschön.&#8220;</p>
<p>Na also. Ich lebe ja sowieso nach der von meinem Vater erfundenen Philosophie des Kokoni. Kokoni bedeutet <em>Ko</em>mplimente <em>ko</em>sten <em>ni</em>chts.<br />
Mein Vater hatte recht. Ein schönes Kompliment zur rechten Zeit, ohne zu schleimen und ohne zu übertreiben, das öffnet Herzen, lächelnde Münder und oft genug auch Türen, die sonst verschlossen geblieben wären.</p>
<p>Ich habe da schon drüber geschrieben<sup id="fnref4"><a href="#fn4" class="footnote">4</a></sup>, und kann das Kokoni nur jedem empfehlen. Einfach mal freundlich sein und das Maul aufmachen. Nicht nur, wenn einem was nicht passt.</p>
<p>Die Situation im Aufzug ist fürs Erste gerettet, auch wenn der Sabbatschlemihl-Lift<sup id="fnref5"><a href="#fn5" class="footnote">5</a></sup> immer noch nicht in den sechsten Stock fahren will. </p>
<p>Allerdings habe ich die Rechnung ohne die kleine, dicke Crocs-Frau gemacht. Bei ihr stößt Kokoni auf wenig Gegenliebe. Kaum hat die Elegante sich für mein Schuhkompliment bedankt, fährt Lady Crocs herum und zischt die andere Frau an: &#8222;Wie kannst Du Dich so erniedrigen? Der Olle macht Dich hier voll schleimig an. Der pädophile Opa ist doch bestimmt schon über Siebzig! Und Du beugst Dich dem Machogehabe von so einem? Ich hab nur Verachtung für Frauen, die sich in einer patriarchalischen Welt so prostituieren.&#8220;</p>
<p>In dem Moment tut der Aufzug, was er eigentlich die ganze Zeit schon hätte tun sollen, er hält im sechsten Stockwerk und öffnet seine gleitenden Türen. Die Elegante und ich steigen aus. Die Tür schließt sich wieder und genau in dem Moment biegen zwei Männer in blauen Hausmeisterklamotten um die Ecke. Einer trägt einen Werkzeugkasten in der Hand, der andere einen unglaublich dicken Schlüsselbund. Der mit dem Werkzeugkasten fragt die Frau mit den schönen Schuhen und mich: &#8222;Gell, der spinnt der Aufzug, odda?&#8220;<br />
Ich nicke, und die Frau sagt: &#8222;Der fährt irgendwie unregelmäßig.&#8220;</p>
<p>Dann fragt er uns: &#8222;Da ist keiner mehr drin, odda?&#8220;<br />
Die Schönschuhfrau und ich schauen uns nur einen ganz winzigen Moment an und sagen absolut gleichzeitig: &#8222;Nö&#8220;.</p>
<p>Der Mann nickt seinem Kollegen zu und der schaltet den Aufzug mit dem Schlüssel einfach ab. Aus dem Werkzeugkasten zieht er eine Magnettafel mit der Aufschrift &#8222;defekt, bitte Aufzug nebenan benutzen&#8220;.</p>
<p>Eine Stunde bleibe ich bei meiner Allerliebsten, und als ich, beladen mit einer Tasche voller Dreckwäsche, wieder nach unten fahren will, sehe ich dass der Aufzug inzwischen wieder richtig funktioniert. Ich weiß nicht, wie lange die klebrige Feministin im Aufzug ausharren musste. Hoffentlich nicht zu lange, denn das ist wirklich eine üble Situation. Aber hoffentlich auch nicht zu kurz. Die Elegante und der pädophile Opa haben ja nicht umsonst &#8222;Nö&#8220; gesagt.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/77ac7f7f9df74fa1ad23e332dd69f062" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/77ac7f7f9df74fa1ad23e332dd69f062" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
<div id="serial-posts-wrapper"><h3 class="serial-posts-heading">Fußnoten:</h3><div class="footnotes"><ol class="serial-posts"><li id="fn1"><a href="https://bestatterweblog.de/bestattungen-in-verschiedenen-religionen-und-kulturkreisen-judentum/">https://bestatterweblog.de/bestattungen-in-verschiedenen-religionen-und-kulturkreisen-judentum/</a> <a href="#fnref1"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li><li id="fn2"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schabbat">https://de.wikipedia.org/wiki/Schabbat</a> <a href="#fnref2"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li><li id="fn3"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Crocs">https://de.wikipedia.org/wiki/Crocs</a> <a href="#fnref3"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li><li id="fn4"><a href="https://bestatterweblog.de/?s=kokoni">https://bestatterweblog.de/?s=kokoni</a> <a href="#fnref4"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li><li id="fn5"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schlemihl">https://de.wikipedia.org/wiki/Schlemihl</a> <a href="#fnref5"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li></ol></div></div>]]></content:encoded>
					
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		<title>Das Urnenproblem bei Flussbestattungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Mar 2026 05:01:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Branche/Kommune]]></category>
		<category><![CDATA[alternative Urnenmaterialien Bestattung]]></category>
		<category><![CDATA[Bestattung im Fluss Vorschriften]]></category>
		<category><![CDATA[Bio-Urne auflösbar]]></category>
		<category><![CDATA[Flussbestattung Rheinland-Pfalz]]></category>
		<category><![CDATA[gesetzliche Vorgaben Urnen Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Seeurne vs Flussurne]]></category>
		<category><![CDATA[Urne löst sich nicht auf Problem]]></category>
		<category><![CDATA[Urnenmaterial Zellulose]]></category>
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					<description><![CDATA[Endlich sind auch in Rheinland-Pfalz Flussbestattungen möglich. Doch die Bestatter haben ein Problem: Das neue Gesetz schreibt Urnen vor, die es so gar nicht zu geben scheint. Man nehme etwas<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/das-urnenproblem-bei-flussbestattungen/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Endlich sind auch in Rheinland-Pfalz Flussbestattungen möglich. Doch die Bestatter haben ein Problem: Das neue Gesetz schreibt Urnen vor, die es so gar nicht zu geben scheint.</p>
<p>Man nehme etwas Quark, ein paar Sägespäne und ein bisschen Tapetenkleister – schon hat man eine formbare Masse, aus der sich zum Beispiel eine Urne herstellen lässt.</p>
<p>Solche Bio-Urnen lösen sich im Erdreich ebenso zuverlässig auf wie im Wasser. Gleiches gilt für Modelle aus Pappmaché, Eierkartonpappe (Schöpfpappe), Salz-Sand-Gemischen oder gepresstem Laub.</p>
<h2 id="das-problem-bei-flussbestattungen-in-rheinland-pfalz">Das Problem bei Flussbestattungen in Rheinland-Pfalz</h2>
<p>Seit Kurzem sind in Rheinland-Pfalz auch Flussbestattungen zulässig. Das entsprechend angepasste Landesbestattungsgesetz schreibt jedoch vor, dass die Urnen aus „sich sofort auflösendem Zellulose-Material“ bestehen müssen.</p>
<p>Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: Die Urne soll sich rasch auflösen und die Asche zügig freigeben. So wird verhindert, dass sie wieder auftreibt und wie eine kleine Boje am Ufer herumdümpelt.</p>
<h2 id="warum-seeurnen-nicht-einfach-auf-fluesse-uebertragbar-sind">Warum Seeurnen nicht einfach auf Flüsse übertragbar sind</h2>
<p>Wir Bestatter kennen auflösbare Urnen seit Jahrzehnten, denn bei Seebestattungen<sup id="fnref1"><a href="#fn1" class="footnote">1</a></sup> werden sie schon lange eingesetzt. Allerdings läuft eine Seebestattung ganz anders ab als eine Flussbestattung.</p>
<p>Das Beisetzungsschiff fährt hinaus aufs offene Meer und steuert eine Stelle über rauem Grund an – dort, wo in der Regel nicht gefischt wird. Anschließend wird die Urne bei Wassertiefen zwischen 20 und 80 Metern über Bord gegeben. Sie sinkt auf den Meeresgrund und löst sich dort innerhalb von zwei Stunden bis zwei Tagen auf. Zurück bleibt ein kleines Häufchen Totenasche, das mit der Zeit vom Sediment überdeckt wird.</p>
<h2 id="was-mit-der-asche-bei-seebestattungen-wirklich-geschieht">Was mit der Asche bei Seebestattungen wirklich geschieht</h2>
<p>Schon vor Jahren habe ich im Bestatterweblog darüber berichtet, dass Untersuchungen des Deutschen Hydrographischen Instituts<sup id="fnref2"><a href="#fn2" class="footnote">2</a></sup> zeigen: Die Asche bleibt tatsächlich am Ort der Beisetzung am Meeresboden und verteilt sich nicht – wie oft romantisch angenommen – in alle sieben Weltmeere<sup id="fnref3"><a href="#fn3" class="footnote">3</a></sup>.</p>
<h2 id="in-fluessen-gelten-voellig-andere-bedingungen">In Flüssen gelten völlig andere Bedingungen</h2>
<p>In Flüssen herrschen jedoch ganz andere Bedingungen.</p>
<p>Hier gibt es stärkere Strömungen, die Gewässer sind deutlich schmaler und zudem meist stark frequentierte Wasserstraßen. Fischer, Boote, Schiffe, Angler, Schwimmer – alles trifft hier auf engem Raum zusammen.</p>
<p>Hinzu kommt: Entlang der Flüsse leben Menschen, es gibt Industriebetriebe, Freizeitanlagen und Campingplätze.</p>
<p>All das macht die im Landesbestattungsgesetz geforderten schnellauflösenden Urnen notwendig. Der Gesetzgeber hat sich dabei durchaus etwas gedacht – und aus meiner Sicht auch richtig entschieden.</p>
<h2 id="wenn-selbst-seeurnen-probleme-machen">Wenn selbst Seeurnen Probleme machen</h2>
<p>Selbst bei Seebestattungen kommt es in seltenen Fällen vor, dass Urnen irgendwo an der niederländischen Küste angespült werden<sup id="fnref4"><a href="#fn4" class="footnote">4</a></sup>. Dann wurde entweder nicht korrekt beigesetzt oder – was häufiger vorkommt – eine ungeeignete Urne verwendet.</p>
<h2 id="warum-die-bisherigen-seeurnen-meist-ungeeignet-sind">Warum die bisherigen Seeurnen meist ungeeignet sind</h2>
<p>Die bislang üblichen Seeurnen sind für Flussbestattungen daher nur eingeschränkt geeignet. Die Anforderungen des rheinland-pfälzischen Landesbestattungsgesetzes erfüllen sie in den meisten Fällen nicht.</p>
<p>Typische Gründe dafür sind:</p>
<ul>
<li>Sie lösen sich zu langsam auf</li>
<li>Sie bestehen teilweise nicht aus der geforderten Zellulose</li>
</ul>
<h2 id="erfahrungen-aus-der-praxis">Erfahrungen aus der Praxis</h2>
<p>Mein Freund Oliver, ein erfahrener Bestatter aus NRW, der schon seit Längerem Flussbestattungen durchführt, hat das selbst getestet. Die von der Zulieferindustrie angebotenen Zellulose-Urnen aus Pappe lösen sich keineswegs sofort auf. Unter Wasser werden sie zwar weich und matschig, bleiben aber oft bis zu 14 Tage stabil – und neigen zudem dazu, aufzuschwimmen.</p>
<p>Mal lösen sie sich nach zwei Tagen auf, mal dauert es doch zwei Wochen.</p>
<div style="border:1px solid #ccc; padding:15px; background-color:#f9f9f9; margin:20px 0;">
<h2 style="margin-top:0;" style="margin-top:0;" id="infokasten-papier-ist-nicht-gleich-papier">Infokasten: Papier ist nicht gleich Papier</h2>
<p>Wir kennen das sogar aus dem eigenen Haushalt: Toilettenpapier und Küchenrollen sehen auf den ersten Blick nahezu identisch aus. Doch ihre Eigenschaften könnten unterschiedlicher kaum sein.</p>
<p>Toilettenpapier ist so konzipiert, dass es sich im Abwasserstrom in kürzester Zeit vollständig auflöst. Küchenpapier hingegen wird häufig als besonders nassfest beworben. Es soll Flüssigkeiten aufnehmen und auch bei Feuchtigkeit stabil bleiben – also gerade <em>nicht</em> sofort zerfallen.</p>
<p>Nur nebenbei bemerkt: Küchenpapier und insbesondere Papierhandtücher gehören keinesfalls in die Toilette. Gleiches gilt für moderne feuchte Toilettentücher. Rohrreinigungsdienste haben regelmäßig gut zu tun, wenn Verbraucher das ignorieren.</p>
<p>Fazit: Papier ist nicht gleich Papier. Für Urnen wäre ein Zelluloseprodukt erforderlich, das sich eher wie Toilettenpapier verhält – also schnell und vollständig im Wasser auflöst.</p>
</div>
<h2 id="behelfsmassnahmen-loecher-papier-und-kiesel">Behelfsmaßnahmen: Löcher, Papier und Kiesel</h2>
<p>Um wenigstens zu verhindern, dass die Urnen wieder auftauchen, werden an geeigneten Stellen Löcher eingebracht und mit dünnem Papier, etwa Teebeutelpapier, verschlossen. Zusätzlich beschwert man sie mit Flusskieseln. Das verhindert zwar das Auftreiben, löst aber nicht das Grundproblem der zu langsamen Zersetzung.</p>
<h2 id="wer-traegt-die-verantwortung">Wer trägt die Verantwortung?</h2>
<p>Für die Bestatter, die diese Bestattungsform anbieten, ist das eine echte Herausforderung. Einige geben der Landesregierung die Schuld und meinen, hier hätten Menschen entschieden, die die Praxis nicht kennen. Andere sehen die Verantwortung eher bei den Herstellern, die bislang keine wirklich geeigneten Urnen liefern können.</p>
<h2 id="meine-einschaetzung-zur-uebergangszeit">Meine Einschätzung zur Übergangszeit</h2>
<p>Ich persönlich meine: Für eine Übergangszeit kann man durchaus auf einfache Pappmaché-Urnen zurückgreifen – mit entsprechenden Anpassungen wie Löchern und Beschwerung. Aber eben nur vorübergehend, bis die Industrie passende Lösungen anbietet.</p>
<p>Denn das Problem ist nicht die technische Machbarkeit, sondern schlicht der bislang fehlende Bedarf. Und der wird sich erfahrungsgemäß sehr schnell bemerkbar machen.</p>
<h2 id="die-loesung-von-bestatterin-margit">Die Lösung von Bestatterin Margit</h2>
<p>Kollegin Margit B. hat sich vom Schreiner eine schöne achteckige Holzurne bauen lassen. Diese hat einen aufklappbaren Boden. In die Urne gibt sie einen Beutel, oder genauer gesagt eine Tüte, aus schnell auflösbarem Zellulosematerial. Das kauft sie auf größeren Rollen im Sanitätsbedarf. In diesen Beutel kommt die Totenasche. Und der Beutel kommt dann, wie bereits gesagt, in die wiederverwendbare Beisetzungsurne aus Holz.</p>
<p>Im Moment der Beisetzung lässt Margit die Holzurne an zwei Schnüren bis an die Wasseroberfläche und zieht dann an einer dritten Schnur, die den aufklappbaren Boden der Urne freigibt. Der Zellulosebeutel mit der Asche gleitet ins Wasser und geht sofort unter.</p>
<p>Ob man den Zellulosebeutel nun tatsächlich als Urne im Sinne des neuen Bestattungsrechts bezeichnen kann, ist sicherlich eine Interpretationsfrage. Jedenfalls erfüllt dieses Verfahren den Wunsch der Landesregierung, dass keine Urnen im Fluss herumschwimmen können.</p>
<h2 id="fazit">Fazit</h2>
<p>Bis dahin bleibt die praktische Erprobung an den Bestattern hängen. Sie müssen verschiedene Modelle testen, um herauszufinden, welche Urnen den neuen gesetzlichen Anforderungen am ehesten gerecht werden.</p>
<p>Eine andere Lösung wäre eine gelockerte Ausführungsverordnung, bei der auch das direkte Verstreuen der Asche in den Fluss möglich wäre.</p>
<p><a href="https://bestatterweblog.de/merkmale-und-unterschiede-der-verschiedenen-bestattungsarten/">https://bestatterweblog.de/merkmale-und-unterschiede-der-verschiedenen-bestattungsarten/</a></p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/2a0dd58c3dd24a51b7ac11d6dc0dd457" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/2a0dd58c3dd24a51b7ac11d6dc0dd457" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
<div id="serial-posts-wrapper"><h3 class="serial-posts-heading">Fußnoten:</h3><div class="footnotes"><ol class="serial-posts"><li id="fn1"><a href="https://bestatterweblog.de/seebestattung/">https://bestatterweblog.de/seebestattung/</a> <a href="#fnref1"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li><li id="fn2"><a href="https://bestatterweblog.de/schwimmt-asche/">https://bestatterweblog.de/schwimmt-asche/</a> <a href="#fnref2"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li><li id="fn3"><a href="https://bestatterweblog.de/die-sieben-weltmeere/">https://bestatterweblog.de/die-sieben-weltmeere/</a> <a href="#fnref3"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li><li id="fn4"><a href="https://bestatterweblog.de/schwimmt-asche/">https://bestatterweblog.de/schwimmt-asche/</a> <a href="#fnref4"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li></ol></div></div>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Es geht besser</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/es-geht-besser/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Mar 2026 06:17:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Internes]]></category>
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					<description><![CDATA[Nachdem uns die Ärzte über fast drei Wochen dunkle Gedanken in die Köpfe gepflanzt haben, gibt es nun einen Sonnenstrahl, der unsere Herzen erleuchtet. Die heftigste Aussage war wohl die<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/es-geht-besser/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem uns die Ärzte über fast drei Wochen dunkle Gedanken in die Köpfe gepflanzt haben, gibt es nun einen Sonnenstrahl, der unsere Herzen erleuchtet.</p>
<p>Die heftigste Aussage war wohl die einer Ärztin, die meine Frage, wann ich die Allerliebste wieder nach Hause holen kann, sinngemäß so beantwortete: &#8222;Sie können froh sein, wenn Sie Ihre Frau überhaupt noch mal nach Hause holen können.&#8220;</p>
<p>Einmal abgesehen davon, dass hier Fingerspitzengefühl wohl mit Faustschlagtaktik verwechselt wurde, versetzt einem das psychisch einen unglaublichen Hieb.</p>
<p>Ich weiß ja nur, wie es mir damit gegangen ist. In die Allerliebste hineinschauen, das kann auch ich nach über 20 Jahren Ehe und 50 Jahren des gegenseitigen Kennens nicht.</p>
<p>Schwerwiegende Herzprobleme haben zu intensiven Untersuchungen geführt, und dabei kam dann etwas zutage, was ein Arzt uns so vermittelte: &#8222;Wir haben da was gefunden.&#8220;</p>
<p>Auf einmal war das Herz nicht mehr wichtig. Irgendwie wurde mir der Eindruck vermittelt, es sei jetzt an der Zeit, einen Sarg zu zimmern&#8230;</p>
<p>Und dann habe ich hier im Bestatterweblog darüber geschrieben und Euch um Eure Gebete und gute Gedanken gebeten.</p>
<p>Nennt es, wie ihr wollt:</p>
<p>Am Donnerstag kam die vorerst erlösende Nachricht, dass das &#8222;was man gefunden hat&#8220;, nun gar nicht so schlimm sei, wie befürchtet.<br />
Schon am Freitag konnte die dringend erforderliche Herz-OP minimalinvasiv durchgeführt werden.</p>
<p>Noch trägt die Allerliebste eine LiveVest, einen umschnallbaren Defibrillator, der ihr bei plötzlichem Herzversagen Stromstöße versetzen soll.<br />
Aber sie hat schon wieder rote Bäckchen.</p>
<p>Danke!</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Tittentaxis</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/tittentaxis/</link>
					<comments>https://bestatterweblog.de/tittentaxis/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Mar 2026 20:12:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://bestatterweblog.de/?p=62905</guid>

					<description><![CDATA[Mit zunehmendem Alter scheue ich immer mehr die Spontankommunikation. Ich schreibe lieber eine Mail, als dass ich mit jemandem telefoniere. Ganz übel finde ich, wenn mir Leute einen Videocall aufnötigen.<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/tittentaxis/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit zunehmendem Alter scheue ich immer mehr die Spontankommunikation. Ich schreibe lieber eine Mail, als dass ich mit jemandem telefoniere. Ganz übel finde ich, wenn mir Leute einen Videocall aufnötigen.</p>
<p>Mich nervt es schon, wenn mich Leute nicht ganz normal anrufen, egal ob über das Festnetz oder das Handy. Manche rufen über Whatsapp oder irgendeinen anderen Messenger an. Dann klingelt es komisch, ich muss irgendwelche anderen Tasten klicken, und oft ist die Sprachqualität auch unterirdisch. Ganz schlimm finde ich es, wenn Leute ungefragt mit mir videochatten wollen.</p>
<p>Vielleicht esse ich gerade oder ich habe nur Strapse und Stöckelschuhe an.</p>
<p>Die Steigerung von Videotelefonaten sind Videokonferenzen. Meist wollen die Gesprächspartner dann, dass ich mir irgendeine Software runterlade, die es oft nur für Windows gibt, oder die ich eventuell bezahlen müsste. Dann muss ich diese Software einrichten, kenne mich mit der Bedienung nicht aus und ärgere mich die ganze Zeit.</p>
<p>Anders ist das bei Frau Ramirez-Schütterle von der Versicherung. Sie will mit mir über die Gebäudeversicherung sprechen und hat angeblich was Sensationelles für mich. Nein, das sei kein Problem, ich müsse nichts installieren, sondern nur zum vereinbarten Zeitpunkt einen Link in einer Mail anklicken.</p>
<p>Ja, das mache ich. Es blubbert, blinkt und tutet, und dann sehe ich mich selbst in einem kleinen Fenster und Frau Ramirez-Schütterle im großen.</p>
<p>Ich beschreibe einmal, was ich sehe:</p>
<p>Ich sitze in meinem Arbeitszimmer vor einer Bücherwand, habe mir was Anständiges angezogen und meinen Bart gekämmt.</p>
<p>Frau Ramirez-Schütterle sitzt in New York. Genauer gesagt hat sie sich ein von halbschräg oben aufgenommenes Live-Bild von New York als virtuellen Hintergrund eingestellt, vor dem sie freundlich lächelnd mit mir spricht. Wahnsinn, was da heute alles möglich ist, denke ich, während die Fifth Avenue mit dichtem Verkehr zu ihrem linken Ohr hinein- und aus ihrem rechten Ohr herausführt.</p>
<p>Obwohl&#8230; Ohren? Ohren hat sie keine. Dieser virtuelle Hintergrund weiß irgendwie nicht so recht, wo die Haare und der Kopf von Frau Ramirez-Schütterle anfangen oder aufhören. Das wabbelt immer so wolkenartig um sie herum und mal hat sie ganz viele Haare, dann wieder gar keine. Oben aus ihrem Kopf wächst das Empire State Building heraus, wie die Mitra eines Bischofs, oder als habe man ihr eine Betonrakete von unten durchs Kinn durch den Kopf geschossen.</p>
<p>Frau Ramirez-Schütterle trägt eine wunderschöne Bluse mit einem floralen Muster. Offensichtlich hält die Software Teile der Blüten für durchsichtig, sodaß immer wieder gelbe New Yorker Taxis auf ihren Brüsten auftauchen und gleich wieder verschwinden. Ihre Brüste blinken quasi immer wieder als Taxis auf.</p>
<p>Wenn sie den Kopf bewegt, wirkt es hin und wieder so, als zermatsche ihr ein unsichtbarer Godzilla den Kopf. Matsch! Wutsch! Schmalkopf, Breitkopf, Haare weg.</p>
<p>Was die freundliche Frau sagt, kann ich nicht verstehen. Es hallt und wubbelt. &#8222;Herr Wilhemmmmommomomooo die Sache ist ja dibongonongongon und wir haben da etwas Gagagaggggaaaa für homomdibong!&#8220;<br />
Manche Silben bleiben auch irgendwie in einer Endlosschleife hängen, und zwar immer dann, wenn ich wohl etwas antworten soll. &#8222;Und was meinen Sie dazu zuuuuuzuuuuuuuuu zuuuuuuuuuuu zuuuuu.&#8220; Matschkof! Tittentaxis!</p>
<p>Ich meine, wenn man öfters mal solche Videogespräche macht, dann hat man so eine Mindestausstattung an Mikrofon, Kamera und eventuell Beleuchtung. Das hat man sich einmal so eingerichtet, dass es gut aussieht und klingt.<br />
Frau Ramirez-Schütterle verlässt sich aber ganz augenscheinlich auf ihren Laptop. Der steht vor ihr auf dem Tisch und sie guckt von schräg oben in die Kamera. Ich gucke also in ihre Nasenlöcher, in denen blaue Fragmente der New Yorker Himmels eingebettet sind. Ein bißchen wirkt das so, als könne ich durch ihre Nase direkt in den Himmel gucken.</p>
<p>zuuuuu zuuuu Matsche, Taxis</p>
<p>Am Ende des Gesprächs sage ich ihr, dass ich mir das alles durch den Kopf gehen lasse und mich dann bei ihr melde.<br />
Um was es gegangen ist? Na, um eine Gebäudeversicherung, was weiß denn ich?</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/d7f2fb1ddc364c3090fa6e64a9d637e0" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/d7f2fb1ddc364c3090fa6e64a9d637e0" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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			</item>
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		<title>Bestattung beauftragen ohne Geld – ist das Betrug?</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/bestattung-beauftragen-ohne-geld-ist-das-betrug/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Mar 2026 19:09:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frag doch den Undertaker]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter Ratenzahlung möglich]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter Rechnung nicht bezahlen]]></category>
		<category><![CDATA[Bestattung beauftragen ohne Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Bestattung bezahlen kein Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Bestattung trotz Schulden]]></category>
		<category><![CDATA[Bestattungskosten Kinder Pflicht]]></category>
		<category><![CDATA[Bestattungskosten Sozialamt Hilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Bestattungskosten wer zahlt]]></category>
		<category><![CDATA[Betrug Bestattungskosten Strafbarkeit]]></category>
		<category><![CDATA[darf ein bestatter eine schufa abfrage machen]]></category>
		<category><![CDATA[ist es betrug eine bestattung zu bestellen obwohl man nicht zahlen kann]]></category>
		<category><![CDATA[kann man eine bestattung beauftragen ohne geld zu haben]]></category>
		<category><![CDATA[kann man eine bestattung in raten bezahlen]]></category>
		<category><![CDATA[muss ich die bestattung meines vaters bezahlen wenn ich kein geld habe]]></category>
		<category><![CDATA[muss meine schwester die bestattung mitbezahlen]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialbestattung Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[wann übernimmt das sozialamt die bestattungskosten]]></category>
		<category><![CDATA[was passiert wenn man eine bestattung nicht bezahlen kann]]></category>
		<category><![CDATA[wer zahlt die beerdigung wenn kinder kein geld haben]]></category>
		<category><![CDATA[zahlt das sozialamt eine beerdigung wenn kein geld da ist]]></category>
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					<description><![CDATA[Leserfrage: „Kann ich die Bestattung erst beauftragen und später sagen, dass ich nicht zahlen kann?“, das ist eine typische Leserfrage, die immer wieder auftaucht, wenn Familien finanziell unter Druck stehen.<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/bestattung-beauftragen-ohne-geld-ist-das-betrug/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Leserfrage: „Kann ich die Bestattung erst beauftragen und später sagen, dass ich nicht zahlen kann?“, das ist eine typische Leserfrage, die immer wieder auftaucht, wenn Familien finanziell unter Druck stehen. </p>
<p>Ein Leser schreibt:</p>
<div class="frage-box">
<div class="message-container">
<p>„Meinem Vater geht es ziemlich schlecht. Wir haben alle nicht genug Geld für eine Beerdigung. Meine Schwester ist zwar gut verheiratet, hat aber den Kontakt abgebrochen.</p>
<p>Wenn ich jetzt zum Bestatter gehe, macht der eine Schufa-Abfrage? Ich könnte doch erst mal alles beauftragen und wenn mein Vater unter der Erde ist sagen, dass das Geld nicht reicht.</p>
<p>Dann bekomme ich doch bestimmt Ratenzahlung.</p>
<p>Was will der Bestatter denn machen – ausgraben kann er ihn ja nicht.“</p>
</div>
</div>
<p>Die Frage wirkt auf den ersten Blick pragmatisch. Tatsächlich steckt dahinter aber ein sehr ernstes rechtliches Problem.</p>
<h2 id="wer-eine-bestattung-beauftragt-schliesst-einen-vertrag">Wer eine Bestattung beauftragt, schließt einen Vertrag</h2>
<p>Wenn Sie zu einem Bestatter gehen und eine Beerdigung in Auftrag geben, dann schließen Sie einen ganz normalen Dienstleistungsvertrag.</p>
<p>Der Bestatter organisiert dann beispielsweise:</p>
<ul>
<li>Überführung des Verstorbenen</li>
<li>Versorgung des Leichnams</li>
<li>Sarg oder Urne</li>
<li>Organisation der Trauerfeier</li>
<li>Friedhofstermine</li>
<li>Behördenformalitäten</li>
</ul>
<p>All diese Leistungen kosten Geld. Der Bestatter geht also in Vorleistung.</p>
<p>Das funktioniert nur deshalb, weil der Auftraggeber erklärt: „Ich verpflichte mich zur Übernahme der Kosten.“</p>
<h2 id="wer-wissentlich-nicht-zahlen-kann-begeht-betrug">Wer wissentlich nicht zahlen kann, begeht Betrug</h2>
<p>Nun zu dem Gedankenspiel des Lesers.</p>
<p>Wer bereits weiß, dass er die Rechnung nicht bezahlen kann oder will, und trotzdem eine Leistung bestellt, bewegt sich rechtlich in einer sehr heiklen Zone.</p>
<p>Im Extremfall kann das sogar Betrug (§263 StGB) sein.</p>
<p>Denn der Auftraggeber täuscht dem Bestatter vor, zahlungsfähig und zahlungswillig zu sein. Der Bestatter erbringt daraufhin Leistungen und bleibt anschließend möglicherweise auf seinen Kosten sitzen.</p>
<p>Das Argument „Der Vater ist doch schon beerdigt“ hilft dann überhaupt nicht weiter.</p>
<h2 id="ausgraben-kann-er-ihn-ja-nicht">„Ausgraben kann er ihn ja nicht“</h2>
<p>Dieser Satz fällt tatsächlich öfter.</p>
<p>Nein, der Bestatter wird den Verstorbenen selbstverständlich nicht wieder ausgraben. Aber das bedeutet keineswegs, dass die Sache damit erledigt ist.</p>
<p>Ein Bestatter hat ganz normale Möglichkeiten, seine Forderung einzutreiben:</p>
<ul>
<li>Mahnungen</li>
<li>Inkassoverfahren</li>
<li>gerichtlicher Mahnbescheid</li>
<li>Klage vor Gericht</li>
<li>Zwangsvollstreckung</li>
</ul>
<p>Am Ende kann das deutlich teurer werden als die ursprüngliche Rechnung.</p>
<h2 id="machen-bestatter-eine-schufa-abfrage">Machen Bestatter eine Schufa-Abfrage?</h2>
<p>Das kommt vor, ist aber nicht die Regel.</p>
<p>Viele Bestatter verlassen sich zunächst auf das persönliche Gespräch und auf ihre Erfahrung. Manche Betriebe prüfen die Bonität tatsächlich, andere verlangen Anzahlungen oder Sicherheitsleistungen.</p>
<p>Spätestens wenn Zweifel an der Zahlungsfähigkeit bestehen, wird ein seriöser Bestatter genauer nachfragen.</p>
<h2 id="ratenzahlung-ist-moeglich-aber-nur-wenn-man-ehrlich-ist">Ratenzahlung ist möglich – aber nur, wenn man ehrlich ist</h2>
<p>Viele Bestatter wissen, dass Bestattungen eine große finanzielle Belastung sein können.</p>
<p>Deshalb bieten viele Betriebe durchaus Ratenzahlungen an.</p>
<p>Aber: Das funktioniert nur, wenn man offen über die Situation spricht.</p>
<p>Wenn ein Angehöriger ehrlich sagt: „Ich möchte meinen Vater würdig bestatten, habe aber momentan nicht genug Geld“, dann lässt sich in vielen Fällen eine Lösung finden.</p>
<h2 id="es-gibt-auch-staatliche-hilfe">Es gibt auch staatliche Hilfe</h2>
<p>Viele Menschen wissen nicht, dass es in bestimmten Fällen Unterstützung gibt.</p>
<p>Wenn Angehörige die Bestattungskosten nicht tragen können, kann beim Sozialamt eine sogenannte Sozialbestattung beantragt werden.</p>
<p>Das Amt übernimmt dann die notwendigen Kosten einer einfachen, würdigen Bestattung.</p>
<p>Wichtig ist allerdings: Der Antrag muss rechtzeitig gestellt werden.</p>
<h2 id="auch-die-schwester-kann-in-der-pflicht-sein">Auch die Schwester kann in der Pflicht sein</h2>
<p>Der Leser erwähnt außerdem, dass seine Schwester den Kontakt abgebrochen hat. Das spielt rechtlich oft keine Rolle.<br />
In vielen Fällen sind alle Kinder gemeinsam bestattungspflichtig – unabhängig davon, ob sie sich noch verstehen oder nicht.</p>
<p>Das bedeutet: Auch Angehörige, die keinen Kontakt mehr hatten, können zur Kostenbeteiligung herangezogen werden.</p>
<div class="info-box2024">
<div class="info-box2024-title"></div>
<p><h2 id="welche-strafrechtlichen-folgen-drohen-koennen">Welche strafrechtlichen Folgen drohen können</h2>
<p>Viele Menschen denken bei solchen Überlegungen zunächst nur an eine unbezahlte Rechnung. Tatsächlich kann die Sache aber strafrechtlich relevant werden.</p>
<p>Wer eine Leistung bestellt, obwohl er bereits weiß, dass er sie nicht bezahlen kann oder will, kann sich unter Umständen wegen Eingehungsbetrugs (§ 263 StGB) strafbar machen.</p>
<p>Der entscheidende Punkt ist dabei nicht die spätere Zahlungsunfähigkeit, sondern die Situation im Moment der Beauftragung. Wenn jemand dem Bestatter gegenüber den Eindruck erweckt, er könne und werde die Rechnung begleichen, obwohl er innerlich längst beschlossen hat, das nicht zu tun oder weiß, dass es unmöglich ist, dann liegt eine Täuschung vor.</p>
<p>Der Bestatter erbringt daraufhin Leistungen – etwa Überführung, Versorgung des Verstorbenen, Organisation der Beerdigung – und erleidet dadurch möglicherweise einen finanziellen Schaden.</p>
<p>Ein solcher Betrug kann durchaus ernsthafte Konsequenzen haben:</p>
<ul class="border">
<li>Strafanzeige durch den Bestatter</li>
<li>Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft</li>
<li>Geldstrafe oder im Extremfall sogar Freiheitsstrafe</li>
<li>zusätzlich natürlich weiterhin die Verpflichtung, die Rechnung zu bezahlen</li>
</ul>
<p>Damit wird aus einer ohnehin belastenden familiären Situation schnell auch noch ein juristisches Problem.</p>
<p>Es lohnt sich also keinesfalls, auf solche „Tricks“ zu setzen. Offene Gespräche über die finanzielle Situation sind der deutlich bessere Weg.
</p>
</div>
<h2 id="der-richtige-weg">Der richtige Weg</h2>
<p>Wer merkt, dass eine Bestattung finanziell schwierig wird, sollte deshalb Folgendes tun:</p>
<ol class="border">
<li>Frühzeitig mit dem Bestatter sprechen</li>
<li>Nach günstigen Bestattungsformen fragen</li>
<li>Ratenzahlung ansprechen</li>
<li>Beim Sozialamt nach Unterstützung erkundigen</li>
<li>Angehörige in die Verantwortung einbeziehen</li>
</ol>
<p>Offenheit hilft hier fast immer weiter.</p>
<h2 id="fazit">Fazit</h2>
<p>Die Idee, eine Bestattung zu beauftragen und anschließend einfach zu erklären, dass man nicht zahlen kann, ist keine gute Strategie.</p>
<p>Im Gegenteil: Wer eine Leistung bestellt, obwohl er weiß, dass er sie nicht bezahlen kann, riskiert rechtliche Konsequenzen.</p>
<p>Der richtige Weg ist immer der ehrliche:</p>
<p>Sprechen Sie mit dem Bestatter über Ihre Situation. In vielen Fällen lassen sich Lösungen finden – von günstigen Bestattungsformen über Ratenzahlungen bis hin zur Unterstützung durch das Sozialamt.</p>
<p>Eines aber sollte man nicht versuchen:</p>
<p>Den Bestatter bewusst über die eigene Zahlungsfähigkeit zu täuschen.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/769c12e43a0d45909b7900be03ae9161" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/769c12e43a0d45909b7900be03ae9161" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Nein, es läuft nicht so</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/nein-es-laeuft-nicht-so/</link>
					<comments>https://bestatterweblog.de/nein-es-laeuft-nicht-so/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Mar 2026 23:23:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Internes]]></category>
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					<description><![CDATA[Momentan geht es hier nicht richtig gut. Ich musste meine Allerliebste vor einer guten Woche ins Krankenhaus bringen. Wer beten kann, der tue das bitte. Wer was anderes weiß, das<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/nein-es-laeuft-nicht-so/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Momentan geht es hier nicht richtig gut. Ich musste meine Allerliebste vor einer guten Woche ins Krankenhaus bringen.</p>
<p>Wer beten kann, der tue das bitte.<br />
Wer was anderes weiß, das helfen kann, der wende das an.</p>
<p>Wir können das im Moment gut gebrauchen.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://bestatterweblog.de/nein-es-laeuft-nicht-so/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>Explodieren Brustimplantate bei der Einäscherung?</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/explodieren-brustimplantate-einaescherung/</link>
					<comments>https://bestatterweblog.de/explodieren-brustimplantate-einaescherung/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Mar 2026 05:31:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frag doch den Undertaker]]></category>
		<category><![CDATA[Brust]]></category>
		<category><![CDATA[brüste]]></category>
		<category><![CDATA[brustimplantate]]></category>
		<category><![CDATA[Einfache Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[explodieren Brustimplantate]]></category>
		<category><![CDATA[Implantate]]></category>
		<category><![CDATA[Silikon]]></category>
		<category><![CDATA[Silikonimplantate]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://bestatterweblog.de/?p=62440</guid>

					<description><![CDATA[Immer wieder taucht die kuriose Frage auf, ob Brustimplantate bei einer Einäscherung im Krematorium platzen oder gar explodieren könnten – Zeit also, einmal genau hinzuschauen, was mit solchen Implantaten nach<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/explodieren-brustimplantate-einaescherung/" class="alles-lesen-btn">
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</a></div>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Immer wieder taucht die kuriose Frage auf, ob Brustimplantate bei einer Einäscherung im Krematorium platzen oder gar explodieren könnten – Zeit also, einmal genau hinzuschauen, was mit solchen Implantaten nach dem Tod tatsächlich geschieht.</p>
<div class="frage-box">
<div class="message-container">
<p>
        Heutzutage ist es ja fast üblich, dass Frauen sich die Brüste machen lassen, also Implantate einsetzen lassen, um eine größere Oberweite zu bekommen oder das Aussehen zu verschönern. Meine Frage an Sie, Herrn Wilhelm, als Bestattungsexperten, den man alles fragen darf: Stimmt es, dass Brustimplantate bei der Einäscherung im Krematorium explodieren oder platzen?
      </p>
</p></div>
</p></div>
<h2 id="kurze-antwort-auf-die-frage-explodieren-brustimplantate">Kurze Antwort auf die Frage: &#8222;Explodieren Brustimplantate?&#8220;</h2>
<p>Nein: Brustimplantate explodieren oder platzen bei der Einäscherung nicht. Das ist ein verbreiteter Mythos und eine urbane Legende.</p>
<h2 id="was-passiert-mit-implantaten-bei-erd-und-feuerbestattung">Was passiert mit Implantaten bei Erd- und Feuerbestattung?</h2>
<p><b>Erdbestattung:</b> Die Implantate verbleiben im Körper, so wie andere im Körper befindliche Gegenstände auch. Es gibt keinen Grund, sie zu entfernen.</p>
<p><b>Feuerbestattung:</b> Vor der Kremation werden Brustimplantate nicht routinemäßig entfernt. Sie werden im Prozess mitverbrannt.</p>
<figure id="attachment_62445"  class="wp-caption alignnone" style="width: 800px;"><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/brustimplantate_800x500.webp" alt="explodieren Brustimplantate" width="800" height="500" class="size-full wp-image-62445" /><figcaption class="wp-caption-text">Brustimplantat in einem OP vor dem Einsetzen</figcaption></figure>
<h2 id="was-passiert-mit-implantaten-im-grab-bei-der-verwesung">Was passiert mit Implantaten im Grab bei der Verwesung?</h2>
<p>
Bei einer Erdbestattung verbleiben Brustimplantate grundsätzlich im Körper. Sie werden nicht entfernt, da sie keine Gefahr darstellen und weder Umwelt noch Boden belasten. Das Silikonmaterial, aus dem die meisten Implantate bestehen, ist sehr stabil und zersetzt sich nur äußerst langsam. Es reagiert kaum mit seiner Umgebung, weshalb es über viele Jahre, manchmal Jahrzehnte, nahezu unverändert bleibt.
</p>
<p>
Mit der Zeit, wenn das umgebende Gewebe verwest und der Sarg verrottet, verliert auch das Implantat seine ursprüngliche Form. Die Hülle kann sich zersetzen oder durch Druck im Erdreich zusammenfallen. Das Silikon selbst verändert sich dabei chemisch kaum – es verhärtet oder wird brüchig, ohne jedoch giftige Stoffe freizusetzen.
</p>
<p>
In manchen Fällen haben Friedhofsmitarbeiter bei späteren Umbettungen oder Graböffnungen noch Reste solcher Implantate gefunden, oft stark verformt, manchmal nur als transparente, wachsähnliche Rückstände. Sie zeigen, dass das Material zwar altert, aber eben nicht einfach verschwindet. Es bleibt ein stilles Relikt, das den natürlichen Verwesungsprozess überdauert, ohne ihn zu behindern. </p>
<p>Ich habe heute noch einmal bei einem Bekannten nachgefragt, der viele Graböffnungen durchgeführt hat. Er bestätigt, dass so etwas wie Brustimplantate nur mit viel Phantasie in den Rückständen gefunden werden kann. Gesehen hat er das nur einmal und ist sich auch nicht wirklich sicher, ob das Implantate waren.
</p>
<h2 id="warum-es-nicht-knallt-material-und-temperaturen">Warum es nicht „knallt“: Material und Temperaturen</h2>
<p>Es gibt zwei gängige Implantattypen: mit Kochsalzlösung gefüllte und mit Silikongel gefüllte. Beide besitzen eine stabile aber flexible Hülle, heute meist ebenfalls aus Silikon.</p>
<p>Die gern zitierte „Hitzebeständigkeit“ von Silikon, die Du vielleicht von Silikonbackformen kennst, bezieht sich auf Backofentemperaturen um 200–250 °C. In einem Kremationsofen liegen die Bedingungen ganz anders: offene Flammen und deutlich höhere Temperaturen, in der Regel über 850 °C. Unter diesen Verbrennungsbedingungen ist Silikon nicht stabil. Es verbrennt und hinterlässt feste, unauffällige Siliciumoxide (Silikate). Bei Kochsalzimplantaten verdampft das Wasser, geringe Salzreste mischen sich in die Asche.</p>
<h2 id="was-bleibt-von-implantaten-in-der-asche">Was bleibt von Implantaten in der Asche?</h2>
<p>Nach der Einäscherung wird die Asche technisch aufbereitet: Sie wird zerkleinert und durchgesehen. Fremdartig aussehende oder metallische Reste (z. B. von Prothesen) werden unter Umständen aussortiert. Eventuelle kleine kristalline Rückstände aus dem Silikon fallen zwischen den übrigen Aschebestandteilen nicht weiter auf und spielen praktisch keine Rolle.</p>
<h2 id="wichtige-ausnahme-herzschrittmacher">Wichtige Ausnahme: Herzschrittmacher</h2>
<p>Herzschrittmacher und bestimmte implantierte medizinische Geräte werden vor einer Feuerbestattung entfernt, weil sie im Ofen tatsächlich gefährlich werden könnten. Das betrifft aber nicht Brustimplantate.</p>
<h2 id="fazit">Fazit</h2>
<p>Brustimplantate explodieren bei der Kremation nicht. Sie verbrennen mit und hinterlassen höchstens unauffällige, feste Rückstände, die in der Asche nicht weiter ins Gewicht fallen. Bei Erdbestattungen bleiben sie im Körper. Kurz gesagt: Nur im Film knallt’s – im echten Krematorium bleibt es still.</p>
<p>Weiterführende Links:<br />
<a href="https://bestatterweblog.de/brustimplantate/">https://bestatterweblog.de/brustimplantate/</a><br />
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Brustvergr%C3%B6%C3%9Ferung#Implantate_aus_Silikon" rel="noopener">https://de.wikipedia.org/wiki/Brustvergr%C3%B6%C3%9Ferung#Implantate_aus_Silikon</a></p>
<hr>
<div class="einfache-sprache">
<h2 id="version-in-einfacher-sprache-explodieren-brustimplantate-im-krematorium">Version in Einfacher Sprache: Explodieren Brustimplantate im Krematorium?</h2>
<p><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/vereinfachte-sprache.webp" alt="" width="150" height="141" class="alignnone size-full wp-image-61749" /></p>
<details>
<summary>Platzt ein Brustimplantat im Krematorium?</summary>
<p><p>Immer wieder fragen Menschen: Platzt ein Brustimplantat, wenn man verbrannt wird? Oder explodiert es vielleicht sogar? Die Antwort ist ganz einfach: Nein, das passiert nicht.</p>
<h2 id="was-passiert-bei-einer-einaescherung">Was passiert bei einer Einäscherung?</h2>
<p>Im Krematorium wird der Körper bei sehr hohen Temperaturen verbrannt – über 800 Grad Celsius. Dabei verbrennen auch die Brustimplantate. Sie schmelzen nicht einfach, sondern verwandeln sich in harmlose Reste aus Silicium und etwas Asche. Es gibt dabei keinen Knall, keine Explosion und kein gefährliches Gas. Es ist also völlig ungefährlich.</p>
<h2 id="was-passiert-bei-einer-erdbestattung">Was passiert bei einer Erdbestattung?</h2>
<p>Wenn jemand im Sarg beerdigt wird, bleiben die Implantate im Körper. Sie werden nicht entfernt, weil sie niemandem schaden. Das Silikon zersetzt sich sehr langsam. Es bleibt viele Jahre fast unverändert im Boden. Manchmal wird es hart oder brüchig, aber es wird nicht giftig und es belastet die Erde nicht.</p>
<h2 id="wie-sehen-implantate-nach-vielen-jahren-im-grab-aus">Wie sehen Implantate nach vielen Jahren im Grab aus?</h2>
<p>Wenn der Körper mit der Zeit verwest, verändert sich auch das Implantat. Es kann seine Form verlieren oder zusammenfallen. Friedhofsarbeiter haben manchmal bei alten Gräbern Reste von Implantaten gefunden. Diese sehen dann aus wie wachsartige, durchsichtige Klumpen. Oft kann man aber gar nicht mehr sicher sagen, was das ursprünglich war.</p>
<h2 id="warum-explodieren-implantate-nicht">Warum explodieren Implantate nicht?</h2>
<p>Manche Menschen glauben, Silikon sei feuerfest, weil es auch in Backformen verwendet wird. Aber das stimmt nicht. In einem Ofen zu Hause sind es nur etwa 200 Grad – im Krematorium dagegen mehr als 800 Grad. Das Silikon verbrennt bei dieser Hitze einfach zu Staub. Es gibt also keinen Druck, keine Explosion und keine Gefahr.</p>
<h2 id="was-passiert-mit-der-asche">Was passiert mit der Asche?</h2>
<p>Nach der Einäscherung wird die Asche durchgesiebt. Große Stücke, zum Beispiel Metallreste von Gelenken, werden entfernt. Kleine Silikonreste sind so winzig, dass man sie kaum erkennt. Sie bleiben in der Asche und sind völlig unbedenklich.</p>
<h2 id="was-ist-mit-herzschrittmachern">Was ist mit Herzschrittmachern?</h2>
<p>Herzschrittmacher müssen vor der Einäscherung entfernt werden. Sie enthalten Batterien und könnten im Ofen explodieren. Aber Brustimplantate gehören nicht dazu – sie werden einfach mitverbrannt.</p>
<h2 id="fazit">Fazit</h2>
<p>Brustimplantate explodieren nicht. Sie schmelzen und verbrennen, ohne dass etwas Gefährliches passiert. Bei Erdbestattungen bleiben sie im Körper und verändern sich nur sehr langsam. Nur im Kino „knallt“ es – im echten Krematorium ist alles ruhig und technisch sicher.</p>
<p>Mehr Infos findest du hier:<br />
<a href="https://bestatterweblog.de/brustimplantate/">https://bestatterweblog.de/brustimplantate/</a><br />
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Brustvergrößerung#Implantate_aus_Silikon" rel="noopener">https://de.wikipedia.org/wiki/Brustvergrößerung#Implantate_aus_Silikon</a>
</p>
</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/63c05f78fa59406495521c0250abfd65" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/63c05f78fa59406495521c0250abfd65" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Wenn Beileid weh tut</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Mar 2026 03:09:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sterben + Trauer]]></category>
		<category><![CDATA[bester Trauerratgeber]]></category>
		<category><![CDATA[Kondolenz richtig reagieren]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Wilhelm]]></category>
		<category><![CDATA[Ratgeber im Sterbfall]]></category>
		<category><![CDATA[ständig über Tod sprechen müssen]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer Beileid annehmen]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer Gespräche Grenzen setzen]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer Gespräche über Krankheit vermeiden]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer nach dem Tod des Partners]]></category>
		<category><![CDATA[Trauerbewältigung Tipps Hinterbliebene]]></category>
		<category><![CDATA[Trauerpsychologie Hinterbliebene]]></category>
		<category><![CDATA[Trauerratgeber]]></category>
		<category><![CDATA[über Sterben sprechen vermeiden]]></category>
		<category><![CDATA[Umgang mit Anteilnahme nach Todesfall]]></category>
		<category><![CDATA[Umgang mit Beileid Trauer]]></category>
		<category><![CDATA[wie auf Beileid reagieren]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach einem Todesfall erleben viele Hinterbliebene etwas, worauf sie niemand vorbereitet hat: Menschen möchten kondolieren – und verlangen dabei oft ungewollt eine detaillierte Schilderung der letzten Wochen, des Leidens und<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/wenn-beileid-weh-tut/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nach einem Todesfall erleben viele Hinterbliebene etwas, worauf sie niemand vorbereitet hat: Menschen möchten kondolieren – und verlangen dabei oft ungewollt eine detaillierte Schilderung der letzten Wochen, des Leidens und des Sterbens. Eine Leserin schildert sehr eindrücklich, wie belastend dieses ständige Wiedererzählen sein kann und fragt, wie man Anteilnahme annehmen kann, ohne sich dabei immer wieder durch die schwersten Erinnerungen arbeiten zu müssen.</p>
<div class="frage-box">
<div class="message-container">
<p><strong>Leserinnenzuschrift:</strong></p>
<p>Hallo Herr Wilhelm, ich bin seit vielen Jahren begeisterte Leserin Ihres Blogs. Die tollen Geschichten haben mir wunderbar dabei geholfen, den Tod meiner Mutter und meines Bruders zu organisieren und zu bewältigen. Sie haben völlig recht: Wenn man über etwas Bescheid weiß, muss man nicht mehr Angst vor dem Unbekannten haben.</p>
<p>Jetzt habe ich auch Ihre beiden Trauerratgeber gelesen. Ganz wunderbare Bücher. Vielen, vielen herzlichen Dank!!!</p>
<p>Mir ist ein Aspekt sehr wichtig. Und aus aktuellem Grund. Mein Mann ist vor 6 Wochen verstorben, Krebs. Die Trauer liegt auf mir wie eine durch Nässe zu schwer gewordene Bettdecke. Ich werde niedergedrückt und kann in bestimmten Momenten kaum atmen. Aber mein Glaube, ein paar kleine Gedichtbände und Ihre Bücher helfen mir da gut durch. Ich merke, wie ich in der Trauer ganz gut funktioniere. Wie sagt man so schön: Es muss ja weitergehen. Und das klappt mir auch sehr gut.</p>
<p>Was mich aber in den Wochen seit dem Sterben meines Mannes sehr belastet, ist das hier: Natürlich wollen viele Menschen mir Beileid wünschen. Das finde ich auch schön. Es ist sogar so, dass ich mich ein bisschen ärgere, wenn Leute das nicht tun. Schließlich ist mir ja etwas Schlimmes und Besonderes passiert, da tut es gut, wenn Leute daran Anteil nehmen.</p>
<p>Mein Problem ist aber, dass ich immer wieder aufgefordert werde, über das Leiden meines Mannes und sein Sterben zu sprechen. Das belastet mich ganz schwer. Ich kann und will das nicht immer wieder erzählen.</p>
<p>Meine Frage: Wie kriegt man den Spagat hin, dass man einerseits gut die Kondolenz annehmen kann und andererseits sich dieses ständige Wiederkäuen der belastenden Sachen erspart?</p>
<p>Dankbare Grüße<br />
Triska</p>
</p></div>
</div>
<p>Liebe Triska,</p>
<p>zunächst einmal: Sie müssen sich dafür überhaupt nicht rechtfertigen. Gar nicht. Es ist vollkommen verständlich, dass Sie Anteilnahme möchten – und gleichzeitig nicht bereit sind, das Leiden und Sterben Ihres Mannes immer wieder in allen Einzelheiten nachzuerzählen.</p>
<p>Beides schließt sich nicht aus. Im Gegenteil: Es gehört sogar zu einer gesunden Trauer, dass man sehr genau spürt, was einem gerade guttut – und was nicht.</p>
<h2 id="beileid-ist-trost-nachfragen-sind-oft-etwas-ganz-anderes">Beileid ist Trost – Nachfragen sind oft etwas ganz anderes</h2>
<p>Wenn Menschen kondolieren, dann geschieht das im besten Fall aus ehrlicher Zuneigung. Ein „Es tut mir leid“, ein stiller Händedruck, ein Brief, eine Umarmung – all das kann tröstlich sein. Es zeigt: Ich sehe Ihr Leid. Ich nehme wahr, dass etwas Schreckliches geschehen ist. Sie sind mit diesem Schmerz nicht ganz allein.</p>
<p>Etwas anderes ist es aber, wenn aus dem Beileid ein Gesprächszwang wird. Wenn aus Anteilnahme plötzlich eine Art Aufforderung wird, das Leiden des Verstorbenen, die letzten Wochen, die letzten Tage oder gar die letzten Stunden noch einmal auszubreiten. Dann geht es oft gar nicht mehr nur um Trost. Dann wollen andere Menschen etwas verstehen, etwas verarbeiten, ihre eigene Unsicherheit beruhigen oder ihre Neugier stillen.</p>
<p>Das ist menschlich. Aber es ist nicht immer hilfreich. Und vor allem sind Sie nicht dafür zuständig, anderen Menschen den Tod Ihres Mannes psychologisch verdaulich zu machen.</p>
<h2 id="trauer-braucht-nicht-immer-worte">Trauer braucht nicht immer Worte</h2>
<p>Ein großer Irrtum besteht darin, zu glauben, Trauer müsse sich vor allem im Reden äußern. Natürlich kann es entlastend sein, über das Geschehene zu sprechen. Vielen hilft das. Aber genauso vielen hilft es zeitweise eben nicht.</p>
<p>Trauer ist kein Verhör und keine Zeugenaussage. Sie ist auch keine öffentliche Pflichtveranstaltung, bei der man jedem sein Innerstes ausbreiten muss. Trauer hat ihre eigene Zeit, ihren eigenen Rhythmus und ihre eigenen Schutzmechanismen.</p>
<p>Die Seele macht oft etwas sehr Kluges: Sie lässt nur so viel an Schmerz zu, wie im jeweiligen Moment auszuhalten ist. Deshalb kann es sein, dass man an einem Tag über alles sprechen kann – und am nächsten Tag nicht einmal einen einzigen Satz darüber herausbekommt. Beides ist normal.</p>
<p>Gerade in den ersten Wochen nach einem Verlust ist man innerlich oft noch in einem Ausnahmezustand. Viele funktionieren erstaunlich gut. Sie organisieren, telefonieren, erledigen Formulare, beantworten Nachrichten, stehen auf, kochen, waschen, räumen auf. Von außen wirkt das fast stark. In Wahrheit ist es oft eine Form des Überlebens. Die Seele arbeitet auf Sparflamme und Hochdruck zugleich.</p>
<p>Wenn dann immer wieder Menschen kommen und verlangen – manchmal sehr sanft, manchmal sehr direkt –, dass man das Schwerste noch einmal hervorholt und in Worte fasst, dann kann das unerträglich werden. Es reißt Wunden auf, die noch gar nicht anfangen konnten, sich zu schließen.</p>
<h2 id="sie-duerfen-grenzen-setzen-ohne-unhoeflich-zu-sein">Sie dürfen Grenzen setzen – ohne unhöflich zu sein</h2>
<p>Die vielleicht wichtigste Erkenntnis lautet: Sie dürfen Trauergrenzen setzen. Und zwar freundlich, aber klar.</p>
<p>Viele Trauernde glauben, sie müssten geduldig alles beantworten, weil die anderen es ja „nur gut meinen“. Aber gut gemeint ist nicht automatisch gut gemacht. Sie dürfen deshalb sagen, dass Sie sich über das Mitgefühl freuen, über das Sterben selbst aber im Moment nicht sprechen möchten.</p>
<p>Das ist weder hart noch unsozial noch abweisend. Es ist Selbstschutz. Und Selbstschutz ist in der Trauer kein Egoismus, sondern seelische Notwendigkeit.</p>
<p>Sie müssen nicht jedes Gespräch führen, das andere gern führen würden. Sie müssen auch nicht jedes Detail preisgeben, nur weil jemand betroffen schaut. Ihr Schmerz gehört Ihnen. Ihre Erinnerungen an das Leiden Ihres Mannes gehören zu den empfindlichsten Bereichen Ihres Inneren. Dort darf nicht jeder einfach hineintreten.</p>
<h2 id="warum-menschen-trotzdem-immer-wieder-fragen">Warum Menschen trotzdem immer wieder fragen</h2>
<p>Es kann helfen, das Verhalten der anderen etwas zu verstehen. Nicht, um es gutzuheißen, sondern damit Sie sich weniger darüber ärgern müssen.</p>
<p>Viele Menschen sind mit Tod und Sterben überfordert. Sie wissen nicht, was man sagen soll. Also fragen sie nach dem Verlauf der Krankheit, nach den letzten Tagen, nach dem Ende. Das gibt dem Gespräch eine Struktur. Es ist für sie einfacher, über Fakten zu sprechen als über tiefe Trauer.</p>
<p>Andere stellen Fragen, weil sie das Geschehen einordnen wollen. Krebs, Leid, Sterben – das macht vielen Angst. Indem sie hören, wie es bei Ihnen war, versuchen sie unbewusst, die eigene Furcht zu bändigen. So nach dem Motto: Wenn ich verstehe, wie es war, ist es vielleicht weniger bedrohlich.</p>
<p>Wieder andere sind einfach neugierig, ohne sich dessen böse bewusst zu sein. Der Tod zieht an, stößt ab, beunruhigt und fasziniert zugleich. Manche merken gar nicht, dass sie gerade nicht trösten, sondern bohren.</p>
<p>Das alles erklärt manches. Aber es verpflichtet Sie zu nichts.</p>
<h2 id="sie-duerfen-das-gespraech-lenken">Sie dürfen das Gespräch lenken</h2>
<p>Ein hilfreicher Gedanke ist dieser: Sie müssen Gespräche nicht einfach geschehen lassen. Sie dürfen sie steuern.</p>
<p>Wenn jemand kondoliert und dann nach dem Leiden Ihres Mannes fragt, können Sie dankbar für das Beileid sein und zugleich das Thema umlenken. Das ist kein Ausweichen im schlechten Sinn, sondern eine gesunde Form der Gesprächsführung.</p>
<p>Zum Beispiel können Sie sagen:</p>
<p><em>„Danke, dass Sie an uns denken. Im Moment möchte ich über sein Sterben nicht so viel sprechen.“</em></p>
<p><em>„Es tut mir gut, wenn Sie einfach nur an ihn denken. Die schlimmen letzten Wochen möchte ich gerade nicht wieder hervorholen.“</em></p>
<p><em>„Ich freue mich über Ihr Mitgefühl. Aber über die Krankheit und die letzten Tage kann ich im Moment nicht sprechen.“</em></p>
<p><em>„Heute schaffe ich das nicht. Vielleicht ein anderes Mal. Im Moment möchte ich lieber an die schönen Jahre mit ihm denken.“</em></p>
<p>Solche Sätze sind ehrlich, höflich und klar. Sie geben dem anderen eine Grenze, ohne ihn zu verletzen.</p>
<h2 id="es-ist-sogar-sinnvoll-sich-einen-standardsatz-zurechtzulegen">Es ist sogar sinnvoll, sich einen Standardsatz zurechtzulegen</h2>
<p>In Ausnahmesituationen ist die Seele oft zu erschöpft für spontane Formulierungen. Deshalb darf man sich einen oder zwei feste Sätze zurechtlegen, die man bei Bedarf immer wieder benutzt. Das ist kein Automatismus aus Kälte, sondern eine wichtige Entlastung.</p>
<p>Ein Standardsatz kann wie ein kleiner seelischer Schutzschirm wirken. Er verhindert, dass Sie in jedem Gespräch neu entscheiden, neu ringen, neu zusammenbrechen müssen.</p>
<p>Zum Beispiel:</p>
<p><em>„Vielen Dank für Ihr Mitgefühl. Es bedeutet mir viel. Über die letzte Zeit möchte ich aber im Moment nicht sprechen.“</em></p>
<p>Oder:</p>
<p><em>„Ich freue mich, dass Sie an meinen Mann denken. Die Einzelheiten seines Sterbens sind für mich noch zu belastend.“</em></p>
<p>Solche Formulierungen sind sehr hilfreich, weil sie drei Dinge zugleich tun: Sie würdigen die Anteilnahme, sie benennen die Grenze und sie beenden das Thema.</p>
<h2 id="sie-duerfen-auch-entscheiden-mit-wem-sie-sprechen-moechten">Sie dürfen auch entscheiden, mit wem Sie sprechen möchten</h2>
<p>Nicht jeder Mensch bekommt denselben Zugang zu Ihrer Trauer. Das ist normal. Es gibt Menschen, denen man das Innerste anvertraut. Und es gibt Menschen, denen man höflich, aber oberflächlich begegnet.</p>
<p>Vielleicht möchten Sie mit einer guten Freundin, mit Ihrer Schwester, mit einem Seelsorger oder mit einer Trauerbegleiterin über das Sterben Ihres Mannes sprechen. Vielleicht aber eben nicht mit Nachbarn, entfernten Bekannten, ehemaligen Kollegen oder der Kassiererin, die plötzlich nachfragt, „wie es denn am Ende war“.</p>
<p>Trauer braucht geschützte Räume. Nicht jeder Raum ist geschützt. Nicht jeder Mensch ist dafür geeignet. Auch das zu unterscheiden, ist kein Zeichen von Härte, sondern von seelischer Klugheit.</p>
<h2 id="manchmal-hilft-es-stattdessen-ueber-den-menschen-zu-sprechen">Manchmal hilft es, stattdessen über den Menschen zu sprechen</h2>
<p>Viele Trauernde empfinden es als entlastend, wenn nicht ständig über das Sterben gesprochen wird, sondern über das Leben des Verstorbenen. Das ist ein wichtiger Unterschied.</p>
<p>Sie müssen nicht immer wieder die letzten furchtbaren Wochen beschreiben. Sie dürfen den Blick bewusst dorthin lenken, wo Ihr Mann mehr ist als seine Krankheit.</p>
<p>Zum Beispiel können Sie sagen:</p>
<p><em>„Über die letzte Zeit möchte ich ungern sprechen. Aber ich erzähle Ihnen gern, wie gern er im Garten war.“</em></p>
<p><em>„Ich möchte lieber an ihn als Menschen erinnern als an seine Krankheit.“</em></p>
<p><em>„Die Krankheit war nur das Ende. Sein Leben war viel größer als das.“</em></p>
<p>Das ist psychologisch oft sehr heilsam. Denn es hilft, den Verstorbenen nicht auf Leid und Sterben zu reduzieren. Gerade nach einer langen Krankheit besteht diese Gefahr. Plötzlich dreht sich alles nur noch um Morphium, Klinik, Atemnot, Kraftlosigkeit und Abschied. Dabei war dieser Mensch ja viel mehr.</p>
<h2 id="sie-duerfen-beileid-wollen-und-trotzdem-das-erzaehlen-verweigern">Sie dürfen Beileid wollen – und trotzdem das Erzählen verweigern</h2>
<p>Viele Trauernde haben ein schlechtes Gewissen, weil sie merken: Ich will doch, dass man Anteil nimmt. Aber ich will die Gespräche dann oft gar nicht führen. Ist das widersprüchlich?</p>
<p>Nein. Überhaupt nicht.</p>
<p>Sie wünschen sich nicht Befragung, sondern Anerkennung Ihres Verlustes. Das ist etwas ganz anderes. Sie möchten, dass die Umwelt sieht: Hier ist etwas Großes zerbrochen. Hier fehlt ein Mensch. Hier leidet jemand. Das ist ein tief menschliches Bedürfnis.</p>
<p>Beileid ist in seinem besten Sinn genau das: nicht Informationsgewinn, sondern Mitgefühl. Es soll nicht in erster Linie etwas aus Ihnen herausholen, sondern Ihnen etwas geben – Trost, Nähe, Respekt, Dasein.</p>
<p>Deshalb ist es völlig legitim zu sagen: Ja, ich möchte Beileid. Ja, ich möchte, dass Menschen meinen Verlust ernst nehmen. Nein, ich möchte deshalb trotzdem nicht jedes Mal über die schwersten Stunden sprechen.</p>
<h2 id="warum-das-wiedererzaehlen-so-erschoepft">Warum das Wiedererzählen so erschöpft</h2>
<p>Das ständige Wiedererzählen eines belastenden Geschehens kann psychisch sehr anstrengend sein. Jedes Erzählen holt innere Bilder zurück. Der Körper reagiert mit. Der Hals wird eng, die Brust schwer, der Magen zieht sich zusammen, manchmal stockt der Atem. Man ist dann nicht nur „in Gedanken“ wieder dort, sondern mit dem ganzen Organismus.</p>
<p>Gerade wenn der Tod mit Krankheit, Leiden, Hilflosigkeit oder dem Miterleben schwerer körperlicher Veränderungen verbunden war, kann jede erneute Schilderung wie ein kleines Wiedererleben wirken.</p>
<p>Manche Menschen verarbeiten durch Reden. Andere werden durch zu viel Reden eher überwältigt. Auch da gibt es kein allgemeingültiges Richtig oder Falsch.</p>
<p>Wenn Sie merken, dass Sie sich nach solchen Gesprächen erschöpft, aufgewühlt oder innerlich wund fühlen, ist das ein deutliches Signal: Diese Form des Sprechens ist im Moment nicht gut für Sie.</p>
<h2 id="praktische-hilfen-fuer-den-alltag">Praktische Hilfen für den Alltag</h2>
<p>Im Alltag kann es hilfreich sein, sich einige innere und äußere Erlaubnisse zu geben.</p>
<p>Sie dürfen Telefonate kurz halten. Sie dürfen auf Nachrichten erst später antworten. Sie dürfen jemandem schriftlich danken, statt ein langes Gespräch zu führen. Sie dürfen auch einen vertrauten Menschen bitten, anderen zu sagen, dass Sie über die letzten Wochen derzeit nicht sprechen möchten.</p>
<p>Manche Hinterbliebene finden es entlastend, wenn ein naher Angehöriger oder eine gute Freundin ein wenig „vorfiltert“. Dann müssen Sie nicht jedes Mal selbst die Tür zu schwierigen Gesprächen schließen.</p>
<p>Auch das ist kein Sich-Verstecken. Es ist eine vernünftige Schonung in einer Zeit, in der Ihre seelischen Kräfte ohnehin knapp sind.</p>
<h2 id="und-wenn-doch-einmal-traenen-kommen">Und wenn doch einmal Tränen kommen</h2>
<p>Vielleicht kennen Sie das: Jemand fragt etwas, Sie wollten eigentlich freundlich bleiben, und plötzlich kommen die Tränen. Auch das ist nicht peinlich und nicht falsch.</p>
<p>Trauer ist keine glatte Angelegenheit. Sie ist nicht kontrollierbar wie ein Terminplan. Wenn Sie weinen müssen, dann weinen Sie eben. Wenn Sie ein Gespräch abbrechen müssen, dann brechen Sie es ab.</p>
<p>Sie schulden niemandem eine sauber moderierte Darstellung Ihres Kummers.</p>
<p>Manchmal ist schon der Satz genug: <em>„Entschuldigen Sie, ich merke gerade, das wird mir zu viel.“</em> Mehr braucht es nicht.</p>
<h2 id="ein-liebevoller-blick-auf-sich-selbst">Ein liebevoller Blick auf sich selbst</h2>
<p>Am wichtigsten ist vielleicht dies: Seien Sie mit sich selbst so freundlich, wie Sie es mit einer guten Freundin wären. Sie stehen erst am Anfang eines schweren Weges. Sechs Wochen sind in der Trauer keine lange Zeit. Das ist keine abgeschlossene Vergangenheit, das ist noch ganz frische Verwundung.</p>
<p>Dass Sie funktionieren, manches regeln und zugleich unter einer nassen, schweren Bettdecke aus Trauer zu liegen scheinen, ist ein sehr eindrückliches und sehr wahres Bild. Genau so empfinden es viele. Man geht, man spricht, man erledigt Dinge – und innerlich trägt man ein riesiges Gewicht.</p>
<p>Deshalb müssen Sie nicht auch noch die Erwartungen anderer tragen.</p>
<h2 id="fazit">Fazit</h2>
<p>Der Spagat, von dem Sie sprechen, ist in Wahrheit keiner, den Sie akrobatisch bewältigen müssen. Sie dürfen beides gleichzeitig: Beileid annehmen und belastende Gespräche begrenzen.</p>
<p>Sie dürfen sich über Anteilnahme freuen. Sie dürfen enttäuscht sein, wenn sie ausbleibt. Und Sie dürfen dennoch sagen: Bis hierhin und nicht weiter. Über das Leiden meines Mannes möchte ich nicht immer wieder sprechen.</p>
<p>Das ist keine Unfreundlichkeit. Das ist Trauerhygiene. Es ist seelische Selbstachtung. Und es ist wahrscheinlich genau das, was Sie im Moment brauchen.</p>
<p>Wenn Sie mögen, dann denken Sie an diesen einen Satz, den Sie sich innerlich zurechtlegen können:</p>
<p><strong>„Danke für Ihr Mitgefühl. Es tut mir gut, dass Sie an ihn denken. Aber über seine letzte Zeit möchte ich im Moment nicht sprechen.“</strong></p>
<p>Mehr müssen Sie nicht sagen. Und weniger dürfen Sie auch.</p>
<p><a href="https://dreibeinblog.de/books/wenn-die-trauer-kommt-so-geht-sie-wieder/" rel="noopener">Wenn die Trauer kommt &#8211; so geht sie wieder (Ratgeber)</a></p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/6567264ca72d478aaad34c77c40085a3" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/6567264ca72d478aaad34c77c40085a3" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Der eingebildete Geizige</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Mar 2026 14:05:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[eingebildete]]></category>
		<category><![CDATA[geizige]]></category>
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					<description><![CDATA[Naja, schon wieder so einer, dachte ich, als ich neben Herrn Krautner im Ausstellungsraum stand und mir seine Wünsche notierte. Zielsicher deutete er auf den preiswertesten Sarg, keine Griffe, keine<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/der-eingebildete-geizige/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Naja, schon wieder so einer, dachte ich, als ich neben Herrn Krautner im Ausstellungsraum stand und mir seine Wünsche notierte. Zielsicher deutete er auf den preiswertesten Sarg, keine Griffe, keine Deckelschrauben, der &#8222;Einfachverbrenner&#8220;, wie wir ihn nennen. Bei der Urne folgte er meinem Hinweis, daß man diese Überurnen nicht braucht und auf ein Kissen und eine Decke verzichtete Herr Krauter auch. Na, der ist ja mal geizig, dabei geht es doch um seinen Vater.</p>
<p>Ich habe gar keine Lust, ihm was aufzuschwatzen, weise aber trotzdem darauf hin, daß die von ihm getroffene Auswahl das unterste Level des Möglichen darstellt.<br />
Er nickt und sagt: &#8222;Wenn&#8217;s noch billiger geht, würde ich das auch machen.&#8220;</p>
<p>In einem Kommentar schrieb jemand: Dem Fisch müsse der Wurm schmecken, nicht dem Angler.<br />
Gut, der Angler bin in diesem Fall ich, aber wer bitteschön ist der Fisch, der Sohn oder der Vater? Hätte es dem Vater so gefallen?<br />
Ich werde es herausbekommen! Möglicherweise ist der Vater ja einer derjenigen, die immer sagen: Wenn ich mal tot bin, dann verscharrt mich einfach auf &#8217;nem Acker. Und der Sohn ist vielleicht einer, der den Wunsch des Vaters innerhalb des Möglichen umsetzt, wer weiß?</p>
<p>Später im Beratungsraum komme ich an die Stelle des Fragebogens des Standesamtes, an der ich im Auftrag der Behörde nach eventuellen Vermögenswerten des Verstorbenen fragen muss.<br />
Da lehnt Herr Krautner sich zurück, schluckt schwer und ich merke, wie sich in ihm Aggressionen aufbauen.</p>
<p>Dann erzählt er mir, warum er seinen Vater nur mit dem Notwendigsten versorgen mag.</p>
<p>Sein Vater hat seine Mutter bereits 1955 mit vier kleinen Kindern sitzengelassen und sich einer anderen Frau zugewandt. Mit der habe er wohl ebenfalls vier Kinder, habe diese Frau aber nie geheiratet und die Kinder tragen den Nachnamen der Mutter. Von Kindern wird hier nur im Sinne der Nachkommenschaft gesprochen, heute sind das alles erwachsene bis sogar ältere Personen.</p>
<p>In seinem neuen Leben hat der Mann gut gelebt, seiner Lebensgefährtin ein Haus gebaut und seinen &#8222;neuen&#8220; Söhnen und Töchtern Ausbildungen finanziert und Eigentumswohnungen gekauft. Die Kinder von seiner eigentlichen Frau, die sich nie hat scheiden lassen, wuchsen in Verhältnissen auf, bei denen man, wie Herr Krauter sagt: &#8222;&#8230;oft nicht das Brot über Nacht&#8230;&#8220; hatte.</p>
<p>Als seine Mutter vor sieben Jahren gestorben sei und er vor dem Berg der Bestattungskosten gestanden habe, sei er brieflich an seinen Vater herangetreten und habe ihn gebeten, sich wenigstens an den Beerdigungskosten zu beteiligen. Daraufhin habe der Vater ihm einen 20 Euro-Mark-Schein in einem Briefumschlag geschickt.</p>
<p>Jetzt sei der Vater krank geworden, hier in der Stadt in ein Krankenhaus gekommen und letztlich auch hier verstorben. </p>
<p>Von den vier Kindern aus der eigentlichen Ehe leben noch drei und die sollen jetzt für die Bestattungskosten des Vaters geradestehen. Die Lebensgefährtin und deren Kinder weisen alles von sich, man habe sich auseinandergelebt und offiziell nichts miteinander zu schaffen.</p>
<p>Deshalb kommt es jetzt für ihn überhaupt nicht in Frage, dass der Vater mehr bekommt, als eine anonyme Feuerbestattung.</p>
<p>Jetzt kann ich ihn verstehen.</p>
<p>Solche Fälle hatte ich schon mehrmals in allen möglichen Variationen. Es ist immer bitter, wenn man für einen nahen Verwandten, den man gar nicht kannte oder der einem Böses angetan hat, auch noch die Bestattung bezahlen muss.</p>
<p>©2007</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/89ccbd4f98d04565a7d904855dc87518" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/89ccbd4f98d04565a7d904855dc87518" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Betrüger kennen keine Pietät &#8211; Die schamlose Abzocke mit der Trauer</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/betrueger-kennen-keine-pietaet-die-schamlose-abzocke-mit-der-trauer/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Mar 2026 04:05:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sterben + Trauer]]></category>
		<category><![CDATA[Abzocke mit Todesanzeigen]]></category>
		<category><![CDATA[Abzocke nach Todesfall]]></category>
		<category><![CDATA[Betrug an Hinterbliebenen]]></category>
		<category><![CDATA[Betrug bei Trauerfällen]]></category>
		<category><![CDATA[Betrug im Trauerfall]]></category>
		<category><![CDATA[Betrüger nutzen Todesanzeigen]]></category>
		<category><![CDATA[Betrugsmaschen nach Sterbefall]]></category>
		<category><![CDATA[dubiose Rechnungen nach Todesfall]]></category>
		<category><![CDATA[falsche Rechnungen nach Todesfall]]></category>
		<category><![CDATA[Rechnungsbetrug bei Hinterbliebenen]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich warne immer wieder vor einer besonders perfiden Betrugsmasche, die leider seit vielen Jahren funktioniert – und die sich mit der zunehmenden Digitalisierung sogar noch weiter verbreitet hat: Betrug an<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/betrueger-kennen-keine-pietaet-die-schamlose-abzocke-mit-der-trauer/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich warne immer wieder vor einer besonders perfiden Betrugsmasche, die leider seit vielen Jahren funktioniert – und die sich mit der zunehmenden Digitalisierung sogar noch weiter verbreitet hat: <strong>Betrug an Hinterbliebenen nach einem Todesfall</strong>.</p>
<p>Kurz nachdem ein Mensch verstorben ist, befinden sich Angehörige in einer emotionalen Ausnahmesituation. Sie müssen vieles organisieren, sind traurig, erschöpft und häufig auch unsicher, welche Formalitäten nun erledigt werden müssen. Genau diese Situation nutzen Betrüger schamlos aus.</p>
<p>Immer wieder berichten Hinterbliebene davon, dass ihnen plötzlich Rechnungen ins Haus flattern, deren Ursprung völlig unklar ist. Die Schreiben sehen oft offiziell aus, sind ordentlich gestaltet, tragen Logos, Rechnungsnummern und Zahlungsfristen. Nicht selten werden sie einfach bezahlt – aus Unsicherheit, aus Zeitdruck oder aus Angst, eine wichtige Verpflichtung zu versäumen.</p>
<p>Dabei gilt fast immer: <strong>Der Verstorbene hat diese Leistungen niemals bestellt</strong>, und in vielen Fällen handelt es sich überhaupt nicht um echte Rechnungen, sondern um geschickt formulierte Zahlungsaufforderungen ohne jede rechtliche Grundlage.</p>
<p>Oft kommt auch erst durch die Bezahlung eine Bestellung zustande, was im Anschreiben geschickt verschleiert wird.</p>
<h2 id="alte-masche-immer-noch-aktuell">Alte Masche, immer noch aktuell</h2>
<p>Solche Beerdigungsbetrügereien gibt es schon seit hunderten Jahren. Basis ist immer die Behauptung, der Verstorbene habe noch zu Lebzeiten angeblich Verfügungen zum jetzigen Nachteil der Erben getroffen.<br />
Bereits in den 1970er Jahren warnte der legendäre Eduard Zimmermann in der ZDF-Sendung &#8222;Aktenzeichen XY ungelöst&#8220; und der Sendung &#8222;Vorsicht Falle &#8211; Nepper, Schlepper, Bauernfänger&#8220; vor genau dieser Masche.<br />
Auch im Bestatterweblog wird dieses Thema so alle 5 &#8211; 10 Jahre wieder aufgegriffen, so wie hier und heute.</p>
<p>Bedeutet das, dass die Masche &#8222;durch&#8220; ist? Nein! Es bedeutet, dass die Betrugsmasche heute noch genauso gut funktioniert wie damals im Mittelalter. Es ist ein bei Verbrechern erfolgserprobtes Modell, dass sich mit gewissen Variationen zu allen Zeiten bewährt hat. Moderne Menschen neigen dazu, sich für besonders aufgeklärt zu halten. Doch in der Trauer ist oft auch der Vernünftigste in seiner Wahrnehmung und Entscheidungsfähigkeit getrübt.</p>
<h2 id="die-masche-mit-dem-schamgefuehl">Die Masche mit dem Schamgefühl</h2>
<p>Eine besonders widerliche Variante dieser Betrugsversuche spielt gezielt mit dem Schamgefühl der Angehörigen.</p>
<p>Dabei erhalten Hinterbliebene Rechnungen über angebliche erotische Telefonate, Bestellungen von Sexspielzeug oder Mitgliedschaften bei dubiosen Online-Diensten. Der Name des Verstorbenen taucht dabei prominent auf der Rechnung auf.</p>
<p>Viele Angehörige geraten dadurch unter enormen psychologischen Druck. Niemand möchte, dass der Name eines geliebten Menschen, der gerade verstorben ist, plötzlich mit peinlichen oder anstößigen Dingen in Verbindung gebracht wird. Manche befürchten sogar, dass solche Forderungen öffentlich werden könnten.</p>
<p>Die Betrüger spekulieren genau darauf. Sie hoffen, dass Angehörige die Rechnung einfach bezahlen, nur damit die Sache möglichst schnell und diskret verschwindet.</p>
<h2 id="unbestellte-gedenkartikel-und-personalisierte-waren">Unbestellte Gedenkartikel und personalisierte Waren</h2>
<p>Eine andere Variante arbeitet mit personalisierten Gegenständen. Plötzlich werden Pakete zugestellt – etwa mit Visitenkarten, Gedenktafeln, gravierten Uhren oder Erinnerungsmedaillen mit dem Namen des Verstorbenen.</p>
<p>Die Rechnung liegt gleich bei.</p>
<p>Viele Angehörige fragen sich dann: Wer könnte das bestellt haben? Der Verstorbene vielleicht selbst noch kurz vor seinem Tod? Oder ein entfernter Verwandter?</p>
<p>Genau diese Unsicherheit nutzen die Betrüger. Tatsächlich wurde nichts bestellt. Die Ware wird einfach unaufgefordert verschickt – in der Hoffnung, dass die Angehörigen zahlen.</p>
<div class="info-box2024">
<div class="info-box2024-title"></div>
<p><h2 id="die-masche-im-film-paper-moon">Die Masche im Film „Paper Moon“</h2>
<p>Eine Betrugsmasche, die erstaunlich gut zu den heutigen Tricks gegenüber Hinterbliebenen passt, findet sich in dem berühmten Spielfilm <strong>„Paper Moon“</strong><sup id="fnref1"><a href="#fn1" class="footnote">1</a></sup> aus dem Jahr 1973.</p>
<p>Der Film spielt während der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre in den USA. Der Kleinganove Moses Pray reist gemeinsam mit der neun Jahre alten Addie quer durch den amerikanischen Mittleren Westen. Um Geld zu verdienen, besucht er frisch verwitwete Frauen und behauptet, ihre kürzlich verstorbenen Ehemänner hätten noch zu Lebzeiten eine prachtvolle Familienbibel bestellt.</p>
<p>Die Bibeln sind mit Namen und persönlichen Widmungen versehen und wirken dadurch glaubwürdig. Die Witwen zahlen häufig – aus Pietät gegenüber dem Verstorbenen oder weil sie glauben, eine Bestellung ihres Mannes erfüllen zu müssen.</p>
<p>Die junge Addie wird schließlich zur Partnerin des Betrügers, und gemeinsam perfektionieren sie diese und andere Tricks. Der Film gilt heute als Klassiker des amerikanischen Kinos. Besonders bemerkenswert: Die Hauptdarstellerin Tatum O’Neal erhielt für ihre Rolle mit nur zehn Jahren einen Oscar und ist bis heute die jüngste Oscar-Preisträgerin der Filmgeschichte.</p>
<p><strong>Die Idee hinter dieser Masche ist allerdings nicht frei erfunden.</strong> Tatsächlich gab es in den USA schon im 19. und frühen 20. Jahrhundert reisende Vertreter, die personalisierte Bibeln, Enzyklopädien oder Gedenkbücher verkauften. Manche von ihnen nutzten Todesanzeigen, um gezielt Witwen aufzusuchen und zu behaupten, der Verstorbene habe noch kurz vor seinem Tod eine Bestellung aufgegeben.</p>
<p>Diese Form des Betrugs funktionierte aus demselben Grund wie viele moderne Maschen: Hinterbliebene befinden sich in einer emotionalen Ausnahmesituation. Aus Respekt vor dem Verstorbenen und aus Unsicherheit über angebliche Verpflichtungen wird eine Forderung oft bezahlt, ohne sie genauer zu prüfen.</p>
<p>Der Film „Paper Moon“ zeigt damit auf sehr anschauliche Weise ein Prinzip, das leider bis heute funktioniert: <strong>Betrüger nutzen Trauer, Pietät und Unsicherheit aus.</strong></p>
</p>
</div>
<h2 id="daten-aus-todesanzeigen">Daten aus Todesanzeigen</h2>
<p>Besonders häufig stammen die Informationen der Betrüger schlicht aus <strong>Todesanzeigen in Zeitungen oder im Internet</strong>.</p>
<p>Sobald ein Todesfall öffentlich bekannt wird, können Name, Sterbedatum, Wohnort und teilweise sogar die Namen der Angehörigen leicht recherchiert werden. Diese Informationen reichen bereits aus, um scheinbar persönliche Rechnungen oder Angebote zu erstellen.</p>
<p>In vielen Fällen erhalten Angehörige Schreiben, in denen ihnen eine Veröffentlichung der Sterbedaten in einem angeblichen „Bundesregister“, „Gedenkarchiv“ oder „europäischen Trauerportal“ bestätigt wird.</p>
<p>Die Schreiben sind so gestaltet, dass sie wie eine Rechnung aussehen. Tatsächlich handelt es sich aber lediglich um ein kostenpflichtiges Angebot für eine völlig nutzlose Internetseite, auf der ein Eintrag erstellt wird, den praktisch niemand jemals aufruft.</p>
<p>Manchmal bleibt der Eintrag nur online, wenn bezahlt wird. Wird nicht gezahlt, verschwindet er wieder. Ein wirklicher Nutzen entsteht in keinem Fall.</p>
<div class="info-box2024">
<div class="info-box2024-title"></div>
<p><h2 id="warnung-vor-einbrechern">Warnung vor Einbrechern</h2>
<p>Auch wenn es sich dabei nicht um eine klassische Betrugsmasche handelt, sollte ein anderes Problem nicht unerwähnt bleiben: sogenannte Beerdigungseinbrecher.</p>
<p>Kriminelle werten gezielt Todesanzeigen in Zeitungen, Online-Portalen und manchmal sogar öffentliche Aushänge aus. Häufig reichen ihnen schon der Name und der Wohnort, um mit etwas Recherche die genaue Adresse herauszufinden.</p>
<p>Besonders problematisch ist es, wenn in der Todesanzeige die Adresse des Sterbehauses oder der Angehörigen angegeben wird – vor allem dann, wenn während der Trauerfeier oder Beerdigung niemand im Haus ist.</p>
<p>Die Täter beobachten die Situation genau. Sobald sie sicher sind, dass die Familie sich auf dem Friedhof befindet, schlagen sie zu. Während die Angehörigen Abschied nehmen, dringen sie in Wohnungen oder Häuser ein und stehlen Bargeld, Schmuck und andere Wertgegenstände.</p>
<h3 id="was-kann-man-dagegen-tun">Was kann man dagegen tun?</h3>
<p><strong>1. Jemanden zur „Stallwache“ bestellen</strong><br />
Die einfachste und wirkungsvollste Maßnahme ist es, während der Beerdigung jemanden im Haus zu haben. Ein Nachbar, Freund oder Verwandter kann in dieser Zeit auf Wohnung oder Haus achten.</p>
<p><strong>2. Den Bestatter ansprechen</strong><br />
Viele Bestatter kennen dieses Problem. Gute Bestattungshäuser können Ihnen oft eine vertrauenswürdige Person vermitteln, die während der Trauerfeier anwesend ist und ein Auge auf das Haus hat.</p>
<p><strong>3. Keine unnötigen Adressen veröffentlichen</strong><br />
Vermeiden Sie es, in Todesanzeigen die Adresse eines Hauses oder einer Wohnung zu nennen, die während der Beerdigung unbewacht ist.</p>
<p><strong>4. Datenveröffentlichung widersprechen</strong><br />
Etliche Kommunen veröffentlichen Todesfälle in Listen, Bestattungskalendern oder durch Aushänge im Rathaus und an schwarzen Brettern. Überdies wird Anrufern auch Auskunft über Beerdigungstermine etc. erteilt. Deshalb sollte man bei Meldung des Sterbefalls darauf beharren, dass die Verwaltung keine Daten herausgibt. Sprechen Sie den Bestatter darauf an!</p>
<p><strong>5. Die Adresse des Bestattungshauses verwenden</strong><br />
Wenn Kondolenzschreiben erwartet werden, kann stattdessen die Adresse des Bestatters angegeben werden. Die Post wird dort gesammelt und später an die Angehörigen weitergeleitet. Seriöse Bestatter sind mit diesem Vorgehen vertraut.</p>
<p><strong>6. Bei wertvollen Objekten an professionelle Bewachung denken</strong><br />
In manchen Fällen – etwa bei größeren Häusern oder wertvollen Sammlungen – kann es sinnvoll sein, für die Dauer der Beerdigung einen professionellen Wachdienst zu beauftragen.</p>
<p>Mit etwas Umsicht lässt sich dieses Risiko leicht reduzieren. So können sich die Angehörigen während der Trauerfeier ganz auf das konzentrieren, worum es an diesem Tag eigentlich gehen sollte: den würdevollen Abschied von einem geliebten Menschen.</p>
</p>
</div>
<h2 id="moderne-varianten-im-internetzeitalter">Moderne Varianten im Internetzeitalter</h2>
<p>In den letzten Jahren haben sich diese Betrugsversuche auch ins Internet verlagert.</p>
<p>So erhalten Angehörige zunehmend E-Mails, die angeblich von Behörden, Friedhöfen, Kirchen oder Bestattungsunternehmen stammen. Darin wird beispielsweise behauptet, es seien noch Gebühren für Grabnutzungsrechte, Sterbeurkunden oder angebliche Registereinträge offen.</p>
<p>Andere Betrüger geben sich am Telefon als Mitarbeiter von Friedhofsverwaltungen, Grabpflegefirmen oder Behörden aus und behaupten, es müssten noch offene Rechnungen beglichen werden.</p>
<p>Auch angebliche „digitale Gedenkseiten“ sind ein beliebtes Geschäftsmodell. Hinterbliebene werden aufgefordert, Gebühren zu zahlen, damit das Online-Gedenken bestehen bleibt. Oft sind diese Seiten kaum besucht und haben keinerlei Bedeutung.</p>
<p>Eine besonders perfide Variante besteht darin, Hinterbliebene direkt über soziale Netzwerke zu kontaktieren. Dort werden Kondolenznachrichten verschickt, hinter denen sich Links zu kostenpflichtigen oder betrügerischen Angeboten verbergen.</p>
<h2 id="was-hinterbliebene-beachten-sollten">Was Hinterbliebene beachten sollten</h2>
<p>Die wichtigste Regel lautet: <strong>Ruhe bewahren und nichts vorschnell bezahlen.</strong></p>
<p>Nach einem Todesfall treffen viele Schreiben ein – von Versicherungen, Banken, Behörden und anderen Stellen. Betrüger nutzen genau diese Situation aus, um ihre Forderungen zwischen echten Dokumenten zu verstecken.</p>
<p>Wenn eine Rechnung eintrifft, die sich keiner konkreten Bestellung oder Leistung eindeutig zuordnen lässt, sollte man grundsätzlich misstrauisch sein.</p>
<p>Im Zweifel lohnt es sich, jemanden zu fragen, der sich mit solchen Dingen auskennt. Bestatter erleben diese Betrugsversuche regelmäßig und können häufig sofort erkennen, ob ein Schreiben seriös ist oder nicht.</p>
<p>Auch die Verbraucherzentralen sind mit diesen Maschen bestens vertraut. Wenn ein Schreiben eindeutig betrügerisch erscheint, kann außerdem eine Anzeige bei der Polizei sinnvoll sein.</p>
<h2 id="fazit">Fazit</h2>
<p>Der Tod eines Angehörigen ist eine Zeit der Trauer und der emotionalen Belastung. Genau deshalb ist es besonders niederträchtig, wenn Betrüger versuchen, diese Situation auszunutzen.</p>
<p>Leider zeigt die Erfahrung: Diese Maschen funktionieren immer wieder. Deshalb ist Wachsamkeit wichtig.</p>
<p>Erhalten Hinterbliebene Rechnungen oder Zahlungsaufforderungen, die sie nicht eindeutig einer echten Bestellung zuordnen können, sollte man immer skeptisch sein – und im Zweifel lieber einmal mehr nachfragen, bevor man bezahlt.</p>
<p>Lies auch: <a href="https://bestatterweblog.de/betrug-an-hinterbliebenen/">https://bestatterweblog.de/betrug-an-hinterbliebenen/</a></p>
<p>Vor Betrug und Abzocke im Internet schützt auch mein großer Ratgeber <a href="https://dreibeinblog.de/books/digitaler-tatort-internet/" rel="noopener"><strong>Digitaler Tatort Internet</strong></a></p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/a5b08eba20cb40fda81ea0248c42b41c" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/a5b08eba20cb40fda81ea0248c42b41c" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
<div id="serial-posts-wrapper"><h3 class="serial-posts-heading">Fußnoten:</h3><div class="footnotes"><ol class="serial-posts"><li id="fn1"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Paper_Moon_(Film)">https://de.wikipedia.org/wiki/Paper_Moon_(Film)</a> <a href="#fnref1"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li></ol></div></div>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Neil Sedaka (86)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Feb 2026 04:54:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nekrolog]]></category>
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					<description><![CDATA[Neil Sedaka, Pop-Legende der 50er und 60er Jahre, ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Sedaka, der mit zeitlosen Hits wie „Breaking Up Is Hard to Do“, „Calendar Girl“ und<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/neil-sedaka-86/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Neil Sedaka, Pop-Legende der 50er und 60er Jahre, ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Sedaka, der mit zeitlosen Hits wie „Breaking Up Is Hard to Do“, „Calendar Girl“ und „Oh! Carol“ weltweite Bekanntheit erreichte, verstarb nach einer plötzlichen medizinischen Notfallaufnahme in einem Krankenhaus in Los Angeles. Sein Tod wurde von der Familie bestätigt, die ihn nicht nur als musikalisches Idol, sondern als geliebten Ehemann, Vater und Großvater würdigt.  ￼</p>
<p>Geboren am 13. März 1939 in Brooklyn, New York, begann Sedakas musikalische Laufbahn bereits in jungen Jahren. Er studierte klassisches Klavierspiel am renommierten Juilliard School of Music und wandelte diese Ausbildung später in eine erfolgreiche Karriere als Sänger, Komponist und Pianist um. Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre avancierte er zu einem der prägenden Stimmen der frühen Rock-und-Pop-Ära, mit einer Reihe von Chart-Erfolgen, die Generationen von Musikfans geprägt haben.  ￼</p>
<p><iframe loading="lazy" width="560" height="315" src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/e72tG80LmsU?si=fWYjfRk0PgsCN_2D&amp;start=27" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p>In den 1970er Jahren erlebte Sedaka mit Songs wie „Laughter in the Rain“ und „Bad Blood“ eine bemerkenswerte Wiedergeburt seiner Karriere und festigte seinen Ruf als vielseitiger Künstler. Außerdem schrieb er zahlreiche Songs für andere Größen der Musikszene und beeinflusste Künstler quer durch mehrere Dekaden.  ￼</p>
<p>Sedaka war fünfmal für einen Grammy nominiert, wurde 1983 in die Songwriters Hall of Fame aufgenommen und erhielt 1978 einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame. Seine Lieder wurden von unzähligen Künstlern gecovert und gehören zu den Klassikern des Pop-Repertoires.  ￼</p>
<p>Über sechzig Jahre lang blieb er aktiv, trat noch im hohen Alter regelmäßig auf und begeisterte Publikum auf der ganzen Welt. Neil Sedaka hinterlässt seine Frau Leba, mit der er seit 1962 verheiratet war, sowie zwei Kinder. Sein Vermächtnis lebt in der Musik weiter, die Millionen berührt hat und weiterhin berühren wird.  ￼</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/92eaae567f494dc7951dd34da9262b0b" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/92eaae567f494dc7951dd34da9262b0b" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<media:content url="https://www.youtube.com/embed/e72tG80LmsU" medium="video" width="480" height="360">
			<media:player url="https://www.youtube.com/embed/e72tG80LmsU" />
			<media:title type="plain">Neil Sedaka &quot;Oh Carol&quot;</media:title>
			<media:description type="html"><![CDATA[Saturday Night Beech-Nut Show. December 05, 1959]]></media:description>
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		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>Hademar Bankhofer (84)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Feb 2026 04:50:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nekrolog]]></category>
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					<description><![CDATA[Der österreichische Journalist und langjährige Gesundheitsexperte Hademar Bankhofer ist im Alter von 84 Jahren verstorben. Das bestätigte sein Management am Mittwoch. Auch sein Sohn, Hademar „Hadschi“ Bankhofer junior, teilte die<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/hademar-bankhofer-84/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der österreichische Journalist und langjährige Gesundheitsexperte Hademar Bankhofer ist im Alter von 84 Jahren verstorben. Das bestätigte sein Management am Mittwoch. Auch sein Sohn, Hademar „Hadschi“ Bankhofer junior, teilte die Nachricht in einem Facebook-Beitrag mit. Darin würdigte er seinen Vater als Vorbild an Güte, Bescheidenheit, Freundlichkeit und Großzügigkeit. Hass habe dieser nicht gekannt; selbst Gegnern sei er mit einem sanften Lächeln begegnet.</p>
<p>Bankhofer, der sich selbst gern „Mr. Gesundheit“ nannte, veröffentlichte zahlreiche Artikel und Bücher zu Themen rund um Ernährung, Medizin und Prävention. Darüber hinaus war er über Jahrzehnte hinweg ein gefragter Gast in Fernseh- und Radiosendungen. In den 1980er-Jahren baute er bei Radio Luxemburg die Gesundheitsredaktion in der Sendung „Guten Morgen, Deutschland“ auf. Später war er in rund 200 Ausgaben der RTLplus-Formate „Wie geht’s?“ und „Gut geht’s!“ zu sehen, wo er dem Publikum Ratschläge zu gesunder Lebensweise und Medikamenten gab.</p>
<p>Auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland und Österreich war Bankhofer regelmäßig präsent, unter anderem viele Jahre im ARD-„Morgenmagazin“. Die Zusammenarbeit mit dem WDR endete 2008 abrupt, nachdem Vorwürfe der Schleichwerbung laut geworden waren. In diesem Zusammenhang wurde bekannt, dass Bankhofer als Berater für die Klosterfrau Healthcare Group tätig war und auf ARD-Webseiten mehrfach Produkte des Unternehmens empfohlen hatte.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Johanna Lesch liest Bestattergeschichten von Peter Wilhelm</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/johanna-lesch-liest-bestattergeschichten-von-peter-wilhelm/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Feb 2026 00:29:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fundstücke]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatterbücher]]></category>
		<category><![CDATA[Bibliothek]]></category>
		<category><![CDATA[Buchlesung]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschlands bekanntester Bestatter]]></category>
		<category><![CDATA[Johanna Lesch]]></category>
		<category><![CDATA[Leseabend]]></category>
		<category><![CDATA[Lesung]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Wilhelm]]></category>
		<category><![CDATA[Stahnsdorf]]></category>
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					<description><![CDATA[Johanna Lesch ist eine arrivierte Schauspielerin und bekannte Autorin. Die immerhin schon 84-jährige Dame ist sehr aktiv, steht auf der Bühne und gibt großartige Leseabende. Eine Lesung mit Johanna Lesch<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/johanna-lesch-liest-bestattergeschichten-von-peter-wilhelm/" class="alles-lesen-btn">
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</a></div>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Johanna Lesch ist eine arrivierte Schauspielerin und bekannte Autorin. Die immerhin schon 84-jährige Dame ist sehr aktiv, steht auf der Bühne und gibt großartige Leseabende. Eine Lesung mit Johanna Lesch ist schon aufgrund ihrer Persönlichkeit und der ausgebildeten Stimme ein Hochgenuss.</p>
<p>Es ist mir eine Ehre und erfüllt mich mit Stolz, dass Frau Lesch im März einen Leseabend mit meinen Texten veranstaltet.<br />
Auf die Idee gekommen ist die Schauspielerin und Kabarettistin während eines Krankenhausaufenthalts. Sie schreibt:</p>
<blockquote><p>Man brachte mir in diesem Jahr viele Bücher ins Krankenhaus, darunter eines von Ihnen. Und da fand ich, Mensch, das ist doch mein Humor.</p></blockquote>
<p><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/Sofaecke2.webp" alt="Johanna Lesch liest Bestattergeschichten von Peter Wilhelm" width="800" height="1115" class="alignnone size-full wp-image-62797" /></p>
<p>Die Lesung findet statt am Donnerstag, dem 26. März 2026 um 18.15 Uhr in der Gemeindebibliothek Stahnsdorf. Titel des Abends: <strong>Humor ist, wenn man trotzdem lacht</strong></p>
<p>Gemeindebibliothek Stahnsdorf<br />
Annastraße 3<br />
14532 Stahnsdorf</p>
<p>Kontakt<br />
Tel.: 03329 646-501<br />
E-Mail: b&#105;&#98;l&#105;o&#116;&#104;ek&#64;s&#116;a&#104;ns&#100;o&#114;f.&#100;&#101;</p>
<p>Stahnsdorf liegt im Landkreis Potsdam-Mittelmark am Rande Berlins.</p>
<p>Mehr über Johanna Lesch findest Du hier:</p>
<p><a href="https://www.imdb.com/de/name/nm1705690/" rel="noopener">International Movie Database IMDB</a><br />
<a href="https://www.literaturport.de/lexikon/johanna-lesch/" rel="noopener">Literaturport Lexikon</a><br />
<a href="https://www.filmportal.de/person/johanna-lesch_c00d83ff07c94bb5965fcf3aff09dc24" rel="noopener">Filmportal.de</a></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Testsiegel und Auszeichnungen für Bestatter</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/testsiegel-und-auszeichnungen-fuer-bestatter/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Feb 2026 09:23:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frag doch den Undertaker]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschlands bekanntester Bestatter]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschlands bester Bestatter]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschlands fairster Bestatter]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschlands günstigster Bestatter]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://bestatterweblog.de/?p=62786</guid>

					<description><![CDATA[Ein Bestattungsunternehmen wird als Deutschlands bestes, schönstes oder seriösestes Institut ausgezeichnet. Die Meldung geht durch die Presse. Verbraucher denken, hier habe ein umfangreicher, vergleichender Test vieler Bestattungshäuser stattgefunden. Hallo Undertaker,<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/testsiegel-und-auszeichnungen-fuer-bestatter/" class="alles-lesen-btn">
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</a></div>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Bestattungsunternehmen wird als Deutschlands bestes, schönstes oder seriösestes Institut ausgezeichnet. Die Meldung geht durch die Presse. Verbraucher denken, hier habe ein umfangreicher, vergleichender Test vieler Bestattungshäuser stattgefunden.</p>
<div class="frage-box">
<div class="message-container">
<p>Hallo Undertaker,</p>
<p>neulich ist ein Bestattungsunternehmen durch die Medien gegangen, das als bestes Unternehmen ausgezeichnet worden ist. Wie wird das festgestellt und wer vergibt diese Bewertung?</p>
<p>Ist es richtig, dass man dort besonders fair, günstig und seriös beraten wird?
  </p></div>
</div>
<p>Solche Pressemitteilungen tauchen immer wieder mal auf, und sie klingen natürlich beeindruckend. Wer möchte nicht mit dem Titel „Bestes Unternehmen“ werben? Allerdings existiert meines Wissens kein flächendeckendes, objektives Auswahlverfahren, bei dem sämtliche deutschen Bestattungsunternehmen nach einheitlichen Kriterien geprüft und anschließend ein eindeutiger Sieger ermittelt würde. Eine umfassende, neutrale Gesamtprüfung der Branche gibt es schlicht nicht.</p>
<p>Was es hingegen durchaus gibt, sind zahlreiche Institute, Verbände, Medienhäuser und private Organisationen, die Prüfsiegel, Zertifikate und Auszeichnungen vergeben. Das ist zunächst nichts Verwerfliches. Viele dieser Verfahren funktionieren jedoch nach einem wirtschaftlichen Modell: Unternehmen melden sich zur Prüfung an, zahlen eine Gebühr und lassen ihre Leistungen bewerten. In manchen Fällen erfolgt eine ernsthafte Begutachtung, in anderen Fällen ist die Hürde zur Auszeichnung erstaunlich niedrig.</p>
<p>Erstaunlich für mich ist übrigens auch, dass ich von dem in Rede stehenden Unternehmen vorher noch nie etwas gehört habe. Manchmal ist es aber auch so, dass mir Leute in meiner Telefonsprechstunde oder per Mail erzählt haben, dass sie ein bestimmtes Bestattungshaus als sehr geschäftsorientiert bis hin zu unseriös empfunden haben. Ausgerechnet das Unternehmen wirbt dann aber mit irgendeiner Auszeichnung.</p>
<p>Ein Blick in andere Branchen zeigt, wie unterschiedlich solche Bewertungen zustande kommen können. Auszeichnungen für Produktqualität, Designpreise oder Branchenawards werden häufig nach Einreichung der Produkte und Zahlung einer Teilnahmegebühr vergeben. Kritiker bemängeln seit Jahren, dass manche dieser Titel eher Marketinginstrumente als unabhängige Qualitätsnachweise seien. Auch in medizinischen Fachzeitschriften oder Wirtschaftsmagazinen finden sich regelmäßig Listen mit den „besten“ Ärzten, Kanzleien oder Dienstleistern. Wer mit diesen Siegeln werben möchte, muss nicht selten zusätzliche Lizenzgebühren entrichten.</p>
<p>Selbst im Handwerk oder im Lebensmittelbereich stößt man auf ähnliche Phänomene. Wettbewerbe küren etwa den „besten“ Hersteller eines bestimmten Produkts, während daneben Titel existieren, die nach Einreichung und Gebühr nahezu automatisch verliehen werden. Für Außenstehende ist oft kaum nachvollziehbar, welche Kriterien tatsächlich angewendet wurden und wie unabhängig die Bewertung war.</p>
<p>Überträgt man das auf die Bestattungsbranche, sollte man bei entsprechenden Meldungen daher genauer hinsehen. Wer hat getestet? Nach welchen Maßstäben? Wurden alle Betriebe berücksichtigt oder nur diejenigen, die sich beworben haben? Handelt es sich um eine redaktionelle Auswahl, um eine Kundenumfrage, um eine bezahlte Zertifizierung oder um ein reines Marketinglabel?</p>
<p>Eine kurze Recherche im Internet genügt häufig, um mehr über die jeweilige Organisation zu erfahren. Nicht selten zeigt sich dabei, dass hinter eindrucksvoll klingenden Titeln private Testfirmen oder kommerzielle Anbieter stehen, deren Geschäftsmodell auf der Vergabe kostenpflichtiger Auszeichnungen beruht.</p>
<p>Das bedeutet nicht automatisch, dass das ausgezeichnete Unternehmen schlecht arbeitet. Es bedeutet lediglich, dass ein Titel allein noch kein objektiver Beweis für außergewöhnliche Qualität ist. Wer sich ein Bild machen möchte, sollte vielmehr auf Transparenz, persönliche Beratung, nachvollziehbare Preise und echte Erfahrungsberichte achten. Das sagt oft mehr aus als jede goldene Plakette an der Wand.</p>
<p>Ergänzend sollte man auch die Kategorie der reinen Phantasiebezeichnungen im Blick behalten. Im Alltag begegnen einem immer häufiger wohlklingende Titel oder Bezeichnungen, die bei genauerem Hinsehen keinerlei amtliche oder inhaltliche Bedeutung haben. Ein bekanntes Beispiel sind sogenannte „Lord-“ oder „Lady-Titel“, die man über Anbieter erwerben kann, indem man Anteile an winzigen Grundstücksflächen, etwa in Irland oder Schottland, kauft. Formal ist man dann Mitbesitzer eines Stückchens Land und darf sich im wörtlichen Sinn als „Landlord“, also Grundstücksbesitzer, bezeichnen. Mit einem Adelstitel im historischen oder rechtlichen Sinn hat das jedoch nichts zu tun.</p>
<p>Solche Titel werden häufig als Geschenk oder als humorvoller Gag erworben – ein augenzwinkerndes Spiel mit Sprache und Bedeutungen. Problematisch wird es dort, wo solche Phantasiebezeichnungen im Alltag ernsthaft geführt oder sogar gezielt eingesetzt werden, um Kompetenz, Status oder besondere Qualifikation vorzutäuschen. Mir sind Fälle bekannt, in denen Personen diese Titel konsequent verwenden und damit den Eindruck erwecken möchten, über eine besondere gesellschaftliche Stellung zu verfügen. In einem Fall soll es sogar gelungen sein, eine solche Bezeichnung als Künstlernamen in amtliche Dokumente eintragen zu lassen.</p>
<p>Auch hier gilt: Ein wohlklingender Titel sagt nichts über tatsächliche fachliche Qualifikation, Seriosität oder Leistungsfähigkeit aus. Ob es um „beste Unternehmen“, um Zertifikate oder um schmückende Bezeichnungen geht – entscheidend ist nicht das Etikett, sondern das, was real dahintersteht.</p>
<p><iframe loading="lazy" width="560" height="315" src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/MBCxijRuEI8?si=SP5NQpHmBYSZDXBR" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/5492d6af72994f8bb0970f325cca1268" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/5492d6af72994f8bb0970f325cca1268" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Telefonbücher</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Feb 2026 20:05:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Telefonbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Telefonnummer]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir haben gar kein Telefonbuch mehr. Das war früher anders. In der Zeit vor der Verbreitung der Mobiltelefone war das Telefonbuch unverzichtbar. Die meisten Telefone konnten keine Nummern speichern. Wenn<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/62782-2/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wir haben gar kein Telefonbuch mehr. Das war früher anders. In der Zeit vor der Verbreitung der Mobiltelefone war das Telefonbuch unverzichtbar. </p>
<p>Die meisten Telefone konnten keine Nummern speichern. Wenn man also jemanden anrufen wollte, kannte man die Nummer auswendig oder man musste dessen Nummer irgendwo aufgeschrieben haben oder eben im Telefonbuch nachschauen.<br />
Da man meist nur das Telefonbuch der eigenen Stadt parat hatte, gab es noch die Auskunft, die man anrufen und nach ortsfremden Nummern fragen konnte.</p>
<p>Da damals nahezu jeder ein Festnetztelefon besaß und der Eintrag ins Telefonbuch verpflichtend war, waren Telefonbücher auch eine sehr verlässliche Recherchequelle.</p>
<p>Für ein Unternehmen, in dem ich gearbeitet habe, war es wichtig, alle Telefonbücher Deutschlands zu besitzen. Deshalb waren die bei der Post abonniert und regelmäßig kamen Pakete mit den neusten Ausgaben an. Die einzelnen Bücher waren nicht teuer, aber bei einem bundesweiten Abo läpperte sich das.</p>
<p>Aber auch für uns Bestatter war es damals wichtig, zumindest die Telefonbücher der umliegenden Städte zu haben.<br />
Es war ja immer schon ein beliebter Spaß, nachts beim Bestatter anzurufen und den zum missliebigen Mathelehrer oder sonst jemandem zu schicken, den man ärgern wollte.<br />
Da es noch keine Rufnummernanzeige gab, konnte der Bestatter nicht sehen, wer da anrief.</p>
<p>Deshalb fragte man besonders eindringlich nach dem Namen des Anrufers und nach der Telefonnummer.<br />
Durch einen Rückruf oder eine kurze Recherche im Telefonbuch konnte dann ganz gut verifiziert werden, ob der Anruf &#8222;echt&#8220; war.</p>
<p>Aber auch sonst waren die Telefonbücher unverzichtbar. Es gab ja keine andere Möglichkeit, die Telefonnummern von Ärzten, Krankenhäusern, Krematorien usw. herauszubekommen.</p>
<p>Ich glaube, Bestatter waren auch mit die Ersten, die Organizer verwendeten. Jene kleinen computerähnlichen Speichergeräte mit Display, in denen man Termine, Adressen und Rufnummern verwalten konnte.</p>
<p>Ich war immer stolz auf meine Rotationskartei Rolodex auf dem Schreibtisch. Da hatte ich mir mal aus Kanada eine besonders schöne und stabile Version und massig leere Kärtchen mitgebracht.<br />
Wer so eine Kartei gut pflegte, war anderen oft um eine Nasenlänge voraus.</p>
<p>Und dann?</p>
<p>Dann kamen zuerst die Telefonbuch-CDs. Auf einmal konnte man sich alle Telefonnummern Deutschlands auf einer kleinen silbernen Scheibe ins Haus holen.<br />
Es folgte das Internet mit seinen Online-Suchmöglichkeiten.</p>
<p>Und danach? Dann kam die rasante Verbreitung des Mobiltelefons. </p>
<p>Ich erinnere mich noch daran, dass ich damals Leute von unterwegs angerufen habe, und diese verschreckt aufgelegt haben, weil sie dachten, sie müssten bei Annahme eines Mobilgesprächs besonders hohe Gebühren bezahlen.</p>
<p>Es klingt mir noch in den Ohren, wie mein Schwiegervater alle Besitzer eines Mobiltelefons für verrückt erklärte. Heute, mit fast 90 ist das Smartphone auch sein ständiger Begleiter.</p>
<p>Mit der Verbreitung der Mobiltelefonie wandelte sich aber auch das ganze Bild. Viele haben heute gar keinen Festnetzanschluss mehr. Ganz viele wollen auch nicht mehr im Telefonbuch aufgelistet werden.</p>
<p>Da alle Nummern im Smartphone gespeichert sind und die ja schon auf Zuruf des Namens wählen können, kennt auch kaum noch jemand Telefonnummern auswendig.</p>
<p>Ich kann nichts dagegen machen, aber ich kenne die Rufnummer, die wir damals in meinem Elternhaus hatten, heute noch auswendig. Und käme es darauf an, wüsste ich auch noch die Telefonnummern meiner Freunde von damals aus dem Kopf.</p>
<p>Meine eigene Handynummer? Manchmal weiß ich sie, meistens muss ich selbst nachschauen&#8230;</p>
<p>Ich weiß gar nicht, wo man heute noch Telefonbücher bekäme. Früher wurden die frei Haus geliefert. Eine Zeit lang gab es die dann immer zum Mitnehmen in den Postfilialen und später sogar in Supermärkten.</p>
<p>Wie ist das bei Dir?</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/6fccb549c8da435d9d80f2f7b2c30e24" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/6fccb549c8da435d9d80f2f7b2c30e24" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Können Verstorbene explodieren?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Feb 2026 17:28:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frag doch den Undertaker]]></category>
		<category><![CDATA[explodieren?]]></category>
		<category><![CDATA[können]]></category>
		<category><![CDATA[leichen]]></category>
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					<description><![CDATA[Explodieren Leichen wirklich? Oder ist das nur Netflix-Fantasie? Ein Leser hat eine Folge einer Krimiserie gesehen und hinterfragt, was dort gezeigt wurde. Ein Leser fragte: „Ich habe bei Netflix eine<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/konnen-verstorbene-explodieren/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Explodieren Leichen wirklich? Oder ist das nur Netflix-Fantasie? Ein Leser hat eine Folge einer Krimiserie gesehen und hinterfragt, was dort gezeigt wurde.</p>
<div class="frage-box">
<div class="message-container">
<p><p>Ein Leser fragte: „Ich habe bei Netflix eine Serie gesehen, in der Leichen explodiert sind. Voll der Matsch! Kommt so etwas wirklich vor?“ Die kurze Antwort lautet: Nein – so, wie es in Serien dargestellt wird, nicht. Die etwas längere Antwort ist interessanter.</p>
</p>
</div>
</div>
<h2 id="was-passiert-bei-der-verwesung-tatsaechlich">Was passiert bei der Verwesung tatsächlich?</h2>
<p>Nach dem Tod setzt ein natürlicher biologischer Prozess ein. Dabei spielen vor allem körpereigene Enzyme und Bakterien eine Rolle. Besonders wichtig sind Mikroorganismen aus dem Darm, die nach dem Tod nicht mehr durch das Immunsystem kontrolliert werden. Im Zuge dieser Zersetzungsprozesse können Gase entstehen, etwa Methan, Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff oder auch Ammoniak. Dass solche Gase entstehen können, ist in der Rechtsmedizin und Forensik seit langem beschrieben und gehört zur normalen Einordnung der sogenannten Fäulnisphase.</p>
<h2 id="kann-sich-ein-leichnam-aufblaehen">Kann sich ein Leichnam aufblähen?</h2>
<p>Ja. Gasbildung kann dazu führen, dass sich der Körper – vor allem im Bauch- und Brustbereich – sichtbar aufbläht. Wie stark dieser Effekt ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wärme beschleunigt die Vorgänge, während Kälte verlangsamt. Auch Feuchtigkeit, Luftabschluss oder Sauerstoffkontakt, die Art der Lagerung und der allgemeine körperliche Zustand spielen eine Rolle. Ebenso kann die Zusammensetzung des Körpers Einfluss haben: Ein verstorbener Mensch mit hoher Fettmasse kann andere Zersetzungsprozesse zeigen als ein stark abgemagerter oder ausgedörrter Körper. Auch chemische Vorbelastungen, etwa durch bestimmte Medikamente oder eine Chemotherapie, können Zersetzungsprozesse beeinflussen. Aufblähen bedeutet jedoch nicht Explosion.</p>
<h2 id="kann-ein-koerper-platzen">Kann ein Körper „platzen“?</h2>
<p>In seltenen Einzelfällen kann es vorkommen, dass durch starken Gasdruck Hautpartien aufreißen oder sich Flüssigkeiten entleeren. Das geschieht aber nicht explosionsartig im physikalischen Sinn. Die menschliche Haut ist elastisch, das Bindegewebe bietet Widerstand, und bevor ein „Explosionsszenario“ überhaupt denkbar wäre, entweichen Gase in der Regel über natürliche Öffnungen oder durch kleinere Gewebedefekte. Was im Alltag tatsächlich passieren kann, ist ein plötzliches Entweichen von Gasen beim Umlagern oder ein Austritt von Flüssigkeiten bei fortgeschrittener Zersetzung. Das ist mitunter unangenehm, aber es ist keine Druckwelle mit umherfliegenden Körperteilen.</p>
<h2 id="warum-zeigen-serien-so-etwas">Warum zeigen Serien so etwas?</h2>
<p>Ganz einfach: Dramaturgie. Eine leise Gasentweichung erzeugt keine Spannung, ein spektakuläres „Zerplatzen“ dagegen schon. Film und Realität haben hier ungefähr das gleiche Verhältnis wie Krankenhausserien zur echten Intensivstation.</p>
<h2 id="genau-darum-werden-verstorbene-in-saergen-transportiert">Genau darum werden Verstorbene in Särgen transportiert</h2>
<p>Ein Grund ist Pietät. Ein weiterer ist Hygiene. Mit fortschreitender Zersetzung können Flüssigkeiten austreten – das ist ein normaler biologischer Vorgang. Särge sind daher nicht nur kulturelles Ritual, sondern auch eine praktische Schutzmaßnahme. Das ist einer der Gründe, warum Verstorbene grundsätzlich nur im Sarg transportiert werden dürfen.</p>
<h2 id="gibt-es-ueberhaupt-jemals-echte-explosionen">Gibt es überhaupt jemals echte „Explosionen“?</h2>
<p>Wenn überhaupt, dann sprechen wir über extrem seltene Sonderfälle, bei denen starke äußere Einwirkungen eine Rolle spielen, etwa massive Hitzeeinwirkung bei Bränden oder besondere Umstände in geschlossenen Druckumgebungen oder nach industriellen bzw. chemischen Unfällen. Das sind jedoch keine natürlichen Verwesungsvorgänge, sondern Ausnahmesituationen durch äußere Faktoren. Im normalen Bestattungsalltag kommt so etwas nicht vor.</p>
<h2 id="fazit">Fazit</h2>
<p>Ja, bei der Verwesung können Gase entstehen und ja, ein Körper kann sich aufblähen. In seltenen Fällen können auch Gase oder Flüssigkeiten austreten. Aber nein: Leichen explodieren nicht massenhaft, sie zerplatzen nicht wie überreife Wassermelonen, und Bestatter stehen nicht regelmäßig im „Matsch“. Die allermeisten Verstorbenen liegen ruhig und würdevoll da – und genau so begleiten wir sie.</p>
<h2 id="quellen-und-weiterfuehrende-hinweise">Quellen und weiterführende Hinweise</h2>
<p>Wer die biologischen Hintergründe vertieft nachlesen möchte, findet entsprechende Grundlagen in rechtsmedizinischer und forensischer Fachliteratur, etwa bei Madea (Rechtsmedizin, Springer) sowie bei DiMaio/DiMaio (Forensic Pathology). Dort werden die Phasen der Zersetzung, typische Gasbildungsprozesse und die praktische Einordnung in der forensischen Begutachtung ausführlich dargestellt.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg02.met.vgwort.de/na/b381ed6de2c549c6866dd6d0b603bbf8" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/b381ed6de2c549c6866dd6d0b603bbf8" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Machen Verstorbene Geräusche? Bewegen sie sich? Können sie „schreien“?</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/machen-verstorbene-geraeusche-bewegen-sie-sich-koennen-sie-schreien/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Feb 2026 07:34:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frag doch den Undertaker]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter klärt auf]]></category>
		<category><![CDATA[bewegen sich Leichen nach dem Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Geräusche von Verstorbenen]]></category>
		<category><![CDATA[Leiche bewegt sich]]></category>
		<category><![CDATA[machen Tote Geräusche]]></category>
		<category><![CDATA[Mythen über Leichen]]></category>
		<category><![CDATA[schreien Verstorbene]]></category>
		<category><![CDATA[Totenstarre Erklärung]]></category>
		<category><![CDATA[urbane Legenden über Tote]]></category>
		<category><![CDATA[was passiert mit dem Körper nach dem Tod]]></category>
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					<description><![CDATA[Immer wieder erreichen mich Zuschriften, in denen Angehörige – oder Menschen, die entsprechende Videos in sozialen Netzwerken gesehen haben – beunruhigende Dinge schildern. Da ist von Leichen die Rede, die<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/machen-verstorbene-geraeusche-bewegen-sie-sich-koennen-sie-schreien/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Immer wieder erreichen mich Zuschriften, in denen Angehörige – oder Menschen, die entsprechende Videos in sozialen Netzwerken gesehen haben – beunruhigende Dinge schildern. Da ist von Leichen die Rede, die plötzlich stöhnen. Von Körpern, die sich bewegen. Von Augen, die sich öffnen. Manche sprechen sogar von „Schreien“.</p>
<p>Nach fast fünf Jahrzehnten im Bestattungswesen darf ich eines vorwegnehmen: Die Wirklichkeit ist deutlich unspektakulärer als viele Internetgeschichten glauben machen wollen.</p>
<h2 id="woher-kommen-solche-erzaehlungen">Woher kommen solche Erzählungen?</h2>
<p>Ein großer Teil dieser Vorstellungen speist sich aus Sensationsberichten, sehr schlecht recherchierten Social-Media-Videos und vor allem aus bewusst übertriebenen &#8222;Erfahrungsberichten&#8220; von Wichtigtuern.<br />
Außerdem stammen diese Geschichten aus Horrorfilmen und leider auch aus Angstmacherei von selbsternannten „Experten“.</p>
<p>In der Praxis sieht es anders aus.</p>
<h2 id="koennen-verstorbene-geraeusche-machen">Können Verstorbene Geräusche machen?</h2>
<p>In sehr seltenen Fällen kann es vorkommen, dass beim Umlagern eines Körpers Luft aus Lunge oder Magen-Darm-Trakt entweicht. Das kann dann wie ein Seufzen oder ein leises Stöhnen klingen.</p>
<p>Das ist kein aktiver Vorgang. Es ist keine „Äußerung“. Es ist schlicht Physik.</p>
<p>Wenn Druck auf den Brustkorb ausgeübt wird oder sich Gase im Zuge beginnender natürlicher Veränderungen bilden, kann Luft entweichen. Das ist vergleichbar mit dem Geräusch, das entsteht, wenn man auf einen Blasebalg drückt.</p>
<p>Es können auch mal Geräusche auftreten, die die Stimmbänder des Verstorbenen anregen. So entstehen Töne, die manchmal etwas übertrieben als Seufzen, Röcheln oder Stöhnen beschrieben werden.<br />
In der täglichen Praxis geschieht selbst das äußerst selten.</p>
<h2 id="bewegen-sich-verstorbene">Bewegen sich Verstorbene?</h2>
<p>Nach Eintritt des Todes erschlafft zunächst die Muskulatur. Einige Stunden später setzt die sogenannte Totenstarre<sup id="fnref1"><a href="#fn1" class="footnote">1</a></sup> ein.</p>
<p>Die Totenstarre bzw. Leichenstarre<sup id="fnref2"><a href="#fn2" class="footnote">2</a></sup> ist ein natürlicher biochemischer Prozess. Die Muskulatur verhärtet sich, weil bestimmte Stoffwechselvorgänge zum Erliegen kommen.</p>
<p>Was gelegentlich beobachtet wird, sind minimale Lageveränderungen einzelner Gliedmaßen durch Schwerkraft, vermeintliche Bewegungen durch eine Muskelentspannung vor Eintritt der Starre und sehr selten kleine Restzuckungen in der Frühphase unmittelbar nach dem Tod.</p>
<p>Diese Vorgänge sind rein physiologisch und keineswegs Ausdruck von „Leben“. Sie sind zudem ausgesprochen selten und in der Regel nur im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit dem Tod möglich.</p>
<p>In der überwältigenden Mehrheit der Fälle liegen Verstorbene ruhig und bewegungslos.</p>
<h2 id="koennen-sich-die-augen-oeffnen">Können sich die Augen öffnen?</h2>
<p>Nach dem Tod erschlaffen zunächst auch die Muskeln der Augenlider. Deshalb können Augen manchmal nicht vollständig geschlossen bleiben.</p>
<p>Das ist kein „Aufreißen“. Es ist keine bewusste Bewegung. Es ist reine Muskelerschlaffung.<sup id="fnref3"><a href="#fn3" class="footnote">3</a></sup></p>
<p>In der Versorgung werden die Augen selbstverständlich würdevoll geschlossen. In den allermeisten Fällen genügt ein leichtes Schieben über die Augenlider, um diese über den Augen zu schließen.</p>
<p>Angehörige erleben keine unheimlichen Szenen.</p>
<h2 id="schreien-verstorbene">„Schreien“ Verstorbene?</h2>
<p>Hier bewegen wir uns klar im Bereich der urbanen Legende.<sup id="fnref4"><a href="#fn4" class="footnote">4</a></sup></p>
<p>Ein Schrei setzt aktive Stimmbandbewegung, Atemdruck, Muskelkoordination und neuronale Steuerung voraus. Nach dem Tod existiert all das nicht mehr.</p>
<p>Was theoretisch – in extrem seltenen Fällen – passieren kann, ist ein Geräusch durch entweichende Luft bei starker Druckveränderung. Das ist kein Laut im eigentlichen Sinne, sondern ein passiver Luftstrom.</p>
<p>Die dramatischen Schilderungen in sozialen Netzwerken sind daher in aller Regel stark übertrieben, falsch interpretiert und in den meisten Fällen frei erfunden.</p>
<h2 id="warum-halten-sich-solche-geschichten">Warum halten sich solche Geschichten?</h2>
<p>Der Tod verunsichert.<br />
Unwissen erzeugt Angst.<br />
Angst sucht Bilder.</p>
<p>Und Bilder lassen sich hervorragend vermarkten – besonders in Zeiten von Klickzahlen und algorithmusgesteuerter Aufmerksamkeit.</p>
<p>Ein ruhiger, würdevoller Verstorbener erzeugt keine Sensation.<br />
Eine angeblich „schreiende Leiche“ schon.</p>
<p>Man möchte sich wichtig machen, von etwas Sensationellem berichten und dadurch Follower und Klicks generieren.</p>
<h2 id="die-realitaet-aus-fast-50-jahren-erfahrung">Die Realität aus fast 50 Jahren Erfahrung</h2>
<p>Ich habe in meinem Berufsleben unzählige Verstorbene gesehen und versorgt.</p>
<p>Die Wirklichkeit ist nüchtern. Die meisten Verstorbenen liegen friedlich da. Es gibt keine dramatischen Bewegungen. Es gibt kein Schreien. Es gibt kein „Zurückkommen“.</p>
<p>Was es gibt, ist ein natürlicher biologischer Prozess des Abschieds.</p>
<h2 id="warum-solche-mythen-problematisch-sind">Warum solche Mythen problematisch sind</h2>
<p>Solche Erzählungen verunsichern Angehörige unnötig. Sie erschweren Abschiednahmen. Sie erzeugen Bilder, die mit der Realität nichts zu tun haben.</p>
<p>Als Bestatter sehe ich meine Aufgabe nicht nur in der Organisation einer Beisetzung, sondern auch in der Aufklärung.</p>
<p>Würde, Sachlichkeit und Ruhe sind hier die besseren Begleiter als Sensationslust.</p>
<h2 id="fazit">Fazit</h2>
<p>Ja, in sehr seltenen Ausnahmefällen können durch physikalische Prozesse minimale Geräusche oder kleine Lageveränderungen auftreten.</p>
<p>Nein, Verstorbene schreien nicht.<br />
Nein, sie führen keine bewussten Bewegungen aus.<br />
Nein, es geschehen keine „Horrorszenen“.</p>
<p>Die überwältigende Mehrheit der Verstorbenen liegt einfach nur ruhig und friedlich da.</p>
<p>Und genau so darf man es auch sagen.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/216f104aab954bdca6f625a625107aba" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/216f104aab954bdca6f625a625107aba" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
<div id="serial-posts-wrapper"><h3 class="serial-posts-heading">Fußnoten:</h3><div class="footnotes"><ol class="serial-posts"><li id="fn1"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Totenstarre">https://de.wikipedia.org/wiki/Totenstarre</a> <a href="#fnref1"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li><li id="fn2"><a href="https://bestatterweblog.de/leichenstarre/">https://bestatterweblog.de/leichenstarre/</a> <a href="#fnref2"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li><li id="fn3"><a href="https://bestatterweblog.de/sterben-die-menschen-mit-offenen-oder-mit-geschlossenen-augen/">https://bestatterweblog.de/sterben-die-menschen-mit-offenen-oder-mit-geschlossenen-augen/</a> <a href="#fnref3"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li><li id="fn4"><a href="https://bestatterweblog.de/urbane-legende/">https://bestatterweblog.de/urbane-legende/</a> <a href="#fnref4"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li></ol></div></div>]]></content:encoded>
					
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Feb 2026 03:11:12 +0000</pubDate>
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</a></div>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Weil Transparenz kein Luxus, sondern eine Selbstverständlichkeit ist, möchte ich heute offenlegen, was es tatsächlich kostet, mehrere professionell betriebene Weblogs zuverlässig, sicher und rechtssicher am Laufen zu halten.</p>
<div class="frage-box">
<div class="message-container">
<h2 id="es-geht-mich-nix-an-aber-ich-frag-einfach-mal">Es geht mich nix an, aber ich frag&#8216; einfach mal:</h2>
<p>Mich stimmt das jetzt nachdenklich.<br />
Du schreibst <em>unten auf Deiner Webseite</em> &#8222;Der Betrieb dieser Seite kostet rund 20.000 € jährlich.&#8220;, und das ist nicht das einzige Blog.<br />
Mich irritiert das etwas, das finanzielle Polster variiert sicher doll, wegen der Spendenbitte. Vielleicht kannst du mal in einem Extrabeitrag das irgendwie unverfänglich aufdröseln, damit ein Laie die Blogkosten versteht?<br />
Wenn nicht, auch nicht schlimm, geht im Grunde niemanden etwas an.</p>
</div>
</div>
<p>Nein, das geht tatsächlich niemanden etwas an, aber Deine Frage ist doch trotzdem völlig berechtigt. Denn, wenn ich in einer Spendenanzeige um etwas Unterstützung in Form von Abos oder Geldgeschenken bitte, und dabei eine Summe nenne, dann ist es eine völlig normale Frage, wo denn die Zahlen herkommen.</p>
<p>Es gab vor 12 bis 15 Jahren schon mal eine Infoseite im Bestatterweblog, auf der das alles genau aufgedröselt war. Da konnte jeder sich über Aufrufzahlen, Mediadaten und Kosten informieren.<br />
Das hat aber zu zwei negativen Effekten geführt:</p>
<ol class="border">
<li>Ich wurde mit einem Haufen von Ratschlägen überhäuft, wie man Kosten sparen kann. Das ging so weit, dass mir der hohe Stromverbrauch vorgerechnet wurde, verbunden mit der Empfehlung, doch schwächere Glühbirnen einzuschrauben. Bei den Softwarekosten hieß es: &#8222;Das Zeug gibt&#8217;s doch alles auch umsonst irgendwo.&#8220; Und bei den Kosten für meinen Rechner schrieb eine Tante: &#8222;Selbst Schuld, wenn man sich nicht einen PC für 300 Euro kauft, sondern so teuren Luxuskram.&#8220; Das lässt sich beinahe endlos fortsetzen.</li>
<li>Die geringen Einnahmen aus gelegentlicher Werbung, Eigenanzeigen für Bücher und Kooperationen wurden angezweifelt, weil unterstellt wurde, ich würde tausende Euros damit verdienen. Außerdem sprach aus einigen Zuschriften der blanke Neid.</li>
</ol>
<h2 id="was-kostet-es-ein-professionelles-blog-zu-betreiben">Was kostet es, ein professionelles Blog zu betreiben?</h2>
<p>Viele Menschen stellen sich einen Blogbetrieb so vor: ein bisschen Webspace für 1 Euro – fertig. Diese Vorstellung ist verständlich, hat mit der Realität professionell betriebener Webseiten aber nur sehr wenig zu tun.</p>
<p>Ich betreibe mehrere Weblogs, die beinahe täglich mit neuen Inhalten versorgt werden. Das ist kein Hobby, das „irgendwie nebenbei“ läuft, sondern eine technisch, organisatorisch und rechtlich anspruchsvolle Infrastruktur. Entsprechend entstehen laufende Kosten in vielen Bereichen. Ich habe das einmal aufgedröselt, wie wir Leute aus dem Ruhrgebiet so sagen. Die genannten Zahlen stammen von mir, einem Blogkollegen aus NRW und einer Kollegin aus Franken. Das bedeutet nicht, dass das alles bei mir auch so anfällt.</p>
<p>Man muss sich aber von dem Gedanken verabschieden, dass es im Netz ja alles umsonst gibt. Wer rechtlich auf der sicheren Seite sein will und professionell arbeitet, hat alles lizenziert und zahlt halt auch dafür.<br />
Da kann man dann auch keine Billiglösungen aus der Fernsehwerbung nutzen, sondern muss auf einen Dienstleister setzen, der die entsprechenden Ressourcen hat und die notwendige Unterstützung bietet.</p>
<h2 id="server-hosting-und-technische-infrastruktur">Server, Hosting und technische Infrastruktur</h2>
<p>Ein stabiler, leistungsfähiger Server ist die Grundlage. Dazu gehören Hostingkosten, externe Backupsysteme und in vielen Fällen zusätzliche Dienste zur Beschleunigung der Seitenladezeiten (CDN).</p>
<p>Je nach Anbieter und Leistungsumfang bewegen sich diese Kosten im Bereich von etwa 2.000 bis 2.500 Euro pro Jahr.</p>
<h2 id="domains-e-mail-und-grundinfrastruktur">Domains, E-Mail und Grundinfrastruktur</h2>
<p>Mehrere Domains, professionelles E-Mail-Hosting, SSL-Zertifikate und weitere Basisdienste verursachen ebenfalls laufende Kosten.</p>
<p>Hier können, je nach Anbieter durchaus nochmal etwa 400 bis 800 Euro jährlich anfallen.</p>
<h2 id="premium-plugins-und-lizenzen">Premium-Plugins und Lizenzen</h2>
<p>Professionelle Weblogs kommen ohne kostenpflichtige Erweiterungen nicht aus. Dazu zählen Sicherheitslösungen, Backup-Plugins, SEO-Tools, Formularsysteme, Anti-Spam-Lösungen, Newsletter-Software, Bildoptimierung und Social-Media-Anbindungen.<br />
Viele Plugins für WordPress werden heute nur noch in einer kaum nutzbaren Variante kostenlos angeboten. Die professionelle Version kostet dann richtig viel Geld. Außerdem können sich die Kosten nach der Anzahl der Seitenaufrufe richten. Bei hohen Zugriffszahlen wird das schnell sehr teuer.</p>
<p>Je nach Anzahl der Seiten und Lizenzen summiert sich das schnell auf 800 bis 2.500 Euro pro Jahr.</p>
<h2 id="software-am-arbeitsplatz">Software am Arbeitsplatz</h2>
<p>Für die tägliche Arbeit werden Programme für Textverarbeitung, Bildbearbeitung, PDF-Erstellung, Sicherheit, Backup, Medienverwaltung und vieles mehr benötigt. Hinzu kommen Updates, Versionsupgrades, Schriftlizenzen und Bilddatenbanken. Ich bin froh, dass ich einen Computer nutze, bei dem das wichtigste Rüstzeug gleich mit dabei ist. Dennoch muss ich das eine oder andere hinzukaufen und/oder jedes Jahr neu lizenzieren. Bei mir ist das nicht so viel, das liegt am unteren Ende der nachfolgenden Zahl.</p>
<p>Hier entstehen leicht 500 bis 2.000 Euro jährlich.</p>
<h2 id="ki-und-online-dienste">KI- und Online-Dienste</h2>
<p>Dazu gehören unter anderem Abos für KI-Dienste, Cloud-Speicher und weitere Online-Tools.</p>
<p>Realistisch sind 300 bis 600 Euro pro Jahr.</p>
<h2 id="strom-und-arbeitsplatzkosten">Strom und Arbeitsplatzkosten</h2>
<p>Ein leistungsfähiger Rechner, Monitore, Router, NAS-Systeme, Backup-Festplatten und Beleuchtung laufen viele Stunden täglich. Auch das verursacht relevante Stromkosten.<br />
Nicht zu vergessen sind die Heizkosten und in vielen Fällen auch noch eine anteilige Miete. Das will oft schon das Finanzamt so.</p>
<p>Je nach Nutzung fallen hier etwa 600 bis 1.000 Euro jährlich an.<br />
Wenn Miete hinzukommt, sind das nochmal rund 1.000 bis 1.200 Euro jährlich.</p>
<h2 id="grafik-gestaltung-und-bildmaterial">Grafik, Gestaltung und Bildmaterial</h2>
<p>Eigene Bildproduktionen, Bearbeitung, Illustrationen oder gelegentlich externe Gestaltungsarbeiten sind ebenfalls Teil des Betriebs. Für viele Medien müssen Lizenzgebühren bezahlt werden.<br />
Ich mildere das seit 2 Jahren konsequent durch den Einsatz von nahezu ausschließlich KI-generierten oder selbstgemachten Bildern ab. Bei mir fallen hier nur geringe Kosten an.</p>
<p>Hier kann man mit 500 bis 1.500 Euro pro Jahr rechnen.</p>
<h2 id="wartung-anpassungen-und-weiterentwicklung">Wartung, Anpassungen und Weiterentwicklung</h2>
<p>Auch wenn ich vieles selbst erledige: Plugins müssen angepasst, Fehler behoben, Systeme aktualisiert und Sicherheitslücken geschlossen werden. Würde man diese Arbeiten extern vergeben, lägen die Kosten deutlich höher.<br />
Ich gebe hier so um die 600 Euro im Jahr aus, die ich an einen jungen Entwickler zahle. Den großen Rest mache ich selbst.</p>
<p>Konservativ gerechnet können aber 2.000 bis 4.000 Euro jährlich anfallen.</p>
<h2 id="rechtliches-und-abmahnrisiko">Rechtliches und Abmahnrisiko</h2>
<p>Was viele unterschätzen: Der Betrieb von Webseiten ist rechtlich anspruchsvoll. Datenschutz, Impressum, Cookie-Lösungen, Anpassungen an neue Vorgaben und im schlimmsten Fall Abmahnungen gehören leider dazu.</p>
<p>Selbst wenn man korrekt arbeitet, kosten anwaltliche Prüfungen und Reaktionen Geld. Erfahrungsgemäß tritt das ein- bis zweimal jährlich auf. Ich bemühe mich, immer rechtlich einwandfrei zu arbeiten. Trotzdem kommt es immer mal wieder zu Abmahnungen. Die meisten sind nicht gerechtfertigt, manche schnell vom Tisch. In anderen Fällen ziehen sich die Auseinandersetzungen über Jahre. Auch wenn man am Ende gut aus der Sache rauskommt, sind bis dahin Hunderte Euros verbrannt.</p>
<p>Hier fallen realistisch 1.500 bis 3.000 Euro pro Jahr an.</p>
<h2 id="weitere-oft-uebersehene-kosten">Weitere oft übersehene Kosten</h2>
<p>Dazu zählen unter anderem:</p>
<ul>
<li>Hardware-Abschreibung (Rechner, Kamera, Mikrofone etc.)</li>
<li>Ersatzgeräte</li>
<li>Telefon- und Internetkosten</li>
<li>Steuerberatung und Buchhaltung</li>
<li>Bankgebühren</li>
<li>Versicherungen (z. B. Medien- oder Betriebshaftpflicht)</li>
<li>Fahrtkosten</li>
<li>Beratungskosten</li>
<li>Steuern, Gebühren, Abgaben</li>
</ul>
<p>Hier kommen schnell weitere rund 4.000 Euro jährlich zusammen.</p>
<div class="info-box2024">
<div class="info-box2024-title"></div>
<h2 id="aber-lizzys-schminkseite-kostet-nur-100-euro-im-jahr">Aber Lizzys Schminkseite kostet nur 100 Euro im Jahr</h2>
<p>Man muss an dieser Stelle auch klar unterscheiden zwischen professionell betriebenen Publikationsplattformen und reinen Hobbyprojekten. Natürlich kann man ein kleines privates Blog mit einer kostenlosen Subdomain, einem Ein-Euro-Hostingtarif und ausschließlich kostenfreier Software betreiben. Das ist völlig legitim – und für persönliche Tagebücher, Bastel- oder Freizeitblogs auch komplett ausreichend. „Lieschen Müllers Häkelblog“ mit zwei Beiträgen im Monat, ein paar Fotos vom Smartphone und ohne nennenswertes Besucheraufkommen verursacht nun einmal kaum Kosten. Meine Weblogs sind jedoch keine Spielwiese, sondern redaktionell gepflegte Informationsangebote mit hoher Veröffentlichungsfrequenz, großer Reichweite, technischer Absicherung, rechtlicher Absicherung und professioneller Infrastruktur. Diese beiden Welten miteinander zu vergleichen, wäre in etwa so, als würde man einen selbst gebastelten Gartenschuppen mit einem Handwerksbetrieb vergleichen – beides hat seine Berechtigung, aber es ist nicht dasselbe.</p>
</div>
<h2 id="die-gesamtrechnung">Die Gesamtrechnung</h2>
<p>Wie man sieht, ergeben sich schnell Kosten, die irgendwo zwischen 8.000 und über 20.000 Euro liegen können. Das variiert von Jahr zu Jahr, mal ist es heftiger, mal nicht so schlimm.</p>
<p>Die im Spendenaufruf genannten rund 20.000 Euro sind also keine Fantasiezahl, sondern eine sachliche Mischkalkulation dessen, was notwendig ist, um mehrere Weblogs dauerhaft stabil, sicher, aktuell und rechtssicher zu betreiben.</p>
<p>Wer mag, darf das gern unterstützen. Wer nicht, darf trotzdem kostenlos mitlesen.<br />
So einfach ist das.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/640180b0797743ee9fc828bf9add6982" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/640180b0797743ee9fc828bf9add6982" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Deutschlands bekanntester Bestatter</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/deutschlands-bekanntester-bestatter/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Feb 2026 06:17:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Internes]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschlands bekanntester Bestatter]]></category>
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					<description><![CDATA[Es steht vorne auf einem meiner Bücher in einem runden Feld und war seitens des Verlags als Kaufanreiz gedacht: &#8222;Deutschlands bekanntester Bestatter erzählt&#8220;. Das bringt einen Leser aus der Schweiz<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/deutschlands-bekanntester-bestatter/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es steht vorne auf einem meiner Bücher in einem runden Feld und war seitens des Verlags als Kaufanreiz gedacht: &#8222;Deutschlands bekanntester Bestatter erzählt&#8220;. Das bringt einen Leser aus der Schweiz zu einigen Fragen:</p>
<div class="frage-box">
<div class="message-container">
<p>Hi Tom,</p>
<p>entschuldige, dass ich dich immer noch Tom nenne, obwohl ich weiss, dass du Peter heisst.<br />
Aber ich lesen den Bestatterblog jetzt schon 20 Jahr und habe dich als Untertaker Tom kennengelernt.<br />
Ich war auch damals in Forchheim bei beiden großen Treffen dabei. Das war ganz toll und ich rege an, so etwas in kleinerem Rahmen bitte noch einmal zu wiederholen.<br />
Bin auch gerne bereit, dich dabei zu unterstützen.</p>
<p>Du wurdest überall als Deutschlands bekanntester Bestatter vorgestellt. Seinerzeit warst du ja auch ständig im Fernsehen und im Radio. Deine Lesereisen waren ja legendär und immer gut besucht. Bei drei Auftritten war ich dabei und fand sowohl die leisen Lesungen als auch den grossen Kabarett-Abend extremst gelungen. Besteht die Chance, dass du noch mal auftrittst?</p>
<p>Nun aber sehe ich im Netz, dass sich ein anderer Bestatter als Deutschlands bekanntester Bestatter positioniert und diesen Titel für sich in Anspruch nimmt. Es ist einer von denen, die mit mehr Lärm auftreten und viel Wirbel um die eigene Person machen, möchte ich mal so meinen.</p>
<p>Der nimmt dir doch die Butter vom Brot, es geht doch auch um Geld.</p>
<p>Wie stehst du dazu?<br />
Würde mich einfach mal interessieren.</p>
<p>Liebe Grüße<br />
Gunnar B., </p>
</div>
</div>
<p>Hallo, lieber Gunnar,</p>
<p>schön, dass Du mir und meinem Werk schon so lange die Treue hältst.<br />
Die beiden Treffen in Forchheim waren wirklich toll. Es war für mich ein ganz besonderes Erlebnis, meine Leserinnen und Leser einmal persönlich kennenzulernen.<br />
Das letzte Treffen allerdings hat hinter den Kulissen für den Wirt und mich viel Ärger gebracht. Letztlich hat das dazu geführt, dass das ehemals freundschaftliche Verhältnis zu den Künstlern, die das Rahmenprogramm machen wollten, kaputtgegangen ist. Lass es uns mal, um die alten Geschichten ruhen zu lassen, auf diverse Missverständnisse runterbrechen, die zu diesem Dilemma geführt haben.<br />
Auf jeden Fall haben diese Ereignisse, die meiner Frau und mir jahrelangen Ärger eingebracht haben, dazu geführt, dass wir so ein Treffen lieber nicht noch einmal veranstalten möchten.<br />
Wenn man das mal summiert, hat mich dieses Debakel viele tausend Euro gekostet, und noch so ein Debakel kann und will ich mir nicht leisten.</p>
<p>Es besteht auch kaum die Chance, dass ich nochmal auftrete.<br />
Neulich rief ein sehr, sehr netter Herr aus Butzbach an, der mich zu einer Lesung einlud. Ich sagte ab. Er bot mir mehr Geld, er bot mir an, mich abzuholen und zurückzubringen, er tat alles. Aber ich blieb bei meinem Nein.<br />
Ich kann das nicht mehr, ich bin zu krank. Leider kann ich nicht mehr laufen. Einige Schritte hier im Haus, der Weg vom Auto in die Arztpraxis, das ist alles. Ansonsten muss ich auf einen Rollstuhl zurückgreifen.<br />
Man gibt mir so starke Medikamente, dass ich immer nur vier Stunden auf sein kann, dann muss ich wieder liegen.<br />
Wenn es also noch einmal zu einem Auftritt kommen würde, müsste das schon eine ganz besondere Gelegenheit sein.</p>
<p>Den Titel &#8222;Deutschlands bekanntester Bestatter&#8220; gibt es nicht. Die öffentliche Wahrnehmung bestimmt, wer eine Zeit lang als bekanntester Bestatter betrachtet wird. Viele Jahre lang war es der selige Fritz Roth, der sich sehr gut in Szene zu setzen wusste. Dann hat ein Buchverlag mir diese Bezeichnung aufgedrückt, indem er das auf eines meiner Bücher draufdruckte. Danach fand das auch in Ankündigungen im Fernsehen Verwendung.<br />
Ich selbst habe mich nie so bezeichnet und erkenne auch keinen nennenswerten Mehrwert darin, so bezeichnet zu werden. Wenn ich das jemals war, dann ist das eine Fremdbezeichnung, die von anderen benutzt wurde.</p>
<p>Ich lege auch gar keinen Wert darauf, Deutschlands bekanntester Bestatter zu sein. Wieso auch? Mein Werk hat so viele Facetten und geht weit über den Beruf des Bestatters hinaus.</p>
<p>Wenn heute jemand anders so bezeichnet werden möchte oder sich so bezeichnet, dann wird er das aus gutem Grund tun. Entweder ist er wirklich bundesweit als <strong>der</strong> Bestatter schlechthin bekannt, oder er würde gerne als solcher bekannt sein. Mir ist niemand bekannt, der aus gutem Grund so bezeichnet werden könnte. Jedenfalls werden heute in den Medien alle möglichen Bestatterinnen und Bestatter befragt, vorgestellt und begleitet. Da ist niemand drunter, der nun als derjenige welcher eine größere Bekanntheit hätte.</p>
<p>Es gab aber schon immer, auch lange vor meiner Zeit, Leute, die mit viel Getöse auf sich aufmerksam gemacht haben. Manche versuchten es mit angeblichen Enthüllungen aus der Branche, andere inszenierten sich als besondere Bestatter, die alles ganz anders machen, und wieder andere wurden auch tatsächlich ziemlich bekannt, wie der ehrenwerte Kollege Christoph Kuckelkorn aus Köln.</p>
<p>Immer schon ein wenig fremd sind und waren mir aber diejenigen, die in den sozialen Medien so tun, als hätten sie das Eigelb oder das Schnittbrot erfunden, und die auf alle anderen in der Branche schimpfen.<br />
Die Bestatter kochen alle nur mit Wasser, und Bestatten ist keine Raketenwissenschaft. </p>
<p>Ich freue mich, dass ich einen gewissen Bekanntheitsgrad habe und dass meine Texte gerne gelesen und in Buchform auch gekauft werden. Aber ich habe nie der bekannteste Bestatter werden wollen, dazu bin ich viel zu gerne unbeachtet. Mein Credo war und ist es, den Menschen auf unterhaltsame Weise einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen. Ich sage immer wieder: &#8222;Etwas das man kennt, vor dem muss man keine unbegründete Angst mehr haben.&#8220;<br />
Wer sich durch meine Bücher, meine Blogs oder auf meinen Vorträgen unterhalten lässt, nimmt immer auch Wissen mit. Und dieses Wissen nützt ihm dann, wenn es mal ernst wird. Dann steht er nicht völlig unvorbereitet da.</p>
<p>Mir nimmt auch keiner die Butter vom Brot.<br />
Mir ist es noch nie ums Geld gegangen. Natürlich muss man von etwas leben. Dank der Buchverträge habe ich immer mal wieder Geld bekommen. Auch Honorare und Tantiemen bringen etwas ein.<br />
Aber letztlich ist das nie so viel gewesen, dass man sagen könnte, dass ich reich geworden wäre. Nein, das Geld hat es mir ermöglicht, mich dann wieder an ein neues Buch zu setzen.<br />
So lange ich etwas zu essen im Kühlschrank, ein Dach über dem Kopf und ein Bett zum Schlafen habe, bin ich zufrieden. Und es ist ja nicht so, dass mir jemals Geld geschenkt wurde, ich habe ja immer dafür gearbeitet.<br />
Außerdem haben die Allerliebste und ich das meiste sowieso an ärmere Leute abgegeben. Haben wir schon immer so gemacht.</p>
<p>Wenn also jetzt irgendwer als Deutschlands bekanntester Bestatter richtig viel Kohle verdient, dann gönne ich ihr/ihm das von Herzen. Vielleicht bekommt derjenige ja so viel, dass er auch an andere was abgeben kann.</p>
<p>Wer mir etwas Gutes tun will, der kann meine Bücher kaufen, gerne auch verschenken, der kann auf meine Blogs hinweisen, gerne auch in den sozialen Medien, und der kann, wenn er das möchte, gerne auch die Spendenmöglichkeit hier im Blog nutzen.</p>
<p>Wer aber meint, ich benötigte ein Denkmal, einen Titel oder so etwas, der irrt. Ihr, meine Leserinnen und Leser beschert mir so viel Freude, das reicht mir.<br />
Außerdem habe ich, abgesehen von den Schwierigkeiten, die es überall mal gibt, eine ganz wunderbare Familie, eine wirklich tolle Frau und zwei ganz prima Kinder.<br />
Wenn ich mich umdrehe, sehe ich hinten an der Wand einige Urkunden, die belegen, was ich in beruflicher Hinsicht geschafft und geleistet habe, das freut mich auch immer wieder.</p>
<p>Aber Deutschlands bekanntester Bestatter mag sein/werden wer immer will.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/b7ea79d39a564044a829b8a2efd3641f" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/b7ea79d39a564044a829b8a2efd3641f" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Lieber drei Tage Magen-Darm</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/lieber-drei-tage-magen-darm/</link>
					<comments>https://bestatterweblog.de/lieber-drei-tage-magen-darm/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Feb 2026 12:58:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://bestatterweblog.de/?p=62753</guid>

					<description><![CDATA[Meine Mutter war Rheinländerin und mein Vater Westfale. Meine Großeltern hatten belgisch/flämische, tschechische, polnische und russische Wurzeln, waren aber alle Deutsche. Meine Mutter hat ja immer sehr despektierlich gesagt: &#8222;Wenn<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/lieber-drei-tage-magen-darm/" class="alles-lesen-btn">
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</a></div>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Meine Mutter war Rheinländerin und mein Vater Westfale. Meine Großeltern hatten belgisch/flämische, tschechische, polnische und russische Wurzeln, waren aber alle Deutsche. Meine Mutter hat ja immer sehr despektierlich gesagt: &#8222;Wenn sich die Bedeutungslosen einen Anzug anziehen und sich mit &#8217;ner Fasanenfeder am Hut wichtig machen, dann ist Karneval.&#8220;</p>
<p>Dabei hatte sie ein durchaus positives Verhältnis zum Karneval. Das hat sie mir in gewissem Maße in die Wiege gelegt.<br />
An den tollen Tagen waren wir Kinder verkleidet, und ich erinnere mich an einige Jahre, in denen wir auch verkleidet in die Schule kommen durften.</p>
<p>Mein erstes Karnevalskostüm war Clown.<br />
Mein älterer Bruder war damals bei der Bundeswehr und hatte sich zur Kompensation eines gewissen beruflichen Versagens zur harten Truppe der Fallschirmjäger<sup id="fnref1"><a href="#fn1" class="footnote">1</a></sup> gemeldet. Von da stammte ein großes Stück olivgrüner Fallschirmseide. Daraus hatte mir meine Mutter einen Clownsumhang genäht und vorne mit vier weißen Bommeln versehen. Eine rot angemalte Nase und ein spitzer, weißer Filzhut komplettierten die Verkleidung.</p>
<p>Wir Kinder sind in den 60er Jahren am Rosenmontag verkleidet von Tür zu Tür gezogen und haben gesungen: &#8222;Ich bin ein kleiner König, gib uns nicht zu wenig, gib uns nicht zu viel, mit dem Besenstiel.&#8220;</p>
<p>Dann haben wir unsere Beutel aufgehalten und uns über Süßigkeiten und Kleingeld gefreut. <br />Wer braucht bei sowas eigentlich so etwas Neumodisches wie Halloween? Das gab/gibt es doch schon, auch wenn es sich um die karnevalistische Persiflage auf die Sternsinger handelte.</p>
<p>Hier in Nordbaden, wo ich heute lebe, gibt es noch den Brauch, dass die Kinder mit einer Schnur die Straße absperren und von den Autofahrern Wegegeld oder Zoll verlangen. Das kommt leider immer mehr aus der Mode, schon wegen des viel schlimmer gewordenen Verkehrs und der Rücksichtslosigkeit der Autofahrer. Ich unterstütze aber die Tradition, indem ich die Mittelkonsole meines Autos schon Tage vorher mit einem kleinen Stapel 5-Euro-Scheine und 2-Euro-Münzen bestücke, und diese herzlich gerne an die Kinder verteile.</p>
<p>Ich kenne das mit dem Absperren aus meiner Kindheit von Hochzeiten. Wenn das Brautpaar nach der Trauung die Kirche verließ, standen wir Kinder parat und sperrten mit einer Schnur ab. Der Bräutigam hatte sich meist vorher schon auf der Sparkasse ein paar Rollen Kleingeld geholt und warf die Münzen in die Menge der erwartungsvoll harrenden Kinder. Die &#8222;schrappten&#8220;, also fingen dann das Geld.</p>
<p>Der Küster wunderte sich immer, dass ich mich samstags, wenn die meisten Hochzeiten stattfanden, gerne freiwillig zum Fegen des Kirchplatzes meldete. Dafür zahlte der dürre Einäugige eine lumpige Mark.<br />
Mir war das aber egal, denn mir kam es auf etwas ganz anderes an. Zu den Reinigungsaufgaben gehörte es nämlich, vom Keller aus das Laub und den Dreck unter einem Gitterrost vor der Kirchentreppe zu entfernen. Und genau dahin hatten sich, unerreichbar für die anderen Kinder, allerlei Münzen vom &#8222;Schrappen&#8220; hin verirrt. Manchmal konnte ich bis zu 12 Mark ernten.</p>
<p>Zurück zum Karneval:<br />
Wir besuchten auch die örtlichen Rosenmontagszüge und gingen zum Gänsereiten nach Essen-Freisenbruch. Die Gänsereiter waren keine Reiter, die auf Gänsen ritten, sondern auf großen, prächtigen Pferden. Das Gänsereiten ist eine aus bäuerlichen Zeiten stammende, martialische Veranstaltung, bei der in etwa 5 Meter Höhe eine tote Gans an den Füßen aufgehängt ist. Die Gänsereiter nehmen dann auf ihren Pferden Anlauf und reiten unter diesem Tor her. Der jeweilige Reiter muss versuchen, den mit Schmierseife eingeriebenen Hals zu packen und der Gans den Kopf abzureißen. Wer den Kopf abreißt, wird Gänsereiterkönig.</p>
<p><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/Bildschirmfoto-2026-02-13-um-13.29.48_800x500.webp" alt="Gänsereiten" width="800" height="500" class="alignnone size-full wp-image-62754" /></p>
<p>Aber das A und O war immer die Straßenfastnacht. Natürlich gab und gibt es auch große Saalveranstaltungen, aber das karnevalistische Straßentreiben am 11.11., an Altweiberfastnacht und den so genannten &#8222;tollen Tagen&#8220; ist doch im Rheinland um ein Vielfaches turbulenter und ausgeprägter als das, was hier in Nordbaden stattfindet.<br />Hier ist die Saalfastnacht sehr wichtig und die Eingeweihten zelebrieren die Fahnenhissung, die Verkündung der Prinzessin und die diversen anderen Termine mit der natürlich ganz unabdingbaren Ernsthaftigkeit, der auf jeden Fall nur ein mühsam gequältes Lächeln vorangestellt werden darf, auf keinen Fall darf man wirklich lustig sein.<br />Karneval ist ja schließlich kein Spaß, sondern eine durchaus ernste Sache.</p>
<p>Man merkt recht schnell, auch ich stehe so manchem in der Fastnacht durchaus kritisch und schmunzelnd gegenüber. Und das, obwohl ich eine Zeit lang in Köln gelebt habe, aber das war in der Zeit, bevor die Domstadt zum warmen San Francisco Deutschlands wurde.</p>
<p>Nicht teilen jedoch kann ich die Meinung derjenigen, die jedes Jahr aufs Neue vom Treiben in den &#8222;tollen Tagen&#8220; angekotzt sind und sich alljährlich über den albernen Quatsch echauffieren. Meine Güte, lasst den Leuten doch ihren Spaß! Toleranz hat auch etwas damit zu tun, dass man Milde und Güte zeigt und verständnisvoll schmunzeln kann, wenn andere in ihrem Treiben auch mal über die Stränge schlagen.</p>
<p>Ich schaue mir immer auch mal wieder gerne eine der Fernsehsitzungen an, freue mich über die verkleideten Kinder allenthalben und schmunzele einmal mehr, wenn der Spruch meiner Mutter wahr wird und ich die Unbedeutenden in karnevalistischer Wichtigkeit ihren kurzen Höhenflug erleben sehe.</p>
<p>Am Rosenmontag laufen hier im Fernsehen die Züge aus Düsseldorf, Köln und Mainz.<br />
Was ich gar nicht ertragen kann, sind betrunkene Frauen, die in Rotten herumziehen und besoffen herumgrölen.<br />
Am Donnerstag vor Rosenmontag ist ja Weiberfasching. Das ist der Tag, an dem auch Bestatter auf ihren Schlips verzichten.<br />
Einmal habe ich mir den Spaß gemacht und alle unmodern gewordenen Krawatten aus dem Kleiderschrank ausgeräumt und mitgenommen. Für jede mit einer Schere bewaffnete Faschingstante habe ich dann eine andere Krawatte angezogen, um ihr den Spaß des angedeuteten Kastrationsritus nicht zu verderben.</p>
<p>Vor Jahren war ich mal als Vertreter einer Berufsvereinigung als Ehrengast von einem Karnevalsverein zu einer großen Narrensitzung eingeladen.<br />
Ich habe aber an dem Tag „Magen-Darm“ gehabt und konnte nicht hingehen. Stattdessen ging Thomas aus dem Vorstand stellvertretend für mich hin. Das war mein Glück!</p>
<p>Gegen Ende der Veranstaltung zogen unter lautem Getöse die Witzelbuchsler-Hexen ein. Eine wilde Truppe von 20 bis 30 als Hexen verkleideter Männer in eher alemannischen Kostümen. Also Fell, große Holzmasken und mehr so furchterregend.<br />
Angeführt werden sie von einem Teufel.<br />
Die Hexen sind dafür bekannt, sehr derb und hart zu sein. Mit Ruten und Stöcken hauen sie das Publikum, schreien herum und Kinder fangen oft an zu weinen. Die Eingeborenen hier finden das aber lustig.</p>
<p>Als Höhepunkt des „lustigen“ Treibens holten die Hexen meinen Stellvertreter Thomas auf die Bühne. Es gibt keine Möglichkeit, sich zu wehren. Die Hexen sind ja keine zarten Wesen auf fliegenden Besen, sondern verkleidete Männer, also mithin im Zivilleben Polizisten, Maurer, Dachdecker und Schlachtermeister.<br />
Thomas musste gute Miene zum bösen Spiel machen. Ihm wurde die Hose bis an die Knie heruntergezogen. Man zog ihm Schuhe und Socken aus und warf sie in den Saal. Während sechs bis acht Hexen den Wehrlosen festhielten, verabreichten ihm andere Wildgewordene 20 Schläge mit einer Rute auf den nur mit Unterhose bedeckten Hintern.</p>
<p>Und dann: HÖHEPUNKT!!!</p>
<p>Der Saal kocht, die Leute jubeln! Die Menge grölt!</p>
<p>Die Hexen ziehen dem Teufel die Hose runter und der zeigt dem johlenden Publikum seinen nackten Arsch.<br />
Und Thomas musste den Arsch küssen, um nicht noch mehr Schläge zu bekommen. Widerstand ist zwecklos. </p>
<p>Lieber noch drei Tage „Magen-Darm“, als bei sowas vorgeführt und gedemütigt zu werden.</p>
<p>Am Aschermittwoch ist alles vorbei; und das ist auch gut so. </p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/3e981374963f4398b38d59f57ef65b2a" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/3e981374963f4398b38d59f57ef65b2a" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
<div id="serial-posts-wrapper"><h3 class="serial-posts-heading">Fußnoten:</h3><div class="footnotes"><ol class="serial-posts"><li id="fn1"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ausbildungskompanie_6/9">https://de.wikipedia.org/wiki/Ausbildungskompanie_6/9</a> <a href="#fnref1"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li></ol></div></div>]]></content:encoded>
					
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		<title>Werner und Doris werden 90</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Feb 2026 15:22:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[Mein Auto hat ein Multimediadisplay. Und weil ich nicht so viel Geld habe und mir die größere Variante nicht leisten kann, habe ich mir nur die Ausstattungsvariante mit dem kleineren<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/werner-und-doris-werden-90/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mein Auto hat ein Multimediadisplay. Und weil ich nicht so viel Geld habe und mir die größere Variante nicht leisten kann, habe ich mir nur die Ausstattungsvariante mit dem kleineren Multimediasystem bestellt, das mit Apple-CarPlay läuft. Aber mir reicht das.</p>
<p>Man kann mit dem Ding eigentlich alles, was man mit dem größeren und teureren Modell auch kann, nur muss man eben immer ein Smartphone dabei haben, das die Quelle für das CarPlay ist.<br />
Und im iPhone ist Siri eingebaut, jener stiefmütterlich behandelte Sprachassistent von Apple. Während andere Sprachassistenten Dir die Welt erklären können, kann Siri die meiste Zeit nur sagen: &#8222;Dazu musst Du zuerst Dein iPhone entsperren und ich zeige Dir die gewünschten Informationen dann dort an.&#8220;</p>
<p>Was Siri aber gut kann, das ist telefonieren. Auf Zuruf wählt sie Nummern, ich kann während der Fahrt wunderbar Gespräche annehmen, und Siri kann sogar Kurznachrichten vorlesen. Alles über die Freisprechanlage, ohne dass man irgendetwas berühren muss.</p>
<p>Das Tolle: Siri fragt mich auch, ob ich gleich antworten möchte. Dann muss ich nur die Antwort auf die SMS sagen und Siri macht eine Textnachricht daraus, liest sie mir zur Kontrolle noch einmal vor und schickt sie dann ab.</p>
<p>Das funktioniert klasse.</p>
<p>Das heißt, es würde klasse funktionieren, wenn nicht meine Allerliebste neben mir sitzen würde.</p>
<p>SMS: &#8222;Nachricht von Werner. Ich lese vor: Du, am Wochenende um den 28. Februar habe ich Zeit, kann ich da kommen?&#8220;<br />
Ich diktiere Siri: &#8222;Ja, herzlich gerne, wir freuen uns&#8230;&#8220; und die Allerliebste quatscht dazwischen: &#8222;Da hat mein Vater Geburtstag, da schauen wir doch bestimmt bei Vater rein:&#8220;<br />
Siri: &#8222;Hier die passenden Angebote zu Vater Rhein. Ein Lokal in 53 Kilometer Entfernung. Möchtest Du, dass ich die Route dahin berechne?&#8220;</p>
<p>Ich: &#8222;Nein, stopp!&#8220;</p>
<p>Siri: &#8222;Soll ich einen Tisch in Vater Rhein, 53 Kilometer entfernt, reservieren?&#8220;</p>
<p>Ich: &#8222;Nein!&#8220;</p>
<p>Siri: &#8222;Das Lokal Vater Rhein hat von 14.30 bis 23 Uhr geöffnet. Biegen Sie an der nächsten Möglichkeit rechts ab, die Fahrtzeit beträgt 45 Minuten.&#8220;</p>
<p>Ich: &#8222;Navigation abbrechen.&#8220;</p>
<p>Siri: &#8222;Navigation gestoppt.&#8220;</p>
<p>Ich zur Allerliebsten: &#8222;Schatz, wenn Siri gerade auf eine Antwort wartet, ist es nicht gut, wenn Du da reinquatscht.&#8220;</p>
<p>Ich zu Siri: &#8222;SMS an Werner. Hallo Werner, Du kannst am 28. gerne kommen, wir freuen uns&#8230;&#8220; Die Allerliebste: &#8222;Doris kommt bestimmt auch zum Geburtstag.&#8220;<br />
Siri schreibt an Werner: &#8222;Wir freuen uns, wenn Du bei Doris kommst.&#8220;</p>
<p>Ich (bemüht, nicht genervt zu klingen): &#8222;Schatz, bitte lass mich doch eben die SMS an Werner sagen, dann unterhalten wir uns über den Geburtstag Deines Vaters.&#8220;</p>
<p>Die Allerliebste: &#8222;Ich weiß gar nicht, was Du hast. Du machst das doch jetzt zum dritten Mal, der wird schon wissen, dass er kommen kann.&#8220;</p>
<p>&#8222;Sei einfach mal einen Moment ruhig, bitte.&#8220;</p>
<p>&#8222;Siri, SMS an Werner: Du kannst am 28. kommen, wir freuen uns&#8230;&#8220; Die Allerliebste: &#8222;Du kannst Papa ja Dein neues Buch schenken, das hat er noch nicht. Obwohl, der hat es ja so mit den Augen, ob wir ihm nicht besser das Hörbuch schenken? Aber Doris könnte es ihm ja auch vorlesen. Immerhin wird der 90.&#8220;</p>
<p>Siri: &#8222;Die Nachricht lautet: Doris wird 90 und liest Papa das Buch vor, Du kannst auf ihr kommen und wir freuen uns, wenn Du das vorliest. &#8211; Soll ich das senden?&#8220;</p>
<p>Ich: &#8222;Nein.&#8220;</p>
<p>Siri: &#8222;Okay, die Nachricht wurde gesendet.&#8220;</p>
<p>Werner antwortet einige Minuten später und Siri liest das vor: &#8222;Alles klar, wie sieht Doris aus?&#8220;</p>
<p>Die Allerliebste: &#8222;Männer! Dreibeine! Typisch!&#8220;</p>
<p>Ich: &#8222;Ich geb&#8217;s auf, ich schreib’ dem später.&#8220;</p>
<p>Die Allerliebste: &#8222;Funktioniert wohl nicht so richtig, Dein Siri-Quatsch, oder?&#8220;</p>
<p>Ich: &#8222;Doch, das funktioniert tadellos, wenn nicht immer einer dazwischenquatschen würde.&#8220;</p>
<p>Allerliebste: &#8222;Ach, jetzt bin ich es wieder! Der feine Herr ist ja nie was schuld, nein, Dein Scheiß funktioniert ja immer, und wie war das gestern Abend? Da wollte ich nur umschalten und auf einmal wurde der Fernseher ganz laut.&#8220;</p>
<p>Ich: &#8222;Ja, Du hast die Fernbedienung verkehrt herum gehalten.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja klar, immer schiebst Du alles auf andere, Du kannst nie zugeben, wenn Du was schuld bist.&#8220;</p>
<p>Das Telefon: Klingelt<br />
Siri: &#8222;Werner ruft an.&#8220;<br />
Ich: nehme das Gespräch an.</p>
<p>Werner: Hi, was&#8217;n los bei Dir? Kann ich nu&#8216; am 28. kommen oder nicht?&#8220;</p>
<p>Die Allerliebste: &#8222;Da hat mein Vater Geburtstag.&#8220;</p>
<p>Ich: &#8222;Du kannst aber trotzdem kommen, wir gehen da nur kurz hin und geben ein Geschenk ab.&#8220;</p>
<p>Werner: &#8222;Gut, wenn&#8217;s da was zu essen gibt, gehe ich mit.&#8220;</p>
<p>Die Allerliebste: &#8222;Werner, wo Du gerade dran bist: Kann man mit einer verkehrt herum gehaltenen Fernbedienung den Fernseher lauter machen? Mein lieber Mann will das wieder nicht zugeben. Der wäscht seine Hände immer in Unschuld, wie Pontius Pilatus.&#8220;</p>
<p>Siri: &#8222;Du möchtest einen Pilates-Kursus besuchen? Hier gibt es die passenden Angebote in der Nähe.&#8220;</p>
<p>Ich: nehme die Hände vom Lenker, schließe die Augen und lasse den nächsten Straßenbaum auf mich zukommen.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/e892c19bcc79421e9dd0b4b1ce4f7d67" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/e892c19bcc79421e9dd0b4b1ce4f7d67" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Christliche Schamanen</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/christliche-schamanen/</link>
					<comments>https://bestatterweblog.de/christliche-schamanen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Feb 2026 06:37:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[Die örtliche Industrie- und Handelskammer leidet am Gleichen wie die meisten IHKs: Die Zwangsmitglieder wissen nicht, wofür diese Institution da ist, und man ärgert sich nur über die hohen Beiträge.<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/christliche-schamanen/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die örtliche Industrie- und Handelskammer leidet am Gleichen wie die meisten IHKs: Die Zwangsmitglieder wissen nicht, wofür diese Institution da ist, und man ärgert sich nur über die hohen Beiträge. In meinen Augen ein System, das dringend mal überdacht werden müsste.</p>
<p>Doch einmal im Jahr gibt es einen bunten Abend im großen Saal des Mozartbaus. Kein Ball, sondern eher so ein Beisammensein mit kleinem Programm, Essen und Trinken. Traditionell sind auch die Bestatter mit dabei, obwohl die eigentlich eher zur Handwerkskammer gehören. Und wie das so ist, sitzen die Vertreter der einzelnen Branchen meist gemeinsam an einem großen Tisch.</p>
<p>Die Bestatter haben drei kleinere Tische in der Ecke.<br />
Die Allerliebste entdeckt sofort ein Ehepaar, mit dem sie eng befreundet ist. &#8222;Ui, das sind Kurt und Annika! Los, wir setzen uns zu denen!&#8220;<br />
Wir haben diese beiden jungen Bestatter genau ein einziges Mal gesehen, die Begegnung dauerte keine fünf Minuten, und ich würde noch nicht einmal sagen, dass das Bekannte sind; einfach nur Leute, die man kennt.</p>
<p>Doch in diesem Saal mit überwiegend völlig unbekannten Menschen, ist dann offensichtlich auch eine so oberflächliche Bekanntschaft eine Art Insel des Wiedererkennens.<br />
Die Allerliebste umarmt die beiden, und zwei Minuten später sitzen wir bei denen am Tisch. Kurt hat Theologie studiert und sagt schon in den ersten drei Minuten unseres etwas zähen Gesprächs viermal, dass er zum Bestatterberuf gekommen sei, wie die Jungfrau zum Kind. </p>
<p>Die Allerliebste weiß nach anderthalb Minuten, wie die beiden Kinder des Ehepaares heißen, wo die zur Schule gehen, was für Allergien die haben und welche Hobbys die ganze Familie hat. Unglaublich: Die Allerliebste und Annika kennen beide einige Filme, in denen George Clooney mitgespielt hat, unfassbar! Wie klein doch die Welt ist! Welche Zufälle es doch gibt! Nein, das kann kein Zufall sein, hier haben sich zwei Seelenverwandte gefunden! Und weder Kurt und Annika, noch die Allerliebste und ich waren je in Salzburg, was für Zufälle und Gemeinsamkeiten, unfassbar!</p>
<p>Der Theologe nippt an einem Gläschen Fachinger Wasser. Mir hat die freundliche junge Bedienung ein Glas Kockezehro gebracht. Kockezehro, so nenne ich aus Spaß Coke Zero. Das findet Kurt dekadent.<br />
&#8222;Wenn man schon ein Getränk bestellt, das für seine bewusstseinsverändernde Wirkung berühmt ist, ist es ein Feigenblatt der Schande, wenn man dann mit dem Zuckergehalt ein Spiel der Maskerade treibt.&#8220;<br />
Ich will dem frommen Pinsel gerade was Passendes sagen, da flankt mich die Allerliebste strahlend von der Seite an: &#8222;Ist das nicht toll? Ein ganzes Wochenende!&#8220;<br />
Ich: &#8222;Was?&#8220;<br />
Sie: &#8222;Siehst Du, Annika, der hat wieder nicht zugehört. Hör zu, Du Mann, Annika und Kurt haben uns zu einem Wochenende in einer indianischen Schwitzhütte eingeladen, ist das nicht toll, da fahren wir doch mit, das ist ja klasse, so etwas wollte ich immer schon mal machen, das finde ich ja so lieb, meine Güte, wie schön ist es, dass wir Euch getroffen haben.&#8220;</p>
<p>Ich: &#8222;Ich nicht.&#8220;</p>
<p>Sie: &#8222;Was jetzt, ich nicht?&#8220;</p>
<p>Ich: &#8222;Alles.&#8220;</p>
<p>Sie: &#8222;Ach, babbel net, Du findest das auch schön.&#8220;</p>
<p>Kurt zitiert zwei Verse aus dem Brief an die Epheser und fügt dann hinzu: &#8222;Ja, Annika ist da ganz anders als ich. Während ich dem Wort folge, findet sie ihren Frieden in Yoga, rotem Tee und der indianischen Kultur der Schamanen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Tolle Mischung&#8220;, sage ich und proste ihm mit meinem Kockezehro zu.</p>
<p>Der Fromme runzelt die Stirn. &#8222;Phosphorsäure, Farbstoff und Säuerungsmittel, mit viel Süßstoff und Wasser.&#8220;</p>
<p>Ich versuche, das Thema zu wechseln, und frage: &#8222;Und, wie war Eure letzte Woche so? Habt Ihr viele Sterbefälle gehabt? Irgendwas Besonderes?&#8220;</p>
<p>Wir hatten sechs Sterbefälle. Das ist nicht besonders viel, aber genug. Darunter zwei Unfalltote, eine schwierige Familie und eine Leiche, die beschlagnahmt war. </p>
<p>Der junge Bestatter schüttelt nur den Kopf. &#8222;Dieses Streben nach Geld und Luxus ist uns fremd. Wir führen unser Haus so, dass wir eine gesunde Balance zwischen Geldverdienen und unserer geistigen Erbauung haben.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ihr habt also keine Aufträge?&#8220;</p>
<p>&#8222;Doch, aber uns genügt es, wenn wir ausreichend verdienen; es muss nicht immer noch mehr und noch mehr sein.&#8220;</p>
<p>&#8222;Okay, aber was macht Ihr, wenn in einer Nacht vier Sterbefälle reinkommen. Lehnt Ihr dann die letzten beiden ab, weil Ihr schon genug verdient habt und Euch lieber der Erbauung  hingebt?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ich sitze lieber mit Annika auf einer Bank im Odenwald und genieße die schöne Natur.&#8220;</p>
<p>&#8222;Also lehnt Ihr die Aufträge ab, schickt die Leute wieder weg?&#8220;</p>
<p>&#8222;Wir hatten das bisher noch nicht so.&#8220;</p>
<p>&#8222;Was? Mehrere Aufträge auf einmal?&#8220;</p>
<p>&#8222;Genau.&#8220;</p>
<p>&#8222;Darf ich mal indiskret sein und direkt fragen? Wie viele Sterbefälle macht Ihr denn so?&#8220;</p>
<p>&#8222;Wir sind ja noch ganz neu am Markt, das muss sich erst entwickeln.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wenn ich das richtig sehe, seid Ihr so zwei, drei Jahre dabei, richtig?&#8220;</p>
<p>&#8222;Im August werden es schon vier Jahre.&#8220;</p>
<p>&#8222;Dann müsstet Ihr nach branchenüblichen Zahlen ungefähr 300 Sterbefälle mindestens abgewickelt haben.&#8220;<sup id="fnref1"><a href="#fn1" class="footnote">1</a></sup></p>
<p>&#8222;Was? Nein! Wir haben so einen im Monat. Die Arbeit reißt nicht ab, wir wissen kaum, wo uns der Kopf steht.&#8220;</p>
<p>Okay. In der Branche gibt es ganz unterschiedliche Unternehmen. Die großen Hechte im Teich, die vierstellige Sterbefallzahlen abwickeln und bei denen das Bestatten schon fast industriellen Charakter hat. Meist sehr reiche und auch sehr gute und seriöse Unternehmen. Oft entstanden aus alten Traditionsbetrieben und heute im Besitz irgendeines Konsortiums. Und dann gibt es kleine Beerdigungsinstitute mit oft nur drei, vier Leuten, die mit weitaus weniger auskommen müssen und können. Manchmal liegt das einfach daran, wo sie angesiedelt sind. Auf dem Land, auf dem Dorf, wo sollen da die Sterbefallzahlen herkommen? Oft sind es aber auch Spezialbetriebe, die sich einem Motto gewidmet haben. Christliche Bestattungen, Esoterikbestattungen und Bestatter für die queere Community. In Großstädten finden auch solche Nischenbetriebe meist genug Zuspruch, aber anderswo?</p>
<p>Aber ein Sterbefall pro Monat, das ist definitiv zu wenig. Da fragt doch das Finanzamt früher oder später, ob das wirklich ein Gewerbe mit Gewinnerzielungsabsicht oder ein Hobby ist.<br />
Es gibt halt einfach Brancheneckzahlen, die überall gelten und anhand derer man recht schnell festmachen kann, ob ein Unternehmen profitabel ist oder nicht. </p>
<p>Gut, so ein kleines Beerdigungsinstitut kann sich natürlich ganz individuell um die Hinterbliebenen kümmern und viel mehr Zeit und Energie in jeden einzelnen Sterbefall investieren. Und ich finde auch den Ansatz gut, zu sagen, dass man für sich noch andere Dinge im Leben wichtig findet. Das ist bei einem lieben Freund und seiner Frau auch so. Die beiden wollen gar nicht mehr Sterbefälle haben, als die, die sie gerade haben und gut bewältigen können. Alles andere würde sie davon abhalten, ihre Freizeit so gemütlich zu gestalten, wie sie es gerne haben.</p>
<p>Aber als Bestatter kannst Du es Dir ja nicht aussuchen. Manchmal kommt gar nichts und manchmal rappelt es im Karton. Als Bestatter kannst Du es nicht so machen, wie mein Klempner, dessen Frau mir am Telefon sagt, wir sollen die Klospülung noch drei Monate lang weiter tropfen lassen, vorher hat ihr Mann keine Zeit. Und Du kannst es auch nicht so machen, wie der Facharzt, dessen Arzthelferin lapidar sagte: &#8222;Rufen Sie am besten woanders an, wir sind voll.&#8220;</p>
<p>Doch eins ist sicher: Mit nur einem Sterbefall im Monat können die nicht überleben. Das sind grob gerechnet keine 20.000 Euro Bruttogewinn. Das ergibt beim besten Willen kaum 900 Euro im Monat zum Leben.</p>
<p>Die Allerliebste und Annika haben weiterhin Pläne für eine enge Freundschaft geschmiedet. Ich lasse sie gewähren, ich besitze die Macht, das zu einem späteren Zeitpunkt rasch in die von mir gewünschte Richtung zu drehen.</p>
<p>An Kurt gewandt sage ich: &#8222;Jetzt mal Butter bei die Fische! Wie viel rechnet Ihr denn so pro Sterbefall ab? Ich sag’ Dir gleich, dass es bei uns durchschnittlich 3.500 Euro sind, wir machen ja viel Polizei- und Sozialbestattungen.&#8220;</p>
<p>Kurt ist das sichtlich unangenehm, er mag nicht über Geld sprechen. Das ist eben bei uns in Deutschland so. Vor ein paar Jahren war ich mal in Amerika und auf einer Geburtstagsparty wurden mir die Nachbarn vorgestellt, mit Namen, Beruf und Jahreseinkommen. Dort ist es überhaupt keine Schande, über seinen Verdienst zu sprechen, bei uns gilt das als verpönt.</p>
<p>Kurt rutscht auf seinem Stuhl herum, nippt am Fachinger Wasser und erklärt dann: &#8222;Wir machen ja auch viel. Das fängt mit der kleinen Bibel an, die wir in jeden Sarg legen, und wir beten ja auch mit den Leuten.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ihr macht also christliche Bestattungen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Würde ich gerne machen. Aber manchmal sind die Leute unwillig, heute glaubt ja keiner mehr, und wenn ich dann Zeugnis ablege, gucken die mich ganz komisch an. Aber der Herr sagt ja, dass man standhaft sein muss in dieser kalten Welt.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und wenn die das gar nicht wollen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Um die Heiden kümmert sich dann Annika. Die hat das gut drauf. Das mit den Schamanen wollen dann doch auch recht viele Leute.&#8220;</p>
<p>Ich muss unwillkürlich schmunzeln. &#8222;Ihr habt also ein Bestattungsinstitut, das christliche Bestattungen anbietet, und wenn das nicht zutrifft, gibt&#8217;s halt einen Schlag mit der schamanistischen Kelle obendrauf, sehe ich das richtig?&#8220;</p>
<p>&#8222;Also, im Schnitt schreiben wir Rechnungen so um die 10.000 bis 12.000 Euro. Mit Euren 3.500 Euro kämen wir nicht hin, bei all dem Aufwand.&#8220;</p>
<p>Ich muss kurz husten. Über 10.000 Euro ist schon ein sportlicher Preis. Da kann man natürlich auch mit zwölf Bestattungen im Jahr hinkommen. </p>
<p>Annika und die Allerliebste freuen sich schon ganz doll, dass wir alle zusammen auch eine Ausräucherung und Verklappung vom Medizinmann bekommen werden. Zeit, dem Spuk ein Ende zu machen.</p>
<p>&#8222;Du Kurt, ich finde das klasse, was Ihr so macht. Aber für mich wäre das nichts. Wir sind ja Satansanbeter und feiern jede Woche eine schwarze Messe. Wird ja heute auch immer schwieriger, Du verstehst?&#8220; Ich senke meine Stimme, schaue mich vorsichtig nach allen Seiten um und füge hinzu: &#8222;Kaum noch Jungfrauen zum Opfern und das mit den Säuglingen&#8230;&#8220;</p>
<p>Kurts Mund steht offen, ich proste ihm mit Kockezehro zu, und die Allerliebste wird nie verstehen, weshalb das Wochenende in der Schwitzhütte nie zustandegekommen ist.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/6febcd9cef614887af33cfd97d3d7ab0" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/6febcd9cef614887af33cfd97d3d7ab0" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
<div id="serial-posts-wrapper"><h3 class="serial-posts-heading">Fußnoten:</h3><div class="footnotes"><ol class="serial-posts"><li id="fn1">Bei einem Erlös von etwa 1.000–1.300 € brutto pro Sterbefall und der realistischen Annahme, dass nur rund 50 % davon als privates Einkommen verbleiben, benötigt ein selbstständiger Bestatter für ein Monatseinkommen von ca. 3.500 € einen Jahresumsatz von rund 84.000 €. Das sind ca. 65–85 Sterbefällen pro Jahr. Bei höheren Fixkosten oder Personalbedarf steigt der notwendige Umfang schnell auf über 100 Fälle jährlich. <a href="#fnref1"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li></ol></div></div>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Ein Bestatterskandal, der keiner ist</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/ein-bestatterskandal-der-keiner-ist/</link>
					<comments>https://bestatterweblog.de/ein-bestatterskandal-der-keiner-ist/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Feb 2026 14:18:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Branche/Kommune]]></category>
		<category><![CDATA[diebstahl]]></category>
		<category><![CDATA[Freiburg]]></category>
		<category><![CDATA[gestohlen]]></category>
		<category><![CDATA[gold]]></category>
		<category><![CDATA[Juwelier]]></category>
		<category><![CDATA[leiche]]></category>
		<category><![CDATA[zahngold]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://bestatterweblog.de/?p=62742</guid>

					<description><![CDATA[Bestatter hat Gold von Leichen gestohlen. Das ist doch mal eine Schlagzeile. Und sie wirft ein schlechtes Licht auf die Branche der Bestattungsunternehmen. Doch bei näherer Betrachtung stellt sich glasklar<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/ein-bestatterskandal-der-keiner-ist/" class="alles-lesen-btn">
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</a></div>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bestatter hat Gold von Leichen gestohlen. Das ist doch mal eine Schlagzeile. Und sie wirft ein schlechtes Licht auf die Branche der Bestattungsunternehmen. Doch bei näherer Betrachtung stellt sich glasklar heraus, dass hier gar kein Bestatter am Werke war.</p>
<p>Ein Bestatter ist ein Unternehmer, der Verstorbene am Sterbeort abholt oder birgt, sie dann hygienisch versorgt und in einen Sarg bettet. Er liefert die für die Bestattung benötigten Gegenstände, wie Sarg, Urne und Sterbehemd. Außerdem übernimmt er in manchen Regionen das Ausheben und Verschließen des Grabes sowie die Grablegung des Sarges. Auch für Aufbahrungen kann der Bestatter zuständig sein.</p>
<p>Personen, die bei einem Bestatter angestellt sind, können Bestattungshelfer oder Bestattungsfachkräfte sein, mitunter werden auch sie Bestatter genannt.</p>
<p>Leute, die bei Stadtverwaltungen, Friedhöfen oder kommunalen Beerdigungsdiensten tätig sind, können alle möglichen Berufsbezeichnungen haben. Das reicht von Friedhofswärter über Friedhofsverwalter bis hin zu Bestattungshelfer oder eben auch Bestatter.</p>
<p>Schon vor einem Jahr habe ich <a href="https://bestatterweblog.de/auf-dem-friedhof-schmuck-und-zahngold-gestohlen/">hier im Bestatterweblog über einen Fall aus Freiburg berichtet</a>. Ein städtischer Arbeiter/Angestellter hat Gold von Verstorbenen gestohlen und offenbar an einen Juwelier verkauft.<sup id="fnref1"><a href="#fn1" class="footnote">1</a></sup></p>
<p>Schon damals wurde der städtische Mitarbeiter konsequent als Bestatter bezeichnet. Das mag in Freiburg für solche Mitarbeiter üblich sein, führte aber in den Medien und in der Bevölkerung zu Verunsicherung.<br />
Fakt ist: Es handelt sich bei dem Golddieb nicht um einen Beerdigungsunternehmer, Bestattungsunternehmer oder eben gewerblichen Bestatter.</p>
<p>Jetzt ist der Fall gerade wieder in aller Munde. Denn wie es aussieht, führen die Taten des städtischen Mitarbeiters nun zu juristischen Konsequenzen. Der Mann, seine Ehefrau und ein Juwelier müssen sich nun (Feb. 2026) vor Gericht verantworten.</p>
<p>Doch leider wird in den Medien wieder nur fälschlicherweise von einem &#8222;Bestatter&#8220; als Täter gesprochen.<br />
Das geht so weit, dass der SWR eine Sendung ausstrahlt und einen Text im Netz veröffentlicht, in denen in diesem Zusammenhang sogar Tipps für die Auswahl eines seriösen Bestatters gegeben werden.</p>
<p>Es werden Tipps und Verhaltensregeln gegeben, worauf Angehörige zu achten haben, wenn sie einen Bestatter auswählen. Ein Innungssprecher verweist darauf, dass seriöse Unternehmen Wertgegenstände dokumentieren. Auf die Frage, wie man ein seriöses Unternehmen erkennt, meint er, man solle darauf achten, ob es schon lange am Markt sei und ob es auch ausbilde.<br />
Auch ein Markenzeichen sei ein Hinweis auf Seriosität.</p>
<p>Ich bin der Meinung: Weniger hilfreich sind sogenannte Markenzeichen oder Mitgliedschaften. Zwar unterwerfen sich Unternehmen durch eine Mitgliedschaft gewissen Abläufen und Dokumentationspflichten. Dadurch könnte man nachvollziehen, was insbesondere mit Schmuck- und Wertgegenständen passiert. Denn eine saubere Auflistung von Wertgegenständen gehört immer dazu.</p>
<p>Aber jedermann in Deutschland unterwirft sich bestimmten, durch Gesetze und Normen vorgegebenen Regeln. Aber es ist nun mal so, dass manche Menschen sich einfach nicht an die Gesetze halten. Das gilt in allen Lebensbereichen, überall, auch im Bestattungswesen.</p>
<p>Dabei geht es in der aktuellen Berichterstattung eigentlich überhaupt nicht um Bestattungsunternehmen, sondern um Mitarbeiter von Stadtverwaltungen, Friedhöfen und Krematorien.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/8548accd8dc240e5a5b7d229609b05b4" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/8548accd8dc240e5a5b7d229609b05b4" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
<div id="serial-posts-wrapper"><h3 class="serial-posts-heading">Fußnoten:</h3><div class="footnotes"><ol class="serial-posts"><li id="fn1"><a href="https://bestatterweblog.de/auf-dem-friedhof-schmuck-und-zahngold-gestohlen/">https://bestatterweblog.de/auf-dem-friedhof-schmuck-und-zahngold-gestohlen/</a> <a href="#fnref1"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li></ol></div></div>]]></content:encoded>
					
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		<title>Darf ich bei der Beerdigung mit dem Smartphone filmen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Feb 2026 05:53:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frag doch den Undertaker]]></category>
		<category><![CDATA[Beerdigung]]></category>
		<category><![CDATA[film]]></category>
		<category><![CDATA[Foto]]></category>
		<category><![CDATA[fotos]]></category>
		<category><![CDATA[friedhof]]></category>
		<category><![CDATA[handy]]></category>
		<category><![CDATA[Influencer]]></category>
		<category><![CDATA[Smartphone]]></category>
		<category><![CDATA[trauerfeier]]></category>
		<category><![CDATA[video]]></category>
		<category><![CDATA[youtube]]></category>
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					<description><![CDATA[Immer häufiger sieht man bei Beerdigungen Menschen, die ihr Smartphone zücken, um Fotos oder Videos zu machen – doch was für die einen eine liebevolle Erinnerung ist, empfinden andere als<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/darf-ich-bei-der-beerdigung-mit-dem-smartphone-filmen/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Immer häufiger sieht man bei Beerdigungen Menschen, die ihr Smartphone zücken, um Fotos oder Videos zu machen – doch was für die einen eine liebevolle Erinnerung ist, empfinden andere als pietätlos. Wie geht man richtig damit um?</p>
<div class="frage-box">
<div class="message-container">
<p>
        Lieber Herr Wilhelm,</p>
<p>        ich war kürzlich auf einer Beerdigung und habe gesehen, dass einige Leute mit dem Handy Fotos und sogar Videos gemacht haben – teilweise direkt während der Trauerrede oder am Grab. Ich fand das etwas befremdlich, andere wiederum meinten, das sei heute normal.<br />
        Ich selbst möchte bei der nächsten Beerdigung in meiner Familie vielleicht ein paar Erinnerungsaufnahmen machen, um später alles in Ruhe anzusehen.<br />
        Darf man das überhaupt? Und wenn ja, was ist dabei zu beachten?</p>
<p>        Mit freundlichen Grüßen<br />
        <i>Claudia (hab schon als &#8222;Mogli&#8220; kommentiert)</i>
      </p>
</p></div>
</p></div>
<h2 id="trauer-und-technik-ein-sensibles-thema">Trauer und Technik – ein sensibles Thema</h2>
<p>
   Deine Frage ist sehr berechtigt – und sie berührt ein Thema, das in unserer Zeit immer aktueller wird. Smartphones sind allgegenwärtig, sie dokumentieren unser Leben, unsere Reisen, unsere Feste – und zunehmend auch unsere Abschiede.<br />
    Doch eine Beerdigung ist kein öffentlicher Event, sondern ein zutiefst persönlicher Moment. Hier gelten andere Regeln als bei einer Hochzeit oder einem Konzert.
  </p>
<h2 id="darf-man-bei-einer-beerdigung-filmen">Darf man bei einer Beerdigung filmen?</h2>
<p>
    Grundsätzlich ist es nicht verboten, bei einer Trauerfeier zu filmen oder zu fotografieren – aber es sollte immer mit höchstem Respekt geschehen. Entscheidend ist, was die Angehörigen des Verstorbenen wünschen.<br />
    Sie allein bestimmen, ob und in welchem Umfang gefilmt werden darf. Ohne ausdrückliche Zustimmung sollte man das Smartphone besser in der Tasche lassen.
  </p>
<p>
    Manche Familien beauftragen heute sogar professionelle Trauerfotografen, die diskret und respektvoll dokumentieren. Das kann sinnvoll sein, wenn weit entfernte Verwandte die Beisetzung nicht miterleben können oder wenn eine bleibende Erinnerung für spätere Generationen gewünscht ist. Aber: Das geschieht immer mit Absprache und im Bewusstsein, dass es hier um Trauer geht – nicht um Selbstdarstellung.
  </p>
<h2 id="was-ist-unangebracht">Was ist unangebracht?</h2>
<p>
    Unangebracht ist es, während der Zeremonie zu filmen, den Pfarrer oder Trauerredner aufzunehmen oder andere Trauergäste ungefragt zu filmen. Besonders heikel sind Aufnahmen direkt am offenen Grab – dieser Moment ist oft sehr intim.<br />
    Auch das Posten solcher Bilder oder Videos in sozialen Netzwerken ohne Zustimmung der Angehörigen ist absolut tabu und kann sogar rechtliche Konsequenzen haben. Eine Beerdigung ist kein Ort für Likes oder Stories.
  </p>
<h2 id="privat-festhalten-ist-nicht-dasselbe-wie-oeffentlich-teilen">Privat festhalten ist nicht dasselbe wie öffentlich teilen</h2>
<p>Es ist ein großer Unterschied, ob man ein paar stille, respektvolle Aufnahmen für den privaten Gebrauch macht – etwa ein Foto des Blumenschmucks, der Trauerkarte oder der Grabstätte – oder ob man die Beerdigung wie ein öffentliches Ereignis behandelt. Ein oder zwei Bilder für das Familienalbum können eine liebevolle Erinnerung sein, sofern alle Beteiligten einverstanden sind. Ganz anders sieht es aus, wenn Fotos oder Videos ohne Erlaubnis veröffentlicht werden. Wer eine Trauerfeier in sozialen Medien teilt, verletzt nicht nur die Privatsphäre der Angehörigen, sondern verstößt in vielen Fällen auch gegen das Persönlichkeitsrecht der Abgebildeten. Ein stiller Moment des Abschieds darf niemals zur Kulisse für Likes und Kommentare werden – das wäre respektlos und schlicht unangebracht.</p>
<h2 id="was-ich-neulich-erst-erlebt-habe">Was ich neulich erst erlebt habe</h2>
<p>Völlig albern benahm sich eine Instagram-Influencerin, die eine Trauerfeier regelrecht störte, indem sie sich selbst in Szene setzte und dabei mit dem Smartphone filmte. Am Kragen trug sie ein Mikrofon und kommentierte im Flüsterton das ganze Geschehen. Am Liebsten häte ich die dumme Pute geschnappt und rausgeworfen. Es hat dann aber ausgereicht, dass der Pastor seine Rede unterbrach, sich laut räusperte und mit Blick auf die junge Frau erst dann fortfuhr, als diese sich ruhig wieder hingesetzt hatte.</p>
<h2 id="wie-ich-das-selbst-handhabe">Wie ich das selbst handhabe</h2>
<p>Ich mache eigentlich auf allen Beerdigungen, an denen ich teilnehme, auch Fotos. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Familie oft gar nicht daran denkt und hinterher sehr dankbar ist, wenn man den Angehörigen ein paar Bilder zukommen lässt.<br />
In diesem Fall fotografiere ich den Sarg mit dem schönen Blumenschmuck oder aus hinterster Reihe die Szene am Grab, sodass alle Beteiligten nur von hinten zu sehen sind. Man kann das alles so machen, dass niemand gestört wird und es auch niemand mitbekommt.</p>
<h2 id="wann-es-erlaubt-und-sinnvoll-sein-kann">Wann es erlaubt und sinnvoll sein kann</h2>
<p>
    Wenn die Angehörigen ausdrücklich wünschen, dass die Zeremonie gefilmt oder gestreamt wird, etwa für Verwandte im Ausland oder ältere Familienmitglieder, ist das natürlich erlaubt. In solchen Fällen sollte aber jemand bestimmt werden, der sich unauffällig um die Aufnahmen kümmert – am besten ein erfahrener Fotograf oder Videograf, der weiß, wie man respektvoll arbeitet.
  </p>
<p>
    In meinen Jahren als Bestatter habe ich erlebt, dass behutsam gemachte Aufnahmen manchmal sogar tröstlich sein können. Sie zeigen, dass viele Menschen gekommen sind, um Abschied zu nehmen. Für einige Familien ist das ein wichtiger Teil der Trauerverarbeitung.<br />
    Doch das ist immer eine sehr persönliche Entscheidung – und sie sollte nie spontan oder aus Gewohnheit getroffen werden.
  </p>
<h2 id="verhaltensregeln-fuer-den-ernstfall">Verhaltensregeln für den Ernstfall</h2>
<ul>
<li>Fragen Sie immer vorher bei den nächsten Angehörigen nach.</li>
<li>Verzichten Sie auf Blitzlicht und laute Auslösetöne.</li>
<li>Filmen oder fotografieren Sie nur diskret, nie während Reden oder Gebeten.</li>
<li>Vermeiden Sie Nahaufnahmen trauernder Menschen.</li>
<li>Veröffentlichen Sie keine Bilder ohne ausdrückliche Zustimmung.</li>
</ul>
<h2 id="fazit">Fazit</h2>
<p>
    Eine Beerdigung ist ein Moment des Abschieds, kein Anlass zur Dokumentation. Wer wirklich etwas festhalten möchte, sollte vorher mit Respekt fragen und den Willen der Familie respektieren. Der würdevollste Umgang mit dem Smartphone ist oft, es einfach ausgeschaltet zu lassen – und den Moment bewusst mitzuerleben, statt ihn aufzunehmen. Die echten Erinnerungen tragen wir ohnehin nicht im Speicher des Telefons, sondern im Herzen.
  </p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/88802a7b3fe84df494aecf23029068b7" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/88802a7b3fe84df494aecf23029068b7" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Doppsball</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/doppsball/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Feb 2026 09:58:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich bin schon nicht gerne in den Kindergarten gegangen. Es fehlte mir absolut das Verständnis dafür, weshalb ich unter der Aufsicht einiger alter, dicker Nonnen mit wildfremden Kindern spielen sollte.<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/doppsball/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin schon nicht gerne in den Kindergarten gegangen. Es fehlte mir absolut das Verständnis dafür, weshalb ich unter der Aufsicht einiger alter, dicker Nonnen mit wildfremden Kindern spielen sollte. Ich hätte viel lieber zu Hause gespielt. Warum muss man von zu Hause weg?</p>
<p>Orffsche Musikerziehung und Turnen waren zwei Gründe, weshalb ich manche Tage im Kindergarten regelrecht hasste. Ich habe nie verstanden, was es für einen Sinn hat, wenn zwei Dutzend Kinder gleichzeitig auf Triangeln, kleinen Holzklötzchen und Handtrommeln herumklopfen. Es rächt sich zwar heute im Alter, aber ich habe auch noch nie gerne geturnt. Mein Körper war und ist für so etwas nicht gemacht. Und ich hasste es, anderen Menschen vorführen zu müssen, dass ich etwas, das ich nicht mag, auch nicht kann. Außerdem erzeugte es schon immer ein an Brechreiz erinnerndes Gefühl, dass ausgerechnet die Leute, die ich am wenigsten leiden konnte, in sportlichen Belangen geradezu über sich hinauswuchsen.</p>
<p>Als ob das nicht genug wäre, wurde mir währenddessen immer angedroht, dass auf den Kindergarten die Schule folgen würde.<br />
Der Tag der Einschulung wurde von meiner Mutter vorbereitet. Wir fuhren in die Stadt, um einen Tornister zu kaufen. Vater meinte ja, er hätte im Keller noch einen Affen, der würde es auch tun.<br />
Dieser sogenannte Affe war ein Tornister vom Militär, der oben mit irgendeinem glatten Fell überzogen war. Das lederne Ungetüm hing schon ewig im feuchten Keller an der Wand und verströmte einen Geruch, der an eine tote Ziege erinnerte, die in Kacke gebadet worden war und nun in Fäulnis überging.</p>
<p>Der neue Tornister, hier in der Gegend sagt man Ranzen, war steif, stank ebenfalls, war aber neu. Er wurde mit einer Schiefertafel und einem Griffel, sowie einem Schwämmchen bestückt.</p>
<p>Zwei Tage vor der Einschulung ging meine Mutter mit mir den Weg zur Schule ab. Die war nicht weit entfernt, keine zehn Minuten.<br />
Dieses lächerliche Schauspiel, das Mütter und Väter heute tagtäglich aufführen, wenn sie ihre überbehüteten Abkömmlinge in dicken SUVs zur Schule fahren, gab es damals noch nicht. Kinder gingen alleine zur Schule. Sogar, wenn es regnete, meine Güte!</p>
<p>Und nicht alle Kinder hatten einen so kurzen Schulweg wie ich. Manche mussten eine halbe Stunde laufen, über gefährliche Zebrastreifen gehen und an besonders dramatischen Stellen sogar von Schülerlotsen beschützt werden.</p>
<p>Irgendein Verkehrsheini hatte sich ausgedacht, dass Kinder im Straßenverkehr besser zu sehen sind, wenn die Buben orangefarbene Mützen und die Mädchen orange Kopftücher tragen. Man stelle sich den Aufschrei vor, würde heute irgendwer Mädchen zum Tragen von Kopftüchern verpflichten. Einerseits könnte das als religiöse Repressalie empfunden werden, und andererseits muss bei einer in diesem Alter noch nicht gefestigten Geschlechteridentität zumindest täglich die freie Wahl zwischen Mütze und Kopftuch eingeräumt werden.</p>
<p>Als der Tag der Einschulung da war, schenkte meine Mutter mir eine Schultüte. Da war unten erst mal Zeitungspapier drin, jede Menge, damit nicht so viel reinpasste.<br />
Dann folgten ein paar Äpfel, Apfelsinen und Birnen. Damit war die spitze Tüte erstens schon ziemlich voll und zweitens auch recht schwer. </p>
<p>Als Geschenke gab es einen Viererpack Buntstifte und einen Flummi.</p>
<p>Da, wo ich jetzt wohne, ist der Begriff Flummi völlig unbekannt. Die Eingeborenen hier sagen Doppsball. Das ist halt eben ein kleiner Vollgummiball, der supergut hüpft und springt, also doppst.</p>
<p>Nach der Einführungszeremonie in der Schule trug ich die Schultüte stolz nach Hause. An der Haustüre musste ich mich bücken und der Flummi doppste oben aus der Tüte raus. Er hüpfte einmal kurz auf den Boden, gewann erstaunlich Höhe, doppste wieder auf und sprang noch höher, dann hüpfte er die ganze Straße runter, über die Hauptstraße hinweg und verschwand irgendwo im Garten des Küsters. Er wurde nie wieder gesehen.<br />
Das war ein kurzer Spaß.</p>
<p>Die Äpfel, Birnen und Apfelsinen konnten den Verlust nicht ersetzen.</p>
<p>Neulich sagte eine Frau zu mir, sie kaufe jetzt schon alles für die Einschulung ihrer Britta zusammen. So an die 500 Euro wolle sie für die Füllung der Schultüte ausgeben. Die Zeiten haben sich geändert.</p>
<p>Aber mich würde mal interessieren, was in Eurer Schultüte damals drin war?</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/371b0f924e0d41f08daf3d7f929a9ddb" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/371b0f924e0d41f08daf3d7f929a9ddb" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Haltet dem Kind die Augen zu!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Feb 2026 04:16:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[kind]]></category>
		<category><![CDATA[kinder]]></category>
		<category><![CDATA[leiche]]></category>
		<category><![CDATA[mithelfen]]></category>
		<category><![CDATA[Sandy]]></category>
		<category><![CDATA[verstorbene]]></category>
		<category><![CDATA[Verstorbener]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;Sie müssen sofort kommen. Mein Vater ist verstorben und die Leiche muss hier dringend weg.&#8220; Ich frage halb verschlafen, das was ich immer frage: Ob denn der Arzt schon da<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/haltet-dem-kind-die-augen-zu/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Sie müssen sofort kommen. Mein Vater ist verstorben und die Leiche muss hier dringend weg.&#8220;</p>
<p>Ich frage halb verschlafen, das was ich immer frage: Ob denn der Arzt schon da gewesen ist, wo die Leute denn wohnen, und dann sage ich, dass es so 30 bis 45 Minuten dauert, bis wir da sind.</p>
<p>Sandy muss sich erst noch umziehen. Sie kommt direkt von einer Freundin und trägt schwarze Netzstrümpfe, einen kurzen schwarzen Lederrock und obenrum so eine etwas breitere Binde um den Busen, bei der ich immer nicht genau weiß, wie junge Frauen das nennen. An den Füßen kloggert sie in Stiefeln mit so dicken Sohlen herum, dass die ohnehin schon nicht kleine Frau nun noch größer ist.</p>
<p>&#8222;Und mach Dir bitte das schwarze Zeug von den Lippen&#8220;, sage ich, &#8222;die Leute kriegen ja Angst&#8220;.</p>
<p>Ich bin froh, dass ich irgendwann mal bestimmt habe, dass alle auch noch mal eine Garnitur Dienstkleidung in der Firma hängen haben. Es dauert trotzdem etwas länger, bis die junge Deutsch-Amerikanerin nicht mehr aussieht, wie Nosferatus geile Schwester.</p>
<p>&#8222;Gott sei Dank, dass Sie endlich da sind. Es ist ja nicht auszuhalten mit dieser Leiche in der Wohnung.&#8220; Mit diesen Worten empfängt uns eine etwa 35-jährige ziemlich dicke Frau, die uns mit hektischen Handbewegungen gleich ins Sterbezimmer leitet. &#8222;Hier liegt er. Wir haben ihn ein Dreivierteljahr gepflegt, Krebs, wissen Sie? Jetzt ist er vorhin gestorben. Furchtbar, furchtbar das alles. Holen Sie ihn schnell ab. So eine Leiche in der Wohnung. Furchtbar, furchtbar.&#8220;</p>
<p>Zu der hektischen Dicken gesellt sich ein dünner, großer Mann mit Brille, der ein vielleicht 10-jähriges Mädchen im Schlepptau hat. Die Dicke hält dem Mädchen sofort die Augen zu: &#8222;Sarah, guck da nicht hin, das ist ganz schrecklich, was es da zu sehen gibt.&#8220; Und in einem Anflug von pädagogischer Fehlleistung fügt sie hinzu: &#8222;Der Oppa ist nämlich tot und verwest jetzt. Der löst sich jetzt auf und verfault. Das ist ganz fürchterlich, der muss sofort hier weg. Bleib beim Pappa stehen, sonst kriegste Leichengift ab.&#8220;</p>
<p>Ich seufze, Sandy will was sagen, ich werfe ihr einen warnenden Blick zu. Deshalb öffnet Sandy schon mal den Bestatterkoffer und sortiert ein bißchen darin herum.</p>
<p>&#8222;Kommen Sie, wir gehen in die Küche und besprechen erst mal ein paar Sachen&#8220;, schlage ich vor, lasse aber keinen Zweifel daran, dass wir es genau so machen, denn ich schiebe Vater-Mutter-Kind quasi vor mir her.</p>
<p>Am Küchentisch kontrolliere ich die Todesbescheinigung, und verlange dann dreist erst mal einen Kaffee.<br />
Während die Dame des Hauses, die von dem dünnen Mann Renate genannt wird, Kaffee aus dem Vollautomaten zapft, macht sie wieder Druck: &#8222;Sie nehmen den aber schon jetzt gleich mit, oder? Der verseucht uns hier doch alles.&#8220;</p>
<p>Mein Vortrag über die Nichtexistenz von sofort tödlich wirkenden Leichengiften ist kurz, gut verständlich und endet mit den Worten: &#8222;Es gibt also nichts, was uns alle zur Eile treibt. Ihr Vater wird niemandem etwas zuleide tun, sondern ganz friedlich da liegen bleiben.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wie jetzt? Sie nehmen mich doch auf den Arm. Ich habe extra auf Youtube die Videos von diesem tollen Bestatter geschaut. Der sagt aber, dass man Leichen sofort holen muss.&#8220;</p>
<p>Der dünne Mann atmet nur ein, er macht nicht einmal den Ansatz, etwas zu sagen, er holt nur Luft und erntet dafür: &#8222;Kurt, halt den Mund, Du hast da keine Ahnung von.&#8220;</p>
<p>Das kleine Mädchen macht große Augen und schaut an mir vorbei rüber zum Gästezimmer, in dem Sandy den Verstorbenen schon ein wenig auf den Transport vorbereitet. &#8222;Was macht die Frau jetzt mit meinem Opa?&#8220;</p>
<p>&#8222;Wir holen gleich eine Trage, so wie von einem Krankenwagen. Da legen wir Deinen Opa drauf und tragen ihn runter zu unserem Auto. Und Sandy, so heißt die Frau da drüben, schaut, dass Dein Opa fertig ist für das Runtertragen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Kann ich da mithelfen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Sarah!&#8220;, Renate brüllt regelrecht, &#8222;der Oppa is&#8216; am Verwesen. Den kannste jetzt nicht mehr anpacken, da geht das Fleisch ab von den Knochen&#8230;&#8220;</p>
<p>Kurz muss ich die Augen schließen, dann unterbreche ich die Frau. &#8222;Jetzt machen Sie mal nen Punkt. Ihr Vater liegt da drüben jetzt genauso, wie er vor dem Sterben auch da gelegen hat. Der vergiftet keinen und der verwest jetzt auch nicht. Der liegt da jetzt, so als wenn er schlafen würde, nur wird er eben nicht mehr wach. Machen Sie dem Kind doch nicht solche Angst.&#8220;</p>
<p>Kurt holt schon wieder Luft. Renate schaut ihn streng an, er sackt in sich zusammen und knetet seine Hände. Das Kind fragt: &#8222;Ich hab dem Opa immer die Schlafanzugjacke und die Socken angezogen. Das kann man jetzt doch auch machen, das könnte ich doch für den Opa jetzt auch machen, oder?&#8220;</p>
<p>Nun isses ja so, dass ich ein Fürsprecher dafür bin, dass Kinder möglichst frühzeitig erfahren und wissen, was Sterben bedeutet, und dass man ihnen keine Märchen von einer Wolke erzählt, auf der ein Engelchen sitzt und Harfe spielt. Bestimmte euphemistische Bilder sind ja okay, bloß soll man Kinder eben auch nicht verarschen.<br />
Deshalb finde ich es gut, wenn Kinder mit zu Beerdigungen gehen.<br />
Ob Kinder auch mit zu einer offenen Aufbahrung an den Sarg gehen sollten, das ist eine sehr individuelle Frage, die vom Alter und Entwicklungsstand des Kindes abhängig gemacht werden muss. Hier ist auch entscheidend, wie viel Vorarbeit die Eltern da geleistet haben.<br />
Renate hat nur schlechte Vorarbeit geleistet.</p>
<p>Und Renate weiß auch genau, wie es weitergeht, und das sagt sie auch, während sie mir den Kaffee hinstellt. &#8222;Der muss weg!&#8220;</p>
<p>Kurt steht auf und holt sich auch eine Tasse. Er bleibt stehen, überlegt kurz und wagt es dann tatsächlich, zu sprechen.<br />
&#8222;Äh&#8220;, beginnt er, Renate kommt nur dazu, kurz &#8222;Kurt&#8230;&#8220; zu sagen, dann fährt ihr der Mann überraschenderweise über den Mund: &#8222;Jetzt halt doch mal die Luft an, Alte. Das ist ja nicht zu ertragen. Überleg doch mal! Wir haben Papa monatelang die Scheiße vom Arsch gewischt, die Kotze aus dem Mund geholt und seine Flasche leergemacht. Wir haben ihn angezogen, ausgezogen und sogar Sarah hat dem Papa immer geholfen. Beim Anziehen, beim Essen und Trinken und sie hat ihm Gesellschaft geleistet.<br />
Jetzt ist er tot. Der is&#8216; noch warm. Der hat doch vorhin noch gelebt. Wie soll der sich denn jetzt auf einmal so verändert haben, dass der sofort weg muss oder giftig ist. Was hast Du eigentlich im Kopf, Renate?&#8220;</p>
<p>&#8222;Aber&#8230;&#8220;</p>
<p>&#8222;Nix da! Als vor 30 Jahren meine Oma gestorben ist, da war ich noch nicht mal in der Schule, da sind die Onkel und Tanten gekommen und haben die Oma zu Hause gewaschen und angezogen. Dann wurde die schön gemacht und hat in ihrem Bett gelegen, bis der Bestatter am nächsten Tag gekommen ist. Ich hab&#8216; das Bild noch heute vor Augen, und irgendwo haben wir sogar ein Foto von der Oma, so wie sie da gelegen hat. Mit Kerzen und so.&#8220;</p>
<p>&#8222;Das war früher vielleicht so, aber&#8230;&#8220;</p>
<p>&#8222;Jetzt hör doch mal auf zu abern! Ich kenn Dich doch, Renate. Du kommst nur nicht damit zurecht, dass er gestorben ist. Du ekelst Dich nicht vor der Leiche, Du willst den Tod verdrängen, indem Du Papa schnell abholen lässt. Aber das ist falsch, falsch, falsch.&#8220;</p>
<p>Die dicke Frau wischt mit einem feuchten Lappen um den Kaffeeautomaten herum, knetet den Lappen, wischt nochmal, knetet wieder, und dann dreht sie sich auf einmal zu uns um: &#8222;Genau, so machen wir das! War ja sowieso meine Idee.&#8220;</p>
<p>Eine knappe Stunde lang sind Kurt und Renate mit Sandys Hilfe damit beschäftigt, den Verstorbenen anzuziehen. Sarah ist dabei, ab dem Zeitpunkt, als der Opa Unterwäsche anhat. Sie zieht ihm die Socken an, wobei Mama Renate hilft. Dann liegt er endlich da, hat einen dunkelgrauen Anzug an, die Hände sind gefaltet. Renate holt drei Kerzen. &#8222;Ich hab nur die roten Kerzen vom Adventskranz, aber die sind doch auch schön.&#8220;</p>
<p>Kurt legt eine CD ein und der Opa bekommt noch irgendwas Böhmisches vorgespielt.</p>
<p>Mittlerweile sitzen Sandy und ich in der Küche und trinken Kaffee. Dann kommt Sarah und fragt Sandy, ob sie UNO spielen kann. Völlig gelöst spielt das Mädchen dann mit Sandy Karten.<br />
Eine Weile später kommt Renate, so als ob sie nie etwas anderes gewollt habe, und meint: &#8222;Es reicht ja vollkommen, wenn Sie meinen Vater morgen Mittag abholen, oder?&#8220;</p>
<p>Ich nicke nur. Und Renate sagt noch: &#8222;Ich meine, jetzt sieht er so schön aus, da kann er ja noch ein bißchen bleiben. Ich hab ja gleich gewusst, dass das Quatsch ist, was im Internet alles erzählt wird.&#8220;</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/034cc2e31ce64efd835d3708b077e4b1" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/034cc2e31ce64efd835d3708b077e4b1" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Feb 2026 14:09:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sonstiges]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://bestatterweblog.de/?p=62730</guid>

					<description><![CDATA[Es gibt da ein Unternehmen, ich nenne es mal ABCDEFGH-GmbH, mit dem ich regelmäßig kommuniziere. Verschiedene Leute aus dieser Firma schreiben mir und ich schreibe auch denen, per Mail. Gestern<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/datenschutz/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt da ein Unternehmen, ich nenne es mal ABCDEFGH-GmbH, mit dem ich regelmäßig kommuniziere. Verschiedene Leute aus dieser Firma schreiben mir und ich schreibe auch denen, per Mail. Gestern schreibt mich das Unternehmen an:</p>
<div class="white-box">Sehr geehrter Herr Wilhelm,</p>
<p>bitte bestätigen Sie, dass wir Ihnen unter p&#101;&#116;&#101;&#114;&#64;&#101;u&#114;o&#112;a&#45;h&#111;st&#46;&#100;&#101; eine Mail senden dürfen.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen<br />
Marilu Bonselmann<br />
ABCDEFGH-GmbH</p></div>
<div class="green-box">Hallo, Frau Bonselmann,</p>
<p>Sie schreiben mir ja bereits eine Mail an diese Adresse und haben es in der Vergangenheit doch auch schon mehrfach getan.<br />
Ich habe nichts dagegen.</p>
<p>Liebe Grüße<br />
Peter Wilhelm</p></div>
<div class="white-box">Sehr geehrter Herr Wilhelm,</p>
<p>bitte haben Sie Verständnis dafür, dass Sie mir das bestätigen müssen.<br />
Ist &#112;e&#116;&#101;r&#64;eur&#111;&#112;a&#45;h&#111;&#115;&#116;.de Ihre E-Mail-Adresse?</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen<br />
Marilu Bonselmann<br />
ABCDEFGH-GmbH</p></div>
<div class="green-box">Hallo,</p>
<p>ja, das ist meine Mail-Adresse</p>
<p>Peter Wilhelm</p></div>
<div class="white-box">Sehr geehrter Herr Wilhelm,</p>
<p>wegen des Datenschutzes müssen Sie es ausdrücklich bestätigen, sonst kann ich Ihnen keine Mail senden.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen<br />
Marilu Bonselmann<br />
ABCDEFGH-GmbH</p></div>
<div class="green-box">Hi,</p>
<p>ich bestätige Ihnen das doch die ganze Zeit.<br />
Sie schreiben mir doch auch an diese Adresse, die ganze Zeit.<br />
Um was für eine wichtige Mail geht es denn?</p>
<p>Liebe Grüße<br />
Peter Wilhelm</p></div>
<div class="white-box">Sehr geehrter Herr Wilhelm,</p>
<p>wegen des Datenschutzes bin ich beauftragt, bei allen unseren Mail-Kontakten eine Bestätigung einzuholen, dass man ihnen an ihre Mail-Adresse Mails schicken darf.<br />
Wie alle Betroffenen, müssen Sie ausdrücklich bestätigen, dass Ihre Mailadresse für die Zusendung von Mails zugelassen ist.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen<br />
Marilu Bonselmann<br />
ABCDEFGH-GmbH</p></div>
<div class="green-box">Hi,</p>
<p>ja, geht in Ordnung</p></div>
<div class="white-box">Sehr geehrter Herr Wilhelm,</p>
<p>soll ich Sie dann aus dem Mailverteiler herausnehmen? Wir können Ihnen dann keine Mails mehr schreiben.<br />
Bitte bestätigen Sie, dass wir Ihre Mailadresse &#112;&#101;t&#101;&#114;&#64;e&#117;r&#111;&#112;a&#45;&#104;o&#115;t&#46;&#100;&#101; definitiv löschen sollen.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen<br />
Marilu Bonselmann<br />
ABCDEFGH-GmbH</p></div>
<p><strong>Frage: Was soll ich der Frau antworten?</strong></p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/550da2b56bdc4939b75ebebb1c5944ae" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/550da2b56bdc4939b75ebebb1c5944ae" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Deutschen sterben aus!</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/die-deutschen-sterben-aus/</link>
					<comments>https://bestatterweblog.de/die-deutschen-sterben-aus/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Feb 2026 16:02:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frag doch den Undertaker]]></category>
		<category><![CDATA[aussterben]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche]]></category>
		<category><![CDATA[rente]]></category>
		<category><![CDATA[rentner]]></category>
		<category><![CDATA[sterben aus]]></category>
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					<description><![CDATA[Manche Fragen klingen zunächst harmlos, entfalten aber bei näherem Hinsehen das Potenzial für Weltuntergangsstimmung, Stammtischdebatten und mathematische Abenteuer zugleich. Leserfrage: Wenn weniger Babys geboren werden als Leute wegsterben – wann<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/die-deutschen-sterben-aus/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Manche Fragen klingen zunächst harmlos, entfalten aber bei näherem Hinsehen das Potenzial für Weltuntergangsstimmung, Stammtischdebatten und mathematische Abenteuer zugleich.</p>
<div class="frage-box">
<div class="message-container">
<p><h2 id="leserfrage-wenn-weniger-babys-geboren-werden-als-leute-wegsterben-wann-sind-dann-alle-deutschen-ausgestorben">Leserfrage: Wenn weniger Babys geboren werden als Leute wegsterben – wann sind dann alle Deutschen ausgestorben?</h2>
<p>Ich habe gehört, dass weniger Babys geboren werden, als dass Leute wegsterben. Dann sind ja irgendwann alle Deutschen ausgestorben. Wann ist das denn? Die machen uns ja verrückt, weil wir jetzt jeder fünf bis sechs Rentner durchfüttern müssen. Ich bin zwar seit 12 Jahren krankgeschrieben, weil ich direkt nach der Schule Depri geworden bin, aber ich will im Alter nicht bezahlen müssen. Da wäre es ja gut, wenn das so kommt, das die Alten dann sterben und weniger werden. Ist doch gut. Sie haben mit Sterben zu tun und wissen wann die weg sind. aber wann?</p>
</p>
</div>
</div>
<p>Das ist eine dieser Fragen, die im ersten Moment so klingen, als müsse man nur kurz den Taschenrechner anwerfen und könnte dann feierlich ein Datum in den Kalender schreiben. Irgendwo zwischen „letzter Deutscher“ und „bitte Licht ausmachen“.</p>
<p>Fangen wir mit dem an, was an der Beobachtung stimmt: In Deutschland sterben seit einigen Jahren tatsächlich mehr Menschen, als geboren werden. Im Jahr 2024 wurden 677.117 Kinder geboren. Gleichzeitig starben im selben Jahr etwas mehr als 1,0 Millionen Menschen. Das heißt: Rein aus Geburten und Sterbefällen ergibt sich ein Minus. Statistiker nennen das Geburtendefizit oder Sterbefallüberschuss. Das bedeutet: Es kommen weniger dazu, als gehen. Und das ist erstmal eine nüchterne Feststellung, keine Weltuntergangsirene.</p>
<p>Jetzt kommt der Teil, in dem man die Leserfrage bewusst vereinfacht ansehen muss: Wir tun so, als blieben Geburten und Sterbefälle jedes Jahr exakt gleich. Wir tun außerdem so, als gäbe es keine Zu- und Abwanderung. Wir tun schließlich so, als würde sich eine Bevölkerung wie ein Vorrat Mehl verhalten: oben kippt man pro Jahr so und so viel rein, unten rieselt so und so viel raus. So funktioniert Demografie nicht wirklich – aber für einen Überschlag reicht es, und für eine augenzwinkernden Antwort sowieso.</p>
<p>Nehmen wir also die groben Werte: 677.117 Geburten pro Jahr und „etwas mehr als“ 1,0 Millionen Sterbefälle. Dann liegt das jährliche Minus grob in der Größenordnung von rund 330.000 Menschen. Das ist keine exakte Zahl auf die Person, aber für die Richtung völlig ausreichend. Und nun die Frage: Wie lange dauert es, bis 83,5 Millionen Menschen wegschmelzen, wenn man jedes Jahr etwa 330.000 abzieht?</p>
<p>Rechnung: 83.500.000 geteilt durch 330.000 ergibt ungefähr 253. Das heißt: Wenn Deutschland jedes Jahr dauerhaft um rund 330.000 Menschen schrumpfen würde, und wenn das ohne jede Änderung über zweieinhalb Jahrhunderte so weiterliefe, dann wären wir rechnerisch nach rund 253 Jahren „bei Null“.</p>
<p>Starten wir gedanklich beim Jahr 2026, dann landen wir irgendwo um das Jahr 2279. Aller Wahrscheinlichkeit nach wäre es am 17. September 2279 um 14.45 Uhr soweit: Der letzte Deutsche würde den letzten Einkaufswagen zurückbringen, den letzten gelben Sack rausstellen und noch einmal „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ murmeln – und dann wäre Ruhe im Karton.</p>
<p>So, und jetzt die Spaßbremse, die trotzdem wichtig ist: Diese „Nullrechnung“ ist eine gute Pointe, aber keine echte Prognose. Erstens ändern sich Geburtenzahlen und Sterbezahlen laufend. Zweitens ist Deutschland ein Einwanderungsland, und Zu- oder Abwanderung kann das Geburtendefizit ausgleichen oder verstärken. Drittens ist die Formulierung „alle Deutschen“ statistisch eine Wundertüte. Meinst du alle Einwohner? Alle Staatsangehörigen? Alle, die „Mettbrötchen“ ohne Fremdscham bestellen? Je nachdem, was man unter „Deutsche“ versteht, verschiebt sich das Ergebnis gewaltig – oder die Frage löst sich gleich ganz auf.</p>
<p>Was aber bleibt, ist eine durchaus seriöse Kernaussage hinter der augenzwinkernden Rechnung: Wenn dauerhaft deutlich weniger Kinder geboren werden, als Menschen sterben, dann verändert das die Gesellschaft. Sie wird im Durchschnitt älter. Bestimmte Berufe fehlen. Gesundheitssystem, Pflege, Renten und Infrastruktur geraten unter Druck. Und genau deshalb ist das Thema so emotional: Es hat weniger mit „Aussterben“ zu tun als mit der Frage, wie ein Land organisiert ist, wenn seine Altersstruktur kippt.</p>
<p>Die kurze Antwort auf die Leserfrage lautet daher: Nein, Deutschland steht nicht „kurz vor dem Aus“. Aber wenn man die Dinge extrem vereinfacht und alles andere ignoriert, dann käme man rechnerisch auf einen Zeitpunkt irgendwo in der zweiten Hälfte des 23. Jahrhunderts. Die realistische Antwort ist: So kann man es nicht vorhersagen – und niemand muss heute schon den letzten Deutschen vorwarnen, er möge bitte den Haustürschlüssel im Briefkasten lassen.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/f1b3b88a0e5441a09dc781cae33842dc" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/f1b3b88a0e5441a09dc781cae33842dc" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<item>
		<title>Schweigepflicht</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/schweigepflicht/</link>
					<comments>https://bestatterweblog.de/schweigepflicht/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Feb 2026 13:25:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frag doch den Undertaker]]></category>
		<category><![CDATA[schweigepflicht]]></category>
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					<description><![CDATA[Haben Bestatter eine Schweigepflicht? Antwort: Nein. In Zeiten wie diesen, in denen Leute ständig ihren Standort teilen und jedes Gramm Menschenfutter fotografieren und online stellen, sind die gleichen Menschen ungeheuer<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/schweigepflicht/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Haben Bestatter eine Schweigepflicht? Antwort: Nein. In Zeiten wie diesen, in denen Leute ständig ihren Standort teilen und jedes Gramm Menschenfutter fotografieren und online stellen, sind die gleichen Menschen ungeheuer auf den Schutz ihrer Daten bedacht, ein Paradoxon unserer Zeit.</p>
<blockquote><p>Frage: Haben Bestatter eigentlich eine Schweigepflicht?</p></blockquote>
<p>Die kurze Antwort auf die Frage lautet: Bestatter haben keine Schweigepflicht im klassischen, strafrechtlich geschützten Sinn, wie sie etwa für Pfarrer, Ärzte, Therapeuten oder Rechtsanwälte gilt. Dennoch unterliegen sie einer weitreichenden rechtlichen Verschwiegenheitspflicht, die sich aus mehreren Rechtsgebieten zusammensetzt und in der Praxis oft ähnlich streng wirkt wie eine echte Schweigepflicht.</p>
<p>Eine originäre Schweigepflicht im Sinne des Strafrechts besteht für Bestatter nicht. Sie gehören nicht zu den Berufsgruppen, die vom Gesetz ausdrücklich genannt werden. Daraus folgt, dass das bloße Offenbaren von Informationen aus dem beruflichen Umfeld nicht automatisch eine Straftat darstellt und dass Bestatter kein besonderes Zeugnisverweigerungsrecht haben. Diese Feststellung wird jedoch häufig missverstanden, denn sie bedeutet keineswegs, dass ein Bestatter frei über Todesfälle, Angehörige oder Umstände sprechen dürfte.</p>
<div class="info-box2024">
<div class="info-box2024-title"></div>
<h2 id="aehnlichkeiten-sind-rein-zufaellig">Ähnlichkeiten sind rein zufällig</h2>
<p>Was dieses Weblog hier anbetrifft, so steht es in diesem Punkt völlig außen vor, da eine Grundbedingung für die Verletzung eines Vertrauensverhältnisses fehlt: Es ist kein Rückschluss auf die betroffenen Personen möglich.<br />
Neben der Anonymisierung gilt hier auch die künstlerische Freiheit. Es werden aus dramaturgischen Gründen oft mehrere Begebenheiten zu einer Geschichte zusammengefasst, und selbst die handelnden Figuren sind oft eine Zusammenfügung aus mehreren real existierenden Personen. Überdies sind Orte, Zeiten, Berufe und andere Fakten so verfremdet, dass kein Rückschluss auf echte Menschen und Fälle möglich ist.</p></div>
<h2 id="vertragsverhaeltnis-gemaess-bgb">Vertragsverhältnis gemäß BGB</h2>
<p>Sobald ein Bestatter einen Auftrag übernimmt, entsteht ein Vertragsverhältnis mit den Auftraggebern, meist den Angehörigen. Aus diesem Vertragsverhältnis ergeben sich nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch sogenannte Nebenpflichten. Dazu gehört die Pflicht, die Interessen, Rechte und Rechtsgüter des Vertragspartners zu schützen. Genau an dieser Stelle setzt die Verschwiegenheit an. Informationen über Todesumstände, familiäre Konflikte, finanzielle Situationen, gesundheitliche Details des Verstorbenen oder persönliche Gespräche mit Angehörigen sind eindeutig schutzwürdige Interessen. Werden solche Informationen ohne sachlichen Grund weitergegeben oder öffentlich gemacht, liegt eine Pflichtverletzung vor. Diese kann Schadensersatzansprüche, Unterlassungsansprüche und in besonders sensiblen Fällen auch Ansprüche wegen Verletzung des Persönlichkeitsrechts nach sich ziehen.</p>
<h2 id="datenschutz">Datenschutz</h2>
<p>Besonders bedeutsam ist das Datenschutzrecht. Bestatter verarbeiten zwangsläufig personenbezogene Daten und sehr häufig auch besonders sensible Daten. Dazu zählen Gesundheitsdaten, Angaben zur Todesursache, religiöse Zugehörigkeit, familiäre Beziehungen, amtliche Dokumente wie Sterbeurkunden oder Totenscheine und nicht selten auch Fotos oder andere identifizierende Merkmale. Diese Daten dürfen ausschließlich zu dem Zweck verarbeitet werden, zu dem sie erhoben wurden, also zur Durchführung der Bestattung und der damit verbundenen Formalitäten. Jede darüber hinausgehende Nutzung oder Weitergabe bedarf einer klaren rechtlichen Grundlage. Auch scheinbar harmlose Erzählungen aus dem Berufsalltag, Anekdoten oder Berichte in sozialen Medien können problematisch werden, wenn eine betroffene Person oder Familie identifizierbar ist oder identifizierbar gemacht werden kann. In ländlichen Regionen genügt dafür oft schon eine grobe zeitliche oder örtliche Eingrenzung. Datenschutzverstöße können Bußgelder, behördliche Maßnahmen, Abmahnungen und Schadenersatzforderungen nach sich ziehen und sind in der Praxis einer der schärfsten rechtlichen Hebel.</p>
<h2 id="allgemeines-persoenlichkeitsrecht">Allgemeines Persönlichkeitsrecht</h2>
<p>Hinzu kommt das allgemeine Persönlichkeitsrecht. Es schützt die Intim- und Privatsphäre lebender Menschen, wirkt aber auch über den Tod hinaus fort. Das sogenannte postmortale Persönlichkeitsrecht schützt die Würde des Verstorbenen, vermittelt über die Angehörigen. Pietät, Achtung und Zurückhaltung spielen hier eine zentrale Rolle. Wer als Bestatter intime Details preisgibt, Todesumstände sensationshaft darstellt oder Familien in einer Weise bloßstellt, die Rückschlüsse auf konkrete Personen zulässt, kann sich zivilrechtlich angreifbar machen, unabhängig davon, ob ein Vertrag oder Datenschutzrecht im engeren Sinne verletzt wurde.</p>
<h2 id="verpflichtung-aufgrund-arbeitsvertrag">Verpflichtung aufgrund Arbeitsvertrag</h2>
<p>Für angestellte Bestatter kommt zusätzlich das Arbeitsrecht hinzu. Aus dem Arbeitsvertrag und aus der arbeitsrechtlichen Treuepflicht ergibt sich eine klare Verpflichtung zur Verschwiegenheit über alles, was im Betrieb bekannt wird. Ein Verstoß kann arbeitsrechtliche Konsequenzen bis hin zur fristlosen Kündigung und zu Schadenersatzforderungen gegenüber dem Arbeitgeber haben. In vielen Betrieben ist diese Pflicht zusätzlich ausdrücklich vertraglich geregelt.</p>
<h2 id="berufsorganisationen">Berufsorganisationen</h2>
<p>Auch wenn es kein einheitliches, gesetzlich verankertes Standesrecht für Bestatter gibt, enthalten manchmal auch Verbandsordnungen, Innungsregelungen und Zertifizierungssysteme Verschwiegenheitsanforderungen. Diese sind zwar nicht strafrechtlich bewehrt, können aber berufsrechtliche Folgen haben, etwa den Ausschluss aus Verbänden oder den Verlust von Qualitätsauszeichnungen, was wirtschaftlich erheblich sein kann.</p>
<h2 id="berichte-sind-zulaessig">Berichte sind zulässig</h2>
<p>In der praktischen Abgrenzung gilt, dass sachliche Informationen über die Tätigkeit, allgemeine Erfahrungswerte oder vollständig anonymisierte und nicht rückführbare Fallbeschreibungen zulässig sind. Kritisch oder unzulässig wird es dort, wo konkrete Todesumstände geschildert werden, familiäre Konstellationen erkennbar sind, einzelne Fälle zeitlich oder örtlich eindeutig zugeordnet werden können oder wo reale Abläufe, Zitate oder Bilder verwendet werden, die einen Wiedererkennungswert haben. Gerade das Erzählen vermeintlich kurioser oder außergewöhnlicher Fälle aus dem Bestattungsalltag ist rechtlich besonders heikel.</p>
<h2 id="fazit">Fazit</h2>
<p>Bestatter haben keine Schweigepflicht im strafrechtlichen Sinn, aber sie unterliegen einer umfassenden rechtlichen Verschwiegenheitspflicht. Diese ergibt sich aus dem Vertragsrecht, dem Datenschutzrecht, dem Persönlichkeitsrecht, dem Arbeitsrecht und aus berufsethischen Standards. Wer diese Pflichten verletzt, riskiert keine symbolischen Sanktionen, sondern ganz konkrete rechtliche, wirtschaftliche und reputative Konsequenzen.</p>
<p>© 2007</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/07e38e8eeda5474880cd7aae8b35585c" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/07e38e8eeda5474880cd7aae8b35585c" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Rita Süssmuth</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/rita-suessmuth/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Feb 2026 02:30:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nekrolog]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit dem Tod von Rita Süssmuth verliert Deutschland eine der prägenden politischen Persönlichkeiten der Bundesrepublik – eine Frau, die Politik nicht als Machtausübung verstand, sondern als Verantwortung gegenüber der Gesellschaft,<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/rita-suessmuth/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Tod von Rita Süssmuth verliert Deutschland eine der prägenden politischen Persönlichkeiten der Bundesrepublik – eine Frau, die Politik nicht als Machtausübung verstand, sondern als Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, insbesondere gegenüber jenen, deren Stimmen oft überhört werden.</p>
<p>Rita Süssmuth gehörte zu jener Generation von Politikerinnen, die sich ihren Platz nicht ererbten, sondern erarbeiteten. Als Wissenschaftlerin, Professorin und schließlich als Politikerin verband sie analytische Schärfe mit gesellschaftlicher Empathie. Sie war keine Lautsprecherin, keine politische Selbstdarstellerin, sondern eine beharrliche Gestalterin, die Inhalte über Inszenierung stellte.</p>
<p>Bundesweit bekannt wurde sie zunächst als Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit. In dieser Funktion setzte sie Maßstäbe, die bis heute nachwirken. Sie trieb die Auseinandersetzung mit der AIDS-Erkrankung in einer Zeit voran, in der Angst, Ausgrenzung und moralische Überheblichkeit den öffentlichen Diskurs bestimmten. Süßmuth insistierte auf Aufklärung statt Stigmatisierung – ein Ansatz, der damals mutig war und sich später als weitsichtig erwies.</p>
<p>Ihre wohl sichtbarste Rolle übernahm sie als Präsidentin des Deutschen Bundestages. In diesem höchsten parlamentarischen Amt verkörperte sie Würde, Ausgleich und Respekt vor der demokratischen Institution. Sie verstand das Parlament nicht als Bühne parteipolitischer Scharmützel, sondern als Herzstück der Demokratie. Gerade in aufgeheizten Debatten blieb sie souverän, verbindlich und unmissverständlich in der Sache.</p>
<p>Bemerkenswert war ihre Fähigkeit, auch innerhalb der eigenen Partei unbequeme Positionen zu vertreten. Rita Süssmuth war nie eine Politikerin der reinen Parteilinie. Sie mischte sich ein – etwa in der Migrations- und Integrationspolitik – und widersprach, wenn sie überzeugt war, dass Humanität, Vernunft und gesellschaftlicher Zusammenhalt auf dem Spiel standen. Damit machte sie sich nicht immer beliebt, aber sie blieb glaubwürdig.</p>
<p>Rita Süssmuth stand für ein Politikverständnis, das heute selten geworden ist: langfristig denkend, argumentativ, am Gemeinwohl orientiert. Sie glaubte an die Kraft von Bildung, an die Bedeutung von Frauen in Führungspositionen und an die Verantwortung des Staates, soziale Spaltungen nicht zu vertiefen, sondern zu überwinden.</p>
<p>Rita Süssmuth war römisch-katholisch. Von 1964 bis zu dessen Tod 2020 war sie mit dem Universitätsprofessor Hans Süssmuth verheiratet und lebte in Neuss, wo sie 2022 zur Ehrenbürgerin ernannt wurde. Sie hatte eine Tochter und war fünffache Großmutter. Im Juni 2024 machte sie eine Brustkrebserkrankung öffentlich.</p>
<p>Rita Süssmuth starb am 1. Februar 2026 wenige Wochen vor Vollendung ihres 89. Lebensjahres in Neuss.</p>
<p>Mit ihrem Tod endet ein Kapitel bundesrepublikanischer Geschichte, in dem politische Autorität noch aus Sachkenntnis, Haltung und persönlicher Integrität erwuchs. Rita Süssmuth wird fehlen – als Stimme der Vernunft, als Mahnerin, als Vorbild.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/721927dc803342879e9c9ab639742dfe" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/721927dc803342879e9c9ab639742dfe" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<item>
		<title>Der Teufel im Himmel</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/der-teufel-im-himmel/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 Jan 2026 20:17:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Menschen]]></category>
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					<description><![CDATA[THE DEVIL IN THE SKY. Ihr alle kennt die Anneliese-Braun-Radio-Verhörer. Wir als Deutsche hören in englischen und anderen fremdsprachigen Songs bestimmte deutsche Wörter oder Sätze heraus, die da gar nicht<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/der-teufel-im-himmel/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>THE DEVIL IN THE SKY. Ihr alle kennt die Anneliese-Braun-Radio-Verhörer. Wir als Deutsche hören in englischen und anderen fremdsprachigen Songs bestimmte deutsche Wörter oder Sätze heraus, die da gar nicht vorkommen.</p>
<p>Das ist lustig und wird in ganz vielen Radiosendungen immer mal wieder durchzelebriert.</p>
<p>Ich selbst hab auch so einen Radio-Verhörer, der mich wirklich nun seit wenigstens 50 Jahren begleitet hat und den gestern erst meine Allerliebste aufgeklärt hat.</p>
<p>Es geht um einen Titel vom King of Rock ’n’ Roll, Elvis Presley.</p>
<p>Am besten ist es, wenn Du Dir den Titel mal anhörst:</p>
<p><iframe loading="lazy" width="560" height="315" src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/emjLXdsj6xA?si=YOMQPbWUxcKypW70" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p>In dem Titel geht es um eine junge Frau, die wie ein Engel aussieht, wie ein Engel läuft und spricht. Aber Elvis ist nun klüger, er findet:<br />
YOU&#8217;RE THE DEVIL IN THE SKY</p>
<p>Immer schon kam mir das merkwürdig vor. Du bist der Teufel im Himmel. Aber gut, wenn Elvis das singt, muss das ja wohl so heißen.</p>
<p>Ich habe das Lied mindestens 30 Mal auf Wunsch der Familien auf Beerdigungen gespielt und jedes Mal innerlich mitgesungen &#8222;Devil in the Sky&#8220;.</p>
<p>Neulich lief das Lied mal wieder und ich singe so leise vor mich hin, als die Allerliebste in ihrer unnachahmlichen Art: &#8222;Blödmann!&#8220; zu mir sagt. </p>
<p>&#8222;Wieso Blödmann?&#8220;</p>
<p>&#8222;Wegen dem devil. Das singt der doch gar nicht!&#8220;</p>
<p>Und dann klärt sie mich auf, dass ich als jemand, der Englisch fast wie seine Muttersprache spricht, jahrzehntelang völligen Blödsinn verstanden habe. Elvis singt nämlich &#8222;devil in disguise&#8220; (gesprochen devil in disgaiß). Das heißt so viel wie &#8222;Teufel in Verkleidung&#8220;. Mehr zur Etymologie usw. habe ich Euch unten in einen Infokasten geschrieben.</p>
<p><strong>Lyrics:</strong><br />
<em>You look like an angel<br />
Walk like an angel<br />
Talk like an angel<br />
But I got wise<br />
You&#8217;re the devil in disguise<br />
Oh yes you are<br />
The devil in disguise</em></p>
<p>Ich muss echt gestehen, dass die Vokabel &#8222;disguise&#8220; in all den Jahren völlig an mir vorbeigegangen ist. Schande über mich.</p>
<p>Hast Du auch einen Lieblingsverhörer?</p>
<hr>
<div class="info-box2024">
<div class="info-box2024-title"></div>
<p>Das englische Wort disguise ist sowohl als Verb als auch als Substantiv (Nomen) gebräuchlich. In beiden Fällen kreist die Bedeutung um das Verbergen, Verfälschen oder Unkenntlichmachen der wahren Identität, Absicht oder Beschaffenheit einer Person oder Sache.</p>
<h2 id="1-disguise-als-verb">1. Disguise als Verb</h2>
<p>Grundbedeutung: to disguise bedeutet „verkleiden“, „maskieren“, „verbergen“ oder „unkenntlich machen“.</p>
<p>Gemeint ist dabei nicht nur eine äußerliche Verkleidung im wörtlichen Sinn (Kostüm, Maske), sondern sehr häufig auch ein übertragener Gebrauch, etwa das Verdecken von Motiven, Gefühlen oder Tatsachen.<br />
Typische Bedeutungsnuancen: Eine Identität verschleiern, etwas absichtlich anders erscheinen lassen, als es ist, oder wahre Absichten verbergen.<br />
Beispielhafte Verwendungen: Jemand verkleidet sich, um nicht erkannt zu werden. Gefühle werden hinter Höflichkeit oder Ironie verborgen. Eine Maßnahme wird als etwas anderes „getarnt“.<br />
Der verbale Gebrauch ist im Englischen sehr produktiv und findet sich sowohl in Alltagssprache als auch in Literatur, Politik und Psychologie.</p>
<h2 id="2-disguise-als-nomen-substantiv">2. Disguise als Nomen (Substantiv)</h2>
<p>Grundbedeutung: Als Substantiv bezeichnet a disguise die Verkleidung selbst oder allgemein ein Mittel zur Täuschung.</p>
<p>Das kann sein: Ein konkretes Kostüm oder äußeres Erscheinungsbild, eine Rolle, ein Vorwand oder eine Tarnung, oder ein metaphorisches „Deckmäntelchen“ für etwas Unerwünschtes.<br />
Typische Bedeutungen: Maske oder Kostüm, Tarnung, Vorwand, falsche Erscheinung, hinter der sich etwas anderes verbirgt.<br />
Im übertragenen Sinn wird das Wort oft verwendet, um auf Selbsttäuschung oder bewusste Irreführung hinzuweisen.</p>
<h2 id="3-semantisches-spannungsfeld">3. Semantisches Spannungsfeld</h2>
<p>Charakteristisch für disguise ist, dass das Wort nicht zwingend negativ konnotiert ist, aber sehr häufig eine absichtliche Irreführung impliziert. Der Kontext entscheidet, ob es sich um:<br />
	•	harmlose Verkleidung<br />
	•	strategische Täuschung<br />
	•	moralisch problematische Verschleierung<br />
handelt.</p>
<p>Gerade im literarischen und politischen Sprachgebrauch ist disguise ein beliebtes Wort, um Ambivalenz zu erzeugen.</p>
<h2 id="4-etymologie">4. Etymologie</h2>
<p>Die Herkunft des Wortes ist sprachhistorisch besonders interessant.<br />
Disguise stammt aus dem Altfranzösischen: desguiser = „verkleiden, entstellen, unkenntlich machen“. Dieses wiederum setzt sich zusammen aus:<br />
	•	des- (Verstärkungs- oder Abweichungspartikel, etwa „weg von“, „anders“)<br />
	•	guise = Art, Weise, Gestalt</p>
<p>Das französische guise geht zurück auf:<br />
	•	guiser = „formen, gestalten“<br />
	•	vermutlich aus einem germanischen Stamm (verwandt mit althochdeutsch wîsa = Weise, Art)</p>
<p>Wörtlich bedeutete disguise ursprünglich also: „jemanden aus seiner gewohnten Art oder Gestalt herausbringen“</p>
<p>Im Mittelenglischen (ab dem 14. Jahrhundert) wurde das Wort übernommen und behielt diese Bedeutung der Verfremdung und Verstellung bei.</p>
</div>
<hr>
<p>Und wer es ohne zu lachen aushalten kann, kriegt ein Brötchen:</p>
<p><iframe loading="lazy" width="560" height="315" src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/hPV3wHnd5lo?si=GfSLUwsbL9TTxvqJ" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/06b854f652a9447c9eca464cdddd7f78" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/06b854f652a9447c9eca464cdddd7f78" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Sie vergaß Kevin allein zu Haus: Catherine O’Hara ist tot</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 Jan 2026 02:03:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nekrolog]]></category>
		<category><![CDATA[Kevin allein zu Haus]]></category>
		<category><![CDATA[Schauspielerin]]></category>
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					<description><![CDATA[Catherine O’Hara ist tot. Die kanadische Schauspielerin starb im Alter von 71 Jahren in Los Angeles nach kurzer Krankheit. Internationale Bekanntheit erlangte O’Hara vor allem durch ihre Rolle als Mutter<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/sie-vergass-kevin-allein-zu-haus-catherine-ohara-ist-tot/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Catherine O’Hara ist tot. Die kanadische Schauspielerin starb im Alter von 71 Jahren in Los Angeles nach kurzer Krankheit.</p>
<p>Internationale Bekanntheit erlangte O’Hara vor allem durch ihre Rolle als Mutter der Familie McCallister in der Komödie Kevin – Allein zu Haus, in der sie mit feinem Gespür für Timing und leiser Komik eine Figur schuf, die bis heute zum festen Bestandteil der Popkultur gehört. Ihre Darstellung verband Wärme, Überforderung und Humor auf eine Weise, die weit über das Genre der Familienkomödie hinauswirkte.</p>
<p>Geboren in Kanada, prägte Catherine O’Hara über Jahrzehnte Film, Fernsehen und Bühne. Sie arbeitete mit renommierten Regisseuren, war Teil prägender Ensembleproduktionen und galt als Schauspielerin, die Komik nie auf Lautstärke reduzierte, sondern aus Beobachtung und Präzision entwickelte.</p>
<p>Mit ihrem Tod verliert die internationale Filmwelt eine Darstellerin, deren Spiel oft unaufdringlich war – und gerade deshalb nachhaltig wirkte.</p>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Catherine_O%E2%80%99Hara" rel="noopener">https://de.wikipedia.org/wiki/Catherine_O%E2%80%99Hara</a></p>
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		<title>Walter Schultheiß (101)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Jan 2026 15:13:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nekrolog]]></category>
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					<description><![CDATA[Walter Schultheiß (*25. Mai 1924 in Tübingen; † 22. Dezember 2025 in Wildberg/Schwarzwald) war ein deutscher Schauspieler, Autor und Maler. Seine Karriere begann nach dem Zweiten Weltkrieg auf der Theaterbühne,<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/walter-schultheiss-101/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Walter Schultheiß (*25. Mai 1924 in Tübingen; † 22. Dezember 2025 in Wildberg/Schwarzwald) war ein deutscher Schauspieler, Autor und Maler. Seine Karriere begann nach dem Zweiten Weltkrieg auf der Theaterbühne, bekannt wurde er vor allem durch seine jahrzehntelange Arbeit für Hörfunk und Fernsehen, darunter die Straßenkehrer-Sketche beim SDR sowie zahlreiche Rollen in Serien und Fernsehfilmen. Auch im hohen Alter blieb er künstlerisch aktiv. 2013 erhielt Schultheiß den Baden-Württembergischen Ehrenfilmpreis. Er wurde 101 Jahre alt.</p>
<p><iframe loading="lazy" width="560" height="315" src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/sTa1q4UBuV0?si=LBa77yurzSY4dceU" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>Badesalz: Gerd Knebel verstorben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Jan 2026 15:08:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nekrolog]]></category>
		<category><![CDATA[Badesalz]]></category>
		<category><![CDATA[Gerd Knebel]]></category>
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					<description><![CDATA[Gerd Knebel (*1953 oder 1954; † 24. Januar 2026) war Musiker, Comedian und Schauspieler. Bekannt wurde er vor allem als Teil des Duos Badesalz, bei dem er auch als Gitarrist<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/badesalz-gerd-knebel-verstorben/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Gerd Knebel (*1953 oder 1954; † 24. Januar 2026) war Musiker, Comedian und Schauspieler. Bekannt wurde er vor allem als Teil des Duos Badesalz, bei dem er auch als Gitarrist wirkte. </p>
<p>Neben zahlreichen Solo- und Bandprojekten bewegte er sich stilistisch zwischen Comedy, Rock, Metal und experimentellen Musikformen. Knebel lebte in Rodgau-Nieder-Roden, war Vater zweier Kinder und starb im Alter von 72 Jahren nach schwerer Krankheit.</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>18 Minuten Lebenszeit &#8211; oder die 12 Jahrezeiten</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/18-minuten-lebenszeit-oder-die-12-jahrezeiten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Jan 2026 01:48:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Beerdigung Musik Auswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter über Ablauf Trauerfeier]]></category>
		<category><![CDATA[Bestattung Erfahrungen]]></category>
		<category><![CDATA[Friedhof Trauerhalle Zeitdruck]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderchor bei Beerdigung singen]]></category>
		<category><![CDATA[kirchliche Trauerfeier Ablauf]]></category>
		<category><![CDATA[kirchliche Trauerrede zu lang]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikte bei Beerdigungsplanung]]></category>
		<category><![CDATA[Musik bei Beerdigungen]]></category>
		<category><![CDATA[Musikwünsche Beerdigung]]></category>
		<category><![CDATA[Musikwünsche bei Trauerfeiern organisieren]]></category>
		<category><![CDATA[Organist bei Trauerfeier Probleme]]></category>
		<category><![CDATA[Organist Trauerhalle]]></category>
		<category><![CDATA[Trauerfeier mit Live Musik Erfahrungen]]></category>
		<category><![CDATA[Trauerfeier Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Trauerfeier Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Trauerhalle Gebühren Zeitüberschreitung]]></category>
		<category><![CDATA[ungewöhnliche Musik bei Beerdigungen]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitlimit Trauerhalle Friedhof]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich hatte mich ja für die Kirchenorgel entschieden, um der Gefahr zu entgehen, auf Familienfesten etwas vorspielen zu müssen. Cousins und Cousinen mussten immer ihre Flöten, Geigen und Harmonikas auspacken<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/18-minuten-lebenszeit-oder-die-12-jahrezeiten/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hatte mich ja für die Kirchenorgel entschieden, um der Gefahr zu entgehen, auf Familienfesten etwas vorspielen zu müssen. Cousins und Cousinen mussten immer ihre Flöten, Geigen und Harmonikas auspacken und der versammelten Familie was vormachen. Wer mich spielen hören wollte, musste morgens zur Frühmesse oder anlässlich von Trauerfeiern in die Kirche kommen.</p>
<p>Später kam mir das aber sehr zupass, da ich bei Beerdigungen immer auch mal selbst in die Tasten greifen konnte, wenn Not am Mann war. Wir hatten da auf dem Südfriedhof so einen Organisten, der sich bei Vollmond, Neumond, zunehmendem oder abnehmendem Mond von kosmischen Kräften zum Griff nach der Flasche getrieben fühlte und bei der Trauerfeier am nächsten Morgen nach dem ersten Griff in die Tasten auch schon mal mit der Stirn aufs Manual aufschlug, um schmatzend und sabbernd seinen Rausch auszuschlafen.</p>
<p>Es gab genügend Kirchenmusiker, die sich auf den Friedhöfen der Region etwas hinzuverdienten. Auf den kleineren Friedhöfen kamen sie fallweise. Auf den beiden größeren saß der Organist den halben Tag bereit, und alle Trauerfamilien mussten ihn zwangsweise mitbezahlen. Das änderte sich später, weil immer mehr Bestatter auf einer eigenen Beschallung mit ihren Musikanlagen beharrten.</p>
<p>&#8222;So nimm denn meine Hände&#8220; und das &#8222;Ave Maria&#8220; zählen auch heute noch zu den Klassikern bei einer Trauerfeier, aber &#8222;Time to say goodbye&#8220; und &#8222;Zehn nackte Friseusen&#8220; sind mittlerweile auch en vogue.</p>
<p>Immer wieder kommt es aber auch vor, dass es in der Trauerfamilie eben solche Cousinen und Cousins, wie in meiner Familie gibt, die dann am Sarg mit ihren Instrumenten ran müssen.</p>
<p>Frau Klipsch will ihren Hermann beerdigen lassen, und der hat, nach einem außergewöhnlich langen Aufenthalt im rechtsmedizinischen Institut, auch nichts mehr dagegen, endlich unter die Erde zu kommen.<br />
Hermann Klipsch war mit seinem neu angeschafften Lasten-Liegefahrrad nach einem Einkauf im Getränkemarkt sehr wackelig unterwegs gewesen, und hatte sich an der Kreuzung Stahlmannstraße/Berlenstraße unter einen polnischen 40-Tonner gewackelt. Der polnische Fahrer hatte nach eigenem Bekunden gar nichts davon mitbekommen, dass er mit wenigstens drei Achsen seines Lastzugs über den 71-Jährigen drüberhinweggefahren war.<br />
Das hatte dem nur noch teilweise erhaltenen Rentner dann jenen längeren Aufenthalt in der Pathologie beschert, wo man herausfinden wollte, ob Medikamente, Alkohol oder sonstwas mit im Spiel gewesen sein könnten.<br />
Der polnische Fernfahrer hatte, anders als man es polnischen LKW-Fahrern gemeinhin unterstellt, keinen Tropfen getrunken, und Zeugen hatten ihn von jeder Schuld freigesprochen.</p>
<p>Nun sitzt die Witwe mit bebender Unterlippe bei mir im Bestattungshaus und liest aus einem Schnellhefter vor, wie sie und ihr Mann sich die Beerdigung vorstellen. Es ist wirklich eine riesengroße Erleichterung, wenn jemand sich zu Lebzeiten hinsetzt, und alle wichtigen Dokumente und Anweisungen für den Todesfall in eine Mappe packt. Eine Erdbestattung will Hermann haben. &#8222;Macht kein großes Theater und spart euch das Geld für was Wichtigeres&#8220;, hat er aufgeschrieben, und, dass er die Titelmelodie aus &#8222;Die glorreichen Sieben&#8220; gespielt haben möchte.</p>
<p>Es ist nichts Außergewöhnliches, dass heutzutage Titel gespielt werden, die eigentlich mit dem Thema Beerdigung gar nichts zu tun haben. Ich habe da schon alles Mögliche aufgelegt, von &#8222;Good bye Johnny&#8220; über das James-Bond-Thema und &#8222;Heidewitzka, Herr Kapitän&#8220; bis hin zu &#8222;Weißt Du wie viel Sternlein stehen?&#8220;. Zweimal habe ich einen Musikwunsch ablehnen müssen: Das Horst-Wessel-Lied ist verboten, und &#8222;Je t`aime&#8220; mit seinem erotisch gehauchten Orgasmusgestöhne passt auch besser in eine Bar als in eine Kirche.</p>
<p>Ansonsten ist von Rammstein über Céline Dion bis hin zu Helene Fischer alles dabei. &#8222;Des Menschen Wille ist sein Himmelreich&#8220;, und &#8222;Jeder Jeck ist anders&#8220; sind hier die Stichworte.</p>
<p>Neben dem berühmten Western-Intro möchte Frau Klipsch noch das Ave Maria.<br />
Drei Titel spielt der Organist immer. Einen am Anfang, einen in der Mitte der Trauerfeier und den letzten, wenn der Sarg rausgeschoben wird. Er legt auch die CD ein, wenn etwas anderes gespielt werden soll.</p>
<p>Auf den Friedhöfen sind die Trauerfeiern eng getaktet. Brutto hat man eine halbe Stunde, netto sind das knapp 20 Minuten. Denn es müssen ja zwischendurch die einen Leute raus, die nächsten rein, der neue Sarg rein und auch der ganze Blumenschmuck.</p>
<p>Überzieht man fünf Minuten, fängt man sich böse Blicke des Friedhofsverwalters ein, bei zehn Minuten werden die Sargträger rabiat und ab der zwölften Minute musst du mit gewalttätigen Auseinandersetzungen und einem 100 %-igen Aufschlag bei der Hallengebühr rechnen.</p>
<p>In diesem Fall muss ich sowieso aufpassen. Der Diakon von der St.-Glutamatis-Kirche ist etwas abgehoben und fühlt sich wie der Klopömpel des vatikanischen heiligen Stuhlgangs persönlich. Seine Traueransprachen haben nie auch nur das Geringste mit den jeweiligen Verstorbenen zu tun, und er verwendet seit acht Jahren immer die gleiche Traueransprache. Dafür fährt er aber am nächsten Tag immer zu den Angehörigen hin und übergibt eine Kopie seiner Ansprache nebst eines Heiligenbildchens von Sankt Glutamatis und hält brav die Hand für eine Spende auf. </p>
<p>Das Schlimme für uns Bestatter: Er findet kein Ende. Seine Ansprache ist einfach zu lang, schon immer.</p>
<p>Will jetzt noch einer der Angehörigen ein paar Worte sagen, drohen uns die doppelten Hallengebühren, immerhin fast 300 Euro.<br />
Also muss ich als Bestatter mit dem Organisten gemeinsame Sache machen, dem einen Zwanziger zustecken, damit der, unabhängig vom Redefortschritt des langatmigen Diakons, einfach auf mein Zunicken hin das nächste Lied spielt. Auch die Sargträger sind angewiesen und entsprechend bestochen, damit sie nach genau zwanzig Minuten nach vorne gehen und den Sarg rausschieben. Egal, ob da noch einer redet, singt oder auf der Fiedel fidelt<sup id="fnref1"><a href="#fn1" class="footnote">1</a></sup>.</p>
<p>Mir schwante Böses, als am nächsten Morgen die Schwiegertochter von Frau Klipsch anrief und mir sehr resolut mitteilte, ich möchte mich bitte darauf einrichten, dass sie ein Stück auf der Geige vortragen werde, begleitet von ihrem Bruder, der hervorragend Flöte spielen könne. Das Stück sei ein weitestgehend unbekanntes Werk eines ebenso weitgehend unbekannten Komponisten aus der Romantik.</p>
<p>Mich interessiert nur eins: &#8222;Wie lange dauert das denn so in etwa?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ach, das kommt darauf an, vielleicht so um die elf bis zwölf Minuten.&#8220;</p>
<p>&#8222;Das ist aber für eine Trauerfeier auf dem Hauptfriedhof ziemlich lang. Wir haben da nur zwanzig Minuten Zeit für die gesamte Trauerfeier.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, dann werden Sie ihre Hosen mal etwas wackeln lassen müssen, wir haben nämlich vor, gemeinsam mit den Kindern noch ein Lied zu singen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und wie lang würde das so ungefähr dauern?&#8220;</p>
<p>&#8222;Na, das kommt im Wesentlichen auf die Kinder an, das ist nämlich ein Kanon.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wie lang?&#8220;</p>
<p>&#8222;So ungefähr acht bis zehn Minuten, der Kanon hat zwölf Strophen, der geht um die zwölf Jahreszeiten.&#8220;</p>
<p>&#8222;Es gibt doch nur vier Jahreszeiten.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, für Sie vielleicht, die Kinder sind aber alle auf der Waldorfschule und wir sehen das etwas anders.&#8220;</p>
<p>&#8222;Hm, wie gesagt, wir dürfen die Trauerhalle nur rund zwanzig Minuten nutzen. Vorher ist eine Trauerfeier und anschließend auch noch eine. Nach der vorherigen wird der Sarg mit Ihrem Schwiegervater in die Halle geschoben und meine Leute stellen die Kränze und die Deko auf. Das geht recht schnell. Dann sollen die &#8222;Glorreichen Sieben&#8220; gespielt werden. Es folgt der Diakon mit dem ersten Teil seiner Rede über die Vergänglichkeit. Dann kommt das Ave Maria. Dann redet der Diakon nochmal und betet. Danach ist eigentlich gar keine Zeit mehr. Da wartet schon die nächste Trauergesellschaft vor den Türen der Halle und will rein.&#8220;</p>
<p>&#8222;Nicht mein Problem. Sie sind der Profi und haben sich darum zu kümmern.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja gut, ich kann den Termin canceln, und wir machen einen neuen Termin für die Beerdigung aus, diesmal mit extra langer Trauerhallenzeit. Das geht natürlich auch. Das wäre dann aber vermutlich drei Tage später. Das kostet dann auch etwa 300 Euro mehr an städtischen Gebühren.&#8220;</p>
<p>&#8222;Das geht ja mal gar nicht. Ich bin Lehrerin und habe meine Stunden schon eingetragen. Mein Bruder ist Künstler und kann sich auch nicht nach jedermanns Gusto die Zeit aus den Rippen schneiden.&#8220;</p>
<p>&#8222;Irgendwie müssen wir jetzt aber zu Potte kommen. Ich kann ja nichts dafür, dass es so ist, wie es ist. Entweder, wir kriegen es hin, mit allem in zwanzig Minuten durch zu sein, oder ich müsste einen neuen Termin ausmachen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wenn Sie den Termin verschieben, wie lange haben wir denn dann Zeit?&#8220;</p>
<p>&#8222;Doppelte Zeit, also rund 40 bis 45 Minuten. Das würde dann in jedem Fall reichen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Sind Sie verrückt? Das sind Kinder! Wir können die doch keine halbe Stunde singen lassen. Das ist unverantwortlich. Wie kommen Sie nur auf eine solche komische Idee?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ich komme da auch gar keine komischen Ideen. Ich biete Ihnen ja nur eine Lösung an. Sie müssen ja nicht die ganzen 40 Minuten mit Programm füllen. Aber in 40 Minuten würde ihr Programm reinpassen, und wenn das fertig ist, fahren wir den Sarg raus und gehen zum Grab. Sie müssen nicht die ganze Zeit nutzen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und dann verfallen vielleicht 15 Minuten? Jede Minute kostet schließlich 15 Euro und dann würden wir 225 Euro in den Wind schreiben.&#8220;</p>
<p>&#8222;Sie sind bestimmt Mathelehrerin, nicht wahr?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, woher wissen Sie das?&#8220;</p>
<p>&#8222;Sie können ja noch ein paar Minuten länger Geige spielen oder noch ein kürzeres Stück zwischendurch.&#8220;</p>
<p>&#8222;Sehr professionell handhaben Sie das nicht, das muss ich Ihnen jetzt aber mal sagen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Was halten Sie denn davon, das Musizieren und das Absingen des Kanons am Grab durchzuführen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wie jetzt am Grab?&#8220;</p>
<p>&#8222;Na, nach der Trauerfeier mit den glorreichen Sieben und dem Diakon wird der Sarg doch beigesetzt. Draußen am Grab gibt es keine zeitliche Beschränkung. Oder sagen wir es so: Da haben wir dann Zeit, bis am Nachmittag, die Friedhofsleute müssen ja noch Zeit haben, das Grab zuzubaggern. Aber von 10 Uhr vormittags bis 16 Uhr hätten wir schon. Da spielt es keine Rolle, wie lange Sie und Ihr Bruder musizieren und die Waldorf-Lärchen kanonisieren.&#8220;</p>
<p>&#8222;Das ist viel zu lang, da werden mir ja die Kinder unruhig.&#8220;</p>
<p>&#8222;Sie müssen ja nicht so lang! Sie spielen und singen, so lange Sie wollen, und dann ist fertig.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und das kostet dann nichts extra?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nee.&#8220;</p>
<p>&#8222;Da muss ich jetzt aber erstmal auf meinen Stundenplan gucken und meinen Bruder fragen. Ich meld&#8216; mich nochmal.&#8220;</p>
<p>Am übernächsten Tag findet die Trauerfeier statt. Unter den epischen Klängen der &#8222;Glorreichen Sieben&#8220; zieht der päpstliche Pümpelverwalter ein und hält den ersten Teil seiner abgewetzten Rede.<br />
Der Organist spielt dann Variationen aus Smetanas Moldau, dann folgt der zeremonielle Teil und der Diakon betet. Nach exakt zwanzig Minuten nicke ich den Sargträgern zu, und während der Diakon nochmals über das Kommen des Reiches spricht, womit er hoffentlich nichts Politisches meint, schieben die Männer den Sarg zur Seitentür hinaus und der Organist leiert das Ave Maria aus den Rohren.</p>
<p>Von einer Mathelehrerin mit Geige und einem Künstler mit Flöte keine Spur, auch keine kanonisierenden Waldorfkinder. </p>
<p>Ich möchte die 18 Minuten Lebenszeit zurück, die ich mit der Tante am Telefon verschwendet habe.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/222ba7dee0c04df1b13fd124c74d79d1" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/222ba7dee0c04df1b13fd124c74d79d1" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
<div id="serial-posts-wrapper"><h3 class="serial-posts-heading">Fußnoten:</h3><div class="footnotes"><ol class="serial-posts"><li id="fn1">erstaunlich, aber wahr: Man kann das tatsächlich so schreiben. Es ist egal, ob man Fiedel nur mit i oder mit ie schreibt <a href="#fnref1"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li></ol></div></div>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Lang oder kurz? Egal.</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/lang-oder-kurz-egal/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Jan 2026 03:28:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sonstiges]]></category>
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					<description><![CDATA[Der umfangreiche Roman Mori &#8211; Der Teufel von Waibstadt hat sich in den Monaten seit seinem Erscheinen zum absoluten Bestseller in meinem Werksportfolio entwickelt. Er löst den Titel Wenn die<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/lang-oder-kurz-egal/" class="alles-lesen-btn">
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</a></div>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der umfangreiche Roman <em>Mori &#8211; Der Teufel von Waibstadt</em> hat sich in den Monaten seit seinem Erscheinen zum absoluten Bestseller in meinem Werksportfolio entwickelt.</p>
<p>Er löst den Titel <em>Wenn die Trauer kommt &#8211; so geht sie wieder</em> auf Platz eins ab. Aber auch der Trauerratgeber ist nach wie vor stark nachgefragt. Nur mit kleinem Abstand dahinter folgt der neue Satirenband <em>Du mich auch!</em>.<br />
Es folgen die Ratgeber <em>Hörgerät &#8211; und nun?</em>, <em>Bestatter: Abzocke und Fehler vermeiden</em> und <em>Digitaler Tatort Internet</em>.<br />
Etwas abgeschlagen läuft <em>Nicht senil, nur schwerhörig und ich will kein Hörgerät</em>.</p>
<p>Ich hatte ja in der Vergangenheit immer Erfolg mit längeren Buchtiteln, wie beispielsweise <em>Darf ich meine Oma selbst verbrennen?</em>. Bei meinem Hörgeräte-Ratgeber <em>Nicht senil&#8230;</em> habe ich mich auch für einen so langen Titel entschieden, muss aber feststellen, dass das nicht ganz so gut funktioniert.<br />
Da muss ich mir was überlegen.</p>
<p>Ein guter Freund, Ratgeber und Journalist hatte den Titel <em>Digitaler Tatort Internet</em> für zu schlagzeilenartig gehalten. Aber es zeigt sich, dass Ratgeber besser gefunden und verkauft werden, wenn die Titel griffig sind und gleich sagen, um was es geht.</p>
<p>Bei <em>Wenn die Trauer kommt &#8211; so geht sie wieder</em> ist es gelungen, einen langen Titel und die Aussagekraft zu vereinen. </p>
<p><em>Mori &#8211; Der Teufel von Waibstadt</em> erzählt die Geschichte eines brutalen Hochstaplers und Verbrechers, dem es gelingt, für kurze Zeit eine Schreckensherrschaft über eine ganze Stadt zu errichten.<br />
Ein wahrer Teufel in Menschengestalt, der keine Schandtat auslässt. Zwar hat der 500-seitige Roman einen lokalen Bezug, ist aber weder ein Heimatroman, noch nur für Ortskundige interessant. Mori hätte überall auftauchen, morden und rauben können. Vielmehr ist der Roman ein sauber recherchiertes Zeitbild, das den Trubel am Ende des Zweiten Weltkriegs sehr detailgetreu einfängt.</p>
<p>Was mich besonders freut, sind die vielen positiven Rezensionen. Es melden sich tatsächlich auch Menschen, die diese Zeit noch miterlebt haben oder deren Angehörige davon betroffen waren.<br />
Sie alle schreiben, wie authentisch das Buch ist und wie gut ich die Leute, die Orte und die Umstände getroffen habe. Das macht mich stolz.</p>
<p>Das Satirenbuch <em>Du mich auch!</em> ist die seit Jahren von meinen Leserinnen und Lesern erwartete Fortsetzung des Erfolgstitels <em>Zum Hieressen oder zum Mitnehmen?</em>. Viele kurze Geschichten zum Lachen, Staunen und Kopfschütteln. </p>
<p>Den Ratgeber <em>Hörgerät &#8211; und nun?</em> habe ich auf Nachfrage von Hörakustikern und der Hörgeräteindustrie geschrieben. Menschen, die erstmals ein Hörgerät vom HNO-Arzt verordnet bekommen haben, stehen vor vielen Fragen. Unsere gut ausgebildeten Hörakustiker beantworten diese natürlich auch gerne. Aber da ist oft auch viel Marketing-Blabla dabei und manchmal auch Fachchinesisch. Mein Ratgeber hingegen bringt es leicht verständlich auf den Punkt und hilft den Hörgeräte-Neulingen wirklich weiter. Dieser Ratgeber ist bewusst kompakt und konzentriert sich auf das Wesentliche. Wer mehr wissen will, für den ist das nächste Buch genau das Richtige.</p>
<p>Noch wertvoller als der kompakte Ratgeber <em>Hörgerät &#8211; und nun?</em> ist das umfassende Werk <em>Nicht senil, nur schwerhörig &#8211; und ich will kein Hörgerät</em>.<br />
Er enthält im Grunde auch alle wichtigen Informationen für Hörgeräteeinsteiger, dringt aber tiefer in die Thematik vor. Er widmet sich u.a. dem wichtigen Thema, wie man als Angehöriger vorgehen kann, wenn sich ein betagter Mensch, vielleicht auch altershalsstarrig, dem medizinischen Hilfsmittel Hörgerät verweigern will.<br />
Ein weiterer Aspekt, dem sich der Ratgeber umfangreich widmet, ist die Eingewöhnung. Viele Leute glauben nämlich, man müsse sich die Hörgeräte einfach nur in die Ohren stecken und alles wäre sofort wieder schick.<br />
Ist aber nicht so. Am Anfang klingt alles fremd, oft blechern und nervig. Hier ist die Eingewöhnung das A und O. In meinem Buch helfe ich den Betroffenen durch diese manchmal nicht ganz einfache Zeit. Das hilft mit, dass die teuren, von uns allen mitfinanzierten, Hörgeräte nicht in der Schublade landen, sondern auch getragen werden.</p>
<p>Ein ebenfalls ganz wertvoller Ratgeber ist der Trauerratgeber <em>Wenn die Trauer kommt, so geht sie wieder</em>. Man kann sich noch so gut auf den Moment vorbereiten, was die meisten ja gar nicht tun, wenn ein Trauerfall eintritt, steht man auf einmal vor einer Situation, die einem unwahrscheinlich viel abverlangt. In diesem Ratgeber habe ich alles zusammengetragen, was mir als Bestatter, Psychologe und Theologe zu dem Thema an wertvollen Ratschlägen einfällt.<br />
Ich bin glücklich, weil mir ganz, ganz viele Leserinnen und Leser schreiben, wie ihnen mein Buch geholfen hat. Beim Verfassen des Buches bin ich so vorgegangen, dass ich mir überlegt habe, welche Fragen, Probleme und Gefühle ich bei den Todesfällen in meiner Familie und meinem Umfeld hatte. Diese fachlichen und persönlichen Erfahrungen ergeben ein Buch, das wirklich helfen kann.</p>
<p>Mein Internet-Ratgeber <em>Digitaler Tatort Internet</em> ist für jedermann gedacht, der/die im Internet unterwegs ist, SPAM-Mails bekommt oder in den sozialen Netzwerken vielleicht zu viel von sich offenbart hat.<br />
Die Gauner lauern überall und sie wissen genau, mit welchen Tricks sie anderen das Geld aus der Tasche ziehen können. Was aufgeklärteren Leuten oft vorkommt, als seien da Dumme in eine Falle getappt, entpuppt sich oft als fintenreiche Masche, die auch erfahrenen Nutzern, die sich im Grunde gut auskennen, hohe Summen kosten können. Vor den Verbrechern ist niemand wirklich sicher.<br />
Das fängt ja schon beim vielbesprochenen Enkeltrick an, geht aber noch viel weiter. Mir sind bei meinen Recherchen Fälle untergekommen, bei denen Ehepaare ihr Haus, ihr Hab und Gut und alles sonst verloren haben. In einem Fall haben die braven Menschen in gutem Glauben über eine Million Euro an einen polnischen Verbrecher-Clan verloren.</p>
<p>Wenn Du mehr über meine Bücher erfahren möchtest, <a href=https://dreibeinblog.de/die-buecher-von-peter-wilhelm/>findest Du hier alle Informationen</a>.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/645eb2421aa641bcaf24af1987717b2c" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/645eb2421aa641bcaf24af1987717b2c" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Meine Blogs jetzt bei blogs50plus – eine schöne Idee, die ich gern unterstütze</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Jan 2026 02:25:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Internes]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich habe mich mit meinen Blogs der Plattform blogs50plus angeschlossen. Das ist eine sympathische, klug gedachte und inzwischen fest etablierte Sammlung von Weblogs, die von Menschen betrieben werden, die jenseits<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/meine-blogs-jetzt-bei-blogs50plus-eine-schoene-idee-die-ich-gern-unterstuetze/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe mich mit meinen Blogs der Plattform <strong>blogs50plus</strong> angeschlossen. Das ist eine sympathische, klug gedachte und inzwischen fest etablierte Sammlung von Weblogs, die von Menschen betrieben werden, die jenseits der 50 sind – viele über 60, manche deutlich darüber. Eine Auflistung also nicht nach Themen, Reichweiten oder Marketingkriterien, sondern nach Lebenserfahrung.</p>
<p>Der Gedanke dahinter gefällt mir sehr. Wer über fünfzig ist, hat in aller Regel schon einiges erlebt, gesehen, ausprobiert, verworfen, neu begonnen. Und viele schreiben darüber – in sehr unterschiedlicher Form, über völlig verschiedene Themen, mit ganz eigener Handschrift. Für Leserinnen und Leser kann es durchaus interessant, aufschlussreich oder manchmal auch überraschend sein zu wissen: Da schreibt kein Twen, kein Start-up-Coach, kein Influencer, sondern ein Mensch, der schon ein paar Jahrzehnte gelebtes Leben mitbringt.</p>
<p><strong>blogs50plus</strong> ist dabei keine neue Idee, sondern im besten Sinne ein gewachsenes Projekt. Die Plattform startete bereits 2016, also vor rund zehn Jahren, als erste zentrale Liste speziell für Blogs von Menschen über 50. Inzwischen ist daraus eine bekannte Anlaufstelle geworden – für Neugierige, für Menschen, die gezielt nach solchen Stimmen suchen, für Journalisten auf der Suche nach Themen oder Gesprächspartnern, und für Bloggerinnen und Blogger selbst, die sich vernetzen oder einfach gegenseitig entdecken möchten.</p>
<p>Was mir besonders sympathisch ist: <strong>blogs50plus</strong> versteht sich nicht als redaktionell gelenkte Community, sondern als kunterbuntes Spektrum. Hier geht es nicht um Altersromantik und auch nicht um das endlose Kreisen um Zipperlein. Im Gegenteil: Die Liste zeigt sehr deutlich, wie vielfältig Interessen, Themen, Haltungen und Ausdrucksformen sein können, wenn Menschen mit langer Lebensgeschichte schreiben. Ob Fotografie, Technik, Politik, Reisen, Literatur, Garten, Gesellschaft, Kunst, Alltagsbeobachtungen oder hochspezialisierte Nischenthemen – alles ist vertreten. Wie jemand schreibt, worüber und in welchem Ton, bleibt den Bloggerinnen und Bloggern selbst überlassen. Zensiert wird nicht, solange ein Mindestmaß an Anstand, Ethik und Faktenbezug eingehalten wird und keine extremistischen Inhalte verbreitet werden.</p>
<p><strong>blogs50plus</strong> ist ausdrücklich ein Leidenschaftsprojekt: eine lebendige Sammlung, aber keine Plattform mit Foren, Zwangsaktivitäten oder Community-Ritualen. Und genau darin liegt auch der Reiz. Es geht um Sichtbarkeit, um Auffindbarkeit, um leichtere Vernetzung – und um die Freude, neue Blogs zu entdecken oder selbst leichter gefunden zu werden.</p>
<p>Ich freue mich, mit meinen Blogs nun Teil dieser Liste zu sein. Nicht als Qualitätssiegel, sondern als Zugehörigkeitserklärung: zu einer Generation von Schreibenden, die nicht mehr alles werden muss, aber viel zu erzählen hat. Vielleicht ist <strong>blogs50plus</strong> ja auch für den einen oder die andere von Euch interessant – als Fundgrube, als Inspirationsquelle oder einfach als Einladung zum Stöbern in ganz unterschiedlichen Lebenswelten.</p>
<p>Wenn Du mal nachschauen möchtest, was es bei den Ü50ern so alles gibt, geht es hier lang: <a href="https://blogs50plus.de" rel="noopener">https://blogs50plus.de</a></p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/d9282f23eb2045e6bdded8745d7d9e5a" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/d9282f23eb2045e6bdded8745d7d9e5a" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>50 Shades of Elisabeth</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 Jan 2026 05:00:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Abschied im Alter]]></category>
		<category><![CDATA[Abschied nehmen]]></category>
		<category><![CDATA[alter Mann und Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[berührende Trauergeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[letzte Abschiednahme]]></category>
		<category><![CDATA[Tod der Ehefrau]]></category>
		<category><![CDATA[Tod und Menschlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Trauerarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Umgang mit Verstorbenen]]></category>
		<category><![CDATA[würdevolle Bestattung]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;Moment mal, darf ich das machen?&#8220; Das fragte mich Herr Lorenz. Der 89-jährige ehemalige Klempner hatte uns zwei Stunden zuvor angerufen und den Tod seiner Frau Elisabeth gemeldet. Elisabeth Lorenz<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/50-shades-of-elisabeth/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Moment mal, darf ich das machen?&#8220;</p>
<p>Das fragte mich Herr Lorenz. Der 89-jährige ehemalige Klempner hatte uns zwei Stunden zuvor angerufen und den Tod seiner Frau Elisabeth gemeldet.<br />
Elisabeth Lorenz war, so der lapidare Eintrag auf der Todesbescheinigung des Arztes, an Herzversagen gestorben. Sterben wir nicht letztenendes alle immer an Herzversagen?<br />
Etwas mehr konnte uns der Witwer erzählen. Seine Frau habe vor drei Wochen einen hartnäckigen Dauerhusten bekommen, der sich dann aber gelegt habe. Eigentlich waren beide froh gewesen, dass es ihr besser ging, als sich die 92-Jährige gestern Abend, über allgemeine Mattigkeit klagend, vorzeitig hingelegt hatte. Aus dem Schlaf war sie nicht mehr erwacht.</p>
<p>&#8222;Ach, wissen Sie, in unserem Alter, da weiß man doch, dass der Zappendustermann jederzeit vorbeikommen kann. Wir sind ja nicht blöd&#8220;, hatte Herr Lorenz gesagt, als er mir die Todesbescheinigung vom Arzt herüberreichte.</p>
<p>Ich saß zu diesem Zeitpunkt an seinem Küchentisch, auf der Anrichte broppelte sich Kaffee durch einen Melitta-Filter und nebenan kümmerte sich meine Mitarbeiterin Sandy um die Verstorbene. Ich war froh, die junge Deutsch-Amerikanerin mitgenommen zu haben, denn der alte Herr hatte Kleidung für seine Frau rausgelegt und wollte unbedingt, dass sie vor der Überführung noch einmal schön gemacht werde.</p>
<p>Geschäftig wackelte der kleine, alte Mann auf seinen krummen Beinen zwischen den Zimmern der geräumigen Wohnung hin und her. Ich wusste, dass die Aktivität ihm half, mit der Situation fertigzuwerden.<br />
Er holte Sachen aus dem Badezimmer, kochte mir in der Küche Kaffee, schaute immer wieder bei seiner Elisabeth vorbei, und die ganze Zeit über plapperte er, so als ob Elisabeth ihn noch hören konnte.</p>
<p>&#8222;Ach Lisbeth, jetzt wirste nochmal schön gemacht. Weisste noch, wie wir vor fünf Jahren im Theater waren? Ich hab’ Dir das Kleid von damals rausgelegt.&#8220;</p>
<p>&#8222;Betty, Betty, jetzt isses bald soweit, dass Du von mir weggehst. Muss aber sein, brauchst keine Angst zu haben, das sind ganz, ganz nette Leute.&#8220;</p>
<p>&#8222;Lissi, die junge Frau macht das sehr schön, ich geh&#8216; jetzt mal in die Küche zu dem Mann, ich komm&#8216; aber wieder.&#8220;</p>
<p>Ich wusste gar nicht, wie viele Varianten des Vornamens Elisabeth man bilden kann. Oder genauer gesagt: Ich wusste es schon, denn in meiner Verwandtschaft gab es gleich zwei Tanten namens Elisabeth, aber mir war neu, dass sich ein Ehemann nach so vielen Jahren nicht auf eine Lieblingsvariante festgelegt hatte.</p>
<p>&#8222;Übernächstes Jahr wären wir 70 Jahre verheiratet gewesen. Da wollten wir noch einmal nach Garmisch-Partenkirchen fahren, wo wir uns kennengelernt haben, damals nach dem Krieg.&#8220;</p>
<p>Die Familien von Elisabeth und Horst Lorenz stammten beide aus einer Großstadt im Norden Baden-Württembergs. Während der schweren Bombardierungen waren die Mütter mit den Kindern ins etwas sichere südliche Bayern zu Verwandten gezogen. Dort hatten sich Elisabeth und Horst später kennengelernt und geheiratet. Als Elisabeth schwanger wurde, beschlossen sie, nach Baden-Württemberg zurückzukehren, weil es da mehr Arbeit gab.</p>
<p>Als Klempnergeselle und später als angestellter Meister in der Industrie hatte Herr Lorenz immer ganz gut verdient. Einen düsteren Schatten auf das Leben der jungen Familie warf der frühe Tod des Sohnes, der mit 8 Jahren von einem Auto überfahren worden war.</p>
<p>Weitere Kinder hatte das Ehepaar Lorenz nicht bekommen, was die beiden aber nur noch mehr zusammengeschweißt hatte.</p>
<p>&#8222;Sehen Sie, wir haben begriffen, dass es so viele Kinder ohne Eltern gibt, da haben wir uns gesagt, dass wir denen helfen. Meine Frau wollte kein Kind mehr. Ich glaube, die hat Angst davor gehabt, dass wieder was passiert, verstehen Sie?&#8220;</p>
<p>Ich nickte, und schon wieder war Herr Lorenz in ein anderes Zimmer gelaufen, diesmal, um ein Fotoalbum zu holen. Während er das Fotoalbum eng umklammert vor der Brust hielt, erzählte der alte Herr weiter.</p>
<p>&#8222;Wir haben uns vom Herrn Pastor Schäferhirth sagen lassen, wo Not am Mann ist, und dann haben wir diesen Familien geholfen. Mal war die Mutter jung verstorben, mal der Vater im Gefängnis. Ich bin jede Woche in den Großmarkt und hab den Kofferraum vollgemacht. Dann haben wir den Leuten die Sachen gebracht. Leider durfte der neue Pastor, der nach dem Pastor Schäferhirth gekommen ist, uns keine Namen mehr sagen. Das war wegen dem Datenschutz. Das Jugendamt hat uns auch nicht gesagt, wem wir noch helfen konnten. Diese Frau vom Jugendamt war uns nicht wohlgesonnen. Die meinte, wir würden uns in ihr Fachgebiet einmischen. Dann haben wir uns erkundigt, ob wir nicht ein Pflegekind aufnehmen könnten, das gibt es ja auch. Da hat die blöde Kuh, t&#8217;schulligung, wenn ich das so sage, das hat diese blöde Kuh mir und meiner Frau doch tatsächlich unterstellt, wir wären nur auf das Pflegegeld vom Jugendamt aus. Die hat gesagt: &#8218;Da kommen oft irgendwelche Leute und wollen fett absahnen mit den Pflegekindern. Glauben Sie mir, da schauen wir doppelt genau hin.&#8216;<br />
Stellen Sie sich das mal vor! Lisbett und ich haben dann gesagt, dass wir uns diesen Ärger mit dem Amt lieber ersparen.<br />
Also haben wir selbst nach Menschen gesucht, die Hilfe brauchen. Man muss nur zum Bahnhof fahren.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und dann? Dann haben Sie Leuten am Bahnhof Essen gebracht?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, anfangs schon. Dann haben wir aber Rosi kennengelernt, die war erst 14 und lebte schon über ein Jahr auf der Straße. Warum kümmert sich keiner um solche Kinder? Wir haben sie bei uns aufgenommen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Einfach so?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, einfach so. Was ist denn besser? Jetzt mal ehrlich? Wenn die auf der Straße lebt und für ein bißchen Alkohol oder Drogen von Männern angegrapscht wird, oder wenn sie bei uns wohnt und essen, trinken und baden kann?&#8220; </p>
<p>&#8222;Aber irgendwer wird sie doch vermissen? Diese Rosi hatte doch Familie?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, einen Vater, den sie nicht kannte, und eine alkoholkranke Mutter, die jeden Tag drei Kerle zu sich in die Wohnung mitbrachte.&#8220;</p>
<p>&#8222;Hammergeschichte!&#8220;</p>
<p>&#8222;Zwei Jahre war sie bei uns, dann ist sie mit unserem Sparschwein abgehauen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Die hat sie bestohlen?&#8220;</p>
<p>Herr Lorenz grinste. &#8222;Ja, aber das Sparschwein haben wir extra dafür hingestellt. Wir hatten inzwischen herausgefunden, dass Rosis ältere Schwester in Dormagen wohnt, und davon hatten wir ihr erzählt. Dann kam eines Tages das Jugendamt. Die wollten Rosi gleich mitnehmen und uns bestrafen. Wir hätten Kindesentziehung begangen. Meine Frau hat dann gesagt: &#8218;Wie kann man ein Kind entziehen, das freiwillig bei einem wohnt und einen Haustürschlüssel hat?&#8216;. Am nächsten Abend ist die Frau vom Jugendamt dann mit der Polizei hier aufgetaucht.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und dann?&#8220;</p>
<p>&#8222;Da war Rosis Zimmer leer, ihre Tasche war weg und das Sparschwein auch. Wir sind dann befragt worden und haben der Polizei gesagt, Rosi sei bestimmt zu ihren Verwandten nach Rostock gefahren.&#8220;</p>
<p>&#8222;Dormagen!?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, richtig, aber wir haben trotzdem Rostock gesagt. Sollen die sich doch an der Ostsee einen Wolf suchen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und haben Sie sich keine Sorgen um das Mädchen gemacht?&#8220;</p>
<p>&#8222;Schon, irgendwie schon, aber wir wussten, dass sie zu was Gutem gereist ist, sie hat nämlich die Schulbücher mitgenommen, aus denen wir sie unterrichtet hatten.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und sind Sie bestraft worden?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nein. Die Frau vom Jugendamt hat uns zwar gedroht und gemeint, wir müssten beide ins Gefängnis, aber da ist nie was gekommen. Wir haben das dann noch bestimmt fünfzig mal gemacht.&#8220;</p>
<p>&#8222;Was?&#8220;</p>
<p>&#8222;Leute von der Straße geholt und sie bemuttert. Für meine Frau war das wichtig, sie konnte da ihre Muttergefühle unterbringen, und mir war es wichtig, dass wir unser Geld nicht für so&#8217;n Scheiß wie Urlaub oder &#8217;nen Schrebergarten ausgeben, sondern für Menschen, die das echt brauchen.<br />
So waren der 40-jährige Pavel, der Robert, die Lena und die kleine Yana bei uns. So viele Menschen, so viele arme Seelen. Manchmal ein paar Wochen, manchmal nur ein paar Tage. Yana kam immer mal wieder für eine oder zwei Wochen vorbei. Wissen Sie, wir haben viele Sparschweinchen kaufen müssen. Aber wir haben sie gerne gekauft und gerne gefüllt.&#8220;</p>
<p>Sandy kam in die Küche, blieb aber an der Tür stehen und schaute mich an. Sie brauchte meine Hilfe. Ich sagte: &#8222;Ich komme, ich helfe Dir.&#8220; Sie lächelte entschuldigend und meinte: &#8222;Nur beim Anziehen eben.&#8220;</p>
<p>Und da sagte Herr Lorenz: &#8222;Moment mal, darf ich das machen?&#8220;</p>
<p>Gemeinsam mit dem alten Mann zogen wir Elisabeth Lorenz an, falteten ihr die Hände, und dann traten Sandy und ich beiseite, während Horst Lorenz seiner Elisabeth ganz vorsichtig die Haare kämmte. &#8222;Siehste, Betty, jetzt bist Du wieder schön. So können wir Dich unter die Leute lassen.&#8220;</p>
<p>Dann trat er einen Schritt zurück, schaute auf seine Frau, dann blickte er uns an und fragte: &#8222;Ist sie nicht wunderschön? Ich hab&#8216; mich vor vielen Jahren mit einem Schlag in sie verliebt und habe das keine Sekunde bereut.&#8220;</p>
<p>Eine Weile später hatten wir die alte Dame in den Bestattungswagen geladen, und Herr Lorenz stand am Straßenrand und schaute zu, wie die Klappe des Leichenwagens langsam zuging.</p>
<p>&#8222;Sagen Sie mal&#8220;, fragte er mich, „krieg ich einen Schlüssel?&#8220;</p>
<p>&#8222;Was für einen Schlüssel?&#8220;</p>
<p>&#8222;Na ja, Sie bringen die ja jetzt irgendwohin, in ihre Leichenkammer, nehme ich an. Und da will ich meine Lisa besuchen können, dafür brauch&#8216; ich doch aber einen Schlüssel.&#8220;</p>
<p>&#8222;Kommen Sie morgen zu uns ins Bestattungshaus, dann zeige ich Ihnen alles, und wo Ihre Frau bis zur Beerdigung ist. Sie bekommen dann einen Schlüssel, ist doch klar.&#8220;</p>
<p>Er nahm meine Hand und meinte: &#8222;Sie müssen auch kein Sparschwein aufstellen, nur dass Sie das wissen.&#8220;</p>
<p>Über zwanzigmal war der kleine, alte Mann auf seinen wackeligen Beinen zu uns gekommen und hatte seine Lia, Betty, Lissie, Lisa oder Elisabeth besucht. Sie hatte immer frische Blümchen in den Händen.</p>
<p>Sechs Tage später ist die Trauerfeier von Elisabeth Lorenz. In der Trauerkapelle des Friedhofs ist es kalt und ungemütlich. Das altersschwache Harmonium mag die Kälte ebenfalls nicht. Es jault bei den hohen Tönen jämmerlich.<br />
Der Pastor findet keine persönlichen Worte, leiert Vorgedrucktes herunter, und dabei zittert seine Unterlippe, ihm ist auch kalt.</p>
<p>In der ersten Reihe sitzen Herr Lorenz, Sandy und ich.</p>
<p>Sonst ist niemand gekommen.</p>
<p>&#8222;Tschüß, Lisbeth&#8220;, schluchzt Herr Lorenz in ein Taschentuch, als der Sarg hinausgefahren wird.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/67433626b1bd4bb7949f7c1e3c0bdb2b" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/67433626b1bd4bb7949f7c1e3c0bdb2b" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Der Automat</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Jan 2026 11:52:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Automat]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Internet ist Segen und Fluch zugleich. Nie zuvor konnten sich Menschen so schnell und so umfassend informieren. Nie war Wissen so leicht verfügbar. Und: Nie zuvor konnten sich Menschen<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/der-automat/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Internet ist Segen und Fluch zugleich. Nie zuvor konnten sich Menschen so schnell und so umfassend informieren. Nie war Wissen so leicht verfügbar. Und: Nie zuvor konnten sich Menschen so schnell und umfassend mit Blödsinn versorgen. Nie war dummes Zeug so leicht verfügbar.</p>
<p>Es ist der Enkelsohn, der dieses Mal Schwierigkeiten mit dem Denken hat. &#8222;Wir haben uns vorher im Netz schlau gemacht, wir wissen schon über alles Bescheid!&#8220;, verkündet er und ich sehe, dass er nur sich selbst meint, denn die 92-jährige Großmutter, die er begleitet, hat ganz bestimmt nicht &#8222;im Netz geschaut und Herrn Google gefragt&#8220;.</p>
<p>Wo denn das Cafè Bäumler bitte schön seinen Aufschnitt herbeziehe, will er wissen. &#8222;Wenn Sie das schon für den Leichenschmaus empfehlen, müssen Sie auch sagen können, wo das Zeug herstammt.&#8220;<br />
Ich zucke mit den Schultern und schüttele langsam den Kopf.<br />
Er tippt mit dem Zeigefinger auf meinen Schreibblock: &#8222;Na los, aufschreiben. Finden Sie das heraus!&#8220;</p>
<p>Er habe gelesen, dass Bestatter bis zu 1.000 Euro dafür verlangen, dass vier Sargträger den Sarg zum Grab tragen. Das wollen deshalb seine Cousins und er selbst machen. &#8222;Das können Sie gleich streichen, dafür geben wir kein unnötiges Geld aus.&#8220;</p>
<p>Ich erkläre ihm, dass das bei uns in der Stadt von der Friedhofsverwaltung erledigt wird. Die stellt die Sargträger, und die Kosten dafür sind in der Friedhofsgebühr enthalten. Man kann das nicht einfach so abbestellen, aber wenn, dann würde das sicherlich keine 1.000 Euro ausmachen, sondern vielleicht 180 oder so.</p>
<p>&#8222;Das ist ja der Hammer! So wird man vom Staat abgezockt! Ich habe aber schon gesehen, dass Bundeswehrsoldaten hier auf dem Friedhof einen Kameraden im Sarg getragen haben. Was sagen Sie jtzt?&#8220;</p>
<p>&#8222;Das ist richtig. Auch die Feuerwehr und die Polizei macht das manchmal so. Erst vor einigen Wochen hat sogar ein Karnevalsverein die Sargträger selbst gestellt. Aber, was Sie beobachtet haben, ist das Hochnehmen des Sarges in der Trauerhalle und das Tragen des Sarges zum Sargwagen vor der Halle. Denn der Sarg wird auf diesem fahrbaren Untersatz zum Grab gefahren und dort dann von den städtischen Sargträgern ins Grab abgelassen. Das ist nämlich nicht so ohne und die Versicherung lässt gar nicht zu, dass das Fremde machen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Nee, nee, nee, das können Sie mir nicht erzählen. Ich habe mir Videos im Netz angeschaut und da sieht man, dass der Sarg nur auf so grüne Gurte gestellt wird und vollelektrisch von alleine in die Grube fährt. Das kriegen wir wohl auch noch hin.&#8220;</p>
<p>&#8222;So einen Sargabsenkungsautomaten gibt es hier auf den Friedhöfen aber nicht.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und Sie als Unternehmen haben so eine Selbstverständlichkeit auch nicht?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nö, brauchen wir ja nicht, denn wie gesagt wird das von den städtischen Sargträgern erledigt.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und wenn Sie jetzt so einen Apparat kaufen würden?&#8220;</p>
<p>&#8222;So ein Sargabsenker kostet einige tausend Euro und das ist viel Geld für einen Artikel, den wir nicht benötigen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ist ihr Unternehmen so umsatzschwach, dass Sie sich das nicht leisten können?&#8220;</p>
<p>Unterm Tisch balle ich kurz eine Faust, überm Tisch lächele ich. &#8222;Wie gesagt, gibt es nicht, haben wir nicht, benötigen wir nicht.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wo kann man die denn kaufen? Wollen Sie sich nicht doch mal informieren?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nein, wir haben keinen solchen Automaten und wir schaffen auch keinen an.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wir möchten aber die 1.000 Euro sparen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Erstens kostet das keine 1.000 Euro und zweitens müssten Sie da mal mit der Friedhofsverwaltung selbst sprechen. Wir melden den Sterbefall nur dort an. Sie sind der Auftraggeber und der Vertragspartner der Verwaltung.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wo kauft man denn so einen Absenkungsautomaten? Sie müssen doch einen Lieferanten für so etwas haben.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ich kenne auch einen Lieferanten für Holzbeine, ich schaffe mir aber trotzdem keins an.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wollen Sie mich verarschen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Es gibt keinen Automaten.&#8220;</p>
<p>&#8222;Hab ich aber auf Video gesehen!&#8220;</p>
<p>&#8222;Es gibt HIER keinen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Warum nicht?&#8220;</p>
<p>&#8222;Hab ich Ihnen schon erklärt.&#8220; Und dann wende ich mich an die 92-Jährige und frage: &#8222;Und, Frau Gießer, was meinen Sie dazu?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ich hab schon Angst vor dem Bankautomat und schicke immer Schwester Christel vom Pflegedienst, damit sie mir Geld holt.&#8220;</p>
<p>&#8222;Was, Oma? Wie kannst Du einer wildfremden Person Deine Bankkarte geben?&#8220;</p>
<p>Der Sargabsenker und der Aufschnitt im Café sind mit einem Mal vergessen. Der Enkel hat nur noch ein Thema: Weshalb er die Bankkarte von der Oma nie kriegt und die wildfremde Pflegeschwester doch.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/9307f5a1ab9b4018a41398990a2bbfd4" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/9307f5a1ab9b4018a41398990a2bbfd4" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Gefährliche Bestien und andere Fußhupen</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/gefaehrliche-bestien-und-andere-fusshupen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Jan 2026 10:35:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Menschen]]></category>
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					<description><![CDATA[Jetzt kommt am Wochenende nur noch Benji, der griechische Mischling, zu Besuch. Unsere Hunde sind leider gestorben. Aber ich hatte über 40 Jahre lang Hunde. Und mit denen muss man<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/gefaehrliche-bestien-und-andere-fusshupen/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt kommt am Wochenende nur noch Benji, der griechische Mischling, zu Besuch. Unsere Hunde sind leider gestorben. Aber ich hatte über 40 Jahre lang Hunde.</p>
<p>Und mit denen muss man spazieren gehen. Weil meine Hunde gut erzogen waren und sehr gut gehorchten, konnte ich oft auch ohne Leine mit ihnen gehen. Die meiste Zeit war es aber notwendig, sie anzuleinen. Schon wegen der Jogger, die immer um einen brav neben einem herlaufenden Hund einen irren Tanz aufführen und dann rufen: &#8222;Nehmen Sie das gefährliche Tier an die Leine.&#8220;<br />
Und wegen der Muttis, die in 200 Meter Entfernung schon ihre kleine Fußhupe hochnehmen und um Hilfe schreien, obwohl mein Hund brav bei Fuß bleibt.</p>
<p>Die Hundeleinen gibt es ja in verschiedenen Ausführungen. Ich hatte immer welche aus Leder, die in der Länge verstellbar waren. In letzter Zeit hatte ich immer geflochtene Retrieverleinen.</p>
<p>Was ich nie hatte, sind diese automatischen Aufwickelleinen, die sich auf viele Meter ausziehen und auf Knopfdruck wieder aufrollen lassen. Die sind ja schon vom Grundprinzip her Quatsch. Denn, um etwas mehr Raum bzw. Abstand zu kriegen, muss der Hund ja an der Leine ziehen, auch um die Aufwickelfeder zu spannen. Und genau das möchte man ja eigentlich nicht haben, dass der Hund an der Leine zieht. Mit solchen Leinen trainiert man seinem Hund aber genau das an: Zieh mal ordentlich!</p>
<p>Was ich aber überhaupt nicht verstehe, sind die Leute, die ihre Hunde an der langen Leine einfach machen lassen, was sie wollen, und offenbar gar nicht mitbekommen, wenn die an Haustüren, Garagentore oder in Vorgärten pissen.</p>
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		<title>Waidmannsheil</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/waidmannsheil/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Jan 2026 08:19:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[waidmannsheil]]></category>
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					<description><![CDATA[Herr Waldemar von Bockbüchs ist passionierter Jäger und schießt bei passender Gelegenheit in seinem Jagdrevier Tiere tot. Das muss so sein, sagen die Jäger, das sei Barbarei, sagen die Gegner.<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/waidmannsheil/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Herr Waldemar von Bockbüchs ist passionierter Jäger und schießt bei passender Gelegenheit in seinem Jagdrevier Tiere tot. Das muss so sein, sagen die Jäger, das sei Barbarei, sagen die Gegner. </p>
<p>Das hindert den pensionierten Rechtsgelehrten mit ehemals eigener Kanzlei im Fachgebiet sulawesisches Patentrecht nicht daran, sich regelmäßig in die grüne Kutte zu schwingen und behenden Schrittes mit der Flinte auf der Schulter auf seinen Hochstand zu hieven, um dort auf allerlei zwei- und vierbeiniges Getier zu lauern.</p>
<p>Das schmecke gut, wenn&#8217;s denn mal tot und von seiner Frau Diana mit herrlichen Gewürzen zu einer schmackhaften Speise zubereitet worden sei, meint Herr von Bockbüchs, und das sei niederträchtige Tötungsabsicht, meinen seine Gegner. Letzterem stimmt sogar von Bockbüchs zu, wehrt sich nur gegen das Wort ‚niederträchtig‘ und gibt unumwunden die Tötungsabsicht zu, da sich Sauen insbesondere in ungetötetem Zustand sicherlich dem Würzen und Zubereiten widersetzen würden.</p>
<p>Das hinderte aber unlängst eine Rotte ebenso niederträchtiger Jagdgegner nicht daran, dem Hochstand des Herrn von Bockbüchs mit einer Säge einen heimtückischen Besuch abzustatten und die Sprossen im oberen Bereich anzusägen. Ritzeratze voller Tücke … (um auch mal den von mir hochverehrten Meister Busch hier zu Wort kommen zu lassen).</p>
<p>Nun blieb das Erwartete aus und Waldemar von Bockbüchs brach nicht durch seine Leiter und sich infolgedessen irgendeines seiner Glieder, wie es die böswilligen Tierliebhaber wohl geplant hatten, sondern die Sprossen gaben dergestalt nach, dass sie zwar brachen, es dem Alten aber dennoch gelang, unter Fortwerfung seiner Flinte und seines Rucksacks die Plattform seines Ansitzes in achteinhalb Metern Höhe unversehrt zu erreichen.</p>
<p>Wie lange der Waidmann dort ohne Verpflegung und Handy ausgeharrt hatte, konnte später nicht mehr genau festgestellt werden, drei Tage aber wurde er vermisst. Einige, zuvor bei der Jagd verschonte, Waldestiere hatten sich auf höchst undankbare Weise über den, durch einfaches Hinwegsterben infolge einer Herzattacke entstandenen, Leichnam des Herrn von Bockbüchs hergemacht. </p>
<p>Es seien Tiere gewesen, die größere Höhen erklimmen können, hatte die Polizei hirngemäß, sachrichtig und überflüssigerweise festgestellt und dann der eben erst dazu gewordenen Witwe den Anblick des Dahingeblichenen anständigerweise erspart. Uns blieb das leider nicht erspart, und wenn man meine unmaßgebliche Meinung hören wollte, so würde ich sagen, dass es Krähen oder artverwandte Vögel gewesen sein müssen, die innerhalb der drei Tage, die von Bockbüchs abgängig war, sein einstmals edles Adelsantlitz in ein Pfund Gehacktes verwandelt hatten.</p>
<p>Seine Frau Diana bestellte bei uns eine standesgemäße Beerdigung für ihren Gatten, in deren Verlauf viel geblasen wurde. Frauen tuteten nasenweise in weiße Tücher, Männer immer wieder mit den Lippen in irgendwelche grünumwickelten Tuthörner. </p>
<p>Irgendwann, mehr als eine Stunde später, war der Sarg dann endlich, unter abermaligem Abblasen aller bekannten zweitönigen Jagdmelodien, in der Grube verschwunden, und Frau von Bockbüchs sagte zum Abschied die herzergreifenden Worte: &#8222;Tschüß, mein Hase.&#8220;<br />
Dann war es vorbei und die vorwiegend grünbekutteten Herren schnappten sich ihre weniger grünen Frauen und man zog gemeinsam in den Waldgasthof &#8222;Zum brünftigen Hirschen&#8220; um sich an allerlei Wildbret zu laben.</p>
<p>Wir hatten diese Zeremonie ganz nach den Wünschen der Witwe zelebriert, und man hört, die Jägerschaft sei sehr zufrieden gewesen.<br />
Auch Frau von Bockbüchs war das und kam etwa zwei Wochen nach dem grünen Spektakel zu uns und brachte uns in einer zum Zerbrechen steifgefrorenen Aldi-Tüte ein paar Stücke fleischbehangenen Gebeins. &#8222;Das ist Reh! Nehmen Sie das als kleines Zeichen meiner Dankbarkeit, ich hab’ ja so die Truhe voll, das kann ich alte Frau alleine niemals essen.&#8220;</p>
<p>Nein, man kann nichts Schlechtes über die Proteinspende der lieben Frau sagen. So in Rotweinsauce entpuppte sich das Fleischgebein als leckere Rehkeule, die uns allen mundete. Das habe ich der Witwe dann auch mitgeteilt, woraufhin sie hochentzückt gleich zwei weitere Beutel mit irgendwelchem Fleisch spendierte. Was das jetzt genau sei, das könne sie freilich nicht sagen, ihr Mann habe die unangenehme Eigenschaft gehabt, das zerteilte Getier ungekennzeichnet in die eisigen Gefilde aus dem Hause Bauknecht zu packen, und oft entpuppe sich erst beim Braten der vermeintliche Keiler als kleines Reh. Da könne man nichts machen, wir sollten es uns eben einfach schmecken lassen.<br />
&#8222;Und wenn&#8217;s mal gar nicht schmeckt, dann geben Sie es einfach Ihrem Hund. Hauptsache, jemand isst es und es kommt nicht um. Ich schenke Ihnen das gerne, ich kann nämlich offen gestanden kein Wild mehr sehen.&#8220;</p>
<p>Nein, der Hund bekam allenfalls die Abfälle, die nach dem Auftauen und beim Zuschneiden der Stücke anfielen. Ein bißchen eigentümlich war das schon: Man zerteilte, briet und aß da Stücke, deren Herkunft und Abstammung ungeklärt waren. Ich verstehe zu wenig davon, um beurteilen zu können, ob ein zwei Kilo schweres und dreieckiges Stück Fleisch nun eher einem Hirsch, einem Reh oder einem Wolf zuzuordnen ist.</p>
<p>&#8222;Theoretisch könnte das ja auch vom streunenden Hund oder von einem erschossenen Wilderer stammen&#8220;, hatte die Allerliebste dazu gemeint. Als ich die Augenbrauen hochzog, meinte sie noch: &#8222;Na, wenn ich Jägerin wäre, ich wüsste nicht, was ich mache, wenn sich da Klimaschützer in den Baumkronen festketten. So als Gulasch würden sie doch dann am Ende tatsächlich jemandem nützen.&#8220;</p>
<p>Als ich zwei Wochen später wieder ein Stück herrliche Rehkeule zubereitet hatte, konnte es sich die Allerliebste während des Essens nicht verkneifen, die Frage zu stellen: &#8222;Sag mal, wie schmeckt eigentlich Menschenfleisch?&#8220;</p>
<p>Ich hasse es, wenn sie so grinst.</p>
<p>Ein Wochenende später stand, als wir vom Einkauf wiederkehrten, eine dieser gefrorenen LIDL-Tüten vor der Haustüre. Ein kleines, mit Wappen bedrucktes Visitenkärtchen mit dem handschriftlichen Zusatz &#8218;Guten Appetit!&#8216; verriet die Herkunft aus der von Bockbüchs&#8217;schen Kühltruhe. Am Nachmittag machte ich mich daran, den mittlerweile aufgetauten Klotz in erkennbare Stücke zu zerlegen, stetig bewacht vom immerhungrigen Hauswolf, der sich über die ihm zugeworfenen Brocken hermachte. Allerdings, je mehr ich schnippelte und sägte, umso mehr konnte sich unser gefräßiger Kulturfolger freuen, denn irgendwie schien es sich bei dem Inhalt dieser Tüte um zerhacktes Geläuf hoch- und dünnbeiniger Waldbewohner zu handeln. Viel Fleisch war da nicht dran, eigentlich nur Sehnen und klitzekleine Bröckchen.<br />
Zwei größere, etwas bessere Stücke konnte ich herausschneiden. Die briet ich unseren Kindern zum Abendessen und sie vertilgten das Zeug mit großem Appetit. Den Rest bekam das Hundevieh.</p>
<p>Am Sonntag rief dann Frau von Bockbüchs an und fragte, ob wir denn ihre Tüte gefunden hätten. Sie habe uns ja eine ALDI-Tüte mit einer Hirschbrust gebracht und eine LIDL-Tüte mit ebenso sehnigem wie ungenießbarem Gekröse und Gebein dem Tierheim gestiftet.</p>
<p>Okay, sie ist wohl schon etwas verwirrt, die Gute. Nun, den Kindern hat&#8217;s nicht geschadet.</p>
<p>© 2009</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/282533bc94cb4f82bf2cfc35f6e0697f" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/282533bc94cb4f82bf2cfc35f6e0697f" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Über das Scheitern am Alltag</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/ueber-das-scheitern-am-alltag/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 17 Jan 2026 05:46:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagskompetenz]]></category>
		<category><![CDATA[Dummheit]]></category>
		<category><![CDATA[Idiocracy]]></category>
		<category><![CDATA[Idiot]]></category>
		<category><![CDATA[Idioten]]></category>
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					<description><![CDATA[Das TikTok-Video von CelinaT ist viral gegangen. Übersetzt bedeutet das: Ein hochkant aufgenommenes Handy-Video, das von einer jungen Frau auf eine chinesische Videoplattform für Ahnungslose und kognitive Hütchenspieler hochgeladen wurde,<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/ueber-das-scheitern-am-alltag/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das TikTok-Video von CelinaT ist viral gegangen. Übersetzt bedeutet das: Ein hochkant aufgenommenes Handy-Video, das von einer jungen Frau auf eine chinesische Videoplattform für Ahnungslose und kognitive Hütchenspieler hochgeladen wurde, hat weltweite Verbreitung gefunden.</p>
<p>Ich gebe zu: Der Satz &#8222;Das TikTok-Video ist viral gegangen&#8220; ist viel kürzer, vermutlich genauso kurz wie die Denkreichweite aller Betroffenen. In diesem Video filmt sich eine junge Frau in winterlicher Kleidung am Steuer ihres Kleinwagens, mit dem sie in der Ausfahrt einer privaten Tiefgarage in der arktischen Hochburg Düsseldorf stehengeblieben ist. Ihre Verzweiflung ist groß, sie heult wie ein Schlosshund und es fallen Sätze wie:</p>
<p><em>Leute, ich weiß nicht, was ich machen soll.</em><br />
<em>Ich stehe seit 20 Minuten in meiner Tiefgaragenausfahrt, weil es hier einfach so am Schneien ist und ich hier nicht wegkomme.</em><br />
<em>Leute, guckt Euch das an, ich hab einfach so Angst, auszusteigen.</em></p>
<p>Die junge Frau filmt aus dem Auto heraus den Boden neben ihrem Fahrzeug. Man sieht etwas Schnee und viel trockenen Untergrund.</p>
<p><em>Oh Gott, ich hab einfach Angst, dass das Auto rollt.</em></p>
<p>Dann kam ein Mann mit einem Laubbläser und pustete den gefährlichen Schnee einfach weg. Die junge Frau war nach rund 50 Minuten endlich gerettet<sup id="fnref1"><a href="#fn1" class="footnote">1</a></sup>.</p>
<p><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/Bildschirmfoto-2026-01-17-um-05.27.13_800x500-450x280.webp" alt="" width="450" height="280" class="alignnone size-post-medium_large wp-image-62654" /></p>
<p>Ausschnitte aus dem Video habe ich Euch verlinkt. Der Link stammt aus der Schweiz, weil ich nicht zu TikTok verlinken wollte. Die Häme der Schweizer kann man ein bisschen verstehen, wenn man daran denkt, mit welchen Straßen- und Wetterverhältnissen man dort zurechtkommen muss.</p>
<p>Ich will die arme Celina gar nicht mehr vorführen, als sie es selbst schon getan hat.<br />
Als Mensch mit Kopf frage ich mich allerdings, weshalb man Momente des Denkscheiterns und Alltagsversagens auch noch unbedingt ins Netz stellen muss.</p>
<h2 id="refuel-anxiety-phaenomen">„Refuel Anxiety“-Phänomen</h2>
<p><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/tanke2_800x500-450x280.webp" alt="" width="450" height="280" class="alignnone size-post-medium_large wp-image-62648" /></p>
<p>Eine englische Umfrage unter rund 2.000 Autofahrern<sup id="fnref2"><a href="#fn2" class="footnote">2</a></sup> ergab, dass viele der 18- bis 24-Jährigen Angst vor dem Tanken haben.<br />
62 % der 18- bis 24-Jährigen empfinden das Betanken ihres Autos als stressig.<br />
Wovor genau haben sie Angst? Es sind Faktoren wie die Sorge, den falschen Kraftstoff zu wählen, nicht nah genug an der Zapfsäule zu stehen und Unsicherheit im Umgang mit der Zapfpistole.<br />
Entscheidend war aber nicht allein die Angst vor dem Versagen angesichts dieses hochkomplizierten Vorgangs, sondern vor allem, dass andere die Fehler bemerken und öffentlich machen.</p>
<p>Einige sagten sogar, dass sie oft den Tank fast leerfahren, um den für sie kaum zu bewältigenden Akt des Tankens hinauszuzögern, oder dass sie andere (z. B. Partner, Eltern oder Freunde) darum bitten, das Tanken für sie  zu übernehmen.  ￼</p>
<h2 id="socket-anxiety-kontaktangst-an-der-steckdose">Socket Anxiety &#8211; Kontaktangst an der Steckdose</h2>
<p><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/satadeck_800x500-450x280.webp" alt="" width="450" height="280" class="alignnone size-post-medium_large wp-image-62649" /></p>
<p>Dazu passt, was mir Berthold G., Inhaber eines Beerdigungsinstituts aus Franken schreibt:</p>
<p>Wir haben seit 8 Wochen einen Praktikanten, B. (19), der sich auf eine Ausbildung vorbereitet. Mir ist aufgefallen, dass B. schon ein paarmal einen älteren Mitarbeiter, J. (61) aus der Werkstatt geholt hat und gebeten hat, ihm zu helfen. Das ist nichts Ungewöhnliches, denn manche Arbeiten an den Särgen sind erklärungsbedürftig, mitunter gefährlich (Maschinen, Elektrowerkzeuge, Kompressor) oder körperlich schwer.</p>
<p>Neulich kam mir das aber komisch vor und ich habe J. gefragt, wobei er denn B. immer wieder helfen muss.</p>
<p>Die Antwort hat mich dann doch überrascht:</p>
<p><em>&#8222;Herr G., damals hat der Elektriker einige unserer Steckdosen um 90 Grad gedreht eingebaut, also mit den Löchern übereinander statt nebeneinander. Das soll praktischer sein, damit sich bei nebeneinanderliegenden Steckdosen diese Steckernetzteile nicht immer im Weg sind. Und davor hat der B. immer Angst. Ich hab&#8216; den beobachtet, wie der 20 Minuten lang versucht hat, einen Stecker in die Steckdose zu stecken. Er war völlig überfordert und hat angefangen zu weinen. Ich mein&#8216;, ein junger Mann, Chef, der wegen sowas anfängt zu weinen. Ganz ehrlich, Chef, früher als die alle noch zur Bundeswehr gemusst haben, hat es sowas nicht gegeben. Dann hat er die Aktion abgebrochen und gesagt: &#8218;J., das passt nicht, das muss ein ausländischer Spezialstecker sein.&#8216; Seitdem holt er mich immer, wenn er was eingestöpselt haben will.&#8220;</em></p>
<h2 id="tuer-enigma">Tür Enigma</h2>
<p><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/schloss_800x500-450x280.webp" alt="" width="450" height="280" class="alignnone size-post-medium_large wp-image-62655" /></p>
<p>Die Allerliebste kommt von der Arbeit nach Hause. Sie schüttelt minutenlang mit dem Kopf.<br />
Meine Frau arbeitet bei einer Behörde. Die Eingangstür zum Gebäude liegt im Sichtbereich ihres Büros.<br />
Normalerweise schwingt die Tür automatisch auf, wenn sich Personen nähern. Das ist für Behinderte, Ältere und, wie wir sehen werden, auch für manche junge Leute sehr hilfreich.<br />
Wie zuvor erwähnt, es ist keine automatische Schiebetür, wie bei Supermärkten, sondern eine ganz normale Tür, die aufschwingt und nach kurzer Zeit langsam wieder zufällt.</p>
<p>Nun war es ja die letzten Tage etwas kalt, es gab ein bißchen Schnee, und ob dieser widrigen Umstände neigen nicht nur manche Leute zum Versagen, sondern auch so manche Technik. In diesem Fall wollte die Automatik der Tür nicht mehr mitspielen. Man musste also nach guter alter Sitte, so wie es die Leute ja auch zu Hause und sonstwo machen müssen, die Tür von Hand aufmachen. Also Klinke drücken, an der Tür ziehen, einen genügend großen Spalt herstellen und durch diesen ins Gebäude eintreten.</p>
<p>Ich mache das hier bei mir zu Hause jeden Tag mehrmals und muss nicht darüber nachdenken. Solche Abläufe sind mir seit Kindestagen so vertraut, dass ich sie, ohne mein Gehirn anstrengen zu müssen, automatisch durchführe. Leute, es geht ums Tür auf- und zumachen&#8230;</p>
<p>An dieser, hier in Rede stehenden, Tür muss man noch nicht einmal eine Klinke betätigen, man muss nur am Griff ziehen.</p>
<p>Die Allerliebste berichtet, dass sich schon frühmorgens eine Schlange von etwa 13 Personen vor der Tür gebildet hat. Sie ging nicht, wie gewohnt, automatisch auf und so blieben die ratsuchenden Bürger und Antragsteller vorsichtshalber erst einmal in der Kälte stehen.<br />
Das hat dann eine mitleidige Mitarbeiterin der Behörde dazu veranlasst, einen Aufsteller mit einem A1-großen Plakat neben die Tür zu stellen: <code>Automatik defekt. Bitte Tür von Hand aufmachen und eintreten.</code></p>
<p>Aber, wer glaubt, damit sei das Problem nun gelöst, der irrt. Vielen Leuten war das natürlich tatsächlich eine Hilfe. Aber eine große Zahl von Menschen scheiterte an der Aufgabe, die auf der Tür angebrachte Anweisung ZIEHEN zu verstehen. Eine Frau läuft auf die Tür zu, und was macht sie? Sie drückt. Obwohl da Ziehen steht. Und statt es dann mal mit Ziehen zu probieren, bleibt sie ratlos vor der Tür stehen. Sie schaut auf die Tafel mit den Öffnungszeiten, schaut auf die Uhr, scheint sich darüber zu wundern, dass noch nicht geöffnet ist.<br />
Es kommt ein junger Herr dazu. Er probiert erst gar nicht, sondern erfährt von der Frau, dass noch &#8222;zu&#8220; ist. Beide stehen da und werden einige Minuten später von einer weiteren jungen Frau verstärkt, die sich zu ihnen stellt.<br />
Dann kommt ein Opa mit Stock. Er schaut nur verwundert auf die wartende Gruppe, geht auf die Tür zu, zieht am Griff, öffnet die Tür und geht rein. Hinter ihm geht die Tür wieder zu.</p>
<p>Frage: Was passiert jetzt?</p>
<p>Antwort: Die zuletzt hinzugekommene Frau läuft auf die Tür zu, und drückt, statt zu ziehen. &#8222;Scheiß Technik, hier funktioniert ja gar nichts, ich werde mich beschweren!&#8220;, ruft sie so laut, dass man es im Gebäude hören kann.</p>
<p>Jemand von den Beamten geht raus und lässt die Leute rein. Das heißt, ein Mensch, der Besseres zu tun hätte, muss seine Arbeit unterbrechen und Leuten dabei helfen, zu verstehen, wie man eine Tür aufmacht.</p>
<p>So ging das bis zur Mittagszeit am laufenden Band. Zwei Drittel der Menschen waren klug genug, schätzt die Allerliebste. Aber doch ein starkes Drittel mündiger Bürger scheiterte den ganzen Vormittag über am einfachen Öffnen einer ganz normalen Tür.</p>
<h2 id="das-tresorproblem">Das Tresorproblem</h2>
<p><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/tresor-450x280.webp" alt="" width="450" height="280" class="alignnone size-post-medium_large wp-image-62650" /></p>
<p>Ich möchte einen kleinen Tresor anschaffen. In unserem Ortsblättchen bietet ein junger Mann einen solchen gebraucht und günstig an. Ich rufe ihn an und frage, wie groß der den ist.<br />
Der junge Mann, der in Heidelberg studiert, sagt, er würde das ausmessen und mich dann zurückrufen.<br />
Am Abend ruft er an: &#8222;Sie, ich kann das leider nicht ausmessen. Erst nach dem Wochenende, wenn ich bei meinen Eltern war. Dann bringe ich diesen aufklappbaren Messstock mit. Ich hab hier nämlich nur ein Lineal, aber das ist mit 20 cm zu kurz, da kann ich den Tresor nicht mit ausmessen, der ist länger.&#8220;</p>
<h2 id="nochmal-bezintank">Nochmal Bezintank</h2>
<p><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/flamme_800x500-450x280.webp" alt="" width="450" height="280" class="alignnone size-post-medium_large wp-image-62651" /></p>
<p>Ich will wegfahren, fahre aus der Garage heraus und bleibe kurz stehen, um zu sehen, dass sich das Garagentor auch schließt. Dabei fällt mein Blick auf eine junge Frau gegenüber. Sie steht mit einem brennenden Feuerzeug an der geöffneten Tankklappe ihres Autos&#8230;</p>
<p>&#8222;Was machen Sie denn da? Das sieht ziemlich gefährlich aus.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ich war an der Tankstelle und hab den Tankdeckel nicht aufgeschlossen gekriegt, der ist eingefroren.&#8220;</p>
<p>&#8222;Tun Sie mal das Feuerzeug weg, bitte, das ist echt gefährlich!&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, aber ich habe bei Google nachgeschaut und im Frageforum heißt es, man soll den Tankschlüssel warm machen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Aber doch nicht, wenn er im Schloss steckt. Schon gar nicht, wenn es das Schloss vom Tankdeckel ist.&#8220;</p>
<p>&#8222;Da wissen Sie aber nicht richtig Bescheid. Ich meine, das steht schließlich im Netz.&#8220;</p>
<p>&#8222;Schon mal was davon gehört, dass Benzindämpfe explodieren können?&#8220;</p>
<p>Sie zuckt zurück: &#8222;Ach, echt jetzt? Stimmt ja! Scheiße!&#8220;</p>
<p>&#8222;Sehen Sie.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und was mach ich jetzt?&#8220;</p>
<p>&#8222;Eimer heißes Wasser langsam über den Tankdeckel schütten? Enteisungsspray?&#8220;</p>
<p>&#8222;Enteisungsspray hab ich.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und warum nehmen Sie das dann nicht?&#8220;</p>
<p>&#8222;Das kann ich nich&#8216; nehmen, das is&#8216; nicht für Tankschlösser, weil da draufsteht, das wär für Türschlösser.&#8220;</p>
<h2 id="die-ringdosen">Die Ringdosen</h2>
<p><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/ravioliii_800x500-450x280.webp" alt="" width="450" height="280" class="alignnone size-post-medium_large wp-image-62652" /></p>
<p>Neulich erst hörte ich, wie sich zwei etwa zwanzigjährige junge Männer im Supermarkt unterhielten. </p>
<p>&#8222;Lass die stehen! Das sind Scheißdosen. Das sind Ravioli von Maggi!&#8220;</p>
<p>&#8222;Die sind doch voll lecker!&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, aber ohne Ring! Wie soll man die aufmachen? Die haben oben nicht son Ring zum Deckelöffnen. Die sind nur für alte Leute, die wissen, wie son altmodisches Teil geht.&#8220;</p>
<p>&#8222;Was&#8217;n für&#8217;n Teil?&#8220;</p>
<p>&#8222;Wie heißen die, die komischen Dinger da; Dosenöffner oder so.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ich hab einen Dosenöffner. Hab ich zum Einzug von meiner Patentante gekriegt.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, dann können wir die Dose doch nehmen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Nee, biste blöd oder was? Ich hab schon probiert, ich kann das mit dem Öffner nicht. Das ist voll was für alte Leute. Ich kauf&#8216; auch nur mit Ring.&#8220;</p>
<h2 id="das-baerchenproblem">Das Bärchenproblem</h2>
<p><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/sausage_800x500-450x280.webp" alt="" width="450" height="280" class="alignnone size-post-medium_large wp-image-62653" /></p>
<p>Ich hab&#8216; noch nie Bärchenwurst gegessen. Lange dachte ich, es sei doch schade um die Bären. Außerdem besteht doch die Kunst des Metzgers in erster Linie darin, uns zu ersparen, den getöteten Massenhaltungsviechern ins Gesicht schauen zu müssen. Aber gekauft habe ich Bärchenwurst natürlich schonmal. Meine Kinder fanden die lustig.</p>
<p>In der Metzgerei stehen etliche Frauen vor mir in der Schlange. Die vor mir kauft eben diese Bärchenwurst und sagt: &#8222;Sonst will Jonas die nicht essen.&#8220;<br />
Damit hatte ich nicht gerechnet. Normalerweise bin ich eher Leute gewöhnt, die alles daran setzen, dass ihre Kinder keine Wurst essen, sondern irgendsoein vegantisches Sojageprömpel.<br />
&#8218;Tolle Mutter, die weiß, was gesund ist&#8216;, denke ich und ändere meine Meinung aber sofort wieder, denn sie sagt: &#8222;Und noch so eine kleine grobe Leberwurst. Aber machen Sie die bitte aus der Pelle raus in so ein Plastiktöpfchen. Ich weiß immer nicht, wie man die Metallplomben am Ende der Wurst abkriegt. Hab schon alles versucht, Zange und so&#8230;&#8220; Sie lacht und schaut sich beifallheischend um.</p>
<h2 id="der-ausstecher">Der Ausstecher</h2>
<p><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/to-bake-2881971_1280_800x500-450x280.webp" alt="" width="450" height="280" class="alignnone size-post-medium_large wp-image-62659" /></p>
<p>Der Ausstecher ist kein Serienmörder, der seinen Opfern die Augen aussticht. Mit Ausstecher meine ich einen ganz normalen Plätzchenausstecher. Das kennst Du, das sind so schön geformte Rähmchen aus Metall oder Plastik, mit denen man aus ausgerolltem Teig Plätzchen ausstechen kann. Es gibt solche Plätzchenausstecher in allen möglichen Formen, wie Tannenbäume, Sternchen und, wie ich neuerdings sah, sogar auch in Penisform.</p>
<p>Leider finde ich das YouTube-Video nicht mehr. Ich habe es gesehen, als ich mich vor zwei, drei Jahren sehr mit 3D-Druckern beschäftigt habe. In diesem Video erklärt ein sehr netter junger amerikanischer Mann mit roten Bäckchen, dass er viele ganz tolle Sachen mit seinem 3D-Drucker gedruckt hat. Ein Schäufelchen für Salz und Zucker, einen Trichter für Essig oder Öl und auch einige Plätzchenausstecher.</p>
<p>So weit, so gut. </p>
<p>Nur kommt der Junge bei der Bewertung der Alltagstauglichkeit der neu hergestellten Sachen ausgerechnet bei den Plätzchenausstechern zu einem ganz schlechten Ergebnis.<br />
Die taugen nichts, die funktionieren nicht, die sind nutzlos, sagt er.</p>
<p>Und dann dürfen wir ihm dabei zuschauen, wie er fertiggebackene, gekaufte Kekse aus einer Dose nimmt, und versucht, aus dem Trockengebäck mit seinen Plätzchenausstechern Formen auszustechen.</p>
<h2 id="berliner-polizei-stoppt-lineale">Berliner Polizei stoppt Lineale</h2>
<p><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/polizei-lineal_800x500-450x280.webp" alt="Polizei und Lineal Berlin" width="450" height="280" class="alignnone size-post-medium_large wp-image-62665" /></p>
<p>Die Berliner Polizei hat die Verteilung von Werbe-Linealen für Schulkinder gestoppt. Grund: Ein Schüler hatte nachgemessen und festgestellt, dass das als „15-Zentimeter-Lineal“ verteilte Exemplar in seinem Fall ganze drei Millimeter zu lang war. Daraufhin ging im Dezember ein Hinweis bei der Polizei ein. Seitdem wird geprüft.</p>
<p>Besonders idiotisch finde ich die offizielle Einordnung: Die Lineale seien „nicht für mathematisch genaue Tätigkeiten“ gedacht gewesen. Sie dienten der Präsenz an Schulen, der Imagepflege und der Verkehrsprävention. Kurz: als Symbol, nicht als Werkzeug.</p>
<p>Kostenpunkt der Aktion: rund 3.500 Euro. Ergebnis: gestoppte Lineale, beschäftigte Beamten, laufende Prüfungen und nicht zuletzt noch eine Berliner Blamage – ausgelöst durch einen Schüler, der ein Lineal wie ein Lineal benutzte.</p>
<h2 id="fazit">Fazit:</h2>
<p>Ich stehe auch manchmal vor Problemen, die mir auf den ersten Blick kompliziert oder sogar unlösbar erscheinen. Und natürlich schaue auch ich im Netz nach. Die Zeiten, in denen man in Büchern nachgesehen hat, sind vorbei. Aber es gehört wohl in den Bereich Internetkompetenz, dort unter den möglichen Lösungsvorschlägen die Spreu vom Weizen trennen zu können.</p>
<p>Oft komme ich auch durch bloßes Nachdenken auf die Lösung. Einfach mal zurücklehnen, nachdenken, abwägen und überlegen. Funktioniert erstaunlich gut und bringt einen auch ohne Google &#038; Co. der Lösung näher.</p>
<p>Aber, es gibt Probleme, die ich nicht lösen kann; wo ich auf einen Fachmann angewiesen bin.</p>
<p>Das Leben ist voll von komplizierten Sachen.</p>
<p>Angst macht mir, dass ich zunehmend beobachte, wie Leute an ganz kleinen Dingen, an ganz normalen Alltagsherausforderungen und an selbstverständlich von jedermann zu erwartenden Fertigkeiten scheitern.</p>
<p>Hat es nicht etwas mit Allgemeinbildung zu tun, gehört es nicht irgendwie zum Bildungsauftrag von Kindergärten und Schulen, jungen Menschen auch bestimmte Alltagsfertigkeiten zu vermitteln?<br />
Ich meine, wer nicht weiß, dass man Wurstzipfel auch abschneiden kann, wer nicht in der Lage ist, einen Stecker umzudrehen, und wer nicht weiß, dass Benzin und Feuer keine gute Kombination sind, der darf doch nicht auf die Menschheit losgelassen werden.</p>
<p>Ein asiatisches Sprichwort sagt: &#8222;Die Mutter der Idioten ist immer schwanger.&#8220;</p>
<p>Es gibt eine Sendung, ich glaube vom <strong>mdr</strong>, die heißt &#8222;Das war dann mal weg&#8220;. In nostalgisch verklärter Form wird über Alltagsgegenstände, Moden und Sitten berichtet, die heute als veraltet gelten, und von denen moderne Menschen oft gar keine Ahnung mehr haben. Kassettenrecorder, Klickklack-Bälle, Badehauben, Erbsenpistolen und allerlei andere Dinge, die unsereins noch kennt, vor denen Jüngere aber wie vor einem Buch mit sieben Siegeln stehen.</p>
<p>Zum Format der Sendung gehört es, neben der romantischen Erinnerung diverser TV-Prominenter, dass man Kindern diese Gegenstände hinlegt und die raten lässt, was das wohl sein könnte und was man früher wohl damit gemacht hat.<br />
Erstaunlicherweise, oder sagen wir: So wie ich es hoffe und erwarte, kommen die Kinder durch Gucken, Ausprobieren und im Dialog fast immer auf genau die richtige Lösung und können dann erklären, was das ist und wie es geht.</p>
<p>Was will ich damit sagen? Allein an der Generation kann es nicht liegen. Doch dann schließt sich die Frage an, wo die Verdummung beginnt. Was führt dazu, dass, wie ein Leser schreibt: &#8222;IDIOCRACY kein Film ist, sondern eine durch ein Zeitloch gefallene Dokumentation&#8220;?</p>
<p>Ein Kommentator meint, es könne auch zum Teil daran liegen, dass heute mehr über so etwas berichtet wird. Mag sein. Aber ich habe hier bewusst nicht nach lustigen Geschichten, Fails und Pranks gesucht, sondern berichtet, was mir in der letzten Zeit tatsächlich in echt, live und in Farbe passiert bzw. untergekommen ist.</p>
<p>Es ist, so finde ich, nicht nur so, dass immer mehr Menschen sich blöd benehmen, sie protzen teilweise auch noch mit ihrer Idiotie, schieben die Schuld auf andere oder die Umstände und suhlen sich in ihrem Totalversagen. Es sind nicht mehr diejenigen die Idioten, die sich idiotisch verhalten, sondern diejenigen, denen das auffällt und die das anprangern, werden ausgelacht, verleumdet und neuerdings als Hater, Nazis oder Boomer beschimpft. Heutzutage hören einem die Menschen nicht mehr zu, um etwas zu verstehen oder zu lernen, sondern um möglichst schnell eine Antwort darauf zu geben.</p>
<p>Wenn einer mit dem Fahrrad fährt, ist das nichts Besonderes. Fährt er aber damit rückwärts ohne Lenker und mit einer brennenden Bratwurst im Arsch eine Rolltreppe runter, fliegt auf die Schnauze und berichtet anschließend mit vier fehlenden Zähnen aus der Notaufnahme live von seinem Abflug, dann bringt das Klicks, dann bringt das Likes und im besten Fall verdient er 18 Cent daran. </p>
<p>Wir hören doch alle jeden Tag, dass in der Pflege zigtausend Kräfte fehlen, dass wir 100.000 mehr Lehrerinnen und Lehrer bräuchten und dass unser Land im Falle eines Falles von einer Truppe schlecht ausgerüsteter Hansels nicht verteidigt werden könnte. Wir hören doch tagtäglich, dass die Zahl der Abiturienten stetig steigt, dass man auch im Blumenbinden einen Bachelor machen kann, und dass wir in der PISA-Studie irgendwo hinter Kamerun oder knapp hinter der Insel mit zwei Bergen rangieren.</p>
<p>Das Herunterwirtschaften der Hauptschule, das Massenproduzieren von Smoothie-Trinkerinnen und Mate-Tee-Trinkern, das Nicht-mehr-Fördern von Lesekompetenz und das übersteigerte Ansehen von Leuten, die gar nichts können, außer im Fernsehen auf einer Love-Insel zu furzen oder in Video-Clips Schmink- und Klamottentipps zu geben, das sind die Probleme. </p>
<p>Wenn mir die junge Lehrerin erzählt, sie habe immer wieder Ärger mit einer Mutter, die darauf beharrt, im Herbst und im Winter morgens den Stuhl ihres Sohnes im Klassenzimmer mit dem Hintern vorzuwärmen, dann denke ich: Die sollte sich lieber hinsetzen und mit dem Sohn mal Onkel Toms Hütte oder irgendwas anderes Vernünftiges lesen. </p>
<p>Solche Leute haben/kriegen Kinder, die dürfen Autofahren, die dürfen wählen!</p>
<p>Es kann doch als Daseinsgrundlage nicht ausreichen, Videos von sich selbst in hilflosen Situationen zu machen?</p>
<p>Bin ich jetzt blöd, oder sind die es?</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/5a8bc3a2a31d4d1384d801b8d146e171" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/5a8bc3a2a31d4d1384d801b8d146e171" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
<div id="serial-posts-wrapper"><h3 class="serial-posts-heading">Fußnoten:</h3><div class="footnotes"><ol class="serial-posts"><li id="fn1"><a href="https://www.blick.ch/video/aktuell/wenige-zentimeter-schnee-deutsche-verzweifelt-in-der-tiefgaragen-ausfahrt-id21586972.html">https://www.blick.ch/video/aktuell/wenige-zentimeter-schnee-deutsche-verzweifelt-in-der-tiefgaragen-ausfahrt-id21586972.html</a> <a href="#fnref1"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li><li id="fn2">Quellen: The Independent und Auto Motor und Sport <a href="#fnref2"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li></ol></div></div>]]></content:encoded>
					
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		<title>Ich habe solche Angst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Jan 2026 08:28:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;Ich hab ein bisschen Angst vor Ihnen&#8220;, sagt die etwa 25-jährige Frau, als sie mit mir im Ausstellungsraum meines Beerdigungsinstituts steht und einen Sarg aussuchen soll. Gut, ich bin fast<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/ich-habe-solche-angst/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>&#8222;Ich hab ein bisschen Angst vor Ihnen&#8220;, sagt die etwa 25-jährige Frau, als sie mit mir im Ausstellungsraum meines Beerdigungsinstituts steht und einen Sarg aussuchen soll.</p>
<p>Gut, ich bin fast 1,90 Meter groß, wiege zwei Zentner, trage Bart und habe eine tiefe Stimme – allesamt beste Voraussetzungen, um als eine Art Gollum-Grinch gelegentlich auch Frauen Angst einzujagen. Allein meine Gutmütigkeit und meine gepflegte, beinahe vornehme Kleidung sorgen dafür, dass dennoch keinerlei böse Absichten aufkommen.</p>
<p>&#8222;Warum haben Sie denn Angst vor mir?&#8220;, frage ich die Frau, die die Beerdigung ihres Vaters organisieren möchte.</p>
<p>&#8222;Na, weil überall im Netz steht, wie gefährlich das ist und dass man beim Bestatter immer abgezockt wird.&#8220;</p>
<p>&#8222;Das ist doch aber überall so. In jeder Branche gibt es die sogenannten schwarzen Schafe. Aber ich habe nicht die Absicht, Sie zu übervorteilen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und woher weiß ich, dass das stimmt?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nun, wir machen das doch die ganze Zeit schon so: Ich sage Ihnen, was man alles benötigt, und Sie suchen dann aus dem gesamten Angebot das aus, was Sie haben möchten und was Ihnen preislich zusagt. Dann schreiben wir das alles auf, rechnen es zusammen und Sie überlegen, ob das alles so richtig ist. So haben Sie doch schon das Sterbehemd und die Decke ausgesucht, und so machen wir das auch mit dem Rest. Ich helfe Ihnen da gerne durch, aber letztlich entscheiden Sie doch frei und ohne Druck.&#8220;</p>
<p>&#8222;Was kostet das denn am Ende alles zusammen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Das weiß ich jetzt auch noch nicht. Wir sind ja noch nicht fertig. Aber wenn Sie mir sagen, dass Sie nur soundsoviel ausgeben können oder wollen, dann versuche ich das hinzubekommen. Wenn Sie mehr möchten, ist das auch kein Problem. Es hängt alles von Ihren Wünschen ab.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und was das kostet, das erfahre ich erst, wenn ich in sechs Wochen die Rechnung kriege?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nein, wenn wir nachher alles aufgeschrieben haben, rechne ich Ihnen das aus. Dann haben Sie die Summe. Und wenn Sie nichts mehr dazu bestellen oder was ändern, dann bleibt die auch so.&#8220; </p>
<p>&#8222;Ich hab das ja noch nie gemacht&#8220;, sagt sie, fast schon entschuldigend klingend.</p>
<p>&#8222;Ich aber schon, und zwar tagtäglich. Da kommen immer wieder Leute, die in der gleichen Situation stecken, wie Sie. Und wenn wir die Leute ausnehmen würden, würde sich das herumsprechen und es kämen bald keine mehr. Was bringt es mir, wenn ich aus jedem Auftrag das Maximale herausschlage und unehrlich wäre? Damit würde ich doch mein Geschäft kaputtmachen.&#8220;</p>
<p>Sie nickt langsam, ist aber immer noch unsicher. &#8222;Ich hab trotzdem noch Angst.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wovor denn?&#8220;, hake ich nach, denn ich habe das Gefühl, dass es Frau im Grunde gar nicht um die Preise geht.</p>
<p>&#8222;Dass ich was Falsches aussuche. Ich kenn mich doch nicht aus.&#8220;</p>
<p>&#8222;Aber ich erkläre Ihnen doch alles. Ich habe doch so viel Geduld mit Ihnen. Sie müssen sich doch wirklich vor nichts fürchten.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ich habe Angst vor den Särgen. Die sind gruselig. Das ist das Schlimmste, was ich mir jemals hab&#8216; ansehen müssen.&#8220;</p>
<p>Wir schaffen es tatsächlich, in Ruhe alles Notwendige auszusuchen. Ich schreibe wie immer alles sorgfältig auf und führe die 25-Jährige dann in unser Kaminzimmer.<br />
Für die Beratungen haben wir drei kleinere Räume vorgesehen. Na ja, so ganz stimmt das nicht, einer ist etwas größer und für die Familien gedacht, die immer zu zwölft kommen. Er ist recht nüchtern eingerichtet: Büromöbel in Office-Grey, Tische und Stühle eben, etwas Deko und die üblichen Prospekte, Zimmerpflanzen und Gemütlichkeitsgedöns. Eins von den anderen beiden Zimmern ist so ähnlich, aber eben kleiner. Mit dem dritten Raum habe ich mir einen Traum erfüllt. Ich liebe englische Chesterfield-Möbel, vor allem die grünen Leder-Sitzmöbel mit den vielen Polsterknöpfen. Ein großer, offener Kamin ist das Herzstück des Raumes. Es hat mich viel Überzeugungskraft gekostet, dass ich da eine elektrische Kaminattrappe aufbauen durfte. Anfänglichen Bedenken der Bürodamen und meiner Allerliebsten zum Trotz sieht der nämlich nicht nur echt, sondern auch schön aus.</p>
<p>Dorthin führe ich die junge Frau, stelle ihr Wasser und Kaffee hin, ohne zu fragen, gebe ihr Zeit, sich zu sammeln, und nehme erst nach einer ganzen Weile ihr gegenüber Platz.<br />
Es gibt noch einige Formalitäten zu klären und ich schreibe wieder alles sorgsam auf. Wir kommen zu dem Punkt, an dem sie entscheiden muss, ob der Sarg ihres Vaters noch einmal geöffnet werden soll.</p>
<p>&#8222;Auf gar keinen Fall. Was meinen Sie denn, was ich für ein Nervenkostüm habe? Da hab&#8216; ich voll Angst vor.&#8220; Sie zittert regelrecht und ich sehe, dass sie wirklich Angst hat. Zu ihrer Beruhigung sage ich das, was ich immer über die Friedfertigkeit von Verstorbenen sage, und erneut habe ich das Gefühl, dass die junge Frau in Wirklichkeit gar keine Angst vor dem Verstorbenen hat. </p>
<p>Ein familiärer Umstand bringt die Wende im Gespräch. Meine Tochter tut das, was meinen Kindern eigentlich verboten ist, sie stört mich bei einem Beratungsgespräch. Die Kleine möchte gerne in der Tanzgarde eines örtlichen Karnevalsvereins mithüpfen und braucht dafür die Unterschrift vom Papa. Deshalb klopft sie an der Tür, steckt ihr süßes Näschen rein und guckt so. Die kann so gucken. Und wenn die so guckt, dann bin ich machtlos, wehrlos, Wachs in ihren Händen, ein lullemulliger Hannebampel, mit dem sie machen kann, was sie will. Ich unterschreibe ihr den Zettel und bekomme einen Kuss. Mein Herz glüht.</p>
<p>Natürlich hat die Kleine unseren Gast höflich begrüßt. Das ist eine Eigenschaft an meinen Kindern, die ich immer schon sehr geschätzt habe. Diese kleinen verfressenen, furzenden und rotzigen Monster, die mir und der Allerliebsten manchmal die letzten Nerven rauben, sind in jeglichem Außenkontakt, sei es in Restaurants, bei Einladungen, bei Besuchen oder offiziellen Anlässen immer von ausgesuchter Höflichkeit und zeigen ein angenehmes und feines Benehmen. Nicht gekünstelt, nicht aufgesetzt, sondern einfach freundlich und höflich.</p>
<p>Meine Kundin schaut meiner Tochter lächelnd hinterher und fragt: &#8222;Ihre Tochter?&#8220;</p>
<p>Ich nicke und ich glaube, die Frau sieht mir an, wie sehr ich das Kind liebe.</p>
<p>&#8222;Mein Papa hat mich auch so lieb gehabt&#8220;, ist das Erste, das die Frau über den Verstorbenen erzählt. Ich weiß, dass es jetzt besser ist, ruhig zu sein, und lehne mich im Sessel zurück. Für sie ist das die unausgesprochene Aufforderung, weiterzusprechen.</p>
<p>Sie erzählt mir, dass sie eine eigene Wohnung im elterlichen Haus hat. Mit 18 war sie schon mal ausgezogen, um auf eigenen Beinen zu stehen, und weil das ihre Freundinnen auch alle gemacht hatten. Aber nach anderthalb Jahren war sie wieder zu ihren Eltern zurückgekehrt. Die Verantwortung, die zusätzlichen Kosten und die Entfernung waren doch nicht das Richtige für sie gewesen.</p>
<p>&#8222;Okay, vorher hatte ich nur mein Kinderzimmer. Und jetzt hatte Papa gesagt, ich könnte oben die kleine Wohnung vom Opa haben, der inzwischen verstorben war.&#8220;</p>
<p>Ihr Vater hatte sich fürchterlich ins Zeug gelegt, um die Wohnung vom Opa in ein schönes Nest für eine junge Frau zu verwandeln. Alles neu, alles modern, und bei den Möbeln wurde das kleine Erbe vom Opa auf den Kopf gehauen.</p>
<p>&#8222;Wissen Sie, mein Papa wollte mich gerne in seiner Nähe haben, das war ihm wichtig.&#8220;</p>
<p>&#8222;Das kann ich gut verstehen. Ich wollte auch nicht, dass meine Tochter irgendwo in der wilden, weiten Welt da draußen den Raubtieren zum Fraß vorgeworfen wird. Hier zu Hause kann ich sie doch viel besser beschützen.&#8220;</p>
<p>Sie muss lachen, nickt und sagt: &#8222;Ja, das ist wohl einer der Gründe, da haben Sie recht. Väter wollen immer auf ihre Töchter aufpassen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Einer der Gründe? Was sind die anderen Gründe?&#8220;</p>
<p>&#8222;Mama!&#8220;</p>
<p>Sie stößt dieses Wort aus, sie sagt es nicht, sie feuert es ab, wie einen Pistolenschuss.</p>
<p>&#8222;Mama?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, meine Mutter. Die ist &#8230; wie sag&#8216; ich das jetzt? Die ist &#8230; äh, sehr speziell.&#8220;</p>
<p>Ich beobachte, dass sie sofort wieder anfängt, zu zittern und, dass bei ihr Schweißperlen auf der Stirn auftauchen.</p>
<p>Langsam schenke ich ihr Kaffee nach, denn sie hat die Tasse recht zügig ausgetrunken. Dann frage ich sie: &#8222;Würden Sie mir verraten, wie Sie heißen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Hab&#8216; ich doch gesagt, Kettner.&#8220;</p>
<p>&#8222;Nee, ich meine so vornerum, mit Vornamen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Julia. Sie dürfen natürlich auch Du sagen, wenn Sie wollen.&#8220;</p>
<p>Ich bleibe beim Sie, spreche sie aber mit Vornamen an. Das habe ich mir so angewöhnt, denn es ist eine wunderbare Art und Weise, um eine schöne Nähe herzustellen, ohne zu plump ins mittlerweile viel zu abgegriffene Duzen zu verfallen.</p>
<p>&#8222;Julia, kann es sein, dass Sie von Anfang an gar keine Angst vor mir, vor den Särgen und vor dem Anblick Ihres verstorbenen Vaters hatten, sondern vor Ihrer Mutter?&#8220;</p>
<p>Julia erzählt.</p>
<p>Mutter und Vater hatten zusammen eine gutgehende Drogerie in einer mittleren Stadt in der Nähe von Heidelberg übernommen. Eine schöne Drogerie, die schon 60 Jahre etabliert war und sich trotz der großen Drogeriemärkte am Markt behaupten konnte. Die Mutter hatte sich auf Kosmetik, Parfümerie und Kerzen spezialisiert und ihr Vater auf die große Palette der Nahrungsergänzungsmittel und Tees und Kräuter.</p>
<p>&#8222;Meine Mutter hat schon immer gerne was getrunken. Im Laufe der Zeit ist aber aus dem Glas Sekt zu besonderen Anlässen und einem Bier am Wochenende eine Selbstverständlichkeit im Ablauf des Alltags geworden. Völlig egal, zu feiern gab&#8217;s auf einmal jeden Tag was, und sei es nur, dass eine ΑΜΑΖΟΝ-Lieferung früher als erwartet ankam, oder dass ein Lieferant die Preise gesenkt hat. Und abends? Och, jeden Abend sechs, sieben oder acht Fläschchen Bier. &#8218;Da ist ja kaum was drin, die trinken sich so weg, die Luft ist so trocken, die Wurst war so salzig, Bier macht ja auch immer Lust auf mehr. Ha ha ha.&#8216; Ich könnte kotzen! Ich kann diese Scheiße nicht mehr hören.</p>
<p>Und wenn jemand auch nur ansatzweise wagt, die Wörter Trinken, Alkohol oder gar Alkoholismus in den Mund zu nehmen, flippt die total aus. Die regt sich schon tierisch auf, wenn im Fernsehen so etwas gesagt wird, dass Leute die regelmäßig jeden Abend was trinken, schon zu den Alkoholikern gehören können. Für sie trifft das alles nicht zu.</p>
<p>Sobald der Alkohol seine Wirkung zeigt, verwandelt sich diese intelligente und sympathische Drogistin in eine sabbelnde, blöde Kuh. Sie werden es nicht glauben, aber ihre Art zu sprechen wird sofort anders, sie sieht auch anders aus. Irgendwie verliert sie sofort die Kontrolle über alles an sich: Gestik, Mimik, Sprechweise, alles. Das ist furchtbar, das mitanzusehen.</p>
<p>Mein Vater hat auch immer gerne was getrunken und früher hatten wir so eine kleine Hausbar im Wohnzimmerschrank. Wenn Gäste kamen, war mein Vater stolz, dass er fast jeden Wunsch nach einem alkoholischen Getränk erfüllen konnte. Aber seit meine Mutter so ist, ist es hinter dieser Klappe im Schrank leer. Da sind jetzt die Süßigkeiten und Chips drin. Mein Vater hat seit Jahren keinen einzigen Tropfen mehr getrunken. Der hat immer gesagt, dass er meiner Mutter keinen Anlass zum Mittrinken geben wollte.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und hat sich das auf das Geschäft nachteilig ausgewirkt?&#8220;, frage ich.</p>
<p>&#8222;Ja und nein. Das ist kompliziert. Also: Meine Mutter war in der Drogerie nie betrunken. Nie! Die ist morgens in den Laden und hat da gestanden, wie eine Eins. Die hat auch tagsüber nicht getrunken, höchstens mal dieses immer häufiger mal vorkommende berühmte Glas Sekt. Aber das ist auch so&#8217;ne Sache. Die trinkt gerne Sekt. Den kann sie wegschütten, wie Limonade. So, wie ich Cola trinke, kann die Sekt wegtrinken. Aber tagsüber hat sie das mit dem Feiern mit dem Sekt aus einem ganz anderen Grund gemacht, Sie hat die Angestellten dazu animiert, mitzumachen.<br />
Wissen Sie, so um meinem Vater zu zeigen, dass Trinken doch was ganz Normales ist, das alle machen. Um ihn alleine dastehen zu lassen, weil er doch nichts mehr trinkt. Das sollte zeigen: &#8218;Seht her, alle trinken doch tagsüber Sekt, das ist doch völlig in Ordnung, bloß Du bist ein Spielverderber!&#8216;</p>
<p>Aber wenn Sie meinen, dass diese Trinkerei der Firma Schaden zugefügt hat, dann nur auf dem Umweg.&#8220;</p>
<p>&#8222;Auf welchem Umweg?&#8220;</p>
<p>&#8222;Mein Papa!&#8220;</p>
<p>&#8222;Wie?&#8220;</p>
<p>&#8222;Meine Mutter kann saufen bis um zwei Uhr morgens, bis dahin hat die den vollgesabbelt, hat ihm den Verstand aus dem Kopf geblubbert und ihn sowas von zusammengeschissen und fertiggemacht, dass der Mann nicht mehr konnte. Dann legt die sich ins Bett und kann pennen. Mein Vater ist dann aber so aufgedreht, dass er sich die ganze Nacht nur herumwälzt.</p>
<p>Am nächsten Morgen, fragen Sie mich nicht, wie die das macht, steht die Alte wieder fit wie ein Turnschuh im Laden und mein Vater sah immer aus, wie der lebende Tod.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und inwiefern hat sich das auf die Drogerie ausgewirkt?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ach, das ging über Jahre. Tagsüber ist meine Mutter die strahlende und immer freundliche Drogistin, die zu jedermann ein gutes Verhältnis hat. Und sobald keiner mehr dabei ist und am Abend, behandelt die meinen Vater wie Dreck.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, aber weshalb denn? Ich meine, wenn ich das richtig verstehe, hat er sie doch trinken lassen und das irgendwie hingenommen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Der hat ihr das Bier ja auch noch geholt. Denn wenn sie nichts hat, dann wird&#8217;s erst richtig schlimm. Mit anderen Worten: man kann die besoffen nicht ertragen, aber wenn sie nichts bekommt, ist es fast noch schlimmer. Sie glauben ja nicht, was die reden kann. Die ist meinem Vater im Streiten haushoch überlegen. Dem war wichtig, dass Frieden im Karton ist, wenn Sie wissen, was ich meine.</p>
<p>Die Drogerie lief weiter gut und meine Mutter ist ja auch bei allen beliebt. Wenn die so&#8217;n Glas Sekt intus hat, hat sie alle lieb und will mit jedem dicke Freundin sein. Da biedert sie sich regelrecht an.&#8220;</p>
<p>Ich hüstele und frage vorsichtig: &#8222;Auch bei anderen Männern?&#8220;</p>
<p>&#8222;Gerade bei anderen Männern! Gerade bei denen! Mein Vater ist ein grundanständiger Mann. Der ist noch von der alten Schule. Kein Tyrann, kein Macho oder so. Man kann nichtmal sagen, dass der besonders eifersüchtig ist. Aber für ihn hat das Wort Ehe noch eine Bedeutung und ich glaube, es gibt keinen, der so ein treuer Dackel ist wie der.<br />
Vor ein paar Jahren hat ihm ein Lehrmädchen mal schöne Augen gemacht. Diese Vanessa hat ihn regelrecht um den Finger gewickelt und ihn dazu gebracht, ihr teure Geschenke zu machen und allerlei Vorteile zu gewähren.&#8220;</p>
<p>&#8222;Hat er ein Verhältnis mit dieser Vanessa angefangen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ach was! Der doch nicht. Um Himmels willen!!! Nein, nein, nein. Dem hat es gereicht, dass Vanessa ganz nah an ihm vorbeigelaufen ist oder ihn mal gestreift oder berührt hat. Ihm hat das gutgetan, dass so ein junges Ding Interesse an ihm bekundete. Ich hab&#8216; mir so gedacht, dass der richtig aufgeblüht ist. Weiß der Henker, was der sich so ausgemalt hat. Aber eins ist sicher: Der hätte die nie angefasst oder irgendwas mit der gemacht. Sie durfte sich teure Parfums für nen Appel und ein Ei mitnehmen und er hat ihr die Berichtshefte abgezeichnet, ohne hinzugucken. Auch für die Berufsschule hat er ihr schon mal Entschuldigungen geschrieben und sowas. Ihm hat schon gereicht, dass die ihn angeschmachtet hat.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und Ihre Mutter?&#8220;</p>
<p>&#8222;Die hat das erst gar nicht mitgekriegt. Die war immer so mit sich selbst und ihrem Kundenkreis beschäftigt, dass die nichts gemerkt hat. Außerdem war Vanessa ja auch raffiniert. Aber eines Tages hatt&#8217;se dann doch was mitgekriegt und dann ging es los. Meine Fresse! Was für ein Theater. So als ob mein Vater ein Sexverbrecher wäre, so als ob der dem Mädchen Urlaub in Monaco bezahlt hätte. Und natürlich hat meine Mutter das so hingedreht, dass sie wegen ihm jetzt abends noch mehr saufen musste; um den Ärger runterzuspülen. Die hat den tatsächlich aus dem Schlafzimmer rausgeschmissen! Stellen Sie sich das mal vor. Mein Vater hat sich dann das Gästezimmer als sein Schlafzimmer zurechtgemacht. So ist das auch geblieben.</p>
<p>Aber sie! Ja, sie durfte natürlich mit jedem flirten. Angeblich kannte sie die Herren von ganz früher aus ihrer Jugend und das waren alles gaaaanz alte Bekannte. Da kann man ja wohl nichts gegen sagen, dass sie denen sogar zur Begrüßung Küsse auf den Mund gegeben hat.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wie bitte?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, Sie staunen, nicht wahr? Aber sie hat sich tatsächlich angewöhnt, wildfremde Kerle auf den Mund zu küssen. Die hat so ein Geschick darin, gleich jeden zu duzen, mit jedem Best-Friend zu sein und jeden anzupacken, eben mal zu küssen und alles auf so eine Beziehungsebene zu stellen, die unangemessen ist. Aber echt jetzt, die hat damit unwahrscheinlich gut verkauft. Der Laden läuft.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und ihr Vater?&#8220;</p>
<p>&#8222;Der? Der hatte ja noch nicht einmal mehr seine Vanessa. Die hat Mama rausgeekelt. Nur meinem Papa ist es zu verdanken, dass die wenigstens noch ihren Abschluss machen konnte. Aber dann war die weg. Mir hat der richtig leidgetan. Wie er da in seiner Hälfte vom Laden stand und wie ein Gartenzwerg, wie ein Hampelmann von meiner Mutter quasi ignoriert wurde. Tagsüber das und abends stundenlang Vorwürfe, Stress und Streit. Die kann streiten, ohne Luft zu holen, die kann laut sein, ohne sich auch nur im Geringsten anzustrengen. Dabei lacht sie noch und ich weiß, dass ihr das sogar Spaß macht.<br />
Aber mein Papa der leidet. Dem ging das an die Substanz.<br />
Zuerst hat er nur Magenschmerzen gehabt. Dann sagte der Arzt vor zweieinhalb Jahren, er hätte eine Gastritis. Dann hieß es Magengeschwür. Ja und dann auf einmal kam Papa nach Hause und sagte, der Arzt will mal mit Mama sprechen. Wissen Sie, was die gesagt hat?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nein.&#8220;</p>
<p>&#8222;Die hat gesagt: Würd&#8216; mich nich&#8216; wundern, wenn Du was an der Prostata hast, so wie Du immer einen Samenstau hattest von diesem Flittchen Vanessa!&#8220;</p>
<p>&#8222;Und ist sie dann zum Arzt gegangen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nein, ich bin mit Papa dann die Woche drauf zum Arzt.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und?&#8220;</p>
<p>&#8222;Magenkrebs, nur noch sechs Monate.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ach, du Scheiße!&#8220;</p>
<p>&#8222;Kann man wohl laut sagen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Tut mir echt leid, Julia.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wenn man so bei Google liest, wie es Leuten mit Magenkrebs geht, dann muss ich sagen, dass Papa noch Glück hatte. Ich hab&#8216; ihn da zu Hause raus und ins Hospiz gebracht. Da war der komischerweise auch voll einverstanden mit. Und wissen Sie, was der zu mir gesagt hat? &#8218;Julia&#8216;, hat der gesagt: &#8218;Hier, das ist jetzt die schönste Zeit in meinem Leben, seit ganz langer Zeit. Wenn ich hier noch ein bisschen bleiben dürfte, dann wäre ich glücklich.&#8216; Das hat er gesagt.&#8220;</p>
<p>Julia weint, und ich setze mich auf die Lehne ihres Sessels und nehme sie in den Arm. Sie riecht nach Himbeere. Und sie tut mir so unendlich leid. Und in gewisser Weise tut mir der arme Drogerist so leid.</p>
<p>Nach einer Weile löse ich mich von der jungen Dame, bevor es komisch wird, und hole nochmal Kaffee.</p>
<p>Als ich zurückkomme, steht Julia am Fenster, sieht hinaus und spricht, ohne sich zu mir umzudrehen: &#8222;Sie werden es mir vielleicht nicht glauben, oder Sie werden das nicht verstehen können, aber ich habe meine Mutter trotzdem lieb. Das ist doch meine Mama. Aber Sie haben von Anfang an gespürt, das habe ich gemerkt, dass ich im Grunde genommen nur vor ihr Angst habe. Ich habe solche große Angst vor ihr, dass ich verrückt werden könnte.</p>
<p>Ich stehe doch jetzt vollkommen alleine da. Ich wohne oben in Opas Wohnung und unten säuft die sich jeden Abend zu. Bislang haben Papa und ich uns gegenseitig gestützt, und wir hatten genug damit zu tun, uns jeweils zu helfen und den Rücken zu stärken. Was wird denn aber jetzt? Papa ist weg. Die geht doch jetzt voll jeden Abend auf mich los. </p>
<p>Gott sei Dank habe ich nicht in der Drogerie angefangen, so wie Papa das immer gewollt hat. Ich bin jetzt fertig und werde Grundschullehrerin. Noch ein Dreivierteljahr und ich krieg eine Stelle am Bodensee. Dann bin ich weg. Den Entschluss habe ich schon gefasst, als Papa die Diagnose gekriegt hat. Wenn er es länger gemacht hätte, hätte ich das noch etwas ziehen können, aber jetzt passt es perfekt.&#8220;</p>
<p>&#8222;Dann ist es nur dieses Dreivierteljahr&#8230;&#8220;</p>
<p>&#8222;Ich weiß, was Sie sagen wollen. Aber das sind acht bis zehn Monate und die werden furchtbar für mich.&#8220;</p>
<p>&#8222;Dann ziehen Sie so lange zu Hause aus. Gibt es denn niemanden, der Sie aufnehmen könnte, damit Sie nicht bei Ihrer Mutter bleiben müssen?&#8220;</p>
<p>&#8222;So einfach ist das nicht. Irgendwie braucht die doch auch meine Hilfe. Ich meine, die steht jetzt auch ohne Papa da. Die kann im Geschäft gut verkaufen und so, aber den ganzen geschäftlichen Kram, den kriegt die nicht hin. Ich seh&#8216; jetzt schon, dass da der ganze Schriftverkehr liegenbleibt. Finanzamt, Behörden, Rechnungen, die kümmert sich um nichts. Schon seit Papa ins Hospiz gekommen ist. Bloß immer lachen, gute Laune und jetzt noch öfters ein Gläschen Sekt, weil sie ja einen ach so schwerkranken Mann hatte&#8230; Ich kotz&#8216; gleich.&#8220;</p>
<p>Der letzte Akt</p>
<p>Ich hatte ja erzählt, dass meine Tochter in dieser Tanzgarde mitmachen wollte. Und das hat sie auch gemacht. Und das war ein Segen, ein Segen für Julia.<br />
Denn die Trainerin dieser Tanzgruppe hatte sich zwei Wochen nach meinem Gespräch mit Julia von ihrem Freund getrennt. Um die, für eine Person viel zu teure, Wohnung halten zu können, suchte sie nach einer Untermieterin.<br />
Man kann sich denken, wie sich alles gefügt hat.</p>
<p>Schon nach Weihnachten in diesem Jahr war ein Barbershop in die Räume der ehemaligen Drogerie eingezogen. Ostern darauf standen Abrissbagger dort, wo sich Julias Elternhaus befunden hat.<br />
Meine Bürodame, Frau Büser, erzählte mir, sie habe bei der Gemüsefrau gehört, die Drogistin sei mit einem 29-Jährigen nach Mallorca gezogen, um dort eine Würstchenbraterei zu eröffnen.</p>
<p>Eins weiß ich aber ganz sicher: Die Kinder in dieser Grundschule am Bodensee bekommen eine ganz tolle Lehrerin.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/e0e44b2d93674782b937db3c69fee111" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/e0e44b2d93674782b937db3c69fee111" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Eisbaden &#8211; Nein danke!</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/eisbaden-nein-danke/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Jan 2026 17:25:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fundstücke]]></category>
		<category><![CDATA[Basejumping Risiko]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter Einsatz Wasserleiche]]></category>
		<category><![CDATA[Darwin Award Diskussion]]></category>
		<category><![CDATA[Eisbaden Gefahr]]></category>
		<category><![CDATA[Eisbader gestorben]]></category>
		<category><![CDATA[Extremhobbys Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Kälte Gefahr Unterkühlung]]></category>
		<category><![CDATA[Leiche im Teich gefunden]]></category>
		<category><![CDATA[Leichenbergung Rettungskräfte]]></category>
		<category><![CDATA[tödlicher Badeunfall Winter]]></category>
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					<description><![CDATA[Eisbaden ist nicht mein Ding. Mein Vater hat ja den Russlandfeldzug mitmachen müssen, und der wusste, was Kälte bedeutet. Das hat ihn aber nicht davon abgehalten, zur Abhärtung und zur<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/eisbaden-nein-danke/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eisbaden ist nicht mein Ding. Mein Vater hat ja den Russlandfeldzug mitmachen müssen, und der wusste, was Kälte bedeutet. Das hat ihn aber nicht davon abgehalten, zur Abhärtung und zur Stärkung der Abwehrkräfte immer mal wieder kalt zu duschen.</p>
<p>Ich bin auch nicht kälteempfindlich. In meiner Militärzeit habe ich lange Winternächte mit unzureichender Ausrüstung draußen zubringen müssen, und ich habe am eigenen Leib erleben und lernen müssen, wie wärmend und einlullend es ist, wenn man kurz vor dem Erfrieren ist. Es umfängt einen dann auf einmal eine wohlige Wärme, Glücksgefühle durchströmen einen und man hat weder Lust, noch die Kraft, sich zu bewegen. Hätte das Ganze nicht auf einem Militärflughafen stattgefunden, und wäre nicht die Flughafenfeuerwehr mit lautem Getöse angefahren gekommen, wäre ich weggelullt; davon bin ich überzeugt. Mit großen Schmerzen in den Gelenken und Millionen Ameisen in den Adern bin ich hochgeschnellt. Mehrere heiße Tassen Kaffee und eine amerikanische Dosensuppe von den Kameraden haben mich wieder fit gemacht.</p>
<p>Das war aber nichts gegen das, was mir ein Herr einmal erzählt hat, der Stalingrad überlebt hatte. Ihm fehlte nur das Endglied eines kleinen Fingers. Aber er berichtete davon, wie die Hände seiner Kameraden an den Waffen festfroren und abbrachen wie Glas&#8230;</p>
<p>Zurück ins Hier und Jetzt: Ich habe es am liebsten so um die 22 Grad. Viel kühler mag ich es nicht und im Sommer fange ich bei 24 Grad an zu leiden.<br />
Ganz anders meine Allerliebste. Ihr kann es gar nicht warm genug sein. Ich lästere darüber ja auch in meinen Geschichten und Büchern.<br />
Meine Meinung: Gegen echte oder gefühlte Kälte helfen ja auch Pullover und Jacken, da muss nicht jeder Raum auf 28 Grad aufgeheizt werden.</p>
<p>Aber selbst, wenn ich bereit bin, mit niedrigeren Temperaturen auszukommen, als meine Allerliebste, so würde ich mich doch nicht in eiskaltes Wasser stürzen.</p>
<div class="newspaper">
<p><h2 id="leiche-in-vereistem-teich-entdeckt-mann-stirbt-offenbar-beim-eisbaden-in-wismar">Leiche in vereistem Teich entdeckt – Mann stirbt offenbar beim Eisbaden in Wismar</h2>
<p><em>Wismar</em>. Bei der Suche nach einem verunglückten Eisbader haben Einsatzkräfte in Wismar in einem vereisten Teich die Leiche eines Mannes gefunden. Nach Angaben der Polizei handelt es sich um einen 40-Jährigen. Ein Zeuge hatte am Montagmorgen beobachtet, wie ein Mann in den zugefrorenen Teich gestiegen war, um dort zu baden. Kurz darauf sei er jedoch nicht mehr an die Oberfläche zurückgekehrt. Der Zeuge verständigte daraufhin die Rettungskräfte.</p>
<p>Vor Ort entdeckten die Einsatzkräfte zwei Öffnungen im Eis sowie eine Kamera. Nach Angaben der Stadt Wismar war diese noch in Betrieb. Das aufgezeichnete Videomaterial zeige den Moment, in dem der Mann in das Wasser springt – und anschließend nicht mehr auftaucht.</p>
<p>Bei dem Gewässer handelt es sich um einen Löschteich im Stadtteil Wendorf. Die Wassertiefe betrug an der betroffenen Stelle nach Schätzungen der Feuerwehr rund 1,75 Meter. Die Eisschicht war etwa fünf bis sieben Zentimeter dick. Die Feuerwehr hatte bereits in der Vorwoche ausdrücklich davor gewarnt, Eisflächen zu betreten. Nach bisherigen Erkenntnissen war der Mann jedoch nicht eingebrochen, sondern hatte zuvor selbst Löcher in die Eisfläche gesägt.</p>
<p>Während der Such- und Bergungsarbeiten waren neben der Feuerwehr auch Taucher im Einsatz. Mit Kettensägen schnitten Einsatzkräfte weitere Öffnungen in das Eis. Die Feuerwehrleute waren dabei mit Sicherungsleinen gesichert. Ein Sprecher der Feuerwehr sprach von sehr schwierigen Bedingungen vor Ort.</p>
<p>Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) nahm den Vorfall zum Anlass, eindringlich vor dem Eisbaden ohne Begleitung zu warnen. Man solle niemals allein in eisiges Wasser gehen, sondern mindestens zu zweit sein, um im Notfall sofort Hilfe leisten zu können. Zudem sei eine vorherige ärztliche Abklärung dringend zu empfehlen, da insbesondere bei Herz- und Kreislauferkrankungen akute Lebensgefahr bestehe.</p>
<p>Spekulationen, wonach es sich bei dem Verstorbenen um einen Influencer gehandelt haben könnte, wurden von der Polizei nicht bestätigt. Am Teich wurde auch das Fahrzeug des Mannes gefunden. Seine Partnerin befand sich ebenfalls am Einsatzort und wurde seelsorgerisch betreut.</p>
<p>Warum der Mann nicht wieder aus dem Wasser zurückkehren konnte, ist derzeit noch unklar. Die Polizei hat ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Nach ersten Einschätzungen deutet vieles auf einen tragischen Unglücksfall hin.</p>
<p><cite>Quelle und weiterführender Bericht: <a href="https://der-farang.com/de/pages/leiche-von-eisbader-gefunden-und-laufende-kamera" rel="noopener">https://der-farang.com/de/pages/leiche-von-eisbader-gefunden-und-laufende-kamera</a></cite></p>
</div>
<p>Ich weiß nicht, ob so ein tragischer Fall in den Bereich dessen gehört, was für den Darwin-Award zählen könnte.<br />
Traurig ist sowas immer.</p>
<p>Aber ich finde, dass man auch nicht jeden Quark machen muss. Ich meine, wer sich mit einem Lappen auf dem Rücken von Klippen oder Hochhäusern stürzt, sorgt vielleicht für Aufmerksamkeit in den asozialen Medien, bekommt aber wenig Mitleid von mir, wenn sein &#8222;Sport&#8220; schiefgeht. Ich würde mir auch kein Hosengummi an die Füße binden und kopfüber irgendwo runterspringen, weil andere das lustig finden.<br />
Jeder soll machen, was ihm Spaß macht, solange er mich nicht zwingt, ihm gleichzutun, solange niemand anders geschädigt wird und solange es nicht mein Geld kostet. Meinetwegen, so sage ich das immer, können sich die Leute Frikadellen an die Knie nageln. Ist mir egal.<br />
Aber bitte, erwartet nicht mein Mitleid, wenn Euch das dann wehtut oder das Leben kostet. Ist so.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/34843629655643d98bc2b084725ed541" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/34843629655643d98bc2b084725ed541" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Tut Sterben weh?</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/tut-sterben-weh/</link>
					<comments>https://bestatterweblog.de/tut-sterben-weh/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Jan 2026 04:52:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frag doch den Undertaker]]></category>
		<category><![CDATA[tut sterben weh]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Tod gehört zum Leben, doch kaum jemand spricht darüber, wie er sich tatsächlich anfühlt. Besonders junge Menschen, die zum ersten Mal mit dem Sterben eines geliebten Menschen konfrontiert werden,<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/tut-sterben-weh/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Tod gehört zum Leben, doch kaum jemand spricht darüber, wie er sich tatsächlich anfühlt. Besonders junge Menschen, die zum ersten Mal mit dem Sterben eines geliebten Menschen konfrontiert werden, stellen sich die Frage, ob das Ende des Lebens mit Schmerz verbunden ist. Diese ehrliche Frage verdient eine ehrliche, behutsame Antwort.</p>
<div class="frage-box">
<div class="message-container">
<p>Lieber Herr Wilhelm,</p>
<p>          mein Opa ist vor ein paar Tagen zu Hause gestorben. Wir waren alle dabei, auch ich. Er hat am Ende ganz ruhig geatmet und dann einfach aufgehört. Aber ich frage mich seitdem: Tut das Sterben weh? Hat er Schmerzen gehabt? Oder merkt man das gar nicht richtig, wenn man stirbt? Ich bin 16 und das war das erste Mal, dass ich jemanden habe sterben sehen.</p>
<p>          Viele Grüße<br />
          <i>Leon</i></p>
</p></div>
</p></div>
<h3 id="lieber-leon">Lieber Leon,</h3>
<p>deine Frage ist eine der ehrlichsten, die man stellen kann – und sie ist ganz und gar nicht ungewöhnlich. Es braucht Mut, sie überhaupt auszusprechen. Du hast etwas sehr Intimes miterlebt: den letzten Moment eines Menschenlebens. Das lässt niemanden kalt, und es ist völlig verständlich, dass du dir nun Gedanken machst.</p>
<h2 id="das-sterben-ist-meist-ein-prozess-kein-moment">Das Sterben ist meist ein Prozess, kein Moment</h2>
<p>In den allermeisten Fällen ist Sterben kein plötzlicher Schnitt, sondern ein schrittweiser Übergang. Der Körper fährt nach und nach seine Funktionen herunter – ähnlich wie ein Computer, der langsam ausgeschaltet wird. Menschen werden müde und schläfrig, gleiten in einen Dämmerzustand und sind zuletzt bewusstlos. Herzschlag und Atmung werden langsamer, bis schließlich alles zur Ruhe kommt.</p>
<p>Wenn jemand wie dein Opa im hohen Alter und in vertrauter Umgebung stirbt, geschieht das häufig sehr friedlich. Der Körper hat seinen Weg vollendet. Viele Sterbende spüren in dieser Phase keine Schmerzen mehr – sie sind oft wie in einem Traum, halb hier und halb schon woanders. Kurz vor dem Tod tritt häufig eine große Ruhe ein; manche nennen das „Sterbefrieden“.</p>
<h2 id="was-angehoerige-sehen-und-was-sterbende-wahrscheinlich-empfinden">Was Angehörige sehen – und was Sterbende wahrscheinlich empfinden</h2>
<p>Von außen kann der letzte Atemzug ungewohnt wirken: Die Atmung wird unregelmäßig, manchmal gibt es ein Röcheln oder einen langen Seufzer. Das ist Körpermechanik – keine verlässliche Aussage über Schmerz oder Angst. Die Muskeln im Hals- und Brustbereich arbeiten noch reflexhaft, obwohl das Bewusstsein schon weit weg ist.</p>
<p>Menschen, die viele am Lebensende begleitet haben, berichten oft von einem friedlichen Gesichtsausdruck: gelöst, manchmal sogar mit einem Hauch von Lächeln. Das passt zu dem, was wir wissen: In den letzten Minuten nimmt das Bewusstsein die Umgebung meist nur noch gedämpft wahr; Angst und Schmerz rücken in den Hintergrund.</p>
<h2 id="wenn-schmerzen-da-sind-hilft-palliativmedizin">Wenn Schmerzen da sind, hilft Palliativmedizin</h2>
<p>Es gibt Krankheiten, die Schmerzen machen können. Die gute Nachricht: Niemand muss heute mit Schmerzen sterben. Die Palliativmedizin – also die spezielle Versorgung am Lebensende – kann Schmerzen und Atemnot sehr wirksam lindern. Medikamente, beruhigende Mittel, Lagerung, Atemtechniken und vor allem menschliche Nähe helfen, dass Sterbende ruhig bleiben und nicht leiden müssen.</p>
<p>Aus der Praxis kann ich sagen: Wer gut betreut ist, wirkt am Ende meist entspannt. Das ist tröstlich – für die Betroffenen, aber auch für die Familie, die mit dem letzten Bild weiterlebt.</p>
<p>Dein Opa durfte zu Hause sterben, das finde ich gut. Aus Erzählungen weiß ich, dass alle meine Großeltern auch zu Hause verstorben sind. Auch meine Eltern sind in ihrem eigenen Bett gestorben. Ich konnte dabei sein und habe mich genau das Gleiche gefragt wie Du.</p>
<h2 id="was-in-koerper-und-geist-geschieht">Was in Körper und Geist geschieht</h2>
<p>Medizinisch gesehen nimmt die Hirnaktivität ab, die Sinne werden leiser. Hören und Fühlen scheinen am längsten erhalten zu bleiben. Deshalb ist es sinnvoll, bis zum Schluss ruhig zu sprechen, zu berühren, zu halten. Viele Angehörige erzählen später, dass der Sterbende genau dann gegangen ist, als die Worte „Es ist gut“ oder „Wir sind bei dir“ gesagt wurden. Ob man das seelisch, spirituell oder biologisch deutet – es hilft.</p>
<h2 id="wie-du-mit-dem-erlebten-umgehen-kannst">Wie du mit dem Erlebten umgehen kannst</h2>
<p>Du hast etwas sehr Bedeutendes gesehen. Sprich darüber – mit deiner Familie, mit Freundinnen und Freunden oder jemandem, dem du vertraust. Es ist normal, dass Bilder wiederkommen, dass Fragen auftauchen, auch dass Tränen kommen. Manche schreiben dem Verstorbenen einen Brief, andere zünden eine Kerze an oder hören „sein“ Lied. Alles, was dir gut tut, ist richtig.</p>
<p>Ich könnte heute, nach vielen Jahrzehnten, immer noch Tränen vergießen, wenn ich an diese Momente denke. Das ist ganz normal und auch völlig in Ordnung. </p>
<h2 id="eine-ehrliche-antwort">Eine ehrliche Antwort</h2>
<p>„Tut Sterben weh?“ – In den meisten Fällen: nein. Vor allem nicht so, wie wir es uns vorstellen. Es ist eher ein langsames Loslassen. Und wenn Schmerzen drohen, können wir heute sehr gut helfen. Das Wichtigste ist: Niemand muss allein sterben. Dass du bei deinem Opa warst, war wahrscheinlich das größte Geschenk, das du ihm machen konntest.</p>
<p>Du kannst ganz beruhigt sein, das Sterben an sich tut nicht weh, in den allermeisten Fällen bekommt der Sterbende auch nichts davon mit. </p>
<h2 id="was-bleibt">Was bleibt</h2>
<p>Der Körper hört auf, aber die Liebe bleibt. Sie verändert nur ihre Form. Du wirst deinen Opa in dir tragen – in Sätzen, in Gerüchen, in Erinnerungen und in dem, was er dir beigebracht hat. Das ist nicht das Ende, sondern eine andere Art von Nähe.</p>
<p>    Ich persönlich finde die Erinnerungen das Allerwichtigste. Erst wenn ein Mensch komplett vergessen wurde, ist er wirklich weg. Beim Sterben müssen wir uns nur vom Körper des Menschen verabschieden. Die gemeinsamen Erlebnisse und die Erinnerungen, die können wir für immer behalten. </p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/4c2a7c3d34b44f6bbca988e1a5d58010" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/4c2a7c3d34b44f6bbca988e1a5d58010" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Last Christmas: Warum berühmte Sänger früher sterben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Jan 2026 18:17:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fundstücke]]></category>
		<category><![CDATA[Pop Star]]></category>
		<category><![CDATA[Popstars]]></category>
		<category><![CDATA[Sänger]]></category>
		<category><![CDATA[Sängerin]]></category>
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					<description><![CDATA[Jetzt ist es ja wieder 11 Monate lang Ruh&#8216; mit &#8222;Last Christmas&#8220;. Aber vor ein paar Wochen lief er wieder in Dauerschleife durch Kaufhäuser, Radiosender und Wohnzimmer: Last Christmas. Der<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/last-christmas-warum-beruehmte-saenger-frueher-sterben/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt ist es ja wieder 11 Monate lang Ruh&#8216; mit &#8222;Last Christmas&#8220;. Aber vor ein paar Wochen lief er wieder in Dauerschleife durch Kaufhäuser, Radiosender und Wohnzimmer: <em>Last Christmas</em>. Der Song gehört mittlerweile so fest zur Vorweihnachtszeit wie Tannenduft und Lichterketten. </p>
<p>Was dabei leicht in Vergessenheit gerät: Sein Interpret George Michael starb am 25. Dezember 2016 – mit nur 53 Jahren. Ein früher Tod, der sich tief ins kollektive Gedächtnis eingegraben hat.</p>
<p>George Michael ist damit nicht nur Teil der Popgeschichte, sondern beinahe ein Sinnbild für ein Phänomen, das nun auch wissenschaftlich untersucht wurde: Berühmte Sängerinnen und Sänger sterben im Durchschnitt früher als ihre weniger bekannten Kolleginnen und Kollegen.</p>
<h2 id="eine-studie-ueber-ruhm-und-sterblichkeit">Eine Studie über Ruhm und Sterblichkeit</h2>
<p>Ein Forschungsteam um Johanna Hepp vom Lehrstuhl für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik der Universität Witten/Herdecke hat dieses Thema in einer retrospektiven Fall-Kontroll-Studie untersucht. Die Ergebnisse wurden 2025 im <em>Journal of Epidemiology and Community Health</em> veröffentlicht.</p>
<p>Verglichen wurden 324 international bekannte Sängerinnen und Sänger mit 324 weniger berühmten Musikern, die hinsichtlich Geschlecht, Herkunft, Epoche, Musikgenre und Karrierestruktur möglichst exakt abgeglichen wurden. Ziel war es, den Faktor „Berühmtheit“ möglichst isoliert zu betrachten.</p>
<p>Das Ergebnis ist bemerkenswert – und aus bestattungskultureller Sicht hochinteressant: Berühmte Sänger wiesen ein um 33 Prozent höheres Sterberisiko auf als weniger bekannte. Die statistisch berechnete mittlere Lebenserwartung lag bei den Berühmtheiten bei rund 75 Jahren, bei den weniger bekannten Vergleichspersonen bei knapp 80 Jahren.</p>
<h2 id="weniger-ruhm-mehr-lebenszeit">Weniger Ruhm – mehr Lebenszeit?</h2>
<p>Die untersuchten Musiker stammten jeweils zur Hälfte aus Europa und Nordamerika. Rund 83 Prozent waren männlich, der Großteil im Rock-Genre tätig. Die Karrieren mussten zwischen 1950 und 1990 aktiv gewesen sein – also in jener Phase, in der Popkultur, Starkult und weltweite Vermarktung eine neue Dimension erreichten.</p>
<p>Die erste verstorbene berühmte Person in der Kohorte starb bereits im Alter von 21 Jahren, während der früheste Todesfall in der Vergleichsgruppe erst mit 29 Jahren eintrat. Auch das ist ein Detail, das aufhorchen lässt.</p>
<p>Interessant am Rande: Die Mitgliedschaft in einer Band war mit einem um 26 Prozent geringeren Sterberisiko verbunden als eine Solokarriere. Allein der Status als Frontfigur, Star und Projektionsfläche scheint also zusätzliche Belastungen mit sich zu bringen – psychisch wie physisch.</p>
<h2 id="only-the-good-die-young-ein-alter-mythos-neue-daten">„Only the good die young?“ – ein alter Mythos, neue Daten</h2>
<p>Die Popgeschichte ist reich an frühen Todesfällen: Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Amy Winehouse, Avicii, Kurt Cobain, Chester Bennington – die Liste ließe sich lange fortsetzen. Sie hat den Mythos genährt, dass große Kunst und früher Tod irgendwie zusammengehören.</p>
<p>Die Studie aus Witten/Herdecke liefert nun nüchterne Zahlen zu einem Phänomen, das sonst gern romantisiert wird. Ruhm geht offenbar mit besonderen Risiken einher: Dauerstress, öffentliche Beobachtung, Leistungsdruck, unregelmäßige Lebensweise, Substanzmissbrauch, psychische Belastungen und Identitätskonflikte – alles Faktoren, die auch aus der Thanatologie, der Suizidforschung und der Suchtmedizin wohlbekannt sind.</p>
<h2 id="was-das-fuer-den-umgang-mit-tod-und-prominenz-bedeutet">Was das für den Umgang mit Tod und Prominenz bedeutet</h2>
<p>Aus Sicht des Bestattungswesens ist das Thema nicht nur statistisch interessant. Prominente Todesfälle lösen regelmäßig kollektive Trauer, mediale Rituale und stark emotionalisierte Formen des Abschieds aus. Sie prägen, wie Gesellschaft über Tod, Vergänglichkeit und Lebensentwürfe spricht.</p>
<p>Wenn wissenschaftliche Daten nun nahelegen, dass Berühmtheit selbst ein Mortalitätsfaktor ist, bekommt der öffentliche Tod eine zusätzliche Dimension: Er ist nicht nur Schicksal oder Exzess, sondern möglicherweise auch Folge einer Lebensform, die systematisch mit erhöhtem Risiko verbunden ist.</p>
<p>George Michaels <em>Last Christmas</em> klingt in diesen Tagen deshalb nicht nur nach Weihnachtsmelancholie – sondern auch nach einer Erinnerung daran, dass Ruhm kein Schutzschild gegen Endlichkeit ist. Vielleicht im Gegenteil.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/9e113e3c6d5b41349e8c17e24226cac7" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/9e113e3c6d5b41349e8c17e24226cac7" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
<h2 id="links">Links</h2>
<ul>
<li><a href="https://jech.bmj.com/content/early/2025/11/30/jech-2025-224589" rel="noopener">Studie im <em>Journal of Epidemiology and Community Health</em></a></li>
<li><a href="https://www.uni-wh.de/kostet-beruehmtheit-leben-studie-zeigt-erhoehtes-sterberisiko-bei-stars" rel="noopener">Pressemitteilung der Universität Witten/Herdecke</a></li>
<li><a href="https://www.aerzteblatt.de/news/last-christmas-beruhmte-sanger-haben-eine-hohere-mortalitat-d6d4744f-ccdb-4a31-aeb6-0e175cd24378" rel="noopener">Deutsches Ärzteblatt</a></li>
</ul>
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		<item>
		<title>Erich von Däniken ist tot</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Jan 2026 17:52:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nekrolog]]></category>
		<category><![CDATA[Ausserirdische]]></category>
		<category><![CDATA[Autor]]></category>
		<category><![CDATA[Erich von Däniken]]></category>
		<category><![CDATA[Kopp-Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Schriftsteller]]></category>
		<category><![CDATA[UFOs]]></category>
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					<description><![CDATA[Erich von Däniken, der Schweizer Autor, ist im Alter von 90 Jahren verstorben. Er wurde weltweit bekannt durch seine populärwissenschaftlichen Bücher, in denen er die Ansicht vertrat, frühe menschliche Kulturen<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/erich-von-daeniken-ist-tot/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Erich von Däniken, der Schweizer Autor, ist im Alter von 90 Jahren verstorben. Er wurde weltweit bekannt durch seine populärwissenschaftlichen Bücher, in denen er die Ansicht vertrat, frühe menschliche Kulturen hätten direkten Kontakt mit außerirdischen Besuchern gehabt, die ihnen Technologie, Wissen und vielleicht sogar genetische Impulse vermittelt hätten. </p>
<div class="info-box2024">
<div class="info-box2024-title"></div>
<p>Seine aus archäologischen Funden und Befunden abgeleiteten Thesen werden durch von Däniken, der sich selbst nicht als Wissenschaftler und seine Abhandlungen nicht als fachwissenschaftlich bezeichnete, lediglich im Stil «narrativer Sachbücher» präsentiert. Er behauptete seit 2006, er habe 1987 Kontakt mit einem Ausserirdischen gehabt. Er hat diese Behauptung zunächst in dem Roman Tomy und der Planet der Lüge veröffentlicht und später in Interviews bekräftigt. <cite>Quelle Wikipedia</cite></p>
</div>
<p>Sein 1968 erstmals erschienenes Werk <strong>Chariots of the Gods (Erinnerungen an die Zukunft)</strong>? wurde ein internationaler Bestseller und prägte die sogenannte „Ancient-Astronaut-Theorie“, nach der viele antike Bauwerke und Kunstwerke nur erklärt werden könnten, wenn man annimmt, dass Außerirdische sie beeinflusst hätten.  ￼</p>
<p>Von Dänikens Thesen waren niemals Teil des wissenschaftlichen Konsenses. Archäologen, Historiker und Naturwissenschaftler haben seine Hypothesen wiederholt als pseudowissenschaftlich und spekulativ zurückgewiesen, da sie oft auf fehlenden, entstellten oder widerlegten „Hinweisen“ beruhten und nicht in seriösen peer-reviewten Studien bestätigt wurden. Wissenschaftliche Kritik betont, dass menschliche Kulturen zu ihren Leistungen fähig waren, ohne außerirdische Intervention, und dass viele seiner Interpretationen logische und faktische Fehler enthalten.  ￼</p>
<p>Trotz der Kritik gewann von Däniken – teils gerade wegen seiner dramatischen Formulierungen – eine große Leserschaft und beeinflusste die Popkultur, von Dokumentarfilmen bis zu Fernsehserien über alte Zivilisationen und unerklärte Phänomene. Seine Bücher wurden dutzende Male übersetzt und Millionenfach verkauft.  ￼</p>
<p>Erich von Däniken hinterlässt ein umstrittenes, aber einflussreiches literarisches Erbe: eine Strömung des Denkens, die wissenschaftliche Methoden zugunsten anekdotischer Deutungen zurückstellte und damit ein weit verbreitetes Interesse an außerirdischem Leben und alternativen Geschichtsbildern weckte.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/fb3dd8c423b8450ba167b30fa9c36469" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/fb3dd8c423b8450ba167b30fa9c36469" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Welche sind unverzichtbar?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Jan 2026 08:14:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sonstiges]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich: Die weißen mit Ananas-Geschmack, die Primavera-Erdbeeren und die Lakritzschnecken. Und Du so? Nur mal so zwischendurch gefragt. Nicht, dass es wichtig wäre. Aber der blödeste Aufdruck auf den HARIBO-Tüten<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/welche-sind-unverzichtbar/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich: Die weißen mit Ananas-Geschmack, die Primavera-Erdbeeren und die Lakritzschnecken. Und Du so?</p>
<p>Nur mal so zwischendurch gefragt.<br />
Nicht, dass es wichtig wäre.</p>
<p>Aber der blödeste Aufdruck auf den HARIBO-Tüten ist doch oben rechts: &#8222;Zum Teilen&#8220;.</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Beim Abzocker</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/beim-abzocker/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Jan 2026 13:29:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[abzocker]]></category>
		<category><![CDATA[beim]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn man heute Geschäfte macht, Verträge abschließt und kurz davor steht, eine Menge Geld auszugeben, dann sollte man Vorsicht und Umsicht walten lassen, soviel steht fest. Am Besten ist es,<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/beim-abzocker/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man heute Geschäfte macht, Verträge abschließt und kurz davor steht, eine Menge Geld auszugeben, dann sollte man Vorsicht und Umsicht walten lassen, soviel steht fest. Am Besten ist es, man versorgt sich vorher in einschlägigen Internetforen mit den notwendigen Informationen und befragt zuvor noch ein Frage-Antwort-Portal, in dem vor allem Kinder, Ahnungslose und gelangweilte Dauerantwortgeber tummeln. Wenn man sich so gut informiert, dann ist man auf der sicheren Seite.</p>
<p>Das gilt beim Autokauf ebenso wie beim Besuch beim Bestatter.</p>
<p>Vater und Sohn Meitzner sitzen mir gegenüber. Vater Meitzner ist mir lange bekannt, ich habe seine Mutter, seinen Bruder und seinen Schwager bestattet, er war stets sehr zufrieden, hat sich jeweils sogar in den Danksagungsanzeigen für die gute Betreuung bei uns bedankt und seine Rechnungen in kürzester Zeit in bar bezahlt.</p>
<p>Heute ist Herr Meitzner da, um seine Frau bestatten zu lassen, die vorgestern Abend im Krankenhaus verstorben ist. Den Auftrag werden wir natürlich in gewohnt zuverlässiger Weise übernehmen und sicher auch wieder zur vollsten Zufriedenheit des Auftraggebers ausführen.</p>
<p>Allerdings hat Herr Meitzner seinen Sohn Oli mitgebracht und Oli ist Gipser von Beruf, bringt also schon von Haus aus die notwendigen Voraussetzungen mit, um sich sowas von auszukennen, dass es weh tut. Er hat sich überdies auf die oben beschriebene Weise mit den notwendigen Informationen versorgt, um gegen Betrug, Abzocke und Bauernfängerei gewappnet zu sein.</p>
<p>Kurzum, der Blöddödel ist nerviger als ein Geschwür am Allerwertesten.</p>
<p>&#8222;Wenn Sie meine Mutter aus dem Krankenhaus abholen, wer garantiert mir denn, dass auch alle persönlichen Gegenstände bei uns abgegeben werden?&#8220;</p>
<p>&#8222;Wenn dort noch persönliche Gegenstände sind, sollten Sie die betreffende Station aufsuchen und diese Sachen abholen. Die Verstorbene ist längst nicht mehr auf der Station.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ach so, das erledigen Sie also nicht. Muss man ja schließlich wissen, dass ihr Service doch nicht so umfassend ist. Hoffentlich berechnen Sie das dann nicht auch noch!&#8220;</p>
<p>&#8222;Wir können uns aber gerne darum kümmern und Ihnen diesen Weg abnehmen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Nee, nee, lassen Sie mal, das kostet dann zusätzlich, sowas kenne ich.&#8220;</p>
<p>Ich wende mich wieder dem Alten zu, der inzwischen vor den Särgen steht und einen Eichensarg in mittlerer Ausführung ausgesucht hat. Der gefällt ihm, der ist zweckmäßig und ein ähnliches Modell hat er bei den anderen Bestattungen auch immer gewählt.</p>
<p>&#8222;Moooment&#8220;, unterbricht Oli der Gipser unser Gespräch: &#8222;Haben Sie meinem Vater Alternativen gezeigt? Wie sieht es denn mit günstigeren Särgen aus? Dieser hier steht ja sicherlich nur deshalb in der Mitte, damit gleich der Blick darauf fällt und man dann gleich das Teuerste nimmt.&#8220;</p>
<p>&#8222;Sie können jeden Sarg aus der Ausstellung bekommen, das liegt ganz allein an Ihnen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Aber Sie haben keine Alternativen aufgezeigt, das ist doch merkwürdig, nicht wahr?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nun, Ihr Vater hat sich aus freien Stücken für dieses Modell entschieden, warum sollte ich ihm jetzt etwas anderes einreden?&#8220;</p>
<p>&#8222;Man kann ja nicht vorsichtig genug sein&#8220;, sagt Oli und stolziert um den Sarg herum. &#8222;Sagen Sie, wie kann man sicherstellen, dass wir auch genau diesen Sarg bekommen? Nachher nehmen sie ein baugleiches Modell aus dem Lager und das hat dann Kratzer oder so.&#8220;</p>
<p>&#8222;Sie bekommen ohnehin ein nagelneues Stück aus dem Lager, die Ausstellungsstücke verbleiben für gewöhnlich im Ausstellungsraum.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ach so, da haben wir es wieder. Man bekommt also einen Lockvogel gezeigt, kann sich aber die wirkliche Ware gar nicht anschauen.&#8220;</p>
<p>Vater Meitzner ist das peinlich, er wirft seinem Sohn einen Blick zu, der ihm bedeuten soll, sich etwas zu mäßigen, doch der denkt gar nicht daran.</p>
<p>&#8222;So, und wie ist das jetzt mit den Rabatten? Man kann ja neuerdings alles frei verhandeln und der Kaufmann ist verpflichtet auf das niedrigste Gebot des Kunden einzugehen.&#8220;</p>
<p>Natürlich kann man auch beim Bestatter handeln. Bei einer so großen Ausgabe kann man immer ein paar Euro rausschlagen, aber ich lasse mich doch von einem solchen Arroganzpimmel nicht ins Bockshorn jagen. Deshalb sage ich: &#8222;Das sind Festpreise, wir werden aber später ihrem Vater gerne ein paar Prozent an der Gesamtsumme abziehen.&#8220;</p>
<p>Oli stemmt die Hände in die Hüften und beharrt: &#8222;Ich habe aber gelesen, dass Bestatter bis zu 500 % auf die Särge aufschlagen, da müssen Sie mir jetzt was abziehen, ich denke, wenn wir uns auf 50 % einigen, dann geht das in Ordnung.&#8220;</p>
<p>Ich muss lachen und sage: &#8222;Sie können ja gerne mal bei irgendeinem anderen Kaufmann hier im Ort vorstellig werden und 50 % Rabatt fordern, bei uns jedenfalls bekommen Sie das nicht.&#8220;</p>
<p>&#8222;So geht das nicht&#8220;, protestiert er: &#8222;Sie müssen jetzt ein Gegenangebot machen!&#8220;</p>
<p>&#8222;Der Sarg kostet 1200 Euro, das steht auf dem Schild und das kostet er auch.&#8220;</p>
<p>&#8222;Sehen Sie, es geht doch!&#8220;</p>
<p>Während ich immer mehr zu der Überzeugung gelange, dass der einfach nur doof ist, geht Vater Meitzner zu den Kissen und Decken. Doch Oli ist schneller: &#8222;Das brauchen wir nicht, Vater! Im Forum haben die gesagt, dass man auch seine Decke von zu Hause nehmen kann, da spart man zig Euro.&#8220;</p>
<p>Vater Meitzner ist entrüstet: &#8222;Nein, weißt Du eigentlich, was unsere Bettdecken gekostet haben? Die haben wir auf einer Verkaufsveranstaltung in Bad Kissingen gekauft und die sind medizinisch.&#8220;</p>
<p>Vater Meitzner wählt eine schöne weiße Decke aus und Sohn Oli ist beleidigt. </p>
<p>Sohn Oli taxiert inzwischen die Urnen und sagt, an seinen Vater gewandt: &#8222;Du hier haben sie eine ganz günstige, die nehmen wir.&#8220;</p>
<p>Dabei deutet er auf eine der Pappurnen. Wir erinnern uns: Urnen müssen aus einem festen Material bestehen, das kann Metall sein, Holz, Keramik oder eben auch gepresste Maisstärke oder, wie in diesem Fall, Pappmaché.<br />
Die Urne sieht aus wie aus Granit, sehr ordentlich und geschmackvoll, wie ich finde, aber sie ist ganz leicht und preiswert und wird vorwiegend für Wald- und Seebestattungen genommen.</p>
<p>&#8222;Diese Urne besteht aus Pappe, das steht auch auf dem Schild&#8220;, sage ich zum jungen Herrn Meizner und der stemmt entrüstet die Hände auf die Hüften: &#8222;Das ist sittenwidrig! Sittenwidrig ist das!&#8220;</p>
<p>Vater Meitzner denkt gar nicht daran, über die Preise nachzudenken, er wählt, was ihm gefällt, und tippt auf eine blaue Metallurne und ich notiere. Oli schnaubt vor Wut.</p>
<p>Wenig später sitzen wir im Büro und ich rechne alles zusammen. Herr Meitzner hört sich die Gesamtsumme an, nickt und sagt: &#8222;Damit habe ich gerechnet, ist in Ordnung&#8220;, greift in seine Jackentasche, holt seine Geldbörse heraus und will eine Anzahlung leisten. Ältere Leute machen das oft.</p>
<p>Da pumpt sich Oli auf, holt tief Luft und beginnt: &#8222;Moooment, so geht das ja mal gar nicht&#8230;&#8220;</p>
<p>Dreht sich der Alte zu seinem Sohn um und sagt: &#8222;Halt&#8217;s Maul!&#8220;</p>
<p>© 2008</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/0d63e4e1234a484e83f1465620c9127a" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/0d63e4e1234a484e83f1465620c9127a" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Seltsame Zeitgenossen</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/seltsame-zeitgenossen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Jan 2026 12:20:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Menschen]]></category>
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					<description><![CDATA[Mein Leben war noch nie einfach. In meinem Kopf passieren immer Dinge, die andere schon längst ins Irrenhaus gebracht hätten. Mein Verdienst ist es, dass ich den inneren Irren unter<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/seltsame-zeitgenossen/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mein Leben war noch nie einfach. In meinem Kopf passieren immer Dinge, die andere schon längst ins Irrenhaus gebracht hätten. Mein Verdienst ist es, dass ich den inneren Irren unter Kontrolle halten kann &#8211; noch!</p>
<p>Manchmal sind es aber auch einfach andere Leute, die auch noch ihr Quäntchen dazu beitragen, mein Leben noch uneinfacher zu machen, und den Irren in mir zu nähren.</p>
<p>Da ist dieser Mann, der einen Tag nach Weihnachten am späten Nachmittag an unserer Haustür klingelt. Ich bin nicht gut zu Fuß und frage ihn deshalb vom Fenster im ersten Stock aus, was er denn möchte.</p>
<p>&#8222;Ach, Herr Wilhelm, Sie werden mich nicht kennen. Aber ich kenne Sie! Ich muss mit Ihnen sprechen, und ich hab Ihnen auch was mitgebracht.&#8220;</p>
<p>Also mühe ich mich ab und gehe runter. An der Tür will mich der Mann umarmen, er riecht nach Katzenpipi. In seiner Hand hält er eine kleine Zellophantüte mit 4 Weihnachtsplätzchen.<br />
Ich frage ihn nochmal nach seinem Begehr.</p>
<p>&#8222;Ich hab gedacht, ich komm jetzt einfach mal vorbei. Ich habe alle Ihre Bücher gelesen. Die kauf ich mir immer gebraucht bei Ebay.&#8220;</p>
<p>Ich schiele offenbar ein wenig zu offensichtlich auf die Tüte mit den Plätzchen.</p>
<p>&#8222;Ja, hier! Hier! Leckere Plätzchen von meiner Frau. Die hat dieses Jahr nicht so viele gebacken, wie sonst immer. Aber ich hab gedacht, ne, Sie wissen schon, ne, dass ich jetzt mal vorbeikomme und Ihnen die schenke.&#8220;</p>
<p>Ich will nach der hingehaltenen Tüte greifen, doch er zieht sie weg.</p>
<p>&#8222;So ohne lecker Kaffee schmecken die doch nicht. Haben&#8217;se nich ne leckere Tasse Kaffee? Dann können wir uns schön hinsetzen und mal erzählen. Sie glauben ja nicht, was ich alles so erlebt habe. Ich war Steuerfachangestellter bei Klübner &#038; Rotz in Emmendingen. Jetzt wohne ich in Heidelberg. Wir sind also fast Nachbarn. Ha! Sie glauben nicht, was ich erzählen kann. Da ist bestimmt was für Ihre nächsten Bücher dabei.&#8220;</p>
<p>Früher konnte ich meine Gefühle besser verbergen, aber mit zunehmendem Alter kommt mir die Fähigkeit, gute Miene zu bösem Spiel zu machen, immer mehr abhanden.</p>
<p>&#8222;Na, kommen Sie! Geben Sie Ihrem Herz einen Ruck. Ihre Frau kocht uns einen leckeren Kaffee und dann sitzen wir schön zusammen, ja?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nee, das passt mir jetzt grad gar nicht. Ich mag es eigentlich auch überhaupt nicht, wenn mich Leute einfach so besuchen. Ich freue mich, wenn Ihnen meine Bücher gefallen, und es ist schön, dass Sie mir Plätzchen schenken möchten. Aber ich möchte jetzt spontan keinen Besuch empfangen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Das finde ich ja ziemlich arrogant. Aber so ist das, wenn jemand Erfolg hat, der steigt den meisten Leuten dann zu Kopf und sie wollen mit uns Normalen nichts mehr zu tun haben.&#8220;</p>
<p>&#8222;Sie können mir gerne eine Mail schreiben oder mal anrufen. Dann sehen wir weiter, okay?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nichts ist okay! Ich bin von Heidelberg jetzt hergefahren. Wer zahlt mir denn das Benzin?&#8220;</p>
<hr>
<p>Eine Dame ruft mich an. Sie hat eine Bestatterrechnung erhalten und kommt damit nicht klar. Wir gehen das Schritt für Schritt durch. Tatsächlich gibt es einige Punkte, bei der die Bestatterin sich vertan haben muss. Sie hat nicht nur die Überführungskosten, immerhin fast 1.000 Euro, zweimal berechnet, sondern auch etliche andere Positionen mit ganz komischen, hohen Preisen abgerechnet. Kann passieren, ein paar falsche Mausklicks reichen. Kann auch Absicht gewesen sein, man weiß es doch aber nicht. Und bevor man jemanden böse beschuldigt, ist es doch besser, man spricht miteinander. Ich gebe der Frau am Telefon noch den Rat, nicht zu harsch mit der Bestatterin umzugehen und höflich um eine Korrektur zu bitten.</p>
<p>Einen Tag später ruft die Dame wieder an. Die Bestatterin habe sich tausendmal entschuldigt und will ihr natürlich sofort eine berichtigte Rechnung zuschicken. Insgesamt muss die Anruferin jetzt statt 7.881 Euro nur 5.650 Euro bezahlen. Sie hat also dank meiner Hilfe und Fachkenntnis 2.231 Euro gespart. Außerdem erhält sie von der Bestatterin noch 5 % Rabatt auf die Rechnung, als kleine Entschädigung für die Unannehmlichkeiten.</p>
<p>Die Frau sagt: &#8222;Ich bin Ihnen so dankbar, Herr Wilhelm, dass Sie mir geholfen haben. Ohne Sie hätte ich ja beinahe 2.300 Euro zu viel bezahlt. Ich finde es toll, dass es so jemanden gibt, der das so schön erklären kann. Dass Sie sich so viel Zeit nehmen, und das auch noch kostenlos machen, das ist echt klasse. Wie rechnet sich das denn für Sie?&#8220;</p>
<p>Ich sage, was ich immer sage: &#8222;Wenn Sie möchten, können Sie sich gerne für meine Arbeit erkenntlich zeigen. Auf meiner Webseite gibt es die Möglichkeit, etwas zu spenden.&#8220;</p>
<p>&#8222;Hab ich es mir doch gedacht, dass da ein Haken an der Sache ist. Erst großartig rumtönen, den guten Menschen spielen und dann eine trauernde Witwe abziehen wollen.&#8220;</p>
<hr>
<p>Manche Leute schreiben mir auch:</p>
<div class="frage-box">
<div class="message-container">
<p>Mal abgesehen das ich eine Beerdigung nicht lustig finde und Sarkasmus unangebracht finde kann jeder schreiben in Büchern was er will insofern niemand verletzt wird</p>
<p>nun zur eigentliche Sache <em>name, name, name</em> was soll ich mit denen zu tun haben Bestattungsinsitute <em>Stadt</em> oder <em>Stadt</em> mir wurde ein Kranz geschickt morddrohung vergewaltigt eingesperrt die wie </p>
<p>Sie die nannten Qualle bin ich nicht war wohl eine <em>Name</em> geht um Eifersucht Erpressung Rache Sekten Diebstähle die Liste ist lang irgendwo tauchen Sie auf kennen die die jetzt gemeinsam arbeiten und nachts oben ohne Bar verkehren eine sagte seit neuer Chef sie habe den verstorbenen Haare gewaschen gänge sie lieber in den Puff und dann noch <em>Name</em> Polizeichef verwandelt mit hells angels und gremium dessen Frau oder Freundin sagt mein mann ist schwul habe die hells angels unter Kontrolle das gibt riesen Ärger</p>
<p>ein <em>Name Bestatter</em> beschwert sich bei Autorin Kinderbuch das sie erdmöbel schrie anzeige ihrerseits und gestohlene Diamanten Museum falsche kreditkaten Ausweise hämoglobin gruppe  Lauscher stelle privates krematorium falsch Anrufe Modulation Stimme falsche medikamente falsche Diagnose im Sektor neurologie Abhängigkeit</p>
</div>
</div>
<p>Ich habe der Frau nicht geantwortet, ich bin bis heute nicht dahintergestiegen, was die Mailschreiberin eigentlich will.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/87e19f376af54a7a8cf5fc830cae8929" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/87e19f376af54a7a8cf5fc830cae8929" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Schönheit erfordert robuste Meterware</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/schoenheit-erfordert-robuste-meterware/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 2026 18:09:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fundstücke]]></category>
		<category><![CDATA[Meterware]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Gedenken an einen lieben Verstorbenen wachzuhalten und die schönen Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse zu würdigen, ist für viele eine nicht ganz leichte Aufgabe. Trauer und Schmerz stehen anfangs im<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/schoenheit-erfordert-robuste-meterware/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Gedenken an einen lieben Verstorbenen wachzuhalten und die schönen Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse zu würdigen, ist für viele eine nicht ganz leichte Aufgabe.</p>
<p>Trauer und Schmerz stehen anfangs im Vordergrund. Dann jedoch folgt die Phase des Gedenkens. Wie gut ist es, dass es kleine Unternehmen gibt, die handwerklich, sorgfältig und zu günstigen Preisen Gegenstände anfertigen, die uns dabei helfen können, das Andenken an einen Dahingeschiedenen zu bewahren.</p>
<p>Im Internet bietet ein solches kleines Familienunternehmen, das seinen Sitz jenseits der chinesischen Mauer in einer kleinen Industrieenklave an den Ufern eines chemieverseuchten Flusses hat, wunderschöne Gedenkartikel an.</p>
<p>Hier finden wir beispielsweise den &#8222;<strong>Gedenkstätte Einäscherung Bagger Halsketten Anhänger Menschliche Asche Andenken Medaillon Schmuck Halter</strong>&#8222;.</p>
<p>Das wunderbare Artefakt aus Edelstahl stellt genau das dar, an das man sich kurz nach einem Urnenbegräbnis erinnern möchte: einen Bagger.<br />
Hier hat der Hersteller sehr gut nachgedacht und die Bedürfnisse der Trauernden genau erkannt.</p>
<p>Beschrieben wird der schöne Halsanhänger so:</p>
<p><em><strong>Urne Halskette Design</strong> Diese Graber Gedenkurne Halskette wird eine gute Erinnerung für Ihre Lieben hinterlassen, nah an Ihrem Herzen und bringen Sie Komfort. Es kann nicht nur als Ornament getragen werden, sondern auch als eine gute Möglichkeit, Ihre Lieben zu gedenken. Mit diesem hochwertigen Kremationsanhänger werden Sie nie Ihre Erinnerungen verlieren!</em></p>
<p>Ganz wichtig sind die besonderen Eigenschaften dieser &#8222;Graber Gedenkurne Halskette&#8220;:</p>
<p><em><strong>Ausgezeichnete Qualität</strong> Schönheit erfordert robuste Meterware und überlegene Verarbeitung. Die Urnenstange ist aus 316L-Edelstahl gefertigt und. Sie verblasst nicht, korrodiert, rostet oder färbt nicht. Insgesamt sorgt Edelstahlmaterial für die Sicherheit der Erinnerungen Sie setzen in</em></p>
<p>Die Erkenntnis &#8222;Schönheit erfordert robuste Meterware&#8220; ist geradezu von poetischer Schönheit.</p>
<p>Und das Beste an der Sache: Man kann den kleinen Bagger unten sogar aufschrauben und etwas von der Totenasche einfüllen. Das gibt dann dem Trauernden die Möglichkeit, im Sommer in Sylt am Strand, wenn man den Verblichenen vielleicht am allermeisten vermisst, das Aschevergraben noch einmal mit dem kleinen Bagger nachzuspielen. Da geht es einem dann doch bestimmt gleich wieder besser. </p>
<p><em><strong>Urnenkette für Asche</strong> für Frauen Männer, und enthält Gebrauchsanweisungen und Füllset, können Sie den Urnenanhänger stetig leicht befüllen.</em></p>
<p>Mittlerweile ist der kluge Sinnspruch schon auf dem Weg, in die Alltagssprache einzugehen, so viel Weisheit steckt in ihm: <strong>SCHÖNHEIT ERFORDERT ROBUSTE METERWARE.</strong></p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/1899e43f4f6644a7b6184b1af7fa2bfe" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/1899e43f4f6644a7b6184b1af7fa2bfe" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Uwe Kockisch (1944–2025)</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/uwe-kockisch-1944-2025/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Dec 2025 12:58:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nekrolog]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit dem Tod von Uwe Kockisch am 22. Dezember 2025 in Madrid verliert die deutsche Film- und Theaterlandschaft einen seiner markantesten Charakterdarsteller. Er wurde am 31. Januar 1944 in Cottbus<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/uwe-kockisch-1944-2025/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Tod von Uwe Kockisch am 22. Dezember 2025 in Madrid verliert die deutsche Film- und Theaterlandschaft einen seiner markantesten Charakterdarsteller. </p>
<p>Er wurde am 31. Januar 1944 in Cottbus geboren und prägte über Jahrzehnte hinweg Rollen, die sich tief in das kollektive Gedächtnis des Fernsehpublikums eingebrannt haben. Kockisch war kein lauter Star, keiner, der sich in den Vordergrund drängte – und doch war er auf der Bühne und vor der Kamera stets ein Ereignis.</p>
<p>Einem breiten Fernsehpublikum wurde er als Titelheld der Krimiserie “Zappek” (1995–1996) bekannt, noch stärker aber als Commissario Guido Brunetti in den filmischen Adaptionen der Romane von Donna Leon. Zwischen 2003 und 2019 verkörperte er diese Rolle mit einer Mischung aus Eleganz, Nachdenklichkeit und Wärme, die ihn für viele Zuschauer zum “echten” Brunetti werden ließ. Später setzte er in der preisgekrönten ARD-Serie “Weissensee” als Stasi-Offizier Hans Kupfer ein schauspielerisches Ausrufezeichen, das ihm große Anerkennung einbrachte. Kaum ein Darsteller verkörperte Ambivalenz, moralische Konflikte und stille Verletzlichkeit mit vergleichbarer Glaubwürdigkeit.</p>
<p>Doch Kockisch war weit mehr als ein Fernsehroutinier. Auf den Theaterbühnen legte er den Grundstein seiner Karriere, bevor er ab 1973 zunehmend in Film- und Fernsehproduktionen arbeitete. Über 100 Rollen wurden es im Laufe eines halben Jahrhunderts – ein Lebenswerk, das Vielfalt und Beständigkeit gleichermaßen zeigt. Seine Figuren waren selten glatt oder bequem; sie hatten Kanten, Zweifel, innere Widersprüche – und sie waren genau deshalb so menschlich.</p>
<p>Privat war Kockisch von 1995 bis 2005 mit der Schauspielerin Franziska Petri liiert. Später lebte er mit seiner zweiten Ehefrau Christine Gautier, mit der ihn eine enge Verbundenheit mit Spanien verband, in Madrid. Kockisch war Vater von zwei Söhnen. Wer ihm begegnete, beschrieb ihn als sensibel, wach, weltoffen – einen ruhigen, klugen Beobachter mit feiner Ironie.</p>
<p>Auch als Bürger blieb er engagiert. Im Februar 2023 gehörte er zu den Erstunterzeichnern des von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer initiierten Manifests für Frieden, das Bundeskanzler Olaf Scholz zu diplomatischen Initiativen im Ukrainekrieg aufforderte. Es war ein Zeichen, dass Kockisch Haltung hatte – und bereit war, sie öffentlich zu zeigen.</p>
<p>Mit 81 Jahren ist Uwe Kockisch nun von uns gegangen. Sein Tod reißt eine Lücke, die sich nicht schließen lässt, aber sein Werk bleibt. Seine Fernsehrollen werden weiter laufen, seine Theaterarbeit weiter wirken, und in vielen Wohnzimmern wird er noch lange als Commissario Brunetti durch die Lagunen Venedigs gehen – ruhig, nachdenklich, mit dem wachsamen Blick eines Mannes, der das Leben kannte.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/59f36068472746a0ba5ebce8b8fd28e7" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/59f36068472746a0ba5ebce8b8fd28e7" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Brigitte Bardot gestorben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Dec 2025 09:49:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nekrolog]]></category>
		<category><![CDATA[brigitte bardot]]></category>
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					<description><![CDATA[Paris, ein Tag, den die Filmwelt nicht vergessen wird. Brigitte Bardot ist im Alter von 91 Jahren verstorben. Mit dem Tod von Brigitte Anne-Marie Bardot, geboren am 28. September 1934<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/brigitte-bardot-gestorben/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Paris, ein Tag, den die Filmwelt nicht vergessen wird. Brigitte Bardot ist im Alter von 91 Jahren verstorben. Mit dem Tod von Brigitte Anne-Marie Bardot, geboren am 28. September 1934 in Paris, endet ein Kapitel europäischer Film- und Kulturgeschichte. </p>
<p>Am 28. Dezember 2025 ist die französische Filmlegende Brigitte Anne-Marie Bardot im Alter von 91 Jahren verstorben. Sie gehörte zu den prägendsten Ikonen des europäischen Kinos und war weit mehr als nur ein Filmstar: Sie wurde zum Symbol einer ganzen Generation, die gegen gesellschaftliche Konventionen revoltierte und neue Ausdrucksformen von Weiblichkeit und Selbstbestimmung definierte.  ￼</p>
<p>Geboren am 28. September 1934 in Paris, erlebte Bardot ihren Durchbruch in den 1950er-Jahren, als sie mit einer Mischung aus natürlicher Schönheit, Präsenz auf der Leinwand und unerschrockener Ausstrahlung zu einer der einflussreichsten Schauspielerinnen ihrer Zeit wurde. Sie spielte in Filmen, die heute zum Kanon der Filmgeschichte gehören, darunter Und immer lockt das Weib, Die Verachtung und Viva Maria!, und prägte damit ein neues Bild der Frau im Kino der Nachkriegszeit – eine Figur, die selbstbewusst, frei und sinnlich war.  ￼</p>
<p>Bardot galt in den 1950er- und 1960er-Jahren als internationales Sexsymbol und trug entscheidend zur kulturellen Bewegung bei, die später als „Sexuelle Revolution“ bezeichnet wurde. Mit ihren Rollen sprengte sie Grenzen der damaligen Filmästhetik und öffnete neuen Darstellungsweisen von Weiblichkeit und Identität die Türen.  ￼</p>
<p>Im Jahr 1973 zog sich Bardot weitgehend aus dem Showgeschäft zurück und widmete sich fortan mit großem Engagement dem Tierschutz. Mit der Gründung ihrer Stiftung setzte sie sich unermüdlich für den Schutz von Tieren ein und wurde zu einer der markantesten Stimmen der internationalen Tierschutzbewegung. Diese Arbeit verschaffte ihr Bewunderung über die Filmwelt hinaus und machte sie zu einer respektierten Aktivistin für eine größere Humanität im Umgang mit anderen Lebewesen.  ￼</p>
<p>Brigitte Bardot hinterlässt ein umfangreiches filmisches Erbe und einen bleibenden Einfluss auf Kultur und Gesellschaft – als Schauspielerin, als Stilfigur und als streitbare Persönlichkeit, die stets ihren eigenen Weg ging. In einer Zeit, in der das Kino noch in den Anfängen einer neuen Welt stand, wurde sie zu einem leuchtenden Stern, dessen Strahlkraft weit über die Leinwand hinausreichte.</p>
<p>Mit ihrem Tod schließt sich ein bewegtes Kapitel der Filmgeschichte. Bardots Werk und Wirkung werden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiter lebendig bleiben – in Filmen, in Erinnerungen und in der Art und Weise, wie sie das Kino und die Vorstellung von Selbstbestimmung für Frauen geprägt hat.</p>
<p>Der Vorhang fällt – und hinterlässt ein Bild, das bleibt.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/1dfd67ff6ebf4a498c41f0b8e4e9fa97" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/1dfd67ff6ebf4a498c41f0b8e4e9fa97" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<item>
		<title>Schöne, neue, verantwortungslose Welt</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/schoene-neue-verantwortungslose-welt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Dec 2025 14:49:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Airbnb statt Familienvermietung]]></category>
		<category><![CDATA[Airbnb Vermietung]]></category>
		<category><![CDATA[Altbauwohnung]]></category>
		<category><![CDATA[Einnahmen durch Monteurzimmer berechnen]]></category>
		<category><![CDATA[Folgen von Kurzzeitvermietung für Familien]]></category>
		<category><![CDATA[Gentrifizierung]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzzeitmiete lukrativer als Dauervermietung]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzzeitvermietung]]></category>
		<category><![CDATA[Mieteinnahmen]]></category>
		<category><![CDATA[Mietentwicklung im historischen Kontext]]></category>
		<category><![CDATA[Mietpreise]]></category>
		<category><![CDATA[Mietsteigerung Altbau 1875 bis heute]]></category>
		<category><![CDATA[Monteurswohnung]]></category>
		<category><![CDATA[Problem der Wohnungsnot durch Airbnb]]></category>
		<category><![CDATA[Smart-Living Vermietung]]></category>
		<category><![CDATA[Vergleich Airbnb vs. normale Vermietung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohlstand durch Industrialisierung und Wohnungsbau]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnraumverlust durch Ferienwohnungen]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsnot]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Gemeinde war in der Zeit der Industrialisierung zu Wohlstand gelangt. Die Bürger konnten sich ein stattliches Rathaus auf dem Hügel hinter dem Kirchenland leisten. Ein Rathaus, schöner als die<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/schoene-neue-verantwortungslose-welt/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Gemeinde war in der Zeit der Industrialisierung zu Wohlstand gelangt. Die Bürger konnten sich ein stattliches Rathaus auf dem Hügel hinter dem Kirchenland leisten. Ein Rathaus, schöner als die der umliegenden Städte und Gemeinden und eigentlich viel zu groß für die Belange der Bürger.</p>
<p>Das Kirchenland war eine große landwirtschaftlich genutzte Fläche, die ein Bauer von der Kirche gepachtet hatte. Nun sollte dort, der steigenden Zahl von Einwohnern und der wachsenden Kirchengemeinde geschuldet, eine schöne, neue Kirche gebaut werden. Der Bauer war ein kluger Mann. Er besaß anderenorts große Ackerflächen, auf denen sich Lehm gewinnen ließ. So machte er mit dem Bistum einen Handel.</p>
<p>Ich liefere Euch den für die Ziegel benötigten Lehm kostenlos. Diese großzügige Spende an die Kirche soll man mir nur dadurch vergüten, dass ich später auch den Lehm und die Ziegel für das Pfarrhaus und das Gemeindezentrum gegen Bezahlung liefern darf. Und ich möchte neben der Kirche drei schöne Bauplätze für Wohnhäuser haben. Es sollen schöne Bürgerhäuser mit jeweils drei Wohnungen, stattlichen Fassaden und nicht zu teurem Wohnraum werden.</p>
<p>Dank der Ziegelspende konnte die Kirchengemeinde nicht nur die wunderschöne Kirche im gotischen Stil errichten, sondern ihr auch noch den bis heute höchsten Kirchturm der Stadt spendieren, mit Glocken aus einer namhaften Gießerei und einer feinen Orgel, wie sie sonst nur der Bischof in der Nachbarstadt hatte.</p>
<p>Das war 1875. Seitdem hat sich viel geändert. Das einst prosperierende Gemeindeleben der Pfarrei ist wegen der Kirchenferne der Menschen komplett zum Erliegen gekommen. Das Gemeindehaus, einst auch mal Schwesternkonvent, beherbergt heute einen Pflegedienst, im Pastorenhaus haben sich Mönche zu einer Lebensgemeinschaft zusammengetan und die Kirche wird nur noch ab und zu für ihren eigentlichen Zweck genutzt. Die früher einmal fünf Pfarreien werden heute von einem eiligen Pastor notverwaltet, den Kirchenchor, die Ehrengarde und die ganzen Jugendgruppen gibt es alle auch nicht mehr in nennenswertem Umfang.</p>
<p>Was aber geblieben ist, das sind die drei Häuser, die der kluge Bauer einst gebaut und später an seine drei Kinder vermacht hat.</p>
<p>Eines davon kenne ich ganz gut. Drei Wohnungen, jede weit über 100 Quadratmeter groß, mit hohen Decken und Kohleöfen. Die Wohnungen verfügten sogar über Badezimmer. Das waren aber keine Bäder im heutigen Sinne. Vielmehr war es jeweils genau das, was der Name sagte: Ein Zimmer, in dem die Toilette stand und in dem genügend Raum war, um einmal wöchentlich eine Zinkbadewanne mit warmem Wasser zu füllen.<br />
Das war um die Jahrhundertwende zum Ende des 19. Jahrhunderts purer Luxus. Anderswo musste in der Küche gebadet werden, und die Toiletten waren immer &#8222;auf halber Treppe&#8220; und man musste sie sich mit anderen Familien teilen.</p>
<p>Einfache Leute bewohnten diese Wohnungen mit ihren Ehegatten und Kindern, reich war da niemand, arm aber auch keiner. Im Zweiten Weltkrieg und danach waren die Wohnungen jeweils in zwei Wohneinheiten aufgeteilt, um Ausgebombten und Flüchtlingen zusätzlichen Wohnraum bieten zu können.</p>
<p>Ab den 1960er Jahren erfuhren die Wohnungen durchgehende Renovierungen und Verbesserungen, meist ausgeführt von den Mietern. Bäder wurden eingebaut, so richtig mit fließend warmem Wasser und Kacheln an den Wänden. Elektroherde hielten in den Küchen Einzug. Die Besitzer hielten sich zurück. Das war auch gut so, denn sie blieben auch, was Mieterhöhungen anbetraf, auf dem Teppich.</p>
<p>Ab den 1980er-Jahren gab es dann mal größere Sanierungen: Neue, isolierte Fenster, der Einbau von modernen Heizungen und neue Dächer werteten die Häuser auf.</p>
<p>Auch die Mieten der Häuser neben der Kirche wurden aufgewertet. Mit dem Haus, von dem ich hier erzähle, dürften die Vermieter, alles Nachkommen des klugen Bauern, alles in allem und inflationsbereinigt anderthalb Millionen Euro eingenommen haben. An Investitionen und Reparaturen sind in den 150 Jahren ca. 200.000 Euro nach heutigem Geld zurückgeflossen.</p>
<p>Am eindrucksvollsten wirkt der Blick rückwärts: Allein zwischen 2000 und 2025 flossen rund so viele Mieteinnahmen wie in den kompletten 125 Jahren zuvor zusammen. Mit anderen Worten: Mehr als die Hälfte der gesamten, über eine Million Euro umfassenden Mietsummen ist erst im aktuellen Jahrtausend entstanden.</p>
<p>Und das steigern die aktuellen Besitzer aktuell bis in die Perversion hinein.</p>
<p>Es ist in dem Haus nämlich mal wieder jemand gestorben. Diesmal ist es aber nicht, wie es früher immer so war, ein alter Mann oder ein hochbetagtes Mütterchen, sondern ein 32-jähriger Bulgare.<br />
Der bewohnt die oberste Wohnung mit elf weiteren Landsleuten zusammen. Sie arbeiten alle für ein Unternehmen, das den Menschen online bestellte Sachen über Nacht ins Haus liefert.<br />
Dazu hat jeder dieser Bulgaren einen weißen Sprinter-Lieferwagen; und alle diese Sprinter stehen unten in der Straße und sorgen für andauernden Ärger bei den anderen Anwohnern, die keine Parkplätze mehr finden.</p>
<p>Der Vermieter hat aus dieser Wohnung, in der über Generationen ganz viele Familien gewohnt haben, eine Monteurswohnung gemacht. Jeder Handwerker, Monteur oder Lieferfahrer, der dort wohnt, zahlt 27 Euro pro Nacht dafür. Da kommt einiges zusammen. Wegen der guten Lage und des großzügigen Schnitts der Wohnung fühlen sich die Männer dort wohl. Die Vermieter, ein Paar Mitte 40, das in Berlin lebt, erzielen fast das Achtfache, als wenn sie die Wohnung ganz normal an eine Familie vermieten würden. Statt 12 x 1.200 Euro, die aktuell als Wohnungsmieteinnahme zu erzielen wären, nehmen die Berliner nun über 100.000 Euro im Jahr ein.</p>
<p>Doch die Bulgaren, auf die wir treffen, und die gerne möchten, dass der Verstorbene später von einem anderen Bestatter in die Heimat überführt wird, klagen darüber, dass sie bald ausziehen müssen.</p>
<p>Das Paar aus Berlin hat nämlich die anderen beiden Wohnungen im Haus bereits zu Luft-BnB-Wohnungen gemacht. Nach einer Luxussanierung für jeweils 70.000 Euro stehen die Wohnungen jetzt in sechs verschiedenen Online-Portalen für die Kurzzeitanmietung zur Verfügung. Die gute Lage, der gebotene Komfort und die allgemein herrschende Wohnungsnot sorgen für eine durchschnittliche Auslastung von sehr guten 70 %.<br />
Darüber freuen sich die Besitzer, denn die Mieteinnahmen des zum &#8222;Objekt&#8220; verkommenen, ehemaligen Lebensmittelpunktes von Familien, liegen nun bei über 350.000 Euro im Jahr.</p>
<p>Typische Mietgäste solcher hochwertigen Kurzzeit-Apartments sind weniger klassische Urlaubstouristen, sondern eher Geschäftsreisende, Projektteams großer Unternehmen, Monteure in leitender Funktion, Film- und Veranstaltungsteams, Messebesucher, Außendienstmitarbeiter oder Personen, die vorübergehend in einer Stadt arbeiten und keine langfristige Wohnung finden oder wollen. Auch Menschen, die wegen einer Trennung, Renovierung oder eines Hauskaufs überbrücken müssen, nutzen solche Unterkünfte zunehmend.</p>
<p>Warum zahlt man dafür die hohen Tagespreise? Weil Flexibilität, Komfort und sofortige Verfügbarkeit einen eigenen Wert haben. Keine Kaution, kein Mietvertrag, keine Möbelbeschaffung, keine Nebenkostenabrechnung – man kommt mit dem Koffer rein und wohnt. Für Unternehmen ist es oft günstiger, mehrere Wochen eine solche Wohnung zu buchen, als Hotelzimmer zu finanzieren, und Mitarbeiter fühlen sich in einer kompletten Wohnung wohler und produktiver als im Hotelzimmer. Kurz gesagt: Man zahlt den Preis für Freiheit, für Zeitersparnis und dafür, keine langfristigen Verpflichtungen eingehen zu müssen.</p>
<p>Du buchst übers Netz, kriegst Deinen &#8222;Key&#8220; als Code aufs Handy, wohnst und hast mit nichts und niemandem etwas zu tun.</p>
<p>65-Zoll-Fernseher, schnelles WLAN überall und eine Badewanne mit Sprudeldüsen, sowie ein paar designte Kisten als sogenannte &#8222;Wohnwand&#8220;, sowie Küchengeräte von Kitchenaid und Ninja gelten ja heute als Luxus-Standard.</p>
<p>Ein Hausmeisterservice und &#8222;Linas flotte Putzmäuse&#8220; sorgen dafür, dass immer alles funktioniert und sauber ist. </p>
<p>Und die Besitzer? Die nehmen heutzutage in 3 Jahren soviel ein, wie die Generationen vor ihnen in 150 Jahren&#8230;</p>
<p>Ich kann dieser schönen, neuen Welt nichts abgewinnen. Ich fand es schöner, als Wohnungen noch 25 Jahre oder länger von einer Familie bewohnt wurden.<br />
Wo sollen denn die Familien mit Kindern hin, wenn immer mehr Wohnungen, dem normalen Wohnungsmarkt entzogen werden?<br />
Wohin sollen die Mieten für normale Wohnungen noch steigen, wenn Vermieter auf der anderen Seite solche Verdienstmöglichkeiten sehen?</p>
<p>Sind die Vermieter solcher Objekte böse? Oder sind sie nur verantwortungslos?</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/baec1af9506d401694245a68056e6189" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/baec1af9506d401694245a68056e6189" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<item>
		<title>Frohe Weihnachten 2025</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Dec 2025 16:02:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Internes]]></category>
		<category><![CDATA[grüß]]></category>
		<category><![CDATA[Grüsse]]></category>
		<category><![CDATA[weihnachten]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein schönes Weihnachtsfest und Wohlergehen in jeder Hinsicht. Die Reden, die in diesen Tagen gehalten werden, bekommen immer noch die Zufügung oder das Anhängsel,<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/frohe-weihnachten-2025/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein schönes Weihnachtsfest und Wohlergehen in jeder Hinsicht.</p>
<p>Die Reden, die in diesen Tagen gehalten werden, bekommen immer noch die Zufügung oder das Anhängsel, dass der Wünschende seinem Wunsch nach Frieden oder Weltfrieden Ausdruck verleiht.</p>
<p>Das hat es, bis auf die ersten Tage im Garten Eden, auf dieser Welt noch nie gegeben. </p>
<p>Seit Kain seinen Bruder Abel erschlagen hat, trachten sich die Menschen nach dem Leben. Gier, Weiber, Gold, Öl, vergoldete Ballsäle, Dummheit – die Liste der niederen Beweggründe ist endlos.</p>
<p>Dabei gibt es eine Sache, die in jedem Menschen geformt, gefördert und herausgebildet werden sollte: RESPEKT.</p>
<p>Einfach mal anerkennen, dass der andere auch sein darf, dass der andere auch mal mehr haben darf, dass man selbst eine Stellung in der Gesellschaft innehat, die man ausfüllen muss, ohne auf andere neidisch zu sein.<br />
Respekt vor dem, was andere tun, was andere glauben, was andere schön finden, essen, trinken, anbeten und wie sie sich identifizieren.</p>
<p>Zum Respekt kommt noch ein Punkt hinzu: Fürsorge.</p>
<p>Wer nicht respektvoll mit anderen umgehen mag, und wer seinem Nächsten nicht die Fürsorge zukommen lassen will, die er benötigt, der soll sich in die Wüste verziehen, alleine leben und TikTok-Videos bis zum Erbrechen machen.</p>
<p>Wer aber in unserer Mitte lebt, der sollte seinen Nächsten respektieren und sich um ihn kümmern.</p>
<p>Denn der momentan überall gepredigte Spruch: <em>Wenn alle nur an sich selbst denken, dann ist ja auch an alle gedacht</em>, ist der größte Quatsch aller Zeiten. Was nämlich bei diesem Gedanken fehlt, ist die soziale Interaktion, die Verbindung zu anderen Menschen, die uns helfen, uns stützen und uns voranbringen.</p>
<p>Es ist zu kurz gedacht, wenn jeder sich nur selbst der Nächste ist. Früher oder später kommt der Zeitpunkt, an dem jeder von uns auf einen anderen angewiesen ist. Und wenn wir so weitermachen, und nur noch einen selbstverliebten, ich-bezogenen Narzissmus nähren, ist irgendwann einfach mal keiner mehr da, der sich um uns kümmern will und kann.</p>
<p>Einer hat das mal auf einen kurzen Nenner gebracht: &#8222;<em>Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst!</em>&#8220;</p>
<p>Manch einer wird wissen, woher dieser Satz stammt, auch wenn es heute ja fast schon als verpönt gilt, solche Werte überhaupt zu kennen. Aber es ist so einfach.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/00c2d32525f24716914d8b29c84e41d0" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/00c2d32525f24716914d8b29c84e41d0" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Chris Rea (74) Driving Home for Christmas</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Dec 2025 08:10:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nekrolog]]></category>
		<category><![CDATA[chris rea]]></category>
		<category><![CDATA[verstorben]]></category>
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					<description><![CDATA[Christopher „Chris“ Anton Rea, geboren am 4. März 1951 in Middlesbrough, ist am 22. Dezember 2025 im Alter von 74 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die Musik einen Künstler, der<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/chris-rea-74-driving-home-for-christmas/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Christopher „Chris“ Anton Rea, geboren am 4. März 1951 in Middlesbrough, ist am 22. Dezember 2025 im Alter von 74 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die Musik einen Künstler, der sich konsequent jeder Rockstarmythologie entzog und dennoch über Jahrzehnte hinweg ein Millionenpublikum erreichte.</p>
<p>Chris Rea war Sänger, Komponist, Pianist und Gitarrist, vor allem aber Musiker im klassischen Sinn des Wortes. Seine heiser-rauchige Stimme und sein unverwechselbares Bottleneck-Gitarrenspiel machten ihn früh erkennbar. In einer Zeit, in der vieles auf Pose und Lautstärke setzte, blieb Rea bei Ton, Rhythmus und Atmosphäre. Seine Musik war selten aufdringlich, aber dauerhaft präsent.</p>
<p><iframe loading="lazy" width="560" height="315" src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/DDt3u2Ev1cI?si=aZrFp82TFLnz2YTC" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p>Seine Karriere lässt sich grob in zwei Phasen teilen. In den 1980er- und frühen 1990er-Jahren war Rea international erfolgreich mit einer Mischung aus Rock, Pop und Blues. Songs wie Fool (If You Think It’s Over), Josephine, On the Beach, Road to Hell (Part 2) oder Auberge gehörten zum festen Bestand der Radioprogramme. Besonders Driving Home for Christmas entwickelte sich – vor allem in Deutschland – zu einem alljährlichen Begleiter der Vorweihnachtszeit und ist bis heute sein meistgespielter Titel im deutschsprachigen Radio.</p>
<p>Ab 2002 schlug Rea bewusst einen anderen Weg ein. Er wandte sich stärker dem klassischen Delta-, Gospel- und Roots-Blues zu und veröffentlichte umfangreiche, oft experimentellere Werke. Kommerziell waren diese Alben weniger erfolgreich, künstlerisch jedoch Ausdruck einer Haltung, die ihn sein ganzes Leben begleitete: Musik nicht als Produkt, sondern als Ausdruck.</p>
<p>Diese Haltung hatte auch biografische Gründe. Chris Reas Leben war früh von schweren gesundheitlichen Einschnitten geprägt. Bereits Mitte der 1990er-Jahre erkrankte er schwer, später wurde eine seltene Form der Bauchspeicheldrüsenerkrankung diagnostiziert. Mehrere große Operationen, darunter eine Duodenopankreatektomie, sowie ein insgesamt 32-wöchiger Krankenhausaufenthalt folgten. Rea überlebte – gegen schlechte statistische Prognosen – und lebte fortan mit insulinpflichtigem Diabetes.</p>
<p>2016 erlitt er zusätzlich einen schweren Schlaganfall mit zeitweiser Halbseitenlähmung. Sprechen und Gitarrenspiel waren vorübergehend kaum möglich. Dennoch fand er zurück zur Musik. Mit Road Songs for Lovers veröffentlichte er 2017 ein letztes Album, das von Kritikern positiv aufgenommen wurde und in mehreren europäischen Ländern hohe Chartplatzierungen erreichte. Es war kein Comeback im klassischen Sinn, sondern ein spätes, ruhiges Statement.</p>
<p>Chris Rea war über Jahrzehnte mit seiner Jugendliebe Joan Lesley verheiratet. Das Paar hatte zwei Töchter, Josephine und Julia Christina, denen er mehrere seiner bekanntesten Lieder widmete. Familie hatte für ihn stets Vorrang vor Karriereentscheidungen. Tourneen, insbesondere in den USA, lehnte er bewusst ab, um ein geregeltes Familienleben zu ermöglichen.</p>
<p>Neben der Musik widmete sich Rea der Malerei und seiner Leidenschaft für historische Rennwagen. Oldtimer, insbesondere britische Klassiker, begleiteten ihn ebenso durch sein Leben wie Leinwand und Pinsel. Auch darin zeigte sich sein Hang zur Konzentration auf Handwerk und Substanz.</p>
<p>Chris Rea bezeichnete sich selbst nie als Rockstar. Er lehnte Oberflächlichkeit, Selbstinszenierung und Kult um die eigene Person ab. Für ihn zählten Klang, Gefühl und Ehrlichkeit. Vielleicht ist genau das der Grund, warum seine Musik geblieben ist, während viele seiner Zeitgenossen nur Erinnerungen hinterlassen haben.</p>
<p>Mit Chris Rea ist ein Musiker gegangen, der sich nie verbiegen ließ und dessen Werk gerade deshalb Bestand hat. Seine Lieder werden weiterlaufen – im Radio, im Auto auf nächtlichen Straßen, und immer wieder auf dem Heimweg kurz vor Weihnachten.</p>
<p>gemeldet von Henning</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/b835a580699e488990603aefddf7a258" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/b835a580699e488990603aefddf7a258" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Peter mit den Scherenhänden &#8211; Schreib mit!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Dec 2025 00:14:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gewinnspiel]]></category>
		<category><![CDATA[beschuldigt]]></category>
		<category><![CDATA[Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[schuld]]></category>
		<category><![CDATA[Schuldzuweisung]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
		<category><![CDATA[ungerecht]]></category>
		<category><![CDATA[Ungerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zerschneiden]]></category>
		<category><![CDATA[zu Unrecht verurteilt]]></category>
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					<description><![CDATA[Es gibt so Dinge im Leben, die einem auch nach vielen Jahrzehnten noch wehtun oder einen ärgern. Bei mir ist das die Geschichte um das kaputte Sommerkleid. Eine große Ungerechtigkeit!<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/peter-mit-den-scherenhaenden-schreib-mit/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt so Dinge im Leben, die einem auch nach vielen Jahrzehnten noch wehtun oder einen ärgern. Bei mir ist das die Geschichte um das kaputte Sommerkleid. Eine große Ungerechtigkeit! Ich will sie Euch erzählen. Und ich möchte Dich einladen, mir Deine große Ungerechtigkeiten-Geschichte zu erzählen.</p>
<p>Frau Seegers war eine Kindheitsfreundin meiner Mutter. Die beiden hatten schon im Sandkasten miteinander gespielt. Nach der Schule haben sich die jungen Frauen aus den Augen verloren. Dann kam der Krieg, dann die Aufbaujahre, und so dauerte es fast 40 Jahre, bis sie sich eines Tages zufällig auf dem Markt über den Weg liefen.</p>
<p>Ich musste die Frau Tante Seegers nennen und konnte sie auch ganz gut leiden. Eine höfliche, respektvolle und vielleicht etwas zu betuliche Dame, die immer elegant gekleidet war und ein gutes Benehmen hatte.<br />
Tante Seegers war Kriegerwitwe und bewohnte immer nur kleine Einzimmerwohnungen oder gar Mietzimmer bei anderen Leuten. Für Führer, Volk und Vaterland einzutreten, ist man nur dann gut entlohnt worden, wenn man rechtzeitig Gold nach Argentinien geschafft hatte oder nach dem Krieg Beamter oder Richter geworden ist. Die armen Frauen der Gefallenen hingegen hat man mit einem Almosen abgespeist.</p>
<p>Da die beiden Frauen verabredet hatten, sich von nun an regelmäßig zu besuchen, kam Tante Seegers immer mittwochs zu uns zu Besuch. Meine Mutter war eine von den Frauen, die sich durch Besuch nicht stören ließ. Sie machte einfach ihr Ding, wie man heute sagen würde. Lina Seegers saß dabei, half mit oder machte eben ihr eigenes Ding. So backten die beiden zusammen Plätzchen, häkelten, schauten Fernsehen oder tranken einfach Kaffee oder Likörchen. In der Hauptsache wurde gequatscht.</p>
<p>Um nicht immer nur zu uns zu kommen, und uns eventuell zur Last zu fallen, oder auch, um die vielen Besuche bei uns auszugleichen, lud Lina meine Mutter ein- bis zweimal im Jahr auch zu sich ein.</p>
<p>Einmal musste ich mitgehen. Da war ich vielleicht 5 Jahre alt.<br />
Wir kamen in eine schreckliche Wohnung. Küche, Waschgelegenheit und Wohnzimmer in einem Raum, kaum Möbel und alles viel zu aufgeräumt. Das Klo war eine halbe Treppe tiefer.<br />
Durch einen Vorhang abgetrennt, gab es noch ein weiteres, &#8222;halbes&#8220; Zimmer, das Schlafzimmer mit Bett und Kleiderschrank.<br />
Oft genug hatten die Frauen was zu tuscheln. Das war dann der Fall, wenn so ganz &#8222;schlimme&#8220; Themen, wie Scheidung, Mann und Frau, der homosexuelle Schwager Fritz oder andere, nicht kindgerechte Sachen zur Sprache kamen. Wenn es ganz schlimm wurde, etwa, wenn besprochen wurde, dass Helmut, &#8222;der Bruder von der Jutta ihrer Schwägerin ihren Onkel&#8220;, eine Geliebte hat, dann wurde ich auch schon mal zum Spielen nach nebenan geschickt.</p>
<p>An einem heißen Sommertag war das auch wieder so. &#8222;Peter, geh mal in Tante Seegers Schlafzimmer, und spiel watt mit den Wollknäuls!&#8220;</p>
<p>Ich habe lieber mit einem Matchboxauto gespielt.</p>
<p>Nach einer Viertelstunde war das heikle Thema besprochen und es gab Kaffee und Kuchen.<br />
Auf dem Rückweg spendierte Mutter noch ein Hörnchen mit Eis von Bertram&#8217;s Eisdiele.</p>
<p>Vier Wochen später waren wir überraschenderweise schon wieder bei Tante Seegers eingeladen.</p>
<p>Doch dieses Mal wartete dort Gottes schlimmstes Strafgericht auf mich.</p>
<p>Mit einer unbeschreiblich pikierten Jammermiene präsentierte Frau Seegers ein geblümtes, mittellanges Sommerkleid, das auf einem Bügel hing.<br />
&#8222;Das hat mir der Peter beim letzten Mal mit einer Schere zerschnitten!&#8220;, lautete ihr Vorwurf.</p>
<p>Ich sei, so behauptete sie, in den Kleiderschrank geklettert, habe dort aus dem Handarbeitskorb die teure Stoffschere genommen, und habe dann an die 20 lange Schnitte in das hübsche Kleid geschnitten.</p>
<p>&#8222;Bestimmt, weil der nicht alleine im Schlafzimmer sein wollte.&#8220;</p>
<p>Ich kannte es nicht anders, als dass meine Mutter mir in solchen Situationen niemals beistand, sondern jedwede Schuldbehauptung immer für bare Münze nahm, und mich bestrafte.<br />
Damals wurde noch geschlagen.</p>
<p>Ich konnte tagelang nicht richtig sitzen.</p>
<p>Der Kleiderfrevel wurde zur Matrize für alle möglichen anderen Vergehen.<br />
Egal, was mir vorgeworfen wurde, egal, was auch abseits meines Einflussbereichs passierte, Mutter argumentierte immer: Das muss der gemacht haben, der war das ja auch mit dem Kleid.</p>
<p>Ich habe gezetert, geweint, beteuert, geschworen – nichts hat geholfen. Nichts war mir je ferner gelegen, als Frauenkleider zu zerschneiden. Ich fühlte mich so zu Unrecht beschuldigt und bestraft.</p>
<p>Es gibt kaum etwas, das so an einem nagen kann, wie erlittene Ungerechtigkeit. Dabei kommt es überhaupt nicht darauf an, wie schwerwiegend der Vorwurf oder die Strafe sind. Es kommt darauf an, dass der kleine innerfamiliäre Leumund zerstört wird, dass man per se als Lügner vorverurteilt wird.</p>
<p>Später in meinem Studium musste ich dann von einem Freudianer-Professor erfahren, dass dem Zerschneiden von Frauenkleidern oder dem Abschneiden von Frauenhaaren der tiefe, unerfüllte Wunsch innewohnt, Frauen zu zerstückeln.<br />
Mit ein Grund, dass ich in meinem Studium, meiner Forschung und Lehre immer ein Anhänger und Verfechter des Behaviorismus<sup id="fnref1"><a href="#fn1" class="footnote">1</a></sup> gewesen und geblieben bin und mit dem steilen Thesen des bärtigen Österreichers nichts anfangen konnte.</p>
<p>Bis heute hatte ich auf jeden Fall noch nie den Wunsch, eine Frau zu zerstückeln. Wozu auch? Am Stück sind sie doch viel praktischer und schöner.</p>
<p>Und falls ich jemals den Wunsch verspüren sollte, Hackepetra zu machen, dann drehe ich die Psychologie um, und werde vor Gericht behaupten, die ungerechtfertigte Schuldzuweisung, ein Sommerkleid zerschnitten zu haben, habe mich zu dieser Tat getrieben.</p>
<p><strong>Los, was ist Dir passiert, das Du uns erzählen könntest?</strong></p>
<p>Alternative Teilnahmemöglichkeit per Kontaktformular:</p>
<div class="btn-container"><a href="https://europa-host.de/kontaktformular/" class="btn" rel="noopener">zum Kontaktformular</a></div>
<hr>
<p><small>Teilnahmebedingungen: Du gestattest mir mit Deiner Einsendung als Kommentar unter diesem Text, dass ich Deinen Text räumlich und zeitlich unbegrenzt honorarfrei verwenden darf, und Du versicherst, dass Du der alleinige Urheber des Textes bist.</small></p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/2722d9d2eb184b718a4f30a3778d2c61" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/2722d9d2eb184b718a4f30a3778d2c61" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
<div id="serial-posts-wrapper"><h3 class="serial-posts-heading">Fußnoten:</h3><div class="footnotes"><ol class="serial-posts"><li id="fn1">Der klassische große Gegenpol zum Freudianismus ist der Behaviorismus (z. B. B. F. Skinner). Während Freud innere, unbewusste Prozesse betont, konzentriert sich der Behaviorismus ausschließlich auf beobachtbares Verhalten und dessen Konditionierung – ohne Tiefenpsychologie, Triebe oder Unbewusstes. <a href="#fnref1"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li></ol></div></div>]]></content:encoded>
					
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		<title>Der Pimmelmanndoktor</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Dec 2025 19:38:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Alter]]></category>
		<category><![CDATA[betagt]]></category>
		<category><![CDATA[grabpflege]]></category>
		<category><![CDATA[großvater]]></category>
		<category><![CDATA[Opa]]></category>
		<category><![CDATA[Senior]]></category>
		<category><![CDATA[zu alt]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich hab&#8216; das schonmal erzählt, ich bin ohne Großeltern aufgewachsen. Ja klar, ich habe welche gehabt, schon aus rein genealogischen Gründen. Aber ich habe sie, bis auf eine Oma, nicht<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/der-pimmelmanndoktor/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hab&#8216; das schonmal erzählt, ich bin ohne Großeltern aufgewachsen. Ja klar, ich habe welche gehabt, schon aus rein genealogischen Gründen. Aber ich habe sie, bis auf eine Oma, nicht gekannt, weil sie längst verstorben waren, als ich auf die Welt kam. Mein Opa mütterlicherseits wurde 1875 geboren.</p>
<p>Die Oma väterlicherseits habe ich noch erlebt, da war ich kaum zwei Jahre alt. Den Teddy, den sie mir damals geschenkt hat, habe ich heute noch, er sitzt im Schlafzimmer auf der Fensterbank.</p>
<p>Wenn man keine Großeltern hat, dann fehlen einem einfach Erfahrungen, die andere Kinder machen können. Ich meine, mein Schwiegervater ist heute an die 90 Jahre alt, meine Kinder sind schon um die 30. Das sind ja ganz andere Voraussetzungen. Für sie ist es selbstverständlich, Opas und Omas zu haben.</p>
<p>Ich habe das immer ein bißchen vermisst. Schon als kleines Kind war ich gerne mit alten Leuten zusammen, die zu uns zu Besuch kamen. Ich habe in manchen ganz gewiss so ein bißchen den Ersatz für Opa und Oma gesucht.<br />
Auf jeden Fall habe ich zeitlebens immer viel Respekt und Achtung vor alten Menschen gehabt.</p>
<p>Es ist frühmorgens. Ich bin zwar schon tischfein angezogen, aber noch weit davon entfernt, funktionstüchtig zu sein. Nein, ich bin kein Morgenmuffel, sondern immer schon ein frühaktiver Frühaufsteher gewesen. Aber ohne Kaffee und ein bißchen Anlaufzeit geht da gar nichts.</p>
<p>Um genau 6 Uhr dingdongt der Gong an der Haustür des Beerdigungsinstituts. Auf dem Monitor im Flur sehe ich, dass ein alter Mann draußen steht.</p>
<p>&#8222;Ich hab’ ein wacker Tagwerk zu verrichten, da muss ich früh anfangen, um fertig zu werden&#8220;, lautet seine Erklärung für das frühe Erscheinen. Er habe später noch einen Termin beim Pillermanndoktor, wie er den Urologen nennt. Dann müsse er noch die Winterreifen aufziehen lassen, und bis um elf muss er wieder daheim sein, weil dann das Essen auf Rädern kommt.<br />
Vorher, so eben, fast schon nebenbei, will er kurz mal die Beerdigung seiner Frau organisieren, die gestern Abend gestorben ist und nun noch immer tot im Wohnzimmer auf der Couch liegt.<br />
&#8222;Die ist einfach eingeschlafen. Ich denk&#8216; noch, die muss gar nicht so oft pullern, wie sonst, dann sag&#8216; ich was zu ihr, aber da war sie schon tot und konnte nicht mehr antworten. Der Doktor hat gesagt, ich muss nicht sofort den Bestatter rufen, denn wenn der nachts kommt, wird das teurer.&#8220;</p>
<p>Da hat er Recht.</p>
<p>Jetzt soll seine Frau noch ein, zwei Stunden da liegen bleiben, denn nach dem Mittagessen komme noch eine Nichte zu Besuch. &#8222;Die weiß noch gar nicht, dass die Hertha tot ist, die will nur so zu Besuch kommen. Aber die bringt sowieso immer Blumen mit, das passt ja dann heute ganz besonders.&#8220;</p>
<p>Nun sitzt Herr Olz, so heißt der Mann, vor mir und hat ziemlich genaue Vorstellungen davon, was alles geschehen soll. Bei den Älteren, und nicht nur bei denen, gibt es zwei Sorten von Menschen. Die einen wollen sich partout nicht mit der eigenen Endlichkeit beschäftigen, die anderen haben das alles schon durchdacht und besprochen.</p>
<p>&#8222;Ich bin 94 Jahre alt, da sollte man sich schon mal Gedanken über den Tod gemacht haben. Der Zappenduster-Mann kann ja jede Sekunde vorbeikommen, oder?&#8220;</p>
<p>Seine Frau soll erdbestattet werden und er möchte gerne ein Familiengrab für die ganze Familie.<br />
Wer denn da, außer ihm selbst vielleicht, noch alles hinein soll, erkundige ich mich.</p>
<p>&#8222;Ja, die ganze Familie.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wer ist das denn alles?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, die Nichte vielleicht, sonst haben wir niemanden mehr. Wenn man so alt geworden ist, wie ich, dann überlebt man halt viele. Ja, wenn ich recht überlege, ist es nur diese Nichte.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und die will eventuell in dieses Grab?&#8220;</p>
<p>&#8222;Warum denn nicht?&#8220;</p>
<p>&#8222;Wo wohnt die denn?&#8220;</p>
<p>&#8222;In Flensburg.&#8220;</p>
<p>&#8222;Da würde ich dann doch aber erst mal fragen, ob die das überhaupt will. So ein Grab ist ja doch recht groß, ziemlich teuer und hat auch eine lange Laufzeit.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wie jetzt Laufzeit?&#8220;</p>
<p>&#8222;Na ja, man mietet das Grab für 20 oder 30 Jahre an, das geht bis zu 50 Jahren. Und das kostet entsprechend.&#8220;</p>
<p>&#8222;Da nehme ich natürlich 50 Jahre, ist doch klar.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und wer soll das Grab pflegen?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ich mach doch auch die Blumenkästen am Balkon, da werde ich so ein Grab auch noch schaffen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Unterschätzen Sie das mal nicht. Und, wenn Sie es mir gestatten, muss ich doch auch auf Ihr fortgeschrittenes Alter hinweisen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Na, so zehn bis zwanzig Jahre schaffe ich das noch.&#8220;</p>
<p>Ich sag&#8216; nichts dazu. Ich meine, viele werden ja heute locker über 100 Jahre alt, aber man muss ja auch realistisch bleiben, und da ist es eben so, dass der Sensenmann ganz bestimmt schon die Adresse von Herrn Olz in sein Navigationsgerät eingegeben hat.</p>
<p>Ich frage nur: &#8222;Und dann?&#8220;</p>
<p>&#8222;Dann kann das die Nichte aus Flensburg übernehmen, die erbt ja auch alles.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wissen Sie was, lieber Herr Olz? Ich hab&#8216; das alles aufgeschrieben. Am Besten erledigen Sie jetzt das mit dem Arzt und den Winterreifen. Und wenn dann heute Mittag ihre Nichte kommt, besprechen Sie das alles ganz in Ruhe mit ihr. Sie können auch mit Ihrer Nichte nochmal herkommen.&#8220;</p>
<p>&#8222;So machen wir das! Ich muss jetzt auch los, der Pimmelmanndoktor wartet schließlich nicht auf mich und nimmt sonst jemand anders dran.&#8220;</p>
<p>Nachmittags war er dann mit seiner Nichte da. Die Dame war auch schon 70 Jahre alt. Was kam dabei heraus: Feuerbestattung, kleines Urnengrab, 15 Jahre Laufzeit, der Friedhofsgärtner übernimmt die Pflege.</p>
<p>Passt besser.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/13b6b203588c4dc78a0d1beaea45f452" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/13b6b203588c4dc78a0d1beaea45f452" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Neugierde</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/neugierde/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Dec 2025 11:06:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fundstücke]]></category>
		<category><![CDATA[gaffer]]></category>
		<category><![CDATA[Neugier]]></category>
		<category><![CDATA[Neugierde]]></category>
		<category><![CDATA[Schaulustige]]></category>
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					<description><![CDATA[Passend zum gestrigen Artikel erreicht mich eine Mail von einem Bestatterkollegen aus dem tiefsten Kohlenpott. Auch er hat für einen Menschenauflauf gesorgt. Voriges Jahr im Sommer, als die Temperaturen weit<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/neugierde/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Passend zum gestrigen Artikel erreicht mich eine Mail von einem Bestatterkollegen aus dem tiefsten Kohlenpott. Auch er hat für einen Menschenauflauf gesorgt.</p>
<p>Voriges Jahr im Sommer, als die Temperaturen weit über 30 Grad waren, las ich in der Zeitung, dass es für die Feuerwehr und die Rettungssanitäter kein Mineralwasser mehr kostenlos von der Verwaltung gibt. Sparmaßnahme.<br />
Mein Bestattungshaus hat ein gutes Verhältnis zur Polizei und zur Feuerwehr und auch zu den Rettungsdiensten. Man hat ja oft genug miteinander zu tun, und wie sagt man so schön: Eine Hand wäscht die andere.</p>
<p>Es ist doch immer besser, wenn man gut zusammenarbeitet und sich gegenseitig hilft, als wenn man gegeneinander arbeitet und sich Schwierigkeiten macht.</p>
<p>Also haben meine Frau und ich unseren Getränkelieferanten gebeten, acht Kästen Mineralwasser mehr zu liefern. Dann habe ich bei der Rettungszentrale angerufen und Bescheid gesagt, dass ich für die Leute was zu trinken gekauft habe und als Geschenk zur Verfügung stelle.</p>
<p>Erst hatte ich am Telefon den Eindruck, als wenn die gar nicht richtig verstehen, was ich von denen will. Aber das war wohl dem Umstand geschuldet, dass man gar nicht mit einem solchen Anruf gerechnet hat.</p>
<p>Am späten Nachmittag klingelt es dann an unserer Tür. Wir wollten gerade Feierabend machen und nach oben in die Wohnung gehen.<br />
Draußen standen ein Rettungswagen und ein mittelgroßer Löschwagen von der Feuerwehr.</p>
<p>Vier Leute kamen in unser Büro und haben die Kästen abgeholt. Meine Güte, was haben die sich gefreut!</p>
<p>Wir haben uns noch eine Weile unterhalten, so über die Sparmaßnahmen im Allgemeinen.</p>
<p>Als die wieder wegfahren wollten, gingen wir gemeinsam vor die Tür. Doch inzwischen hatten sich etwa 60 Personen eingefunden, die alle sehen wollten, weshalb Krankenwagen und Feuerwehrauto gekommen waren.<br />
Unsere gesamte Nachbarschaft war auf den Beinen, manche hatten sogar ihre Kinder mit rausgebracht, damit die nichts verpassen. Überall wurden Handys in die Höhe gehalten, um ja auch alles auf Video festhalten zu können.<br />
Ein Mann hob seinen Jungen sogar am Feuerwehrwagen hoch, damit der mal einen Blick ins Fahrerhaus werfen konnte.<br />
Eine junge Frau stand vor dem Rettungswagen und filmte sich selbst, während sie das aufregende Geschehen für ihre Follower kommentierte.</p>
<p>Aber wie groß muss die Enttäuschung für die ganzen Schaulustigen gewesen sein, als es dann doch nichts zu sehen gab. Rein gar nichts!</p>
<p>Keiner wurde schwerverletzt abtransportiert, keine Flammen schlugen aus unseren Fenstern, keine Schläuche wurden ausgerollt. </p>
<p>Selbst als die Retter längst schon wieder abgefahren und wir wieder reingegangen waren, standen die Leute noch herum. Die konnten es einfach nicht glauben, dass nicht doch noch was passiert.</p>
<p>Wenn das ein richtiger Einsatz gewesen wäre, hätten die alle im Weg gestanden und die Rettungsmaßnahmen behindert.</p>
<p>Meine Meinung:</p>
<p>Neugier ist ja zunächst mal nichts Schlimmes. Es ist archetypisches Verhalten, dient der Informationsgewinnung, schützt vor Gefahren und hilft beim Überleben.</p>
<p>Heutzutage leben wir aber nicht mehr in Höhlen und in der Steppe und haben so etwas wie Normen, Respekt, Distanzverhalten usw. Da kann man Neugier durchaus ausleben, ohne anderen auf die Pelle zu rücken, ohne im Weg zu stehen und ohne respektlos zu sein.</p>
<p>Ganz unverschämt finde ich es, dass heute jeder meint, er habe das Recht, alles auf Video aufzunehmen und als lustige Begebenheit ins Netz zu stellen.</p>
<p>Leute, wie Stefan Raab, haben das &#8222;hoffähig&#8220; gemacht. Wir erinnern uns an Regina Zündel, die Maschendrahtzaun-Frau, die dicken Kinder von Landau und andere, die einfach ungewollt aus der Anonymität gezogen wurden.<br />
Ganz schlimm: In den USA die Bodycam-Videos der Polizei, die oft genug angetrunkene, aufgeregte oder schwer betroffene Menschen in Ausnahmesituationen zeigt, diese in blamierender Weise bei YouTube vorführen, und dann im Nachsatz kleinlaut dazusagen, die Leute seien so lange als unschuldig zu betrachten, bis sie eventuell, wenn überhaupt, verurteilt werden.<br />
Die BILD-Zeitung hat das auch oft genug gemacht: Verdächtige bis zur öffentlichen &#8222;Hinrichtung&#8220; vorführen, und dann eingestehen, dass gar nichts an der Sache dran war.</p>
<p>Und selbst, wenn jemand als Schwerverbrecher aus seinem Haus abgeführt werden sollte, hat niemand das Recht, den einfach zu filmen und das zu veröffentlichen. Eventuell ist doch an den Vorwürfen gar nichts dran. Vielleicht handelt es sich um eine Verwechslung, möglicherweise war die vermeintliche Leiche nur eine Schaufenster- oder Sexpuppe oder, oder, oder &#8230;</p>
<p>Die Menschen sollten doch lieber vor der Haustüre ihres eigenen Glashauses kehren und ihren eigenen Keller sauber von Leichen zu halten.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/33bcd2dc2a524ea58fabf134e74543d9" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/33bcd2dc2a524ea58fabf134e74543d9" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Leise rieselt der Schnee</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Dec 2025 07:43:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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					<description><![CDATA[Es ist kurz vor Weihnachten. Da fällt mir eine Begebenheit ein, die sich vor einigen Jahren am Tag vor Heiligabend zugetragen hat. Ich will sie nur kurz erzählen: Schnee ist<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/leise-rieselt-der-schnee/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist kurz vor Weihnachten. Da fällt mir eine Begebenheit ein, die sich vor einigen Jahren am Tag vor Heiligabend zugetragen hat. Ich will sie nur kurz erzählen:</p>
<p>Schnee ist ja zu Weihnachten bei uns eine Seltenheit. Ich erinnere mich gerne an ein Weihnachtsfest in meiner Kindheit. Wir sind damals an Heiligabend in die Kirche gegangen. Als der Gottesdienst vorüber war, spielte der Organist sehr ausladend &#8222;Stille Nacht, heilige Nacht&#8220;. Die großen Kirchentüren gingen auf und draußen hatte es inzwischen geschneit. Alles war dick mit Schnee überzogen. Das sah sehr schön aus und passte so wunderbar zu diesem Abend.</p>
<p>Vor einigen Jahren hatte es am Tag vor Heiligabend auch geschneit. Aber nur kurz und der Schnee war auch nicht liegengeblieben. Das bisschen Schneegestöber hatte aber ausgereicht, um 90 % der Autofahrer in Panik zu versetzen. Wenn man sich im Fernsehen anschaut, wie die Skandinavier bei geschlossener Schneedecke sicher Autofahren, dann kann man nicht nachvollziehen, weshalb drei Schneeflocken auf der Motorhaube hierzulande zu einem Verkehrschaos führen.</p>
<p>Wegen dieses Chaos kamen wir etwas verspätet an einem Haus an, in dem eine dicke Frau verstorben war. Sie war einer von den dicken Menschen, die ihr Bett wegen der Leibesfülle schon lange nicht mehr hatten verlassen können.</p>
<p>Die Familie hatte schon bei der Feuerwehr angerufen, denn ihnen war klar, dass ohne weitere Hilfe ein Abtransport der schweren Verstorbenen nicht möglich sein würde.<br />
Sechs Kindern hatte die Frau ihr Leben geschenkt, und diese hatten ihr nette Schwiegerkinder und elf Enkel beschert. Ich weiß nicht, ob das nötig war, aber all diese Familienangehörigen inklusive der Kleinsten waren gekommen, um dem Abtransport der dicken Frau beizuwohnen.</p>
<p>Die Männer und Frauen von der Feuerwehr hatten noch Verstärkung nachfordern müssen. Diese musste weiße Tücher aufspannen, um die Blicke der vielen Neugierigen abhalten zu können. Obwohl die Verstorbene bloß über den Balkon einer Wohnung im Hochparterre gehievt werden sollte, wollten sich die Nachbarn dieses spektakuläre Schauspiel nicht entgehen lassen. So manche Videokamera war auf das hell erleuchtete Fenster gerichtet, hinter dem wir, gemeinsam mit den Rettungskräften, die Frau auf ein Transportbrett der Feuerwehr schnallten.</p>
<p>Eine dicke Blonde in Joggingklamotten beschwerte sich sogar lautstark, sie könne nicht genug sehen, und die Feuerwehrleute sollten doch bitte mal etwas weggehen.</p>
<p>Auch wenn es etwas übertrieben klingt: Die Feuerwehr musste die Drehleiter einsetzen, um die Spezialtrage mit der dicken Frau vom Balkon herabzuhieven. Ich war heilfroh, dass die Frau in unseren Transporter passte und wir endlich die Türen des Autos schließen konnten.</p>
<p>Man stelle sich die Situation einmal vor:</p>
<p>Es ist ein Tag vor Heiligabend. Es ist schon dunkel draußen und die ganze Szene wird vom flackernden blauen Licht der Feuerwehr beleuchtet. Laute Motoren brummen. Ein paar einsame Flöckchen Schnee fallen in Zeitlupe.</p>
<p>Zwei Dutzend Familienangehörige stehen da und weinen bitterlich.</p>
<p>Und dann kommt er.</p>
<p>Er ist der Vermieter des Hauses und wohnt oben unterm Dach. &#8222;Sie da! Sie!&#8220;, spricht er mich an. &#8222;Hören Sie mal! So geht das ja nicht. Ich will Ihren Namen und Ihre Adresse. Sie werden von mir hören. Ich ruf&#8216; gleich meinen Anwalt an. Irgendeiner muss mir ja den ganzen Schaden bezahlen. Ich habe alles fotografiert. Ihr habt mir meinen Rasen vor dem Balkon ruiniert. Alles plattgetrampelt. Ob da überhaupt noch was wächst? Was das wieder kostet. Nichts als Ärger hat man. Aber diesmal kommt ihr Brüder nicht so einfach davon. Los, Ihren Namen, hier aufschreiben, auf den Zettel, aber flott!&#8220;</p>
<p>Ich hab nur &#8222;Frohe Weihnachten&#8220; gesagt und ihn einfach stehen lassen.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/f94dd57845b34a49962816f2f70dde5c" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/f94dd57845b34a49962816f2f70dde5c" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Rosa von Praunheim (83)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Dec 2025 14:36:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nekrolog]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivist]]></category>
		<category><![CDATA[Filmemacher]]></category>
		<category><![CDATA[Regisseur]]></category>
		<category><![CDATA[Rosa von Praunheim]]></category>
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					<description><![CDATA[Rosa von Praunheim, bürgerlich Holger Bernhard Bruno Mischwitzky, geboren am 25. November 1942 in Riga als Holger Radtke, ist am 17. Dezember 2025 in Berlin gestorben. Er war Film- und<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/rosa-von-praunheim-83/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Rosa von Praunheim, bürgerlich Holger Bernhard Bruno Mischwitzky, geboren am 25. November 1942 in Riga als Holger Radtke, ist am 17. Dezember 2025 in Berlin gestorben. Er war Film- und Theaterregisseur, Produzent, Autor, Professor für Regie und einer der prägenden Akteure der queeren Bewegung in Deutschland.</p>
<p>Von Praunheim begann seine künstlerische Laufbahn in den späten 1960er-Jahren und wurde 1971 schlagartig bekannt mit dem Film Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt. Der Film markierte einen Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung homosexuellen Lebens in der Bundesrepublik und gilt als Initialzündung der politischen Schwulen- und Lesbenbewegung in Deutschland. Über Jahrzehnte hinweg war von Praunheim eine der sichtbarsten Figuren dieser Bewegung.</p>
<p>In mehr als fünfzig Jahren schuf er über 150 Kurz- und Langfilme. Sein Werk ist umfangreich, oft bewusst roh inszeniert und thematisch klar positioniert. Homosexualität, Transidentität, AIDS, Ausgrenzung, Altern, Camp-Ästhetik und das Leben am Rand gesellschaftlicher Normen standen im Zentrum seines Schaffens. Dabei interessierte ihn weniger Perfektion als Dringlichkeit. Viele seiner Filme entstanden mit einfachen Mitteln, aber mit klarer Haltung.</p>
<p>International wurde Rosa von Praunheim als Pionier des queeren Kinos wahrgenommen. Sein Name steht bis heute symbolisch für den deutschen queeren Autorenfilm. Neben seiner Film- und Theaterarbeit war er auch als Hochschullehrer tätig und beeinflusste mehrere Generationen von Filmschaffenden.</p>
<p>Sein öffentliches Wirken war jedoch nicht frei von Kontroversen. Besonders umstritten war seine Praxis, prominente Personen gegen deren Willen öffentlich als homosexuell zu benennen. Von Praunheim verstand dies als politischen Akt, als Mittel zur Enttabuisierung und zur Sichtbarmachung homosexuellen Lebens. Für die Betroffenen hatte dieses Vorgehen teils erhebliche persönliche und berufliche Folgen. Einige verloren Aufträge, andere gerieten in familiäre oder öffentliche Konflikte. Die Debatte über Legitimität, Verantwortung und Grenzen dieses Vorgehens begleitet sein Werk bis heute.</p>
<p>In den 1980er- und 1990er-Jahren engagierte sich von Praunheim intensiv in der AIDS-Aufklärung und -Prävention, zu einer Zeit, als das Thema noch stark mit Angst, Stigmatisierung und Schweigen belegt war. Auch dieses Engagement war direkt, konfrontativ und nicht selten provokant.</p>
<p>Nach der endgültigen Streichung des § 175 StGB im Jahr 1994 zog sich Rosa von Praunheim zunehmend aus der politischen Tagesdebatte zurück. Er blieb produktiv, konzentrierte sich stärker auf künstlerische Projekte und arbeitete weiterhin mit Figuren und Themen, die im kulturellen Mainstream wenig Platz fanden.</p>
<p>Rosa von Praunheim hinterlässt ein widersprüchliches, aber unübersehbares Werk. Er war Wegbereiter, Provokateur, Chronist und Störenfried zugleich. Sein Einfluss auf das deutsche Kino und die queere Öffentlichkeit ist unbestreitbar – ebenso wie die Tatsache, dass nicht alle seine Mittel unumstritten waren. Seine Filme bleiben als Zeitdokumente eines gesellschaftlichen Wandels erhalten, den er nicht nur begleitet, sondern aktiv vorangetrieben hat.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/6593b29ec344446899bdfb4c9b8e9ec0" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/6593b29ec344446899bdfb4c9b8e9ec0" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Gier</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/gier/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Dec 2025 08:59:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[betrug]]></category>
		<category><![CDATA[Gier]]></category>
		<category><![CDATA[Großzügigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gutmütigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Habgier]]></category>
		<category><![CDATA[hohe Bestatterrechnung]]></category>
		<category><![CDATA[nicht zurückzahlen wollen]]></category>
		<category><![CDATA[Raten]]></category>
		<category><![CDATA[Ratenzahlung]]></category>
		<category><![CDATA[Respekt]]></category>
		<category><![CDATA[sich verschulden]]></category>
		<category><![CDATA[teure Beerdigung]]></category>
		<category><![CDATA[zu viel Geld ausgeben]]></category>
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					<description><![CDATA[Einen Kredit aufzunehmen, hat für die meisten Deutschen immer ein bißchen was Anrüchiges an sich gehabt. Sich Geld leihen zu müssen, galt zumindest für die Generation meiner Eltern als etwas,<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/gier/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Einen Kredit aufzunehmen, hat für die meisten Deutschen immer ein bißchen was Anrüchiges an sich gehabt. Sich Geld leihen zu müssen, galt zumindest für die Generation meiner Eltern als etwas, über das nicht gesprochen wurde, und das etwas war, für das man sich schämen musste.</p>
<p>Nur, wer ein Haus baute und einen entsprechenden Gegenwert schuf, galt nicht als Schuldenmacher. Das hat sich im Zeitalter der Girokonten und der Überziehungskredite geändert. Auch die mannigfaltigen Möglichkeiten, Produkte in Raten bezahlen zu können, tragen dazu bei, dass der eine oder andere Kredit quasi unbemerkt aufgenommen wird. Unsere Nachfolgegeneration begreift ja noch nicht einmal, dass ein &#8222;Handy mit Vertrag&#8220; bei dem sie monatlich oft über hundert Euro bezahlen müssen, im Grunde genommen einen Ratenkredit fürs Telefon beinhaltet<sup id="fnref1"><a href="#fn1" class="footnote">1</a></sup>.</p>
<p>Anders ist das bei Kaufleuten. Selbst riesige Unternehmen nehmen wie selbstverständlich große Kredite auf, um Produktionsmaterialien vorzufinanzieren. Die Kredite werden dann nach dem Verkauf der Waren zurückgezahlt. Das ist ein ständiger Wechsel oder Kreislauf aus Kreditaufnahme und Rückzahlung zum Vorteil aller Beteiligten.</p>
<p>Bei mir liegt der Fall anders. In sehr jungen Jahren habe ich mit einer Bank extrem schlechte Erfahrungen gemacht – Erfahrungen, die mein Verhältnis zu Geldinstituten bis heute geprägt haben.</p>
<p>Ich wurde mit einem angeblich zinslosen Existenzgründerdarlehen gelockt, das über zehn Jahre zurückzuzahlen sein sollte. Ohne eigenes Verschulden geriet ich dadurch in eine Schuldenfalle. Erst später begriff ich, dass es dem Bankmitarbeiter weniger um meine Existenzgründung ging als um die Provision für eine zwingend abzuschließende Lebensversicherung. Nachdem diese Police abgeschlossen war, ließ sein Engagement schlagartig nach. Das eigentlich günstige Darlehen bei der Landesbank wurde nie durchgesetzt. Übrig blieb stattdessen ein teurer Zwischenkredit bei seiner eigenen Bank.</p>
<p>Im Nachhinein meldeten sich mehr als ein Dutzend weiterer Betroffener bei mir, denen es ganz ähnlich ergangen war. Der betreffende Mitarbeiter wurde schließlich tatsächlich entlassen. An den bestehenden Krediten änderte das jedoch nichts – sie blieben bestehen und mussten selbstverständlich zurückgezahlt werden.</p>
<p>Ich selbst hatte nur einen Bruchteil des voreilig bereitgestellten Geldes ausgegeben: für eine Schreibmaschine, einige Büromöbel und ein gebrauchtes Auto. Der eigentliche finanzielle Schaden entstand später – und auf ganz andere Weise.</p>
<p>Das Genick brach mir ein Mann namens Hugo Groschnik. Er hatte mir vorgeschlagen, mit ihm eine Bürogemeinschaft zu bilden, um Kosten zu sparen. Eines Tages bot er an, mir einen Weg zur Bank zu ersparen und für mich Geld abzuheben. Ich stellte ihm dafür eine Kassenanweisung über 100 D-Mark aus. Im Gegensatz zu einem Scheck musste bei einem solchen Zahlschein der Betrag nicht in Worten wiederholt werden.</p>
<p>Groschnik fälschte den Betrag, hängte zwei Nullen an, nahm meinen Personalausweis aus meiner Jacke und hob statt der vorgesehenen 100 D-Mark ganze 10.000 D-Mark ab. Da wir beide bei der Bank persönlich bekannt waren und er meinen Ausweis vorlegte, schöpfte niemand Verdacht.</p>
<p>In unserem Büro ließ er sich nie wieder blicken, an der mir bekannten Privatanschrift war die Familie seit einer Woche unter Zurücklassen der meisten Möbel und eines Haufens Müll verschwunden.</p>
<p>Groschnik wurde später wegen Betrugs und Unterschlagung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Mein Fall war vor Gericht noch der unbedeutendste – er hatte zahlreiche weitere Menschen um ihr Geld gebracht. Das Geld blieb verschwunden. Man geht davon aus, dass er insgesamt über 200.000 Mark für Glücksspiel, Frauen und anderen kurzlebigen Luxus ausgegeben hat. Auch nach seiner vorzeitigen Haftentlassung war bei ihm nichts mehr zu holen. Ich sah ihn nach bestimmt 15 Jahren mal vor einem Geschäft und hielt an, um ihn zur Rede zu stellen. Er rannte weg. Ein paar Jahre später sah ich ihn in der Fußgängerzone. Er ging, komplett abgemagert, gekrümmt und ständig mit dem Kopf wackelnd, an einem Rollator … Ich hörte, seine Frau habe ihn verlassen, seine Kinder scheuten den Kontakt und er lebe, an Parkinson und Krebs erkrankt, in einem <em>Männerwohnheim</em>. Ich beschloss, ihn, solange er sich nicht als <em>Postkartenmaler</em> betätigte, in Ruhe zu lassen. Was bringt&#8217;s, bei so einem Wrack so etwas wie Geld oder gar Gerechtigkeit zu suchen?</p>
<p>Zurück blieb am Ende nur eine Zahl – und die traf allein mich: 13.000 D-Mark, die ich der Bank vollständig zurückzahlen musste.</p>
<p>Wie gesagt, ich war noch sehr jung, mir fehlten die Menschenkenntnis und die Erfahrung, und ich war zu euphorisch und blauäugig. Trotzdem blieben für mich und meine frisch angetraute Frau einige Jahre mit Schulden.</p>
<p>Das war mir eine Lehre. Ich habe mir nie wieder in meinem ganzen Leben bei irgendwem Geld geliehen. Nicht privat, nicht bei Banken, nicht in Form von Ratenkäufen.</p>
<p>Umgekehrt habe ich es aber immer anders gehalten. Wenn jemand in finanzieller Not zu mir kam, habe ich ihm geholfen. Dabei sind meine Frau und ich immer dem Grundsatz gefolgt, nie so viel zu verleihen oder zu verschenken, dass wir selbst in große Not geraten könnten, falls Geliehenes nicht zurückgegeben wurde. Und trotzdem ist es oft genug so gewesen, dass wir Notzeiten mit Toastbrot und Marmelade überbrücken mussten, während ein ehemals Hilfsbedürftiger uns dreckig aus Mallorca eine Ansichtskarte schickte.</p>
<p>Es bleibt aber dabei: Lieber helfe ich einmal zu viel, helfe ich auch einem, der nur meine Gutmütigkeit ausnutzt, als dass ein wirklich armer Mensch Not leiden muss.</p>
<p>Was könnte mich denn dazu bringen, den Kühlschrank voll zu haben, Autos in der Garage stehen zu haben, zwei Schränke voll Klamotten zu besitzen und in einem schönen Haus wohnen zu dürfen, und dann zu sagen: „Ich gebe von dem, was ich darüber hinaus noch habe, nichts ab, es gehört mir, mir allein!“?</p>
<p>Es liegt in der Natur der Sache und ist wohl elementarer Bestandteil des Systems, dass so jemandem wie mir andersherum nie geholfen wird. Der reiche Onkel sagte: „Wenn ich Dir jetzt helfen würde, würde ich Dich nur zur Bequemlichkeit erziehen; sieh zu, wie Du Dir selbst hilfst!“ Mein reicher Bruder schickte mir, als ich unsere todkranke Mutter über Jahre hinaus pflegte und uns der Pflegedienst und Medikamenten- und Heilmittelkosten die letzten Haare vom Kopf fraßen, einen Scheck über 100 D-Mark. Und solche Geschichten könnte ich in endloser Reihe fortsetzen. Du kennst das bestimmt auch.</p>
<p>Eines Tages kam mal ein Ehepaar zu mir ins Bestattungshaus, so um die 40 herum. Die beiden machten es richtig: Sie sagten mir gleich am Anfang des Gesprächs, dass sie nur das Notwendigste ausgeben wollten. Ich schreibe es ja immer wieder: Bestatter sind Kaufleute und dürfen, ja sie müssen sogar, darauf hinarbeiten, dass der Kunde möglichst gut einkauft. Aber wenn man ihnen sagt, dass es nach oben eine Grenze gibt, werden sie alles tun, diese nicht zu überschreiten, denn Geld, das nicht da ist, kann auch ein guter Kaufmann nicht verdienen.</p>
<p>Um ihr Gesicht nicht zu verlieren, präsentierten die Leute mir überflüssigerweise die beinahe täglich gehörte Geschichte vom einfachen Menschen. „Unser Großvater war ja ein so einfacher Mann, der hatte keinen Sinn für Luxus und Verschwendung. Da wollen wir auch bei der Begrabung (sic!) unter dem Teppich bleiben (sic!).“</p>
<p>Der Mann ergänzte noch: „Geld haben wir ja genug, ich hab’ mein Geld ja in der Gastronomie gemacht. Aber was nicht sein muss, das muss ja auch nicht sein.“</p>
<p>Ich beruhigte das Ehepaar Stemmer und erwähnte auch, dass wir im Zweifelsfall sogar eine Ratenzahlung anbieten.<br />
Heute gibt es Factoring-Unternehmen, die den Bestattern gegen eine kleine Provision die Rechnungen „abkaufen“ und den gesamten Zahlungseinzug, inklusive Ratenvereinbarungen usw. übernehmen.<br />
So etwas hatte ich damals nicht. Wenn wir Kunden gestatteten, ihre Rechnung in Raten zu bezahlen, bedeutete das, dass ich das vorfinanzieren musste und das Risiko auf meine Kappe ging.</p>
<p>Ehepaar Stemmer hatte für den verstorbenen Opa einen einfachen Nadelholzsarg und eine Stahlblechurne ausgesucht. Kleine Trauerfeier in der Kapelle, kein Kaffeetrinken. Bloß keine teure Zeitungsanzeige. Grabstein? Nein danke, bitte nur ein Holzkreuz für 49 Euro.</p>
<p>Dann hörten sie das mit der Ratenzahlung. Ich bemerkte, wie sie sich ansahen, in ihren Augen blitzte es. Mir war klar, was gerade passiert war. Noch mochte ich mich täuschen, aber meine Menschenkenntnis sagte mir, dass die jetzt aufdrehen würden. Sie würden jetzt so richtig viel Geld ausgeben, dann Ratenzahlung anfragen und später würde ich jahrelang meinem Geld hinterherlaufen müssen.<br />
Ich sah förmlich, wie sie abbrannten<sup id="fnref2"><a href="#fn2" class="footnote">2</a></sup>.</p>
<p>Denn, wie läuft so etwas ab? Die Leute kaufen viel zu teuer ein. Sie bestellen weit über ihre Verhältnisse. Und wenn es dann ans Bezahlen geht, heißt es, der Bestatter sei ja unverschämt teuer gewesen. Und wenn der Bestatter dann auch noch Mahnungen, Mahnbescheide und den Gerichtsvollzieher schickt, dann erzählen sie herum, wie der betrügerische Halsabschneider ihnen die Luft zum Atmen nimmt. „Der macht Geschäfte mit dem Tod, der schlimme Blutsauger!“</p>
<p>Und? Genau! Das Ehepaar Stemmer schlug zu: Eichentruhe, Doppelgrab, fetter Grabstein, Blumen über und über, dreispaltig in der Zeitung, Kaffeetrinken in der „Letzten Träne“ mit 30 Leuten und natürlich: „Bitte besorgen Sie einen Tenor, den besten, den Sie kriegen können! Muss ja nicht dieser Placebo Flamingo sein, aber ein Guter!“</p>
<p>Frau Stemmer meinte: „Schauen Sie, der Opa hat ja sein Leben lang tüchtig gearbeitet, da soll ihm jetzt doch die Ehre erwiesen werden, nicht wahr?“</p>
<p>Wir sitzen anschließend beisammen, ich rechne zusammen, es kommen fast 10.000 Euro dabei heraus. Die beiden fassen sich an den Händen und lächeln. Es ist aber kein Lächeln der Dankbarkeit, als ich ihnen Raten in Höhe von 278,- Euro ausrechne. Die müssten sie drei Jahre lang bezahlen. Keine Zinsen, keine Gebühren.<br />
Nein, ihr Lächeln ist das verschmitzte Eingeständnis, dass diese Leute vermutlich schon viel zu viel auf Raten gekauft haben, und nun die Gelegenheit beim Schopf ergriffen haben, um noch mehr Schulden zu machen; Schulden die sie gar nicht abbezahlen wollen.</p>
<p>„Und das läuft auch wirklich nicht über eine Bank?“, will Herr Stemmer wissen und wirft seiner Frau wieder einen merkwürdigen Blick zu. „Wir sind ja ehrliche und anständige Leute und wollen uns nichts nachsagen lassen.“</p>
<p>Ich denke mir: „Spiegelberg, ick kenne dir!&#8220;<sup id="fnref3"><a href="#fn3" class="footnote">3</a></sup></p>
<p>Freundlich nicke ich, greife zum Telefon und wähle zum Schein eine Nummer. Frau Stemmer fragt misstrauisch: „Wo, wo, äh, wo rufen Sie denn jetzt an?“</p>
<p>„Ach, machen Sie sich keine Gedanken, Sie sind doch ehrliche und anständige Leute, haben Sie doch gerade selbst gesagt.“</p>
<p>Mehr sage ich nicht, ich gebe nicht vor, dass ich bei einer Bank oder Kreditauskunft anrufe, ich rufe überhaupt nirgendwo an. Aus dem Hörer tutet es nur leise und müde und gleichmäßig, weil die Telefonanlage mit der halbgewählten Nummer nichts anfangen kann. Ich lege wieder auf. „Ach, da ist besetzt, ich probier’ es gleich noch einmal.“</p>
<p>„Ja, wo wollten Sie denn anrufen? Etwa wegen uns?“, fragt nun Herr Stemmer.</p>
<p>Ich lächele unverbindlich, schreibe noch ein paar Zeilen auf meinen Bestellbogen, dann greife ich wieder zum Hörer. Währenddessen sehe ich, wie die beiden einfrieren<sup id="fnref4"><a href="#fn4" class="footnote">4</a></sup>.</p>
<p>„Ach, wissen Sie was? Wir haben uns das überlegt!“, unterbricht mich der Mann. „Schauen Sie, der Opa war doch so ein einfacher Mann, der hat sich selber nie was gegönnt und der würde sich ja in der Marmelade herumdrehen (sic!), wenn wir jetzt das schöne Geld für seine Beerdigung verschleudern. Wir wollen dann doch lieber alles so, wie wir es anfangs besprochen haben, ganz einfach, ohne alles.“</p>
<p>Etwas übertrieben theatralisch nehme ich den gelben Auftragszettel mit den teuren Sachen und zerreiße ihn in kleine Fetzen.</p>
<p>Der Mann unterschreibt den Auftragsbogen für den einfachen Nadelholzsarg und die kleine Beerdigungsvariante. Ich sage: „Und denken Sie daran, mir die Hälfte des Rechnungsbetrags heute noch als Anzahlung zu bringen, gell?“</p>
<p>„Was?“ Entsetzen in den Augen des Ehepaars.</p>
<p>„Wir drei sind doch anständige und ehrliche Menschen, und da wissen wir doch, dass das so üblich ist. Steht auch auf dem Auftrag drauf.“</p>
<p>„Was steht da?“</p>
<p>„Na hier! Da, wo ich das Kreuz gemacht habe: 50 % des Rechnungsbetrags sind als Anzahlung bei der Auftragsvergabe fällig. Unter so ehrlichen und anständigen Leuten wie uns, ist das ja eine Selbstverständlichkeit und sollte ja wohl auch kein Problem sein, oder?“</p>
<p>Er dreht den Auftragsbogen zu sich herum, schiebt ihn seiner Frau hinüber, die beiden studieren den Zettel fast schon ein wenig zu lange. Dann meint sie: „Ach wissen Sie was, dieses popelige Holzkreuz für 49 Euro, das lassen wir auch noch weg. Ist doch bloß Angeberei. Wir wissen ja, wer da begraben liegt.“</p>
<p>Merke: Sei hilfsbereit und großzügig. Aber lass Dich nicht verarschen!</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/3e0e9977601c4c9ebec6fc64c86676b0" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/3e0e9977601c4c9ebec6fc64c86676b0" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
<div id="serial-posts-wrapper"><h3 class="serial-posts-heading">Fußnoten:</h3><div class="footnotes"><ol class="serial-posts"><li id="fn1">Hinzu kommt, dass viele gar nicht begreifen, dass fast alle Angebote, die eine monatliche Gebühr kosten, z.B. Streamingdienste, nur in den ersten Wochen oder Monaten günstig sind, und dann drastisch teurer werden. <a href="#fnref1"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li><li id="fn2">Mit &#8222;Abbrennen&#8220; bezeichnen Ermittler und Detektive das verdächtige Verhalten von Tätern unmittelbar vor der Tat. Bei Ladendieben etwa ist es das unauffällige Umsehen nach anderen Leuten oder Überwachungskameras. <a href="#fnref2"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li><li id="fn3">Spiegelberg ist eine der zentralen Nebenfiguren im Drama „Die Räuber“ (1781) von Friedrich Schiller. Er gehört zur Räuberbande um Karl Moor, ist aber kein idealistischer Rebell, sondern ein zynischer, intrigierender und machtgieriger Charakter. Die Aussage „Spiegelberg, ich kenne dich!“ wird Karl Moor zugeschrieben (nicht wortgleich, aber inhaltlich eindeutig), als dieser erkennt, dass Spiegelberg nicht aus Freiheitsdrang rebelliert, sondern aus Neid, Ehrgeiz und Machtgier handelt, und selbst gern Anführer der Bande wäre. Karl Moor durchschaut ihn – daher der Sinn der Aussage: „Ich weiß genau, wer und was du bist.“ Wenn heute jemand sagt: „Spiegelberg, ich kenne dich“, dann meint er: Ich durchschaue dein falsches Spiel. <a href="#fnref3"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li><li id="fn4">Wie das oben beschriebene Abbrennen, gibt es auch das Einfrieren. Wenn Täter während des Abbrennens Gefahr wittern oder sie der Mut verlässt, und sie kurz vor Tatausübung einen Rückzieher machen, dann nennen erfahrene Ermittler das das Einfrieren. <a href="#fnref4"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li></ol></div></div>]]></content:encoded>
					
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		<title>Rolf Becker (90)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Dec 2025 20:28:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nekrolog]]></category>
		<category><![CDATA[Rolf Becker]]></category>
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					<description><![CDATA[Rolf Becker (*31. März 1935 in Leipzig; † 12. Dezember 2025 in Hamburg) &#8211; Mit Rolf Becker ist einer der profiliertesten deutschen Schauspieler seiner Generation gestorben. Über mehr als sechs<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/rolf-becker-90/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Rolf Becker (*31. März 1935 in Leipzig; † 12. Dezember 2025 in Hamburg) &#8211; Mit Rolf Becker ist einer der profiliertesten deutschen Schauspieler seiner Generation gestorben. Über mehr als sechs Jahrzehnte prägte er Theater, Film, Fernsehen und Hörspiel und hinterließ ein Werk von außergewöhnlicher Breite und Kontinuität.</p>
<p>Geboren 1935 in Leipzig, begann Rolf Becker seine schauspielerische Laufbahn nach der Ausbildung an renommierten Bühnen, unter anderem an den Münchner Kammerspielen, wo er früh als charakterstarker Darsteller auffiel. Bereits zu Beginn der 1960er-Jahre wechselte er zunehmend vor die Kamera – ein Schritt, der den Grundstein für eine der umfangreichsten Karrieren im deutschen Fernsehen legte.</p>
<p>Seit 1961 wirkte Becker in über 200 Film- und Fernsehproduktionen mit. Er war präsent in Literaturverfilmungen, Krimiserien, gesellschaftskritischen Fernsehspielen und großen Mehrteilern. Seine Rollen waren selten effekthascherisch, dafür umso glaubwürdiger: Becker verstand es meisterhaft, Autorität mit Menschlichkeit, Härte mit innerer Verletzlichkeit zu verbinden.</p>
<p>Einem Millionenpublikum wurde er vor allem durch seine langjährige Rolle als Otto Stein in der ARD-Serie In aller Freundschaft bekannt. Mit ruhiger Präsenz und großer Ernsthaftigkeit verkörperte er dort eine Figur, die für viele Zuschauer weit über die Serie hinaus Identifikationskraft gewann.</p>
<p>Neben seiner Arbeit vor der Kamera war Rolf Becker auch ein herausragender Synchron- und Hörspielsprecher. Seine markante, zugleich warme Stimme machte ihn zu einem gefragten Erzähler und Charaktersprecher. Ob in literarischen Hörspielen, politischen Features oder Synchronrollen – Becker verlieh Figuren Tiefe, Würde und unverwechselbare Präsenz.</p>
<p>Rolf Becker stand nie für Lautstärke oder Selbstinszenierung. Er gehörte zu jener Generation von Schauspielern, für die handwerkliche Präzision, Texttreue und innere Haltung wichtiger waren als Prominenz. Gerade darin lag seine besondere Größe.</p>
<p>Rolf Becker war mit der Schauspielerin Monika Hansen (1942–2025) verheiratet. 1971 ließ sich das Ehepaar scheiden. Aus der Ehe gingen die Kinder Ben Becker (* 1964) und Meret Becker (* 1969) hervor, die nach der Scheidung von ihrem Stiefvater Otto Sander großgezogen wurden und ebenfalls im Schauspielbereich tätig sind. </p>
<p>Mit seinem Tod verliert die deutsche Schauspielkunst einen stillen, aber nachhaltigen Gestalter – einen Künstler, der Generationen von Zuschauern begleitet hat und dessen Arbeit weit über einzelne Rollen hinaus Bestand haben wird.</p>
<p>Rolf Becker wurde 90 Jahre alt. Sein Werk bleibt.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/2d3ef9037ab84164bd014677a6fdf0bd" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/2d3ef9037ab84164bd014677a6fdf0bd" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Irgendwas mit Physik</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/irgendwas-mit-physik/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Dec 2025 14:05:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[müll]]></category>
		<category><![CDATA[mülltonnen]]></category>
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					<description><![CDATA[Als ich noch zu Hause bei meinen Eltern wohnte, hatten wir eine Mülltonne. Die Betonung liegt auf dem Wort eine. Das war eine Tonne aus Blech, in die alles hineingeschmissen<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/irgendwas-mit-physik/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich noch zu Hause bei meinen Eltern wohnte, hatten wir eine Mülltonne. Die Betonung liegt auf dem Wort eine. Das war eine Tonne aus Blech, in die alles hineingeschmissen wurde, was an Abfall so anfiel.</p>
<p>Bei den Haushalten im Ruhrgebiet war das oft auch die Asche und Schlacke von den Kohleöfen. Deshalb war es klug, Tonnen aus Metall zu nehmen, denn es kam vor, dass die Asche noch Glut enthielt. Gute Hausfrauen ließen deshalb die Asche ordnungsgemäß auskühlen, bevor sie sie in die Tonne kippten.</p>
<p>Wir Kinder bewunderten die Müllmänner, wie sie hinten auf den Trittbrettern der mächtigen Müllautos mitfuhren. Ganz besonders toll fanden wir, wie die Männer gleich zwei Tonnen durch geschickte Drehbewegungen neben sich herdrehen und so transportieren konnten. Eine fast schon artistische Leistung.</p>
<p>Später dann wurden die Eisentonnen durch Plastiktonnen ersetzt und es kamen die Aufkleber &#8222;Keine heiße Asche einfüllen&#8220; drauf.</p>
<p>Aber die eine Tonne reichte für einen Haushalt und eine ganze Woche. Heute ist das anders. An manchen Häusern stehen bis zu sechs verschiedenfarbige Tonnen, eine blaue für Altpapier, eine grüne für Biosachen und eine gelbe für Verpackungen, die rote ist für Blechdosen und Glas und die graue Tonne für den Restmüll. Je nach Kommune sind das mehr oder weniger. Mülltrennung ist das Stichwort. Eine Prozedur, der wir uns, zur Beruhigung eines eingeimpften schlechten Gewissens, und aus deutschem vorauseilendem Gehorsam bereitwillig unterwerfen. Und das vor dem Hintergrund, dass nach unserer mühsamen Trennarbeit der ganze Klumpatsch nicht selten einfach zusammengeschüttet und verbrannt wird.</p>
<p>Bei unserem Bestattungshaus stehen auf dem Hof vier verschiedene Mülltonnen, zwei große fahrbare Müllcontainer und eine Tonne für den Sondermüll.<br />
Die für den Sondermüll ist uns aufgezwungen worden, da wird nie etwas reingeworfen, weil wir keinen solchen Sondermüll haben. Da würden Klinikabfälle, Kanülen, leere Ampullen und giftiges Zeug hineingehören, aber so etwas fällt bei uns nicht an. Einmal im Quartal wird die zwangsgeleert. Da kommt das Fahrzeug einer Spezialfirma und leert die leere Tonne. Kostet jedesmal 27 Euro.</p>
<p>Alle anderen Tonnen und der Container werden von der Kommune geleert. Nach einem aufgeklügelten Plan kommt mal der Wagen für die graue Tonne, die Woche drauf der für die blaue und dann wieder der andere für den Rest. So hast Du auch schön jede Woche was zu tun.<br />
Normalerweise kommen die Müllmänner und holen die Tonnen an der Grundstücksgrenze ab. So wie es früher mal war, dass die Männer die Tonnen auch noch vom Hof oder gar aus dem Keller holten und wieder zurückbrachten, ist es ja schon lange nicht mehr.</p>
<p>Nur ist es bei uns so, dass die private Entsorgungsfirma, die den Müll im Auftrag der Kommune abholt, sagt, der Müllwagen sei zu groß, um in die enge Straße bei uns reinzufahren.<br />
Deshalb müssen wir jede Woche die gerade aktuelle Mülltonne zweihundert Meter weit ans Ende der Straße an einen Sammelplatz schieben.<br />
Das ist lästig und jedes Mal gibt es ein Theater. Oft wurde das auch schon vergessen. Immer ein Hin und Her.</p>
<p>Nun bietet dieses Müllentsorgungsunternehmen aber für Leute, die sich das leisten möchten, einen sogenannten Vollservice an. Da muss man dann irgendwie die dreifache Gebühr bezahlen, dafür holen die Männer die Tonnen aber dann auch selbst aus den Müllboxen oder vom Hof und bringen die auch brav wieder zurück.</p>
<p>Und siehe da: Für die zwei Haushalte am Ende unserer Straße, die sich diesen Extra-Service leisten, ist die Straße auf einmal nicht mehr zu eng, und der Müllwagen kann selbstverständlich bis dahin fahren.</p>
<p>Nun wäre es ja eigentlich logisch, dass wir sagen könnten: Moment mal, wenn ihr ja bis zu diesen Häusern problemlos hinfahren könnt, dann müsstet ihr ja auch in der Lage sein, die Tonnen der anderen Anwohner wenigstens an der Grundstücksgrenze, sprich am Gehwegrand abzuholen und zu entleeren.</p>
<p>Aber nein, es bleibt dabei: Für diejenigen, die nicht bereit sind, das Dreifache zu bezahlen, ist die Straße zu schmal, für die Reicheren ist sie hingegen breit genug.<br />
Muss irgendwas mit Physik zu tun haben.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/b49d36857e7c481e96a65988a39bcad9" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/b49d36857e7c481e96a65988a39bcad9" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Was ist eine Wachsleiche? Was sind Wachsleichen?</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/wachsleichen-2/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Dec 2025 05:57:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frag doch den Undertaker]]></category>
		<category><![CDATA[wachsleiche]]></category>
		<category><![CDATA[wachsleichen]]></category>
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					<description><![CDATA[Wachsleichen – Wenn die Natur sich weigert, den letzten Schritt zu gehen &#8211; Manchmal stößt man auf dem Friedhof auf etwas, das selbst erfahrene Bestatter noch staunen lässt: Verstorbene, die<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/wachsleichen-2/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wachsleichen – Wenn die Natur sich weigert, den letzten Schritt zu gehen &#8211; Manchmal stößt man auf dem Friedhof auf etwas, das selbst erfahrene Bestatter noch staunen lässt: Verstorbene, die nach Jahrzehnten kaum verwest sind. Der Körper ist erstaunlich gut erhalten, die Gesichtszüge noch zu erkennen – als sei die Zeit stehen geblieben. Solche Leichen nennt man Wachsleichen.</p>
<h2 id="was-genau-ist-eine-wachsleiche">Was genau ist eine Wachsleiche?</h2>
<p>Eine Wachsleiche ist ein menschlicher Körper, der nach der Bestattung nicht vollständig verwest ist. Im Gegensatz zur Mumie – bei der die Zersetzung durch völlige Austrocknung gestoppt wird – entsteht eine Wachsleiche, weil die Körperfette sich in eine wachsähnliche Substanz verwandeln. Diese sogenannte <i>Adipocire</i> legt sich wie eine Schutzschicht um den Körper und verhindert, dass die natürlichen Verwesungsprozesse weiterlaufen.</p>
<p>Als Bestatter habe ich im Laufe der Jahre mehrere solcher Fälle erlebt. Besonders dann, wenn Gräber geöffnet werden müssen, etwa für eine Umbettung oder weil die Ruhezeit abgelaufen ist, kann man auf solche erstaunlich gut erhaltenen Körper stoßen. Es ist ein Moment, der einen auch nach Jahrzehnten im Beruf noch innehalten lässt – nicht aus Sensationslust, sondern aus Ehrfurcht vor der Macht der Natur.</p>
<h2 id="wie-entsteht-eine-wachsleiche">Wie entsteht eine Wachsleiche?</h2>
<p>Normalerweise wird ein Sarg etwa 1,6 bis 2 Meter tief in die Erde eingelassen. Der Boden sollte durchlässig genug sein, damit Luft und Feuchtigkeit in einem ausgewogenen Verhältnis vorhanden sind. So können die im Erdreich lebenden Mikroorganismen ihre Arbeit tun – das Holz des Sarges zerfällt, der Körper wird zersetzt und geht schließlich in den natürlichen Kreislauf über.</p>
<p>Ist der Boden jedoch zu feucht, zu lehmig oder zu dicht, fehlt der Sauerstoff. Dann läuft der Zersetzungsprozess nicht wie vorgesehen ab. Stattdessen beginnen die Hautfette des Verstorbenen, sich in stabile Fettverbindungen umzuwandeln. Diese bilden eine grauweiße, krümelige Schicht, die man als „Leichenwachs“ bezeichnet. Der Körper wird dadurch gleichsam konserviert. Das klingt nach makabrer Chemie, ist aber ein ganz natürlicher Prozess.</p>
<figure id="attachment_62432"  class="wp-caption alignnone" style="width: 800px;"><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/wachsleichen-im-grab_800x500.webp" alt="Wachsleiche im Grab" width="800" height="500" class="size-full wp-image-62432" /><figcaption class="wp-caption-text">Wachsleichen werden vor allem bei der Neubelegung von alten Gräbern oder der Auflösung von Friedhöfen gefunden.</figcaption></figure>
<h2 id="ein-problem-fuer-friedhoefe">Ein Problem für Friedhöfe</h2>
<p>Für die Friedhöfe sind Wachsleichen ein echtes Problem. Nach Ablauf der gesetzlichen Ruhezeiten – meist 15 bis 25 Jahre, je nach Region – werden Gräber neu belegt. Doch wenn beim Öffnen noch ein weitgehend unversehrter Körper auftaucht, steht der Friedhofsbetreiber vor einem Dilemma. Rein rechtlich gilt das Grab als „abgelaufen“, tatsächlich aber ist der Verstorbene physisch noch da. In solchen Fällen müssen die Körper umgebettet oder in Gräber mit besseren Bodenverhältnissen verlegt werden. Manchmal helfen Drainagerohre oder Belüftungsschächte, um den Boden wieder „atmen“ zu lassen.</p>
<p>In meiner Laufbahn habe ich mehrfach erlebt, dass solche Arbeiten diskret durchgeführt wurden, um Angehörige nicht zu beunruhigen. Kaum jemand möchte hören, dass die Mutter oder der Vater auch nach 40 Jahren noch fast unverändert im Grab liegen. Deshalb wird über das Thema öffentlich kaum gesprochen – es gilt als Tabu.</p>
<h2 id="wie-haeufig-kommen-wachsleichen-vor">Wie häufig kommen Wachsleichen vor?</h2>
<p>Erstaunlicherweise häufiger, als man denkt. Schätzungen zufolge ist rund ein Viertel aller deutschen Friedhöfe in irgendeiner Form betroffen. Auf manchen Anlagen ist der Boden so feucht oder undurchlässig, dass sich immer wieder Wachsleichen bilden. Vor allem in Regionen mit hohem Grundwasserspiegel, etwa im Norden Deutschlands, sind sie keine Seltenheit.</p>
<p>Doch auch in süddeutschen katholischen Regionen, wo die Erdbestattung nach wie vor häufig ist, kommen solche Fälle vor. Dort sorgt weniger die Bodenbeschaffenheit, sondern oft die dichte Belegung der Friedhöfe dafür, dass die Verwesung verzögert wird.</p>
<h2 id="warum-moderne-leichen-schlechter-verwesen">Warum moderne Leichen schlechter verwesen</h2>
<p>Die Natur tut, was sie kann – doch der Mensch macht es ihr nicht leicht. Antibiotika, Medikamente, Chemotherapie, Umweltgifte und konservierende Substanzen in der Nahrung führen dazu, dass die Mikroorganismen, die den Körper zersetzen sollen, ihre Arbeit nur noch schwer verrichten können. Auch moderne Särge, die mit Lacken, Dichtungen oder Metallteilen versehen sind, erschweren den Luftaustausch im Grab. Das Ergebnis: Der Körper bleibt erhalten – viel länger, als die Friedhofsordnung vorsieht.</p>
<h2 id="wenn-der-tod-konserviert">Wenn der Tod konserviert</h2>
<p>Es mag paradox klingen, aber Wachsleichen zeigen auf eindrückliche Weise, dass auch der Tod seine chemischen Regeln hat. Wo Sauerstoff fehlt, schützt sich das Fleisch selbst, indem es sich in etwas anderes verwandelt – in eine stabile, wächserne Masse. Oft bleiben sogar Haare, Kleidung und Gesichtszüge erhalten. Wer das einmal gesehen hat, vergisst es nicht – nicht, weil es grausig ist, sondern weil es einen stillen, fast friedlichen Eindruck hinterlässt.</p>
<h2 id="wie-man-das-problem-in-den-griff-bekommt">Wie man das Problem in den Griff bekommt</h2>
<p>Viele Friedhöfe reagieren inzwischen auf das Phänomen. Neue Gräber werden besser belüftet, Drainageschichten sorgen für Wasserabfluss, und bei Bedarf wird lockere Erde oder Sand verwendet. In besonders hartnäckigen Fällen kann die schützende Fettschicht der Wachsleiche aufgebrochen werden, damit der natürliche Verwesungsprozess wieder einsetzt. Das geschieht selbstverständlich mit größtem Respekt und niemals öffentlich.</p>
<h2 id="ein-stilles-phaenomen-des-todes">Ein stilles Phänomen des Todes</h2>
<p>Das Thema Wachsleichen ist für viele ein Tabu. Doch wer – so wie ich – täglich mit dem Tod zu tun hat, sieht darin eher eine Facette der Natur als eine Kuriosität. Sie zeigt, dass selbst nach dem Tod die Umweltbedingungen darüber entscheiden, wie der Körper vergeht. Manchmal geschieht das schnell, manchmal braucht es eben ein wenig länger.</p>
<p>Und vielleicht ist das auch tröstlich: Denn wenn der Körper sich weigert, zu vergehen, zeigt er uns, dass Leben und Tod nicht klar getrennt sind – sondern ein langsamer, stiller Übergang.</p>
<hr>
<details>
<summary>Zusammenfassung</summary>
<h2 id="wachsleichen-version-in-einfacher-sprache">Wachsleichen &#8211; Version in Einfacher Sprache</h2>
<p>Manchmal findet man auf einem Friedhof Verstorbene, die nach vielen Jahren noch erstaunlich gut erhalten sind. Der Körper ist nicht zerfallen, manchmal erkennt man sogar noch das Gesicht. Solche Menschen nennt man Wachsleichen.</p>
<h2 id="was-ist-eine-wachsleiche">Was ist eine Wachsleiche?</h2>
<p>Eine Wachsleiche ist ein Körper, der nicht richtig verwest ist. Normalerweise zerfällt der Körper nach der Beerdigung. Doch manchmal passiert etwas anderes: Die Körperfette verwandeln sich in eine wachsartige Masse. Diese Schicht schützt den Körper und stoppt die Verwesung. Der Körper bleibt erhalten, fast so, als wäre er eingefroren – nur eben ohne Kälte.</p>
<h2 id="warum-entstehen-wachsleichen">Warum entstehen Wachsleichen?</h2>
<p>Damit ein Körper zerfallen kann, braucht es Luft und Feuchtigkeit in einem richtigen Verhältnis. Ist die Erde zu nass oder zu dicht, kommt keine Luft an den Sarg. Dann fehlt Sauerstoff, und der Zersetzungsprozess stoppt. Die Fette in der Haut wandeln sich in eine helle, wachsartige Masse um. Dadurch bleibt der Körper erhalten. Das ist kein Wunderwerk und keine Chemie aus dem Labor, sondern ein ganz natürlicher Vorgang.</p>
<h2 id="warum-ist-das-ein-problem-fuer-friedhoefe">Warum ist das ein Problem für Friedhöfe?</h2>
<p>Auf Friedhöfen gibt es für jedes Grab eine Ruhezeit. Nach 15 bis 25 Jahren wird das Grab oft neu belegt. Wenn beim Öffnen des Grabes aber noch ein ganzer Körper da ist, muss der Friedhof entscheiden, was passiert. Meistens wird der Körper in ein anderes Grab gelegt, wo er besser vergehen kann. Manchmal wird der Boden gelockert oder mit Rohren belüftet. Das geschieht still und respektvoll, damit Angehörige nicht beunruhigt werden.</p>
<h2 id="wie-oft-passiert-das">Wie oft passiert das?</h2>
<p>Wachsleichen gibt es häufiger, als man denkt. Etwa ein Viertel aller Friedhöfe in Deutschland hat damit zu tun. Besonders in Gegenden mit feuchtem Boden oder hohem Grundwasser, zum Beispiel im Norden, kommt es oft vor. Aber auch in Süddeutschland, wo viele Erdbestattungen üblich sind, gibt es Fälle, weil die Friedhöfe dicht belegt sind und der Boden nicht gut durchlüftet wird.</p>
<h2 id="warum-verwesen-moderne-leichen-schlechter">Warum verwesen moderne Leichen schlechter?</h2>
<p>Heute nehmen viele Menschen Medikamente wie Antibiotika oder bekommen Chemotherapien. Diese Stoffe bleiben im Körper und hemmen die Bakterien, die den Körper normalerweise zersetzen. Auch moderne, lackierte oder dichte Särge lassen keine Luft hinein. Dadurch bleibt der Körper länger erhalten, als es die Natur vorgesehen hat.</p>
<h2 id="was-kann-man-dagegen-tun">Was kann man dagegen tun?</h2>
<p>Friedhöfe versuchen, mit dem Problem umzugehen. Neue Gräber bekommen Belüftungsschächte und Drainagerohre, damit Wasser abfließen kann. Bei sehr alten Wachsleichen wird die wächserne Schicht vorsichtig aufgebrochen, damit die Verwesung wieder beginnen kann. Das passiert mit viel Respekt und niemals öffentlich.</p>
<h2 id="ein-zeichen-der-natur">Ein Zeichen der Natur</h2>
<p>Als Bestatter habe ich selbst erlebt, dass der Tod viele Gesichter hat. Eine Wachsleiche ist kein Gruselfall, sondern ein stilles Naturphänomen. Sie zeigt, dass auch nach dem Tod noch Prozesse ablaufen. Der Übergang von Leben zu Erde ist manchmal schnell und manchmal langsam. Beides ist ein Teil des großen Kreislaufs der Natur – und vielleicht sogar ein kleiner Trost.</p>
</details>
<p>Weitere Informationen finden Sie hier:<br />
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wachsleiche" rel="noopener">Wikipedia: Wachsleiche</a> und<br />
<a href="https://bestatterweblog.de/wachsleichen/">Bestatterweblog.de</a>.</p>
<p><small>© 2009, 2017, 2025 – Peter Wilhelm</small></p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg01.met.vgwort.de/na/f0a9e46a68a84f1595a78ea92780decb" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/f0a9e46a68a84f1595a78ea92780decb" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Schmerzensgeld fürs Kann-Kind</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/schmerzensgeld-fuers-kann-kind/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2025 07:10:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[hohe Bestatterrechnung]]></category>
		<category><![CDATA[Kann-Kind]]></category>
		<category><![CDATA[Sandy]]></category>
		<category><![CDATA[schmerzensgeld]]></category>
		<category><![CDATA[unsympathisch]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn jemand stirbt, kommt man um die Beauftragung eines Bestatters nur schwer herum. Dass Beerdigungsinstitute ihre Dienste nicht gerade zu Schleuderpreisen anbieten, ist weithin bekannt. Klug handelt derjenige, der auch<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/schmerzensgeld-fuers-kann-kind/" class="alles-lesen-btn">
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</a></div>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn jemand stirbt, kommt man um die Beauftragung eines Bestatters nur schwer herum. Dass Beerdigungsinstitute ihre Dienste nicht gerade zu Schleuderpreisen anbieten, ist weithin bekannt.</p>
<p>Klug handelt derjenige, der auch im Trauerfall Preise vergleicht und von vornherein mit offenen Karten spielt, was seine finanziellen Möglichkeiten und seine Bereitschaft, etwas auszugeben, anbetrifft.<br />
Ein guter Bestatter nimmt nämlich auch Aufträge mit, die keinen großen Gewinn versprechen. Er muss es halt nur wissen, sonst tut er das, was alle guten Kaufleute tun: Er versucht seine Dienste und Waren so an den Mann oder die Frau zu bringen, dass ein möglichst großer Gewinn dabei herausspringt.</p>
<p>Das ist überhaupt nichts Verwerfliches. Wenn man eine Hochzeit plant und mit der Aussage &#8222;Geld spielt keine Rolle&#8220; einen Wedding-Planer beauftragt, wird auch der ordentlich was zusammenstellen, was dann ganz schön ins Geld gehen kann.</p>
<p>&#8222;Butter bei die Fische&#8220; ist also die Devise, wenn es darum geht, dem Bestatter zu sagen, wie viel man auszugeben bereit ist.</p>
<p>Frau Kürschner kam zu uns ins Bestattungshaus, um ihren Herrn Großvater beerdigen zu lassen. Der 81-jährige ehemalige Betriebsdirektor war sanft eingeschlafen. Der sparsame Witwer hatte ein schönes Vermögen zusammengespart, das eigentlich zur Begleichung selbst einer hohen Bestattungsrechnung ausreichend gewesen wäre.</p>
<p>Das alles erzählte Frau Kürschner auch beim Beratungsgespräch. Beim Aussuchen des Sarges schlug ich ihr einen sehr schönen Sarg aus Pappelsperrholz vor, der in einer sehr edel wirkenden Mahagonioptik verarbeitet war.<br />
Solche Särge sehen nach mehr aus, als sie sind. Aber für eine Einäscherung sind sie vollkommen ausreichend und, wie ich finde und bereits sagte, sehr schön.<br />
Die 32-jährige Frau empfand den Vorschlag aber als Zumutung. &#8222;So einen billigen Scheiß wollen wir nicht. Mein Großvater war Betriebsdirektor. Wenn da die Abordnung vom Werk kommt, soll was Schönes da vorne stehen und nicht so eine Apfelsinenkiste für 799 Euro. Haben Sie nicht was anderes?&#8220;</p>
<p>Hatte ich nicht gerade gesagt, dass der von mir empfohlene Sarg wirklich sehr schön aussieht?<br />
Deshalb traf mich die Bezeichnung Apfelsinenkiste ein bißchen ins Mark.</p>
<p>1.499 Euro für einen Sarg aus Nadelholz, antik Eiche gebeizt mit umlaufender Schnitzung und Deckelkreuz.</p>
<p>Bei der Auswahl der Sargdekoration, bestehend aus Kissen, Innenausschlag, Matratze und Decke, durfte ich mir anhören: &#8222;Was geht Sie das denn bitteschön an, ob der Sarg geschlossen bleibt? Ich weiß ja schließlich, in was mein Opa gebettet wird, und da möchte ich nicht nachts mit der Vorstellung wachliegen, dass Sie dem nur so Sozialhilfelumpen mitgeben wollen.&#8220;</p>
<p>299 Euro für eine Herrensargausstattung in grauer Atlas-Seide, Mäandermuster gesteppt, mit passendem Talar.</p>
<p>&#8222;In so ein schmales Hartz-IV-Grab kommt mein Vater nicht rein. Das ist doch wohl eher was für die, die vom Amt und meinen Steuern leben. Es gibt doch solche breiten Gräber, wo auch ein ordentlicher Grabstein draufkommt.&#8220;</p>
<p>Ich erkläre der Frau, dass sie von einem Familiengrab spricht, in das dann mehrere Personen in Särgen beigesetzt werden können. Für eine einzelne Urne sei das doch viel zu üppig und würde übers Ziel hinausschießen.</p>
<p>&#8222;Das lassen Sie doch mal meine Sorge sein, Sie müssen es ja nicht bezahlen.&#8220;</p>
<p>3.980 Euro, zahlbar an die Stadtverwaltung, zuzüglich Grundgebühr der Stadt in Höhe von 1.922 Euro, Gesamtkosten mit Halle und Dekoration 5.223 Euro.</p>
<p>Die Frau war mir anfangs gar nicht so unsympathisch gewesen, wurde es aber im Laufe des Beratungsgesprächs immer mehr. Ich fühlte mich angegriffen und war etwas beleidigt. Da sagt man den Bestattern so alles Mögliche nach, und Du versuchst, vernünftig und kostenorientiert zu beraten. Und dann kommt diese (Entschuldigung) dumme Pute und stellt Dich hin, als habest Du keine Ahnung von dem, was Du tust und sagst.</p>
<p>Auf jeden Fall war es nicht meine Schuld, dass am Ende dieses Vormittags ein vorläufiger Rechnungsbetrag von 17.290 Euro auf dem Zettel stand. Allein für den Grabstein hatte sie mal eben 8.000 Euro ausgegeben. Hinzu kamen unsere Kosten, allein schon Blumen für über 1.200 Euro und eine große Zeitungsanzeige, Hallendekoration, Tenöre und ein großes, auf Leinwand gedrucktes Portrait des Verstorbenen.</p>
<p>&#8222;Ich bin froh, dass ich das alles hier gleich aussuchen kann, und nirgendwo sonst noch hin muss. Diese Lauferei kann ich mir zeitlich nicht erlauben.&#8220;</p>
<p>So, die Trauerfeier ging ordentlich und sehr feierlich vonstatten. Die zwei Tenöre vom Männergesangsverein Eintracht 1888 leisteten ganze Arbeit. Die Dekoration der Trauerhalle war wunderschön gestaltet worden, und überhaupt hätte alles den Trauergästen sehr gut gefallen können, wenn denn welche gekommen wären.</p>
<p>Na ja, so ganz ohne Trauergesellschaft ist der Großvater nicht gefeiert worden, seine Enkelin, ihr Gatte und zwei kleine Mädchen waren gekommen.<br />
Von den erwarteten Arbeitskollegen und Betriebsangehörigen war schon allein deshalb keiner erschienen, weil die selbst alle schon tot waren. Bei über 80-jährigen Verstorbenen keine Seltenheit.</p>
<p>14 Tage später hatte Frau Kürschner unsere Rechnung erhalten. Anders als sonst hatte ich nur unsere Kosten und die Zeitungsanzeige, sowie die Blumen mit aufgenommen. Steinmetz, Stadtverwaltung und alle anderen habe ich eigene Rechnungen schicken lassen. Das machen wir manchmal so, damit bei so vielen Zusatzkosten, von denen wir nichts haben, es am Ende nicht heißt, unsere Rechnung sei so furchtbar hoch gewesen. Die Leute unterscheiden dann nämlich nicht mehr, was unsere Kosten sind und was nur als durchlaufende Posten von uns ausgelegt worden ist.<br />
Außerdem muss ich dann nicht für irgendwelche Fremdkosten, und sei es nur vorübergehend, einstehen, falls die Kunden nachher anfangen zu spinnen.</p>
<p>Und die fing an zu spinnen.</p>
<p>Erste Tendenzen nahm ich am Tag, nachdem sie die Rechnung bekommen hatte, wahr.</p>
<p>Am Telefon raunzte sie mich an, in der Zeitungsanzeige habe eine falsche Uhrzeit gestanden, und nur deshalb seien so wenig Leute gekommen.<br />
Dort stand aber völlig richtig 10.15 Uhr. &#8222;Die Trauerfeier findet am Donnerstag, dem 21.10.20xx um 10.15 Uhr auf dem Ostfriedhof statt.&#8220;</p>
<p>&#8222;Das hätten Sie richtig schreiben müssen, nämlich viertel elf.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wie bitte?&#8220;</p>
<p>&#8222;Als erfahrener Bestatter hätten Sie berücksichtigen müssen, dass es in Süddeutschland üblich ist Viertel elf zu sagen statt Viertel nach 10.&#8220;</p>
<p>&#8222;Niemand hat Viertel nach zehn gesagt, in der Anzeige steht 10.15 Uhr und das kann dann jeder so aussprechen, wie er will.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wissen Sie was? Ich übergebe das jetzt meinem Rechtsbeistand. Sie hören von mir.&#8220;</p>
<p>Eine Woche später steht Frau Kürschner bei mir im Büro. Ich biete ihr einen Platz an, und sie erklärt mir: &#8222;Sie wissen ja, dass wir in einem schwebenden Verfahren sind. Das wird ein Gericht klären müssen, wie viel ich am Ende von ihrer Wahnsinnsrechnung überhaupt bezahlen muss. Wenn da das Schmerzensgeld gegengerechnet wird, bleibt wohl kaum was für Sie über.&#8220;</p>
<p>&#8222;Was denn für Schmerzensgeld?&#8220;</p>
<p>&#8222;Weil ich mich so aufgeregt habe. Ich bin nämlich sehr schwer belastet, das wird das Gericht auch anerkennen, ich habe nämlich ein Kann-Kind, um das ich mich kümmern muss.&#8220;</p>
<p>Kann-Kind? Das hatte ich noch nie gehört.</p>
<p>Die Frau war außer sich. &#8222;Sie glauben ja nicht, was das für eine Mutter bedeutet! Diese Zusatzbelastung jeden Tag. Ich muss mich von morgens bis abends kümmern, um Martina auf den richtigen Weg zu bringen. Außerdem gehe ich auch oft mit ihr zu den Ärzten. Diese Wartezeiten! Aber Sie haben ja nur Ihre dämliche Rechnung im Kopf!&#8220;</p>
<p>Ach Gott, die arme Frau, sie hat ein krankes Kind, womöglich mit einer lebenslangen Behinderung. Das tut mir natürlich in diesem Moment leid, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass sie meine Rechnung bezahlen muss.</p>
<p>Als sie wieder weg ist, gehe ich rüber zu Frau Büser, Antonia und Sandy. Ich frage sie, ob sie nicht wissen, was ein Kann-Kind für eine Krankheit hat.</p>
<p>Frau Büser legt den Stift weg, sieht mich an, als hätte ich gerade gefragt, ob die Erde tatsächlich rund ist, und sagt trocken: „Ach Chef, … ein Kann-Kind. Das ist keine Krankheit. Das ist kein Syndrom. Da müssen Sie keine Spendenaktion starten.“</p>
<p>Sie lacht und genießt meine Ahnungslosigkeit. „Ein Kann-Kind ist einfach ein Kind, das kann, aber nicht muss. Das sind Kinder, die um den 3. Oktober herum geboren worden sind und bei denen gewählt werden kann, ob sie schon mit fünf Jahren oder erst ein Jahr später mit sechs eingeschult werden. Wenn die Eltern meinen, es sei ein Wunderkind, das schon mit fünf den Sinn des Lebens begriffen hat, können sie es also ein Jahr früher zur Schule schicken. Oder weil die Mutter gern erzählen möchte, dass ihr Kleines dem Rest der Welt um ein Jahr intellektuell voraus ist.“</p>
<p>Sie macht eine bedeutungsvolle Pause.</p>
<p>„Es ist also im Grunde ein völlig normales Kind. Nur eben mit sehr ambitionierten Eltern.“</p>
<p>Antonia kichert. Sandy rollt mit den Augen.</p>
<p>Frau Büser fährt fort: „Das Einzige, was ein Kann-Kind wirklich hat, ist ein erhöhtes Risiko, dass seine Mutter es als Druckmittel benutzt. Beispielsweise, um Rechnungen nicht zu bezahlen oder Schmerzensgeld zu fordern, weil sie sich beim Denken übernommen hat.“</p>
<p>Jetzt lächelt sie mich warm an – dieses typische Frau-Büser-Lächeln, das gleichzeitig tröstet und spottet. „Keine Sorge, Chef, so ein Kann-Kind ist nicht gefährlich. Höchstens für Ihre Nerven.“</p>
<p>Die Rechnung hat die Mutter des Wunderkindes aber trotzdem nicht freiwillig bezahlt. Wir mussten einen Mahnbescheid und später sogar einen Vollstreckungsbescheid beantragen. Erst als der Gerichtsvollzieher bei Frau Kürschner war, hat sie an ihn die volle Summe überwiesen, zuzüglich der Vollstreckungskosten.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/6ea489c452854d2dbad385365b0b732b" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/6ea489c452854d2dbad385365b0b732b" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Der Schweinemann</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/der-schweinemann/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2025 03:51:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[fenster]]></category>
		<category><![CDATA[Sprung]]></category>
		<category><![CDATA[Suizid]]></category>
		<category><![CDATA[winter]]></category>
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					<description><![CDATA[Jerry und Elain besuchen gemeinsam mit George ein befreundetes Ehepaar im Krankenhaus. Die Frau hat gerade entbunden und unsere Serienhelden wollen das Neugeborene anschauen. Kramer kommt zu spät, verirrt sich<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/der-schweinemann/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Jerry und Elain besuchen gemeinsam mit George ein befreundetes Ehepaar im Krankenhaus. Die Frau hat gerade entbunden und unsere Serienhelden wollen das Neugeborene anschauen. Kramer kommt zu spät, verirrt sich im Krankenhaus und stößt in einem Zimmer auf den Schweinemann, eine Kreatur, halb Schein, halb Mensch.</p>
<p>Zuvor hat Kramer einem verwirrten Patienten noch den Weg zum Aufzug gezeigt, worauf dieser Kranke zum Dach hochfährt und dann von dort in die Tiefe und somit in den Tod springt.</p>
<p>Das ist im Wesentlichen die Anfangshandlung der fünften Episode &#8222;Die Beschneidung&#8220; der fünften Staffel von Seinfeld<sup id="fnref1"><a href="#fn1" class="footnote">1</a></sup>, einer meiner Lieblingsserien, die ich schon so oft geschaut habe, dass ich dialogfest da mitspielen könnte.</p>
<p>Als wir vor einigen Jahren ins Herz-Kreuz-Krankenhaus gerufen wurden, mussten wir dorthin, weil wir einen Verstorbenen abholen mussten.<br />
Das ist ja an und für sich nichts Ungewöhnliches, denn in Krankenhäusern wird ja überproportional viel gestorben.<br />
Unsere Anlaufstelle ist dann immer die Pathologie, die Prosektur oder wie die Abteilung zur Lagerung der Verstorbenen eben in diesem Haus genannt wird.<br />
Doch in diesem Fall war das anders. Nicht Angehörige hatten uns beauftragt, einen an Krankheit oder Unfall verstorbenen Patienten abzuholen. Stattdessen kam der Auftrag vom Kriminaldauerdienst der Polizei.<br />
Dieser Patient war im dritten Stock<sup id="fnref2"><a href="#fn2" class="footnote">2</a></sup> aus dem Fenster gesprungen.</p>
<p>Ebenso wie in der Seinfeld-Episode war der Mann genau auf dem Dach eines Autos aufgeschlagen. Der Opel-Kombi war ein Totalschaden, der Mann auch. Ist so.</p>
<p>Solche tragischen Fälle kommen vor. Sie sind mit ein Grund dafür, dass man oft in Krankenhäusern die Fenster nicht richtig aufmachen kann.<br />
Ich weiß das aus leidlicher eigener Erfahrung. Draußen sind es an die 40 Grad, im Zimmer geht kein Lüftchen, die Patienten leiden enorm unter der Hitze, aber das Fenster kann man nur kippen.<br />
Als Kassenpatient liege ich mit zwei anderen Herren im gleichen Zimmer. Vorne an der Tür liegt der schöne Thilo, ein 65-jähriger ehemaliger Benz-Mitarbeiter, der ständig seine Rechte einfordert und dem Pflegepersonal unentwegt mit seinem Anwalt droht. Nein, das ist falsch, Thilo droht immer mit seinen Anwälten.<br />
Außer dem pluralistisch veranlagten Rechtschutzinhaber liegt links neben mir am Fenster Herr Kruzalkowski. Der 82-Jährige ist hochdement, weiß nicht, wo er ist und in welcher Zeit er lebt, er erinnert sich nur noch an eines: an die Funktion seines Gliedes. Und von der macht er nahezu ganztägig durch manuelle Stimulation Gebrauch.<br />
Die Krankenschwestern<sup id="fnref3"><a href="#fn3" class="footnote">3</a></sup> und Pfleger haben schon alles versucht: betäubende Cremes, Mullwickel, daumenlose Handschuhe und festgestopfte Bettdecken. Nichts hilft, Herr Kruzalkowski hat nur noch eine Rille in der Platte und in der spielt immer die gleiche Melodie: Rubbel die Katz&#8216;.</p>
<p>Während ich bloß Schmerzen habe, aber darauf hoffen kann, bald entlassen zu werden, worauf ich mich schon freue, denke ich darüber nach, dass der schöne Thilo, wenn er denn jetzt sterben müsste, wahrscheinlich mit einem wütenden Gesichtsausdruck dahinscheiden würde. Herr Kruzalkowski hingegen, da bin ich mir sicher, wird eines Tages mit einem befriedigten Lächeln auf den Lippen in seinem Sarg liegen. Ist doch auch was.</p>
<p>Jedenfalls kommt es immer wieder mal vor, dass Krankenhauspatienten, aus welchem Grund auch immer, suizidale Gedanken haben können, und diese im ungünstigsten Fall auch an Ort und Stelle umsetzen.</p>
<p>So war das vor etlichen Jahren auch bei dem Fenstersprung. Was aus dieser Sache geworden ist, das weiß ich nicht. Wir haben den Verstorbenen nach der Spurensicherung in das Rechtsmedizinische Institut gebracht, danach hatten wir nichts mehr damit zu tun.</p>
<p>Ganz anders war das zwei Jahre später im Dezember kurz vor Weihnachten.<br />
Wieder kommt ein Anruf von der Polizei, Ziel ist auch dieses Mal das Herz-Kreuz-Krankenhaus. Manni sagt noch im Scherz: &#8222;Das ist doch da, wo immer die Leute aus dem dritten Stock springen.&#8220;<br />
Und, was soll ich sagen? Tatsächlich ist auch diesmal ein Mann aus dem dritten Stock gesprungen.</p>
<p>Die Kriminaltechnik ist noch zugange, als wir eintreffen. Manni und ich müssen über eine Stunde warten. Es ist so kalt, die Leiche ist leicht gefroren oder doch zumindest stark unterkühlt.<br />
Wegfahren kannst Du da nicht, denn die Polizisten werden schnell ungeduldig, und wenn Du im passenden Moment nicht parat stehst, rufen die einen anderen Bestatter an.</p>
<p>Inzwischen haben wir eine von der Staatsanwaltschaft genehmigte Leichenzelle, in der wir auch &#8222;Polizeileichen&#8220; bei uns lagern dürfen. Das ist immer dann sehr praktisch, wenn am Todesort noch nicht entschieden werden kann, wie es mit dem Leichnam weitergeht. Dorthin brachten wir den Verstorbenen und er blieb dann auch bei uns. Anders, als ich es bisher kennengelernt und auch jetzt erwartet hatte, mussten wir ihn nicht zur Obduktion bringen, denn der Staatsanwalt erteilte überraschend schon am Ende des nächsten Tages die Freigabe zur Bestattung.</p>
<p>Nun hatte dieser 72-jährige Herr Svinov eine Tochter, seine einzige Angehörige.<br />
Und leider hatte es das Herz-Kreuz-Krankenhaus versäumt, die Tochter über den tragischen Tod ihres Vaters zu informieren.<br />
Zwei Tage nach dem Sprung wollte sie mit Blümchen und einer Schachtel Zigaretten als Mitbringsel ihren Vater besuchen und sah dann, dass ein völlig fremder Mann in seinem Bett lag.<br />
Sie fragte dann natürlich das Pflegeteam. Doch es hatten andere Leute Dienst, niemand wusste etwas Genaues, oder niemand wollte ihr was sagen.</p>
<p>Stattdessen vertröstete man die Tochter auf ein Gespräch mit der Stationsärztin, die sofort kommen würde. Nach 90 Minuten fürchterlicher Ungewissheit kam die Ärztin dann endlich und überbrachte die -nun schon erwartete- Todesnachricht. </p>
<p>Die Ärztin gab sich alle Mühe, die Angelegenheit als Unfall darzustellen, und sprach von einem bedauerlichen Unglück. </p>
<p>Das wiederum brachte die Tochter dazu, bei der Polizei anzurufen, um Details zu erfahren. Bei der Polizei wurde sie aber regelrecht abgewimmelt und man gab ihr nur unsere Telefonnummer. Sie solle sich um die Bestattung kümmern, wurde ihr mit auf den Weg gegeben.</p>
<p>Einen Tag später erschienen dann zwei Polizeibeamte bei ihr zu Hause und überbrachten endlich die Todesnachricht. Offensichtlich wusste da die rechte Hand nicht, was die linke tat.<br />
Diese Beamten sprachen aber nun von einem Suizid. Das könne vorkommen, wenn jemand dement sei oder eine schlimme Diagnose bekommen hätte.</p>
<p>Die Tochter fragte dann, ob es nicht auch sein könne, dass ein Mitpatient dement oder verwirrt sei, und den Vater aus dem Fenster gestoßen haben könne.</p>
<p>Das brachte die Ermittler dann auf ganz neue Ideen. So kam es, dass die Freigabe für Herrn Svinov widerrufen und eine neue Beschlagnahme ausgesprochen wurde.</p>
<p>Inzwischen waren seit dem Sturz drei Tage vergangen.</p>
<p>Es folgten weitere Ermittlungen. Dabei stellte sich heraus, dass zwischen dem Sprung und dem Auffinden der Leiche sechs Stunden vergangen waren.<br />
In diesem Fall hatte der Bettnachbar nämlich alles mit angesehen und auch sofort die Krankenschwester herbeigeklingelt. Aber der Mann ist ein Ausländer, der kein Wort Deutsch oder Englisch sprechen kann. Die Krankenschwester konnte ihn nicht verstehen. Sie hat auch nicht bemerkt, dass das Bett nebenan leer war.<br />
So wurde der Springer erst nach längerer Zeit entdeckt, als unten zwei Schwesternschülerinnen zum Rauchen auf den kleinen Innenhof gingen.</p>
<p>Die Situation ist also die:<br />
An einem Donnerstagabend springt Herr Svinov aus dem Fenster seines Krankenzimmers.<br />
Seine Leiche wird erst am frühen Freitagmorgen entdeckt.<br />
Der Leichnam kommt zum Bestatter unter Verschluss.<br />
Am Freitagabend kommt die Freigabe zur Bestattung von der Staatsanwaltschaft.<br />
Am Samstag kommt die Tochter des Verstorbenen ahnungslos ins Krankenhaus.<br />
Sonntags kommen Polizeibeamte zur Tochter und überbringen die verspätete Todesnachricht.<br />
Montagmorgens wird die Freigabe widerrufen, der Verstorbene beschlagnahmt.<br />
Wir bringen den Verstorbenen noch im Verlauf des Montags zur Rechtsmedizin.<br />
Am Dienstag wird er obduziert.</p>
<p>Die Kripo möchte nämlich wissen, ob der Sturz todesursächlich war. Wenn der Mann nämlich nicht durch den Sprung gestorben ist, könnte er schwer verletzt erfroren sein. In diesem Fall hätte dann das Krankenhaus eventuell eine Mitschuld. </p>
<p>Die Tochter tut uns sehr leid. Das ganze Verwirrspiel hat ihr sehr zugesetzt. Zudem befindet sie sich in einer nahezu aussichtslos prekären finanziellen Lage. Alleinerziehend, zwei kleine Kinder, kein Job.<br />
Erstmal beruhige ich sie wegen der Finanzen. Das kriegen wir hin.<br />
Ich merke schnell, dass die junge Frau ihren Vater ohne Ende liebt, aber jetzt doch eher daran interessiert ist, ihn schnell, günstig und ohne großes Brimborium unter die Erde zu kriegen.<br />
Sie sagt: &#8222;Ich habe schon das Grab von meiner Mutter an der Backe. Das muss ich nun pflegen. Eigentlich wollte das ja alles mein Vater machen, aber der hat ja dann auch alles auf einmal gekriegt: Herzinfarkt, Schlaganfall und jetzt auch noch Blasenkrebs. Der war ja Ende total durcheinander, überhaupt nicht mehr er selbst. Er hat mich immer gefragt, ob ich seine Tochter kennen würde. Der wusste gar nicht mehr, wer ich bin.<br />
Noch ein Grab will ich mir nicht aufhalsen. Am liebsten wäre mir, wenn man die Urne in den Wald schütten könnte. Ich habe alles, was ich brauche, in meinem Herzen, einen teuren Quadratmeter auf dem Friedhof brauche ich nicht.&#8220;</p>
<p>Ich rechne mit spitzem Stift und schlage ihr vor, doch eine Seebestattung zu machen. Kein Grab, kein Grabstein und viel billiger als im Wald. Mir liegt das Angebot eines Seebestatters vor, der für unter 300 Euro anonyme Seebestattungen ohne Begleitung durch die Angehörigen durchführt. Günstiger geht&#8217;s nicht. </p>
<p>Vorsichtshalber rufe ich meinen Bestatterkollegen Oli an. Der hatte nämlich ein halbes Jahr zuvor sehr schlechte Erfahrungen mit einem günstigen Seebestatter gemacht. Obwohl er und seine Frau den Bestatter in Hamburg persönlich aufgesucht hatten, um ihn, sein Schiff und seine Büros kennenzulernen, hat der Typ sie reingelegt. Statt die Urnen, wie versprochen und vertraglich zugesichert, gesammelt aufs Meer hinauszufahren, hatte der betrügerische Seereeder die Urnen einfach in einer Gewerbehalle gestapelt und nach und nach im Restmüll ausgeleert.</p>
<p>Doch dieses Angebot, das mir vorlag, schien durch und durch seriös und koscher zu sein. Hinzu kämen noch die Kosten für das Rhein-Taunus-Krematorium, die von der Sarglieferung, über die Abholung bis hin zur Einäscherung alles für einen guten Komplettpreis abwickeln.<br />
Die Überführungen und die Aufbewahrung hier vor Ort würde die Staatsanwaltschaft übernehmen müssen.</p>
<p>Bis auf ein paar Euro verzichtete ich auf meinen Gewinn, und so kamen wir auf eine unschlagbar günstige Summe von 800 Euro. Das könnte die Tochter in Raten zu 40 Euro abbezahlen.</p>
<p>&#8222;Nee, ganz so schlimm ist es nicht&#8220;, beruhigte sie mich. &#8222;Mein Vater hat noch so um die 2.500 Euro auf dem Konto. Davon kann ich das auf einmal bezahlen, und der Rest reicht dann für die Entrümpelungsfirma, das habe ich schon geklärt.&#8220;</p>
<p>Bei der Obduktion kam nichts heraus. Es blieb beim Suizid.<br />
Wie erwartet, wurde Herr Svinov abgeholt, eingeäschert und dann später dem Meer übergeben. </p>
<p>Und wie kriegen wir jetzt gemeinsam die Kurve? Die Kurve zwischen Seinfeld, dem Schweinemann und unserem toten, alten Herrn?<br />
Nun, die Parallelität liegt im Nachnamen des Herrn Svinov, der bedeutet nämlich so viel wie Schwein.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/344d4c56ec9448929ebd458c957f6bf5" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/344d4c56ec9448929ebd458c957f6bf5" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
<div id="serial-posts-wrapper"><h3 class="serial-posts-heading">Fußnoten:</h3><div class="footnotes"><ol class="serial-posts"><li id="fn1"><a href="https://www.serienjunkies.de/Seinfeld/5&#215;05-the-bris.html">https://www.serienjunkies.de/Seinfeld/5&#215;05-the-bris.html</a> <a href="#fnref1"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li><li id="fn2"><a href="https://bestatterweblog.de/eins-zwei-oder-drei-ob-ihr-wirklich-richtig-steht/">https://bestatterweblog.de/eins-zwei-oder-drei-ob-ihr-wirklich-richtig-steht/</a> <a href="#fnref2"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li><li id="fn3">darf man die heute noch so nennen? <a href="#fnref3"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li></ol></div></div>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Kann man nach Ablauf der Ruhezeit die Urne mit nach Hause nehmen?</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/kann-man-nach-ablauf-der-ruhezeit-die-urne-mit-nach-hause-nehmen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Dec 2025 09:09:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Frag doch den Undertaker]]></category>
		<category><![CDATA[ablauf]]></category>
		<category><![CDATA[hause]]></category>
		<category><![CDATA[kann]]></category>
		<category><![CDATA[nach]]></category>
		<category><![CDATA[ruhezeit]]></category>
		<category><![CDATA[Urne]]></category>
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					<description><![CDATA[Darf ich nach Ablauf der Ruhezeit die Urne mit nach Hause nehmen? Dass man direkt nach der Einäscherung die Totenasche nicht zur Aufbewahrung für zu Hause bekommen kann, sehen ja<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/kann-man-nach-ablauf-der-ruhezeit-die-urne-mit-nach-hause-nehmen/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Darf ich nach Ablauf der Ruhezeit die Urne mit nach Hause nehmen? Dass man direkt nach der Einäscherung die Totenasche nicht zur Aufbewahrung für zu Hause bekommen kann, sehen ja viele noch ein. Was aber, wenn die Ruhezeit der Urne auf dem Friedhof oder in der Urnenwand nach ca. 15 Jahren abgelaufen ist?</p>
<div class="frage-box">
<div class="message-container">
<p>„Sehr geehrtes Team vom Bestatterweblog, <br />
mein Vater wurde vor vielen Jahren eingeäschert und in einer Urnengrabstätte beigesetzt. Die Ruhezeit läuft nun bald ab.<br />
Wir als Familie haben die Grabstätte gut gepflegt, aber wir möchten das Grab nicht verlängern.<br />
Stattdessen würden wir die Urne gerne aus der Erde nehmen und bei uns zu Hause aufbewahren – als Andenken und um einen würdigen Platz zu haben, an dem wir weiterhin gedenken können. </p>
<p>Ist das erlaubt? Wird die Urne nach Ablauf der Ruhezeit an die Angehörigen herausgegeben?<br />
Wenn nein – was passiert dann mit der Urne? Und: Ändert sich gerade etwas an den gesetzlichen Regelungen?“</p>
</div>
</div>
<h2 id="auch-heute-gilt-in-deutschland-ueberwiegend-die-friedhofspflicht">Auch heute gilt in Deutschland überwiegend die Friedhofspflicht</h2>
<p>
Die klare Antwort vorweg: <strong>Nein, in Deutschland darf die Urne nach Ablauf der Ruhezeit in der Regel nicht mit nach Hause genommen werden.</strong><br />
Das gilt 2025 genauso wie 2008 – auch wenn sich im Detail einiges verändert hat.
</p>
<p>
In den meisten Bundesländern schreibt das Bestattungsrecht weiterhin vor, dass jede Urne an einem dafür vorgesehenen, behördlich genehmigten Ort beigesetzt werden muss. Dieser Grundsatz nennt sich <strong>Friedhofspflicht</strong> oder auch <strong>Ascheordnungsgebot</strong>.<br />
Nur sehr wenige Ausnahmen – vor allem in Bremen und teilweise in Schleswig-Holstein – erlauben unter bestimmten Bedingungen eine Asche- oder Urnenmitnahme.<br />
Für den überwiegenden Teil Deutschlands gilt jedoch: <strong>Die Urne bleibt auf dem Friedhof.</strong>
</p>
<h2 id="was-passiert-mit-der-urne-nach-ablauf-der-ruhezeit">Was passiert mit der Urne nach Ablauf der Ruhezeit?</h2>
<p>
Nach Ablauf der Ruhezeit läuft die Genehmigung für die Beisetzung aus. Was danach geschieht, hängt davon ab, um welche Grabart es sich handelt:
</p>
<ol class="border">
<li><strong>Wahlgrab (Einzel- oder Familiengrab)</strong>
<ul>
<li>Solange die Nutzungsrechte verlängert und die Gebühren bezahlt werden, darf die Urne im Grab verbleiben.</li>
<li>Wird das Grab aufgegeben, bleibt die Urne noch dort, bis das Grabfeld neu geordnet wird.</li>
<li>Danach wird die Urne entweder im Grab belassen (wenn sie tief genug liegt) oder umgesetzt.</li>
</ul>
</li>
<li><strong>Reihengrab</strong>
<ul>
<li>Reihengräber lassen sich nicht verlängern.</li>
<li>Nach Ablauf der Ruhefrist wird das Gräberfeld komplett neu belegt.</li>
<li>Urnen werden häufig entnommen und in einer <strong>anonymen Sammelstelle des Friedhofs</strong> oder einem <strong>Urnenhain</strong> endgelagert.</li>
<li>Auf manchen Friedhöfen verbleiben die Urnen an Ort und Stelle und werden lediglich einen halben Meter tiefer gesetzt</li>
<li>An anderen Orten werden die Urnen entnommen und in einem Sammelgrab vergraben.</li>
<li>Es gibt Kommunen, die die Angehörigen anschreiben und sogar eine Abholung der Urne anbieten.</li>
</ul>
</li>
<li><strong>Kolumbarien und Urnenwände</strong>
<ul>
<li>Auch hier endet nach der Ruhe- oder Nutzungszeit das Recht auf den Stellplatz.</li>
<li>Urnen werden entweder im Kolumbarium belassen (mit neuem Stein) oder ebenfalls in eine zentrale Sammelstätte überführt.</li>
<li>Auch hier wird mitunter angeboten, die Urne abzuholen und daheim aufzubewahren.</li>
</ul>
</li>
</ol>
<p>
In der Praxis hängen diese Abläufe stark vom jeweiligen Friedhofsträger und vom Bundesland ab. Manche handhaben es sehr streng, andere gehen lockerer damit um.
</p>
<h2 id="darf-man-die-urne-wenigstens-vorher-oeffnen-oder-mitnehmen-lassen">Darf man die Urne wenigstens vorher öffnen oder „mitnehmen lassen“?</h2>
<p>
Auch das ist nicht erlaubt. Die Asche ist rechtlich ein <strong>Leichenteil</strong> und unterliegt einem strikten Schutz.<br />
Eigenmächtiges Öffnen der Urne, Umfüllen oder Mitnehmen wäre eine <strong>Ordnungswidrigkeit</strong> oder sogar eine <strong>Straftat</strong>.
</p>
<p>
Erst wenn die Urne im Rahmen der behördlichen Umbettung in ein Sammelgrab überführt wird, endet die dokumentierte Nachsorge. Eine Aushändigung an Privatpersonen erfolgt nicht automatisch und ist nicht immer möglich.<br />
Rein rechtlich gilt der Verstorbene nach Ablauf der Ruhezeit als &#8222;weg&#8220; bzw. vergangen. Das ist auch der Grund, weshalb verschiedene Friedhofsträger den Umgang mit Urnen nach der Ruhezeit so unterschiedlich handhaben. Für die einen ist die gesetzlich vorgeschriebene Friedhofspflicht erfüllt und es ist nun vor dem Gesetz egal, was mit der Urne passiert. Für die anderen bleibt die Urne etwas, das nicht herausgegeben werden darf.
</p>
<h2 id="wie-hat-sich-die-rechtslage-seit-2008-veraendert">Wie hat sich die Rechtslage seit 2008 verändert?</h2>
<p>
Seit 2008 hat es immer wieder politische Diskussionen über eine Lockerung der Friedhofspflicht gegeben. Einige Bundesländer haben tatsächlich kleine Schritte in diese Richtung unternommen:
</p>
<ul>
<li><strong>Bremen</strong> erlaubt seit 2015 die <em>Ascheverstreuung</em> außerhalb des Friedhofs – unter strengen Bedingungen.</li>
<li><strong>Schleswig-Holstein</strong> ermöglicht in seltenen Ausnahmefällen eine <em>Urnenmitnahme</em>, allerdings nur nach Antrag, Prüfung und unter Auflagen.</li>
<li>In anderen Bundesländern laufen Modellprojekte zu Naturbestattungen.</li>
</ul>
<p>
Doch eines hat sich nicht geändert:<br />
<strong>Eine generelle Mitnahme der Urne nach Hause ist weiterhin in Deutschland nicht erlaubt.</strong>
</p>
<h2 id="warum-ist-das-eigentlich-so">Warum ist das eigentlich so?</h2>
<p>
Die Regelung soll sicherstellen, dass jeder Verstorbene einen würdevollen, geschützten Ort erhält, an dem Angehörige trauern können.<br />
Zudem verhindern die Bestattungsgesetze Missbrauch, Verlieren der Urne oder private Konflikte um Eigentum und Aufbewahrung.<br />
Die Friedhofstradition hat sich auch geändert. Auch die Einstellung der Menschen dazu, ist im Wandel.<br />
Kommunen und Kirchen als Friedhofsbetreiber machen sich Gedanken darüber, was mit Urnen geschieht, die ausgehändigt wurden, und die nun keiner mehr haben möchte. Das Schreckensbild wäre die Urne auf dem Sperrmüll.
</p>
<p>
Die deutschen Gesetze sind im weltweiten Vergleich streng – aber sie dienen der Ordnung, Würde und Nachvollziehbarkeit des Umgangs mit Verstorbenen.
</p>
<h2 id="was-sollten-angehoerige-heute-tun">Was sollten Angehörige heute tun?</h2>
<p>
Die beste Empfehlung lautet:<br />
<strong>Sprechen Sie rechtzeitig mit der zuständigen Friedhofsverwaltung.</strong><br />
Klären Sie frühzeitig, was am Ende mit der Urne passiert. Vergleichen Sie verschiedene Friedhöfe. Was in Stadt A verboten ist, kann in Stadt B völlig normal sein.<br />
Sprechen Sie Ihren Bestatter auf den Wunsch an, etwas von der Asche oder später die ganze Urne erhalten zu können. Manchmal ist da was möglich.
</p>
<ul>
<li>Wie lange ist die Ruhezeit?</li>
<li>Was passiert danach konkret mit der Urne?</li>
<li>Gibt es auf diesem Friedhof besondere Regelungen?</li>
<li>Welche Möglichkeiten gibt es für eine Umbettung?</li>
<li>Gibt es Familiengrabstätten, die weiter genutzt werden können?</li>
</ul>
<p>
Viele Gemeinden sind inzwischen flexibler als noch vor 10 oder 15 Jahren – aber die Grundsätze bleiben gleich.
</p>
<h2 id="fazit">Fazit</h2>
<p>
Auch 2025 gilt: <strong>Die Urne darf nach Ablauf der Ruhezeit nicht unbedingt mit nach Hause genommen werden.</strong><br />
Je nach Grabart bleibt sie im Grab oder wird an einer zentralen Sammelstelle des Friedhofs endgelagert.
</p>
<p>
Da sich die Friedhofskultur im Wandel befindet und manche Bundesländer neue Wege gehen, lohnt sich immer ein Gespräch mit der jeweiligen Friedhofsverwaltung.<br />
Doch die grundsätzliche Friedhofspflicht – und damit das Verbot der Urnenmitnahme – bleibt noch der Regelfall in Deutschland.
</p>
<p>Diese Frage wurde 2008 gestellt, der Artikel wurde im Dezember 2025 überarbeitet</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/79bf8ffebf0e46188fda54b892f4ddac" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/79bf8ffebf0e46188fda54b892f4ddac" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<item>
		<title>Leiche soll Knöllchen bezahlen &#8211; Bestatter mogelt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Dec 2025 09:58:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fundstücke]]></category>
		<category><![CDATA[auto]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter]]></category>
		<category><![CDATA[betrug]]></category>
		<category><![CDATA[Bußgeld]]></category>
		<category><![CDATA[fälschung]]></category>
		<category><![CDATA[Geschwindkeitsüberschreitung]]></category>
		<category><![CDATA[Knöllchen]]></category>
		<category><![CDATA[Strafe]]></category>
		<category><![CDATA[Strafmandat]]></category>
		<category><![CDATA[Strafzettel]]></category>
		<category><![CDATA[Temposünder]]></category>
		<category><![CDATA[Ticket]]></category>
		<category><![CDATA[Urkundenfälschung]]></category>
		<category><![CDATA[Verstoß]]></category>
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					<description><![CDATA[Portugal: Bestatter schiebt totem Mann Bußgeld für Tempoverstoß unter – nun droht ihm Gefängnis Aus Portugal erreicht uns eine Geschichte, die selbst in der oft skurrilen Welt des Bestattungswesens ihresgleichen<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/leiche-soll-knoellchen-bezahlen-bestatter-mogelt/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Portugal: Bestatter schiebt totem Mann Bußgeld für Tempoverstoß unter – nun droht ihm Gefängnis</p>
<p>Aus Portugal erreicht uns eine Geschichte, die selbst in der oft skurrilen Welt des Bestattungswesens ihresgleichen sucht. Ein Bestattungsunternehmer aus dem Bezirk Castelo Branco – rund 250 Kilometer nordöstlich von Lissabon – soll versucht haben, ein hohes Bußgeld zu umgehen, indem er die Schuld für einen schweren Tempoverstoß einem Verstorbenen in die Schuhe schob.</p>
<p>Wie portugiesische Medien berichten, wurde das Dienstfahrzeug der Bestattungsfirma am 31. Dezember mit satten 102 km/h in einer 50er-Zone geblitzt. Ein ärgerlicher Vorfall, der die Firma zwischen 300 und 1.500 Euro hätte kosten können. Doch statt das Bußgeld regulär zu zahlen, entschied sich der 56-jährige Geschäftsführer offenbar für eine besonders dreiste Methode.</p>
<p>Dreieinhalb Wochen nach dem Verstoß trug er im Formular der nationalen Verkehrsbehörde ANSR einen 19-jährigen jungen Mann als verantwortlichen Fahrer ein – wissend, dass dieser kurz zuvor bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war. Die Bestattungsfirma hatte seine Beerdigung organisiert und verfügte daher über sämtliche persönlichen Daten des Verstorbenen. Genau diese missbrauchte der Unternehmer nun, um das Bußgeld vom Tisch zu bekommen.</p>
<p>Der Schwindel flog auf, als die Eltern des Toten überraschend Post erhielten: einen Bescheid, der ihren verstorbenen Sohn als Temposünder benannte. Laut portugiesischer Nachrichtenagentur Lusa reagierten die Eltern „fassungslos und zutiefst empört“. Ihr Sohn war nicht nur viel zu jung gestorben – nun wurde sein Name auch noch für ein Vergehen missbraucht, das er unmöglich begangen haben konnte.</p>
<p>Die Staatsanwaltschaft reagierte prompt. Gegen den Bestatter wurde Anklage wegen Urkundenfälschung und Datenmissbrauchs erhoben. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, droht ihm eine Gefängnisstrafe von bis zu sieben Jahren.</p>
<p>Der Fall sorgt in Portugal derzeit für erhebliche Aufmerksamkeit. Nicht nur wegen der tragischen Vorgeschichte des vermeintlichen „Temposünders“, sondern auch, weil er ein besonders bezeichnendes Beispiel dafür ist, wie weit manche Menschen bereit sind zu gehen, um ein Bußgeld zu vermeiden.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/edf365f54ebe4ec087a247a5bc4de361" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/edf365f54ebe4ec087a247a5bc4de361" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Geschichte der Feuerbestattung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Dec 2025 00:50:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sterben + Trauer]]></category>
		<category><![CDATA[Bestattungsrituale früher]]></category>
		<category><![CDATA[DDR Bestattungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Einäscherung Entwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Feuerbestattung Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Feuerbestattung Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[historische Bestattungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kremation Historie]]></category>
		<category><![CDATA[Krematorium 1900]]></category>
		<category><![CDATA[Urnenbestattung Tradition]]></category>
		<category><![CDATA[Wandel der Bestattungsformen]]></category>
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					<description><![CDATA[Mittlerweile lassen sich mehr Menschen einäschern, als dass Menschen in einem Sarg erdbestattet werden. Das ist ein großer Wandel in der Bestattungskultur. Heute gilt die Feuerbestattung als normal. Das war<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/geschichte-der-feuerbestattung/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mittlerweile lassen sich mehr Menschen einäschern, als dass Menschen in einem Sarg erdbestattet werden. Das ist ein großer Wandel in der Bestattungskultur. Heute gilt die Feuerbestattung als normal.</p>
<p>Das war nicht immer so. Früher war die Kremierung eine Besonderheit, die von Kirchen, Institutionen und der Bevölkerung weitgehend abgelehnt wurde.<br />
Freidenker, Freimaurer, Atheisten und Künstler ließen sich verbrennen. Der überwiegende Teil der Bevölkerung stand dem ablehnend gegenüber.</p>
<div class="info-box2024">
<div class="info-box2024-title"></div>
<h2 id="feuerbestattung-im-langen-historischen-wandel">Feuerbestattung im langen historischen Wandel</h2>
<p>Auf den ersten Blick wirkt die heutige Diskussion um Feuerbestattungen so, als handle es sich um eine moderne, beinahe revolutionäre Bestattungsform. Historisch betrachtet ist eher das Gegenteil der Fall: In vielen frühen Kulturen der Menschheitsgeschichte gehörte das Verbrennen der Toten ganz selbstverständlich zum normalen Bestattungsritus.</p>
<h3 id="in-grauer-vorzeit-war-leichenverbrennung-voellig-normal">In grauer Vorzeit war Leichenverbrennung völlig normal</h3>
<p>Archäologische Funde zeigen, dass bereits in der Stein- und Bronzezeit in Europa und im Vorderen Orient Verstorbene auf Scheiterhaufen verbrannt und ihre Reste in Urnen beigesetzt wurden. In weiten Teilen des Mittelmeerraums war die Feuerbestattung ebenso verbreitet wie in verschiedenen Regionen Asiens. Auch in der Antike galt sie vielerorts als völlig übliche Praxis: In Griechenland etwa wurden gefallene Krieger eingeäschert und ihre Asche feierlich in Urnen bestattet, in Rom existierten eigene Kolumbarien für Urnenbestattungen; daneben kannte man im germanischen und nordischen Raum ganze Urnenfelder, die von einer weit verbreiteten Feuerbestattungskultur zeugen.</p>
<h3 id="die-katholische-kirche-propagierte-die-erdbestattung">Die katholische Kirche propagierte die Erdbestattung</h3>
<p>Mit der Ausbreitung des Christentums in Europa setzte dann ein tiefgreifender Wandel ein. Die Kirche bevorzugte die Erdbestattung, weil die körperliche Unversehrtheit des Leichnams mit der christlichen Auferstehungsvorstellung verknüpft wurde. Die Feuerbestattung galt zunehmend als heidnisch, wurde theologisch abgelehnt und in manchen Regionen auch rechtlich eingeschränkt oder sogar verboten. Über viele Jahrhunderte dominierte in der christlich geprägten Bestattungskultur deshalb fast ausschließlich die Beerdigung im Sarg in geweihter Erde, und die Kremation verschwand nahezu vollständig aus dem öffentlichen Leben.</p>
<h3 id="die-kremierung-wird-im-19-jahrhundert-populaerer">Die Kremierung wird im 19. Jahrhundert populärer</h3>
<p>Erst im 19. Jahrhundert, im Zuge von Industrialisierung, Urbanisierung und hygienischen Reformbewegungen, wurde die Feuerbestattung in Europa wiederentdeckt. In dicht besiedelten Städten wurden Platzmangel auf Friedhöfen und hygienische Probleme diskutiert, außerdem gewannen naturwissenschaftliche und säkulare Weltanschauungen an Einfluss. In diesem Umfeld entstanden bürgerliche Feuerbestattungsvereine, die sich für eine moderne, „vernünftige“ und hygienische Form der Bestattung einsetzten. Technisch wurde das durch den Bau moderner Krematorien möglich: In Deutschland gilt das 1878 in Gotha in Betrieb genommene Krematorium als Pionieranlage, zeitgleich entstanden ähnliche Einrichtungen in anderen Ländern. Die neuen Öfen ermöglichten schnelle, saubere und kontrollierte Einäscherungen – etwas völlig anderes als die offenen Scheiterhaufen früherer Zeiten.</p>
<h3 id="jahrzehntelanger-widerstreit">Jahrzehntelanger Widerstreit</h3>
<p>Trotz dieser Innovation verlief die Etablierung der Feuerbestattung zunächst zäh. Kirchen, konservative Kreise und große Teile der Bevölkerung standen dem Verbrennen der Toten weiterhin ablehnend gegenüber. Die ersten Krematorien waren eher Ausnahmen, die von liberalen, freidenkerischen oder stark urban geprägten Milieus genutzt wurden. In vielen Regionen blieb die Feuerbestattung weit bis ins 20. Jahrhundert hinein eine Besonderheit und wurde oft nur von einer kleinen Minderheit gewählt. In Statistiken erscheint sie bis weit nach dem Ersten Weltkrieg häufig als Randphänomen; der Normalfall war weiterhin die klassische Erdbestattung.</p>
<h3 id="in-der-ddr-lief-das-ganz-anders">In der DDR lief das ganz anders</h3>
<p>In der DDR entwickelte sich eine ganz eigene Bestattungskultur, in der die Feuerbestattung eine deutlich zentralere Rolle spielte als in der Bundesrepublik. Der sozialistische Staat verstand sich als säkular und strebte eine von kirchlichen Traditionen unabhängige „sozialistische Sepulkralkultur“ an. In diesem Rahmen wurden Krematorien stark gefördert, und die Feuerbestattung wurde aus praktischen, wirtschaftlichen und ideologischen Gründen bevorzugt. Die staatliche Planung sah hohe Kremationsquoten vor; in den 1970er und 1980er Jahren wurden Zielgrößen von deutlich über der Hälfte der Verstorbenen formuliert, und tatsächlich erreichte man in vielen Regionen der DDR sehr hohe Einäscherungsraten. Für große Teile der Bevölkerung wurde die Feuerbestattung dort zum faktischen Standard, während aufwendige Erdbegräbnisse eher die Ausnahme waren.</p>
<h3 id="ploetzlicher-anstieg-der-kremierungen-war-eine-statistische-taeuschung">Plötzlicher Anstieg der Kremierungen war eine statistische Täuschung</h3>
<p>Nach der deutschen Wiedervereinigung Anfang der 1990er Jahre zeigte sich in der gesamtdeutschen Statistik scheinbar ein sprunghafter Anstieg der Feuerbestattungen. Diese Auffälligkeit war jedoch weniger Ausdruck einer plötzlichen Mentalitätsänderung im Westen als vielmehr eine statistische Täuschung: Nun wurden die fast flächendeckend üblichen Feuerbestattungen aus der ehemaligen DDR mit den im Westen noch überwiegend erdorientierten Bestattungstraditionen zusammengerechnet. Die hohen Einäscherungsquoten des Ostens ließen den gesamtdeutschen Anteil der Feuerbestattungen schlagartig deutlich steigen, obwohl sich die Praxis in Westdeutschland zunächst nur langsam veränderte.</p>
<h3 id="allmaehliche-entwicklung-der-feuerbestattung-zum-normalfall">Allmähliche Entwicklung der Feuerbestattung zum Normalfall</h3>
<p>In den Jahren nach der Wende kam es dann zu einem allmählichen Ausgleich. Zum einen wirkten die hohen Einäscherungsquoten der neuen Bundesländer statistisch weiter nach, zum anderen setzte in den alten Bundesländern ein stetiger Wandel der Bestattungskultur ein. Säkularisierung, veränderte Familienstrukturen, Kostengesichtspunkte, aber auch ökologische Überlegungen führten dazu, dass die Feuerbestattung zunehmend akzeptiert und schließlich zum Regelfall wurde. Innerhalb von etwa eineinhalb Jahrzehnten näherten sich Ost und West in ihren Bestattungsgewohnheiten deutlich an.</p>
<h3 id="kosten-bequemlichkeit-und-gesellschaftlicher-wandel">Kosten, Bequemlichkeit und gesellschaftlicher Wandel</h3>
<p>Die Kosten einer Feuerbestattung sind deutlich niedriger als die einer Erdbestattung. Mit der Totenasche sind heutzutage mehr Bestattungsformen möglich, als bei einer Sargbestattung. Erfordert die Sargbestattung immer die Anmietung eines Grabes, kann Asche auch verstreut, anonym beigesetzt oder dem Meer übergeben werden. Der Zwang, jahrzehntelang ein großes Grab zu unterhalten, entfällt. Auch Grabsteine, Blumenschmuck und Pflegeaufwand halten sich bei einem Urnengrab in Grenzen. Die Mobilität der Menschen tut ein Übriges. Kaum einer bleibt heute, wie es früher der Fall war, ein Leben lang an einem Ort wohnen, wo dann auch die Gräber immer in der Nähe waren.<br />
Überdies hat der Friedhof als zentraler Ort des Gedenkens an Bedeutung verloren; viele Menschen trauern heute anders.</p>
<h3 id="feuerbestattungen-sind-heute-der-normalfall">Feuerbestattungen sind heute der Normalfall</h3>
<p>Heute hat die Feuerbestattung in Deutschland die Erdbestattung deutlich überholt. Je nach Region werden inzwischen rund zwei Drittel bis drei Viertel aller Verstorbenen eingeäschert, in einigen Gebieten sogar noch mehr. Während früher die Einäscherung als Besonderheit und Ausnahmepraxis galt, ist sie inzwischen zur Normalität geworden – sowohl statistisch als auch im Bewusstsein der Bevölkerung. Gleichzeitig schließt sich damit ein kulturgeschichtlicher Kreis: Was in frühen Kulturen weltweit eine alltägliche und selbstverständliche Form des Umgangs mit den Toten war, ist nach einer langen Phase kirchlich geprägter Erdbegräbnisse in moderner, technisierter Form wieder zu einer der wichtigsten Bestattungsformen geworden.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/35a6223b90464702b114ca95603c7137" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/35a6223b90464702b114ca95603c7137" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Flaute</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Dec 2025 00:20:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Flaute]]></category>
		<category><![CDATA[nichts zu tun]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit sechs Wochen ist kein neuer Auftrag reingekommen. Die Stimmung im Betrieb ist ziemlich gedrückt. Alle schauen den Chef irgendwie vorwurfsvoll an. Drei Sterbefälle hatten wir auf einmal hereinbekommen. Alle<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/flaute/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit sechs Wochen ist kein neuer Auftrag reingekommen. Die Stimmung im Betrieb ist ziemlich gedrückt. Alle schauen den Chef irgendwie vorwurfsvoll an.</p>
<p>Drei Sterbefälle hatten wir auf einmal hereinbekommen. Alle dienstags morgens. Da lacht das Bestatterherz. Wir machen das ja nicht aus karitativen Beweggründen, sondern als Unternehmer, um davon leben zu können. Natürlich will man den Menschen helfen, und sie so gut wie möglich durch die schwere Zeit begleiten. Aber es bleibt dabei: Bestatter sind Kaufleute, die ihren Laden mit einer Gewinnerzielungsabsicht betreiben.</p>
<p>Wenn viel zu tun ist, läuft ein gut organisiertes Bestattungshaus wie eine gut geölte Maschine. Jeder weiß, was er zu tun hat, alles wird stringent abgearbeitet, auf den Laufzetteln reiht sich ein Erledigungshäkchen an das andere.<br />
Es gibt so viel zu organisieren, so viel zu erledigen, da ist jeder voll beschäftigt.</p>
<p>Und dann? Dann ist auf einmal zwei Tage lang komplette Ruhe. Die Rechnungen für die letzten Fälle kannst Du noch nicht schreiben, weil man immer ein paar Tage abwarten muss. Einmal aus Pietätsgründen und andererseits, weil noch Danksagungen und solche Sachen hinzukommen.</p>
<p>Dann sind vier Tage rum und immer ist noch kein neuer Auftrag eingegangen. Das Wochenende naht, Du fixierst Dich auf die Freizeit. Am Montagmorgen gehst Du voller Elan in den Betrieb, doch die Kühlkammern sind leer, es liegen keine gelben Mappen auf der Rezeption.<br />
Die werden schon noch im Laufe des Tages anrufen. Am Wochenende stirbt sich ja so manches weg in den Krankenhäusern …<br />
Doch es ruft keiner an.</p>
<p>Die zweite Woche ohne Auftrag geht dem Ende zu.<br />
Die Männer im Keller haben die Dartscheibe schon in kleine Fetzen zerballert, die Aschenbecher quellen über und die Autos sind schon sechsmal gewaschen und poliert worden.<br />
Im Büro geht es weiter, Frau Büser hat immer einen Stapel, der noch abgearbeitet werden muss. Als Chef hast Du auch immer genug Schreibkram zu erledigen.<br />
Als ich anfing, hatte ich jeden Monat einen Ablagekasten voll mit Formularen und Behördenbriefen, inzwischen sind es elf solche Kästen, die mir die Bürokratie aufnötigt.</p>
<p>Am Beginn der dritten Woche rufst Du heimlich Deine eigene Geschäftsnummer an, um zu überprüfen, ob das Telefon überhaupt noch geht.<br />
Langsam beginnst Du Dir Sorgen zu machen, ob irgendetwas passiert sein könnte, das den Ruf Deines Unternehmens so nachhaltig beschädigt haben könnte, dass niemand mehr anruft.</p>
<p>Gleichzeitig siehst Du, dass der Leichenwagen von der &#8222;Pietät Eichenlaub&#8220; quasi Tag und Nacht durch die Stadt fährt. Die Zeitung ist voll mit Todesanzeigen, zum Teil direkt aus der Nachbarschaft.</p>
<p>Vier Wochen kein einziger Auftrag.<br />
Du schaust auf die Statistik. Im vergangenen Jahr um diese Zeit hattest Du zwanzig Sterbefälle mehr. Ist das der Niedergang? Du fängst an zu rechnen. Wie viele Monate lang kannst Du das durchhalten? Du musst bald die Löhne fertigmachen, die kannst Du noch fünfmal zahlen, vielleicht auch sechsmal …<br />
Aus Panik legst Du die eine oder andere Rechnung lieber erst mal beiseite, statt sie sofort zu bezahlen. </p>
<p>Obwohl Du noch händeringend Aushilfskräfte suchst, nimmst Du trotzdem lieber Abstand davon, jetzt einen Bewerber einzuladen oder gar einzustellen. </p>
<p>Selbst Werbung kann Dir nicht helfen. Du wirbst ohnehin zweimal in der Woche mit einer schönen Präsenzanzeige in der Tageszeitung und einmal wöchentlich im Blätt’l und im Stadtanzeiger. Mehr Anzeigen bringen nichts, es stirbt ja keiner, nur weil der Bestatter Sonderangebote hat oder eine &#8222;Black Week&#8220; veranstaltet.</p>
<p>Nachts kommen Dir ganz schlimme Gedanken. Du siehst Dich schon zerlumpt und abgebrannt unter einer Brücke wohnen, die Familie ausgemergelt und in lumpigen Fetzen – Les Misérables lassen grüßen.</p>
<p>Vielleicht beziehst Du momentan alles nur auf Dich, aber es scheint so, als mache Dir unausgesprochen jeder einen Vorwurf und gebe Dir allein die Schuld am Niedergang des Unternehmens.</p>
<p>Wen wirst Du als Ersten entlassen müssen? Geld ist genug da, aber Du verschiebst alle Ausgaben auf demnächst. Vertreter schickst Du ohne Auftrag wieder weg. Warenbestellungen gibt es auch keine mehr.</p>
<p>Was wird aus dem Haus werden? Ob sich ein Mieter findet?</p>
<p>Dann klingelt das Telefon. Nein, es klingeln zwei Apparate fast gleichzeitig. Die Maschinerie fängt an zu laufen, zwei Sterbefälle, einer direkt aus der Nachbarschaft, einer aus der nächsten Stadt. Sandy düst los, um die Beratungen zu machen.<br />
Die Männer fahren los. Schon wieder klingelt das Telefon. Nach drei Tagen hast Du acht Leichen im Keller, Särge müssen nachbestellt werden, keiner hat Zeit, Kaffee zu kochen. </p>
<p>Sorgen? Was für Sorgen? Läuft doch!</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/aba4dd5fefa341588b00622976163eaa" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/aba4dd5fefa341588b00622976163eaa" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Kurz-Nekrolog: James D. Watson (1928–2025)</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/kurz-nekrolog-james-d-watson-1928-2025/</link>
					<comments>https://bestatterweblog.de/kurz-nekrolog-james-d-watson-1928-2025/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Nov 2025 19:43:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nekrolog]]></category>
		<category><![CDATA[James]]></category>
		<category><![CDATA[Watson]]></category>
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					<description><![CDATA[James Dewey Watson (* 6. April 1928; † 6. November 2025) war einer der bedeutendsten, zugleich aber später umstrittensten Molekularbiologen des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Francis Crick entwickelte er 1953<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/kurz-nekrolog-james-d-watson-1928-2025/" class="alles-lesen-btn">
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</a></div>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>James Dewey Watson (* 6. April 1928; † 6. November 2025) war einer der bedeutendsten, zugleich aber später umstrittensten Molekularbiologen des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Francis Crick entwickelte er 1953 das Doppelhelix-Modell der DNA – eine wissenschaftliche Pionierleistung, die 1962 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde und die moderne Genetik grundlegend veränderte.</p>
<h2 id="wissenschaftliche-bedeutung">Wissenschaftliche Bedeutung</h2>
<p>Watson studierte in Chicago und Bloomington, arbeitete am Cavendish Laboratory in Cambridge und war später Professor in Harvard. Als langjähriger Direktor des Cold Spring Harbor Laboratory (CSHL) formte er das Institut zu einem führenden Zentrum der Genforschung. Zudem war er Mitinitiator des Humangenomprojekts und setzte sich früh für die vollständige Sequenzierung des menschlichen Erbguts ein.</p>
<h2 id="warum-er-in-ungnade-fiel">Warum er in Ungnade fiel</h2>
<p>Seit den 1990er-Jahren beschädigte Watson seinen Ruf durch provokante und pseudowissenschaftliche Äußerungen. Er behauptete mehrfach, Schwarze hätten eine genetisch bedingt geringere Intelligenz, äußerte homophobe und sexistische Ansichten und befürwortete fragwürdige pränatale Selektionspraktiken. 2007 wurde er vom CSHL suspendiert und trat zurück; 2019 entzog ihm das Institut alle Ehrentitel, nachdem er seine Aussagen erneut wiederholt hatte.</p>
<p>Auch die Rolle Rosalind Franklins bei der Entdeckung der DNA-Struktur stellte Watson in seinen frühen Schriften verzerrt dar, was ihm zusätzliche wissenschaftliche Kritik einbrachte.</p>
<h2 id="spaete-jahre-und-tod">Späte Jahre und Tod</h2>
<p>In zunehmender Isolation verkaufte Watson 2014 aus finanzieller Not seine Nobelpreismedaille, die ihm jedoch vom Käufer zurückgegeben wurde. Er starb am 6. November 2025 im Alter von 97 Jahren in einem Hospiz in East Northport, New York.</p>
<h2 id="nachklang">Nachklang</h2>
<p>Watsons Vermächtnis ist zweigeteilt: Auf der einen Seite steht die bahnbrechende Entdeckung der DNA-Doppelhelix, eine der wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse des 20. Jahrhunderts. Auf der anderen Seite bleiben seine späteren rassistischen und diskriminierenden Äußerungen, die seine Reputation dauerhaft beschädigten und die öffentliche Wahrnehmung seiner Person stark überschatten.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/cf0de53e6dfd411f8417bf4335549702" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/cf0de53e6dfd411f8417bf4335549702" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Matthias Holtmann (75)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Nov 2025 19:38:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nekrolog]]></category>
		<category><![CDATA[Holtmann]]></category>
		<category><![CDATA[matthias]]></category>
		<category><![CDATA[Moderator]]></category>
		<category><![CDATA[Radio]]></category>
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					<description><![CDATA[Matthias „Matze“ Holtmann (* 23. Mai 1950 in Recklinghausen; † 9. November 2025 in Esslingen am Neckar) war Musiker, Radiomacher, Moderator, Programmentwickler – und eine der unverwechselbarsten Stimmen des südwestdeutschen<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/matthias-holtmann-75/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Matthias „Matze“ Holtmann (* 23. Mai 1950 in Recklinghausen; † 9. November 2025 in Esslingen am Neckar) war Musiker, Radiomacher, Moderator, Programmentwickler – und eine der unverwechselbarsten Stimmen des südwestdeutschen Rundfunks. Viele Menschen begleiteten ihn über Jahrzehnte im Autoradio, beim Frühstück oder am Arbeitsplatz. Seine Stimme stand für Verlässlichkeit, Humor und eine angenehm unaufgeregte Art, Radio zu machen.</p>
<h2 id="fruehe-jahre-und-musikalische-wurzeln">Frühe Jahre und musikalische Wurzeln</h2>
<p>Holtmann wuchs in Recklinghausen auf und besuchte fünf Jahre lang das Landschulheim Schloss Heessen, wo er 1970 das Abitur ablegte. Musik spielte früh eine zentrale Rolle in seinem Leben. Er studierte an der Musikhochschule in Köln, arbeitete anschließend am Landestheater Tübingen und sammelte auf Tourneeerfahrungen als Schlagzeuger mit der Rockband <em>Triumvirat</em>, einem internationalen Aushängeschild des deutschen Prog-Rock der 1970er-Jahre. Später wandte er sich dem traditionellen Jazz zu und spielte unter anderem mit <em>Mister Wendelins Dixie Band</em>.</p>
<h2 id="eine-radiostimme-fuer-den-suedwesten">Eine Radiostimme für den Südwesten</h2>
<p>1979 begann Holtmann als Musikredakteur beim Süddeutschen Rundfunk (SDR) in Stuttgart. Rasch wurde er zu einer prägenden Figur des Senders, stieg zum Musikchef von SDR 3 auf und setzte Maßstäbe für das junge Radioprogramm im Südwesten. Nach der Fusion von SDR und SWF im Jahr 1998 wurde er Musikchef des neuen Senders SWR3 und formte mit seinem Team eines der erfolgreichsten Radioprogramme Deutschlands.</p>
<p>Parallel dazu war Holtmann von 1990 bis 2004 regelmäßig im Fernsehen präsent: in den Sendungen <em>Extraspät</em>, <em>Na und!?</em> und <em>Ring frei</em> im Programm Südwest 3. Zudem moderierte er von 1990 bis 2012 die jährliche Radio-Hitparade von SDR bzw. SWR – ein Klassiker für viele Hörerinnen und Hörer.</p>
<p>Kurios am Rande: In der Bundesliga-Saison 1999/2000 fungierte er als Stadionsprecher des VfB Stuttgart – ein Ausflug in die Fußballwelt, an den sich Fans bis heute erinnern.</p>
<h2 id="die-jahre-bei-swr1-und-neue-programmideen">Die Jahre bei SWR1 und neue Programmideen</h2>
<p>Im Januar 2005 wechselte Holtmann zu SWR1 Baden-Württemberg. Dort war er wochentags in <em>Guten Abend, Baden-Württemberg</em> und sonntags in <em>Kopfhörer</em> zu hören. Neben seinen Moderationen entwickelte er neue Programmformate und prägte mit seiner Handschrift den Sender weit über seine Sendezeiten hinaus. Seine Mischung aus Fachwissen, Leidenschaft für Musik und freundlicher Ruhe war sein Markenzeichen.</p>
<h2 id="krankheit-rueckzug-und-abschied">Krankheit, Rückzug und Abschied</h2>
<p>Über drei Jahre kämpfte Holtmann mit zunehmenden Muskel- und Koordinationsproblemen, bis im Frühjahr 2009 die Diagnose feststand: Parkinson. Dennoch blieb er seinen Hörerinnen und Hörern treu und verabschiedete sich erst am 29. Mai 2015 im Alter von 65 Jahren offiziell als Moderator von SWR1.</p>
<p>Am 9. November 2025 starb Matthias Holtmann in Esslingen im Alter von 75 Jahren. Sein Tod bedeutete für viele das Ende einer Ära – denn mit ihm verschwand eine der prägenden Radiostimmen des Südwestens.</p>
<h2 id="nachklang">Nachklang</h2>
<p>Mit Matze Holtmann verliert der Südwestrundfunk eine Radiolegende, die über Jahrzehnte Profil zeigte. Er war Musiker, Moderator, Musikchef, Ideenmensch – und vor allem jemand, der Radio zu einem Ort machte, an dem Musik, Geschichten und Menschen auf besondere Weise zusammenfanden. Seine Stimme bleibt vielen im Ohr und im Herzen.</p>
<p>Er gehört zu den Radiomenschen, die man nie vergisst.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/7aa50486b398499eb69cd81d8d1c658c" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/7aa50486b398499eb69cd81d8d1c658c" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Ingrid van Bergen (94)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Nov 2025 19:28:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nekrolog]]></category>
		<category><![CDATA[Ingrid van Bergen]]></category>
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					<description><![CDATA[Ingrid Maria van Bergen (* 15. Juni 1931 in Danzig-Langfuhr; † 28. November 2025 in Eyendorf) war eine der markantesten Schauspielerinnen des deutschen Films und Fernsehens. Sie arbeitete als Schauspielerin,<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/ingrid-van-bergen-94/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ingrid Maria van Bergen (* 15. Juni 1931 in Danzig-Langfuhr; † 28. November 2025 in Eyendorf) war eine der markantesten Schauspielerinnen des deutschen Films und Fernsehens. Sie arbeitete als Schauspielerin, Synchronsprecherin, Kabarettistin, Hörspielstimme – und war eine Frau, deren Leben von außergewöhnlichen Höhen und tragischen Tiefen geprägt war.</p>
<h2 id="kindheit-zwischen-krieg-flucht-und-neubeginn">Kindheit zwischen Krieg, Flucht und Neubeginn</h2>
<p>Ingrid van Bergen wurde als zweites von vier Kindern des Dorfschullehrers Fritz van Bergen und seiner Frau Ella im Danziger Stadtteil Langfuhr geboren. Ihre frühe Kindheit verbrachte sie in Frankenau in Masuren (Ostpreußen), wo ihr Vater als Lehrer tätig war. Mit seinem Tod an der Ostfront wurde sie schon als junges Mädchen zur Halbwaise – ein Erlebnis, das sie nachhaltig prägte.</p>
<p>Wie viele Familien aus Ostpreußen erlebten auch die van Bergens die dramatischen Fluchtbewegungen der letzten Kriegsmonate. Nach sowjetischen Luftangriffen auf Danzig bestieg die Mutter mit ihren vier Kindern das Flüchtlingsschiff <em>Moltkefels</em>, das sie und rund 2000 weitere Menschen über die Ostsee in Richtung Rostock, Lübeck oder Hamburg bringen sollte. Vor der Halbinsel Hela wurde das Schiff bei einem Angriff sowjetischer Bomber versenkt; etwa 500 Menschen starben. Die Familie van Bergen konnte mit einem Beiboot gerettet werden.</p>
<p>Die Mutter entschloss sich zu einem weiteren Fluchtversuch, diesmal mit dem Ziel Kopenhagen. Am 8. Mai 1945 erlebte Ingrid van Bergen das Kriegsende in einem Auffanglager im dänischen Skagen. Die Familie blieb dort bis 1948, ehe sie nach Deutschland zurückkehrte. Ingrid besuchte mit ihrem Bruder die Schule, später zog die Familie nach Metzingen. Von dort aus besuchte sie die Isolde-Kurz-Oberschule in Reutlingen und legte 1950 ihr Abitur ab.</p>
<h2 id="der-weg-auf-die-buehne-vom-kabarett-zur-filmikone">Der Weg auf die Bühne – vom Kabarett zur Filmikone</h2>
<p>Der Wunsch, Schauspielerin zu werden, begleitete Ingrid van Bergen schon früh. Nach dem Abitur ließ sie sich an der Staatlichen Hochschule für Musik in Hamburg zur Schauspielerin, später auch zur Sängerin ausbilden und verwirklichte damit einen lange gehegten Traum.</p>
<p>1953 war sie Mitbegründerin des politischen Kabaretts <em>Die Kleinen Fische</em>. Ein Engagement bei den legendären Berliner <em>Stachelschweinen</em> folgte. Bereits ein Jahr später entdeckte sie Regisseur Helmut Käutner für den Film. In den 1950er- und 1960er-Jahren entwickelte sich Ingrid van Bergen zu einer der bekanntesten deutschsprachigen Filmschauspielerinnen – mit markanter Ausstrahlung, großer Leinwandpräsenz und einer Stimme, die vielen im Gedächtnis blieb. Vor allem in Berlin stand sie immer wieder auch auf der Bühne.</p>
<h2 id="ein-tragischer-bruch-und-der-lange-weg-zurueck">Ein tragischer Bruch – und der lange Weg zurück</h2>
<p>Ihr Leben nahm 1977 eine dramatische Wendung. In der Nacht zum 3. Februar erschoss Ingrid van Bergen ihren 33-jährigen Geliebten, den Finanzmakler Klaus Knaths, in einer Villa am Starnberger See. Knaths wurde von zwei Kugeln in Brust und Bauch getroffen und erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Ihre Töchter waren zu diesem Zeitpunkt 12 und 19 Jahre alt.</p>
<p>Der Strafprozess nach dieser Beziehungstat löste bundesweit großes mediales Aufsehen aus. Van Bergen wurde von dem prominenten Strafverteidiger Rolf Bossi vertreten. Am 27. Juli 1977 verurteilte das Gericht sie wegen Totschlags zu sieben Jahren Freiheitsstrafe. Sie verbüßte ihre Strafe in der Justizvollzugsanstalt Aichach und wurde am 2. Oktober 1981 nach Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe auf Bewährung entlassen.</p>
<p>Nach ihrer Haftentlassung gelang es ihr zunächst nicht, an ihre frühere Karriere anzuknüpfen. Trotz eines zeitweisen Umzugs nach Spanien trat sie in Deutschland regelmäßig in Fernsehproduktionen auf. Die beruflichen Angebote nahmen im Laufe der Zeit wieder zu. 1994 veröffentlichte sie ihre Autobiografie, in der sie offen über ihr Leben, ihre Erfolge und ihre Schuld sprach.</p>
<h2 id="spaete-jahre-neue-popularitaet-und-der-schritt-ins-reality-fernsehen">Späte Jahre, neue Popularität und der Schritt ins Reality-Fernsehen</h2>
<p>Im Januar 2009 nahm Ingrid van Bergen an der RTL-Reality-Show <em>Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!</em> teil. Die Zuschauer wählten sie zur „Dschungelkönigin Ingrid I.“ und verschafften ihr damit eine späte und unerwartete Popularität in einem ganz neuen Publikum.</p>
<p>Ab 2009 spielte van Bergen in der erfolgreichen TV-Serie <em>Doctor’s Diary</em> die Rolle der Mechthild von Buhren, die Anfang 2011 den Serientod starb. Ihre letzte Filmrolle übernahm sie 2017. Daneben war sie einige Jahre im Hörspielbereich aktiv und lieh ihre einprägsame Stimme verschiedenen Produktionen.</p>
<h2 id="privatleben-verluste-und-der-blick-auf-die-tiere">Privatleben, Verluste und der Blick auf die Tiere</h2>
<p>Ingrid van Bergen war viermal verheiratet, unter anderem mit dem Kabarettisten Erich Sehnke, dem Vater ihrer Tochter Andrea, und mit dem Schauspieler Michael Hinz, der unter anderem als Quentin Kirrin in der britischen Kinder-TV-Serie <em>Fünf Freunde</em> bekannt wurde. Die gemeinsame Tochter Carolin starb 1990 im Alter von nur 26 Jahren – ein weiterer schwerer Schlag in ihrem Leben.</p>
<p>Im Jahr 1994 zog van Bergen nach Mallorca. Dort wandte sie sich verstärkt dem Tierschutz zu und beherbergte auf ihrer Finca zeitweise über 100 Tiere. 2001 kehrte sie gemeinsam mit ihren Tieren nach Deutschland zurück und ließ sich auf einem Bauernhof im Ort Eyendorf in der Lüneburger Heide nieder.</p>
<p>In einem Interview mit dem <em>Stern</em> erklärte sie 2009, sie sei bekennende Buddhistin. 2013 sagte sie in demselben Magazin, dass sie vegetarisch lebe und Kurzgeschichten aus der Sicht von Tieren schreibe. Im selben Jahr trat sie der Partei <em>Mensch Umwelt Tierschutz</em> bei.</p>
<p>Ab 2020 lebte sie auf ihrem Bauernhof in einer Wohngemeinschaft mit einer Freundin aus ihrer Haftzeit. 2025 erblindete sie infolge einer Einblutung. Am 28. November 2025 starb Ingrid van Bergen im Alter von 94 Jahren in Eyendorf.</p>
<h2 id="nachwort-ein-leben-zwischen-glanz-und-bruechen">Nachwort: Ein Leben zwischen Glanz und Brüchen</h2>
<p>Ingrid van Bergen war mehr als nur ein Gesicht des deutschen Films. Sie war eine Frau, die extreme Gegensätze kannte: Ruhm und Skandal, Erfolg und Scheitern, Familienglück und tiefe Verluste. Sie hat polarisiert und fasziniert, sie wurde bewundert und kritisiert – und hat doch nie aufgehört, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.</p>
<p>Ihr Lebensweg spiegelt ein Stück deutscher Nachkriegsgeschichte wider: von Flucht und Neuaufbau über die goldenen Zeiten des Nachkriegskinos bis hin zur modernen Medienwelt, in der sie als „Dschungelkönigin“ noch einmal eine ganz andere Art von Öffentlichkeit erlebte.</p>
<p>Am Ende ihres Lebens fand sie Ruhe in der Lüneburger Heide, umgeben von Tieren, die sie liebte, und Menschen, denen sie vertraute. Ihr Name bleibt verbunden mit großen Rollen, einem spektakulären Strafprozess, aber auch mit der späten, leisen Konsequenz, mit der sie ihr Alter und ihre Schuld angenommen hat.</p>
<p>Ingrid van Bergen hat ihre letzte Rolle nun gespielt. Zurück bleibt die Erinnerung an eine beeindruckende, widersprüchliche, starke Persönlichkeit – an eine Frau, die den Glanz der Scheinwerfer kannte und dennoch am Ende vor allem eines suchte: Frieden.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/b0beabb65cfd484ca419cb55fdbcba2d" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/b0beabb65cfd484ca419cb55fdbcba2d" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Kulinarische Gewalt</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/kulinarische-gewalt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Nov 2025 09:33:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Gastronomie]]></category>
		<category><![CDATA[heiß]]></category>
		<category><![CDATA[kalt]]></category>
		<category><![CDATA[Lokal]]></category>
		<category><![CDATA[Restaurant]]></category>
		<category><![CDATA[Rosmarin]]></category>
		<category><![CDATA[Steak]]></category>
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					<description><![CDATA[Es gibt ja Leute, die können ohne Rosmarin nicht auskommen. Rosmarin, das sind Überbleibsel von künstlichen Tannenbäumen, die man für das kommende Jahr nicht mehr verwenden möchte. Um die Umwelt<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/kulinarische-gewalt/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt ja Leute, die können ohne Rosmarin nicht auskommen. Rosmarin, das sind Überbleibsel von künstlichen Tannenbäumen, die man für das kommende Jahr nicht mehr verwenden möchte.</p>
<p>Um die Umwelt zu schonen, werden solche Bäume nicht einfach weggeworfen, sondern in kleine Aststücke zerschnitten, die dann als Rosmarin-Zweige in den Handel kommen. Mit echten Tannenbäumen kann man das nicht machen, weil die so gezüchtet werden, dass sie am Zweiten Weihnachtstag ihre Nadeln verlieren, egal, ob sie abgehackt wurden oder in einem Plastiktopf mit einem kümmerlichen Rest Waldboden stehen. </p>
<p>Einschub: Manch ein Sprachpurist wird sich wundern, weshalb ich bei Zweiter Weihnachtstag das Z in Zweiter großschreibe. Nun, das tut man beim Zweiten Weltkrieg als stehendem Begriff ja auch. Und wer schon einmal Weihnachten bei meinen Schwiegereltern erlebt hat, der weiß, dass in diesem familiären Mikrokosmos Zweiter Weltkrieg und Zweiter Weihnachtsfeiertag, was das Aggressionspotential anbetrifft, als gleichwertig anzusehen sind.</p>
<p>Künstliche Tannenbäume werden aus künstlichem Zeug gemacht, meist aus Plastik oder behandeltem Chemiepapier. Deshalb schmeckt Rosmarin auch so scheiße.</p>
<p>Ich sitze in einem griechischen Restaurant und mein Blick fällt in der Speisenkarte auf das Rumpsteak. Danach gelüstet es mich, mich stört aber, dass der griechische Wirt dazu geschrieben hat: &#8222;argentinisches Rindersteak gespickt mit Rosmarinzweigen an einer Basilikumschaumsauce&#8220;.</p>
<p>Ich bestelle beim griechischen Kellner: &#8222;Ich hätte gerne das Rumpsteak, medium, aber ohne Rosmarinzweige und das Basilikumgedöns.&#8220; Er notiert sich das und schreibt dabei so viel auf seinen schmalen Wirtezettel, dass man meinen könnte, er ergänzt gerade Homers Odyssee um einige weitere Kapitel.</p>
<p>Wenige Minuten später gibt es den obligatorischen Salat. Weißkraut, irgendeinen grauenvollen bitteren, rotstichigen Blattsalat und das übliche Bohnengerümpel. Nur keine Zwiebeln, denn Griechen können ja bekanntlich keine Zwiebeln schneiden, weshalb es zum Gyros ja auch immer riesige Ringe von der geschmacklosesten Gemüsezwiebel aller Zeiten gibt.</p>
<p>Während wir den Salat essen, kommt Thanassis, der Wirt, höchstpersönlich an unseren Tisch, lächelt, fragt, ob soweit alles in Ordnung ist, und geht nicht weg. Normalerweise gehen die dann weg, wenn man gesagt hat, dass es gut ist. Aber der bleibt, reibt sich lächelnd die Hände und nötigt mich zu der Frage: &#8222;Ist noch was?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, Cheffe, mein Herrr, bitte, bitte verstehen Sie, ich mechte nur frage, ob Sie wirrrkliche keine Rossemarrinne an den Steak habbe wolle.&#8220;</p>
<p>&#8222;Nein, wirklich nicht, ich hasse Rosmarinzweige und möchte das Steak nur so, ohne Rosmarin und auch ohne das Basilikumzeug.&#8220;</p>
<p>&#8222;Aberr Rossemarrinne was sich heißt auf Grießiß Δενδρολίβανο, alsso Dendro-LÍ-va-no isse sehrrrr gutt. Alle anderen Gäste sehr ßufrieden.&#8220;</p>
<p>&#8222;Oh, es tut mir leid, dass ich anders bin als Ihre anderen Gäste, mein lieber Thanassis, aber ich mag diesen weihrauchartigen Geschmack von diesen Zweigen überhaupt nicht.&#8220;</p>
<p>&#8222;Rossemarrinne zmecke doch nich wie Weihrauch!&#8220;</p>
<p>&#8222;Was heißt denn Δενδρολίβανο Dendro-LÍ-va-no auf Deutsch?&#8220;</p>
<p>&#8222;Äh, dasse heisse auf Deutsch Baum mit die Weihrauch alssso Weihrauchbaum oder Baumweihrauch.&#8220;</p>
<p>&#8222;Aha!&#8220;</p>
<p>&#8222;Alsso gutt, für ßie dem Steak ohne Δενδρολίβανο!&#8220;</p>
<p>Als das Steak dann kommt, stecken 145 Rosmarinzweige im Fleisch, am Tisch riecht es, wie bei einer Heiligenverbrennung im Petersdom und mir würgt sich der Salat im Halse hoch. &#8222;Was soll das denn?&#8220;, frage ich den Kellner: &#8222;Ich wollte das Steak doch ohne Rosmarin.&#8220;</p>
<p>&#8222;Der Cheffe in Küche hat gesagt, macht er immer so, und andere Gäste sehr zufrieden, und man kann das ja wegmachen, wenn man das nicht mitessen will. Guten Appetit!&#8220;</p>
<p>An einem anderen Tag bei Salvatore, meinem Lieblingsitaliener. Ich bestelle eine Tasse Kaffee und sage bei der Bestellung: &#8222;Und bringen Sie mir bitte ein kleines Kännchen oder Gläschen mit kaltem Wasser, mir ist der Kaffee immer zu heiß.&#8220;<br />
Dazu muss man wissen, dass Salvatore seine Kaffeespezialitäten mit einer großen, roten Espressomaschinerie zubereitet, die ebensoviele Bedienelemente und Druckanzeigen hat, wie ein mittleres Kernkraftwerk. Der Kaffee, den er produziert, hat eine Kerntemperatur von 874 Grad Celsius. Außerdem heizt Salvatore die Tassen vor. Sie stehen direkt oben auf der Maschine, direkt über dem Kernreaktor und befinden sich kurz davor, eine Kernschmelze mit sich selbst einzugehen.</p>
<p>Wenn eine solche Tasse mit Kaffee vor Dir steht, kannst Du bei einem Blick auf den Himmel feststellen, wie die Sonne bläulich-rote Sonnenwinde absondert und in Richtung unseres Ortes ausstößt, die Tasse regt unser Zentralgestirn zu vermehrter Kernfusion an.</p>
<p>Der Henkel dieser italienischen Tassen ist so klein und eng, da bekommst Du keinen Finger durch. Du musst ihn zwischen zwei Fingern fest einklemmen und verbrennst Dir dabei unweigerlich die Pfoten. Pusten hilft nichts, der Atem zerlegt sich schon 20 Zentimeter von der Tasse entfernt in Gasatome. Ich winke Salvatore zu. &#8222;Bitte bring mir doch das Kännchen mit dem Wasser!&#8220;.</p>
<p>Salvatore lächelt entschuldigend und bringt auf einem seiner kleinen, ovalen Eistabletts ein Kännchen.</p>
<p>Ich fasse es an, lasse es aber sofort wieder los. Es glüht ebenfalls bei knapp 900 Grad. Das Wasser darin brodelt noch.</p>
<p>Ich bitte Salvatore nochmals um ein kleines bißchen kaltes Wasser. &#8222;Aber wirklich kaltes Wasser.&#8220;</p>
<p>Der kleine Mann hat mich genau verstanden, er sagt zwar &#8222;Si, si&#8220;, macht aber nicht, was ich will. In meinem Beisein dreht er den Druckhahn an seiner Höllenmaschine auf und dampft mir abermals lavaheißes Wasser in ein vorgeheiztes Kännchen.</p>
<p>&#8222;Nein, Salvatore, ich hätte so gerne nur etwas kaltes Wasser, mir ist der Kaffee viel zu heiß.&#8220;</p>
<p>&#8222;Kaffee musse man heisse trinke, kalte schmecke der nich!&#8220;</p>
<p>Ich bestelle mir seitdem immer ein kleines Fläschchen eisgekühltes Pellegrino-Mineralwasser dazu&#8230;</p>
<p>Einmal war ich in Afghanistan. Im First-Class-Kabul-Hotel war ich untergebracht. Ein freundlicher Russe an der Hotelbar hatte mir den Tipp gegeben, an der Rezeption eine Flasche mit abgekochtem Wasser vorzubestellen. Das Trinkwasser aus dem Wasserhahn verdiene seinen Namen nicht. Selbst wenn man sich nur damit die Zähne putze, bestehe die Gefahr, dass einem sofort die Hoden abfaulen und die Ohren anfangen zu brennen. Ob er genau das gesagt hat, weiß ich nicht, mein Russisch ist nur sehr rudimentär und bezieht sich mehr oder weniger auf das, was mein Vater aus seiner russischen Kriegsgefangenschaft so mitgebracht hatte.</p>
<p>Ich mache das aber vorsichtshalber und ordere beim Rezeptionisten das abgekochte Wasser. Außer mir tun das einige englische Damen auch, was mich sehr beruhigt. Es ist also etwas dran an dem, was der Russe gesagt hatte. Im Aufzug lächele ich den Engländerinnen noch freundlich zu, während ich überlege, was denen wohl abfaulen würde&#8230;</p>
<p>Am anderen Morgen schaue ich nach, und tatsächlich: Vor meiner Zimmertür steht eine Thermoskanne mit dem abgekochten Wasser. An ihr klebt ein Zettel &#8222;boiled water&#8220;.</p>
<p>Mit dem Zähneputzen habe ich aber noch fast eine halbe Stunde warten müssen. Denn die Hotelbediensteten hatten mir kein abgekochtes, sondern kochendes Wasser in die Thermoskanne gefüllt.<br />
In der Hotelküche muss ein Italiener arbeiten!</p>
<p>Was will ich Euch damit eigentlich sagen?</p>
<p>Nix. Nur: Ich mag kein Δενδρολίβανο.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/4766f78d35584d4bb31aeef8d5aeb533" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/4766f78d35584d4bb31aeef8d5aeb533" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Kessler-Zwillinge: Keine gemeinsame Urne &#8211; Ein leiser Abschied von zwei großen Damen</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/kessler-zwillinge-keine-gemeinsame-urne-ein-leiser-abschied-von-zwei-grossen-damen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Nov 2025 08:16:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Fundstücke]]></category>
		<category><![CDATA[Alice]]></category>
		<category><![CDATA[Ellen]]></category>
		<category><![CDATA[gemeinsam]]></category>
		<category><![CDATA[hund]]></category>
		<category><![CDATA[Kessler]]></category>
		<category><![CDATA[Urne]]></category>
		<category><![CDATA[Zwillinge]]></category>
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					<description><![CDATA[Ihr Leben lang standen Alice und Ellen Kessler im grellen Licht der Scheinwerfer, tanzten und sangen sich in die Herzen von Millionen. Als Symbol einer ganzen Ära verkörperten sie Leichtigkeit,<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/kessler-zwillinge-keine-gemeinsame-urne-ein-leiser-abschied-von-zwei-grossen-damen/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ihr Leben lang standen Alice und Ellen Kessler im grellen Licht der Scheinwerfer, tanzten und sangen sich in die Herzen von Millionen. Als Symbol einer ganzen Ära verkörperten sie Leichtigkeit, Glamour und eine fast märchenhafte Synchronität. </p>
<p>Und doch endet ihre Lebensgeschichte nun auf eine Weise, die im starken Kontrast zu ihrem berühmten Doppelleben steht: still, schlicht und beinahe einsam.</p>
<h2 id="ein-abschied-ohne-applaus-und-ohne-oeffentlichkeit">Ein Abschied ohne Applaus – und ohne Öffentlichkeit</h2>
<p>
Wie nun bekannt wurde, soll die Beisetzung der Kessler-Zwillinge im engsten Rahmen stattfinden.<br />
Es ist keine große Trauerfeier geplant, keine öffentliche Beerdigung, kein letzter großer Auftritt.<br />
Nur ein kurzer Moment der Stille, ein schlichtes Ritual, fern von Blitzlicht und Fanfaren.
</p>
<p>
Für viele ihrer Fans dürfte diese Nachricht ein Stich ins Herz sein – zu groß war die Verbundenheit mit den beiden und zu sehr wünschte man sich ein gemeinsames, würdiges Abschiednehmen.<br />
Doch die Realität ist eine andere: Der letzte Auftritt der Zwillinge findet ohne Publikum statt.
</p>
<h2 id="ihr-letzter-wunsch-und-die-grenzen-des-deutschen-bestattungsrechts">Ihr letzter Wunsch – und die Grenzen des deutschen Bestattungsrechts</h2>
<p>
Die Kesslers hatten über ihren Tod immer offen gesprochen.<br />
Schon zu Lebzeiten äußerten sie den Wunsch, gemeinsam beigesetzt zu werden – zusammen im Grab ihrer Mutter Elsa und mit der Asche ihres geliebten Hundes Yello, der sie viele Jahre begleitet hatte.
</p>
<p>
Doch dieser Wunsch, so innig er war, konnte nicht erfüllt werden. Als Bestattungsexperte kann ich Euch sagen: In Deutschland ist eine Gemeinschaftsurne für mehrere Verstorbene nicht zulässig. Weder dürfen Menschen und Tiere zusammen bestattet werden, noch darf die Asche mehrerer Personen in einer einzigen Urne vermischt oder dauerhaft vereint werden.</p>
<div class="info-box2024">
<div class="info-box2024-title"></div>
<h2 id="rechtlicher-hintergrund">Rechtlicher Hintergrund</h2>
<p>
    Die Vermischung oder Verbindung der Asche mehrerer Verstorbener in einer Urne ist nach deutschem Bestattungsrecht generell verboten.<br />
    Auch die gemeinsame Beisetzung von Mensch und Tier in einer Urne oder einem Grab ist im Regelfall nicht vorgesehen.
  </p>
</div>
<p>
Die Zwillinge hatten es testamentarisch verfügt, sie hatten es so gewollt. Und dennoch blieb dieser Herzenswunsch an den klaren Grenzen des Bestattungsrechts hängen – ein emotional schmerzhafter, aber juristisch eindeutiger Konflikt.
</p>
<h2 id="immerhin-ein-rueckzugsort-in-der-stille">Immerhin: Ein Rückzugsort in der Stille</h2>
<p>
Wie die Presse berichtet, wird wenigstens ein Teil ihres Wunsches berücksichtigt: Die Beisetzung soll still und ohne öffentliche Begleitung stattfinden. Die Asche von Alice und Ellen soll im Grab ihrer Mutter Elsa beigesetzt werden, auf dem Waldfriedhof in Grünwald,<br />
nicht weit von ihrem letzten Wohnort entfernt.
</p>
<p>
Ein schlichter Ort, ein zurückhaltendes Ritual – passend zu ihrem letzten Lebensjahrzehnt, in dem sie sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatten. Zwei große Künstlerinnen, die nach einem langen, bewegten Leben noch einmal ganz für sich sein wollten.
</p>
<h2 id="der-geliebte-hund-yello-und-die-frage-nach-seinem-platz">Der geliebte Hund Yello – und die Frage nach seinem Platz</h2>
<p>
Viele Fans fragen sich: Was wird aus Yello? Der geliebte Hund der Schwestern wurde 14 Jahre alt und hinterließ eine tiefe Lücke. In einem Interview sagten Alice und Ellen Kessler einmal: „Wir haben unsere Mutter und Yello sehr geliebt.“
</p>
<p>
Sein Tod brach ihnen das Herz – Yello litt unter Herzproblemen, sein vergrößertes Herz drückte auf die Lunge, er bekam schließlich keine Luft mehr. Gerade für Menschen, die keine eigenen Kinder haben oder sehr eng miteinander leben, kann ein Tier fast wie ein vollwertiges Familienmitglied sein.</p>
<div class="info-box2024">
<div class="info-box2024-title"></div>
<h2 id="tierbestattung-und-friedhofsrecht">Tierbestattung und Friedhofsrecht</h2>
<p>
    So sehr man es sich auch wünscht:<br />
    <strong>Haustiere dürfen in Deutschland normalerweise nicht auf Friedhöfen für Menschen bestattet werden.</strong><br />
    Für Tiere gibt es eigene Tierfriedhöfe oder alternative Bestattungsformen.<br />
    Die Idee einer gemeinsamen Ruhestätte von Mensch und Tier bleibt in den meisten Bundesländern ein schöner,<br />
    aber rechtlich nicht umsetzbarer Gedanke.
  </p>
</div>
<p>
Die Vorstellung, im Tod wieder mit Mutter und Hund vereint zu sein, war für die Kessler-Zwillinge ein tröstlicher Gedanke. Dass sich dieser Wunsch nicht vollständig erfüllen lässt, zeigt einmal mehr, wie stark Recht und Emotion beim Thema Bestattung auseinanderdriften können.
</p>
<h2 id="ein-letzter-gemeinsamer-weg-der-selbstgewaehlte-tod">Ein letzter gemeinsamer Weg – der selbstgewählte Tod</h2>
<p>
Am 17. November 2025 starben die Kessler-Zwillinge in ihrem Haus in Grünwald. Später wurde bekannt, dass sie sich für einen begleiteten Suizid entschieden hatten – ein selbstbestimmter Schritt, den sie gemeinsam gingen, wie sie auch ihr Leben gemeinsam gestaltet hatten.
</p>
<p>
Ellen hatte zuletzt einen Schlaganfall erlitten und litt unter schweren Depressionen und Herzproblemen. Ihre Schwester Alice wich nicht von ihrer Seite und begleitete sie in den Tod. Beide wurden 89 Jahre alt – ein hohes Alter, gefüllt mit Auftritten, Erfolgen, aber auch mit Krankheit, Verlusten und dem Wunsch, den letzten Weg nicht allein gehen zu müssen.
</p>
<div class="info-box2024">
<div class="info-box2024-title"></div>
<h2 id="begleiteter-suizid-ein-sensibles-thema">Begleiteter Suizid – ein sensibles Thema</h2>
<p>
    Der begleitete Suizid ist rechtlich, ethisch und emotional ein hoch sensibles Thema.<br />
    In einigen Ländern ist er unter strengen Bedingungen erlaubt, in anderen strikt verboten.<br />
    Im Zentrum steht immer die Frage nach Selbstbestimmung, Leidensdruck und Würde am Lebensende.<br />
    Dass die Kessler-Zwillinge diesen Weg gemeinsam gewählt haben, passt zu ihrem lebenslangen Miteinander –<br />
    und wirft gleichzeitig viele Fragen auf, die jeder nur für sich selbst beantworten kann.
  </p>
</div>
<h2 id="nachklang-ein-leiser-abschied-zweier-grosser-damen">Nachklang: Ein leiser Abschied zweier großer Damen</h2>
<p>
Es ist ein eigenartig berührendes Bild: Zwei Frauen, die auf den größten Bühnen Europas standen, verabschieden sich ganz leise. Kein Applaus, kein Blitzlichtgewitter, kein öffentlicher Trost.
</p>
<p>
Nur Ruhe.<br />
Nur ein Grab unter Bäumen.<br />
Nur eine Mutter, die ihre Töchter im Tod wieder aufnimmt.
</p>
<p>
Und vielleicht ist es genau das, was die Kessler-Zwillinge zuletzt wollten: Einen Abschied ohne Scheinwerfer – aber mit Würde.</p>
<p>
Für viele Fans bleibt die Erinnerung an zwei strahlende, elegante Frauen, die das deutsche Showgeschäft über Jahrzehnte geprägt haben. Für uns im Bestattungswesen bleibt dieser Fall ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, Wünsche rechtzeitig zu besprechen, sie juristisch zu prüfen und – wo immer möglich – einen Weg zu finden, Herzenswünsche und rechtliche Rahmenbedingungen miteinander zu versöhnen.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/4dc7c9297e804ede86324f6024691f14" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/4dc7c9297e804ede86324f6024691f14" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Rosane</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 10:05:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[dick]]></category>
		<category><![CDATA[dicker Mann]]></category>
		<category><![CDATA[falsche Verdächtigung]]></category>
		<category><![CDATA[frauen]]></category>
		<category><![CDATA[kerzen]]></category>
		<category><![CDATA[männer]]></category>
		<category><![CDATA[Sandy]]></category>
		<category><![CDATA[verschwunden]]></category>
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					<description><![CDATA[Morgens benötige ich immer eine Weile, bis mein Sammelsurium aus inneren Organen die für einen effektiven Tagesablauf notwendige Betriebstemperatur erreicht hat. Bis dahin arbeite ich im Energiesparmodus und mit der<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/rosane/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Morgens benötige ich immer eine Weile, bis mein Sammelsurium aus inneren Organen die für einen effektiven Tagesablauf notwendige Betriebstemperatur erreicht hat. Bis dahin arbeite ich im Energiesparmodus und mit der Intensität einer durchgebrannten Glühbirne.</p>
<p>Nur die Gabe von mehreren Tassen Kaffee kann wirkungsvoll dazu beitragen, diesen Prozess des Hochfahrens etwas zu beschleunigen. Gespräche, die mir in dieser Zeit unaufgefordert aufgenötigt werden, führen unter Umständen dazu, dass in mir der Urmensch erwacht und ich nach einer Keule zu suchen beginne. Ich bin, wie wir alle, noch sehr, sehr nahe am Urmenschen angesiedelt, nur stehe ich, im Gegensatz zu allen anderen, sehr offensiv dazu.</p>
<p>Am Abend vorher war ich aus meinem Büro nach oben gegangen, weil mir tatsächlich die Augen zugefallen waren und ich mich selbst angeschnarcht habe. Es war ein anstrengender Tag gewesen. Kurz bevor ich hochging, hatte ich vier elektrische Kerzen begutachtet, die mir ein Händler zur Ansicht zugesandt hatte. Verkaufen wollte mir der Pietätwarenhändler so richtig große Stumpenkerzen von fast einem Meter Länge, schön dick, aus echtem Wachs, aber mit Flackerlicht aus aufladbaren Batterien.</p>
<p>Zur Ansicht hatte er mir kleinere Versionen geschickt, so wie man sie vielleicht auf einen Adventskranz machen würde.</p>
<p>Eine weiße nannte sich &#8222;Engelsharmonie&#8220;, eine gelbliche war auf den Namen &#8222;Requiem&#8220; getauft und die dritte, etwas gräulich aussehende, hieß &#8222;Elohim&#8220;. Der Name der vierten fiel mir nicht mehr ein, aber sie war auf jeden Fall rosa.</p>
<p>Jetzt sitze ich da im Büro, Sandy hat mir eine Tasse Kaffee hingestellt, so wie ich ihn mag, mit einem Schuss kaltem Wasser, damit er nicht so ganz heiß ist.<br />
Ich schlürfe, fahre innerlich hoch, und denke gerade darüber nach, ob ich morgens vielleicht doch eher kalt duschen sollte, um meine tägliche Menschwerdung zu beschleunigen.<br />
Da fällt mein Blick auf die Musterkerzen vor mir auf dem Schreibtisch: Es sind nur noch drei Kerzen da!</p>
<p>Ha! Ich weiß genau, was los ist. Die Weiber, diese elenden parfümierten, rosaliebenden Hühner vorne aus dem Büro haben sich die rosafarbene Kerze gekrallt und schmücken damit ihr Büro.</p>
<p>&#8222;Sandy!&#8220;</p>
<p>Das Mädchen erscheint, sichtlich verwundert, dass der Alte schon zur Abgabe verbaler Kommunikationsfetzen in der Lage ist. &#8222;Was&#8217;n los, Chef?&#8220;</p>
<p>&#8222;Die Kerze, wo habt ihr meine Kerze hin, Du weißt schon, die rosafarbene.&#8220;</p>
<p>&#8222;Was für ne rosane Kerze?&#8220;</p>
<p>&#8222;Rosane? Was soll das denn für ein Adjektiv sein?&#8220;</p>
<p>Nun ist die junge Deutsch-Amerikanerin ja weder blöd, noch auf den Mund gefallen. &#8222;Ich weiß, das Adjektiv rosa ist in der Standardsprache nicht flektierbar. Das ist ja auch bei den Farbadjektiven lila, orange, beige und khaki so. Aber für viele Menschen fühlt sich das unfertig an, weil Adjektive im Deutschen normalerweise gebeugt werden. Darum bilden viele, vor allem Jüngere, analog ein gefühlt korrekt gebeugtes Wort. Deshalb sag&#8216; ich eben rosane und nicht nur rosa.&#8220;</p>
<p>&#8222;Was?&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, Chef, in der Linguistik nennt man das Analogieform – man passt ein unregelmäßiges Wort dem Regelwerk an.&#8220;</p>
<p>&#8222;Also&#8230;&#8220;</p>
<p>&#8222;Chef, wenn Du noch Fragen dazu hast, dann sag das doch!&#8220;</p>
<p>&#8222;Nein, ich will nur wissen, wo die rosa Kerze ist, die gestern Abend noch hier auf meinem Schreibtisch stand.&#8220;</p>
<p>&#8222;Keine Ahnung.&#8220;</p>
<p>&#8222;Habt ihr die vorne bei Euch im Büro?&#8220;</p>
<p>&#8222;Nö, da ist nichts&#8220;, sagt sie und geht.</p>
<p>Etwas später hole ich mir meine zweite Tasse Lebenselixier und auf dem Rückweg schlendere ich wie zufällig ins Büro der Damen, um mich unauffällig nach der verschwundenen Kerze umzuschauen. Um es klar zu sagen, mir ist die Kerze im Grunde genommen völlig egal. Aber ich will die Niedertracht der schelmenhaften Weiberkohorte entlarven und den gemeinen Diebstahl vom Tische des Firmenpatriarchen aufklären, die Täterinnen zur Rede stellen und harte Strafen verhängen, jawoll!</p>
<p>Ich bin in solchen Sachen ja sehr geschickt. Ganz unauffällig schaue ich mich um, blättere das Tagesprotokoll durch, schlürfe an meiner Tasse herum.</p>
<p>&#8222;Chef, suchen Sie die Kerze?&#8220;, spricht mich Frau Büser an.</p>
<p>&#8222;Äh, nee, Kerze, äh, wieso? Ich wollte nur&#8230;.&#8220;</p>
<p>&#8222;Wir haben die Kerze nicht.&#8220;</p>
<p>Zurück in meinem Büro gehe ich die Liste der Tatverdächtigen durch. Gut, es könnte auch einer von den Männern gewesen sein. Und, so fiel es mir siedendheiß ein, auch die kleine Kuschelkatze, die ab und zu in der Werkstatt zu Besuch ist und die gerne nachts durch unsere Räume streift, könnte ja auch diese Kerze vom Tisch gestoßen und damit gespielt haben.</p>
<p>Nach der dritten Tasse Kaffee mache ich mich in meinem Büro auf die Suche nach der Kerze. Ich krieche unter den Schreibtisch, nichts. Ich suche unter dem Sideboard, nichts.<br />
Nun muss man sich das mal bildlich vorstellen: Ich bin ja knapp 2 Meter groß und so um die 2 Zentner schwer. Wenn so ein Geschoss von Mann auf dem Bauche liegend unter ein Sideboard krabbelt, hat das schon was Komisches.<br />
Der Meinung waren auch meine Bürodamen, die allesamt lachend und kichernd in der Tür stehen und frecherweise die Szene auch noch mit dem Handy filmen.</p>
<p>Wenigstens eilen Antonia und Sandy herbei, um mir wieder aufzuhelfen.<br />
Frau Büser hat unterdessen den Lieferschein des Pietätwarenhändlers von meinem Schreibtisch genommen und schwenkt ihn triumphierend über ihrem Kopf. &#8222;Ha! Drei! Ich sage nur drei!&#8220;</p>
<p>&#8222;Was drei?&#8220;, will ich wissen.</p>
<p>&#8222;Meister des Hauses, glauben Sie mir, es waren nur drei Kerzen: Engelsharmonie, Requiem und Elohim. Weiß, gelb und grau. Eine rosane Kerze war gar nicht dabei.&#8220;</p>
<p>&#8222;Rosa Kerze!&#8220;</p>
<p>&#8222;Die auch nicht.&#8220;</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/37176bb5fb3a4e9e88e2e3dd66a933bf" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/37176bb5fb3a4e9e88e2e3dd66a933bf" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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		<title>Gewinnspiel 2025</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 08:40:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gewinnspiel]]></category>
		<category><![CDATA[gewinnen]]></category>
		<category><![CDATA[gewinnspiel]]></category>
		<category><![CDATA[gewonnen]]></category>
		<category><![CDATA[preise?]]></category>
		<category><![CDATA[tolle Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[weihnachtsgeschenke]]></category>
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					<description><![CDATA[Beim diesjährigen Halloween-Gewinnspiel gab es schöne Bücher zu gewinnen. Nachdem auch der letzte Gewinner sich sein Buch herausgesucht hat, habe ich heute alle Versandmarken ausgedruckt und die Bücher eingepackt. Sie<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/gewinnspiel-2025/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Beim diesjährigen Halloween-Gewinnspiel gab es schöne Bücher zu gewinnen. Nachdem auch der letzte Gewinner sich sein Buch herausgesucht hat, habe ich heute alle Versandmarken ausgedruckt und die Bücher eingepackt.</p>
<p>Sie sind seit vorhin auf dem Weg zu Euch.</p>
<p>Einmal hat sich jemand den neuen spannenden Roman &#8222;<a href="https://dreibeinblog.de/books/mori-der-teufel-von-waibstadt-hardcover/" rel="noopener">Mori &#8211; Der Teufel von Waibstadt</a>&#8220; rausgesucht, zwei Gewinner wünschten sich &#8222;<a href="https://dreibeinblog.de/books/digitaler-tatort-internet/" rel="noopener">Digitaler Tatort Internet</a>&#8220; und zwei bekommen wunschgemäß &#8222;<a href="https://dreibeinblog.de/books/du-mich-auch/" rel="noopener">Du mich auch! &#8211; Satiren</a>&#8222;.</p>
<p>Ich gratuliere allen Gewinnerinnen und Gewinnern ganz herzlich zu den schönen Buchpreisen.<br />
Allen anderen danke ich für ihre Teilnahme und hoffe, dass sie nicht allzu enttäuscht sind, weil ihnen das Losglück diesmal nicht hold war.</p>
<p>Aber Du kannst die Bücher auch gerne käuflich erwerben. Sie sind alle nicht besonders teuer, aber sehr schön und lehrreich. Die Bücher sind auch ein ideales Weihnachtsgeschenk.<br />
Außerdem unterstützt Du meine Arbeit und belohnst mich für meine Schreiberei.</p>
<div class="btn-container"><a href="https://dreibeinblog.de/die-buecher-von-peter-wilhelm/" class="btn" rel="noopener">hier kannst Du Dir ein Buch bestellen</a></div>
<p>Denke auch daran, Jugendlichen Bücher zu schenken. Es wird viel zu wenig gelesen.</p>
<p>Übrigens: Einige Bücher gibt es auch als E-Book. <a href="https://dreibeinblog.de/die-buecher-von-peter-wilhelm/" rel="noopener">Schau hier mal nach.</a></p>
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		<title>Kessler-Zwillinge, Alice und Ellen schieden aus dem Leben</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/kessler-zwillinge-alice-und-ellen-schieden-aus-dem-leben/</link>
					<comments>https://bestatterweblog.de/kessler-zwillinge-alice-und-ellen-schieden-aus-dem-leben/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Nov 2025 07:50:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Nekrolog]]></category>
		<category><![CDATA[Alice]]></category>
		<category><![CDATA[Ellen]]></category>
		<category><![CDATA[Kessler]]></category>
		<category><![CDATA[Zwillinge]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Kessler-Zwillinge, Alice und Ellen, gehörten zu einer Generation von Künstlerinnen, deren Karrierewege heute fast märchenhaft wirken. Als identisches Duo aus dem Berliner Nachkriegsdeutschland gestartet, wurden sie in den fünfziger<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/kessler-zwillinge-alice-und-ellen-schieden-aus-dem-leben/" class="alles-lesen-btn">
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</a></div>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Kessler-Zwillinge, Alice und Ellen, gehörten zu einer Generation von Künstlerinnen, deren Karrierewege heute fast märchenhaft wirken. Als identisches Duo aus dem Berliner Nachkriegsdeutschland gestartet, wurden sie in den fünfziger Jahren zu international präsentierten Revuestars, tanzten in Paris und Las Vegas, standen auf den großen Bühnen Europas und waren viele Jahre lang so etwas wie ein verlässlicher Exportartikel der leichten Unterhaltung.</p>
<p>In den Vereinigten Staaten waren sie Show-Partnerinnen von Frank Sinatra und Dean Martin.</p>
<p>Ihr Erfolg beruhte nie auf Skandalen oder lautem Getöse, sondern auf Disziplin, Professionalität und einem perfekt eingespielten Zusammenspiel, das sie über Jahrzehnte hinweg kultivierten. Gerade dadurch wurden sie zu beständigen Begleiterinnen einer Epoche, deren Unterhaltungsformen heute fast vollständig verschwunden sind.</p>
<p>Privat blieben sie stets eng miteinander verbunden – eine Konstellation, die ihrem öffentlichen Bild entsprach und zugleich überdauerte, als das Bühnenlicht längst erloschen war. Mit ihrem Tod endet die Geschichte eines Duos, das eine ganze Ära verkörperte, ohne sich je wichtiger zu nehmen, als es die Sache erforderte.</p>
<p>In einem Fernsehbeitrag anlässlich ihres Todes wurde auf die Synchronität hingewiesen, mit der sie ihre Zwillingsauftritte absolvierten. Diese Wesenseigenschaft hielten Alice und Ellen Kessler auch bis in den Tod durch, als sie sich entschieden, am 17.11.2025 durch assistierten Suizid im Alter von 89 Jahren in Begleitung eines Arztes aus dem Leben zu scheiden.</p>
<p>Für das jüngere Publikum werden die Kessler-Zwillinge heute kaum mehr ein Begriff sein – ähnlich wie viele andere einst allgegenwärtige Unterhaltungspersönlichkeiten ihrer Zeit, etwa Elke Sommer oder die Jacob-Sisters. Ihre Namen stehen für eine Ära, die im kollektiven Gedächtnis langsam verblasst, deren Spuren aber in der Geschichte der deutschsprachigen Unterhaltungskultur weiterhin sichtbar bleiben.<br />
Ein stilles Kapitel schließt sich – und ein Stück Showgeschichte bleibt zurück.</p>
<p><iframe loading="lazy" width="560" height="315" src="https://www.youtube-nocookie.com/embed/32Vf5LQuOTk?si=E3Jfm4nO9E3dbALQ" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></p>
<p>gemeldet von Peter D.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/9ff31645f81f4545bb78b3185e838dfa" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/9ff31645f81f4545bb78b3185e838dfa" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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			</item>
		<item>
		<title>Eins, zwei oder drei! Ob Ihr wirklich richtig steht&#8230;</title>
		<link>https://bestatterweblog.de/eins-zwei-oder-drei-ob-ihr-wirklich-richtig-steht/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Nov 2025 05:18:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Benz-Baracken Mannheim]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter Einsatz]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgergeld Miete]]></category>
		<category><![CDATA[dritte Etage]]></category>
		<category><![CDATA[kommunale Wohnungsbaugesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Leichenüberführung]]></category>
		<category><![CDATA[Mietkosten Sozialamt]]></category>
		<category><![CDATA[Nachtarbeit Bestatter]]></category>
		<category><![CDATA[Sargtransport Treppenhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungsbesichtigung Einsatz]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn spätabends beim Bestatter das Telefon klingelt, ist entweder Tante Else dran, die nicht mehr so genau weiß, wie spät es eigentlich ist, oder aber ein trauriger Mensch möchte den<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/eins-zwei-oder-drei-ob-ihr-wirklich-richtig-steht/" class="alles-lesen-btn">
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</a></div>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn spätabends beim Bestatter das Telefon klingelt, ist entweder Tante Else dran, die nicht mehr so genau weiß, wie spät es eigentlich ist, oder aber ein trauriger Mensch möchte den Tod eines Angehörigen melden.</p>
<p>An diesem Abend war es ein trauriger Mensch.</p>
<p>&#8222;Ich bin der Torsten Kessler und meine Mutter ist tot, Sie müssen sofort kommen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, war denn der Arzt schon da?&#8220;</p>
<p>&#8222;Wozu, die ist doch nicht krank, die ist doch tot.&#8220;</p>
<p>&#8222;Aber der Hausarzt muss erst den Tod feststellen und bescheinigen.&#8220;</p>
<p>&#8222;Ach so, ja, der war da. So einen Totenzettel haben wir. Ich dachte, Sie meinen wegen einer Behandlung. Wie gesagt, die ist tot.&#8220;</p>
<p>&#8222;Gut, dann kommen wir jetzt. Wir sind so ungefähr in 20 bis 45 Minuten da.&#8220;</p>
<p>&#8222;Bringen Sie aber was zum Tragen mit, wir selbst haben sowas nicht.&#8220;</p>
<p>&#8222;Selbstverständlich.&#8220;</p>
<p>&#8222;Und die liegt im dritten Stock.&#8220;</p>
<p>Ich denke kurz an meinen schmerzenden Rücken, dann seufze ich unhörbar in mich hinein und sage: &#8222;Okay, wir kommen dann.&#8220;</p>
<p>&#8222;Halt!&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, was ist denn noch? Das haben Sie verstanden, dass sie was zum Tragen mitbringen sollen, also wo meine Mutter rein soll, so eine Kiste?&#8220;</p>
<p>&#8222;Wir sollen gleich einen Sarg mitbringen? Normalerweise überführen wir mit einer Trage.&#8220;</p>
<p>&#8222;Nee, völlig unnötig. Bringen Sie einen Sarg mit, so helles Holz ohne Schnickschnack.&#8220;</p>
<p>Das Modell heißt bei uns Kassel, ein schöner, preiswerter und stabiler Sarg ohne Verzierungen.</p>
<p>Wenig später ist Manni da und hat schon den Wagen aus dem Keller geholt. Er hupt. Gott sei Dank ist der direkte Nachbar, Oberstudienrat Nasweis-Lästig, ziemlich schwerhörig geworden und regt sich über das gelegentliche Hupen nicht mehr auf. Ihn hat vor allen Dingen das piepende Geräusch immer sehr genervt, dass die Lastwagen mancher Lieferanten beim Rückwärtsfahren machen. &#8222;Ein guter Deutscher weiß immer, wer hinter ihm lauert, der braucht kein piepsendes Vögelchen.&#8220;</p>
<p>Ich wuchte im Keller noch das Modell Kassel auf einen Sargwagen und schiebe den Sarg die Rampe hoch. Manni konnte ja nicht wissen, dass wir den Sarg mitnehmen müssen.<br />
Er hilft mir beim Einladen und meint nur mit gerunzelter Stirn: &#8222;Hoffentlich Parterre.&#8220;</p>
<p>Ich schüttele den Kopf: &#8222;Dritter Stock.&#8220;</p>
<p>&#8222;Scheiße.&#8220;</p>
<p>Augen auf bei der Berufswahl, sagt man ja so, wenn sich jemand über selbstverständliche Lästigkeiten seines Berufs beklagt. Ich nutze diese Floskel auch gerne, denn zunehmend begegnen mir Menschen, die sich ausgerechnet über jene Belastungen und Anforderungen ihres Berufs beklagen, die besonders typisch für ihren Job sind. Ich meine, was glaubt ein junger Mann, wenn er Bäcker wird, wann er morgens aufstehen muss? So gegen elf? Was hat einer, der Zusteller bei DHL geworden ist, von seinem Beruf erwartet, wenn er jetzt klagt: &#8222;Diese ewige Rennerei!&#8220;</p>
<p>Wir Bestatter wissen, dass unser Beruf mit Schlepperei verbunden ist. Nachtarbeit, schweres Heben und Tragen, olfaktorische Belastungen und oft auch hohe psychische Anforderungen gehören dazu, ebenso wie Arbeiten unter Zeitdruck und Stress. Und dieses &#8222;Ständig-Bereitsein&#8220; ist auch belastend. Wenn Du Bereitschaft hast, bekommst Du den Kopf nie ganz frei und bist irgendwie immer angespannt, weil ja jede Sekunde ein Einsatz kommen könnte.<br />
Aber das weiß man ja, das kriegt man ja im Laufe der Zeit alles mit. Und trotzdem darf man stöhnen, seufzen und &#8218;Scheiße&#8216; sagen, wenn es heißt: Im dritten Stock.</p>
<p>Vor der Brugstraße 41 steht schon einer und winkt. Es ist der Mann, der vorhin angerufen hat: &#8222;Sie müssen in den dritten Stock, ich geh&#8216; schon mal hoch, ich lass Ihnen die Tür auf.&#8220;</p>
<p>Manni und ich machen das normalerweise immer so, dass einer von uns erst mal hochgeht und die Lage peilt. Dann erst holen wir die Trage. Aber in diesem Fall machen wir das aus irgendeinem Grund anders, laden den Sarg aus und fangen an, ihn durchs Treppenhaus zu schleppen. Es ist ein gemeinnütziges Treppenhaus, oder wie Manni im Dialekt sagt &#8218;gemoinitzisch&#8216;. Die &#8218;Gemeinnützige&#8216; ist eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft, die in der Stadt zahlreiche Häuser mit Wohnungen für Leute mit und ohne Wohnberechtigungsschein gebaut hat. Wer nicht ganz so viel Geld für die Miete ausgeben kann, wohnt bei der &#8218;Gemoinitzische&#8216;.</p>
<p>Auf der anderen Seite sehe ich, dass selbst die Wohnungen der &#8218;Gemoinitzischen&#8216; in den durch das Fernsehen sehr bekannten Benz-Baracken<sup id="fnref1"><a href="#fn1" class="footnote">1</a></sup> mit Nebenkosten auch schon fast 1.000 Euro kosten sollen. Böse Zungen behaupten, diese Wohnungsgesellschaft spekuliere darauf, dass die Mieten der Bedarfsgeldempfänger vom &#8218;Amt&#8216; übernommen werden. Da Sozialleistungen in der Regel zumeist überwiegend vom Bund (SGB II – Bürgergeld/Jobcenter) gezahlt werden, holen die kommunalen oder mit der Kommune verbundenen Vermieter auf diese Weise über die hohen Mieten ordentlich Geld ins Stadtsäckel.<br />
Das ist natürlich sehr kurz gedacht und griffig formuliert, entbehrt auch bei näherer Betrachtung jeglicher vernünftiger Grundlage, bleibt aber doch Gegenstand der unzufriedenen Diskussionen. Jedenfalls ist es kaum zu verstehen, dass Wohnungen in den alten Blöcken der Laubenganghäuser in den sogenannten Benz-Baracken so teuer sein sollen. Es handelt sich bei den Laubenganghäusern, die heute als Benz-Baracken bekannt sind, nicht um die wirklichen Baracken. Diese lagen nahebei, waren ärmliche Holz- und Steinhäuser und sind in den frühen 1980er-Jahren abgerissen worden. Die Laubenganghäuser sind Einfachbauten mit geringster Ausstattung und schlechter Isolierung in nicht ganz einfacher Umgebung.</p>
<p>Was ich aber erzählen wollte: Die Treppenhäuser in den normalen Wohnblocks dieser Wohnbaugesellschaft sind alle sehr ähnlich. Fast überall findet man die gleichen steinernen Treppenstufen, die gleichen Treppengeländer und dieselben Abmaße.<br />
Da wissen wir genau, wie wir einen Sarg durch das enge Treppenhaus jonglieren müssen. Hoch geht ja noch, da ist der Sarg noch leer.</p>
<p>Parterre, dann hoch in den ersten Stock, kurze Pause, einmal durchatmen, zweiter Stock. Im ganzen Haus sind die Wohnungstüren zumindest einen Spaltbreit geöffnet, die Leute haben mitbekommen, dass was los ist. Noch einmal Luft holen und rauf zum dritten Stock. Die Wohnungstür steht halboffen, Manni schiebt sie, rückwärts gehend, mit dem Hintern auf. Den Sarg stellen wir erstmal in den langen Flur. Aus der Küche kommt ein Mann, schaut uns an, greift sich in den Schritt, reibt sich dann an der Nase, wobei er hörbar an seiner Hand schnüffelt. Dann kratzt er sich am Kopf. &#8222;Isses jetzt so weit?&#8220;</p>
<p>&#8222;Bestattungshaus&#8220;, sagt Manni.</p>
<p>Der Mann deutet mit dem Daumen über die Schulter nach hinten. &#8222;Also vorhin ging es ihr noch ganz gut, aber wenn Sie meinen, können Sie sie auch mitnehmen.&#8220;</p>
<p>Irgendwas stimmt da nicht.  </p>
<p>&#8222;Sie sind doch der Herr Kessler, oder?&#8220;</p>
<p>Der Mann atmet hörbar aus, Erleichterung zeigt sich auf seinem Gesicht: &#8222;Nee, da seid Ihr falsch, die wohnen eins unten drunter, dritter Stock.&#8220;</p>
<p>Moment mal, wir sind im dritten Stock! Manni dreht sich um, nickt mir zu und sagt: &#8222;Kommen Sie, Chef, Abmarsch, eins tiefer!&#8220;</p>
<p>Im Treppenhaus raune ich ihm zu: &#8222;Wir waren doch im dritten Stock.&#8220;</p>
<p>&#8222;Nee, im vierten!&#8220;</p>
<p>&#8222;Wieso das denn? &#8222;Parterre, erster, zweiter, dritter&#8230;&#8220;</p>
<p>&#8222;Ja, und der Mannheimer zählt vom Keller aus. Parterre unten ist der erste Stock. Also die zählen die Parterre schon mit.&#8220;</p>
<p>Ja, jetzt fällt es mir auch wieder ein: Die Eingeborenen hier zählen anders, als es in meiner Heimat im Ruhrgebiet üblich ist<sup id="fnref2"><a href="#fn2" class="footnote">2</a></sup>.</p>
<p>Wenigstens nimmt es der Mann von oben mit Humor. Wahrscheinlich hat er aber auch schon den einen oder anderen Jägermeister zu viel intus, jedenfalls steht er jetzt mit einer kleinen Flasche dieses Kräuterschnapses im Treppenhaus, guckt neugierig in die Wohnung, in der wir richtig sind, und greift sich von Zeit zu Zeit in den Schritt.</p>
<p><img decoding="async" src="https://bestatterweblog.de/wp-content/uploads/treppe-450x280.webp" alt="" width="450" height="280" class="alignnone size-post-medium_large wp-image-62522" /></p>
<p>Er setzt die kleine Flasche immer wieder an. Neben ihm steht eine etwas übergewichtige Frau in einem fleischfarbenen Jogginganzug, der so eng ist, dass man auf den ersten, und auch auf den zweiten Blick meinen könnte, sie hätte gar nichts an. &#8222;Holen die jetzt eine Leiche?&#8220;, will sie von dem Jägermeister wissen. &#8222;Die hebbe &#8217;n Sarsch dabei&#8220;, meint er. &#8222;Ja, ja, am End&#8216; komme&#8216; mir all&#8216; in die Kischt!&#8220;, philosophiert die Frau in der Schweinepelle.<br />
Ich höre noch, wie der Mann sagt: &#8222;Die wollte&#8216; schunn mei&#8216; Rosel hole, hebb isch gedacht. Die macht ja auch nimmer lang.&#8220;<br />
Und die Philosophin sagt: &#8222;Is&#8216; schun besser, wenn man wart&#8216; bis die wirklich tot sind&#8216; odda?&#8220;<br />
Der Jägermeister greift sich in den Schritt, schnuppert an seiner Hand und nickt bedächtig: &#8222;Ja, stimmt schunn, awwa so, wie die sich quält, is&#8216; des ja auch kei&#8216; Leben.&#8220;<br />
Die Rosafarbene legt einen Arm um ihn und sagt tröstend: &#8222;Ach, Werne, isch koch&#8216; Euch morgen wieder was.&#8220;</p>
<p>Und ich finde, solange man jemanden hat, der einem morgen wieder was kocht, ist alles so irgendwie doch noch in Ordnung.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/733c50aff42a4273853620541b72b645" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/733c50aff42a4273853620541b72b645" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
<div id="serial-posts-wrapper"><h3 class="serial-posts-heading">Fußnoten:</h3><div class="footnotes"><ol class="serial-posts"><li id="fn1"><a href="https://www.marchivum.de/de/geschichte/der-marchivum-podcast/der-marchivum-podcast-folge-19-die-benz-baracken">https://www.marchivum.de/de/geschichte/der-marchivum-podcast/der-marchivum-podcast-folge-19-die-benz-baracken</a> <a href="#fnref1"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li><li id="fn2"><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Geschoss_(Architektur)#Nummerierung">https://de.wikipedia.org/wiki/Geschoss_(Architektur)#Nummerierung</a> <a href="#fnref2"><span class="footn"> (zurück)</span></a></li></ol></div></div>]]></content:encoded>
					
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		<title>Halloween-Gewinnspiel 2025 &#8211; Auflösung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Wilhelm]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Nov 2025 15:33:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gewinnspiel]]></category>
		<category><![CDATA[2025]]></category>
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					<description><![CDATA[Beim diesjährigen Gewinnspiel zu Halloween mussten drei kleine Aufgaben gelöst werden. Hier die Auflösungen, so wie ich sie mir vorgestellt habe: 1. Geister zählen Es waren viele Gespenster abgebildet, und<div class="bd-more-btn"><a href="https://bestatterweblog.de/halloween-gewinnspiel-2025-aufloesung/" class="alles-lesen-btn">
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Beim diesjährigen Gewinnspiel zu Halloween mussten drei kleine Aufgaben gelöst werden.</p>
<p>Hier die Auflösungen, so wie ich sie mir vorgestellt habe:</p>
<p><strong>1. Geister zählen</strong></p>
<p>Es waren viele Gespenster abgebildet, und Du musstest ermitteln, wie viele Gespenster es sind, die genau zwei Augen und einen Mund haben. Einige mit drei Augen oder nur einem Auge hatten sich auch gezeigt.<br />
Aber es sind genau 52 Gespenster, die 2 Augen und 1 Mund hatten. Die Lösungszahl lautet also hier: 52</p>
<p><strong>2. falscher Rebus</strong></p>
<p>Der SWR hatte zwei Fehler gemacht. Einmal schreibt man Reh am Ende mit H und es müsste auch ein V und kein W eingesetzt werden. Denn das gesuchte Wort sollte ja REVOLVERHELD und nicht REHWOLVERHELD lauten. Gesucht war der falsche Buchstabe W und dessen Position im Alphabet. Das W ist der 23. Buchstabe und deshalb ist die zweite Zahl die 23.</p>
<p><strong>3. Der tote Kalif</strong></p>
<p>Dem windigen Fremdenführer war der Weg zu einem richtigen und wirklich alten Kalifengrab zu weit und zu beschwerlich. Deshalb führte er die ahnungslosen Touristen auf einen Friedhof, wo auf einem Grab die Jahreszahl 1447 zu sehen ist.<br />
Das uralte Grab beeindruckte die Touristen, die jedoch nicht wussten, dass im Islam eine andere Zeitrechnung gilt. Das Jahr 1447 nach islamischem Kalender entspricht 2025. Also ist 2025 die richtige Lösung.</p>
<p>Zu addieren waren also 52 + 23 + 2025 = <strong>2100</strong>.</p>
<p>Gewonnen haben:</p>
<p><strong>Siegfried K.<br />
Birgit B.<br />
Dieter G.<br />
</strong><br />
Diese drei hatten die richtige Antwort eingesandt.</p>
<p>Unter allen Teilnehmern wurde noch ein Gewinner bzw. eine Gewinnerin ausgelost, der/die auch für eine fast richtige Antwort belohnt werden soll.<br />
Das Los trifft <strong>Antje mit dem Edding</strong>.</p>
<p>Da es keine Namensdopplungen gibt, sind die o.g. Personen auch die, die gemeint sind. Bitte schreibt mir Eure Adresse und welches Buch ihr gerne haben möchtet.<br />
Die Auswahlliste der Bücher gibt es hier: <a href="https://bestatterweblog.de/halloween-gewinnspiel-2025-vorankuendigung/">https://bestatterweblog.de/halloween-gewinnspiel-2025-vorankuendigung/</a></p>
<p>Die Zusendung der Bücher erfolgt bis spätestens Weihnachten.</p>
<p>Herzlichen Glückwunsch!</p>
<p>Ich hoffe, das Spiel hat Euch ein bißchen Freude gemacht.</p><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="http://vg08.met.vgwort.de/na/e033d8cd5a2143aaa49608642d726fe2" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /><img src="https://api.wp-worthy.de/c/e033d8cd5a2143aaa49608642d726fe2" data-no-lazy="1" height="1" width="1" /></div>
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